Montag, 23. Januar 2023

Literaturkalender - Fehlkauf mit Happy End

Noch im alten Jahr stöberte ich mich durch die lokale Papeterie und stiess auf einen Literaturkalender. Ein tolles Cover, wunderschöne Musterbilder auf der Rückseite, 52 Seiten, für jede Woche eine. Ich kaufte ihn und freute mich aufs Auspacken und Aufhängen. Beim ersten Durchblättern dann die Ernüchterung: Bis auf zwei Volksweisheiten war jedes einzelne Zitat von einem Mann. Die eine Hälfte völlig ausgelutscht, weil schon umpfzig Mal gelesen, die andere Hälfte steifer als ein Brett. Bis auf extrem wenige Ausnahmen nichts , das das Herz berührte, nichts, das inspirierte, nichts, über das ich mich freuen könnte, wenn es an der Wand hing.

Ich setzte mich hin und schrieb einen Brief an den Verlag. Wie enttäuscht ich sei und wie man es im Jahr 2022 schaffen könne, einen Literaturkalender mit Zitaten nur von Männern herauszugeben. Die Antwort kam keine zwei Stunden später, aus Unachtsamkeit so verfasst, dass ich den vorherigen, internen Mailverkehr im Verlag mitlesen konnte. Ihr ahnt, was da drin stand. Am Ende bot man mir an, mir als kleine Entschädigung einen anderen Kalender zu schicken. Ich lehnte ab, weil ich von Kalendern erst einmal genug hatte. 

Der Literaturkalender lag auf dem Wohnzimmertisch. Bereit, um zum Laden zurückgebracht zu werden. Aber dann fiel mir unsere Schreibrunde ein. Seit November treffen sich schreibende Menschen in der Bibliothek Buchs/SG zum gemeinsamen Schreiben und vor allem auch zum Austausch über das Schreiben. Den Abend beginnen wir jeweils mit einem sogenannten Writing Promt, also einer kleinen Schreibaufgabe. Und wie ich so an die Schreibrunde dachte und auf den Kalender schaute, war alles klar. Wir würden unsere eigenen Zitate schreiben.

Die Aufgabe dazu:
1. Schaut euch die Kalenderbilder des Januars an.
2. Notiert zusammengesetzte Nomen, die euch zu den Bildern einfallen.
3. Teilt die Wörter in der Mitte und setzt sie neu zusammen.
4. Schreibt ein kurzes Gedicht, in dem diese Wörter vorkommen.

Herausgekommen sind wunderschöne Texte, die ich abgeschrieben und über die bestehenden Zitate geklebt habe.



Und so habe ich jetzt einen Literaturkalender mit schönen Bildern und Zitaten, die mir viel bedeuten. Herzlichen Dank an die Schreibgruppe!

PS: Im Februar klebe ich mir jede Woche ein Zitat aus dem Buch Kreativität von Melanie Raabe über die Zitate. Und das wäre dann auch gleich mein Buchtipp für Januar:

Melanie Raabe: Kreativität - Wie sie uns mutiger, glücklicher und stärker macht.



 

Donnerstag, 19. Januar 2023

Abschiedsmelancholie


Kürzlich musste ich mich von no way out verabschieden. Ohne Benachrichtigung des Verlags, der das Buch einfach aus dem Programm nahm. Ich fand selber heraus, dass es vergriffen ist. Gestern Morgen guckte ich ins Autorenportal des Verlags - und Blackout war weg. Ich wusste aus Erfahrung, dass das kein gutes Zeichen ist. Also hin zum Buchkatalog.de., der in Sachen vergriffene Bücher meine Informationsquelle geworden ist.


"Vergriffen", stand da hinter dem roten Punkt.
(Anmerkung am Rande: Man schafft es also, das Buch offiziell als vergriffen zu melden, aber man schafft es nicht, die Autorin zu benachrichtigen.)

Ich sass da und versuchte, das zu verdauen. Gerade hatte ich wieder eine Lesung abgemacht mit einer Schule, an der das Buch gelesen wird. Auf meinem YouTube Kanal guckten sich alleine in den letzten 48 Stunden rund 50 Leute den Blackout Buchtrailer und die Blackout Kurzlesung an. Und jetzt ist das Buch weg. Wieder ohne vorherige Information durch den Verlag. Mein Lager zuhause: fünf Stück. Wenn mich also Schulen anfragen, ob ich noch Exemplare habe, kann ich nicht wirklich helfen.

Zum Glück hatte ich keine Zeit, mich wirklich darüber aufzuregen, denn ich war auf dem Sprung zu einer tollen Veranstaltung (dazu mehr in einem anderen Post). Die Freude und die Begeisterung die ich daraus mitnehmen durfte, trug mich durch den Nachmittag. Am Abend schlich sich dann die Melancholie ein.

Ich muss in kurzer Zeit Abschied nehmen von zwei Büchern, die mein Autorinnenleben geprägt haben. Blackout war mein erstes Buch, es hat mich all die Jahre begleitet, ist an vielen Schweizer Oberstufen zu einer ziemlich verankerten Klassenlektüre geworden. Das Buch hat mich zur Autorin gemacht, ich verdanke ihm unzählige Lesungen, auch heute noch. Mit seinem Verschwinden verschwindet ein Stückweit auch etwas von mir. no way out war mein zehntes Buch, das Buch, nach dem ich dachte, ich könnte jetzt eigentlich aufhören zu schreiben, weil alles gesagt ist, was ich sagen wollte. Es war mir unendlich wichtig und es war mir eine tiefe Freude, als es den Preis als bester deutschsprachiger Jugendkrimi bekam.

Heute Morgen habe ich entschieden, dass ich diesen Abschied für mich würdig feiern möchte. Den Büchern noch einmal zuwinken. Ihnen sagen, wie viel sie mir bedeuten. Ihren wunderbaren Protas danken, dass sie mich gefunden haben. Mich vor den Leserinnen und Lesern verneigen, die die Geschichten gelesen haben. Für alle Feedbacks danken. Wissen, dass diese Bücher nicht nur mir etwas bedeuten. Mich an all die Jugendlichen erinnern, die mir gesagt haben, wie gerne sie das Buch gelesen haben. Ich wusste noch nicht, wie ich das anstellen sollte. Entstanden ist dieser Post (ein Glas Wein an einem Donnerstagmorgen fand ich dann doch etwas zu viel). Es bleibt die Melancholie.