Donnerstag, 17. Oktober 2019

Alice doesn't live here any more

Stimmt zwar nicht ganz, ist mir aber spontan bei der neusten Benachrichtigung des Thienemann-Verlags in den Sinn gekommen. "Freerunning" ist auch vergriffen. 7 Titel in einem Jahr aus dem Programm, noch 4 von 15 Titeln auf der Backlist des Verlags. Ich weiss, dass wohl in Kürze auch drei weitere das Haus verlassen. Womit ich tatsächlich keine Chance mehr habe, im Self Publishing kurzfristig selber eine einigermassen vollständige Backlist zu schaffen.

Noch vor einem Jahr hätte mich das gefrustet oder in blinden Arbeitseifer versetzt. Heute sehe ich das gelassen. Es ist, wie es ist. Draussen leuchtet der Herbst in seinen schönsten Farben. Gleich werde ich meine Tochter treffen. Ich habe in Tom Zai und Stephan Sigg zwei tolle Buchbandkollegen. Ich darf mit grossartigen AutorInnen arbeiten. Ich habe eine wunderbare Familie. Und heute haben mir zwei sehr liebe Menschen, die wissen, dass ich gerne Trockenmauern selber bauen würde, ganz viele Infos dazu geschickt. Besser aufgehoben als ich kann man nicht sein.

Mein Fazit: Die Geschichten, die ich geschrieben habe, kann mir niemand nehmen. Man kann sie einfach bald (für eine Weile) nicht mehr kaufen.

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Wenn dir als Autorin die Backlist implodiert

Zum Glück streiche ich immer noch Wände - das beruhigt und erdigt nämlich ungemein. Also bleibe ich cool, auch wenn gerade meine Backlist beim Thienemann-Verlag implodiert. Sechs meiner Jugendbuch-Titel wurden seit dem Frühjahr 2019 eingestellt.

Frühjahr: alle vier Lost Souls Titel
Sommer: Das Projekt
Herbst: dead.end.com

seit Frühjahr 2019 nach und nach aus dem Verlagsprogramm verschwunden


Machen wir doch mal ein bisschen was in Sachen Statistik:
  • 20 Bücher geschrieben, erschienen zwischen 2007 und 2019.
  • 15 davon Jugendbücher im Thienemann-Verlag.
  • 4 davon Jugendbücher in anderen Verlagen.
  • 1 Kinderbuch bei arsEdition.
  • Von den 15 Thienemann-Titeln sind 10 vergriffen/verramscht => Es bleiben (im Augenblick noch) fünf im Programm.
  • Das Kinderbuch ist vergriffen.
Bilanz:
  • 11 von 20 Büchern sind schon wieder aus den Backlisten der Verlage raus. Und das innerhalb von 12 Jahren.
Die gute Nachricht:
  • Dank Self Publishing sind 4 der vergriffenen Titel wieder lieferbar. 
  • Auf 2020 ist ein Relaunch der Lost Souls Serie geplant (im Self Publishing)
  • Ich arbeite auch an den anderen Titeln. Leider fliegt mir die Backliste im Augenblick viel zu schnell um die Ohren; ich schaffe es nicht, alle Titel kurzfristig wieder lieferbar zu machen.
Das Unwitzige an der Sache:
  • AutorInnen machen Lesungen. Ich bin in der glücklichen Lage, trotz akutem Bücherschwund immer noch genügend Bücher im Gepäck zu haben, aber ich kenne AutorInnen, denen die Backliste so schnell zusammengekracht ist, dass sie den Kindern / Jugendlichen, die das Buch nach der Lesung kaufen wollten, sagen mussten: "Sorry, geht leider nicht mehr."
Die Pointe:
  • Es gibt nicht wirklich eine. Bücher, die aus Backlisten verschwinden, sind Realität. Wenn ein Autor / eine Autorin Pech hat, ist das Buch weniger lang auf dem Markt als das Schreiben gedauert hat. 
Der Vorsatz:
  • Ich bin ja auch Mitverlegerin beim da bux Verlag. Eines unserer unverrückbaren Ziele: ALLE Bücher in der Backlist zu behalten.  Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen werden.
Wichtige Information:
  • Ich habe von den meisten Büchern einen kleinen bis mittelgrossen Notvorrat. Wer also dringend ein Exemplar möchte, kann mich kontaktieren. Es hat, solange es hat.

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Vom Wändestreichen und verlorenen Seelen

Ich streiche - mal wieder - Wände. Und weil a) Kata das in Band 2 der Lost Souls auch tut und b) ich an Band 5 der Lost Souls schreibe, darf "Black Rain" mit aufs Bild. Der Text zum Bild:
"Wann hast du das Grundstück zum letzten Mal verlassen?", fragte Ronan.
Kata legte den Pinsel weg. "Ich weiss es nicht, aber du wirst es mir bestimmt gleich sagen."
"Zwei Wochen." Ronan strich bedächtig und konzentriert weiter. "Du bist zu jung, um dich einzuigeln."
"Ich war in London. Ich habe ein Konzert besucht und mich mit Menschen getroffen. Schon vergessen?"
"Nein."
"Aber?"
"Die Einsamkeit tut dir nicht gut."
"Sie ist alles, was ich will und brauche."
"Die Einsamkeit?" Ronan trat einen Schritt zurück und betrachtete sein Werk. "Das hier ist das letzte Zimmer. Schon mal überlegt, was du danach tun willst?"

Samstag, 5. Oktober 2019

Start in den Lesungsherbst

Mit dem Einzug vom Herbst hat auch die Lesesaison wieder angefangen. Den Lesungsstart nach der Sommerpause feierte ich am 27. September in Steinhausen.

Alles an diesen beiden ersten Lesungen war perfekt: Die Kontaktaufnahme, der Austausch per Mail, das unkomplizierte Festlegen des Datums und der Lesungszeiten, das Abholen am Bahnhof, der Büchertisch, die Vorbereitung der Jugendlichen, die tolle Stimmung während der Lesungen, die Betreuung während des Lesungstages. Im Dezember darf ich für drei weitere Lesungen nach Steinhausen. Ich freue mich jetzt schon darauf.

Büchertisch bei der Lesung in Steinhausen

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Montag, 30. September 2019

Rückblick September

Am 4. September durfte ich die erste Hälfte des Workshops "EASY" halten. Acht engagierte Lehrpersonen und ich haben Klassenlektüren angeschaut und darüber gesprochen, warum wir sie ausgewählt haben, wie wir mit den Texten gearbeitet haben und wie man auch noch arbeiten könnte damit.

Am 11. September ist Edition 4 von da Buchs offiziell erschienen. Dazu gehören auch meine beiden "Krawallnacht"-Bücher. Wir haben in der Bibliothek Gossau/SG gefeiert. Danach fuhr ich mit Herrn Ehemann in eine Auszeit.

Am 19. September war es mir eine Ehre, die Vernissagen-Rede für die Ausstellung der jungen Generation G in Grabs zu halten. Es war meine erste Rede, und ich war entsprechend nervös.

In der gleichen Woche, am 21. September durfte ich den Anlass "Rock the Lok" der Musikschule Werdenberg moderieren. Auch das eine Premiere für mich.

Bei beiden Anlässen, dem vom 19. und dem vom 21. September, haben mich die Kreativität und die Qualität der Arbeiten / Darbietungen der jungen Leute tief beeindruckt und berührt.

Am 23. September traf sich der Vorstand von Autillus zu einer Sitzung in Zürich. Wir haben weitreichende Entscheide getroffen und Weichen gestellt.

Am 25. September war ich an der Jahrestagung des SIKJM zum Thema "Easy Reader." Dort habe ich mir eine tiefe Traurigkeit eingefangen, die ich zum Glück wieder losgeworden bin. Meine persönlichen Konsequenzen habe ich noch am gleichen Tag getroffen und schon umgesetzt.

Am 26. September traf ich mich mit Bettina Kugler vom St. Galler Tagblatt zu einem Interview. Es wurde dann weit mehr als ein Interview, weil wir beide innerhalb weniger Wochen ähnliche persönliche Erlebnisse zu verarbeiten hatten. Das und die Traurigkeit, die auch am Donnerstag in mir nistete, hat zu Antworten geführt, von denen ich noch nicht weiss, ob sie auch wirklich die klügsten und treffendsten waren.

Der 27. September war ein voller Tag: Am Morgen und Nachmittag die ersten Lesungen nach der Sommerpause. Ich habe sie sehr genossen! Danach fuhr ich nach Zürich, weil ich zur Werkbeitragsfeier von Pro Helvetia eingeladen war. Bevor ich mich jedoch mit allen spannenden Menschen traf, stolperte ich mitten in eine Klimademo und lief ein Stück weit mit.

Über das Wochenende habe ich mich in die Berge zurückgezogen. Das hat gut getan. Ich bin geerdet zurückgekehrt. Leider erreichte mich dann heute Morgen eine Mail, die mich bestürzt hat, mir aber auch klar gemacht hat, wie sehr man jemanden verletzen kann, ohne es zu wollen.

In diesem Sinne: Fragt euch in einer ruhigen Minute, welche Auswirkungen eurer Tun oder eure Worte haben und tragt euch und euren Mitmenschen Sorge.

Sonntag, 29. September 2019

Der Platz, an dem die Welt mich nicht kriegt

Die Rezi zu Sunil Manns "Totsch" kommt zum passendsten Augenblick. Ich habe nämlich das ganze Wochenende an das Buch gedacht. Vor allem an eine meiner Lieblingsszenen: Die Stelle, wo Olaf seinen geheimen Ort beschreibt, an den er sich zurückzieht, wenn ihm alles zu viel wird und er sich von den Demütigen erholt. Er beschreibt es so: "Der einzige Platz, an dem die Welt mich nicht kriegt."

Ich habe auch so einen Ort. Den habe ich dieses Wochenende gebraucht wie schon lange nicht mehr, denn ich bekam diese Traurigkeit, die mich seit letztem Mittwoch begleitete, einfach nicht aus mir raus. Ich konnte sie kurzfristig verdrängen bei einem Interview am Donnerstag über unseren da bux Verlag und am Freitag bei meinen ersten Lesungen nach der Sommerpause, bei der Klimademo in Zürich, in die ich zufällig geriet und gleich ein Stück weit mitlief, und bei der Werkbeitragfeier von Pro Helvetia. Aber trotz all dieser wunderbaren Anlässe schlich sich die vermaledeite Traurigkeit am Abend wieder an mich ran und breitete sich wie Novembernebel in mir aus.

Erst an meinem Platz, an dem die Welt mich nicht kriegt, hat sie sich verzogen.
Hier ist er.

Donnerstag, 26. September 2019

Kevin and me

Ich war an einer Jahrestagung, die mich zutiefst traurig gemacht hat und aus der ich persönlich heftige Konsequenzen gezogen habe und immer noch ziehe (bin trotzdem immer noch traurig).

ABER der Tag hatte auch zwei wunderbare Lichtblicke:

1. Meinen Kollegen Stephan Sigg, der unseren da bux Verlag hochprofessionell und vor allem SEHR sympathisch (re)präsentiert hat.

2. Das Treffen mit meinem Lieblingsautor Kevin Brooks (danke, Stephan, für das schöne Bild).

Dienstag, 24. September 2019

Glücksmomente

Vor einer Viertelstunde habe ich mit einer extrem netten Bibliothekarin über einen ganz speziellen Anlass im nächsten April gesprochen, zu dem ich eingeladen bin. So was ist kaum zu toppen.

Aber ein Sahnehäubchen obendrauf gab's dann doch noch. In Form einer Mail, die die nächste Lesetour durch den Kanton Graubünden bestätigt - samt Link auf das Hotel, in dem ich im Engadin schlafen werde. Boah!!!

Das sind so die perfekten Augenblicke in meinem Berufsleben.

PS: Wenn mich das Wetter nicht stoppt, werde ich genau hierhin wandern während meiner Lesetour:

Sonntag, 22. September 2019

#systemchange

Ich weiss, dass es nicht wenige Menschen gibt, die bei diesem Wort sofort in Abwehrstellung gehen. Für die ist schon die Forderung nach #climatechange eine Zumutung. Aber gleich das System!!! Man kann doch nicht ändern, was man hat. Könnte ja schaden. Sogar gefährlich werden. Denkt nur an die Wirtschaft, die Arbeitsplätze. Und sowieso: Immer diese linken Gutmenschen mit ihren Ideen. Als ob es uns in diesem neoliberalen Turbokapitalismus allen gut ginge.

Ich habe es aufgegeben, an eine von der Politik und Wirtschaft eingeleitete Änderung zu hoffen. Wir müssen unten anfangen. Mit uns. Sozusagen mit einem #humanchange. Bewusster Leben. Rücksicht nehmen auf andere und die Natur. Nicht alles haben wollen, dafür mehr bei uns selber sein. Einstehen für das, woran wir glauben, wovon wir träumen.

Als die Menschen letzten Freitag weltweit für das Klima auf die Strasse gingen, war ich im Haus in den Bergen. Aber in Gedanken war ich den ganzen Tag bei den Menschen, die die Strassen der Städte und Dörfer dieser Welt füllten. Und ich füllte für mich meine ganz persönliche Charta aus: Eine Liste voller Möglichkeiten, mehr für die Umwelt und ein besseres Klima zu tun.

Dass wir etwas tun müssen, steht für mich ausser Frage. Uns fallen die Berge auf den Kopf, weil der Permafrost schmilzt und das Gestein nicht mehr zusammenhält. Ganz konkret ist diesen Sommer eine SAC-Hütte ganz in der Nähe unseres Hauses in den Bergen nicht zugänglich, weil ein Steinschlag sie zerstört hat. Meine beiden Brüder, beides begeisterte Alpinisten, erzählen mir von weggerutschten Bergflanken, unterbrochenen und nicht mehr begehbaren Routen; auf den höheren Bergen bilden sich Gletscherseen, wo es noch nie welche gab. Bergbäche werden zu reissenden Flüssen, Schlammlawinen wälzen sich talabwärts. Flüsse treten über die Ufer.

Wir könnten auch über die vielen Vogel- und Insektenarten reden, die still und leise verschwinden. Über schrumpfende Lebensräume von Tieren. Über die neue Art von Naturabenteurern, denen es nicht wirklich um die Natur geht, sondern nur darum, der Erste oder die Erste zu sein, die Spuren in den Schnee ziehen. Egal, ob das in Lawinenhängen ist oder in Schutzräumen für Tiere. Oder jene neue Art von Berggängern, die sackteuer ausgerüstet ins Gebirge zieht und dann den Abfall dort oben liegen lässt.

Bevor ich mich hier in Rage schreibe, zurück zum #sytemchange. Er muss kommen. Wir dürfen nicht darauf warten, bis ihn uns jemand befiehlt oder das Klima ihn uns in aller Härte aufdrückt. Also fangen wir an. Bei uns. Im Privaten. Ein #humanchange eben. Und weil ich doch immer noch auf die Politik hoffen will, werde ich nächsten Monat zum ersten Mal nicht die SP wählen (sorry), sondern die Grünen.

Donnerstag, 19. September 2019

Mittwoch, 18. September 2019

Erkenntnis

Nach der da bux Verlagsparty zum Start von Edition 4 haben Herr Ehemann und ich eine Auszeit genommen. Wir sind durch die Hügellandschaft des Piemonts gewandert (samt dem obligatorischen Verirren trotz Wanderkarte), haben das süsse Nichtstun in herrlicher Umgebung genossen, abends gut gegessen, der Sonne beim Untergehen zugeschaut und das warme Licht in uns aufgesogen. Schön war's. Richtig schön.

Auf dem Weg nach Hause beschlossen wir, am San Bernardino für einmal nicht durch den Tunnel zu fahren, sondern über den Pass. Und dort oben traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz. DAS ist die Landschaft, die mein Herz und meine Seele tief berührt. Das Piemont ist schön. Aber hingehören tue ich in diese wildschöne Kargheit. Entweder bei uns auf über 2000 Metern über Meer - oder in Schottland.

Dienstag, 10. September 2019

Krawallnacht - ein Projekt - zwei Bücher

Die letzten paar Monate wurde es kompliziert bei der Frage: "Wie viele Bücher haben Sie schon geschrieben?" Ich hätte zu viel verraten, wenn ich die Zahl genannt hätte.

Und dann gab es noch die Frage: "Woran schreiben Sie gerade?" Da konnte ich mich mit der Antwort "an einem neuen Jugendbuchprojekt" rausmogeln.

Nun kann ich beide Fragen beantworten:

Krawallnacht ist ein Projekt mit zwei Büchern zu einem Ereignis, einmal erzählt von Alina und einmal erzählt von Kilian. Beide fühlen sich in ihrer Familie nicht mehr gut aufgehoben, beide kämpfen mit Problemen in der Schule. Und beide kennen Linus - das verbindende Glied in dieser Geschichte.

Ein Samstag im Frühling führt die drei zusammen. Sie geraten mitten in gewalttätige Ausschreitungen rund um ein Fussballspiel, werden hineingerissen in einen Strudel aus Gewalt und müssen sich entscheiden: wegsehen oder hinsehen, sich der Gewalt entgegenstellen oder vor ihr fliehen. Sie müssen Verantwortung übernehmen. Für sich, für die anderen. Und sie müssen mit den zum Teil sehr bitteren Konsequenzen klarkommen und leben.

Als es darum ging, für die Rückseite des Buches ein Kurzportrait von mir zu schreiben, war mir sehr klar, was darin stehen sollte: Alice Gabathuler mag keine Gewalt. Aber sie schreibt darüber. Am liebsten hautnah und direkt. Weil sie sich fragt, was Gewalt aus und mit uns Menschen macht. Und was wir ihr entgegensetzen können.

Erscheinen werden die beiden Krawallnacht-Bücher in den nächsten Tagen beim da bux Verlag. Sie sind beide 60 Seiten kurz, leicht lesbar, aber nicht leicht verdaubar. Bestellen kann man sie direkt beim Verlag, im Buchhandel, online oder bei mir.

Zur Eingangsfrage: Es sind - mit diesen beiden Büchern - genau 20. Ein kleines Jubiläum also :-) 

In den nächsten paar Tagen und Wochen werde ich euch Einblicke hinter die Kulissen geben, also sozusagen ein Making-off. Also: Stay tuned!


Sonntag, 8. September 2019

Wo man nicht zwischen den Zeilen lesen kann

Wie haut man ab, ohne dass die Eltern in voller Panik die Polizei alarmieren? Leon aus "Ich, Onkel Mike und Plan A" denkt sehr lange über diese Frage nach. Einfach einen Zettel hinlegen - geht gar nicht. Denn schreibt man "Ich bin dann mal fünf Wochen weg, macht euch keine Sorgen", lesen die Eltern gaaaaanz viel zwischen den Zeilen ... und machen sich grosse Sorgen. Also entscheidet er sich für eine Videobotschaft, in der alles klar ist. Weil man in einer Videobotschaft nicht zwischen den Zeilen lesen kann.

Emil, der Sohn meiner wunderbaren Autorenkollegin Jutta Wilke, war damals, als das Buch zum ersten Mal erschien, genau so als wie Leon. Ich habe ihm den Text von Leons Botschaft gegeben und ihn dann einfach machen lassen. Hier das Resultat in voller Länge (für den Trailer mussten wir leider kürzen)

Montag, 19. August 2019

Niatig wia d'Höll

Der Rest dieses Blogposts folgt in Schweizerdeutsch. Muss sein. Geht nicht anders.

A paar Wort Klarteggscht: I bii linggs unn nätt. Das macht mi no lang nid zumana Wurm oder zunara Maada. Unn scho gär nid macht mi das zu ötschwemm, wo'd Schwizz kabut macha will. D'Schwizz machen genau dia kabut, wo nu ai ainzigi Mainig gälta lunn - iiri. D'Schwizz machen dia kabut, wo uuni Aschtann und Reschpeggt uf primitivschti Art uf alna umatramplen, wo andersch tenggen odr usgsean. Nu am Fall. Gopf. Nomoola. Unn jo, wänner's wüssa wenn: I bi gad niatig wia d'Höll. O wäni suss würggli nätt bi.

Donnerstag, 15. August 2019

Dienstag, 13. August 2019

Wo die Freiheit wächst

Es war ziemlich am Anfang meines Lebens als Autorin. Da erschien von einem Frank Maria Reifenberg ein Buch im selben Verlag, bei dem ich untergekommen war. Landeplatz der Engel hiess es. Ich mochte den Titel, ich mochte die Inhaltsangabe, also kaufte und las ich es. Landeplatz der Engel gehört bis heute zu meinen Lieblingsbüchern, und ich habe damals nicht verstanden, weshalb es nicht für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert war (ich verstehe es übrigens heute noch nicht). Mir war klar: Diesen Autor will ich kennenlernen. Unbedingt. Wir trafen uns in Zürich und mochten uns auf Anhieb. Im Laufe der Jahre haben wir uns oft übers Schreiben und unseren Beruf unterhalten, darüber, was uns dabei wichtig ist.

Sehr wichtig war Frank die letzten paar Jahre sein neues Jugendbuch. So wichtig, dass er sich dafür viel Zeit genommen und auch gelassen hat. Drei Jahre lang hat er recherchiert und geschrieben. Über Jugendliche im Zweiten Weltkrieg, über Widerstand und Zivilcourage in Zeiten, in denen beides tödlich sein konnte. Das hätte er reisserisch tun können, auf Drama und Effekt bedacht. Mit strahlenden Helden und Heldinnen, mit Pathos. Mit versteckt wedelndem Zeigefinger. Hätte. Hat Frank aber nicht. Er hat sich für einen Briefroman mit sehr menschlichen Figuren in all ihren Stärken und Schwächen entschieden. Titel: Wo die Freiheit wächst - ein Briefroman zum Widerstand der Edelweisspiraten.


Inhalt:
Köln, 1942. Lene Meister ist 16 Jahre alt und Auszubildende in einem Frisörsalon, doch der Zweite Weltkrieg raubt ihr viel von dem, was sich ein Mädchen in ihrem Alter erträumt. Ihre Heimatstadt wird seit einem Jahr regelmäßig von Bombenangriffen erschüttert. Lene lässt sich aber nicht unterkriegen und versucht tapfer, die Familie zusammenzuhalten. Mit jeder neuen Todesnachricht von der Front und mit dem allmählichen Verschwinden ihrer jüdischen Freunde und Bekanntschaften beginnt sie an den Worten des Führers und insgesamt am NS-Regime zu zweifeln.
In dieser Zeit zwischen Furcht, Verzweiflung und Hoffnung lernt sie Erich kennen und verliebt sich. Bald entdeckt Lene, dass Erich ein gefährliches Spiel spielt. Er gehört zu den Jugendlichen, die nicht in Reih und Glied marschieren wollen: zu den Edelweißpiraten. Diese Jugendgruppen interessieren sich nicht für die Tätigkeiten der Hitlerjugend oder des BDM. Sie tragen keine Uniformen und singen ihre eigenen Lieder. Sie beschmieren die Wände mit Anti-Nazi-Parolen und teilen regimekritische Flugblätter aus. Und das alles ist der Gestapo ein großer Dorn im Auge.
Schreibende in Wo die Freiheit wächst sind Lene, ihre Freundin Rosemarie, ihre Brüder Franz und Kalli und Erich, der Edelweisspirat. Weil man während dieser Zeit stets damit rechnen musste, dass die Briefe geöffnet und gelesen wurden, lebte man extrem gefährlich, wenn man sein Herz und seine Seele auf der Zunge trug, respektive durch seine Schreibfeder - oder im Fall von Lene durch ihre Schreibmaschine - fliessen liess, mehr noch: Man brachte auch die Empfänger in Gefahr.

So geht es auch Lene. Schon einer der ersten Briefe, in denen sie kritische Gedanken äussert, hat Konsequenzen für Rosemarie. Und doch müssen Lenes Gefühle raus. Sie sucht und findet Möglichkeiten, ihre Briefe zu verschicken, ohne dass sie von anderen gelesen werden können, aber ganz sicher sind auch diese Wege nicht. Als es nicht mehr nur bei kritischen Gedanken bleibt, als Lene sich den Edelweisspiraten anschliesst und sich an ihren Aktionen beteiligt, steigt das Risiko aufzufliegen und andere mit sich zu reissen.

Mich beeindruckt Lene, die nicht wegsehen kann und je länger je mehr auch nicht mehr wegsehen will. Die es ungerecht findet, wie ihre jüdischen Mitmenschen behandelt werden. Die sich überlegt, warum Menschen in einen Zug einsteigen und ihre Koffer danach auf dem Bahnsteig stehen. Die diese Gedanken zu Ende denkt und die entsetzliche Schlussfolgerung daraus nicht einfach hinnehmen will. Die inmitten des zerbombten Kölns Briefe ihres Bruders von der Front liest und die Sinnfrage immer lauter und drängender stellt. Die erlebt, was es bedeutet, diese Sinnfrage offen zu stellen.

Gerade weil das Buch auf alles Reisserische verzichtet und das alltägliche Leben im und mit dem Krieg aus nächster Nähe aufzeigt, findet man darin nachvollziehbare Antworten auf die Frage: "Was hättest du getan?" Aus der zeitlichen Distanz und dem Wissen, das wir heute haben, ist es ja einfach zu behaupten, man hätte sich unter allen Umständen aufgelehnt. Erlebt man aber durch die Augen der briefeschreibenden Jugendlichen mit, wie dicht das Kontrollsystem gewebt war, wie brutal die Konsequenzen für jene waren, die es wagten, sich zu widersetzen, wie schwierig es war, unter vielen, die nichts wissen und sagen wollten, etwas zu verändern, wie stark die Menschen mit dem eigenen Überleben beschäftigt waren, was der Kriegsalltag mit den Menschen gemacht hat, dann ist die Antwort - wenn man ganz ehrlich mit sich selber ist - gar nicht mehr so einfach. Und dennoch wünscht man sich, man hätte zu jenen gehört, die es wie Lene und die Edelweisspiraten gewagt haben, sich aufzulehnen.

Das Buch gibt einem aber auch die Chance, sich zu fragen: Was tue ich heute? Gegen Rassismus, gegen Ausgrenzung, gegen Hetze, gegen den Klimawandel, gegen all das, was ich als ungerecht empfinde? Nehme ich es resigniert hin? Mache ich die Faust im Sack? Ersticke ich an meiner Wut? Oder tue ich etwas? Und wenn ja, was? Begnüge ich mich mit einem gefahrlosen "Like" im Internet? Oder wage ich mich auf die Strasse? Bin ich bereit, mein Leben umzustellen, meinen Mitmenschen und der Umwelt zuliebe? Was will ich meinen Kindern einmal sagen können, wenn sie fragen: "Was hast du getan?"

Man merkt dem Buch seine lange Reifezeit an. Es ist sehr sorgfältig geschrieben, die Briefe treffen den Ton, da ist nichts geschludert oder unbedacht hingeworfen. Um es etwas theoretisch zu beschreiben: Form und Inhalt sind aus einem Guss. Zudem wird die Geschichte durch längere einordnende Nachworte in den zeitlichen Kontext gebettet. Das macht das Buch - unter vielem anderen - auch zur idealen Schullektüre. Und zu einem Kandidaten für den deutschen Jugendliteraturpreis. Wenn ich es auf der Nominationsliste nicht finden würde, würde ich die (Literatur)Welt dann defintiv nicht mehr verstehen.

Sonntag, 4. August 2019

Durchatmen, Kopf lüften, sein.

Zu Fuss. Im Toggenburg. Stein (Au) - Oberchäseren - Hintere Höhi - Stein (Au). Den Augenblick leben.




Freitag, 2. August 2019

Es geht los - Leserunde zu "Ich, Onkel Mike und Plan A"

Die Leserunde zu "Ich, Onkel Mike und Plan A" ist eröffnet.Sie findet auf der Bücherplattform Lovelybooks.de statt. Wer mitmachen möchte, kann sich ab sofort HIER bewerben. Wie man mitmacht, erfahrt ihr gleich nach dem Bild.


 Wie funktioniert so eine Leserunde?

Ausschreibung und Bewerbungsphase:
Leserunden auf Lovelybooks werden erst einmal auf der Plattform ausgeschrieben. Sie beginnen mit einer Bewerbungsfrist, in der man sich um ein kostenloses Exemplar bewerben kann. Dabei muss man eine Frage beantworten. Wichtig ist, dass man sich für das Buch interessiert, das man gewinnen möchte, denn wer ein Buch gewinnt, verpflichtet sich, aktiv an der Leserunde teilzunehmen und das Buch zu rezensieren. Da macht es keinen Sinn, sich für ein witzig-abenteuerliches Kinderbuch zu bewerben, wenn man sonst eher zu Vampir-Romanen mit schrägem Sex oder romantischen Krimis mit feinen Essrezepten tendiert. Wichtig: Um an der Leserunde teilnehmen zu können, muss man Mitglied bei Lovelybooks.de sein (Registrieren ist einfach).

Auslosung:
Nach Ablauf der Bewerbungsfrist werden die 10 GewinnerInnen des Buches ausgelost und bekommen ihr Leseexeplar zugeschickt. An der Leserunde teilnehmen kann man aber auch, wenn das Losglück einen überhüpft hat; dann muss man sich das Buch selber organisieren (kaufen, ausleihen).

Lesen und kommentieren:
Sobald man das Buch bekommen hat, kann man mit dem Lesen beginnen und in verschiedenen Rubriken aktiv teilnehmen und kommentieren. Ich habe mich entschieden - nebst den üblichen Feedback-Rubriken zu einzelnen Teilen der Geschichte - eine Plauder- und Diskussionsecke zu führen, und in der Rubrikt "Aus der Schreibstube" gebe ich Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Buches. Ich werde also aktiv an der Leserunde teilnehmen und freue mich auf den Austausch mit den LeserInnen.

Rezensionen:
Wer ein Buch gewinnt, verpflichtet sich, eine Rezension zu schreiben. GANZ WICHTIG: Diese Rezensionen sollen und dürfen keine Gefälligkeitsrezensionen sein, sondern drücken die ehrliche Meinung aus. Wem das Buch gefällt, der darf es loben, wem es nicht gefällt, der darf das offen kundtun. Was erwartet wird: Dass diese Rezensionen zumindest auf Lovelybooks veröffentlicht werden, sie dürfen gerne auch auf andere Online-Plattformen aufgeschaltet werden.

Was hat der Leser / die Leserin von dieser Leserunde:
Man bekommt mit etwas Glück das Buch geschenkt, das man lesen möchte, kann sich mit anderen Lesenden über die Geschichte austauschen, und weil die Leserunde von der Autorin begleitet wird, kann man jederzeit Fragen stellen und bekommt Hintergrundinfos über das Entstehen der Geschichte und das Schreiben generell.

Was hat die Autorin (also ich) von der Leserunde:
Ich kann mein Buch auf einer Buchplattform vorstellen, wodurch es sichtbar(er) wird und neue LeserInnen finden kann; dank des Austauschs bin ich im Kontakt mit meinen LeserInnen, und am Ende hat das Buch ein paar Rezensionen mehr, was ihm mehr Gewicht verleiht.

Was erwarte ich von dieser Leserunde:
Ich gehe in diese Leserunde nicht so offen wie in die Blogtour, denn meine erste Erfahrung mit einer Leserunde war nicht nur positiv (weshalb ich jetzt ganz lange keine mehr gemacht habe). Das hatte verschiedene Gründe: Es gab recht viele Anmeldungen, aber am Ball blieben dann nur jene, die das Buch gewonnen hatten und davon hat ein grosser Teil nicht wirklich an der Leserunde teilgenommen. Ein paar banale Sätze zum Inhalt, wobei einige die Namen und / oder die Handlung durcheinanderbrachten, dafür gab es genau von solchen Leuten dann Rückmeldungen wie "da hätte man mehr draus machen können", und in der Rubrik "Fragen an die Autorin" blieb es sehr ruhig. Ich hatte mehr als einmal das ungute Gefühl, dass es Leute gibt, die einfach Gratisbücher abstauben wollen. Deshalb habe ich bei dieser Ausschreibung der Leserunde deutlich erwähnt, dass sich nur LeserInnen bewerben sollten, die wirklich an der Geschichte und einem Austausch interessiert sind. Ich lasse mich überraschen. Vielleicht lebt diese Leserunde mehr als meine erste. Ich bin jedenfalls gespannt und freue mich auf diesen neuen Versuch.

Mittwoch, 31. Juli 2019

Ein Rückblick auf die "Ich, Onkel Mike und Plan A" Blogtour

Anfang Juli gingen Leon und Onkel Mike auf Blogtour, als Tourorganisator amtete Joisa Jourdan. Es war nicht nur für Leon und Onkel Mike die erste Blogtour, es war auch meine erste.


Mein Fazit dieser Tour: Ich bin begeistert und beeindruckt. Hier die Gründe:

Ich war bei wunderbaren BloggerInnen zu Gast, die das Buch nicht nur lasen und rezensierten, sondern sich auch zu einem spezifischen Thema Gedanken machten.

Jede(r) von ihnen hat sich für das Bild zur Tour etwas Besonderes einfallen lassen. Guckt mal:

 Josia Jourdan

 Zeilenfluch
 Perolicious


Lesemagier

Diese Bilder fanden auch Eingang in andere Social Media Kanäle.
Damit bekam das Buch eine breite Plattform. BoD, der Verlag, bei dem ich das Buch herausgegeben habe, sprang auf den Zug auf und teilte die Bilder in seinen Storys; ich wiederum konnte die Posts und Storys ebenfalls teilen und das Buch und die Geschichte in immer wieder anderem Licht zeigen.

Rezensionen für die Bücher-Plattformen.
Die an der Tour beteiligten BloggerInnen stellten ihre Rezensionen nicht nur in Blogs online, sondern auch auf Bücherplattformen.

Ich habe neue BuchbloggerInnen kennengelernt. 
Die Links zu ihren Bücherblogs findet ihr neu in meiner Blogroll.

Lust und Mut auf weitere Online-Abenteuer.
Diese Aktion hat Lust und Mut auf weitere Online-Abenteuer gemacht. Im August startet deshalb eine Lesetour auf Lovelybooks, für die ihr euch schon bald bewerben könnt. Ich bin gespannt und freue mich darauf. Details folgen schon bald in einem neuen Post. Also: Stay tuned.

Leon, Onkel Mike und ich danken Josia, Zeilenfluch, Perolicious und dem Lesemagier ganz herzlich für ihre Gastfreundschaft.

PS: Nach der letzten Blogstation wurden die Sieger des mit der Tour verbundenen Gewinnspiels ausgelost. Herzliche Gratulation den zukünftigen Besitzern des Buches.


Montag, 29. Juli 2019

E-Mail für dich (3)

E-Mail für dich ist ein offener Mailaustausch zwischen meiner Autorenkollegin und Freundin Jutta Wilke und mir. Wer mehr darüber lesen möchte, klicke bitte hier oder auf das Label "E-Mail für dich" am Ende des Posts.

Weil die Antwort auf Juttas letzte Mail sehr lang geworden ist, habe ich mir den eigentlich zentralen Punkt ihrer Nachricht an mich - das Ziel, vom Schreiben (gut) leben zu können - für eine separate Antwort aufgehoben.

Liebe Jutta

Da hast du dir einen sehr hohen und sehr schwierigen Gipfel ausgesucht. Sozusagen einen Mt. Everest der Berufswelt. Vom Schreiben leben können nämlich längst nicht alle, von den Bucheinnahmen sogar noch viel weniger. Werde ich bei Lesungen gefragt, ob ich von den Bucheinnahmen leben kann, ist die Antwort ein klares Nein. Wird die Frage anders formuliert, nämlich, ob ich vom Schreiben leben kann, ist die Antwort zu meinem Erstaunen immer noch und trotz allem ein Ja. Wie das?

Es ist, wie du in deiner letzten Mail schreibst:

Das sind die Bücher, die ich schreibe, die Lesungen, die ich  mache, die Schreibwerkstätten, die ich veranstalte. Mal sind es Jugendromane, mal kürzere Erstleser und ganz oft ist es alles auf einmal, das bewältigt werden muss.
Wer vom Schreiben leben will, hat - ausser er/sie ist BestsellerautorIn - in den meisten Fälle mehrere Standbeine:
  • Tantiemen (Einnahmen aus den Buchverkäufen)
  • Lesungen
  • Schreibwerkstätten
  • Auftragsarbeiten
  • mit etwas Glück Förderbeiträge
  • einen Teilzeit-"Brot"job
  • usw.
Die erste schlechte Nachricht: Beim eigentlich wesentlichsten Faktor in unserem Beruf, nämlich den Einnahmen aus unseren Büchern, sind wir in einer grässlichen Spirale gefangen, für die wir nichts können: Die Bücher kosten wenig, und 5 bis 10 Prozent Tantiemen auf einen (zu) billigen Verkaufspreis sind noch viel weniger. Bei Tantiemen im Cent- (und nicht im Euro-)Bereich haben wir von Anfang an schlechte Karten.

Die zweite schlechte Nachricht: Wer sich auf zu vielen Lesetouren verzettelt, dem fehlt die Ruhe und oft auch die Zeit zum Schreiben; wer einen sicheren Nebenerwerb braucht, dem fehlt sie auch. Aber genau diese Lesetouren und / oder den Nebenerwerb brauchen wir, weil wir mit unseren Bucheinnahmen alleine nirgendwohin kommen.

Die gute Nachricht: Es ist nicht unmöglich. Man KANN vom Schreiben leben, wenn man es schafft, sich verschiedene Standbeine rund ums Schreiben aufzubauen. Das Schwierige daran, ist die Balance zu finden, weil man nebst alledem auch seine eigene - unbezahlte - Sekretärin, seine PR-Verantwortliche, seine Lesetourlogistikerin usw. ist. Und obendrauf der ganz normale Alltagswahnsinn kommt mit Einkaufen, Haushalt, Kindern. Womit wir dann wieder bei deiner ersten Mail und all den Wänden sind.
 

Mein Fazit: Das mit dem Autoreneinkommen ist ein waschechter Catch 22, eine Katze, die sich in den Schwanz beisst, eine Mission NearlyImpossible. Wenn du also auf dem Weg zum Gipfel müde und erschöpft bist, gönn dir eine Pause; wenn die Strecke zu steinig wird, sei dir immer bewusst, dass du nicht an allem Schuld bist. In unserem Beruf gibt es unbeinflussbare Faktoren, die es uns ganz schön schwer machen können. Da können wir noch so sehr an einem Vorderrad kleben oder Leitern an Wände stellen - die Tantiemen bleiben, wie sie sind. 

Ich finde es verständlich, wenn man zwischendurch ans Aufgeben denkt. Ich finde es legitim, ab und zu zu hadern. Dann sollte man innehalten und den Blick schweifen lassen. Zurück auf die Strecke, die man schon geschafft hat. Hinauf zum Gipfel, den man erreichen will. Und dann weitermachen, sich nicht unter seinem Preis verkaufen, bei zu tiefen Lesungshonoraren oder zu schlechten Buchverträgen verhandeln und bessere Konditionen herausholen oder auch einfach einmal Nein sagen. Prioritäten setzen, Projekte bevorzugen, die mehr Geld bringen, merken, wo die eigenen Grenzen liegen. Und vor allem dranbleiben.

Wenn mich jemand fragt, was für ein Leben als Autorin, die von ihrem Beruf leben will, unabdingbar ist, antworte ich immer sehr prosaisch: Durchhaltewillen". Es folgen dann andere Wörter wie "dicke Haut", "Gelassenheit", "eine Portion Wagemut", "eine Portion Verrücktheit". Und ja, es braucht auch Talent, Kreativität und gutes schreibhandwerkliches Können. Aber letztere alleine genügen nicht. (Leider.) Deshalb hängt seit ein paar Jahren dieses Motivationsschild bei mir an der Wand:


Blöderweise hilft auch dieses Schild nicht immer, denn als mich vor rund zwei Jahren ein Jugendlicher bei einer Lesung - nachdem ich verraten hatte, wie viel, resp. fast gar nichts, ich mit meinem letzten Buch "Hundert Lügen" verdient habe - fragte: "Sie, warum tun Sie sich das an?", wusste ich die Antwort nicht mehr. Mir waren Sinn und Motivation abhanden gekommen.

Heute weiss ich die Antwort wieder. Ich schreibe, weil ich schreiben will. Wie ich damit auch Geld verdienen kann, ist immer und immer wieder DIE grosse Frage. Vielleicht finden wir es ja irgendwann gemeinsam heraus. Ich experimentiere da nämlich gerade heftig herum :-) Und du bist ja sowieso grad auf dem Weg zum Gipfel. Das ist ideal für einen Erfahrungsaustausch.

PS: Ist dir auch schon aufgefallen, dass es in den Social Media fast mehr Leute hat, die uns AutorInnen Ratschläge geben, wie man mit Schreiben (viel) Geld verdienen kann als AutorInnen selber?

Herzlich und mit einem motivierenden Riesenknuddel
Alice

Sonntag, 28. Juli 2019

Multifunktionales Bahnfahren

Kürzlich hat Sunil Mann auf Facebook etwas über Wanderer im Zug gepostet - und da ist mir eine Geschichte eingefallen, die ich letztes Jahr erlebt habe. Ich habe Sunil gefragt, ob ich für meinen Blogpost sein Foto benutzen darf, weil es so gut passt. Ich darf. Danke, Sunil.

Ich stieg in Chur in die Rhätische Bahn nach Ilanz um, setzte mich in ein leeres Abteil und freute mich auf die Fahrt durch die Rheinschlucht, dieses grossartige Wunder der Natur. Kurz bevor der Zug losfuhr, suchten sich sechs voll ausgerüstete Wandervögel den Weg durch den Waggon und wurden genau auf meiner Höhe fündig. Vier setzten dich auf die andere Seite des Mittelgangs, einer mir gegenüber und eine Frau neben mich. Kaum aus dem Bahnhof Chur raus, ging das grosse Auspacken los: Schreiend bunte Funktionsjacken, Funktionsleibchen und im Falle der Frau neben mir Funktionssocken wurden ausgezogen. Nur der Wandervogel mir gegenüber sass stoisch da und packte einen Panettone aus, den er auf den Sitz neben sich legte, um danach mit seinem Sackmesser immer wieder eine Scheibe davon abzuschneiden und genüsslich zu verspeisen. Es störte ihn nicht, dass der nackte Fuss der Frau nur Zentimeter von seinem Kuchen schwebte. Es störte ihn auch nicht, dass die Frau diesen Fuss minutenlang eincremte und dabei jeden Zehen ausführlich massierte.

Ich schaute gebannt zu, überlegte mir, das Abteil zu wechseln, blieb aber sitzen, weil die Show einfach zu skurril war. Der Mann mampfte, die Frau cremte irgendwann ihren zweiten Fuss, auf der anderen Seite des Ganges wurden neue Funktionsleibchen und Funktionsjacken aus den Rucksäcken gezaubert und die ausgezogenen darin verstaut. Dann musste dieses ganze bunte Funktionszeug natürlich wieder über Oberkörper gestreift werden. Der Panettone schwand, die Brösel bröselten herum, die Füsse und Zehen wurden geschmeidig, die Rucksäcke mehrmals umständlich aus- und umgepackt. Ich sass in meiner Ecke und fühlte mich wie in einem schrägen Film.

Irgendwann waren Füsse und Zehen geschmeidig genug und verschwanden in bunten Funktionssocken. Dann ging das grosse Schuhewechslen los, während der Panettonemampfer nun nicht mehr nur mampfte, sondern eine Karte aus dem Rucksack zog und so eine Art Tagesplan verkündete. Ich schloss aus den Orten, die er erwähnte, dass die lustigen Wandervögel in Ilanz aufs Postauto umsteigen mussten und fragte mich, ob der Panettone und ich bis dorthin überleben würden.

Eine Station vor Ilanz begann ich mir Sorgen um den Panettonemampfer zu machen, fing er doch tatsächlich an, sich umzuziehen - sprich, das ganze Funktionskleidungsprogramm in Angriff zu nehmen, für das seine Bergkollegen (um es nett zu formulieren) etwas lange gebraucht hatten. Und den Rest des Panettone musste er ja auch noch irgendwo versorgen, entweder in seinem Magen oder seinem Rucksack.

Meine Sorge war unberechtigt. Der gemächliche Mampfer konnte auch schnell sein. Ob er den Rest des Kuchens noch ass oder im Rucksack verpackte, weiss ich nicht mehr. Aber ich erinnere mich, glücklich im fast leeren Postauto in Richtung Vrin gesessen und die Aussicht genossen zu haben - ohne nackte Füsse, bröselnden Kuchen und diese schreiend bunte Funktionskleidung.

PS: Falls sich jemand fragt, wo wir Autoren Charakterstudien betreiben und Ideen finden ... die Bahn ist immer ein guter Ort dafür.

Donnerstag, 25. Juli 2019

Sommerblues

Sommerhitze ist für mich wie für andere Leute Novembernebel oder anhaltende Winterstürme. Meine gute Laune macht sich von dannen und nimmt dabei gleich auch Motivation und Kreativität mit. Sie verwandelt mich in ein träges, frustessendes, unerträgliches Monster. Es gibt Tage, da empfehle ich meinen Lieben, einen weiten Bogen um mich zu machen, weil ich mich selber nicht aushalte und andere mich schon gar nicht aushalten würden.

Dabei wäre der Sommer genau die Zeit, in der ich Zeit zum Schreiben hätte. Mit Betonung auf hätte. Es gab Sommer, in denen ich wochenlang in den Seilen hing und einfach nur versuchte, nicht durchzudrehen. Jeden Sommer nehme ich mir vor, mich NICHT von der Hitze unterkriegen zu lassen, jeden Sommer scheitere ich schon bei der ersten Hitzewelle daran.

Dieses Jahr habe ich die erste Welle zum Glück verpasst: Ich war im herrlich kühlen England, als bei uns die Temperaturen zum ersten Mal über 30 Grad stiegen. Die ausklingende Hitzewelle traf mich nur kurz, und während andere anschliessend über die viel zu kühlen Temperaturen klagten, fühlte ich mich rundum wohl und sprühte vor Arbeitseifer und Kreativität.

Nun rollen sie wieder, die Hitzewellen. Am Dienstag ass ich mich durch den Nachmittag, haderte mit mir, mit dem Schicksal, mit dem Leben und mit dieser vermaledeiten Hitze. Ich schrieb keine Zeile, hasste mich dafür, ass weiter und tat mir furchtbar leid.

Wenn ich eins mehr hasse als die Sommerhitze, dann ist das Selbstmitleid. Oh nein, dachte ich. Nicht schon wieder. Fertig Sommerblues! Ich erinnerte mich an das Kinderschwimmbecken auf dem Dachboden. Und dass die Luftpumpe seit Jahren defekt ist. Also ging ich am Mittwochmorgen als erstes eine Pumpe kaufen. Nach dem Mittag pumpte ich damit jede Menge Luft in das Becken, füllte es ganz langam mit Wasser (damit es schon während des Einlaufens aufwärmen konnte), zügelte mein Büro nach draussen unter den Baum, wobei ich den Bürostuhl durch einen Liegestuhl ersetzte, und ging mein Badekleid ausgraben.

Ich arbeite jetzt so: Im kühlen Wasser lesen, auf dem Liegestuhl schreiben / Mails beantworten, im kühlen Wasser lesen, auf dem Liegestuhl schreiben ... So geht es. So hielt ich sogar die Nacht aus, weil ich nicht schon tagsüber schlapp und matt herumhing. Der erste Tag verlief also vielversprechend. Mal gucken, wie es heute so geht.

Frau Katze, die sonst auf dem Schreibtisch neben mir schläft, ist übrigens mit mir umgezogen. Die Arbeitsteilung bleibt dieselbe: Sie schläft, ich arbeite. Das Foto stammt von heute Morgen. Noch liegt alles im Schatten, noch ist es kühl, noch halte ich es im Büro unterm Dach aus. Ab Mittag, wenn unterm Dach die Temperaturen auf über 30 Grad klettern, wechsle ich ins Aussenbüro.


PS: Jetzt brauche ich nur noch einen neuen Laptop. Meiner braucht nämlich rund drei Minuten zum Hochfahren und noch einmal rund drei Minuten, bis er das Wordprogramm geöffnet hat.

Dienstag, 23. Juli 2019

E-Mail für dich (2)

Wir kennen (und lieben) uns seit Jahren. Wir ticken ähnlich und doch wieder nicht. Jede von uns weiß, was die andere gerade umtreibt, weil wir uns oft in Mails und leider zu selten auch im realen Leben austauschen. Jutta Wilke und ich haben spontan entschieden, euch einen Blick in unsere Mails werfen zu lassen. 

Den bisherigen Mailverkehr könnt ihr hier, hier und hier nachlesen. In ihrer letzten Antwort hat mir Jutta erklärt, warum meine Antwort für sie nicht funktioniert - sie hat mich damit heftig ins Grübeln gebracht. Hier mein Versuch einer Antwort:

Liebe Jutta

Ich habe deine Mail gestern Abend gelesen und je länger ich über eine Antwort nachdachte, desto weiter rückte sie von mir weg. Auch heute Morgen kann ich sie nicht greifen. Du wirst also mit Gedankenfetzen, die sich vielleicht sogar widersprechen, und vor allem mehr Fragen als Antworten Vorlieb nehmen müssen. Hier also der (Denk)Stand der Dinge:

Das Bild der Wände und Leitern ist zwar schön, aber es wird dem Leben nicht gerecht. Denn: Wann ist etwas eine Wand (oder eine Baustelle, wie du an einer Stelle in deiner Mail schreibst), und brauchen wir immer und überall Leitern? Reicht ein Bild oder brauchen wir viele? Das Leben hat mir kürzlich etwas hingestellt, von dem ich nicht weiss, was es ist. Es ist gross, es ist überwältigend, es ist etwas, mit dem ich noch nie konfrontiert war. Und trotzdem bin ich nicht mal eine Leiter suchen gegangen. Weil das Ding umgekippt ist (oder ich es umgekippt habe?) und ich es nun als Weg gehe. Sind mein Garten und vor allem mein Dschungel im Haus in den Bergen wirklich Wände? Sie geben zwar ziemlich viel Arbeit und beanspruchen Zeit, vor allem der Dschungel, aber ich empfinde sie nicht als Wände, sondern als Bereicherung. Und der Hausputz? Das ist eine Wand, die ich seit Urzeiten ignoriere. Es gibt wesentlich geputztere Häuser als unseres - aber es ist noch keiner von uns in Staubflusen erstickt oder in der Unordnung verloren gegangen. Weil wir es gemeinsam auf einem Stand halten, der uns allen (meistens) behagt. Es gibt oder gab in den letzten Jahren bei mir berufliche Wände, an denen ich beinahe zerbrochen bin. Da hat keine Leiter der Welt geholfen. Ich habe irgendwann aufgehört, gegen diese Wände anzurennen. Ich bin sie - wie du wunderbar schreibst - einfach umgangen. Es war ein langer, zuweilen schmerzhafter Prozess, ich habe einen Preis dafür bezahlt, fühle mich jedoch seit einer Weile unendlich frei. Leider gibt es auch Wände, die man weder kippen noch umgehen noch als Nichtwände bezeichnen kann. Das sind dann die, die viel Kraft und Energie absaugen, die einen auslagen und zuweilen verzweifelt am Boden liegen lassen. Ich weiss, dass du diese Wände kennst und ich habe erlebt, was sie mit dir gemacht haben.

Deshalb bin ich froh, dass du losgegangen respektive losgefahren bist, um deinen Berg zu erklimmen. Ich wünsche dir, dass er nicht immer so steil bleibt, wie er im Moment ist. Das Festhalten der kleinen Schritte im Bullet Journal finde ich eine sehr gute Sache.

Womit ich bei dem bin, was mir seit ein paar Monaten eine unendliche Hilfe ist: Das Bullet Journal. Ich verdanke es dir. Du hast mir gezeigt, was ein Bullet Journal ist und was man damit machen kann. Seit ich es führe, ist es für mich Agenda, Planer und Tagebuch zugleich. Alles in einem. Ich breche die grossen Dinge des Lebens auf keine Etappen runter (ich glaube, deshalb bin ich auf die Leitersprossen gekommen) und behalte dabei erst noch den Überblick. Das geht von der Logistik einer Lesetour über die Einteilung meiner verschiedenen parallel laufenden Pendenzen (=CH-Deutsch für noch zu erledigende Arbeiten) bis hin zum Garten und zum Haushalt (hihi). Neu dazugekommen ist zum ersten Mal die ernsthafte zeitliche Planung von Schreibprojekten, schön aufgeteilt in erreichbare Zwischenziele. Ich arbeite dabei schon auch mit Kreuzchen und Häklein, aber am liebsten benutze ich Farben. Ich male aus, was ich geschafft habe. Da sieht man besser, was man schon geschafft hat :-)


Was bleibt, sind diese Fragen: Was sind für mich Wände, was sind für mich Hindernisse, wie liegen sie in der Landschaft, was sind die Spielwiesen, auf denen ich mich entspannen kann, wie schaffe ich es, mich nicht von Arbeiten, die ich sehr gerne tue (Wände anstreichen, im Dschungel rumkriechen, Möbel basteln) zu sehr ablenken zu lassen, wie behalte ich den Fokus, wie gehe ich mit Rückschlägen um, was stelle ich hintenan (mir geht es wie dir: ich habe immer viel mehr Ideen als ich Zeit habe), was lasse ich (allenfalls schweren Herzens) fallen?

Du bist zu einer Reise aufgebrochen, in der all das liegt, sowohl die Fragen als auch die Antworten. Das braucht enorme Kraft. Deshalb bitte ich dich, ab und zu abzusteigen und innezuhalten um zu neuer Kraft zu kommen.

Weil diese Mail sehr lang geworden ist, verschiebe ich die Gedanken um unseren Beruf und ob und, falls ja, wie wir davon (gut) leben können.

PS: Nur so ein Nachgedanke. Kann es sein, dass Zeit unsere einzige Wand ist?

Sei gedrückt und heftig umarmt
Alice


Sonntag, 21. Juli 2019

E-Mail für dich

Wir kennen (und lieben) uns seit Jahren. Wir ticken ähnlich und doch wieder nicht. Jede von uns weiß, was die andere gerade umtreibt, weil wir uns oft in Mails und leider zu selten auch im realen Leben austauschen. Jutta Wilke hat mit ihrer letzten Mail an mich ein ganzes Gedankenkarussell in Gang gesetzt. An einer Stelle im Text schrieb Jutta, dass sie ihre Gedanken in einem Blogpost formulieren würde. Und da hatte ich die Idee, wir könnten mehr als nur Blogposts schreiben. Nämlich, euch einen Blick in unsere Mails werfen zu lassen und dabei Höhen und Tiefen des AutorInnenlebens hautnah nachlesen. Meine Mail an Jutta war keine zwei Stunden weg, als sie mir den Link zu ihrem neusten Blogpost schickte. Darin: Ihre Mail an mich. Bevor ihr meine Antwort lest, empfehle ich euch, ihre Mail zu lesen.

Juttas Mail an mich  (einfach auf den Link klicken).

Liebe Jutta
Das Bild mit der einen Leiter ist wirklich schön, aber leider gibt es im richtigen Leben nicht nur eine Wand, sondern tatsächlich ganz viele, und leider lässt uns das richtige Leben nicht die Zeit, eine Wand nach der anderen zu erklimmen, es ist dem Leben sogar egal, ob es richtige oder falsche Wände sind. Ich würde das Bild deshalb etwas abändern: Hab nicht nur eine Leiter, sondern mehrere. Lass sie an den jeweiligen Wänden angelehnt, aber klettere nicht einfach kopflos rauf und runter, sondern überlege dir immer: Bis zu welcher Sprosse klettere ich heute / jetzt? Dann kletterst du dort hin, hängst einen "geschafft"-Zettel ran und dann kannst du beim nächsten Mal schnell zum Zettel hochklettern und von dort weg zum nächsten Ziel. Was für mich entscheidend ist, ist der Fokus. Jetzt die Gartenleiter (eine Stunde Unkraut jäten, "geschafft"-Zettel hinhängen, runtersteigen, dich freuen). Dann die Geldleiter (aktiv ein Problem angehen, "geschafft"-Zettel hinhängen, runtersteigen, zufrieden sein). Dann die Haushaltsleiter (eine Stunde putzen, "geschafft"-Zettel hinhängen, egal, wie es im ungeputzten Teil des Hauses aussieht, runtersteigen, zufrieden sein). Beim nächsten Mal kannst du dann direkt auf der "geschafft"-Sprosse der Leiter anfangen. Ich mach das übrigens nicht mit Leitern, sondern als Eintrag im Bullet Journal :-) Wichtig ist, sich auf die Leiter zu konzentrieren, auf der man gerade ist. Was da jetzt vielleicht so abgeklärt daherkommt, schaffe ich höchstens 50 Prozent der Zeit. Aber ich arbeite daran …

Zur Zielsetzung: Ja, unbedingt. Ich habe das für mich für dieses Jahr auch gemacht. Ich habe für mich festgelegt, wie viele Lesungen ich höchstens machen will, wie viel Geld ich mit dem Self Publishing verdienen will, ja, ich habe sogar zwei fixe Schreibfahrpläne erstellt :-) Diese Ziele setze ich mir im Bullet Journal, und ich gedenke, mich daran zu halten. Na ja, mehr oder weniger. Lesungen werden es wieder zu viele, dafür habe ich für nächstes Jahr erst eine Woche in Zürich.

Das Ziel "Ich will - verdammt noch mal - von meiner Arbeit als Autorin gut leben können", finde ich genau das richtige! Vielleicht musst du es in Etappen angehen, sprich, für nächstes Jahr noch ein Zwischenziel festlegen (ohne das "gut" vor Autorin) und dich dann übernächstes Jahr auf das "gut leben" können konzentrieren. Was ich nicht tun würde: Als Ziel ein monatliches Einkommen festzulegen, es sei denn, dir reicht ein Jahresdurchschnitt, denn in unserem Beruf schwankt das unglaublich.

Der Berg ist die Summe aller Leitern. Da ich in den Bergen lebe, weiss ich, dass Berge nie alleine kommen. Hinter jedem Gipfel warten schon die nächsten. Aber wer einmal einen Berg bezwungen hat, weiss, dass er es kann. Das ist für mich das Entscheidende. Dazu gehört, wie du schreibst, das Losgehen. Ich weiss, dass du schon viele Berge bezwungen hast und einigen auch gescheitert bist. Dass du dabei viel Kraft verloren hast. Dass daher das Losgehen gar nicht so einfach ist. Aber ich weiss auch, dass du es kannst. Und ich möchte dich dabei begleiten.


PS: Meine Gartengeräte sehen ähnlich aus wie deine. Ich beackere sogar den Dschungel in Cumbel mit Gartenscheren. Fürs Gröbere ist Herr Ehemann zuständig, aber er hat in vielen Bereichen Arbeitsverbot, weil er mit dem Trimmer immer wieder Pflanzen erwischt, die ich liebevoll gepflegt habe und mich darüber gefreut hatte, dass sie nach vier Jahren endlich … und dann … brmmm und weg. Du siehst, auch alte Gartengeräte haben ihre Nützlichkeit :-)

Herzlich und mit einer riesigen Umarmung
Alice

Donnerstag, 18. Juli 2019

Wenn man zu Fuss unterwegs ist, wandern auch die Gedanken

Ich habe heute meine Eltern besucht. Nicht mit dem Auto, sondern zu Fuss, nicht durch die endlosen Strassendörfer im Tal unten, sondern über einen Höhenweg. Es gibt verschiedene bei uns im Rheintal, man kann höher hinaus oder sich - wie ich heute - an die etwas tieferen Lagen halten. Das Faszinierende daran: Man ist gar nicht so weit weg von der dichtbesiedelten Ebene und trotzdem in einer anderen Welt, und das schon nach kurzer Zeit.

 
















Eigentlich wollte ich unterwegs in Gedanken an meinem neuen Buchprojekt feilen und Nägel mit Köpfen machen. Ich habe die Figuren, ich habe fast die ganze Geschichte beisammen, aber es gibt noch Lücken, und vor allem ist ein Verhältnis zwischen zwei wichtigen Figuren noch nicht klar, womit auch ein entscheidender Teil der Geschichte noch in der Luft hängt. Dieses Verhältnis habe ich geklärt, den betreffenden Teil in der Geschichte verknotet - und damit stellen sich neue Fragen, öffnen sich neue Lücken. Ich konnte nicht alle schliessen, aber das ist nicht so dramatisch. Dramatischer ist die Tatsache, dass mir der Spannungsbogen entglitten ist, was mich am Aufbau der Geschichte zweifeln lässt. Ich habe so eine leise Ahnung, dass das, was ich wollte, unter Umständen nicht funktioniert. Da muss ich die Denkkappe wohl noch ein paarmal anziehen!


Zurück zum Höhenweg: Herr Ehemann und ich haben die Strecke Werdenberg - Azmoos schon in 2 Stunden und 45 Minuten zurückgelegt. Ich wollte heute schneller sein, also einen neuen Rekord aufstellen, und wusste, da würde ich "di Hindara fürini" müssen, oder zu gut Deutsch: Gas geben müssen.


Ich kam an wunderschönen Weilern und einsamen Bauernhäusern vorbei. Normalerweise drücke ich bei solchen Gelegenheiten unzählige Male auf den Auslöser, überlege mir, in welchem dieser Häuser ich gerne wohnen würde (es sind viele, glaubt mir!), aber heute war es anders als sonst. Und deshalb müsst ihr euch mit dem Häusergucken gedulden. Ich liefere die Fotos nach, versprochen, denn der Weg ist so schön, dass ich ihn noch öfters gehen werde.

Nachdem ich auch die Gemeinde Sevelen hinter mir gelassen hatte, tauchte ich in die Gemeinde Wartau ein, die Gemeinde, in der meine Familie wurzelt, die Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin, die Gemeinde, in der auch ich wurzle, obwohl ich schon lange nicht mehr dort wohne. Es ist ein Herzgefühl und manchmal, wenn ich durch die atemberaubend schöne Landschaft des Wartaus wandere, auch ein Sehnsuchtsgefühl. 


Deshalb nervt es mich, dass sich die Rechtskonservativen den Begriff Heimat schnappen. Wenn sie sich als wahre Eidgenossen bezeichnen mit einem Alleinanspruch auf Heimatgefühl. Wenn sie denken, anders- oder gar linksdenkende Menschen verraten unser Land oder seien keine echten Schweizer. Ich habe immer links gedacht, werde im Alter sogar wieder radikaler links, aber auch ich gehöre in dieses Land, in diese Heimat. Meine Ideen und Ideale haben hier genauso Platz wie alle anderen auch.


Meine Liebe zur Natur habe ich von meinen Eltern geerbt. Ich brauche nicht viel. Schicke Kleider, schicke Autos, schickes Irgendwas haben mich nie interessiert. Glück heisst für mich Familie. Liebe. Natur.

Meine Geschichte sitzt noch nicht, wie sie sollte. Das macht nichts. Sie wird sich formen und Gestalt annehmen. Den Rekord habe ich unterboten. 2 Stunden 35 Minuten. Ich habe jedoch so eine Ahnung, dass es gar nicht um die Zeit gegangen ist, sondern um etwas anderes. Was genau, weiss ich nicht. Vielleicht um etwas zwischen mir und meinem Körper. Oder mir und dem Leben. Auf jeden Fall war es schön. 

Donnerstag, 11. Juli 2019

Schreibt Rezensionen!

Mein Tag hat mit zwei Lachern angefangen. Den ersten Lacher verdanke ich einem Tweet von Krimiautorin Tatjana Kruse:
Schreibe um des Schreibens willen. Wenn du mit deinem Schreiben vor allem reich werden willst, dann solltest du Erpresserbriefe verfassen ...
Den zweiten Lacher hat mir ein Blogpost über Rezensionen beschert, den ich ohne Sabina Haas nie gesehen hätte. Er stammt aus der Feder von Catalina Cudd und ist das Witzigste, das ich je zum Thema Rezensionen gelesen habe. Es geht darum, was Rezensionen sind und welchen Zweck sie haben. Es geht um um fiese und noch fiesere Feedbacks zu Büchern, um AutorInnen, die beleidigt zurückschlagen, um die Angst von LeserInnen, ihre Meinung öffentlich kundzutun, um den Wert von guten und schlechten, kurzen oder langen, eloquent oder holprig geschriebenen Buchbesprechungen.

Abgesehen davon, dass ich mich köstlich amüsiert habe, gefällt mir das Fazit des Posts:
Schreibt Rezensionen! Wir Autoren brauchen Rezensionen, denn sonst sieht niemand, dass wir ein Buch geschrieben haben.
In diesem Sinne: Haut in die Tasten. Drückt aus, was ihr beim Lesen gefühlt habt, schreibt, warum euch das Buch gefallen oder eben nicht so gefallen habt. Veröffentlichen könnt ihr eure Rezensionen in euren Social Media, auf den Buchhandels-Online-Plattformen, auf LeserInnen-Plattformen wie lovelybooks.de usw.

Wir AutorInnen danken es euch. (Na ja, ganz ehrlich: meistens - bei Feedbacks wie "die Frisur der Autorin ist grässlich und ganz ehrlich, die sollte lieber stricken als schreiben" wird es ein wenig ... sagen wir mal ... schwierig.)

Dienstag, 9. Juli 2019

Onkel Mike und Leon sind auf Tour

Auf Blogtour nämlich. Kommt doch mit. Lest mit. Diskutiert mit. Nehmt am Gewinnspiel teil. Wir freuen uns auf euch. jousiajourdan / Zeilenfluch / Perolicious / Lesemagie