Sonntag, 9. Mai 2021

Lesungen - weniger ist mehr

Ich liebe Lesungen. Und ich werde weiterhin Lesungen machen. Aber meine Zeit der wochenlangen Schullesetouren ist vorbei. Das ist mir in diesen letzten Monaten und Wochen sehr klar geworden. Was ich beibehalten werde, sind Lesungen und Workshops an einzelnen Tagen, die auf direkte Anfrage zustande kommen.

Normalerweise war ich jeweils im Januar und/oder März eine, meistens zwei Wochen auf Lesetour im Kanton Zürich. Dort habe ich mich jedoch schon letztes Jahr abgemeldet – und ich stellte in den vergangenen Monaten fest, wie gut es mir tut, mich ganz auf die da bux Verlagsarbeit zu konzentrieren. Ich hatte alle Zeit der Erde für das Lektorat der vier Texte der Edition 7. Während meine Autorenkolleg*innen entweder unterwegs waren oder coronabedingt Verschiebungstermine gesucht haben, konnte ich meinen Fokus voll und ganz auf da bux legen. Und mir blieb dabei auch Zeit für mich. Ich glaube ich hatte dieses Jahr das stressfreiste erste Quartal seit endlos langer Zeit.

Da ich mittlerweile die ersten paar Monate im Jahr sehr viel mehr Verlegerin als Autorin bin, möchte ich in der zweiten Jahreshälfte hauptsächlich schreiben, weshalb ich mich nun auch bei den Zentralschweizer Lesungen abgemeldet habe, etwas schwereren Herzens als im Falle der Zürcher Lesungen, weil ich immer sehr gerne in der Zentralschweiz unterwegs gewesen bin. 

Der Verlag und das Schreiben sind jedoch nicht die einzigen Gründe für diesen Teilrückzug von den Lesungen. Vor allem in den letzten beiden Jahren haben die Touren an mir zu zehren begonnen, denn Schullesetouren sind fordernd und energieraubend: Drei Lesungen pro Tag, zum Teil Ortswechsel über den Mittag, ein Leben im Hotel, gewisse Schulen, bei denen ich mehr Bespassungshampel denn Autorin war … es wurde mir zu viel. Und dass solche Lesungen auf organisierten Touren leider immer noch nicht gerade prächtig gut bezahlt sind, hilft auch nicht wirklich; auf jeden Fall machte es den Entscheid einfacher.  

Im Augenblick befinde ich mich auf meiner letzten Schullesetour. Sie führt mich durch die Ostschweiz. Mal abgesehen vom grässlichen Fehlstart am Montagmorgen (ich sage nur Turnhalle, Festbänke und Turnmatten), fühlte ich mich an allen anderen Lesungen wohl wie ein Fisch in schönsten Gewässern. Wunderbare Lehrpersonen, wunderbare Jugendliche, gute Schutzkonzepte, tolle Lesungen. Was nichts daran änderte, dass ich an zwei Abenden bereits um halb neun in einen schon fast komatösen Schlaf fiel. Yap Leute, es ist soweit: Diese Frau hier (ich) wird alt. Als jemand, der ein Leben lang aus einem vollen Energiereservoir schöpfte, fällt mir diese Erkenntnis nicht gerade leicht.

Dieses Jahr werde ich sechzig. Eine gute Gelegenheit, bei den Lesungen etwas kürzer zu treten, den Fokus noch mehr auf den da bux Verlag zu legen und meine Ideen in Sachen Workshops/Coaching zu verwirklichen.

Schulen, die mich gerne für eine oder mehrere Lesungen engagieren möchten, können das weiterhin tun, allerdings nicht im Rahmen einer Schullesetour, sondern mittels direkter Anfrage bei mir. Dasselbe gilt für Workshops und Coachings. Ich höre nicht auf. Ich wechsle nur die Schrittart. Darauf freue ich mich.

Freitag, 7. Mai 2021

Schreibcoaching für Jugendliche

Das mit dem Loslassen und den neuen Türen hat tatsächlich was. Während ich mich auf die Ostschweizer Schul-Lesetour vorbereitet habe, der letzten dieser Art für mich (mehr dazu im nächsten Blogpost), flatterte eine Mail in meinen virtuellen Briefkasten. Eine Anfrage für ein Krimi-Schreibcoaching für zwei Schulklassen am anderen Ende der Schweiz. Von jetzt auf sofort. Für den ganzen Monat Mai. Meine Antwort war Minuten später formuliert: Ja, sehr gerne. Und ich versprach ein Konzept bis zum nächsten Tag.

In einer idealen Welt und mit mehr Vorlauf hätte ich vorgeschlagen, dass ich die bereits bestehenden Texte und die Fragen der Schüler*innen lese, das Coaching mit einem Schreibworkshop vor Ort beginne und danach die Klassen virtuell durch den Schreibprozess begleite.

Aus zeitlichen Gründen musste ich mir etwas anderes einfallen lassen, denn ich bin die ersten 1 1/2 Wochen im Mai auf Lesetour, und danach haben die Klassen eine Projektwoche abseits vom Krimischreiben. Also habe ich dem verantwortlichen Lehrer verschiedene Möglichkeiten vorgeschlagen, die wir am Samstagnachmittag telefonisch besprochen haben. Zwei Stunden später schickte er mir eine Zusammenfassung des definitiven Konzepts, und dann ging alles sehr schnell. Schon am Sonntagnachmittag drehte ich den Begrüssungsclip für die Schüler*innen und schickte ihn auf die virtuelle Reise ans andere Ende der Schweiz. 

Für mich ist das der Aufbruch, den Stephan Sigg und ich schon Anfang letztes Jahr gemeinsam eingefädelt haben mit unserem Schreibworkshopangebot. Corona hat uns dazwischengefunkt, aber ich denke ab nun geht es voran.

Was mir an diesem Krimi-Schreibcoaching gefällt: Ich darf Jugendliche über längere Zeit bei ihrem Schreibprozess begleiten. Wir arbeiten dabei mit Videoclips, mit Zoom-Meetings, mit Dateien in Teams und wir wollen uns auch vor Ort begegnen, wenn nicht am Anfang des Projekts, dann am Ende zum Feiern.

Für mich ist das gerade ein riesiges Testfeld, in dem ich mich austoben kann und darf. Und genau das gedenke ich zu tun. Bis jetzt macht es jede Menge Spass - und auch Arbeit. Aber es ist genau die Art Arbeit, die ich in Zukunft vermehrt ausüben möchte. Weitere Infos dazu auf der Webseite Schreibworkshops.ch  

Samstag, 1. Mai 2021

Warum mein Garten besser gekleidet ist als ich

Das Öffnen meines Kleiderschranks ist für mich zu einem kleinen Albtraum geworden. "Ich habe nichts anzuziehen" ist in meinem Fall keine Koketterie, sondern eine schmerzhafte Tatsache, vor allem nach meiner letzten Aus-dem-Leim-gehen-Runde. Nun passen auch die verbleibenden paar Kleidungsttücke nicht mehr. Kürzlich bin ich in einem Anfall von Verzweiflung in einen Kleiderladen marschiert, habe mir drei paar Jeans in (sehr) grossen Grössen, dafür in Kurzlänge, geschnappt und bin damit direkt zur Kasse. Ohne die Dinger anzuprobieren.

"Sie haben schon gesehen, dass eine Jeans eine Nummer grösser ist als die anderen?", hat die nette Verkäuferin gefragt.

Ja, hatte ich. Ich hätte auch gerne alle drei Paar in dieser Monstergrösse gehabt, aber alle anderen Kurzgrössen gab es nur in der Nicht-ganz-Monstergrösse. Ich wusste, dass sie zwar eng sitzen, aber passen würden. Ausserdem will ich ja wieder etwas schrumpfen (HA!)

Fazit: Die Monstergrösse eignet sich perfekt für meine langen Spaziergänge, die anderen lassen mich einigermassen gesellschaftstauglich aussehen. Hosenproblem gelöst. Vier funktionierende Paar Hosen sind für mich schon zwei mehr als vorher. Meistens trage ich sie, bis sie mir am Körper zerfallen. Zum Glück gibt es diesen Kaputte-Hose-Trend noch immer.

Oberteile habe ich noch drei oder vier passende, dazu kommen ein paar Verzweiflungskauf T-Shirts, die ich nur im Garten trage, weil ich sie so hässlich finde. Von Schuhen reden wir gar nicht. Ich trage seit nunmehr mindestens drei Jahren nur noch Turnschuhe derselben Marke und Farbe, plus Wanderschuhe, plus im Winter warme (abgelaufene) Winterschuhe.

Nein, es liegt nicht am fehlenden Geld. Mein Problem ist, dass ich Kleidershoppen hasse. Nur schon beim Gedanken daran bekomme ich schlechte Laune. Und wenn ich mich mal in einem Anfall von Jetzt-Aber in einen Kleiderladen stürze, bin ich meistens so schnell draussen wie ich vorher drin war.

Das hat verschiedene Gründe: Das meiste Zeug gefällt mir schlicht und einfach nicht. Und das, was mir gefallen würde, gibt es in meiner Grösse nicht. Ja, ich hab's online versucht, aber nach jeweils zwei bis drei Stunden Schmökern gebe ich entkräftet auf und wechsle zu den Shops, in denen ich stundenlang schwelgen kann: Deko- und Einrichtungsshops.

Es ist nicht so, dass ich generell nicht gerne einkaufe. Kein Einrichtungsladen ist vor mir sicher, keine Gärtnerei, in die ich nicht zumindest reinlinse. Am Allerliebsten sind mir die gemütlichen Läden, in denen alte, gebrauchte Möbel und Dekostände verkauft werden. Kürzlich kam ich bei meinem Spaziergang an so einem vorbei. Die Besitzerin war gerade damit beschäftigt, die Ausstellungsstücke vor ihr Geschäft zu tragen. Mein Auge fiel auf zwei Fensterläden. Zwei Augenweiden. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich hatte weder das nötige Geld noch das für den Transport nötige Auto dabei, aber ich reservierte die Läden und ging sie am Abend abholen (und bezahlen).

Während ich also für mich nichts Passendes finde - nicht zuletzt weil mir die Lust zum Suchen fehlt - werden unser Garten und unser Heim von Tag zu Tag schöner und gemütlicher.

Meinem Garten ist es egal, wie ich aussehe. Mir meistens auch. Aber jetzt stehen Lesungen vor der Tür. Meine beiden übergrossen Winterpullover, die ich während der letzten Wochen und Monate abwechselnd getragen habe, haben ausgedient. Der Kleiderschrank gibt ausser Hosen nicht wirklich was her. Ich habe eine kleine Panikattacke. Es ist Samstag, das Wetter ziemlich garstig. Der perfekte Tag, Kleidershoppen zu gehen. Theoretisch.

PS: Wenn ihr einen Online-Shop kennt, der tolle Kleider in grossen Grössen verkauft, in denen man nicht wie ein Zirkuszelt oder seine eigene Oma aussieht, vorzugsweise Kleider in Schwarz und in Cool, bitte schreibt mir den Namen des Shops unten in die Kommentare. Danke.