Montag, 12. April 2021

Walking my Way

Draussen giesst es wie aus Kübeln, die Wolken hängen fast bis zu mir ins Tal runter. Und dennoch sitze ich zufrieden und motiviert an meinem Schreibtisch. Die geplanten Arbeiten für diese Woche habe ich schon in mein Bullet Journal eingetragen, die Tages To-Do-Liste steht auch. 

Am 19. März ist auf meinen Tageslisten ein neuer Punkt aufgetaucht, der auch auf der Monats- und auf der Jahresliste zum fixen Bestandteil geworden ist. Das Laufen. Nicht im Sinne von Rennen oder Joggen, sondern von einem zügigen Spazieren. Also eigentlich so was Ähnliches wie Walken, aber in der englischen Bedeutung, ohne den verbissenen Unterton, den es in der deutschen Sprache bekommt. Ich weiss gar nicht, ob wir in unserer Sprache ein Wort dafür haben. Wer eins kennt: Bitte bei mir melden. Danke.

Wie es dazu gekommen ist, könnt ihr in meinem Post vom 21. März nachlesen. Im März sind es 88.3 km geworden, im April möchte ich 180 km zurücklegen. So viele Felder haben auf meiner Bullet Journal Monatsseite unter dem Titel WALKING MY WAY Platz. Ein Feld, ein Kilometer. Eigentlich laufe ich jeweils gleich am Morgen früh los, noch bevor ich mich an den Schreibtisch setze. Aber heute warte ich noch ein Weilchen ab, weil es grad allzu garstig aussieht (ich sehe gerade, dass der Schnee fast bis zu mir runter fällt).

Auf diesen Spaziergängen lasse ich die Gedanken fliessen. Ich verarbeite Dinge, die mich belasten, ich gehe Ideen für Geschichten nach und wenn ich irgendwo ganz allein unterwegs bin, führe ich schon mal Selbstgespräche, in denen ich meistens ziemlich hart mit mir ins Gericht gehe, weil ich mich zu sehr ins Tagesgeschehen verbeisse und mich davon runterziehen lasse. Oft aber denke ich auch einfach gar nichts und versinke einfach nur im Anblick der Natur. Ich bin froh um die Gabe, das Schöne im Kleinen und ganz Kleinen sehen, riechen und hören zu können, weil ich dadurch viele Glücksmomente erlebe, die mir guttun. Wenn ich unterwegs bin, habe ich immer das Gefühl, auf dem Weg zu mir zu sein. 

Früher habe ich meine langen Spaziergänge Walking&writing it off genannt - und damit die schlechten Gedanken und das Gewicht gemeint. Es gab eine Phase in meinem Leben, in der ich tatsächlich ziemlich viele Kilos "weggewandert" und dabei ein ausführliches Tagebuch dazu geschrieben habe. Meinem Körper Gutes zu tun, ist auch jetzt das Ziel, aber das Gewicht ist nur ein Grund von mehreren, warum ich zum regelmässigen Walking zurückkehre. In erster Line will ich mir Sorge tragen: meiner körperlichen und geistigen Gesundheit. Auf meine Art. Und deshalb ist es diesmal ein Walking my Way.

Ein längerfristiges Ziel ist es, fit für eine lange Küstenwanderung zu sein. Am liebsten der Küste Cornwalls entlang. Es darf auch die bretonische Küste sein. Einfach eine wilde Küste mit überwältigenden Ausblicken. Und ganz tief drin sitzt der Traum vom Hochwandern von Land's End in England bis nach Durness ganz oben im schottischen Norden. Ich denke, dieser Traum wird ein Traum bleiben. Aber es ist ein schönes Gefühl, Träume zu haben.

Wenn ihr das Glück habt, in der Nähe von Hanau/Frankfurt zu leben, guckt euch den neusten Blogpost von Jutta Wilke an. Sie hat sich ein wunderbares Schreibworkshopkonzept ausgedacht, bei dem man das Spazieren und das Schreiben auf perfekte Art verbinden kann.

Bei mir fällt der Schnee nun direkt vor meinem Fenster. Ich stelle deshalb ein Bild aus sonnigeren Tagen ein. Einer meiner Lieblingsspaziergänge ist der (untere) Rheintaler Höhenweg zwischen Werdenberg, wo ich wohne, und Azmoos, wo meine Mutter wohnt. Ziemlich genau 13 km ist die Strecke lang. Und einfach jedes Mal unglaublich schön. 

Mittwoch, 7. April 2021

Mittwoch, 24. März 2021

Das Backlisten Massaker

In meiner neusten YA-Kolumne geht es um vergriffene Bücher, was das für uns Autor*innen bedeutet und was wir uns von den Verlagen wünschen würden. HIER geht's zum Text.

Sonntag, 21. März 2021

Mein Social Media Leben

 ... muss und wird sich ändern.

Nach der Demo in Liestal von gestern ist mir mehr als nur klar, dass ich (sozial)politisch absolut und total durch bin. Ich kann und will nicht mehr. Wenn die Polizei bei gut 6000 Regelbrechern, die masken- und abstandslos demonstrieren, nicht eingreift, Applaus von ihnen bekommt und sie am Ende mit einem freundlichen "Kommen Sie gut und gesund nach Hause" verabschiedet, bevor sie diese rücksichtslosen Vollhonks ohne Maske in den ÖV strömen läst, dann weisst du, woran du in diesem Land bist.

Ändern kann ich das nicht. Dieses Land funktioniert, wie es nun mal funktioniert. Aber als Konsequenz davon habe ich gestern meiner geistigen Gesundheit und meinem Seelenfrieden zuliebe entschieden, auf Twitter nur noch beruflich zu tweeten, Facebook zu meiden und auf Insta schöne Bilder online zu stellen. So sporadisch mal. Weil ganz ohne geht in meinem Beruf nur schlecht. Dazu habe ich mir Hashtags einfallen lassen, die ich mir vorsichtshalber an meine Pinnwand gehängt habe, damit ich mich daran erinnere, wenn es mich in den Fingern juckt einen Kommentar zum aktuellen Geschehen abzugeben.

Mein Blog ist die Ausnahme. Da werde ich weiterhin über alles schreiben, was mich beschäftigt. Vor allem aber über die postiven Seiten des Lebens. Denn privat und beruflich geht es mir bestens. Ich bin wunderbar aufgehoben und ausgelastet und stecke in wunderbaren Projekten, die ich mit viel Lust, zum Teil auch mit (sehr) viel Ehrgeiz angehe, aber auch glücklich-gelassen und voller Zuversicht.

Diese Woche sind Konzepte, Exposé und Leseprobe von zwei Kinderbuchprojekten an meine Lektorin gegangen. Ein Dossier zu einem Jugendbuchprojekt wird folgen. Nach einer langen Pause, in der ich von Verlagen (ausser dem eigenen) gar nichts mehr wissen wollte, hat es mich wieder gepackt. Wenn etwas dabei herauskommt: gut. Wenn nicht: auch gut. 

Lesungen mache ich zurzeit - immer noch coronabedingt - nur wenige, und die paar wenigen, die ich gemacht habe, haben mich mit vielen Fragen zurückgelassen. Gute Schutzkonzepte gab es nur an zwei Lesungsorten, an anderen habe ich zum Teil vor rund 50 Jugendlichen gelesen, die dicht an dicht in kaum bis gar nicht belüftbaren Räumen sassen. Vor meinen nächsten Lesungen werde ich mich deshalb nach dem Schutzkonzept erkundigen und dann entscheiden, ob ich die jeweiligen Lesungen für mich verantworten kann. Erst einmal ist jetzt aber wieder Schonzeit: Meine nächsten Lesungstermine sind erst Anfang Mai 2021. Ich habe also jede Menge Zeit und Raum für meine da bux Verlagsarbeit und mein Schreiben. 

Meine Kraft, Energie und Zuversicht schöpfe ich aus der Familie und guten Freund*innen. Mit Jutta Wilke maile ich immer noch jeden Tag. Wir beide haben grad etwas Neues entdeckt, das uns begeistert und setzen das auch gleich um. Sie wandert den Jakobsweg. Nicht dort, wo er ist, sondern bei ihr vor der Haustür. 800 km. In Etappen à 8 km. Ich bereite mich - auch vor der Haustür - schon mal auf meine nächsten Küstenwanderungen in Grossbritannien vor. Dazu habe ich mir keine Gesamtdistanz als Ziel gesetzt, sondern Monatsziele. Und die habe ich so richtig schön bunt in mein Bujo eingetragen.

Ich kann also privat extrem gut, was auf den Social Media, vor allem auf Twitter, schwierig ist: Abstand schaffen, mich fernhalten von Menschen und Geschehnissen, die mir nicht guttun. Das empfinde ich als riesiges Privileg und ich bin dafür extrem dankbar.

Sonntag, 7. März 2021

Corona-Demos: Ich bin wütend und ich habe Fragen

Kürzlich brauchte ich eine neue ID und einen neuen Pass. Die nette Dame am Schalter fragte, ob ich die gelochten Dokumente bei ihr lassen oder mitnehmen wolle. Nicht zum ersten Mal in diesen Tagen, aber heftiger als sonst, fiel mir meine Tochter ein.

Als sie 14 oder 15 war, brauchte sie eine neue ID. Ich ging mit ihr zur Gemeinde, die nette Dame dort stellte meiner Tochter genau die Frage, die mir kürzlich gestellt wurde. Die Augen meiner Tochter weiteten sich, sie holte Luft und sagte: "Ich muss sie mitnehmen, ich brauche die. Unbedingt."

Als wir aus dem Gemeindehaus raus waren, fragte ich nach dem Grund (den ich eigentlich hätte kennen müssen). Meine Tochter antwortete: "Ich brauch die für die Personenkontrollen."

Ja, genau Personenkontrollen. Mehrzahl. Und nein, meine Tochter hat nicht im Ausland gearbeitet und dafür jeden Tag Grenzen überschreiten müssen, sie wollte auch nicht in die Ferien. Meine Tochter war Punk. Sprich, sie sah anderes aus als andere. Ganz anders. Das reichte, um pro Woche ungefähr zwei Mal von der Polizei angesprochen und nach einem Ausweis gefragt zu werden, in den allermeisten Fällen hier in unserer Kleinstadt, wo sowieso jeder Polizist wusste, wer sie war. Es war die reine Schikane. Ein Zeichensetzen. DU BIST VERDÄCHTIG, WEIL DU ANDERS AUSSIEHST.

Wir haben zu Hause viel darüber gesprochen. Ich kannte ja auch nette Polizisten, von meinen Recherchen für meine Krimis. Ich sagte immer: "Es sind nicht alle so." Oder: "Die haben aufgrund ihrer Erlebnisse Vorurteile, es ist nichts Persönliches." Und vor allem habe ich meine Tochter und ihren Freund immer gebeten, einfach freundlich zu bleiben. Nicht auszuticken. Obwohl ich innerlich sehr oft vor Wut fast explodiert bin. 

Sie hat sich daran gehalten. Meistens. Denn es gab auch Momente, in denen das schwierig wurde. Weil ihr Freund den Zeigefinger in die Brust gebohrt bekam und aufgefordert wurde, sein Handy rauszurücken (auf dem der Polizist dann rumgedrückt hat, einfach so).

Einmal, als ich fand, jetzt seien sämtliche Grenzen überschritten worden, rief ich bei der Polizei an. Meine Tochter und ihr Freund hätten es nämlich nicht getan. Das war, als ein Polizist gegenüber den beiden, vor allem gegenüber dem Freund meiner Tochter sehr übergriffig wurde. Aus dem Blauen heraus. Und als der Freund ihm sagte, das dürfe er nicht, zeigte der Polizist auf seine Uniform und schrie: "Doch, ich darf das."

"Das sind Menschen", sagte ich dem - netten - Polizisten, der meinen Anruf entgegennahm. "Keine Hunde. Wenn ihr sie kontrollieren wollt, dann tut es halt, das sind sie sich gewohnt. Aber tut es freundlich und ohne übergriffig zu werden. Und einfach mal so zur Info: Ich laufe seit Jahren durch diesen Ort, ohne dass ich auch nur einmal meinen Ausweis hätte zeigen müssen." Der Polizist hat zugehört und dann auch noch nach meiner Tochter gefragt, die dann lange mit ihm gesprochen hat. Ich hatte das Gefühl, dass es es ab jenem Telefonat etwas besser wurde.

Trotzdem. Es geht noch weiter. Meine Tochter interessiert sich für das, was in der Welt passiert. Sie ist informiert und sie findet vieles ungerecht. "Ich würde gerne an Demos gehen", sagte sie mir einmal. Da war sie schon älter. Ich hatte keine Ahnung, warum sie im Konjunktiv redete und nicht einfach hinging. Also fragte ich (wie damals, als wir zusammen zur Gemeinde gingen).

"Mam, wenn ich an eine Demo gehe, komme ich keine hundert Meter weit ohne von der Polizei reingenommen zu werden."

Das Traurige ist: Ich konnte ihr nicht widersprechen. Meine Tochter hat zwar das Herz auf dem richtigen Fleck, aber sie trägt die falsche Kleidung und die falsche Frisur. Und doch, ja, sie ist mutig. Sie kann sich wehren. Sie hat keine Angst, für ihre Sache einzustehen. Aber sie wollte nach ihrer Lehre unbedingt die Weiterbildung zur Sozialpädagogin machen - und das geht nicht mit einem Eintrag im Polizeiregister.

Meine Tochter hat nie "Diktatur!" geschrien. Ja, sie fand das alles extrem ungerecht, aber sie hat nie Plakate mit ehrverletzenden Bemerkungen oder Aufforderung zur Gewalt rumgetragen. Sie war zu keiner Zeit eine Gefahr für irgendwen. Sie trug (und trägt) Badges auf ihren Kleidern. Gegen Hass. Gegen Faschismus. Gegen die Ungerechtigkeit der Welt. 

Kürzlich trug sie tagelang eine Schutzmontur, samt dieser Art Taucherbrille. Die Haut ihrer Hände ist kaputt vom vielen Desinfizieren. Beides setzt ihr zu. Beides gehört zu ihrem Beruf (Sozialpädagogin).

In diesen Tagen ziehen Menschen durch Städte. Mit Schildern, die zur Gewalt aufrufen, die ehrverletzend sind. In Schutzmontur. Ohne Maske. Wahrscheinlich nicht mit kaputter Haut an den Händen. Aber friedlich, wie sie - stolz - betonen. Denn "seht her, wir umarmen uns sogar!"

Ich habe keine Ahnung was an Aufrufen zur Gewalt und Ehrverletzung friedlich ist. Ich weiss auch nicht, was friedlich daran ist, bewusst das Risiko einzugehen, sich und andere anzustecken. Mit einer Krankheit, die tödlich ist. Und einfach mal so, als Fakt: Es ist zurzeit tatsächlich illegal, sich in Horden zu versammeln und ohne Maske dicht an dicht zu stehen oder sich gar reihenweise zu umarmen.

Aber hey, sie sind doch sooooooo friedlich. Weshalb die Polizei nicht eingreift. Darauf sind diese demonstrierenden, egoistischen, unsolidarischen, selbsternannten Rebellen ungeheuer stolz. Seht her, was wir machen ist richtig und hat keine Konsequenzen.

Oh, doch! Hat es. Es werden mit jeder Demo mehr (was unsere Schutzmassnahmen mehr und mehr ad absurdum führen wird und die Pandemie verlängern könnte). Muss ja niemand damit rechnen, dass eine Teilnahme irgendwelche Folgen hat. Ist ja alles - ja genau - sooooo friedlich. Und durch das Nichteingreifen der Polizei auch legitmiert und legalisiert.

Ich kann gar nicht sagen, wie gross meine Verachtung für diese Vollhonks ist, die denken, sie leben in einer Diktatur und werden versklavt. Und ich hätte da Fragen an die Politik und die Polizei. Sehr viele Fragen. 

PS: Nein, ich würde diese Demos nicht verbieten, denn in diesem Land hat jeder und jede das Recht zu demonstrieren. Ich wünsche mir einzig und alleine das Messen mit gleichen Ellen. Gerade in Zeiten einer Pandemie, wo es um das Leben von Menschen geht.

Mittwoch, 24. Februar 2021

Schreiben als Ventil

Am 20. Februar 2021 hat meine Tochter eine 12-Stundenschicht in voller Schutzmontur geleistet (obwohl sie eigentlich Ferien gehabt hätte). Und gleichzeitig haben in Wohlen/AG Menschen in Schutzanzügen und ohne Maske gegen die Coronamassnahmen demonstriert. Zu sagen, ich sei wütend gewesen, wäre die Untertreibung des Monats. Ich lag schlaflos im Bett, nagenden Zorn im Bauch und im Kopf. Irgendwann gelang es mir, meine Gefühle zu kanalisieren. Ich fand ein Ventil. Das Schreiben. Und so habe ich in jener Nacht in Gedanken die Kolumne geschrieben, die heute auf Qultur erschienen ist. Am nächsten Morgen habe ich den Laptop geöffnet und den Text in die Tasten gehauen. Hier ist er.

Samstag, 30. Januar 2021

Slowlife

Auf Insta poste ich seit längerem immer mal wieder unter dem Hasthag #slowlife. Wenn Corona mir etwas Gutes gebracht hat, dann ein langsameres Leben. Ich war sehr viel in der Natur unterwegs in den vergangenen Monaten, ich habe viel weniger gearbeitet als sonst und vor allem hatte ich genug Zeit für all die Dinge, die ich sonst noch gerne tue. Unter anderem habe ich das Stricken wieder ausgegraben, etwas, das für mich schon fast Suchtpotenzial hat, warum ich es mir tagsüber glatt verbieten muss. Und ich verrate euch jetzt etwas total Irres: Ich habe eine ganze Decke gestrickt, mit viel Zopfmustern und noch viel mehr (sehr teurer) Wolle. Als ich fertig war, hatte ich zwei Probleme: Erstens war ich fertig. Zweitens war das Resultat nicht ganz das Erhoffte. Also habe ich die ganze Decke wieder aufgelöst und noch einmal begonnen. Damit war Problem Nummer eins gelöst: Ich durfte noch einmal loslegen. Jetzt ist die Decke zum zweiten Mal fertig. Und diesmal ist sie so schön, dass ich sie nicht noch einmal auflösen kann. Aber es gibt da einen Pullover, den ich gesehen habe und den ich mir stricken möchte ...

Stricken ist wie Gärtnern ist wie Wände streichen ist wie Wandern. Zutiefst befriedigend. All das gehört für mich zum "langsam und bewusst leben". Also zum #slowlife. Mir gefällt das so gut, dass ich definitiv beschlossen habe, es beizubehalten. Das geht Hand in Hand mit meinem Vorsatz, fokussiert und bewusst zu leben. Eine grosse Hilfe ist mir dabei mein Bullet Journal, vor allem, wenn ich mich mal wieder zu zerfranseln drohe und alles auf einmal oder grad gar nichts machen will. Den Februar habe ich für mich schon geplant, das Spreadsheet ist fast fertig. Und irgendwie liegt trotz Schnee ein Hauch Frühling in der Luft. Slowlife halt.

Mittwoch, 27. Januar 2021

Schlussendlich sind wir alle nur Spielfiguren

Zu diesem Fazit kommt Carlos im Buch dead.end.com. Erschienen ist es 2011 - und es ist heute aktueller denn je. Doch obwohl sich das Buch im fünfstelligen Bereich verkauft hat, hat es der Thienemann-Verlag vor einiger Zeit aus dem Programm genommen, ein Entscheid, den ich nicht verstanden habe, vor allem nicht, weil das Buch gerade zu jener Zeit, als es aus den Buchhandlungen verschwand, an Schulen in der Schweiz vermehrt zur Klassenlektüre wurde. 

Hadern mit solchen Entscheiden ist nicht mehr mein Ding. Das habe ich lange genug. "Selbst ist die Frau" ist schon eine ganze Weile mein Motto, und so habe ich dead.end.com für eine Neuauflage im Self Publishing parat gemacht.

Das bedeutet: Ich habe den Text neu gesetzt und dabei sprachlich leicht überarbeitet. Was ich nicht geändert habe, sind die Begriffe, obwohl sie zum Teil etwas überholt sind. Ich wollte so nahe wie möglich am Original bleiben. Das Cover gefällt mir, und so habe ich mich - wie schon bei Neuauflage der Lost Souls Serie - an bürosüd gerichtet, welche das Cover gestaltet hat. Die Zusammenarbeit mit bürosüd klappt bestens. In Rekordzeit war das Cover angepasst.

Für das Marketing steht mir einmal mehr Josia Jourdan zur Seite. Er hat sich wieder ein paar Aktionen einfallen lassen, auf die ich mich total freue. 

Erhältlich ist die Neuauflage von deadendcom per sofort, im Buchladen Ihrer Wahl oder online. Mein Job - den mir Josia verordnet hat - ist es nun, ein paar kleine Hintergrund-Clips zu drehen. Sobald ich sie habe, stellen wir sie online. 

 PS für Lehrpersonen: Das Buch ist auch in Sachen Seitenzahlen kompatibel mit der vergriffenen Ausgabe.

Mittwoch, 20. Januar 2021

Und sobald du die Antwort hast, ändert das Leben seine Frage

Ich mag Anfänge. Ein neuer Tag, eine neue Woche, ein neuer Monat. Und als Höhepunkt: ein neues Jahr. Neue Jahre stelle ich mir vor wie eine unberührte Schneewiese. Durchatmen, frische Spuren ziehen, neue Projekte, neue Chancen. Türen, die sich öffnen. Vorfreude.

Dieser Jahreswechsel war anders. Auf uns wartete keine unberührte Schneewiese, sondern ein von Corona bereits vertrampeltes Feld. Und eine Ahnung, dass uns das Virus noch eine ganze Weile beschäftigen wird. Neuanfänge sehen anders aus. Dieser fühlte sich auch nicht wie einer an.

Pläne hatte ich trotzdem. Ziele auch. Projekte sowieso. Und sogar einen Vorsatz! Ich habe ihn von 2020 mitgebracht, er ist sozusagen Second Hand, weil schon gebraucht und eingeführt. Vor allem bewährt. Er heisst: FOKUS. Dass ich ihn nicht verliere, dafür sorgt mein Bullet Journal. Zu meiner Freude schaffe ich es immer besser, den Fokus zu halten, mich nicht zu verzetteln. 

2021 begann mit da bux Lektoraten. Eine wunderbare, zutiefst befriedigende Arbeit. Dennoch war ich einfach nicht angekommen. Bis letzte Woche der grosse Schnee kam. Tief verschneite, unberührte Wiesen überall. Mehr Schnee, als ich es je im Tal unten erlebt habe. Atemberaubend schön. Ich war da. Im Jetzt. Angekommen.

Seit einiger Zeit liegen bei mir auf dem Schreibtisch Zitate, die ich für mein Bujo gesammelt und ausgeschnitten habe. Eines dieser Zitate hat den Titel zum Blogpost gegeben, weil es so gut zu diesen Zeiten passt. Und zur Aussage der gesammelten Zitate. Jedes ist für mich zwar immer noch gültig, der Sinn hat sich jedoch zum Teil verschoben oder geändert, oder es kam ein neuer dazu.


«Remember when you wanted what you currently have»

Ich habe im Laufe der letzten Jahre so viele Antworten gefunden für mich, habe mein Leben diesen Antworten angepasst und bin dort angekommen, wo es für mich passt und stimmt: Ich schreibe wieder mit viel Freude, ohne Druck und völlig stressfrei, und ich bin sehr glückliche Verlegerin. Genau das hatte ich gewollt - und genau das habe ich jetzt.

In Zeiten von Corona hat der Spruch noch eine zusätzliche Bedeutung für mich bekommen. Ich liebe das zurückgezogene Leben ohne Termine, hätte mir sogar vorstellen können, wie eine Eremitin zu leben. Auch das habe ich jetzt. Und ich realisiere: Ich kann zwar sehr gut sehr zurückgezogen leben, aber ein Eremitenleben ist nichts für mich.

«If you don’t like where you are, move. You are not a tree. »

Wie habe ich gelacht, als ich diesen Spruch zum ersten Mal gelesen habe. Es war ein befreites Lachen, eins, das mir die Enge genommen hat. Alles ist möglich, sagt dieser Spruch. Du musst nicht bleiben, wo du bist, weder räumlich noch was deine Arbeit betrifft. Wenn es dir nicht passt, zieh weiter.

Corona hat das Räumliche dieser Aussage wieder enger gemacht, mich sozusagen gegroundet. Zurzeit lebe ich im Home Office, ohne Lesungen, ohne viele Aussenkontakte, ohne grosse Bewegungsfreiheit. Zum Glück bin ich Autorin: Mir bleibt die innere Bewegungsfreiheit. Die Fantasie kennt keine Grenzen. Ich reise im Kopf. Das reicht meistens, aber nicht immer.

«It’s all about living life on your own terms.»

Dieses Motto lebe ich seit meiner Jugend. Es ist auch immer noch entscheidend für mich: ich zu sein und ich zu bleiben. Doch auch da hat sich bei mir in den letzten Monaten etwas verschoben. Mir ist noch bewusster geworden, was wirklich zählt. Mir Wichtiges wurde noch wichtiger. Manches, was wichtig war, ist nicht mehr so wichtig.

«Follow your soul, it knows the way.»

Das wohl zentrale Leitmotiv von mir. Das war vor Corona so und ist es auch jetzt. Zuweilen gehe ich verloren, manchmal nur für Stunden, manchmal für Tage, im Herbst sogar mal für ein paar Wochen. Aber meine Seele findet immer wieder einen Weg. Ich folge ihr. Viel mehr als meinem Kopf. Das war immer schon so, ist aber noch stärker geworden. Am schönsten sind die Momente, wo sich Kopf und Seele am selben Ort treffen und sich einig sind. Dann wird es ganz ruhig in mir drin, ich fühle eine ungeheure Kraft und Zuversicht.

Ich sammle zurzeit nicht so viel Zitate, sondern eher schöne Bilder fürs Gemüt. Und positive Antworten auf die Fragen, die das Leben neu grad so stellt.