Montag, 15. August 2022

Warum Herr K. keine Schweizer Literatur liest

(Bild: Pixabay - voltamax)

Am 13. August erschien im St. Galler Tagblatt und seinen Schwesterzeitungen unter dem Titel "Konservative haben schon immer die besseren Bücher geschrieben" ein Interview mit dem Schriftsteller Thomas Hürlimann. Das Interview las sich sehr viel spannender und intelligenter als der dämlich-reisserische Titel.

Heute doppelte in derselben Zeitung der Wirtschaftsprofessor Peter V. Kunz mit einer Kolumne nach, deren Titel denjenigen vom 13. August noch toppt: "Warum ich keine Schweizer Literatur lese - ich frage mich: Wieso müssen alle Schriftsteller links sein." 

Mal ganz abgesehen davon, dass "alle" ein sehr absoluter Begriff ist und die Aussage damit nie und nimmer stimmen kann: Selbst wenn wirklich alle links wählen würden, so what? Ich würde mal sagen, die meisten Bauern stimmen bürgerlich und ich kaufe und esse ihre Produkte trotzdem. 

Aber gucken wir doch mal näher hin:

Etwas heuchlerisch dünkt es mich, wenn diese Autoren den Staat oder die «Gesellschaft» kritisieren, jedoch staatliche Förderung durch Steuergelder immer gerne akzeptieren.

Ah ja, interessant. Da könnten wir jetzt doch glatt wieder über Bauern und flächendeckende Subventionen reden, aber das finde ich nicht fair. Also reden wir über Banken, die nach dem Crash 2018 mit Steuergeldern gerettet werden mussten. Banken, deren Manager für arbeitende Menschen mit viel weniger Gehalt als sie nichts als ein müdes Lächeln übrig hatten, die hohe Bonuszahlungen erhielten, weil sie sie "verdient hatten" (auch wenn die Börsenkurse gnadenlos abschmierten). Wir können auch über die Privatwirtschaft reden, die am liebsten so wenig Staat wie möglich hätte, aber wenn es eng wird sehr gerne und mit grosser Selbstverständlichkeit Geld vom Staat nimmt. Das geht natürlich alles in Ordnung, sind ja alle systemrelevant und haben gute Gründe, gell. Aber die Schriftsteller*innen, die sollen doch einfach dankbar sein und die Klappe halten, so nach dem Motto "Shut up and sing." Und wenn sie es nicht tun, dann sind sie heuchlerisch. Diese linken Socken! Und ich dachte immer, Demokratie ist, wenn man sagen darf, was man denkt, unabhängig von Abhängigkeiten.

Es missfällt mir, wenn Schriftsteller nicht nur an gesellschaftlichen Debatten teilnehmen, was völlig in Ordnung geht, sondern als «moralisches Gewissen» inszeniert werden.

Ich verstehe, dass man nicht einfach jemanden als moralisches Gewissen vorgesetzt bekommen will. Will ich ja auch nicht. Nur, es ist so: Das suchen sich Autor*innen nicht aus. Da wird also den Schriftsteller*innen etwas vorgeworfen, wofür sie nichts können. Ich behaupte jetzt auch einmal sehr pauschal: Kein einziger Schriftsteller und keine einzige Schrifstellerin bezeichnet sich selbst als moralisches Gewissen.

Viele Schriftsteller scheinen zudem ständig an sich und an ihrer Umwelt zu leiden ...

Also, die meisten Berufskolleg*innen, die ich kenne, sind ziemlich bodenständige, fidele Zeitgenossen, mit denen man herrlich lachen kann. Gut, nicht alle, aber die meisten. Was wir jedoch von Berufs wegen tun: Wir schauen genauer hin. Auch dorthin, wo andere vielleicht nicht hinschauen wollen. Dort, wo es ungemütlich wird. Dort, wo man wirklich an der Welt zu leiden beginnt. Und dann schreiben und reden wir darüber. Das ist Teil unseres Jobs.

Gegen das Ende der Kolumne kommt Herr Kunz, der bestimmt nicht wenig verdient, zum Einkommen. Er hat recht, wenn er schreibt, dass viele Schriftsteller*innen einen Brotberuf ausüben, um genügend zu verdienen und vor allem, dass sie mehr von Lesungen als von den Einnahmen der Bücher leben. Sein Fazit:

Doch es sollte den Autoren vermutlich zu denken geben, wenn mehr Geld verdient wird mit Lesungen oder Kolumnen als mit «richtigen» Publikationen.

Zwar gibt uns das mit dem geringen Einkommen aus unseren Buchverkäufen zu denken, aber wahrscheinlich auf ganz andere Art, als Herr Kunz sich das vorstellt. Schriftsteller*innen erhalten in der Regel etwas zwischen 5 und 10 Prozent des Nettoladenpreises eines Buches. Und weil Bücher ja nichts kosten dürfen, ist das verdammt wenig. Um ein einigermassen vernünftiges Einkommen zu generieren, sind wir auf Lesungen und einen Brotberuf angewiesen. Und im Gegensatz zu den Bauern (sorry, schon wieder) erhält auch längst nicht jeder Schriftsteller und jede Autorin Geld vom Staat, so, wie längst nicht jeder und jede von grossen oder kleinen Zeitungen interviewt wird. Uns geht es wie sehr vielen anderen Kulturschaffenden. Wir beuten uns mehr oder weniger fröhlich selber aus, leben als selbständig Erwerbende auf einem Hochseil ohne Netz. Wir sind uns dessen bewusst und die meisten von uns wissen ganz genau, worauf sie sich eingelassen haben. 

Was mir aber wirklich den Hut gelupft hat: Was zum Teufel sind "richtige" Publikationen? Gibt es auch "falsche"? Und warum diese Anführungs- und Schlusszeichen? Boah ...

Die Online-Zeitschrift "Die Ostschweiz" haut übrigens heute in dieselbe Kerbe und titelt: "Zwangsverlinkt". Im ersten Satz steht dann: "Künstler wählen links."

PS: Um ein sehr ähnliches Thema geht es in meiner letzten Qultur-Kolumne. Nicht um links wählende Autor*innen, sondern über sogenannt selbsternannte. Bitte hier klicken zum Lesen: Selbsternannt. Basta! Punkt!!!

Donnerstag, 11. August 2022

Marla rockt - ein Buch über eine Young Carer


Nach drei Jahren Pause in Sachen Neuerscheinungen freue ich mich riesig, euch mein neues Buch vorstellen zu können. Es heisst Marla rockt, erscheint Mitte September im da bux Verlag, ist 60 Seiten dünn und erzählt die Geschichte von Marla:

Wenn Marla singt, fühlt sie sich frei. Dann rockt sie. Vergisst für eine Weile die Krankheit ihrer Mutter und die Verantwortung, die auf ihren Schultern lastet. Aber ausgerechnet jetzt, wo alles zu viel wird, muss sie fit sein für DEN Bandwettbewerb des Jahres.  

Marla ist eine sogenannte Young Carer, also eine Jugendliche, die zu Hause viele Aufgaben übernimmt, die eigentlich die Eltern oder ein Elternteil übernehmen sollten, aber nicht können. Marla ist nicht allein. In der Schweiz übernehmen laut einer Studie knapp 8 Prozent der 10 – bis 15-jährigen Kinder und Jugendlichen in der Schweiz regelmässig Verantwortung in der Familie, z.B. für die Unterstützung, Betreuung und/oder Pflege einer nahestehenden Person.  

Ich habe vor vielen Jahren die ersten Young Carers kennengelernt und war erschüttert, wie alleine sie mit ihrer Verantwortung und ihren Problemen waren. Das hat sich im Laufe der Jahre geändert. Es gibt Organisationen und Anlaufstellen für Young Carer. Die können jedoch nur helfen, wenn sich betroffene Familien melden, und noch zu oft ist die Hemm- und Schamschwelle zu hoch. Das ist auch in Marlas Familie lange so. Aber zum Glück hat Marla Menschen um sich, die nicht wegschauen.

Wenn es euch betrifft: Sucht Hilfe und Unterstützung. Wenn ihr jemanden kennt, den es betrifft: Schaut nicht weg. Redet. Ermutigt die Betroffenen, sich Hilfe zu suchen. 

Ganz viele Infos und Links zu Anlaufstellen über und für Young Carers findet ihr auf der Webseite des Schweizerischen Roten Kreuzes (das Marla rockt finanziell unterstützt hat) und auf der Webseite vom Kanton Aargau, Young Carers

Zur Leseprobe geht es über diesen Link: Leseprobe Marla rockt

Marla rockt kann ab sofort beim Verlag oder in Schweizer Buchhandlungen vorbestellt werden.

Sonntag, 7. August 2022

Schreibnomadin

 
Im Juli bin ich zur Schreibnomadin geworden. Ich habe an verschiedenen Orten recherchiert, geplottet und geschrieben. Das ist für mich nicht selbstverständlich, weil ich in den letzten Jahren regelmässig im Sommer in einen lähmenden Blues gefallen bin und dann ganze Tage und Wochen völlig unpoduktiv und zum Teil frustfressend tief in schlechter Laune und Selbstmitleid versumpft bin. Dass es dieses Jahr trotz grosser Hitze anders ist, verdanke ich Herrn Ehemann, meiner Schreibfreundin Jutta Wilke und meinem Bullet Journal.

Aber der Reihe nach. Im Wissen darum, was in den Sommermonaten auf mich zukommen würde, habe ich mir im Bullet Journal einen Tracker angelegt, in dem ich mir für alle meine laufenden Projekte (drei Buchprojekte, die Neuauflage meines Buches Hundert Lügen und das Unterrichtsmaterial zu Edition 7, deren vier Bücher im September in unserem da bux Verlag erscheinen werden) Monatsziele gesetzt. Zwei habe ich voll erreicht, eines fast und bei zweien gibt es  noch Luft nach oben. ABER: Ich habe auch sie im Blick und arbeite an ihnen.

Den Buchsatz zu Hundert Lügen und das Unterrichtsmaterial gestalte ich am Rechner in meinem Büro in Werdenberg. Schreiben kann ich überall, tue auch das im Werdenberg, aber noch lieber in meinem Schreibretreat im Val Lumnezia, wo mich kein Internet und keine administrativen Arbeiten ausbremsen. Es ist so friedlich dort oben in den Bergen. Ganz vieles, was hier unten im Tal drängt, wird oben nebensächlich oder unwichtig, und vor allem kann es warten.

Am Montag, 3. Juli, kamen wir von den Bergen zurück nach Hause und Herr Ehemann fragte: "Du wolltest doch diesen Sommer in Strassburg für die Lost Souls recherchieren. Fahren wir am 5. Juli?" Ich war erst einmal überrumpelt und sagte spontan Nein, korrigierte jedoch meine Antwort schon nach fünf Minuten zu einem Ja. Und so verbrachten wir zwei Tage an Schauplätzen, die ich schon von Google Maps kannte. Es war überwältigend ... und weil wir alles zu Fuss abklapperten leider auch tödlich für mein Knie, das wahrscheinlich schon von einer Anfang Juli diagnostizierten Borreliose angeschlagen war. Strassburg hat mich tief beeindruckt und ich will da unbedingt wieder hin. Am schönsten war es, dort meinen Lost Souls Buchfiguren so nahe zu sein. An dieser Stelle eine Anmerkung für Hausfrau Hanna: Ich habe dich und die schwedische Zeitung nicht vergessen, musste diese Recherche nur eine Weile auf Eis legen. Und wir müssen uns unbedingt auch über die Aussprache des Namens Tjorven unterhalten :-)

Nach Strassburg ging es noch einmal für ein paar Tage in die Berge und dann fuhr ich nach Hanau zu Jutta Wilke. Wir haben im Frühsommer zusammen einen Vertrag für ein Buchprojekt unterschrieben und wollten plotten und schreiben, was das Zeug hält. Die ersten zwei Tage blieben wir in Hanau, wo ich eine wunderbare, tolle, überwältigende Aufführung der Operette Frau Luna gucken durfte, bei der Jutta und ihr Sohn mitsangen. Klickt unbedingt auf diesen Link und guckt euch den Trailer dazu an. Da singen und performen Schülerinnen und Schüler jener Schule, die Juttas Kinder besuchen.

Am Mittwoch fuhren wir weiter nach Weimar, Juttas Sehnsuchts- und Schreibort. Und zum zweiten Mal in diesem Monat hat mich die Schönheit einer Stadt überwältigt. Juttas Herzensstadt wurde auch zu meiner. Wir haben geplottet: am Schreibtisch in der Wohnung, im Garten des Philosophen Herder, im grossen Park, in Restaurants und Cafés und wir haben geschrieben und geschrieben und geschrieben. Leider ging dann im Laufe der Tage mein Knie dort noch ganz kaputt, so sehr, dass ich zeitweise nicht wusste, ob ich damit überhaupt nach Hause reisen konnte. Aber ein Knie ist nicht das Leben. Ein Knie ist nicht das Herz und ein Knie ist auch nicht für die Inspiration verantwortlich, und so wurden diese Tage in Weimar zu etwas Einzigartigem. Ich will unbedingt wieder hin. Und weil ich jetzt Schreibnomadin bin, sollte diesem Wunsch nichts im Wege stehen.

Den Rest des Monats verbrachte ich abwechselnd im Werdenberg und in den Bergen. Sommerblues? Ach ja, den hatte ich hin und wieder schon auch. Aber all die guten und schönen Dinge lassen ihn verblassen und vergessen.

Als nächstes wollen Herr Ehemann und ich ins Salzkammergut. Mein Knie ist auf dem Weg zur Besserung. Ich mache Testspaziergänge, mische meinem Tee grässlich-grusiges, aber hilfreiches Hagebuttenpulver bei, ernähre mich gesund und (meistens) vernünftig, mache stärkende Gymnastik für die Muskeln ums Knie.

Selten war mein Autorinnenleben so schön und so produktiv und so erfüllt wie im Juli. Ich hoffe, ich kann im August daran anknüpfen.

In Hauau, vor Juttas blauer Haustür

Donnerstag, 30. Juni 2022

Der perfekte Halbjahresausklang

 
 
Heute bin ich nach Rorschach gefahren, wo ich mich mit meinem Autoren- und Verlagskollegen Stephan Sigg getroffen habe. Er hatte vor unserem Treffen noch einen Termin und ich beschloss, trotzdem früh loszufahren und auf der Terrasse des Museum-Cafés im Würth Haus zu schreiben, bis er eintrudeln würde. So sass ich also da, mit dem Blick auf die Kunstwerke auf dem Rasen und den See. Die Luft war kühl, die Terrasse fast leer, der perfekte Schreibort. 

Zwischendurch habe ich das Schreiben unterbrochen und ein Foto für eine Insta-Story gemacht. Sujet: Mein Laptop mit etwas Lost Souls Text, ganz wenig Kaffeetasse und noch weniger Grün im Hintergrund. Es dauerte nur wenige Minuten, bis jemand zur Story schrieb: "Ich freue mich so sehr auf das Buch." Solche Rückmeldungen wärmen das Herz. Ich bekomme sie jedesmal, wenn ich etwas über die Lost Souls poste und ich merke, dass die Bücher eine tolle Fangemeinde haben. Und vor allem: Was für eine geduldige und treue. Das ist eine sehr grosse Freude. An dieser Stelle einmal einen ganz herzlichen Dank an alle, die die Geduld mit mir nicht verlieren. Eure Rückmeldungen spornen mich an und motivieren mich ungemein. Ich bleibe dran. Band 5 wächst, und Band 6 dreht schon mal seine Runden in meinem Kopf.

Das Treffen mit Stephan dauerte -  noch - länger als sonst, weil wir so viel aufzuholen und zu erzählen hatten. Wir sprachen über unser Leben, unsere Erwartungen, unsere Projekte und natürlich über den da bux Verlag. Im September erscheint die siebte Edition. Wir haben unseren Platz in der Verlagswelt längst gefunden und haben einmal mehr darüber geredet, dass Kleinverlagen die Zukunft gehört. Das soll aber nicht bedeuten, dass wir uns selbstgefällig zurücklehnen. Stephan, unser Medien- und Kommunikationsmann im Verlag hat schon angekündigt, dass er noch ganz viele Ideen und Pläne hat.

Unterwegs bin ich das erste Halbjahr noch in Gedanken noch einmal durchgegangen. Es war gut zu mir, sehr gut. Ich verlasse dieses erste Halbjahr fit und gesund und leichter als ich es begonnen habe. Ich verlasse es mit zwei Verlagsverträgen und wunderbaren Projekten. Ich verlasse es sehr viel geplanter und organisierter als wahrscheinlich je in meinem Leben.

Das Motto, das mich schon eine Weile auf meinen neuen Pfaden begleitet heisst "Mut und Zuversicht". Es hat mich gut und weit getragen und soll mich auch weiterhin begleiten.

Montag, 27. Juni 2022

Was machen eigentlich die Lost Souls?

Yorkshire Dales bei Muker

Das wird jetzt peinlich für mich. Ich hatte Band 5 der Lost Souls auf Juni 2022 versprochen. Fakt ist: Ich schaffe es nicht und muss noch einmal um ein halbes Jahr schieben. Das liegt daran, dass ein Jugendbuch, das ich seit Jahren in meinem Kopf und meinem Herz rumtrage, unerwartet bei Verlagen auf Interesse gestossen ist, allerdings unter der Bedingung, dass ich etwas mehr Leseprobe liefere. Ich habe also den Fokus meines Schreibens verschoben - und es hat sich gelohnt. Der Vertrag ist unterschrieben, die Geschichte wartet auf mich.

In all dieser Zeit habe ich auch an den Lost Souls geschrieben und irgendwann gemerkt, dass ich einen tollen Einstieg habe, dann einen gewaltigen Durchhänger (der ist mittlerweile aus dem Manuskript geflogen und durch eine viel bessere Szene ersetzt worden), gefolgt von ein paar richtig guten Kapiteln, die in Quentin Bay spielen. Danach verlagert sich das Geschehen nach Strassburg ... und dort habe ich dann gemerkt, dass ich zwar genau weiss, wo ich mit der Geschichte hin will, dass aber mir wichtige Details für die Mitte des Buches fehlen. Daran habe ich in den letzten Wochen heftig gearbeitet. Zudem habe ich meine Juniferien als Recherchereise genutzt, denn Ayden hält sich ganz am Anfang der Geschichte in den Yorkshire Dales auf, einem wunderbaren Nationalpark im Norden Englands.

Nun arbeite ich parallel am Jugendbuch und den Lost Souls. Das geht deshalb gut, weil die beiden Geschichten grundverschieden sind. Zudem hat sich ich völlig überraschend noch ein drittes Projekt in die Pipeline geschoben. Sprich: Nachdem es so lange so ruhig war in meinem Autorinnenleben, rockt es jetzt wieder gewaltig. Ordnung in mein Schreiben bringe ich mit Zeitplänen im Bullet Journal.

Diesen Sommer möchte ich nach Strassburg, um mir all die tollen Orte, die ich online gefunden habe, in echt anzuschauen. Also so was wie eine nachträgliche Schauplatzbesichtigung, weshalb in einigen Textpassagen in Klammern vermerkt ist: (nach Reise ergänzen/ausschmücken).

Am Titel des Buches hirne ich noch rum. Die Farbe ist nach Blau, Schwarz, Weiss und Rot nun Grau, wobei ich Silver bevorzuge.

Freitag, 24. Juni 2022

Trampelpfadleben

 
Hier im Blog ist es still geworden. Aber nicht in meinem Leben. Da wandle ich auf neugierig und voller Zuversicht auf alten und neuen Pfaden. Meine beiden Zöpfe - der Scheibzopf und der Verlagszopf - sind jetzt gleich lang und stark. Die Autobahn zum Kühlschrank ist zur Landstrasse geschrumpft, was mir und vor allem meinem Körper guttut. 

Anfang Juni sind Herr Ehemann und ich nach England und Wales aufgebrochen, an neue Orte, die wir noch nicht kannten. Wir sind durch den Peak District gereist, haben die Yorkshire Dales und den Lake District besucht, fuhren weiter zur Llyn Halbinsel im Norden von Wales und von dort in den Süden von Wales, nach Pembrokshire. Alles wunderschöne Gegenden mit überwältigenden Landschaften, durch die wir ausgiebig gewandert sind. Einige davon werden in den nächsten Jahren Schauplätze der Lost Souls Bücher.

Mit den Lost Souls käme ich gerne schneller voran. Eigentlich wollte ich Band 5 Anfang Juni veröffentlichen, aber mir ist einmal mehr das Leben dazwischen gekommen, diesmal allerdings auf die beste aller Arten. Ich habe einen Verlag für mein Jugendbuch gefunden, das ich schon lange schreiben will. Und wie das so ist: Wenn die Welle einen erst einmal packt, dann so richtig, weshalb im Moment ein zweiter Vertrag bei mir auf dem Schreibtisch liegt. Gleichzeitig arbeite ich mich langsam aber stetig durch die Satzarbeit für mein vergriffenes Buch Hundert Lügen

Beim da bux Verlag steht das Ausarbeiten des Unterrichtsmaterials an, das wir Mitte September, rechtzeitig zum Erscheinungstermin, auf unserer Webseite veröffentlichen. Zudem stecken wir in der Schlusskontrolle von Edition 7 und planen die Aktivitäten rund um die Veröffentlichung.

Sprich: Bei mir stapeln sich die Projekte. Das Gute ist, dass mich das (noch) nicht stresst. Ich habe für mich eine strukturierte Arbeitsform gefunden mit Tages-, Wochen- und Monatszielen. Dabei helfen mir Pläne im Bullet Journal. Zudem halten mich meine Morgenmails mit Jutta Wilke auf Kurs.

Ich mag mein Trampelpfadleben. Sehr sogar.

Montag, 2. Mai 2022

Termine im Mai

Bevor Blogger, auf dem ich meine Posts veröffentliche, die Layout-Möglichkeiten eingeschränkt hat, gab es in meiner Blogroll die Rubrik "Pinnwand". Darauf gab ich ich jeden Monat Einblicke in meine bevorstehenden Termine und manchmal erwähnte ich auch, an welchen Projekten ich gerade arbeite. Nun, die Pinnwand ist Geschichte, und ich habe mir gedacht, dann erzähle ich euch in einem Blogpost, was bei mir im Mai so ansteht (Tipp: Man kann meine Termine auch auf meiner Webseite einsehen).

Im Mai stehen gleich mehrere Lesungen und ein Workshop an.

04. Schullesungen in Bolligen
05. Schullesungen in Baar
09. Schullesungen in Hohenems / A
14. da bux Lesung von Karin Bachmann in Büren
16. Schullesungen in Meiringen
19. Schullesungen in Baar
21. Workshop Klassenlektüre in Zürich
25. Schullesung in Grabs
31. Schullesungen in Rapperswil BE

All diese Lesungen sind auf direkte Anfrage bei mir zustande gekommen, bei allen war der Informationsaustausch wunderbar unkopmpliziert. In Baar bin ich beinahe schon Stammkundin, und in letzter Zeit häufen sich die Anfragen aus dem Kanton Bern. Im Fall von Hohenems bekomme ich seit Jahren irgendwann im Frühling eine Mail: "Alice, kommst du wieder?" Dann schreibe ich begeistert "ja" und wir machen einen Termin ab.

Ein spezieller Termin ist die Lesung von Karin Bachmann. Eigentlich wollten wir ja ihre Buchvernissage im letzten Herbst durchführen, doch Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir haben den Termin auf diesen Frühling geschoben - und diesmal wird es bestimmt klappen.

Auch auf den Workshop in Zürich ist die Vorfreude gross. Dort treffe ich auf Kursteilnehmende, die mit leseschwachen Kindern und Jugendlichen arbeiten. Ihnen darf ich das da bux Konzept vorstellen, von unserer Arbeit berichten, den Entstehungs- und Entwicklungsprozess aufzeigen, den wir als Verlag durchlaufen haben und immer noch durchlaufen. Sozusagen ein Blick weit hinter die Kulissen. 

Wenn ich keine Termine habe, schreibe ich an den Lost Souls und am Herzblutprojekt, das im April ein Verlagszuhause gefunden hat. Zudem geht es praktisch jeden Tag ein kleines Stück weiter mit dem Buchsatz von Hundert Lügen.

Und last but not least bin ich auch diesen Monat im Rahmen von #walkingmyway fast täglich auf einem längeren Spaziergang, ich wusle zudem durch unseren wunderschönen Frühlingsgarten und freue mich an der Schönheit der Natur.

Samstag, 30. April 2022

Monatsrückblick April

 

Nach drei Monaten intensiver Verlagsarbeit gönnte ich mir Anfang April eine Auszeit. Zusammen mit Herrn Ehemann wanderte ich durch die grandiosen Landschaften der Toscana. Funfact am Rande: Bei unserer Ankunft schneite es. Kurz, aber sehr heftig. Zum Glück wurde das Wetter danach besser, wenn auch nicht wirklich warm, was mir als Schottin im Herzen überhaupt nichts ausmachte. Wer auf dem Bild genau hinguckt, wird merken, dass die Vegetation unserer für einmal nicht voraus war. Meine zwei Lieblingswanderungen: Die Rundwanderung zwischen Pienza und San Quirico d'Orcia und eine Wanderung im Naturpark Maremma an der toskanischen Küste.

Nach der Rückkehr fielen noch einmal Verlagsarbeiten an. Ich nahm das Schreiben wieder auf. Und ich fand ein Verlagszuhause für ein absolutes Herzblutprojekt von mir. Noch ist es nicht spruchreif, aber ich weiss, dass ich für dieses Projekt den genau richtigen Verlag gefunden habe. Die Deadline für das Projekt ist kompatibel mit meinem Lost Souls Projekt, dessen Erscheinungstermin ich vom Juni auf den November verlegen muss.

Eigentlich hätte ich ja genügend zu tun, doch heute vor einer Woche sass ich am Schreibtisch und wusste schlagartig und mit glasklarer Gewissheit, dass JETZT, genau JETZT der richtige Zeitpunkt für den Neurelease meiner "Hundert Lügen" ist. Seither arbeite ich jeden Tag eine halbe bis eine Stunde am Buchsatz und meine wunderbare Autorenfreundin Jutta Wilke liest den Text zeitnah auf Fehler durch. 

Auf meinem #walkingmyway habe ich diesen Monat insgesamt 168 Kilometer zurückgelegt. Ich bin generell neue Trampelpfade gegangen, habe mit Jutta wunderbare Zukunftsideen gesponnen, mein neuer Schreibzopf ist jetzt genauso lang wie der Verlagszopf (den ich auf Schreibzopfkürze geschnitten habe, weil ich im Mai Termine habe, bei denen ich einigermassen repräsentabel aussehen möchte, und meine Frisur ist auch so schon schräg genug, da brauche ich nicht noch zwei ungleich lange Zöpfe), und der Trampelpfad zum Kühlschrank ist immer noch eine Autobahn, allerdings eine um eine Spur verringerte. Lesungen hatte ich im April nur eine, im Mai sind es dafür dann eine ganz Menge.

Ich habe unter anderem die zwei Jugendbücher gelesen, die gleich doppelt für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert sind: von der Expertenjury und der Jugendjury. Ich möchte euch beide sehr ans Herz legen: Dunkelnacht von Kirsten Boie und Wie man eine Raumkapsel verlässt von Alison McGhee. 

Und der Krieg? Der hängt über allem und jedem. Ihn in Worte zu fassen ist unmöglich. Ich habe gelernt, meinen Alltag weiterzuleben, ihn für mich und meine Lieben gut zu machen; ich betrachte das mittlerweile sogar als meine Pflicht. Es ist mein trotziger Mittelfinger in die Richtung des Agressors. Aber es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich nicht frage, wie es der Frau geht, die nur Tulpen pflanzen wollte und dann zum Gewehr greifen musste.

Mittwoch, 27. April 2022

Kreativschaffende sind keine Getränkemarke

Kreativschaffende kennen es: Man hat mit etwas Erfolg und dann kommt diese Erwartungshaltung auf, dass man doch bitte mehr von diesem Etwas machen soll, also fast gleich, aber nicht ganz, aber halt schon ähnlich ... Das mag eine Weile funktionieren, aber weil Kreativschaffende keine Getränkemarke sind, wird das Ewiggleiche irgendwann fad und ungeniessbar, und vor allem wird man irgendwann eine billige Kopie seiner selbst. Gute Kreativschaffende brechen aus, wagen Neues, tasten sich in Neuland vor, am besten neugierig und mit viel Lust. Mit etwas Pech springen einem die Fans ab, mit noch viel mehr Pech schreibt irgendein kluger Mensch, der Künstler/die Künstlerin habe sich neu erfunden. Was für ein Quark, was für ein dämlicher, dämlicher Quark. Warum ich das Quark finde, darüber habe ich in meiner Qultur-Kolumne geschrieben.

 

 

 

Dienstag, 29. März 2022

Wie ein Buch entsteht - meine Arbeit als Lektorin (und mehr)

 

In den ersten drei bis vier Monaten pro Jahr bin ich vor allem Verlegerin bei unserem da bux Verlag. Der Terminplan ist dicht, dank des Gantt-Diagramms von Mitverleger Tom Zai jedoch sehr übersichtlich und vor allem gepflastert mit Zwischendeadlines. Was mir ebenfalls sehr hilft, sind meine Monatsziele im Bullet Journal (siehe Bild).
 
Im Januar und Febuar habe ich lektoriert (Grob- und Feinlektorate) und Finanzierungsgesuche geschrieben, im März mit den Autor*innen ein abschliessendes Text-Feintuning gemacht, Autor*innenfotos angefordert und bekommen und mit den Autor*innen zusammen an ihren Kurzbios für die Rückseite des Buches gearbeitet. Ich habe Klappentexte entworfen, am kollektiven Titel-Brainstorming teilgenommen und dann die fertigen Texte für den Satz vorbereitet.
 
Gestern sind die ersten zwei Dossiers weg an Tom Zai, der die Texte nun setzt. Bei den anderen zwei Dossiers fehlen noch ein paar Dinge, aber ich bin frohen Mutes und zuversichtlich, dass ich beides bis Ende März hinbekomme. Sehr deadlinekonform!
 
Und das ist nur meine Arbeit im Verlag. Meine beiden Kollegen Tom Zai und Stephan Sigg waren beide in ihren Bereichen auch extrem fleissig.
 
Und so können wir voller Freude berichten: Wir sind gut unterwegs mit Edition 7. Erscheinungstermin ist der 14. September.

Donnerstag, 10. März 2022

Wenn sich die Schneefräse in den Mistzettler verliebt ...


Heute fuhr ich für zwei Schreibworkshops nach Valendas, an die Oberstufe Safiental. Am Morgen nahm ich die gemütliche Route via Flims/Laax und Ilanz. Auf dem Weg nach Hause fuhr ich hoch über der Rheinschlucht nach Chur. Die Wildheit und Schönheit dieser Landschaft nimmt mir jedes Mal den Atem.

Die Arbeit mit den Jugendlichen war so richtig toll. Und witzig. Und bereichernd. Sie liessen sich völlig auf eine - verrückte - kreative Schreibreise ein. Würfelten irre Geschichten. Entwarfen mittels einer Spezialausgabe von Stadt-Land-Fluss kurlige und krude Charakter. Tauchten ein in den Kern des Creative Writing mit dem "Show, don't tell." Pimpten auf ihre ureigene Art langweilige Texte auf (die ich als Vorlage mitgebracht hatte - RICHTIG langweilige Texte) und schrieben herzerwärmende Liebesgeschichten, so ganz von Landwirtschaftsmaschine zu Landwirtschaftsmaschine ("Dein Anblick bringt meine Scheinwerfer zum leuchten." // "Als ich dich das erste mal gesehen habe, ist mir glatt eine Sicherung durchgebrannt." ...)
 
An Tagen wie diesen habe ich den perfekten Beruf. In jeder Hinsicht.

Mittwoch, 9. März 2022

BiblioWeekend - Nach den Sternen greifen


Am 27. März darf ich in der Bibliothek Buchs SG eine Schreibwerkstatt leiten. Dies im Rahmen des ersten BiblioWeekends (25. - 27. März), an dem in der ganzen Schweiz die Bibliotheken unter dem Motto "Nach den Sternen greifen" ihre Türen für alle Bevölkerungsgruppen zu allen möglichen (und unmöglichen) Zeiten öffnen. Die Bibliothek Buchs ist natürlich mit dabei. Sie hat an allen 3 Tagen von 9-21 Uhr offen und bietet zahlreiche Veranstaltungen an. Es freut mich riesig, das ich ein Teil davon sein darf. 

Tipp: Wo immer ihr wohnt - checkt eure Bibliotheken aus - bestimmt gibt es auch bei euch tolle Angebote.
 
PS: Für meine Schreibwerkstatt könnt ihr euch direkt bei der Bibliothek Buchs anmelden.

Mittwoch, 2. März 2022

Grenzgängerin

 
Mit einem vollen Kopf und einem bangen Herz begab ich mich am Montag auf meine - fast - tägliche Wanderung. Sie führte mich von Triesen nach Werdenberg, entlang der Grenze, zuerst auf der Liechtensteiner, dann der Schweizer Seite. In dem Moment, in dem ich auf den Auslöser für dieses Foto drückte, war das Thema für meine Qultur-Kolumne klar. Ich wollte über Grenzen schreiben, offene, geschlossene und gewaltsam überrollte. Darüber, was der Krieg in der Ukraine mit mir und meinem Schreiben macht. Es ist eine etwas zerfledderte Kolumne geworden, ohne klaren Fokus. Sie widerspiegelt, wie es mir geht, ist eine Momentaufnahme in einer Zeit, in der sich für mich, wie für wohl die meisten von uns, grad sehr viel ändert und sich Grenzen in und um uns verschieben.

Sonntag, 27. Februar 2022

Vom Mut und was er mit Blumen zu tun hat


Gestern habe ich von einer ukrainischen Frau gelesen, die eigentlich am Samstag (also gestern) Tulpen pflanzen wollte im Garten. Jetzt hängt um ihre Schulter ein schweres Gewehr, sie ist bereit zu kämpfen. Blumen pflanzen könne sie auch nächsten Samstag.

Ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr ich diese Frau bewundere. Oder jene Frau, die einem russischen Soldaten Sonnenblumenkerne in die Hand drückt. Er solle sie in seine Hosentaschen stecken, denn wenn er tot und begraben sei, sollen dort Blumen wachsen.

Ich würde diesen mutigen Menschen gerne Blumen schicken. Und mit den Blumen Zuversicht, aber ich ahne, dass sie eine ganze Weile keine Zeit für Blumen haben werden und das bricht mir das Herz.

Der Mut der Menschen in der Ukraine führt mich zu Gedanken, die ich so noch nie hatte. Ich frage mich, wie mutig ich wäre. Was ich tun würde. Bis vor kurzem hätte ich gesagt: Fliehen, einfach nur fliehen. Weg vom Krieg, raus aus dem Elend. Heute bin ich nicht mehr sicher. Ich glaube, denke und hoffe, dass ich bleiben würde. Dass ich den Mut hätte, mich diesem Feind zu stellen, im Wissen darum, dass es mein Leben kosten könnte und wahrscheinlich auch würde. Ich merke, wie sich etwas in mir verschiebt. Ich beginne mich zu fragen, wo die rote Linie liegt, bei der ich sagen würde: Ich bleibe. Zu jedem Preis.

Die meisten von uns haben das Glück, dass wir uns diese Frage nie stellen mussten, denn wir sind im Frieden und mit friedlichen Nachbarn aufgewachsen. In einer Demokratie, in der zwar ab und an etwas gewaltig nervt, aber nichts wirklich tödlich ist. Das ist ein wahnsinniges Privileg und ein noch viel wahnsinnigeres Glück. 

Die Frau in Kiew, die einfach nur ihre Tulpen pflanzen wollte, wurde jäh (aber nicht unerwartet) aus ihrem normalen Leben hinauskatapultiert. Von jetzt auf sofort. Sie stellt sich ihrem neuen Leben in einer für mich fast unvorstellbaren Konsequenz. Ich ging heute durch meinen Garten und fragte mich, ob ich das auch tun würde oder könnte. Ob ich diesen Mut hätte. Und was daraus wachsen würde.
 

Freitag, 25. Februar 2022

80 %


80% der russischen Rohstoffe werden über die Schweiz gehandelt. Gemäss meiner Tageszeitung ist die Schweiz die grösste Empfängerin von Geldtransfers russischer Personen. An der PK von gestern fand unser Herr Bundespräsident Cassis stellvertretend für seine Bundesratskolleg*innen nebst vielen schönen Worten (dunkle Stunde blablabla .. ) sogar ein paar strenge Worte in Richtung Russland, ich glaube, er hat sogar mit der Stirn gerunzelt. Damit hatte es sich dann aber auch schon. Ja richtig. Es hatte sich schon. Sanktionen? Dürfen andere ja gerne und wir sorgen auch gerne dafür, dass sie von anderen nicht umgangen werden, aber wir, na ja, es ist so ... neutral ... blablablablabla.

Es gibt so Tage im Leben, da schämst du dich abgrundtief für deine Nationalität, auch wenn du ja nichts dafür kannst, dass sie deine ist. Reiner Zufall. Ich könnte auch das Pech gehabt haben, in der Ukraine geboren zu sein. Dann könnte ich mir mit den Worten von Herrn Bundespräsident grad gar nichts kaufen - schon gar nicht würden sie mir und meinen Lieben und meinen Mitmenschen helfen.

Heute ist einer dieser Tage an denen ich an der Welt und der Schweiz verzweifle.
 

Mittwoch, 23. Februar 2022

Wie aus Frau Chaotin eine Frau Planerin wurde

Planung ist das halbe Leben - und mehr. Sagt ausgerechnet und genau Frau Chaotin (ich). Im Ernst: Mir hilft nun schon seit ein paar Jahren mein Bullet Journal, Ordnung in mein Berufsleben zu bringen. So alle paar Monate ändere ich mein Design. Für den Frühling suchte ich etwas Leichtes, Fluffiges - und gleichzeitig wollte ich es wieder einmal mit Trackern versuchen.

Da sind einmal meine Habit Tracker (Gewohnheitstracker), die mir helfen, meinem Körper Sorge zu tragen. Und dann ist im März ganz prominent auch ein Schreibtracker dabei. Die ersten beiden Monate des Jahres gehörten fast ausschliesslich dem da bux Verlag, auch im März steht in Sachen da bux noch viel Arbeit an, aber ich werde zudem wieder etwas mehr Zeit zum Schreiben haben.

Gleich nach den Wochenblättern folgt dann das, was ich Schwerpunktblätter nenne, also spezielle Seiten für die Arbeiten, denen im jeweiligen Monat mein Fokus gilt. Da bleibe ich bei meinen bewährten Strukturen.

Mir hilft mein Bullet Journal, jederzeit die Übersicht über meine Projekte zu haben. So verliere ich nichts aus den Augen, habe die Deadlines im Blick und kann die täglichen To-Do-Listen immer auf die aktuell wichtigen und drängenden Arbeiten ausrichten.

Zusätzlich zum Bullet Journal hängt an der Pinwand neben dem Computerbildschirm der Produktionsplan für die Edition 7 des da bux Verlags. Ich kann also mit gutem Recht behaupten, dass ich noch nie im Leben so organisiert war wie jetzt. Und weil mir dabei trotz dieser oder gerade wegen dieser Planung genug Freiräume für den Garten, das DIY, das Einrichten, das Wände anstreichen und das Träumen bleiben, fühle ich mich in meinem Leben gerade so richtig wohl.

Mittwoch, 16. Februar 2022

Von Kieswerken, vom Plattmachen und von Normen


Die Rückmeldungen zu meinen Lesungen in Bad Ragaz haben eine ganze Gedankenkette bei mir ausgelöst. Sie führte zu den Kieswerken, von dort zur Frage, warum ich sie so mag. Was es für mich bedeutet, dass sie ab- und rückgebaut und durch oberlangweilige, charakterlose, normierte Türme ersetzt werden, die einfach hoch sind und sonst nichts. Von dort schleuderte es mich direkt in die Buchser Schrebergärten, die ja auch nicht mehr in die heutigen Normen passen. Irgendwo auf dieser wilden Gedankenreise ging mir auf, dass es mit Büchern ähnlich ist. Ich sag's mal so: Für etwas sperrige, ungenormte Gebäude und Bücher und Menschen wie mich sind die Zeiten nicht ganz einfach. Anders gesagt: Ich bleibe Kieswerk. Mehr dazu in meiner heutigen YA!-Kolumne auf Qultur.

Mittwoch, 2. Februar 2022

Ingeborg Rotach - wiederentdeckt

2022 wird auch ein wenig zu meinem ganz persönlichen Frauenliteraturjahr. Auslöser ist das Buch FRAUEN LITERATUR von Nicole Seifert mit dem - leider passenden - Untertitel "abgewertet, vergessen, wiederentdeckt", ein Buch, das ich aus vollem Herzen empfehle, auch wenn das Lesen zuweilen richtig heftig wehtut und frau vor Wut schon mal in den Tisch beissen könnte.

Es zeigt, wie schreibende Frauen oft abgewertet wurden (und zum Teil immer noch werden), wie man sie ins Vergessen geschwiegen hat - aber auch, wie man sie nun wiederentdeckt. Wer mehr dazu wissen möchte, lese meine YA!-Kolume vom 5. Januar 22.

Eine Autorin, die eine Wiederentdeckung und die damit verbundene Anerkennung und Wertschätzung mehr als nur verdient, ist Ingeborg Rotach. Sie gehört zu den Pionierinnen des neuen Kinder- und Jugendbuchs, überzeugt durch eine unaufdringlich nüchterne Erzähltsimme und eine Themenwahl, mit der sie ihrer Zeit öfters voraus war. 1988 wurde sie mit dem Schweizer Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Jetzt, 2022, steht sie auf der Nominationsliste zum Astrid Lindgren Memorial Award. Mich freut das wahnsinnig. Zeit also, sie in einer YA-Kolumne zu würdigen. 


 

Sonntag, 30. Januar 2022

Getrampelt, vertrampelt und auch mal verirrt - der Monatsrückblick

Ich habe das neue Jahr - was mein persönliches und berufliches Leben betrifft - voller Zuversicht begonnen. Mit Vorsätzen, denen ich einen guten Nährboden fürs Überleben geben wollte. Ich wollte mehr lesen, mehr schreiben, mich mehr bewegen, meinem Körper Gutes tun und vor allem mit der da bux Verlagsarbeit perfekt im Zeitplan bleiben. Visuell geholfen hat mir das Bild der Gewohnheiten, die Trampelpfade sind. Mein Kurzfazit könnt ihr dem Blogtitel entnehmen. Hier ein etwas längeres:

Lesen:
Ich habe zwar gelesen, aber wie schon letztes Jahr eher News-Artikel und dort vor allem Analysen und Hintergrundbereichte. Bei den Büchern hat es nur für ein einziges ganz gelesenes Buch gereicht: "Die beste Zeit ist am anderen Ende der Welt" von Sara Barnard. Das Buch hat mich im Sturm genommen, mich mitgerissen und begeistert, weil ich diese Ausgangslage (als sehr junge Frau ganz allein auf Reisen und wie sich da anfühlt) sehr gut kenne, auch das Gefühl, anders zu sein und nicht wirklich dazuzugehören, aber Peyton, die Protagonistin im Buch, hat im Gegensatz zu mir sehr schlimme Dinge erlebt, vor denen sie geflohen ist und die sie auf ihrer Reise aufarbeitet. Als Leserin erfährt man nach und nach, was dieser sehr überstürzten Reise von England nach Kanada vorausgegangen ist. Leider hat mich das Buch ab der Hälfte je länger je weniger packen können und am Ende fand ich es doch eher zäh, eine Aneinanderreihung von kanadischen Touristenattraktionen, von denen man zwar erfährt, dass sie überwältigend schön sein müssen, sie aber nicht "sieht". Ebenfalls gelesen habe ich die neuen Buchmanuskripte für unsere Edition 7, was mich direkt zum nächsten Punkt bringt.

da bux Verlagsarbeit:
Wir arbeiten mit einem sehr dicht getakteten Produktionsplan, den unser Verleger Tom Zai in einem Gnatt-Diagramm schriftlich festgehalten hat. Dieses Diagramm hängt bei mir in der Pinwand; sämtliche kleinen Zwischendeadlines sind in der Agenda und zusätzlich im jeweilig aktuellen Monatsplan im Bullet Journal festgehalten. Hochaktuell sind in den ersten zweieinhalb Monaten das Lektorat der Texte und die Suche nach Unterstützern/Sponsoren. Für beide Punkte bin ich verantwortlich, weshalb ich Anfang Jahr immer sehr gefordert bin. Ich lektoriere extrem gerne und setze mir dort zusammen mit den Autor*innen für jede Lektorats- und Überarbeitungsrunde Zwischendeadlines. So kann ich sehr glücklich berichten, dass wir mehr als nur gut im Zeitplan liegen mit dem Lektorat. Die Sponsorensuche empfinde ich als harte und auch sehr frustrierende Knochenarbeit. Sie ist sehr zeit- und arbeitsintensiv, die zu erstellenden Dossiers erfordern viel Aufwand, die Erfolgschancen für ein Gesuch um Projektbeiträge bei kantonalen Kulturämtern sind sehr wacklig. Es kommt vor, dass ich stundenlang an einem solchen Gesuch arbeite, nur um Wochen später eine kurze, lieblose Antwort zu bekommen, die sich wie eine Ohrfeige anfühlt. Ja, man gewöhnt sich daran, aber es dämpft den Arbeitseifer. Und so erstaunt es euch wahrscheinlich nicht, dass wir auch für 2022 zwar ein Konzept für die Sponsorensuche haben, ich aber dem Zeitplan etwas hinterherhinke. Zum Glück hat sich letztes Jahr - zum ersten Mal überhaupt - eine private Organisation gemeldet und uns Unterstützung für dieses Jahr angeboten, wofür wir sehr dankbar sind. Mehr dazu später im Jahr.

Schreiben:
Eins meiner beiden Bücher, die dieses Jahr erscheinen sollen, ist aus dem Lektorat zurück; meine Überarbeitungsdeadline ist der 4. Februar. Das schaffe ich. Am anderen - dem fünften Band der Lost Souls - arbeite ich, aber ich bin im Rückstand.

Mein Körper / mehr Bewegung / #walkingmyway
Ich komme im Januar auf rund 130 Kilometer, je nachdem, wie weit ich heute und morgen laufen werde. Damit liege ich 36 Kilometer unter dem benötigten Monatsschnitt für meine angestrebten 2000 Kilometer, die ich diese Jahr gehen möchte. Das ist nicht wirklich schlimm, denn sobald der Frühling einsetzt, wird es wieder mehr werden. Meine Gymnastik für den Rücken und generell die Körperhaltung mache ich nur schon aus Eigennutz (ich will keine Schmerzen). ABER: Ich esse immer noch zu viel. Diese vierspurige Autobahn zum Kühlschrank hat schon eine sehr starke Sogwirkung. 

Ich habe also in Sachen Trampelpfade die guten gepflegt und bin zuversichtlich auf ihnen weitergetrampelt. Ich habe ganz kleine neue Pfade angetrampelt. Ich habe mich auch vertrampelt und verirrt, aber das gehört dazu, vor allem habe ich den Weg zu den guten Pfaden immer wieder gefunden, nicht immer direkt, aber doch früher oder später indirekt. Am schwersten fällt mir das Wegbleiben von der Kühlschrank-Autobahn. Würde ich diese Autobahn aus der Luft betrachten, sähe ich unzählige Fusspuren von der Autobahn weg und leider auch wieder zu ihr hin. Weil ich aber gewusst habe, dass dies der schwierigste Teil in meinem Leben als Trampelpfadgängerin werden würde, übe ich mich in Geduld mir gegenüber und versuche weiterhin, mir neue Pfade zu erlaufen.

Bild: Einer meiner Lieblingspfade, wenn ich in Sachen #walkingmyway unterwegs bin: Die Rundwanderung: Cumbel, Morissen, Vella, Cumbel. 


Freitag, 28. Januar 2022

Von Gummistiefeln und Erfolg, der Neider schafft

Gestern habe ich mir die ersten Gummistiefel seit meiner Kindheit gekauft. Für mich so was wie ein Grossereignis. Und ich habe mich tatsächlich gefreut wie ein Kind. Habe ein Fotoshooting mit den Stiefeln gemacht. Den Kauf auf Insta verkündet. Die Stiefel so hingestellt, dass Herr Ehemann sie beim Nachhausekommen einfach sehen MUSSTE.

"Pink?", rief er fassungslos vom Eingangsflur ins zweite Stockwerk unterm Dach, wo ich mein Büro habe.
"Yap!", rief ich zurück.
"Mit BLUMEN???", kam es kurz danach noch lauter und fassungsloser.
"YAP", rief ich fröhlich zurück.

Dazu muss man wissen, dass ich seit mehr als 40 Jahren nicht nur keine Gummistiefel mehr besessen habe, sondern auch nichts Pinkes getragen habe. Und dass ich mir NIE Kleidung mit Blumenmuster kaufe. Ich verstand also das Unverständnis von Herrn Ehemann.

Aber es ist so: Ich habe die Stiefel spätabends online gesehen, mich Hals über Kopf in sie verliebt und beschlossen, am nächsten Tag in der Filiale im Ort nachzugucken, ob sie genau diese Stiefel haben. Hatten sie. Und ich wurde stolze und glückliche Gummistiefelfrau. Von Gummistiefeln, in der tatsächlich Platz für meine ansonsten für Gummistiefel viel zu stämmigen Bauernwaden ist (was übrigens der Grund war, warum ich nie welche für mich gekauft hatte).

Mein persönliches Grossereignis ist nicht einmal eine Fussnote im Vergleich zum Grossereignis, das dieser Tage in der Schweiz stattfindet. Da steht ein Banker vor Gericht, zusammen mit ein paar anderen finanziellen Mittel- und Schwergewichten des Schweizer Who's who der Finanzwelt. Wegen Spesenritterei, Mauschelei, Betrug. Jeder einzelne von ihnen ist empört, dass man ihn vor Gericht gezerrt hat, wo er doch nichts falsch gemacht hat. In den Augen dieser Menschen funktioniert die Welt nun mal so. Da sind moralische und ethische Kompasse längst ausser Kraft gesetzt. Da wird zur Selbstverständlichkeit, was für andere unfassbar ist. Da ist man sogar stolz darauf, auf diese Art Kohle zu machen. Und kann partout nicht nachvollziehen, warum man für so was bestraft werden sollte.

Ich bin weder entsetzt noch empört - für beides davon fehlt mir der Überraschungseffekt. Mich widern solche Menschen einfach nur an und ich mache einen grossen Bogen um sie. Heute Morgen hat der Anwalt des Hauptangeklagten dazu gesagt: "Erfolg schafft Neider." In diesem Moment ist mir tatsächlich der Begriff vom alten, weissen Mann ins Hirn geblitzt. Gleich danach der Gedanke, dass dieser Satz ziemlich kontraproduktiv gewesen sein könnte. Aber vielleicht ja auch nicht. Nicht in diesem Land, in dem ich lebe, und in dem Geld und finanzieller Erfolg so hohe Priorität haben. Hier gilt für zu viele immer noch: Du bist, was du hast (und eigentlich ist es unterm Strich egal, wie du dazu gekommen bist).

Was ich - als Gummistiefelfrau - dazu aus ganzem Herzen sagen kann: Nein, auf solche Menschen bin ich nicht neidisch. Zum Glück.

PS: Ich rechne mit einem Freispruch für die Angeklagten. 

Mittwoch, 19. Januar 2022

Bücher, die mein Schreiben beeinflusst haben

Letzten November war ich zu einem Podiumsgespräch eingeladen. Thema: Bücher, die mein Schreiben beieinflusst haben. Auf kaum eine Veranstaltung habe ich mich so sehr gefreut wie auf diese. Die Wahl fiel mir sehr leicht und sie fiel auch sehr schnell. Warum ich genau diese drei Bücher gewählt habe und was sie mir bedeuten, habe ich in meiner neusten YA!-Kolumne erzählt (einfach dem Link folgen).

 

Mittwoch, 12. Januar 2022

Ein - visuelles - PS zu den Trampelpfaden

Das Trampelpfadzitat von gestern hat bei mir einen Energie- und Motivationsschub ausgelöst. So sehr, dass ich am Nachmittag den ersten YouTube Clip seit langem gedreht habe. In einem Schnorz. Zeitintensiv war es dennoch, denn dem Schnorz gingen ein paar vermasselte Anläufe voraus. 

Ich mag YouTube, weil es mir Zeit und Raum für meine Ideen gibt. Hier im Blog konzentriere ich mich auf das Wesentliche. Auf YouTube kann ich weiter ausholen, mich auch mal verlieren, meinen Gedanken nachgehen, sie weiterspinnen.

Hier deshalb als PS zum Post von gestern der Clip. Er dauert 15 Minuten. Also eine Kaffee-/Teepause lang. Ich möchte euch herzlich einladen, eure Pause mit mir zu verbringen. Rückmeldungen, Fragen und Gedankenanstösse würden mich freuen. Dazu ein Hinweis für alle, die mit meiner Kommentarfunktion auf Kriegsfuss stehen: Auf YouTube ist das Kommentieren einfacher als hier im Blog. 


Dienstag, 11. Januar 2022

Gewohnheiten sind Trampelpfade im Gehirn


Diesen sowohl passenden als auch schönen Vergleich im Blogtitel habe ich nicht selber erfunden, sondern heute in einem Video von Nicole Lange gesehen und gehört (leider nicht verlinkbar, da nicht öffentlich online, aber ich verlinke gerne auf ihren Kanal: Nicole Lange). Ihr Thema: Abnehmen mit Intervallfasten. Das Zitat stammt aus einem Video zu einer Acht-Tage-Challenge, in der ich eigentlich nichts Neues gehört habe, aber viel Wertvolles und Brauchbares wieder ins Bewusstsein geholt habe.

Wieso ich mir alle acht Videos angeschaut habe: Einer meiner Vorsätze für 2022 ist ja ein gesunder Körper. Dazu gehört auch ein gesünderes Gewicht, aber darum soll es in diesem Post nicht gehen. Sondern generell um Gewohnheiten.

Ich sass also entspannt da, hörte Nicole Lange zu und dann kam dieser Vergleich mit den Trampelpfaden. Ich laut gelacht und gleichzeitig gedacht: Mein Trampelpfad zum Kühlschrank ist eine vierspurige Autobahn. Dieses Bild ist so einfach, so logisch, so stark; selten hat mir ein Vergleich so sehr geholfen, mich und meine Gewohnheiten deutlich zu sehen.

Was Nicole Lange dazu sagt: Wenn du eine Gewohnheit ändern willst, musst du neue Trampelpfade anlegen, solche, die dir gut tun, solche, die zu deinen Zielen, Wünschen und Träumen führen. Je stärker die neuen Trampelpfade werden, desto weniger wirst du auf deinen ursprünglichen Trampelpfad zurückkehren. Wenn du jetzt noch gleichzeitig bewusst deinen alten Trampelpfad nicht gehst, wird er im Laufe der Zeit zuwachsen. Beides zusammen - neue, starke Trampelpfade und ein kaum mehr sichtbarer alter Trampelpfad - hilf dir, deine Gewohnheiten zu ändern.

Dass das alles Zeit braucht, versteht sich von selbst. Deshalb hängt seit nun fast einem Jahr ein Zettel an meiner Pinwand: SLOW AND STEADY WINS THE RACE. Er stammt von Sadia, einer Frau mit dem wunderbaren YouTube Kanal Pick up Limes, in dem es um gesundes Essen geht (unbedingt reinschauen, alleine die Startseite ihres Kanals ist eine Augenweide).

Im Falle meines Chaotentums bedeutet "Slow and Steady" rund 50 Jahre. Als junge Frau bin ich wohl nur knapp an dem vorbeigeschrammt, was man einen Messie nennt. In meiner Zeit als berufstätige Mutter stapelten sich unzählige Berge von so ziemlich allem in unserem Haus: Bücher, geschäftliche Unterlagen, Wäsche, Geschirr usw. Je älter die Kinder wurden, desto mehr gelang es mir, mehr Ordnung ins Haushaltschaos zu bringen. Heute kann ich stolz verkünden, dass ich in einem ordentlich aufgeräumten Haus lebe. Anders gesagt: Das mit dem Anlegen neuer Trampelpfade hat funktioniert. Wenn ich nicht gerade in einem emotionalen Tief stecke, bewege ich mich mittlerweile sicher und glücklich auf diesen neuen Ordnungstrampelpfaden.

Dasselbe gilt fürs Schreiben. Da verläuft zwar parallel zu einem noch etwas dünnen neuen Trampelpfad immer noch mein breiter, gut eingelaufener Chaotentrampelpfad, aber ich merke, dass der neue Pfad stärker und breiter wird.

Das alles macht mir Mut: Wenn ich meine Trampelpfade in entscheidenden Lebensbereichen ändern konnte - ganz langsam und mit vielen Ausflügen auf die alten Trampelpfade - dann kann ich das auch mit meinem Körper.

Wo es mir schon gelungen ist: Nach zwei Jahren, in denen meine Rückenschmerzen mich am Ende jede Nacht ziemlich massiv geplagt haben, habe ich meine Ärztin gebeten, mich entweder zum Untersuch beim Spezialisten anzumelden oder mir eine Physiotherapie zu verschreiben. Die Ärztin fand, ich solle mit der Physio anfangen. Da hat sich ziemlich schnell herausgestellt, dass meine Schmerzen auf eine falsche Körperhaltung zurückzuführen sind. Um beim Bild vom Trampelpfad zu bleiben, das ich damals noch nicht kannte: Ich hatte mir eine total falsche Sitzhaltung "angetrampelt", was mir mein Rücken irgendwann permanent übel genommen hat. Meine Therapeutin (DANKE, Karin!!!) hat das sehr schnell erkannt und mir gezeigt, was ich dagegen tun kann. Innerhalb von zwei Wochen haben sich die Schmerzen fast völlig aufgelöst. Damit das auch so bleibt, mache ich weiterhin meine Übungen, setze mich bewusst hin beim Arbeiten, habe mir  auf meinem Computer eine Mailerinnerung eingerichtet, die mich alle dreissig Minuten daran erinnert, auf meine Körperhaltung zu achten. Ich mache das also slow and steady. Und - wie ich dank Nicole Lange nun auch weiss - mit dem Anlegen eines neuen Trampelpfades.

Ebenfalls gelungen ist es mir mit meinem #walkingmayway. Ich achte darauf, so oft wie möglich einen zügigen Spaziergang zu machen. Letzten November/Dezember bin ich vom Weg resp. vom Trampelpfad abgekommen und habe das ein wenig vernachlässigt. Seit Anfang Jahr walke ich wieder beinahe täglich meinen Weg :-)

Und weil mir so vieles schon gelungen ist, bin ich zuversichtlich, dass ich auch an meinem Gewicht arbeiten kann. Schön slow and steady.

Wo immer eure Trampelpfade sind, die ihr verlassen wollt: Ich wünsche euch alles Gute dabei.

Und ich bedanke mich bei Jutta Wilke, für einmal nicht für die Morgenmails, sondern dafür, dass sie mir Nicole Lange und den Kanal Pick up Limes empfohlen hat.

Donnerstag, 6. Januar 2022

Vorsatz fürs neue Jahr: MEHR LESEN.


Ich habe es längst nicht mehr so wirklich mit den Vorsätzen. Zu viele von ihnen sterben zu schnell einen leisen Tod. Aber dieses Jahr hat es mich wieder einmal so richtig gepackt. Vielleicht, weil meine Bullet Journals langsam Wirkung zeigen. Vielleicht, weil ich Ende Jahr mit einem total schönen Tagebuch angefangen habe, in das ich nicht nur schreibe, sondern in dem ich auch ganz viel gestalte. Das ist nicht nur richtig "aamächelig", das motiviert auch ungemein.

Was ich dieses Jahr möchte:

  • mehr lesen
  • mehr schreiben
  • mehr gestalten
  • meinem Körper mehr Sorge tragen
  • viel Wandern, viel Garten, viel Natur 

Um den ersten Vorsatz - mehr lesen - geht es in meiner ersten YA!-Kolumne des Jahres. HIER (<=) klicken.

Gestern habe ich mir im Buchladen meiner Wahl folgende Bücher bestellt:

Die beste Zeit ist am Ende der Welt von Sara Barnard
Nachdem in ihrem Leben alles gründlich schiefgelaufen ist, steigt die siebzehnjährige Peyton kurzerhand in ein Flugzeug nach Vancouver. Allein. Im Gepäck: jede Menge Verzweiflung, schlechte Erinnerungen und ihr Skizzenbuch. Sie ist fest entschlossen, allem zu entkommen. Dem Mobbing, der Einsamkeit, der Person, zu der sie geworden ist. Es dauert eine Weile, doch eine bunt zusammengewürfelte Truppe Backpacker hilft Peyton dabei, wieder Vertrauen zu fassen. Bei einem gemeinsamen Roadtrip quer durch Kanadas atemberaubende Landschaft erlebt sie ein unvergessliches Abenteuer und entdeckt, dass es wahre Freundschaft vielleicht doch gibt.  

Schattenbruder von Iris Hannema
Suche nicht danach, wer du bist, sondern danach, wer du sein willst. Hebes Bruder Alec war ein professioneller Freediver. Seit er bei einem seiner Tauchgänge ums Leben kam, ist für Hebe die Welt nicht mehr so, wie sie einmal war. Wie ist er wirklich gestorben? Und was bedeutet eigentlich die Postkarte, die er ihr beim Abschied in die Hand gedrückt hat? Alecs Spuren führen sie nach Japan in das pulsierende Herz von Tokio und schließlich nach Ishigaki, einer Insel im tiefblauen Ozean ... Auf der Suche nach dem, was Alec ihr nicht sagen konnte, entdeckt Hebe, wie es ist, allein zu reisen, sich von allem Vertrauten zu lösen und in einem Land zurechtzukommen, in dem sie niemanden kennt. Wer aber ist die Fremde, die sie beobachtet und ihr unheimliche Nachrichten hinterlässt? 

Ein eigenes Zimmer von Virginia Woolf
Virginia Woolf greift eine ganze Reihe von Fragen zum Thema Frauen und Literatur auf, die sie und ihre Zeit bewegten: Warum haben Töchter aus gebildetem Haus nicht die gleichen Möglichkeiten zur Universitätsausbildung wie ihre Brüder? Warum ist die Literatur über Frauen fast ausschließlich von Männern geschrieben? Hätte Shakespeare eine Schwester gehabt, ebenso begabt wie er, wie wäre es ihr ergangen? Wie könnte weibliches Schreiben in der Gegenwart aussehen? 

Jetzt freue ich mich sehr auf das Lesen.

Mittwoch, 29. Dezember 2021

Wie geht es dir?


Nach Weihnachten gerate ich immer in Aufbruchstimmung. Während andere noch einmal auf das Jahr zurückblicken und vielleicht sogar Bilanz ziehen, bin ich schon unterwegs ins neue Jahr, voller Vorfreude und Hoffnung. Die Tage werden länger, die Weihnachtsdeko ist spätestens am 26. Dezember weg und ich hole mir den Frühling ins Haus, im Wissen darum, dass zwischen jetzt und meiner Lieblingsjahreszeit noch ganz viele Tage liegen.

In diesen Tagen zwischen den Jahren plane ich das nächste Jahr. Das mache ich in meinem Bullet Journal, das mich nun schon das dritte oder vierte Jahr begleitet (ich weiss das gar  nicht so genau) und neu in einem Tagebuch, das weit mehr ist als nur ein Tagebuch, weil ich es auch gestalte. Mittlerweile verfüge ich über jenste Sorten Papier, Washi-Tape, Sticker usw., und es macht nicht nur Freude, das BuJo und das Tagebuch zu gestalten, es nimmt auch die Hektik aus dem Tag. Und es schärft das Bewusstsein für das, was wichtig ist.

Jutta Wilke, mit der ich nach wie vor praktisch jeden Tag Morgenmails austausche, hat mir gestern ihre Träume und Ziele für 2020 in Form eines Fotos aus ihrem Tagebuch geschickt. Ich hätte nur ein einziges Wort ändern müssen, und es hätten meine Träume und Ziele sein können. Und das, ohne dass wir uns abgesprochen hätten. Ihr am Morgen zu schreiben, fühlt sich ein wenig so an, als sässe sie neben mir. Das Einzige, was wir noch nicht so ganz raus haben, ist das gemeinsame Schweigen. Das geht beim Mailen schlecht. 

Heute Morgen hat sie mir den Link zu einem Blog geschickt, den ich noch nicht kannte. Leider "frisst" ihn meine Blogroll nicht - ich werde es später noch einmal versuchen. Klickt einfach hier: Susannah Conways Blog. 

Gut getan hat kürzlich eine wunderbare Karte einer wunderbaren Frau aus Basel (DANKE!) Auch gut getan hat die Mail eines Autorenfreundes, der sich heute mehr oder weniger mitten aus dem Nichts gemeldet hat mit der einfachen Frage: "Wie geht es dir?" Er hat von sich erzählt, ich von mir. Und mir ist so sehr bewusst geworden, wie wichtig dieses Nachfragen ist. Dieses An-den-anderen-Menschen-denken. Es braucht nicht viel. Die einfache Frage: "Wie geht es dir?" reicht. 

Ich hoffe und wünsche mir, euch geht es gut. Wie immer ihr die Zeit zwischen den Jahren verbringt: möge es eine gute sein.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Schreibblockaden gibt es nicht


Da sass ich nun vor einer leeren Seite. Die Zeit drängte, die Deadline für die letzte YA-Kolumne des Jahres guckte mich schon ziemlich böse an ... und ich hatte keine Ahnung, worüber ich schreiben wollte. Zum erste Mal überhaupt dachte ich daran, einfach keine Kolumne abzugeben. Blöd nur: Die ultimative Ausrede aller Schreibenden - "Sorry Chef, Schreibblockade" - fiel für mich weg. Aus Gründen, die ihr hier nachlesen könnt.

Sonntag, 19. Dezember 2021

Schreibworkshops

Mit viel Freude habe ich zusammen mit der Bibliothek Buchs SG Inhalt und Zielgruppen für zwei Schreibworkshops ausgedacht, einen für 5./6. Klässler*innen, einen für Menschen ab 17 (bis 105) Jahren. Beide sind nun auf der Webseite der Bibliothek und auf der gemeinsamen Schreibworkshopseite von Stephan Sigg und mir ausgeschrieben.

Wenn es euch "gluschtet", ihr jedoch zu weit weg wohnt oder knapp an der Zielgruppe vorbeischrammt oder zwar einen Workshop möchtet, jedoch an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit und/oder mit anderem Schwerpunkt, lasst es mich wissen. Was Stephan und ich alles anbieten, erfahrt ihr auf unserer Webseite schreibworkshops.ch

PS: Anmeldungen bitte direkt an die Bibliothek Buchs (siehe Link in der ersten Zeile). 


Mittwoch, 15. Dezember 2021

Magischer Schlusspunkt

Meine letzten Lesungen des Jahres waren magisch. In wirklich jeder Beziehung. Einen schöneren Abschluss als diese vier Lesungen in Langnau am Albis hätte es nicht geben können. Danke an Claudia Haas von der Bibliothek und vor allem einen riesengrossen Dank an die vier wunderbaren Klassen, bei denen ich zu Besuch sein durfte. Und ich hoffe, es hat auch den speziellen Bewohnern hinter dieser Tür gefallen. 
 
70 Lesungen sind es dieses Jahr geworden. Trotz Corona und trotz meines Rückzugs aus den den grossen Schullesetouren. Das freut mich sehr. 
 
Die nächsten paar Monate lege ich den beruflichen Fokus auf die Arbeit für unseren da bux Verlag und auf das Schreiben. Nächstes Jahr gehe ich - endlich wieder!!! - mit zwei neuen Büchern an den Start. Auch darauf freue ich mich riesig.

Samstag, 4. Dezember 2021

Und wieder mal das Bla-Bla-Beschwören der Eigenverantwortung

Gestern, nach meinen Lesungen, die streng und gut nach Schutzkonzept verliefen, setzte ich mich in Alpnach in die S-Bahn, wo ungefähr ein Fünftel der Menschen im Wagen der Zentralbahn keine Maske trugen. Kontrollieren oder gar beanstanden tut so was niemand. Dafür darf ich dann, gemäss bundesrätlichem Entscheid, an Weihnachten bei mehr als zehn Personen bei der privaten Feier das Zertifikat verlangen. (An dieser Stelle herzlichen Dank für die sinnloseste Massnahme ever, begleitet von einem frustriert-ärgerlichen WtF?)

Das Wort der gestrigen bundesrätlichen Pressekonferenz war - wieder einmal - EIGENVERANTWORTUNG. Gefolgt von "Die Lage ist sehr kritisch, wir müssen alle unseren Beitrag leisten. Masken tragen, Hände w... blablablablaba..)
 
Nun, die Wirtschaftsverbände waren gemäss ersten Reaktionen hoch erfreut über die milden Massnahmen. Ich weiss jetzt nicht, ob sie genauso erfreut wären, wenn sie den vierten Platz in meinem Bahnabteil von Luzern nach Zürich eingenommen hätten. Da sassen nämlich nebst mir zwei jüngere Menschen, denen der ganze Mist zur Nase raushängt. Wie ich dem Gespräch entnehmen konnte, hat der eine Mensch schon gekündigt und der andere Mensch hat das Büro trotz dringender, noch unerledigter Arbeiten einfach verlassen und ist in den Feierabend gegangen, weil die anderen zu sehr nerven - unter anderem mit einer "tollen" Weihnachtsfeier am Arbeitsplatz. Einem Arbeitsplatz, an dem man die Schutzkonzepte nicht sehr ernst nimmt. Ob dieser zweite Mensch noch lange an diesem Ort arbeitet, wage ich zu bezweifeln (und ich stelle mal die Diagnose, dass dieser Mensch einem guten Arbeitgeber ein wertvoller, plichtbewusster, sehr guter Arbeitnehmer sein wird.) Als ob man das alles noch irgendwie belegen müsste, latschte kurz vor Zürich ein Potenzprotz ohne Maske, dafür mit arrogantem Grind, an uns vorbei. Die beiden Menschen in meinem Abteil rollten gemeinsam mit den Augen.
 
Ich hab's dann in Zürich in einen fast leeren, himmlisch ruhigen Railjet-Wagen geschafft, wo alle ihre Maske aufhatten. Und ich kostenlosen Internetanschluss. In dieser wunderbaren Ruhe und Stille habe ich online gelesen, dass man bei mir in der Ostschweiz wohl ziemlich problemlos an ein gefälschtes Zertifikat kommt. Danach bin ich von "News" auf Chat umgestiegen und habe mich bei meiner Autorenfreundin ausgeheult.
 
Mein allgemeines Fazit: Wir müssen gar keine Massnahmen einführen. Schulen, an denen man das Virus einfach laufen lässt (auf kantonale Anordnung hin), die unbehelligten Virenschleudern im ÖV und Menschen, die unter EIGENVERANTWORTUNG verstehen, dass sie alles tun und lassen können, was für sie gut ist, sorgen in den nächsten Wochen und Monaten für eine kräftige Durchseuchung, wobei ihnen der Preis dafür egal ist, solange es sie nicht selber trifft.
 
Mein persönliches Fazit: Ich nehme noch die schon vereinbarten Termine wahr (nennt sich Pflichtbewusstsein), fahre mit Todesverachtung ÖV (wo man nicht die leiseste Absicht hat, Menschen, die sich solidarisch verhalten, zu schützen) und nehme bis mindestens nächsten August keine neuen Termine mehr an.

Hier noch ein Link zu einem Video, das ihr euch anschauen solltet:


Mittwoch, 24. November 2021

Und wieder grüsst das (Corona) Murmeltier

Es ist ziemlich ruhig geworden hier im Blog. Einer der Gründe ist, dass mich die aktuelle Lage samt kommender Abstimmung stark beschäftigt, ich mich jedoch hüte, etwas dazu zu schreiben, weil ich keine Lust auf giftige Kommentare habe. In diesen Tagen bin ich heftig unterwegs, an Workshops und Lesungen, nicht immer mit einem guten Gefühl, aber ich will nicht schon wieder - wie im Vorjahr - alle Termine im November und Dezember absagen. Wie sich das für mich alles anfühlt, habe ich in meiner neusten Qultur Kolumne geschrieben. Zum Lesen bitte HIER klicken.

Mittwoch, 10. November 2021

Mein giftgrünes Wägelchen mit Katze

Jahrelang bin ich um praktische, aber auch immer potthässliche Einkaufswägelchen herumgeschlichen und konnte mich nicht überwinden, eins zu kaufen. Bis ich kürzlich dieses giftgrüne Ding mit Katze erblickte und mich Hals über Kopf verliebte. Heute kam es zum allerersten Einsatz: Es kam mit mir zur Lesung. Und danach sind wir gemeinsam von Vaduz im Liechtenstein zurück nach Hause spaziert, ein Stückweit dem Rhein entlang. Samt Einkaufsstopp in Buchs.


 

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Unfreiwilliges Publikum

Kinder- und Jugendbuchautor*innen lesen häufig abseits der Öffentlichkeit an Schulen, bei einem Publikum, das keine andere Wahl hat, als ihnen zuzuhören. Ich nenne diese Jungs und Mädels "Zwangsverpflichtete". Wie es ist, vor jemandem zu stehen, der oft nicht auf einen gewartet hat, was es dabei Positives und Negatives zu erleben gibt und warum ich mich immer tierisch freue, wenn ich doch einmal an einer öffentlichen Veranstaltung teilnehmen kann ... all das habe ich in meiner neusten YA-Kolumne für geschildert. Zum Lesen bitte HIER (<=) klicken.