Freitag, 19. Oktober 2018

Darf ich vorstellen: Mein Bullet Journal

Seit Anfang Oktober führe ich ein Bullet Journal. Warum ich mich dazu entschieden habe könnt ihr hier nachlesen und hier nachgucken. Nun löse ich mein Versprechen ein und gebe euch einen kleinen Einblick in mein Journal und die Gedanken, die ich mir dazu gemacht habe / mache.

Eigentlich wollte ich bis Ende Jahr nur ein kleines Test-Journal führen, habe mich aber im Laden gerne zum Kauf eines richtigen Journals verführen lassen, es samt dazugehörigem Stift gekauft und gleich mit viel Spass eine kurze Restjahresübersicht gestaltet, samt Grundfarbenplanung für die ersten drei Monate.


Für die Gestaltung meiner Oktober-Deckblattseite habe ich mir im Internet Muster angeschaut und mir überlegt, wo ich im Oktober meine Schwerpunkte setzen möchte.


 Meine vier wichtigsten Schwerpunkte sind in diesem Monat:
  • mein Garten
  • die Neugestaltung unseres Schlafzimmers
  • das Schreiben
  • mein Umgang mit den Social Media
Dazu habe ich Symbolzeichnungen gemacht, was nicht ganz einfach war, da mir jegliches Zeichnungstalent fehlt. Zum Glück gibt es im Internet zu gar allem sogenannte Doodles. Ich habe mir passende ausgedruckt und dann abgezeichnet, so gut ich es eben kann.

Da in allen Journals, die ich mir angeschaut habe, Tracker vorkommen, habe ich meine Tracker auf die linke Seite gestellt.

S = Schreiben
db = der da bux Verlag
L = Lesungen
I = Ideen
R = Räume (in diesem Fall das Schlafzimmer)
G = Garten
E = Essen
W = Gewicht

(Anmerkung am Rande: Das mit dem E und W hat einen besonderen Grund: Ich lebe seit April dieses Jahres die Methode 16/8, wobei ich auf nichts verzichte und gar alles esse, einfach nur innerhalb von 8 Stunden. Diese Methode ist die erste, die mich überzeugt; ich finde Diäten zum Brüllen, habe seit gefühlten 100 Jahren keine mehr gemacht, will meine Ernährung nicht umstellen, weil das sowieso nie langfristig funktioniert, sondern stets von allem essen können. 16/8 erlaubt mir das.)

Auf der rechten Seite habe ich mich für Lesungen, Termine und Highlights entschieden und weiss jetzt schon, dass ich diese Seite im November ganz anders gestalte.

Den Monat habe ich mir in einzelne Tage aufgeteilt. Am Ende jeden Tages schreibe ich auf, was ich gemacht habe, male den Tag in der passenden Farbe aus (gelb = zufrieden und glücklich / blau = unzufrieden, nicht so glücklich / rot = grässlich; wobei das rot eingefärbte Datum nichts mit meiner Laune zu tun hat).
 

Ich habe sehr schnell gemerkt, dass die Felder viel zu klein sind, vor allem, dass mir die tägliche to-do-Liste fehlt. Deshalb habe ich für den November schon eine andere Einteilung geplant: Erst den ganzen Monat, wo ich mir die Termine eintrage, dann eine Wochenplanung mit genügend grossen Feldern für eine to-do-Liste und einen Mood-Tracker am Ende.


Dann habe ich zu sämtlichen Punkten, die auf der Trackerliste sind, Doppelseiten eingerichtet. Hier als Beispiele meine Seite über die Schlafzimmerumgestaltung (die Bilder dazu fehlen noch) und die Seite über die Koordination und den Einsatz meiner Social Media Kanäle; auch sie ist unvollständig, aber der Monat ist ja auch noch nicht zu Ende. (Die Doppelseite mit der Übersicht über die Oktober- und Novemberlesungen könnt ihr hier anschauen.)


Mein Zwischenfazit: Ich merke, dass mir das Bullet Journal guttut und habe mir fest vorgenommen, es weiterzuführen. Bis jetzt habe ich zusätzlich zum Journal noch meine Jahresagenda, aber ich plane, sie nächstes Jahr ins Bullet Journal zu integrieren und dann nur noch einen einzigen Planer zu haben.

Ich habe begonnen, auf Instagramm Accounts mit Bullet Journals zu folgen und lasse mich gerne von ihnen inspirieren.

Montag, 15. Oktober 2018

Wie kommst du zu deinen Lesungen? - Und was dann?

Diese Frage wird mir häufig so oder in ähnlicher Form gestellt. Varianten: "Organisiert dir dein Verlag deine Lesungen?" / "Bewirbst du dich um Lesungen?"

Die beiden Varianten kann ich verneinen: Nein, der Verlag organisiert mir keine Lesungen (höchstens mal eine an einer Messe) und nein, ich bewerbe mich nicht um Lesungen, weil ich das Glück habe, genügend Anfragen zu bekommen.

Wie also funktioniert das mit den Anfragen:

Entweder meldet sich ein Veranstalter (meistens eine Schule, eher selten eine Bibliothek oder ein Buchladen) für eine oder mehrere Lesungen an einem bestimmten Tag bei mir, oder ich werde zu organisierten Schullesetouren eingeladen (zum Beispiel durch "Schule und Kultur", "Literatur aus erster Hand" usw.).

Bei direkten Anfragen einigt man sich auf einen Termin und klärt die Honorarfrage; danach werden die Details besprochen. Bei Schullesetouren ist man mehrere Tage oder wochenweise unterwegs, das Honorar ist vorgegeben und liegt (teilweise viel) tiefer als bei direkten Anfragen (Erklärung: die Menge macht's); den Lesungsplan erhält man von den Veranstaltern, die Logistik und die Details macht man gemeinsam mit den einzelnen Schulen aus. Ich zeige euch das anhand meines neuen Bulletjournals für diesen Oktober und November:

D = Datum
L = Anzahl Lesungen
K = Kontaktaufnahme
M = Map / Karte
FP = Fahrplan
S = Set; also, wenn alle Details besprochen sind und ich mir den Fahrplan und die Karte mit dem Weg zur Schule ausgedruckt habe
(Nach dem Bild geht's weiter im Text.)


Bei Einzellesungen ist der administrative Aufwand einigermassen überblickbar; dafür fährt man oft für eine einzelne Lesung (oder im besten Fall zwei bis drei Lesungen) mehrere Stunden zum Veranstaltungsort hin und zurück. Bei organisierten Touren ist der Aufwand ziemlich gross (es gibt ein paar wenige Veranstalter, die einem diese Arbeit abnehmen), dafür ist man zentral stationiert und muss nicht so lange Anreisewege in Kauf nehmen.

Bleibt die Frage, wie man zu Lesungen kommt, wenn die Anfragen ausbleiben. Dann kann man selber aktiv werden und Schulen / Bibliotheken / Veranstalter anschreiben. Ich weiss, dass das ein harziger Weg sein kann, für den man nicht zuletzt ein starkes emotionales Schutzschild braucht, weil man entweder keine Antwort oder eine negative bekommt. Wer in Schreibgruppen oder Schreibnetzwerken ist, kann im Idealfall an Kurzlesungen teilnehmen, die diese Gruppen organisieren oder veranstalten.

Vielleicht habt ihr Fragen oder Anmerkungen oder zusätzliche Vorschläge, wie man zu Lesungen kommt. Dann nutzt bitte die Kommentarfunktion - ich freue mich auf den Austausch.

Samstag, 13. Oktober 2018

Den Blog neu einrichten und gestalten

Anfang Oktober habe ich begonnen, ein Bullet Journal zu führen, also eine Agenda, die man selber gestaltet. Alles, was man hat, sind leere Seiten mit Punkten; wie man dieses Journal ein- und unterteilt und ausfüllt, ist der Fantasie überlassen. Was mir daran besonders gefällt: Bevor man mit den Einträgen beginnen kann, muss man seine Gedanken sortieren und sich überlegen, wo man die Schwerpunkte setzen will. Wie ich das getan habe und was dabei im Entstehen ist, erzähle ich euch in einem anderen Blogpost, denn heute geht es um die Folgen, die das Führen des Bullet Journals mit sich bringt. Dazu muss ich etwas ausholen.

Gestern fuhr ich nach einer längeren Pause (auch darüber mehr in einem der nächsten Blogposts) ins Haus in den Bergen, um den Kopf fürs Schreiben freizuhaben. Es hat geklappt. Ich geriet in einen Flow, wie ich ihn schon lange nicht mehr erlebt habe. Ein tolles Gefühl!

Heute Morgen schaute ich aus dem Fenster.


Weil ich gestern ein Kapitel einer Geschichte abgeschlossen hatte und für das neue erst einmal Anlauf holen wollte, entschied ich mich, in diese wunderbare Landschaft hinauszugehen, meine Lieblingsspazierrunde unter die Füsse zu nehmen und den Ideen Raum und Zeit zu geben.

Schon bald war ich mittendrin im nächsten Kapitel. Und nein, es handelt nicht von lieblichen Landschaften und netten Bergbäuerinnen oder gemütlichen Wanderern - es wurde geschlagen, geblutet, geschrien, gelogen und geweint. Ich finde das jedes Mal faszinierend: dieses gemütliche Laufen durch eine idyllische Landschaft in Kombination mit wildesten und düstersten Gedanken. Ja, das funktioniert tatsächlich, keine Ahnung, wieso.


Irgendwann schweiften meine Gedanken ab. Zum Bullet Journal. Zu meinen Monatsschwerpunkten. Zu meinen Plänen, meine Social Media besser zu koordinieren. Und dann war sie plötzlich da, die Idee: Ich werde den Blog neu ausrichten und dabei an die Themen meines Bullet Journals anknüpfen. Es soll weggehen vom reinen Autorenblog (was es eigentlich nie war), hin zu einem, der mein Leben mehr und besser spiegelt.

Schreiben ist immer noch ein sehr wichtiger Aspekt meines Lebens, vor allem ist es immer noch mein Beruf. Aber es ist ein zweiter dazugekommen. Ich bin schon seit längerer Zeit auch Verlegerin. Und Hobbygärtnerin (ohne grünen Daumen). Und Handwerkerin (mit zwei linken Händen). Und politisch und sozial engagiert denkender Mensch. All das - und noch mehr - soll hier im Blog Raum erhalten. Zum Glück heisst er "Kreuzundquer" :-) Es würde mich freuen, wenn ihr euch mit mir darauf einlassen würdet. Wohin es gehen wird? Werden wir sehen. Der Weg ist das Ziel, wie man so schön sagt.

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Auf der Shortlist vom Bookstar 2018

Heute war ein besonderer, verrückter, turbulenter, zutiefst glücklich machender Tag: Meine Hundert Lügen stehen auf der Shortlist vom Bookstar 2018, also unter den ersten fünf.

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Die Zahl 200 geknackt

Nein, es geht nicht um Hühnerställe schwimmen nicht (dort steht ja die magische Zahl von 52 verkauften Exemplaren als Ziel im Raum, im Augenblick noch etwas einsam, doch das wird schon). Es geht um meinen YouTube-Kanal. Der lag viel zu viele Monate brach. Ich hätte zwar jede Menge Ideen gehabt, was ich da alles hochladen möchte, aber Beiträge oder gar Trailer für YouTube zu machen, ist eine sehr zeitintensive Angelegenheit. Und wenn mir in diesen Monaten etwas besonders gefehlt hat, dann die Zeit. Jetzt, ausgerüstet mit neuen Vorsätzen und Projektideen, habe ich Zeit. Einen neuen Clip (zum Thema Zeit, Prioritäten und Vorsätze) habe ich schon hochgeladen, andere werden folgen.

Als ich den Clip vorgestern online stellte, sprang mir die Zahl meiner Abonnentinnen ins Auge. 199. Genau einer weniger als 200. Das fuchste mich. Also bat ich auf Facebook und Twitter um Hilfe. Und siehe da: Die Zahl 200 ist geknackt. So gut. Allen, die das möglich gemacht haben, sei herzlich gedankt. (Wenn ihr auch dazugehören möchtet, klickt hier.)

Dienstag, 25. September 2018

Edition 3 rockt los

Vor ungefähr drei Jahren sassen Stephan, Tom und ich zusammen, um die Idee eines eigenen Verlags auf Herz und Nieren zu prüfen. Davon und darüber geredet hatten wir genug; wir waren uns einig, dass wir es gemeinsam versuchen wollten, glaubten auch daran, dass wir mit unserem Konzept eine Chance haben könnten - nun musste dieses Konzept einem gnadenlosen Reality-Check standhalten.

Das Konzept schriftlich festzuhalten war einfach. Wir wussten genau, welche Art Bücher wir machen wollten. Schwierig wurde es beim Business-Plan, wo wir durchrechneten, was uns die Herstellung der Bücher kosten würde, welchen Preis man realistisch verlangen konnte, wo man Profis hinzuziehen und bezahlen musste, wo wir Eigenleistungen erbringen konnten und wie viele Bücher wir - theoretisch - verkaufen mussten, um zumindest eine schwarze Null zu schreiben. Ich gestehe: Nachdem wir die Zahlen zu Papier gebracht hatten, starrten wir uns ziemlich lange schweigend an, weil keiner zu sagen wagte: "Das packen wir nicht, das geht nicht, durch den Reality-Check gefallen."

Doch dann kam ein erstes: "Aber wenn wir ..." Ich weiss nicht mehr, wer es aussprach, aber es löste eine Lawine von: "Wenn wir ..." aus. Die Stimmung kippte von ernst und resigniert zu "Lasst uns die Zahlen nocheinmal durchrechnen." Nein. Wir beschönigten nichts. Wir sind drei Realisten mit Bodenhaftung. Unsere Kalkulationen waren das, was man als sehr konservativ, also sehr vorsichtig bezeichnet. Am Ende glaubten wir an unsere Chance und waren bereit, eigenes Geld einzusetzen.

Vier Jahre Zeit gaben wir uns. Und gingen an die Arbeit. Als Buchband (ausgesprochen: Buchbänd). Mit ganzer Seele, aus vollem Herzen. Kein schwabriger Synthypop sondern die volle Dröhnung Rock. Längst sind wir aus der Garage raus, unsere Bücher rocken Bühnen, nicht mehr zu dritt, sondern mit wunderbaren MitmusikerInnen, sprich tollen AutorInnen, die wir für unsere Idee gewinnen konnten.

Diese Woche stehen gleich zwei Auftritte an. Unsere Edition 3, das dritte da bux Programm, rockt los. Das wollen wir feiern. Morgen in der Buchhandlung Scriptum in Dietikon, wo wir die Realease-Party feiern, zusammen mit der ganzen Buchband. Übermorgen sind wir in St. Gallen, wo wir die Einzelvernissage zu "Noch 21 Tage" von Stephan Sigg feiern. Und das ist erst der Anfang: Am 16. Oktober stellen wir Karin Bachmanns Krimi "Monster im Dunkeln" vor, in Twann, wo schon Dürrenmatt gemordet hat (zumindest auf Papier). Danach geht es spannend weiter: Wo wir Katja Alves' "Erwischt!" feiern, wissen wir noch nicht - denn ihre Vernissage werden wir morgen unter den eingegangenen Bewerbungen von Schulen und Bibliotheken verlosen. Auch für "Biohacker" von Severin Schwendener haben wir uns etwas Spezielles einfallen lassen: Er wird das Buch an der Schule vorstellen, an der die Geschichte spielt.

Wer jetzt "gluschtig" geworden ist: Sämtliche Veranstaltungen samt Zeitangaben findet ihr hier und auf unserer Facebook-Seite. Wir laden euch herzlich ein, mit uns zu feiern und zu rocken.

Herzlich
Eure Buchband da bux

Freitag, 14. September 2018

Bookstar.ch - der Schweizer Jugendbuchpreis

Zum zehnten Mal küren dieses Jahr Schweizer Jugendliche aus 20 nominierten Büchern den Bookstar. Von Anfang Mai bis Ende September können die Jugendlichen auf der Webseite von bookstar.ch abstimmen und ihre Leseeindrücke in einem Kommentar hinterlegen. Ab dem 1. Oktober steht fest, welche fünf Titel es auf die Shortlist geschafft haben. Verliehen wird der Preis im Rahmen von 'Zürich liest' am 26. Oktober.

Die Idee zu diesem Buchpreis hatten die Kinder- und Jugendmedien Zürich und Graubünden («KJM-Zürich» und «lesen.GR»). Ich habe für Autillus, den Verein der Schweizer Kinder- und Jugendbuchschaffenden, mit Patricia Schnyder, der Geschäftsführerin der Kinder- und Jugendmedien Zürich, ein Interview über den Wettbewerb und seine Bedeutung gemacht. Sie hat mir grünes Licht dafür gegeben, dieses Interview auch hier im Blog zu veröffentlichen (weiter geht's nach dem Foto).


Patricia, welches waren eure wichtigsten Kriterien, als ihr diesen Schweizer Jugendbuchpreis ins Leben gerufen habt?

Patricia Schnyder: Am Anfang stand der Wunsch nach einem Projekt, das die jugendliche Zielgruppe ins Zentrum rückt. Gelungene Leseförderung für Jugendliche nach dem «Leseknick» ist Mangelware und das obwohl sie genau hier am dringendsten benötigt wird. Nach wie vor stellen Experten der Lesekompetenz der Schweizer Jugend kein gutes Zeugnis aus. Nur ein Bruchteil der Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren gilt als lesestark. Das ist alarmierend, wenn man bedenkt, dass der schulische und berufliche Erfolg untrennbar mit der Lesekompetenz verbunden ist. Lesen öffnet Türen, das gilt im beruflichen genauso wie im privaten Leben.

In unserem Jugendbuchpreis spielen die Jugendlichen die Hauptrolle – von der Nominierung der 20 Bücher bis zur öffentlichen Preisvergabe. Das lag uns bei der Projektentwicklung ganz besonders am Herzen. Anstatt Jugendliteratur von einer erwachsenen Fachjury bewerten zu lassen, macht sich bookstar.ch für die Meinung der Jugendlichen selbst stark und ist damit einzigartig im deutschsprachigen Raum.

Beim bookstar.ch treffen Jugendliche eine Vorentscheidung und präsentieren 20 Bücher, welche dann von Jugendlichen bewertet werden. Dieses Jahr wurden diese von Jugendjurys aus den Schulen Hirschengraben Zürich, Rebhügel Zürich, Rorbas-Freienstein, Walenbach-Wetzikon, Wetzikon-Seegräben, ausgewählt. Wie gehen diese Jugendlichen an ihre Arbeit heran?

Patricia Schnyder: Jede Jugendjury wird von einer Mentorin oder einem Mentor betreut. Das sind oft besonders engagierte BibliothekarInnen oder Lehrpersonen. Diese erhalten von uns eine Liste mit dem Kurzbeschrieb der 40 Bücher der Vorauswahl. Zusammengestellt wird die Auswahl von einer erfahrenen Fachjury, die durch den täglichen Austausch mit Jugendlichen ein feines Gespür für deren vielfältige Lesevorlieben hat. Die Interessen der Schülerinnen und Schüler stehen auch hier klar im Zentrum – und nicht die literarischen oder pädagogischen Ansprüche der Erwachsenen.

Aus der Vorauswahl wählt jedes Jurymitglied dann selbständig, welche und wie viele Bücher sie oder er lesen möchte. Auch die Bewertung findet individuell statt – pro Buch können 1-10 Sterne vergeben werden. Zwischendurch kommt die Jury immer wieder zusammen und tauscht sich über das Gelesene aus: «Das musst du unbedingt lesen!», «Was meinst du dazu?», «Ich habe das Buch gar nicht gefühlt, weil…». Die Jugendlichen sind stolz, dass ihre Stimme zählt und nehmen ihren Job sehr ernst. Die Mentorin oder der Mentor agieren nur im Hintergrund, begleiten, motivieren und geben wo nötig neue Denkanstösse.

Jeweils im Mai werden die 20 Bücher auf der Webseite bookstar.ch vorgestellt. Danach können jugendliche LeserInnen ab 12 Jahren die Bücher bewerten. Welches sind eure Erfahrungen (positiv und negativ) mit diesem Abstimmungsmodus?

Patricia Schnyder: Als besonders positiv erleben wir die Kommentare der Teilnehmer. Es ist immer wieder faszinierend wie differenziert die Jugendlichen ihre persönlichen Meinungen verbalisieren. Schön ist auch, wenn im Kommentarbereich angeregte Dialoge über ein Buch entstehen. Diese persönlichen Feedbacks verfolgen und schätzen viele der nominierten Autoren ungemein.

Wer für ein Buch abstimmen möchte, muss aber nicht zwingend einen Kommentar verfassen. Es ist auch möglich seine Stimme ganz einfach, mit einem Klick auf den passenden Stern, abzugeben. Damit haben wir einerseits sehr positive Erfahrungen gemacht, weil wir so Jugendliche erreichen, die vor einem Mehr an Aufwand zurückschrecken. Andererseits trägt dieses effiziente Vorgehen dazu bei, dass Leser sich nicht tiefergehend mit der Lektüre befassen. Das Kommentieren regt die aktive Auseinandersetzung mit dem Gelesenen direkt an, der einfache Klick tut dies nicht zwingend.

AutorInnen (ich eingeschlossen!) sind begeistert von eurem Konzept, weil die Bücher von ihrer Zielgruppe bewertet werden, ihr beliefert Bibliotheken kostenlos mit tollem Informationsmaterial, ihr habt letztes Jahr einen neuen, leicht geänderten Abstimmungsmodus eingeführt, ihr habt euch den jungen Buchblogger Josia Jourdan als offiziellen Botschafter des Preises an Bord geholt, die Preisverleihung findet am 26. Oktober im Rahmen von «Züri liest» statt. Eigentlich macht ihr alles richtig und sehr gut. Woran liegt es in euren Augen, dass der Preis trotzdem nicht mehr Beachtung findet?

Patricia Schnyder: Als Non-Profit Organisation müssen wir mit einem sehr begrenzten Budget auskommen. Uns fehlen die finanziellen Ressourcen, um den Preis medienwirksam zu inszenieren. Genau das wäre aber zwingend nötig, um die Aufmerksamkeit einer breiteren Masse zu wecken. Wir hingegen sind auf Kooperationen angewiesen und gezwungen, langsamer vorzugehen. So arbeiten wir uns mit viel Engagement, jedes Jahr einen Schritt weiter nach vorne und setzen dabei stark auf Qualität vor Quantität. Für uns ist jeder zusätzliche Jugendliche, den wir erreichen, ein Erfolg – und dass wir euch dieses Interview geben durften, eine grosse Ehre. Herzlichen Dank!

Die Preisverleihung findet am 26. Oktober 2016 statt. Infos findet ihr auf dem Flyer:


Samstag, 1. September 2018

Arbeitsteilung

Wochenlang war es hier im Büro unter dem Dach viel zu heiss für gar alles. Nun schiffts und huddlets draussen, ideal, um endlich konzentriert und produktiv zu arbeiten. Sogar eine Arbeitspartnerin habe ich. Meine Katze und ich rackern uns in gewohnter Arbeitsteilung durch den Zu-Erledigen-Stapel: Sie schläft, ich arbeite.

Was wir gerade tun: Unterrichtsmaterialen für die Bücher der Edition 3 des da bux Verlags erstellen. Ist auch höchste Zeit: Am 10. September ist offizieller Erscheinungstermin. Bis dann müssen alle Downloads online sein.

Freitag, 31. August 2018

"Die schwärenden Wunden der Buchbranche"

Die Autorin Bettina Belitz legt immer mal wieder den Finger auf die (sehr) wunden Punkte der Buchbranche. In ihrem neusten Blogartikel berichtet sie über die Erfahrung mit ihrer Serie "Mein Date mit den Sternen". Es sind Erfahrungen, die viele AutorInnen in solcher oder ähnlicher Form kennen. Wenn wir uns untereinander austauschen, sind das die Themen, die uns beschäftigen und über die wir sprechen.

Ich habe meine Konsequenzen aus solchen Erfahrungen gezogen. Es war ein langer, schmerzhafter Prozess mit Wunden, die nur sehr langsam heilten und in dessen Verlauf ich sehr ernsthaft darüber nachdachte, mit dem Schreiben aufzuhören. Heute geht es mir wunderbar. Ich bin innerlich ruhig und gelassen (mit gelegentlichen Ausnahmen, die meinem Temperament geschuldet sind), voll motiviert und vor allem voller Ideen. Ich spüre eine unbändige Schreiblust, arbeite an tollen Projekten, bin begeisterte Verlegerin.

Manchmal werde ich gefragt, ob ich denn nicht alle meine Geschichten einfach im da bux Verlag veröffentlichen wolle / könne. Die Antwort ist Nein. Weder will noch kann ich. Zum nicht wollen: Der Verlag ist kein Vehikel, das für meine Bücher geschaffen wurde, er entspringt einem ganz anderen Gedanken. Zum nicht können: Selbst wenn ich wollte, könnte ich nicht, denn da bux ist ein wunderbarer kleiner Nischenverlag für ein  bestimmtes Zielpublikum. Da würden meine umfangreicheren Bücher gar nicht reinpassen.

Im Augenblick gebe ich meine Backlist im Self Publishing heraus. Ich schreibe aber auch an neuen Projekten. Auf Verlagssuche bin ich damit nicht, werde auch nicht auf Verlagssuche gehen. Eher wahrscheinlich ist, dass ich diese Titel im Self Publishing herausgeben werde. Oder sehr gerne auch bei einem kleinen, engagierten Verlag, dem seine AutorInnen etwas wert sind, auch wenn sie nicht Zehntausende von Büchern verkaufen.

Das eigentlich Schönste an der ganzen Sache ist, dass ich solche Zeilen heute ohne den leisesten Anflug von Verbitterung und Enttäuschung schreiben kann. Die Wunden sind vernarbt, die Narben tun nicht mehr weh. Ich liebe meinen Beruf.

Donnerstag, 30. August 2018

Fundstück Nr. 74

Irgendwo unterwegs in Frankreich, 2018

Donnerstag, 23. August 2018

Mittwoch, 22. August 2018

Sein Buch zum ersten Mal in den Händen halten

Letzten Freitag (17.August) bestellte ich mir mein neues Buch Hühnerställe schwimmen nicht als Test im BoD-Shop. Gestern Nachmittag (Dienstag, 21. August) fuhr der Postbote vor und brachte mir meine "Hühnerställe". Ich war einigermassen platt, denn normalerweise dauert es eine Weile, bis eine Self Publishing Publikation beim Käufer resp. der Käuferin ist, vor allem, wenn man die Bücher in Deutschland bestellt. Dass es so schnell gehen würde, hätte ich in nie und nimmer gedacht. BoD hat diesen Test mit Bestnote bestanden!

Nun aber zum Thema: Das eigene Buch zum ersten Mal in den Händen zu halten. "Wie ist das eigentlich?" wurde ich diesen Frühling bei einer Lesung gefragt und ich habe geantwortet: "Ganz ehrlich? Furchtbar." Natürlich musste ich das erklären: "Ich habe Angst, dass ich es öffne und Fehler oder eine schlechte Stelle finde. Ich habe Angst, dass niemand es kaufen will. Ich habe Angst, dass es sang- und klanglos untergeht. Ich habe Angst, dass es die Leser schlecht finden. So was stresst einfach nur."

Gestern war alles anders: Ich öffnete die Schachtel und freute mich uneingeschränkt. Das Cover sieht noch besser aus als ich es mir vorgestellt habe, der Satz ist wunderschön (ich habe auch lange genug daran gearbeitet), das Cargo44 Label ist genau so rausgekommen, wie wir gehofft haben (man sieht es auf dem Cover, allerdings verschwindet es fast darin - das wusste ich, und es war auch ein sehr bewusster Entscheid, es genau dabei zu belassen). Ich freute mich auch noch, als ich merkte, dass ich grafische Wildsau ganz hinten in der Vorschau einen Fehler gemacht habe (die beiden Bücher sind nicht gleich gross) und ich freute mich sogar noch, als ich merkte, dass die Titelschrift nicht ganz in der Mitte ist.

Ich habe auch keine Angst. Ich weiss, dass sich das Buch nicht zum Verkaufsrenner entwickelt. Ich bin ziemlich sicher, dass es einigermassen sang- und klanglos untergehen wird. Es wird Leser geben, die die Geschichte furchtbar doof/schlecht/schlecht geschrieben finden, das ist okay, ich mag die Geschichte und vor allem die Figuren im Buch sehr, und das kann mir niemand nehmen. Obwohl ich den Text korrekturlesen liess und auch selber unzählige Male gelesen habe, wird es wohl den einen oder anderen Fehler drinhaben. All das stresst mich dieses Mal - zum ersten Mal - nicht. Das ist ein wirklich gutes Gefühl.

Auf Instagram hat Josia Jourdan einen Hashtag in die Runde geworfen: #mehrals52. Er bezieht sich auf die von mir festgelegte Mindestzahl verkaufter Exemplare. Mir gefällt er. Das Buch muss kein Renner werden, aber mehr als 52 wären tatsächlich nicht schlecht :-)

PS: Direkte Bestellungen bei BoD.de werden nicht nur schnell ausgeliefert; sie bringen mir auch 50% zusätzliches Autorenhonorar. Also: Entweder beim lokalen Buchshop kaufen oder sonst am liebsten bei BoD direkt. (Link in der Blogroll ganz oben.)

PPS: Das eBook folgt in Kürze.

Freitag, 17. August 2018

52 - die neue Freiheit

Nein, 52 hat nichts mit meinem Alter zu tun. Da bin ich leider schon fünf Jahre drüber. 52 steht für:
  • mindestens 52 verkaufte Exemplare von "Hühnerställe schwimmen nicht". So viel habe ich mir irgendwann während des Entstehungsprozesses vorgenommen. Wenn ich die Zahl bei den Lesungen erwähne, lachen wir - nach einer kurzen Staunphase - immer herzlich darüber.
  • die Freiheit, die mir das Self Publishing gibt. Ich kann genau das tun, was ich möchte, ich kann mir die Zeit lassen, die ich brauche, ich kann kompromisslos Inhalt, Titel und Cover wählen. Es geht mir beim Self Publishing nicht um Verkaufszahlen, sondern darum, mein Schreiben schrankenlos auszuleben.
Kürzlich jedoch, da lag ich im Bett und konnte nicht einschlafen. Eine ganze Horde Erkenntnisse und Ideen fiel über mich her. Nach zwei Stunden stand ich wieder auf und notierte mir alles, damit ich auch ja nichts vergass. Und während ich so dasass, dachte ich:"Wieso nur 52? Du liebst deine Figuren, die Geschichte ist aktueller denn je, du stehst zu 100 Prozent hinter dem Text - wieso also versteckst du dich hinter der Zahl 52?" Ich habe keine neue Zahl gesetzt, sondern ein neues Ziel: Viele verkaufte Hühnerställe :-)

Diese schlaflose Nacht hat mich beflügelt, mir nochmals einen Schub Energie, Motivation und Schwung geschenkt. Und Optimismus. Ich war darauf eingestellt, im Self Publishing kleine Brötchen zu backen. Aber hey, Leute, es gibt auch grössere Brötchen. Warum sollte ich nicht nach ihnen greifen? Oder es zumindest versuchen.

Was mir dabei entgegenkommt: BoD, der Self Publishing Anbieter, bei dem ich meine Bücher veröffentliche, verbessert laufend die Konditionen für uns AutorInnen. Der BoD-eigene Shop ist klar, benutzerfreundlich und zeigt die Produkte im besten Licht. Entscheidend für mich: Wenn ihr meine Self Publishing Bücher direkt im BoD-Shop bestellt, erhalte ich - zusätzlich - noch einmal 50% mehr Honorar. Damit komme ich auf ein gutes, sehr faires Autorenhonorar. Meine Bitte deshalb. Wenn ihr die Hühnerställe nicht im lokalen Buchladen eurer Wahl kauft, bestellt sie bitte hier. Im Augenblick ist erst die Printausgabe erhältlich, die eBook-Ausgabe folgt in Kürze.

Die Hühnerställe sind da. 188 Seiten pralles Leben mit wunderbaren Figuren. Sie warten auf euch!

Donnerstag, 16. August 2018

Dienstag, 14. August 2018

Das Leben ist keine Doku-Soap

Heute Morgen, beim Zeitungslesen, habe ich leer geschluckt. Mich sprang das Bild eines überschwemmten Bergdorfs an. Es könnte das Dorf von Jonas und seiner Familie sein, wäre die Hühnerstall-Geschichte nicht zehn Jahre alt - und hätte damals nicht ein anderes Dorf Pate gestanden.

Es waren Bilder, die sich mir damals tief einprägten. Häuser in einer Mischung aus Geröll, Schlamm, Schwemmholz und Wasser. Was es bedeutet, von einer solchen Naturkatastrophe heimgesucht zu werden, konnte ich nur ansatzweise nachvollziehen: Ich hatte einmal in einem Schulhaus gearbeitet, das überschwemmt worden war und erinnere mich noch heute an den zähen Schlamm, der nach dem Eintrocknen zur pickelharten Masse wurde, der wir mit Schaufeln zuleibe rückten.

Was macht so eine Naturkatastrophe mit den Menschen? Wie reagieren sie? Wie gehen sie miteinander um? Mit den Gaffern? Mit den Medien? Diesen Fragen bin ich nachgegangen und habe ein Buch geschrieben. Die Geschichte spielt in einem Tal in den Bergen, in einem kleinen Dorf, wo jeder jeden kennt. Sie erzählt von Jonas und seiner Familie, von den Menschen im Ort. Es sind Menschen mit Ecken und Kanten, einige von ihnen sperrig, knorrlig, stur - aber alle mit Herz. Am liebsten hätte ich sie alle im Klappentext untergebracht. Aber es wären zu viele gewesen.

Von einem Moment zum anderen ist im Leben von Jonas nichts mehr so, wie es war. Das Dorf ist überschwemmt, das Haus seiner Familie zerstört. Mutter steht unter Schock, Vater ist wütend auf alles und jeden, und Emma will die Schwimmweste nie wieder ausziehen. Als dann auch noch die Medien über den kleinen Ort und seine Bewohner herfallen und ausgerechnet die Familie von Jonas im Mittelpunkt einer Doku-Soap stehen soll, reicht es ihm endgültig. Die rücksichtslose Fernsehfrau muss weg! Blöd nur, dass ausgerechnet deren Tochter Lili das Herz von Jonas zum Wummern bringt. 
Das Buch ist 2009 als Jugendbuch erschienen, doch im Grunde ist es ein Buch für Menschen jeden Alters. Die jüngste Hauptperson geht in den Kindergarten, die älteste ist uralt. Beim Erfassen der Daten und Infos für BoD musste ich eine Altersgruppe definieren. Ich habe mich für ab 12 Jahren entschieden. Aber eigentlich, eigentlich ist dieses Buch ein All Age Buch.

Freitag, 10. August 2018

Die Hühnerställe schwimmen

Heute Morgen habe ich die Druckvorlage hochgeladen, vor drei Minuten den Auftrag an BoD erteilt: Die Hühnerställe sind losgeschwommen.

Moment mal? - Schwimmende Hühnerställe?

YAP. Guckt selber. (Und wer wissen möchte, wie es zu diesem irren Titel und dem strangen Cover  kam => einfach unter dem Bild weiterlesen.)


2009 erschien mein Buch "Starkstrom". Mit einer verrückten Geschichte, die ich immer sehr gemocht habe, und einem ziemlich abgedrehten Cover, das mir nie gefallen hat. Das Buch war ein Totalflop. Wenn ich bei den Lesungen jeweils nach den Gründen gefragt werde, dann rede ich von der verrückten Geschichte und dem grässlichen Cover (und manchmal auch darüber, dass das Buch ein typischer Katalogfüller war, den die meisten Buchläden nicht mal ins Regal stellten). Und ich erzähle, dass aus ganz vielen unverkauften Büchern wieder Altpapier entstanden ist. Nachdem wir alle herzlich gelacht haben, wollen die Jungs und Mädels öfters genau etwas aus diesem Buch vorgelesen bekommen. Ich habe es nicht dabei, aber manchmal steht noch ein verschupftes, verstaubtes Exemplar in der Schulbibliothek. Das holen sie dann, ich lese vor und die Jugendlichen finden: schon ziemlich verrückt, diese Geschichte ...

Für mich stand immer fest: Diese Geschichte werde ich irgendwann selber noch einmal herausgeben. Es hat sehr lange gedauert, bis ich mich endlich hinter den Text gemacht habe. Dass ich ihn überarbeiten wollte, war klar; mir war auch klar, dass es da ziemlich viel zu überarbeiten gab. Ohne Rücksicht auf Verluste machte ich mich ans Werk, kürzte gnadenlos und schrieb nicht wenige Textstellen um. Dabei liess ich mir Zeit. Gleichzeitig suchte ich wochen-, ja monatelang nach einem passenden Titel. Ich fand keinen. Würde ich also doch auf den ursprünglich von mir angedachten Titel: "Jonas, Lili und andere Katastrophen" zurückgreifen müssen? Lieber nicht. Damals, vor neun Jahren, wäre der Titel vielleicht noch halbwegs originell gewesen - aber heute? Ein totaler Ladenhüter, zum Gähnen langweilig.

Die Zeit verging. In meinem Kopf herrschte Titelleere, die sich von Woche zu Woche zunehmend mit Verzweiflung füllte. Und dann traf mich die Idee wie ein Blitz aus wolkenlosem, sonnigem Himmel. Hühnerställe schwimmen nicht und das Leben ist keine Doku-Soap. Ich liebte den Titel auf Anhieb. Ja, er ist irr. Ja, er ist lang. Und ja, er passt total zur Geschichte.

Nun brauchte ich ein Cover dazu. Ich hätte gerne wieder mit Tabea Hüberli gearbeitet, aber aufgrund der Erfahrungen mit Mörderbruder war mir klar, dass ich darauf verzichten musste. Nicht wegen Tabea: Sie macht sensationelle Cover. Es war eine finanzielle Frage. Ich kannte meine Verkaufszahlen, ich kannte meine Ausgaben zu Mörderbruder (Cover, Korrektorat, Lesezeichen, Poster, Gebühren) und wusste, dass ich dieses Mal kleinere Brötchen backen möchte. Also schaute ich mich im Internet um und stiess auf einen Anbieter, der Covervorlagen anbietet. Eine solche Vorlage zeigte ich Frau Tochter. Gemeinsam suchten wir nach einem passenden Bild. Nichts überzeugte mich so richtig. Irgendwann sagte Frau Tochter: "Das da." Ich guckte und fragte einigermassen entgeistert: "DAS DA???" Sie nickte. Ich guckte. Und fand das Dingens irgendwie ... na ja ... genau richtig. Meilenweit von dem, was ich mir so vorgestellt hatte - aber es passte. Also nahmen wir das Bild.

Blieb der Klappentext. Ich schrieb einen Entwurf. Schickte ihn an meine Agentin. Sie brachte Vorschläge ein. Ebenso meine Korrekturleserin. Der Klappentext gefiel mir immer weniger. Ich schickte ihn Josia Jourdan, der mir erste entscheidene Hinweise gab. Dann an Tom Zai, der ihn total umkämmte und damit genau die richtigen Impulse setzte. Eigentlich wollte ich den Text jetzt nur noch feinschleifen und schickte ihn an Jutta Wilke, die ihm noch einmal einen etwas anderen Drall gab. Genau den richtigen, fand ich.

Als Frau Tochter die Buchrückseite längst gestaltet hatte, kamen mir Zweifel. Sollte ich unter dem Klappentext einen Warnsatz anbringen? Etwas in der Art: "Eine verrückte Geschichte, wie sie nur das normale Leben schreiben kann." Ich warnte Frau Tochter vor: "Du, wir müssen vielleicht noch was ändern." Sie hörte mir zu, ihre Augen wurden grösser und grösser dann meinte sie: "Vergiss es! Ich hasse solche Sätze auf Buchrückseiten. Die sind total überflüssig." Päng. Mitten ins Gesicht, nachdem ich eine Nacht lang über den passenden Warnhinweistext nachgegrübelt hatte. Aber Frau Tochter hat recht. Der Titel ist verrückt, das Cover ist strange - wer erwartet da ernsthaft eine normale Geschichte?

Worum es in Hühnerställe schwimmen nicht - und das Leben ist keine Doku-Soap geht?
Das erfahrt ihr im nächsten Blogpost. Also: Stay tuned!

Donnerstag, 9. August 2018

Mittwoch, 8. August 2018

Lesungen - eine Info in eigener Sache

Gerade eben sind die Lesungstermine für die Züricher Schullesungen 2019 in meinem virtuellen Briefkasten gelandet. Ich nehme dies zum Anlass für eine Information in eigener Sache:

Bis jetzt konnte man mich oft auch (sehr) kurzfristig für Lesungen buchen. Ich habe einfach Termin um Termin eingeschoben, mehr als einmal wider alle Vernunft, da ich niemanden enttäuschen wollte. Das ging vor allem auf Kosten der Schreibzeit, aber auch auf Kosten des da bux Verlags. Für beides - und für mich - muss und möchte ich mehr Zeit haben. Ab sofort werde ich Monate, in denen ich mein gesetztes Limit an Lesungen erreicht habe, auf meiner Webseite mit einem "ausgebucht" kennzeichnen.

Es gilt also:
  • Wer plant und frühzeitig anfragt, ist im Vorteil.
  • Falls es mit dem Wunschtermin nicht klappt, finden wir bestimmt einen späteren Termin.
  • In lesungsschwachen Monaten sind nach wie vor kurzfristig angesetzte Termine möglich.



Freitag, 3. August 2018

Zeit, ein paar Dinge zu ändern

Ende Juni blickte ich auf mein erstes Halbjahr 2018 zurück: Ziemlich genau hundert Lesungen habe ich in dieser Zeit gemacht und zusammen mit meinen Verlagskollegen von da bux vier wunderbare Bücher auf den Weg gebracht. Beides ist toll, aber es war zu viel. Ende Mai wurde es kurzfristig sogar kritisch. Wenn es zu viel wird, ist es Zeit, ein paar Dinge zu ändern. Wenn man merkt, dass es kritisch wird, sowieso.

Ich habe also eine Auslegeordnung gemacht (für die Deutschen unter euch, die dieses Wort nicht kennen: Ich habe meine Situation analysiert). Hier ein kleiner Einblick:
  • Die Einnahmen aus den Buchverkäufen werden immer weniger. Ich habe zu keinem Moment meines Autorenlebens von den Bucheinnahmen leben können; mittlerweile sind sie ein mehrbesseres Taschengeld. Mein Einkommen als Autorin verdiene ich mit den Lesungen.
  • Unser Verlag da bux ist über Erwartungen gut gestartet, aber der Lohn besteht zu einem grossen Teil aus tiefer Zufriedenheit, Glück und dem Gefühl, genau das Richtige gefunden zu haben. Ja, wir Verleger verdienen ein klein bisschen was, weit kommen wir damit nicht.
  • Meine Arbeit als Co-Präsidentin von Autillus, dem Verein der Schweizer Kinder- und Jugendbuchschaffenden, ist ehrenamtlich. Sie bringt mich mit wunderbaren Leuten zusammen, sie macht Freude, aber auch sie ist keine Einnahmequelle.
  • Aus meinen Radioprojekten fliesst gelegentlich unerwartet etwas aufs Konto, aber das Projekt, an dem ich als Letztes gearbeitet habe, liegt seit mehr als einem Jahr auf Eis. Das stört mich überhaupt nicht, aber es bringt halt auch kein Einkommen.
Zwischenbilanz: Eigentlich habe ich einen tollen Job, aber das mit den Einnahmen ist so eine Sache. Damit habe ich drei Alternativen. 
  • Ich suche mir einen Brotjob, einen, in dem man für seine Arbeit angemessen entschädigt wird. => Interessiert mich nicht, könnte ich auch nicht mehr (ich bin zu alt und zu eigensinnig, um mich in ein berufliches Hamsterrad zu begeben).
  • Ich kann noch mehr Lesungen annehmen, auf Kosten von Schreibzeit, Verlagszeit, Lebenszeit und mein Einkommen damit wenigstens einigermassen stabil halten => Will ich nicht.
  • Ich backe finanziell noch kleinere Brötchen und lebe das Leben so, wie es zu mir passt. Mit spannender Arbeit, die mich zufrieden und glücklich macht. => Will ich.
Nachdem klar war, was ich will, war auch klar, was ich tun werde:
  • Ich werde in Zukunft (viel) weniger Lesungen machen.
  • Ich werde mich noch mehr auf den Verlag konzentrieren.
  • Ich werde wieder schreiben, sehr viel schreiben (nicht weil ich mir damit mehr Einnahmen erhoffe - das wäre eine Illusion - sondern weil es das ist, was ich gerne mache).
  • Ich lebe meine Kreativität und meine Gartenlust aus.
Weil man Vorsätze auch umsetzen sollte, habe ich gleich Anfang Juli damit begonnen:
  • Die ersten Lesungsanfragen für 2019 sind eingetroffen; ich habe zugesagt und mir die Termine eingetragen. Zwischen diesen Terminen lasse ich bewusst Raum für die Verlags- und Schreibarbeit. Das habe ich mir selber versprochen. Als Folge davon ist die erste Jahreshälfte 2019 für Lesungen schon fast ausgebucht.
  • Ich schreibe begeistert an drei Projekten, wobei eins ganz klar den Vorrang hat.
  • Ich lasse mich nicht stressen. Weder von der Aussicht auf noch weniger Einnahmen, noch von der Frage, wo meine Texte denn unterkommen sollen.

Donnerstag, 2. August 2018

Dienstag, 31. Juli 2018

Anthologien, Teil 3 - Vom Schreiben der Geschichte

Gestern bin ich mit der Geschichte für eine Anthologie fertig geworden. Kaum hatte ich die Ankündigung für diesen Blogeintrag auf Instagram gepostet, fragte jemand: „Was für eine Anthologie?“

Vorneweg: Im folgenden Text findet ihr sehr viele Infos – aber nicht, worum es in der Geschichte geht und wo sie veröffentlicht werden soll. Das liegt nicht an mir, sondern daran, dass Verlage es nicht so gerne haben, wenn man zu viel zu weit im Voraus verrät.

Was ihr erfahren werdet:
  • wie ich dazu gekommen bin, diese Anthologiegeschichte zu schreiben
  • wie ich an das Thema herangegangen bin
  • was sich dabei auf den Kopf gestellt hat
  • wie der Text entstanden ist
  • warum das Schreiben so lange gedauert hat (und das Überarbeiten noch länger)
  • Erleichterung (und ein Fragezeichen) 

Wie ich dazu gekommen bin

Meine Agentin rief mich an und sagte: "Ich weiss, du willst keine Anthologiegeschichten mehr schreiben, aber hör mir bitte einfach zu, ich denke, das Thema könnte dich interessieren." Ich hörte zu und wusste längst, bevor meine Agentin all ihre Argumente vorgebracht hatte, dass ich diese Geschichte schreiben wollte. Unbedingt. Deshalb sagte ich einfach „Ja.“ Ein paar Tage später kam eine Mail mit den Eckdaten und Vorgaben vom Verlag: Pitch (Zusammenfassung der Geschichte in ganz wenigen Sätzen) bis Mitte Mai, Geschichte bis Ende Juli. Zeitlich passte das für mich perfekt.

Wie ich an das Thema herangegangen bin

Das Thema ist eins, das mich seit Jahren umtreibt und über das ich unzählige Diskussionen geführt habe, sprich, ich wusste, dass ich diese Geschichte aus dem Bauch und aus dem Herz schreiben würde. Ansatzpunkte hatte ich viele, aber dann fehlten mir die Ideen. Ich begriff nicht, weshalb. Grübelte … und grübelte … und grübelte. Bis mich die Erkenntnis wie ein Schlag auf den Kopf traf.

Was sich dabei auf den Kopf gestellt hat

Ich war von der falschen Seite her gekommen. Was ich vorhatte, konnte nicht funktionieren. Das Problem: Wenn ich von der anderen Seite herkam, schrammte ich nicht knapp neben dem Thema vorbei, sondern rammte und versenkte es. Ich erzählte es meinem Mann. Er meinte: „Nein, schmerzlicher Volltreffer mitten ins Thema.“ Ich redete mit Frau Tochter und Herrn Freund von Frau Tochter. Sie gaben meinem Mann recht. DAS ist es genau, Mam, sagten sie. Darum geht es. Thema voll erfüllt.

Nun, gut möglich. Aber dem Verlag würde das nicht gefallen. Ich schrieb meiner Agentin, dass ich einen U-Turn gemacht hatte und das Thema von der Gegenseite angehen wollte. Dass ich die Geschichte so und nicht anders schreiben würde, und wenn der Verlag sie so nicht wolle, sei ich weder traurig, noch wütend, sondern würde es verstehen. Aber ich könne nicht anders.

Der Verlag hatte logischerweise Fragen. Wollte mehr wissen. Ich konnte ihm nicht mehr geben, denn ich wusste nur, wie ich das Thema angehen wollte, hatte aber keine konkrete Idee für eine Geschichte und im Mai auch keine Zeit, mir eine einfallen zu lassen. Der Pitch beschrieb die Absicht, mehr nicht. Auch hier hätte ich verstanden, wenn der Verlag dankend abgewunken hätte. Hat er aber nicht.

Wie der Text entstanden ist

Ich machte Notizen. Redete mit Josia Jourdan über das Befinden der heutigen Jugend. Schrieb in Stichworten auf, was in der Geschichte stehen sollte, nichts Konkretes, sondern eher ein roter Faden. Ich wusste nicht, wie sie enden würde. Dann schrieb ich die Geschichte so, wie ich immer schreibe: langsam, immer wieder zurück und ändern, umbauen, hinzufügen, wegnehmen, über mehrere Wochen verteilt. Der Entwurf hatte 23 Seiten. Kein Problem, dachte ich. Beim Überarbeiten würde ich locker auf 20 kommen.

Warum das Schreiben so lange gedauert hat (und das Überarbeiten noch länger)

Blöderweise merkte ich beim nochmaligen Durchlesen der Eckdaten und Vorgaben, dass es höchstens 12 sein dürfen und nicht 20, wie ich gemeint hatte. Also begann ich zu kürzen. Beim Kürzen überarbeitete ich auch (ich sehe euer Augenrollen!). Nach jeder Runde waren es weniger Seiten. Bis ich runter auf 14 war. Irgendwann gegen Ende Juli wachte ich mitten in der Nacht auf und wusste, dass das Ende nicht stark genug war. Was heisst da, nicht stark genug. Es war weder schlüssig, noch stark noch irgendwas. Einfach nur sentimental, inkonsequent und öd.

Also noch mal. Ich begann von neuem mit dem Überarbeiten. Runde um Runde um Runde. Letzten Samstag fuhr ich zu einem Autorentreffen nach München. In den sieben Stunden Hin- und Rückfahrt kam ich der Sache immer näher. Ich druckte mir den Text ein letztes Mal aus, nahm ihn mit in die Berge und … überarbeitete. Sonntagabend um 18.00 war er fertig. Dachte ich.

Erleichterung (und ein Fragezeichen) 

Beim Wandern heute sind mir noch ein paar Dinge eingefallen, die ich ändern wollte. Auf der Bahnfahrt nach Hause auch. Also ... ja, genau, überarbeiten. Text noch einmal ausdrucken. Mir laut vorlesen. Ändern. Text erneut ausdrucken und dann noch einmal lesen. Letzte Anpassungen. Kurz nach Mitternacht ist der Text raus.

Ich bin zufrieden und erleichtert, allerdings mit einem Fragezeichen. Ich weiss, dass es der Text geworden ist, den ich schreiben wollte. Ich weiss aber nicht, ob dieser Text in die Anthologie passt. Es ist immer noch möglich, dass der Verlag abwinkt. Die Anthologie wird gut, das weiss ich, ob mit oder ohne meinen Beitrag. Das Thema ist wichtig, das Konzept der Anthologie gefällt mir. Ich freue mich darauf. Und jetzt geh ich schlafen.