Mittwoch, 16. Juni 2021

YA! Playlist meiner Entscheidungen oder Von Pausen, vom Mäandern, vom Lesen und vom Schreiben

Nachdem alle Arbeiten für den da bux Verlag erledigt waren, gönnte ich mir eine Pause und fuhr mit Herrn Ehemann weg. Und so sitze ich hier, lausche einem veritablen Vogelkonzert, gucke in total schöne Landschaft und lasse meine Gedanken mäandern. Wie einen Fluss, der sich in einem weiten Tal seinen Weg so sucht, wie es gerade passt. Ich habe endlos viel gelesen und etwas weniger endlos viel geschrieben. Das Tolle daran: Wenn man seinen Gedanken und Gefühlen genug Raum lässt, entsteht im Kopf viel Neues und gleichzeitig entspannt sich der Körper. So habe ich Plotts geschärft, eine völlig neue Geschichte wachsen lassen und eine neue Kolumne für das Online-Kulturmagazin Qultur geschrieben, in der das Mäandern und Playlisten eine wichtige Rolle spielen.

Beim Lesen bin ich fremdgegangen und habe eine Exkursion in das mir ziemlich unbekannte Gefielde der Liebesromane unternommen und gleich zwei davon gelesen, normalerweise überhaupt nicht mein Ding, aber eine hat mich sehr positiv überrascht (Elite Secrets, Herz in der Brandung von Jess A. Loup), die andere finde ich von der Idee her noch ziemlich witzig (The Secret Book Club von Lyssia Kay Adams). Dazu kommen zwei Jugendromane (A Good Girl’s Guide to Murder von Holly Jackson und Playlist meiner miesen Entscheidungen von Michael Rubens), die mir beide gut bis sehr gut gefallen haben, und ein irgendwann nicht mehr ertragbarer Roman um Menschenhandel und Machtmissbrauch in seiner übelsten Form (The last thing to burn, Will Dean). Ich habe das Buch abgebrochen, weil ich fand, dass man es als Autor auch übertreiben kann, denn eigentlich war nach 20 bis 30 Seiten das ganze Elend sicht- und fühlbar, alles danach war nur noch ein Aneinanderreihen von Perversionen und Leiden.

Beim Schreiben hatte ich Lust auf meinen Erwachsenenkrimi. Ich habe das Profil der Hauptprota geschärft, weil ich merkte, dass ich schlicht und einfach nicht wie Nora Roberts oder Charlotte Link schreiben will, auch wenn sich das wahrscheinlich besser verkaufen würde als das, was aus dem Krimi gerade wird. Ein Gabathuler-Text halt. (Ade, ihr lieben Verkaufszahlen, es war schön, von euch geträumt zu haben.) Während ich den schon vorhandenen Text überarbeitete, musste ich mir auch eingestehen, dass der Ablauf der Mordnacht nicht aufgeht, weder jetzt noch in tausend Jahren, also musste ich umplotten.

Und dann war da noch die Rockstar-Geschichte, die einfach raus musste, nachdem ich das Buch von Jess A. Loup gelesen hatte. Also, zumindest der Anfang. Der ist echt gut geworden, finde ich. Fehlen einfach noch etwa 240 Seiten bis zum Ende, aber so what? Schliesslich mäandere ich gerade. 

Mittwoch, 2. Juni 2021

YA! Arbeit, Herzblut, Schweiss und ein grandioses Finale

Unter diesem Titel ist heute meine neuste YA! Kolumne erschienen. Bisher habe ich hier im Blog für meine Kolumne keinen klaren Platz gefunden. Manchmal habe ich sie verlinkt, manchmal habe ich noch etwas dazu geschrieben, manchmal ist sie mir einfach untergegangen. Das möchte ich ändern.

YA steht für Young Adult - also für Jugendliteratur. Das Ausrufezeichen ist bewusst gewählt. YA! soll laut klingen, denn zu oft fällt die Jugendliteratur zwischen Stuhl und Bank. Zu sehr ist sie Stiefkind. Nicht umsonst gibt es in der Schweiz zwar dreihundertdrölfzig Verlage, aber davon fast keine Jugendbuchverlage. Zu steinig ist das Pflaster für Jugendliteratur, zu unbeachtet bleibt sie.

Und so ist Jugendliteratur für uns Autor*innen vor allem viel Arbeit, viel Herzblut und viel Schweiss, aber leider meistens ohne grandioses Finale. Die Blümchen und Blumensträusse und die Anerkennung (und oftmals auch die höheren Lesungshonorare) holen sich Autor*innen der Erwachsenenliteratur. Als ich gefragt wurde, ob ich für das Online-Magazin Qultur eine Kolumne schreiben wolle, war für mich klar: Ich will den Scheinwerfer auf Jugendliterautur und ihre jungen Leser*innen richten. Und nicht zuletzt auf jene Jugendlichen, die selber schreiben. Genau das tue ich auch in der neusten Kolumne. Meine letzte Mailesung führte mich nämlich nach Riggisberg, zu schreibenden Jugendlichen. Sie haben mich tief beeindruckt. Hier ist der Link, der zur Kolumne führt.

Wenn man etwas ändern möchte, muss man sich auch entscheiden, WIE man es ändern möchte. Das habe ich heute Morgen getan. Ich werde in Zukunft jede Kolumne hier verlinken, gut erkenntlich am Blogtitel, der mit einem lauten, positiven YA! beginnt. Und damit der Link nicht so alleine daherkommt, werde ich jeweils einen Post mit Hintergrundinfos zur Kolumne schreiben. 

Montag, 31. Mai 2021

Monatsrückblick Mai

24 Lesungen sind es im Mai geworden, und alle haben wir live vor Ort durchgeführt, alle mit Maske, alle in gut gelüfteten Räumen. Schön war's, toll war's, gut war's (mit Ausnahme von zwei völlig sinnleeren Lesungen in einer Turnhalle auf Festbänken und Matten).

Dazu kam ein Krimi-Schreibcoaching für zwei Oberstufenklassen aus dem Kanton Fribourg, völlig aus dem Blauen heraus, kurzfristig, spontan, intensiv. Ich habe die Chance gepackt und verschiedene Formen von Online-Coaching ausprobiert. Und ich weiss jetzt: Das ist etwas, das ich öfters machen möchte.

In Sachen da bux habe ich meine Lektoratsarbeit abgeschlossen. Unsere Edition ist auf guten Wegen: Der Text ist gesetzt, die Klappentexte stehen, die Autorenbios sind im Kasten, die Autorenfotos ausgesucht, die definitive Coverentscheidung findet in diesen Tagen statt. In den ersten fünf Monaten lag mein Arbeitsfokus auf der Verlagsarbeit, ab jetzt auf dem Schreiben. In diesem Fall erst einmal dem Recherchieren des Themas meines neuen Buches. Das dazugehörige Notizbuch habe ich gekauft, Recherchematerial unter Favoriten abgespeichert, es kann losgehen!

Im Monat Mai habe ich ziemlich punktgenau 180 Kilometer spazierend und wandernd zurückgelegt, bei jeder Art von Wetter, meistens am frühen Morgen, während der Lesungen in der Mittagspause. Wenn sich die Wolken verzogen, waren Himmel und Landschaft von einer wunderbaren Klarheit, wie frisch gewaschen.

Nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen mit meinem #walkingmyway habe ich meinem beruflichen und persönlichen Aufbruch noch ein weiteres Kapitel hinzugefügt und fühle mich sehr wohl damit. Seit dem 22. Mai begleitet mich neben dem Bullet Journal und dem Tagebuch ein spezielles Notizbuch, in dem ich meinem Körper Raum gebe. Ziel ist es, ihm mehr Sorge zu tragen, ihm Gutes zu tun und dabei auch Gewicht zu verlieren. Nicht schnell, sondern genauso wie bei meinem #walkingmyway. Langsam, bewusst und mit dem Weg als Entdeckungsreise. Eine meiner Lieblingsyoutuberinnen hat das so formuliert: slow and steady wins the race. Das steht als Motto vorne in meinem neuen Begleitbuch durchs Leben.

Die Pfingstrosen sind vom Haus in den Bergen, das Notizbuch ist von Flow, das Gemüse stammt
aus der Saisonbox vom Böschnihof in Sevelen (es wurde übrigens zur leckeren Gemüsewähe heute Mittag).

Montag, 24. Mai 2021

Autor*in werden - ja oder nein? (Kleingedrucktes inklusive)

Bei Lesungen wird man allerhand gefragt. Zum Beispiel, was die Schattenseiten des Autorenlebens sind. Nun, da gibt es eine lange Liste. Um nur ein paar zu nennen: Für die meisten ist es ein brotloser Job oder zumindest ein Tiefstverdienerjob, ein Balanceakt auf dem Hochseil ohne Sicherheitsnetz. Kommt dazu, dass die Buchbranche ein sehr hartes Pflaster ist, auf dem man unsanft aufschlagen kann, weshalb man mit Vorteil über ein sehr dickes Fell, viel Durchhaltewillen sowie eine gehörige Portion Gelassenheit und Galgenhumor verfügt. 

Kürzlich wagte bei einer Lesung jemand eine Anschlussfrage. Ob ich den Beruf Autor*in dennoch empfehlen könne. Ich musste keine Sekunde nachdenken. "Ja, klar", antwortete ich.

Weil Schreiben etwas Tolles ist. Ein Eintauchen in andere Leben und andere Welten. Als Autor*in hat man keine fixen Arbeitszeiten (ausser man gibt sie sich selber), keine immer gleich strukturierten Arbeitsabläufe, man lernt spannende Menschen kennen, man kann - wenn man will - Mitglied der riesigen Autorencommunity in den Social Media werden. Wer sich für den Beruf Autor*in entscheidet, öffnet eine Tür zu einer aufregenden Welt.

Achtung, jetzt kommt das Kleingedruckte: 
Mit ziemlicher Sicherheit braucht man zumindest am Anfang einen Brotberuf, sprich, einen zweiten zusätzlichen Beruf, der ein einigermassen geregeltes Einkommen generiert. Am besten fährt man, wenn man genau weiss, worauf man sich einlässt und auch sicher ist, dass man damit umgehen kann. Und dennoch wird es mindestens einmal im Monat einen Moment geben, in dem man sich fragt, warum man nicht ................. (an dieser Stelle einen vernünftigen, bodenständigen Beruf einfügen) geworden ist.

Was ich ganz sicher und aus tiefstem Herzen empfehlen kann: Schreibt. Privat oder beruflich. Denn das Schreiben ist ein Weg in die Welt und darüber hinaus - und ein Weg zu sich selbst.

Mein Lesetipp: Andreas Eschbachs fadengerad ehrliche Gedanken und Tipps zum Schreiben. Die findet ihr auf seiner Webseite. Wer sich durch alles durchgelesen hat und trotzdem immer noch Autor*in werden will, für den ist der Beruf gemacht.

Mittwoch, 19. Mai 2021

Girls und Boys und lackierte Fingernägel

Über das Thema für die heutige YA!-Kolumne bin ich während meiner Lesetour durch die Ostschweiz gleich mehrfach gestolpert. Zum Beispiel, als ich vor dem Bücherregal einer Schulbibliothek stand und mir das Wort BOYS entgegenleuchtete. Jungsbücher also. Weil mein Lieblingsbuchblogger Josia Jourdan genau zu diesem Thema kürzlich in einem seiner Spill your Tea Clips auf YouTube (ab Minute 5.40) eine Menge loswerden wollte, musste ich natürlich zuerst an ihn denken. Und dann auch an mich. Weil mich in meiner Jugend sogenannte Mädchenbücher nicht die Bohne interessiert haben und ich deshalb nach den Jungsbüchern gegriffen habe.

Ich versuchte der Bibliothekarin zu erklären, weshalb diese Kategorien keinen Sinn ergeben, aber ich fürchte, wir sprachen nicht dieselbe Sprache, resp. denken in völlig anderen Welten. Sie verstand nicht, was ich ihr sagen wollte. 

Auf derselben Tour lief unterwegs im Auto eine Sendung über Männer, die sich ihre Fingernägel lackieren, ich signierte ein Buch für einen wunderbaren Menschen mit einem selbst gewählten Jungennamen (und dachte wehmütig daran, dass ich das damals wahrscheinlich auch gerne getan hätte; nicht für immer, aber doch für eine gewisse Zeit) und ich dachte generell viel über Geschlechterfragen nach. 

Das hat auch die Bibliothek Uster getan. Ein Experiment bestätigte ihnen, dass sie mit ihren Gedanken richtig lagen. Es gibt in der Bibliothek Uster keine Jungs/Mädels Kategorie mehr. Mehr dazu erfahrt ihr in diesem spannenden Interview mit Melina Eberhard von der Bibliothek Uster.

Die Kolumne schrieb sich mehr oder weniger selber. Nachzulesen ist sie hier auf Qultur. 

Sonntag, 16. Mai 2021

Wie man als Jugendbuchverlag mit einem Kinderbuch fremdgeht und sich dabei treu bleibt

Gerne hätte ich während der letzten Wochen und Monate öfters laut und begeistert herausgerufen, was ich denn da genau in meiner da bux Lektoratsstube mache, aber wir haben in unserem Verlag einen klaren Zeitplan, was ab wann verraten wird. Und so blieb ich in den Social Media vage. Schrieb, wie sehr mir die neuen vier Geschichten der Edition 6 gefallen, und wie toll die Zusammenarbeit mit unseren Autor*innen ist. Beides ist keine Übertreibung. Es war eine Freude, gemeinsam an den vier völlig verschiedenen, allesamt sehr starken Texten zu arbeiten.

Einmal mehr ist die Bandbreite der Geschichten und Texte und ihren Erzählsprachen sehr weit. Genau das gefällt mir so an unserem Verlag. Wir haben zwar ein glasklares Konzept, aber innerhalb dieses Konzeptes gibt es unzählige Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen. Auf der diesjährigen Ostschweizer Lesetour durch Oberstufenschulen in verschiedenen Kantonen durfte ich dafür massenweise Komplimente einheimsen (die ich hiermit direkt an unsere Autor*innen weitergebe). Gelobt werden die Vielfalt an Themen und Genres, die individuellen Erzählsprachen unserer Autor*innen, die leichte Lesbarkeit und die vielfältige Möglichkeit, wie unsere Bücher im und neben dem Unterricht eingesetzt werden können. Vor allem aber, dass wir die Jugendlichen mit unseren Büchern begeistern. Schönere Komplimente kann man nicht bekommen!

Was mir an da bux ebenfalls gefällt: Dass wir innerhalb unseres Konzeptes Experimente wagen. In Edition 2 war das mit Voll Risiko ein Buch, das sich auch im heilpädagogischen Bereich und im DaZ einsetzen lässt. In Edition 5 haben wir mit Hochdruck das Buch einer sehr jungen Autorin veröffentlicht (Maxima Hampel war siebzehn, als sie das Buch geschrieben hat). Und in Edition 6 wagen wir noch einmal etwas Neues. Wir gehen sozusagen fremd. Nämlich in den Kinderbuchbereich. Nicht mit der gesamten Edition; da bux ist und bleibt ein Jugendbuchverlag. Aber auf vielfachen Wunsch veröffentlichen wir im Herbst 2021 ein Kinderbuch, eins, in dem wir unserem Konzept der einfachen Erzählsprache treu bleiben.

Ich gestehe, als Lektorin bin ich mit sehr viel Respekt an diese Aufgabe herangegangen, bewege ich mich doch ansonsten eher im Bereich des Jugendbuchs. Was enorm geholfen hat: Als Autorin konnten wir die erfahrene Kinderbuchautorin Katja Alves gewinnen. Sie hat eine derart wunderschöne und packende Geschichte geschrieben, in einer Erzählsprache, die das Herz berührt und an den richtigen Stellen auch schneller schlagen lässt, dass das Lektorat zu einer riesigen Freude wurde.

Was wir bei diesem Buch als Verlag nebst dem Lektorat zusätzlich beachten mussten, erfahrt ihr in diesem Interview mit Tom Zai, das auf unserer Verlagsseite zu finden ist.

Mit den anderen drei Büchern bleiben wir auf der Oberstufe. Sie werden, genau wie das Kinderbuch, richtig toll. Mehr darf ich noch nicht verraten. Von wegen Zeitplan.

Sonntag, 9. Mai 2021

Lesungen - weniger ist mehr

Ich liebe Lesungen. Und ich werde weiterhin Lesungen machen. Aber meine Zeit der wochenlangen Schullesetouren ist vorbei. Das ist mir in diesen letzten Monaten und Wochen sehr klar geworden. Was ich beibehalten werde, sind Lesungen und Workshops an einzelnen Tagen, die auf direkte Anfrage zustande kommen.

Normalerweise war ich jeweils im Januar und/oder März eine, meistens zwei Wochen auf Lesetour im Kanton Zürich. Dort habe ich mich jedoch schon letztes Jahr abgemeldet – und ich stellte in den vergangenen Monaten fest, wie gut es mir tut, mich ganz auf die da bux Verlagsarbeit zu konzentrieren. Ich hatte alle Zeit der Erde für das Lektorat der vier Texte der Edition 7. Während meine Autorenkolleg*innen entweder unterwegs waren oder coronabedingt Verschiebungstermine gesucht haben, konnte ich meinen Fokus voll und ganz auf da bux legen. Und mir blieb dabei auch Zeit für mich. Ich glaube ich hatte dieses Jahr das stressfreiste erste Quartal seit endlos langer Zeit.

Da ich mittlerweile die ersten paar Monate im Jahr sehr viel mehr Verlegerin als Autorin bin, möchte ich in der zweiten Jahreshälfte hauptsächlich schreiben, weshalb ich mich nun auch bei den Zentralschweizer Lesungen abgemeldet habe, etwas schwereren Herzens als im Falle der Zürcher Lesungen, weil ich immer sehr gerne in der Zentralschweiz unterwegs gewesen bin. 

Der Verlag und das Schreiben sind jedoch nicht die einzigen Gründe für diesen Teilrückzug von den Lesungen. Vor allem in den letzten beiden Jahren haben die Touren an mir zu zehren begonnen, denn Schullesetouren sind fordernd und energieraubend: Drei Lesungen pro Tag, zum Teil Ortswechsel über den Mittag, ein Leben im Hotel, gewisse Schulen, bei denen ich mehr Bespassungshampel denn Autorin war … es wurde mir zu viel. Und dass solche Lesungen auf organisierten Touren leider immer noch nicht gerade prächtig gut bezahlt sind, hilft auch nicht wirklich; auf jeden Fall machte es den Entscheid einfacher.  

Im Augenblick befinde ich mich auf meiner letzten Schullesetour. Sie führt mich durch die Ostschweiz. Mal abgesehen vom grässlichen Fehlstart am Montagmorgen (ich sage nur Turnhalle, Festbänke und Turnmatten), fühlte ich mich an allen anderen Lesungen wohl wie ein Fisch in schönsten Gewässern. Wunderbare Lehrpersonen, wunderbare Jugendliche, gute Schutzkonzepte, tolle Lesungen. Was nichts daran änderte, dass ich an zwei Abenden bereits um halb neun in einen schon fast komatösen Schlaf fiel. Yap Leute, es ist soweit: Diese Frau hier (ich) wird alt. Als jemand, der ein Leben lang aus einem vollen Energiereservoir schöpfte, fällt mir diese Erkenntnis nicht gerade leicht.

Dieses Jahr werde ich sechzig. Eine gute Gelegenheit, bei den Lesungen etwas kürzer zu treten, den Fokus noch mehr auf den da bux Verlag zu legen und meine Ideen in Sachen Workshops/Coaching zu verwirklichen.

Schulen, die mich gerne für eine oder mehrere Lesungen engagieren möchten, können das weiterhin tun, allerdings nicht im Rahmen einer Schullesetour, sondern mittels direkter Anfrage bei mir. Dasselbe gilt für Workshops und Coachings. Ich höre nicht auf. Ich wechsle nur die Schrittart. Darauf freue ich mich.

Freitag, 7. Mai 2021

Schreibcoaching für Jugendliche

Das mit dem Loslassen und den neuen Türen hat tatsächlich was. Während ich mich auf die Ostschweizer Schul-Lesetour vorbereitet habe, der letzten dieser Art für mich (mehr dazu im nächsten Blogpost), flatterte eine Mail in meinen virtuellen Briefkasten. Eine Anfrage für ein Krimi-Schreibcoaching für zwei Schulklassen am anderen Ende der Schweiz. Von jetzt auf sofort. Für den ganzen Monat Mai. Meine Antwort war Minuten später formuliert: Ja, sehr gerne. Und ich versprach ein Konzept bis zum nächsten Tag.

In einer idealen Welt und mit mehr Vorlauf hätte ich vorgeschlagen, dass ich die bereits bestehenden Texte und die Fragen der Schüler*innen lese, das Coaching mit einem Schreibworkshop vor Ort beginne und danach die Klassen virtuell durch den Schreibprozess begleite.

Aus zeitlichen Gründen musste ich mir etwas anderes einfallen lassen, denn ich bin die ersten 1 1/2 Wochen im Mai auf Lesetour, und danach haben die Klassen eine Projektwoche abseits vom Krimischreiben. Also habe ich dem verantwortlichen Lehrer verschiedene Möglichkeiten vorgeschlagen, die wir am Samstagnachmittag telefonisch besprochen haben. Zwei Stunden später schickte er mir eine Zusammenfassung des definitiven Konzepts, und dann ging alles sehr schnell. Schon am Sonntagnachmittag drehte ich den Begrüssungsclip für die Schüler*innen und schickte ihn auf die virtuelle Reise ans andere Ende der Schweiz. 

Für mich ist das der Aufbruch, den Stephan Sigg und ich schon Anfang letztes Jahr gemeinsam eingefädelt haben mit unserem Schreibworkshopangebot. Corona hat uns dazwischengefunkt, aber ich denke ab nun geht es voran.

Was mir an diesem Krimi-Schreibcoaching gefällt: Ich darf Jugendliche über längere Zeit bei ihrem Schreibprozess begleiten. Wir arbeiten dabei mit Videoclips, mit Zoom-Meetings, mit Dateien in Teams und wir wollen uns auch vor Ort begegnen, wenn nicht am Anfang des Projekts, dann am Ende zum Feiern.

Für mich ist das gerade ein riesiges Testfeld, in dem ich mich austoben kann und darf. Und genau das gedenke ich zu tun. Bis jetzt macht es jede Menge Spass - und auch Arbeit. Aber es ist genau die Art Arbeit, die ich in Zukunft vermehrt ausüben möchte. Weitere Infos dazu auf der Webseite Schreibworkshops.ch  

Samstag, 1. Mai 2021

Warum mein Garten besser gekleidet ist als ich

Das Öffnen meines Kleiderschranks ist für mich zu einem kleinen Albtraum geworden. "Ich habe nichts anzuziehen" ist in meinem Fall keine Koketterie, sondern eine schmerzhafte Tatsache, vor allem nach meiner letzten Aus-dem-Leim-gehen-Runde. Nun passen auch die verbleibenden paar Kleidungsttücke nicht mehr. Kürzlich bin ich in einem Anfall von Verzweiflung in einen Kleiderladen marschiert, habe mir drei paar Jeans in (sehr) grossen Grössen, dafür in Kurzlänge, geschnappt und bin damit direkt zur Kasse. Ohne die Dinger anzuprobieren.

"Sie haben schon gesehen, dass eine Jeans eine Nummer grösser ist als die anderen?", hat die nette Verkäuferin gefragt.

Ja, hatte ich. Ich hätte auch gerne alle drei Paar in dieser Monstergrösse gehabt, aber alle anderen Kurzgrössen gab es nur in der Nicht-ganz-Monstergrösse. Ich wusste, dass sie zwar eng sitzen, aber passen würden. Ausserdem will ich ja wieder etwas schrumpfen (HA!)

Fazit: Die Monstergrösse eignet sich perfekt für meine langen Spaziergänge, die anderen lassen mich einigermassen gesellschaftstauglich aussehen. Hosenproblem gelöst. Vier funktionierende Paar Hosen sind für mich schon zwei mehr als vorher. Meistens trage ich sie, bis sie mir am Körper zerfallen. Zum Glück gibt es diesen Kaputte-Hose-Trend noch immer.

Oberteile habe ich noch drei oder vier passende, dazu kommen ein paar Verzweiflungskauf T-Shirts, die ich nur im Garten trage, weil ich sie so hässlich finde. Von Schuhen reden wir gar nicht. Ich trage seit nunmehr mindestens drei Jahren nur noch Turnschuhe derselben Marke und Farbe, plus Wanderschuhe, plus im Winter warme (abgelaufene) Winterschuhe.

Nein, es liegt nicht am fehlenden Geld. Mein Problem ist, dass ich Kleidershoppen hasse. Nur schon beim Gedanken daran bekomme ich schlechte Laune. Und wenn ich mich mal in einem Anfall von Jetzt-Aber in einen Kleiderladen stürze, bin ich meistens so schnell draussen wie ich vorher drin war.

Das hat verschiedene Gründe: Das meiste Zeug gefällt mir schlicht und einfach nicht. Und das, was mir gefallen würde, gibt es in meiner Grösse nicht. Ja, ich hab's online versucht, aber nach jeweils zwei bis drei Stunden Schmökern gebe ich entkräftet auf und wechsle zu den Shops, in denen ich stundenlang schwelgen kann: Deko- und Einrichtungsshops.

Es ist nicht so, dass ich generell nicht gerne einkaufe. Kein Einrichtungsladen ist vor mir sicher, keine Gärtnerei, in die ich nicht zumindest reinlinse. Am Allerliebsten sind mir die gemütlichen Läden, in denen alte, gebrauchte Möbel und Dekostände verkauft werden. Kürzlich kam ich bei meinem Spaziergang an so einem vorbei. Die Besitzerin war gerade damit beschäftigt, die Ausstellungsstücke vor ihr Geschäft zu tragen. Mein Auge fiel auf zwei Fensterläden. Zwei Augenweiden. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich hatte weder das nötige Geld noch das für den Transport nötige Auto dabei, aber ich reservierte die Läden und ging sie am Abend abholen (und bezahlen).

Während ich also für mich nichts Passendes finde - nicht zuletzt weil mir die Lust zum Suchen fehlt - werden unser Garten und unser Heim von Tag zu Tag schöner und gemütlicher.

Meinem Garten ist es egal, wie ich aussehe. Mir meistens auch. Aber jetzt stehen Lesungen vor der Tür. Meine beiden übergrossen Winterpullover, die ich während der letzten Wochen und Monate abwechselnd getragen habe, haben ausgedient. Der Kleiderschrank gibt ausser Hosen nicht wirklich was her. Ich habe eine kleine Panikattacke. Es ist Samstag, das Wetter ziemlich garstig. Der perfekte Tag, Kleidershoppen zu gehen. Theoretisch.

PS: Wenn ihr einen Online-Shop kennt, der tolle Kleider in grossen Grössen verkauft, in denen man nicht wie ein Zirkuszelt oder seine eigene Oma aussieht, vorzugsweise Kleider in Schwarz und in Cool, bitte schreibt mir den Namen des Shops unten in die Kommentare. Danke.

Mittwoch, 28. April 2021

Und wieder eins weniger - Wenn Bücher aus der Backlist fallen

Ich habe es kommen sehen. Im Gegensatz zu früher tut es nicht mehr weh. Dennoch ist da ein weh in meinen Gefühlen, nämlich in der leisen Wehmut, die sich beim Lesen des Briefes vom Verlag in mir ausgebreitet hat. Hundert Lügen wird aus dem Programm genommen, verramscht, fristet noch eine Weile ein Leben als Buch in den Wühltischen und ist dann weg. Wieder Buch weniger auf der Backlist. 15 habe ich für den Thienemann-Verlag geschrieben, jetzt sind noch drei beim Verlag gelistet (Blackout, no_way_out, Matchbox Boy), und ich denke, bald wird es nur noch das Buch Blackout sein. Zum Glück habe ich die meisten meiner Bücher im Self Publishing neu aufgelegt, zum Glück schreibe ich für den da bux Verlag, der seine Backlist hegt und alle Titel verfügbar hält. 

Autor*innen, die am Markt bleiben wollen, die zu Lesungen eingladen werden möchten, die ganz generell von ihrem Beruf leben möchten können, schreiben unbeirrt weiter, ein Buch nach dem anderen. Was hinten aus der Backlist fällt, wird vorne mit neuen Büchern aufgefüllt. Es ist ein Karussell, das sich frustrierend schnell dreht und schon mal zur rasanten Achterbahn werden kann. 

Ich habe schon vor längerer Zeit beschlossen, mich aus diesem Karussell zu verabschieden. Für mein Berufsleben als Autorin ist das schon fast tödlich, mir persönlich tut es unendlich gut. 

Im Gegensatz zu den letzten paar Malen, wurde ich sogar vom Verlag informiert, dass mein Buch ausgemustert wird. Ich hätte damit die Möglichkeit, ein paar (oder sogar viele) Exemplare zu kaufen, bei mir zu lagern und selber zu verkaufen. Vor ein oder zwei Jahren hätte ich das noch getan, um die Zeit zu überbrücken, bis ich das Buch selber wieder herausgegeben habe. Diesmal ist es anders. Ich kaufe gerade mal zehn Stück, und ich lasse das mit dem selber Herausgeben auf mich zukommen. Vielleicht mache ich es, vielleicht auch nicht.

Das liegt nicht am Buch. Hundert Lügen ist eins meiner absoluten Herzblutbücher. Ich liebe es. Sehr sogar. Ich finde - ganz unbescheiden - es hätte ein (sehr viel) besseres Leben verdient gehabt. Die Rezensionen warent toll, das Buch hat einen Preis gewonnen und tauchte erst kürzlich wieder auf einer Empfehlungsliste auf. Das schmeichelt zwar dem Ego, aber es hilft nicht, wenn die Verkaufszahlen nicht stimmen. Und die stimmen leider nur, wenn eine ganze Menge anderer Dinge auch stimmen. 

Das Hadern habe ich mir abgewöhnt. Bei mir ist eine tiefe, ruhige Gelassenheit eingekehrt. Es gab Momente, in denen ich gedacht habe, dass zwanzig Bücher reichen. Das nun gut ist. Aber das Schreiben macht mir immer noch Freude. Es ist jedoch in den Hintergrund getreten, weil ich extrem gerne Verlegerin bin. Und weil ich so viele Dinge gerne tue, die nichts mit dem Schreiben zu tun haben. Ich schreibe eigentlich wieder wie früher: aus Leidenschaft, aus Spass an der Freude. Aber nicht mehr vollberuflich, sondern in einem (kleinen) Teilzeitpensum.

Stand derzeit: Aller Voraussicht nach erscheint nächstes Jahr etwas Neues von mir. Zudem ist meine Agentin mit zwei Kinderbuchprojekten von mir auf Verlagssuche. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich das jemals wieder tun würde. Ich tue es wie damals bei meinem ersten Buch: Ohne Erwartungen. Entweder es wird oder es wird nicht. Und so (fast) still und leise arbeite ich an Büchern, die ich unter Pseudonym veröffentlichen möchte. 

Dienstag, 27. April 2021

Ich, Onkel Mike und PLAN A ist Vorlesebuch

Ich, Onkel Mike und PLAN A ist Vorlesebuch beim Vorlesewettbewerb im Kanton Freiburg. Ich habe heute Nachmittag einen ganzen Stapel Bücher für die jungen Vorleser und Vorleserinnen signiert - und während ich diesen Blogpost schreibe, höre ich ihnen beim Vorlesen zu. Könnt ihr auch, wenn ihr diesem Link folgt und dann ganz nach unten scrollt. Wer es mit dem Scrollen gemütlich nimmt, erfährt gleich auch noch ein paar Dinge über den Vorlesewettbewerb.

Ich LIEBE es, meine Geschichte vorgelesen zu bekommen. Gleichzeitig schleicht sich ein wenig Wehmut in mein Herz. Eigentlich ... also eigentlich ... hätte ich dort sein sollen, schon letztes Jahr, und jetzt dieses. Aber ihr wisst schon: Corona ist ein Fiesling. Und deshalb kann ich nicht live dabei sein. Zum Glück gibt es Radio!

Sonntag, 25. April 2021

Si hei der Wilhälm Täll ufgfüert

In Chur (bewilligt), in Liestal (bewilligt), in Schaffhausen (unbewilligt, von der Polizei freundlich behandelt und mit netten Grüssen nach Hause geschickt) und nun in Rapperswil (unbewilligt, mehr dazu weiter unten). Der Tourneeplan führt noch weitere Stationen auf, zum Beispiel Appenzell und Solothurn. Und es macht keinen Unterschied, ob die Aufführungen, resp. die Demos, bewilligt sind oder nicht. Stattfinden werden sie allemal und die Polizei wird zusehen.

Es ist ein buntes Häufchen, das da Wochenende um Wochenende gegen die Coronamassnahmen demonstriert. Einige treten in Schutzanzügen und Masken auf und machen damit eher auf progressives Theater, andere kommen mit Armbrust oder Gesslerhut und betonen das Historisch-Patriotische. Witzigerweise ruft dann der als Tell verkleidete Bärtige "Liberté" und huldigt damit eher der Französischen Revolution als unserem Nationalheiligen, während die Treichler mit ihren Doppelglocken schon ein wenig unterjocht wirken. Aber dagegen hilft das Singen der Nationalhymne oder wahlweise auch das Umarmen eines Polizisten.

Fazit: Coole Show. Findet auch die Polizei in Rapperswil, die nicht eingreift, obwohl sie im Vorfeld sehr alarmistisch mitgeteilt hat, dass jeder, der an dieser Demo teilnimmt, sich strafbar macht. Aber gell, die sind ja sooo friedlich mit ihren kleinen Kindern, ihren Hündelis und ihren netten Kostümen. Oder, um es mit den Worten des Polizeisprechers der Kantonspolizei SG zu formulieren: 

Wenn uns niemand mit Gewalt droht, greifen wir nicht zum Schlagstock.
(Quelle: St. Galler Tagblatt).

Ich weiss jetzt grad nicht, ob das gut zu wissen ist. Könnte ja sein, dass sich wieder mal ein paar Hundert Neonazis ganz friedlich im Toggenburg treffen wollen. Auf ein Konzert und ein Bierchen. Ohne mit Gewalt zu drohen. Und dann ... tja.

Auf jeden Fall freue ich mich auf die nächsten Demonstrationen der Klimajugend. Ich hoffe, auch in diesem Fall gilt gleiches (Un)Recht für alle.

PS: Damals, als ein paar Jugendliche in Rapperswil gegen das Neonazitreffen demonstrieren wollten, wurden sie von der Polizei schon am Bahnhof eingekesselt und über allem röhrte ein Polizeihubschrauber.

Donnerstag, 22. April 2021

Zu Fuss von Werdenberg nach Azmoos - Lieblingsorte

Was ich mir jahrelang nur vorgenommen hatte, aber fast nie getan habe, ist seit einiger Zeit Bestandteil meines Lebens: Wenn ich meine Mutter besuche, gehe ich zu Fuss von mir nach Azmoos, wo sie lebt (und wo ich aufgewachsen bin). Es ist eine Strecke von 13 Kilometern, die über dem Rheintal verläuft, oft so, dass man nicht in die überbaute, zersiedelte Talebene hinuntersieht. So hat man zuweilen das Gefühl, weit weg von allem zu sein. Der Weg ist Teil des unteren Rheintaler Höhenwegs. Ich kann diesen unteren Verlauf vor allem für Familien oder Wanderer, die es etwas gemütlicher angehen wollen, sehr empfehlen. Wer bis nach Sargans weiterlaufen will, wo der Höhenwanderweg offiziell zu Ende geht, muss einfach noch ca. fünf Kilometer anhängen.

Die ganze Wegstrecke ist sehr schön, die Bilder zeigen ein paar meiner absoluten Lieblingsorte.

Ich laufe an meinem Wohnort los und und erreiche runde 5 Minuten später schon den ersten Höhepunkt: Der Werdenbergersee mit dem Städtli und dem Schloss.

Vom See gehe folge ich den Rändern des Ortes Buchs durchs Altendorf via Kreuzgasse und Wäseliweg zum Buchser Rietli. Dort biege ich beim neu angelegten Feuchtbiotop ab und folge dem Weg durch den Wald in die Höhe. Für mich ist das der Punkt der Wanderung, an der sie so richtig losgeht - weil sie ab hier abseits des überbauten Tals verläuft.

Der Weg auf der rechten Seite führt durch ein wunderschönes Waldstück bis zu dem Haus, das man zwischen den Bäumen erkennen kann. Er geht weiter in den Wald hinein und verläuft dann ein ziemliches Stück zwischen dem Hügel auf der linken Seite und dem Berghang. Kurz vor St. Ulrich, der Häusersiedlung oberhalb von Sevelen, kommt man aus dem Wald.


Ich glaube, hier habe ich noch jedes Mal einen Fotostop eingelegt, weil der Anblick einfach überwältigend schön ist. Nach St. Ulrich mit seinen alten Häusern geht's aufwärts zur Untergass. Auch hier brauche ich jeweils eine "Guck"-Pause (und eine kleine Verschnaufpause).

 
Von hier geht es weiter aufwärts bis zum zweithöchsten Punkt der Wanderung, dem Hof, wo ich jeweils eine Atem- und Trinkpause einlege und mich dann auf eines der schönsten Wegstücke begebe, die Valschnära.


Nach der Valschnära betrete ich dead.end.com Land :-). Das heisst, ich wandle durch den Schauplatz eines meiner Bücher. Ich habe dort gestern ziemlich viele Fotos geschossen, die ich euch in einem separaten Blogpost zeigen werde. Nachfolgend ohne weiteren Kommentar zwei davon.


 
Kurz nach der Anlage Magletsch erreiche ich das kleine Dorf Gretschins, einen weiteren Lieblingsort. Auch ihn habe ich wahrscheinlich schon eine Zillion mal fotografiert.

 
Nur wenige Meter nach dieser Stelle macht der Weg eine Kurve und vor mir liegt das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. 
 

Gestern stand ich hier und dachte mir, was für ein Landei ich doch bin. Und dass ich sehr gerne Landei bin. Dass ich "Fussgängerin" bin, weiss ich schon lange. Mein Fahrrad habe ich immer nur für Kurzstrecken und vor allem zum Einkaufen gebraucht. Mittlerweile steht es schon seit Jahren im Raum über der Garage, und ich ahne, dass es dort höchstens noch zum Entsorgen runterkommen wird. Mir gefällt das Gehen, weil man nur sehr langsam vorankommt und so alles sehr bewusst sieht und wahrnimmt. Im Augenblick träume ich vom Weitwandern.

Erst einmal bin ich jedoch die letzten 2 1/2 Kilomenter nach Azmoos gegangen. Das Foto könnte besser sein, ich weiss. Ich hätte gerne das Rathaus (links) mit aufs Bild genommen, aber da standen Menschen davor, und da ich es selber nicht mag, einfach auf Bilder gepackt zu werden, habe ich nach rechts geschwenkt und dieses Bild geknipst (mit fehlender Baumkrone ... )

Montag, 19. April 2021

Ein Monat "Walking my way"

Heute vor einem Monat habe ich mit "Walking my Way" begonnen, diesen zügigen Spaziergängen kreuz und quer durch die Landschaft um mich herum. Knapp 200 Kilometer habe ich dabei bisher zurückgelegt, meine Rücken- und Hüftschmerzen sind beinahe weg, nur das Knie zwickt noch ein wenig. Kopf und Seele tut das tägliche Lüften ausgesprochen gut. 

Am liebsten wähle ich Routen durch die Natur, was zum Glück nicht schwierig ist. Hier unten im Werdenberg bin ich in fünf Minuten raus aus den Häuseransammlungen, in Cumbel oben beginnt die Natur direkt vor dem Haus. Heute gings bergaufwärts, durch den Wald und dann runter zu den freien Wiesen am Hang, an wunderschönen Häusern vorbei. 

Im Mai habe ich Lesungen. Neu in meine Planung eingezogen sind Wandertouren, die ich über den Mittag machen kann. Für die ersten zwei Lesungstage habe ich schon mal zwei wunderschöne Routen gefunden, beide dauern genau eine Mittagspause lang, Picknickzeit mit eingerechnet.

Zurzeit gehe ich davon aus, dass die Lesungen stattfinden werden, wobei man das ja in verrückten Zeiten wie diesen nie so genau weiss.

Sonntag, 18. April 2021

Und plötzlich ging es schnell

Es passierte immer öfter: Ich klickte mich auf Twitter zur Funktion "deaktivieren". Dass ich es nicht tat, liegt daran, dass ich ein News-Junkie bin, immer gewesen bin, und für jemanden wie mich ist Twitter der Link-Hub schlechthin zu den Nachrichten der Welt.

Nur blieb es nicht bei den Online-Artikeln. Wenn mich etwas beschäftigt, will ich mehr wissen. Aus dem Link-Hub wurde auch ein Hashtag-Hub. Und irgendwann wurde es ungesund. 

Also setzte ich am Freitag mit der Arbeit aus und ging auf einen langen Spaziergang um meine Gedanken zu sortieren. Dabei merkte ich, dass es da eigentlich gar nicht viel zu sortieren gab, weil eigentlich schon alles klar war; ich musste es nur noch umsetzen.

Der Entscheid, meinen Twitter-Account zu löschen, war nur einer von vielen. Ich habe auch auf Facebook den Schlussstrich gezogen, nicht ganz so heftig wie auf Twitter. Das hat zwei Gründe: Zum einen hat mich Facebook sowieso nie interessiert; ich kann also locker-flockig meine Accounts einfach stehen lassen ohne dort was zu posten. Zweitens ist unser Verlag da bux auf FB, da muss und will ich mindestens aus verlegerischen Gründen noch mit einem kleinen Zeh auf der Plattform bleiben.

Was ich nicht lösche: den Blog und Insta. Den Blog, weil er mir von allen Social Media Kanälen immer der liebste war. Insta, weil ich als Autorin wenigstens auf einer Plattform noch zu finden sein sollte, und Insta ist so herrlich pflegeleicht.

Die wirklich weitreichenden Entscheide habe ich schon vor einer Weile getroffen, sie aber auf diesem Spaziergang für mich noch einmal besiegelt: Ich werde weiterhin voll und mit ganzem Herzen Verlegerin bleiben. Als Autorin fahre ich massiv runter. Das bedeutet in erster Linie sehr viel weniger Lesungen, vor allem keine Teilnahme an offiziellen Schullesetouren mehr, sondern nur noch Einzellesungen auf direkte Anfragen von Veranstaltern. Und auch das Schreiben werde ich sehr ruhig und entspannt angehen. 

Ich habe für mich den Augenblick dieser für mich wichtigen und richtigen Entscheide fotografisch festgehalten. Es ist der passende Ort dafür. Wunderschön und ruhig. 

 
Danach ging ich nach Hause, löschte den Twitter-Account und stellte bei FB eine Art Pausenzeichen ein.

Montag, 12. April 2021

Walking my Way

Draussen giesst es wie aus Kübeln, die Wolken hängen fast bis zu mir ins Tal runter. Und dennoch sitze ich zufrieden und motiviert an meinem Schreibtisch. Die geplanten Arbeiten für diese Woche habe ich schon in mein Bullet Journal eingetragen, die Tages To-Do-Liste steht auch. 

Am 19. März ist auf meinen Tageslisten ein neuer Punkt aufgetaucht, der auch auf der Monats- und auf der Jahresliste zum fixen Bestandteil geworden ist. Das Laufen. Nicht im Sinne von Rennen oder Joggen, sondern von einem zügigen Spazieren. Also eigentlich so was Ähnliches wie Walken, aber in der englischen Bedeutung, ohne den verbissenen Unterton, den es in der deutschen Sprache bekommt. Ich weiss gar nicht, ob wir in unserer Sprache ein Wort dafür haben. Wer eins kennt: Bitte bei mir melden. Danke.

Wie es dazu gekommen ist, könnt ihr in meinem Post vom 21. März nachlesen. Im März sind es 88.3 km geworden, im April möchte ich 180 km zurücklegen. So viele Felder haben auf meiner Bullet Journal Monatsseite unter dem Titel WALKING MY WAY Platz. Ein Feld, ein Kilometer. Eigentlich laufe ich jeweils gleich am Morgen früh los, noch bevor ich mich an den Schreibtisch setze. Aber heute warte ich noch ein Weilchen ab, weil es grad allzu garstig aussieht (ich sehe gerade, dass der Schnee fast bis zu mir runter fällt).

Auf diesen Spaziergängen lasse ich die Gedanken fliessen. Ich verarbeite Dinge, die mich belasten, ich gehe Ideen für Geschichten nach und wenn ich irgendwo ganz allein unterwegs bin, führe ich schon mal Selbstgespräche, in denen ich meistens ziemlich hart mit mir ins Gericht gehe, weil ich mich zu sehr ins Tagesgeschehen verbeisse und mich davon runterziehen lasse. Oft aber denke ich auch einfach gar nichts und versinke einfach nur im Anblick der Natur. Ich bin froh um die Gabe, das Schöne im Kleinen und ganz Kleinen sehen, riechen und hören zu können, weil ich dadurch viele Glücksmomente erlebe, die mir guttun. Wenn ich unterwegs bin, habe ich immer das Gefühl, auf dem Weg zu mir zu sein. 

Früher habe ich meine langen Spaziergänge Walking&writing it off genannt - und damit die schlechten Gedanken und das Gewicht gemeint. Es gab eine Phase in meinem Leben, in der ich tatsächlich ziemlich viele Kilos "weggewandert" und dabei ein ausführliches Tagebuch dazu geschrieben habe. Meinem Körper Gutes zu tun, ist auch jetzt das Ziel, aber das Gewicht ist nur ein Grund von mehreren, warum ich zum regelmässigen Walking zurückkehre. In erster Line will ich mir Sorge tragen: meiner körperlichen und geistigen Gesundheit. Auf meine Art. Und deshalb ist es diesmal ein Walking my Way.

Ein längerfristiges Ziel ist es, fit für eine lange Küstenwanderung zu sein. Am liebsten der Küste Cornwalls entlang. Es darf auch die bretonische Küste sein. Einfach eine wilde Küste mit überwältigenden Ausblicken. Und ganz tief drin sitzt der Traum vom Hochwandern von Land's End in England bis nach Durness ganz oben im schottischen Norden. Ich denke, dieser Traum wird ein Traum bleiben. Aber es ist ein schönes Gefühl, Träume zu haben.

Wenn ihr das Glück habt, in der Nähe von Hanau/Frankfurt zu leben, guckt euch den neusten Blogpost von Jutta Wilke an. Sie hat sich ein wunderbares Schreibworkshopkonzept ausgedacht, bei dem man das Spazieren und das Schreiben auf perfekte Art verbinden kann.

Bei mir fällt der Schnee nun direkt vor meinem Fenster. Ich stelle deshalb ein Bild aus sonnigeren Tagen ein. Einer meiner Lieblingsspaziergänge ist der (untere) Rheintaler Höhenweg zwischen Werdenberg, wo ich wohne, und Azmoos, wo meine Mutter wohnt. Ziemlich genau 13 km ist die Strecke lang. Und einfach jedes Mal unglaublich schön. 

Mittwoch, 7. April 2021

Mittwoch, 24. März 2021

Das Backlisten Massaker

In meiner neusten YA-Kolumne geht es um vergriffene Bücher, was das für uns Autor*innen bedeutet und was wir uns von den Verlagen wünschen würden. HIER geht's zum Text.

Sonntag, 21. März 2021

Mein Social Media Leben

 ... muss und wird sich ändern.

Nach der Demo in Liestal von gestern ist mir mehr als nur klar, dass ich (sozial)politisch absolut und total durch bin. Ich kann und will nicht mehr. Wenn die Polizei bei gut 6000 Regelbrechern, die masken- und abstandslos demonstrieren, nicht eingreift, Applaus von ihnen bekommt und sie am Ende mit einem freundlichen "Kommen Sie gut und gesund nach Hause" verabschiedet, bevor sie diese rücksichtslosen Vollhonks ohne Maske in den ÖV strömen läst, dann weisst du, woran du in diesem Land bist.

Ändern kann ich das nicht. Dieses Land funktioniert, wie es nun mal funktioniert. Aber als Konsequenz davon habe ich gestern meiner geistigen Gesundheit und meinem Seelenfrieden zuliebe entschieden, auf Twitter nur noch beruflich zu tweeten, Facebook zu meiden und auf Insta schöne Bilder online zu stellen. So sporadisch mal. Weil ganz ohne geht in meinem Beruf nur schlecht. Dazu habe ich mir Hashtags einfallen lassen, die ich mir vorsichtshalber an meine Pinnwand gehängt habe, damit ich mich daran erinnere, wenn es mich in den Fingern juckt einen Kommentar zum aktuellen Geschehen abzugeben.

Mein Blog ist die Ausnahme. Da werde ich weiterhin über alles schreiben, was mich beschäftigt. Vor allem aber über die postiven Seiten des Lebens. Denn privat und beruflich geht es mir bestens. Ich bin wunderbar aufgehoben und ausgelastet und stecke in wunderbaren Projekten, die ich mit viel Lust, zum Teil auch mit (sehr) viel Ehrgeiz angehe, aber auch glücklich-gelassen und voller Zuversicht.

Diese Woche sind Konzepte, Exposé und Leseprobe von zwei Kinderbuchprojekten an meine Lektorin gegangen. Ein Dossier zu einem Jugendbuchprojekt wird folgen. Nach einer langen Pause, in der ich von Verlagen (ausser dem eigenen) gar nichts mehr wissen wollte, hat es mich wieder gepackt. Wenn etwas dabei herauskommt: gut. Wenn nicht: auch gut. 

Lesungen mache ich zurzeit - immer noch coronabedingt - nur wenige, und die paar wenigen, die ich gemacht habe, haben mich mit vielen Fragen zurückgelassen. Gute Schutzkonzepte gab es nur an zwei Lesungsorten, an anderen habe ich zum Teil vor rund 50 Jugendlichen gelesen, die dicht an dicht in kaum bis gar nicht belüftbaren Räumen sassen. Vor meinen nächsten Lesungen werde ich mich deshalb nach dem Schutzkonzept erkundigen und dann entscheiden, ob ich die jeweiligen Lesungen für mich verantworten kann. Erst einmal ist jetzt aber wieder Schonzeit: Meine nächsten Lesungstermine sind erst Anfang Mai 2021. Ich habe also jede Menge Zeit und Raum für meine da bux Verlagsarbeit und mein Schreiben. 

Meine Kraft, Energie und Zuversicht schöpfe ich aus der Familie und guten Freund*innen. Mit Jutta Wilke maile ich immer noch jeden Tag. Wir beide haben grad etwas Neues entdeckt, das uns begeistert und setzen das auch gleich um. Sie wandert den Jakobsweg. Nicht dort, wo er ist, sondern bei ihr vor der Haustür. 800 km. In Etappen à 8 km. Ich bereite mich - auch vor der Haustür - schon mal auf meine nächsten Küstenwanderungen in Grossbritannien vor. Dazu habe ich mir keine Gesamtdistanz als Ziel gesetzt, sondern Monatsziele. Und die habe ich so richtig schön bunt in mein Bujo eingetragen.

Ich kann also privat extrem gut, was auf den Social Media, vor allem auf Twitter, schwierig ist: Abstand schaffen, mich fernhalten von Menschen und Geschehnissen, die mir nicht guttun. Das empfinde ich als riesiges Privileg und ich bin dafür extrem dankbar.