Dienstag, 7. Juli 2026

SCHREIBSURFEN

Ein Morgen ohne Morgenmail ist ein seltsam verschobener Morgen. So sehr habe ich mich daran gewöhnt, mich an den Tisch zu setzen (wo immer der gerade steht, zur Not tut es auch ein Tischchen im Zug) und eine Morgenmail an Jutta zu schreiben. Ich weiss gar nicht mehr, wann wir mit diesem Ritual begonnen haben; es ist auf jeden Fall Jahre her. Mittlerweile ist dieses Morgenmailschreiben so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir einander kurz informieren, wenn unsere Zeit nicht für eine Morgenmail reicht, aber bestimmt noch eine kommen werde, entweder am Nachmittag oder am Abend.

In diesen Mails hat alles Platz. Alltag, Beruf, Wünsche, Träume, immer ungeschminkt und offen. Oft schreiben wir über das Schreiben. Früher über das Schreiben nebst Kindern, Haushalt und Beruf. Darüber, was wir uns für unsere Bücher wünschen, auch darüber, was aus unseren Büchern geworden oder eben nicht geworden ist. Frust, Schmerz, Leid haben wir genauso geteilt wie Hoffnung, Freude und absolute Hochgefühle. Wir haben uns darüber ausgetauscht, warum wir gerade nicht schreiben, warum wir trotzdem gerne schreiben (würden), was uns davon abhält und ausbremst, was uns motiviert und antreibt, wie wir zurück ins Schreiben finden. Wir sind gemeinsam auf Glückswellen gesurft und haben die jeweils andere getröstet, wenn mal wieder eine von uns gnadenlos an einen Strand geschleudert wurde und sandspuckend am Ufer sass. Schreiben ist Surfen auf Wellen, samt grässlichen Tauchern, war es und wird es immer sein.

Mit dem Alter sind wir gelassener geworden, wir wissen um die stürmische Schreibsee. Manchmal, wenn es mit dem Schreiben so gar nicht klappen will, sagen wir uns, dass wir wohl einmal zu oft zu heftig an den Strand geschleudert wurden. Andere haben aufgegeben. Wir sind jedes Mal wieder auf dieses Surfboard gestiegen. Nicht immer gleich mutig, nicht immer gleich zuversichtlich. Wir wissen beide, was wir wollen. Es sind nicht dieselben Wellen, die wir reiten, aber es sind definitiv Schreibwellen.

Begonnen habe ich diesen Post mit den Morgenmails. Und eigentlich wollte ich damit nur eine Einleitung zum geplanten Thema schreiben. Nur, mich hat eine Schreibwelle anderswohin getragen. «Jo nu so dänn halt«, wie wir bei uns sagen. Ich mache eine Kehre und komme zum Punkt.

Ich arbeite an meinem ersten Newsletter. Weil ich ihn datenschutzkonform verschicken will (also niemandem ungefragt einfach ins Postfach schleudern), habe ich die letzten drei (!!!) Jahre Anmeldungen gesammelt. Eine harzige Sache in einer Zeit, in der wir alle sowieso zu viele Mails erhalten. Mein Ziel war es, mindestens fünfzehn Anmeldungen zu haben, bevor ich mich ins Abenteuer Newsletter stürze. Kürzlich bin ich bei 20 angekommen. Es gilt also ernst jetzt.

Meinen Newsletter möchte ich gestalten wie die Morgenmails. Persönlich. Mit Einblicken ins Schreiben, ohne dass es eine Nabelschau wird, in der ich auch noch grinsend Bücher in die Kamera halte. Geplant sind Schreibtipps, Empfehlungen, Hinweise auf Anlässe usw. Vier Mal im Jahr.

Schön wäre es, wenn ich den ersten Newsletter an mindestens 25 Personen schicken könnte. Also: Wenn du bis hierhin gelesen hast und denkst: «Momoll, das könnte was sein», würde mich eine Anmeldung freuen.

Jetzt, wo der Blogpost steht (wenn auch etwas chaotisch), packe ich mein Schreibsurfboard und gleite auf den Wellen der Lost Souls durch den Nachmittag.

Wo immer du hinsurfst, alles Gute.   

Dienstag, 30. Juni 2026

ANDERSWO

Ich war zwei Wochen anderswo. Das Zurückkommen fiel mir leicht, das Ankommen schwer. Das leuchtend frische Frühlingsgrün der letzten Wochen ist mattem, müdem Sommergrün gewichen. Der Alltag hat mich wieder: garstiger Bürokram, ein Haushalt, der geputzt werden will, eine Agenda, die schon wieder zu voll ist, eine To-Do-Liste, die abgearbeitet werden will. Statt beschwingt und motiviert die Dinge anzugehen, quäle ich mich durch sie hindurch, natürlich nicht sofort, sondern mit Verzögerung und nach viel Auf- und Hinausschieben. Traurigkeit schleicht sich ein, genauso matt wie das Sommergrün. 

Ich wäre gerne anderswo.
Ich wäre gerne anderswer.

Sommerblues halt. Ganz klassisch. 

Dabei wollte ich über Mut bloggen, aber das geht schlecht in diesem mutlosen Zustand.

Ich wollte über all das viele Grüne bloggen, das ich im Juni gesehen habe (Monatsaufgabe in der Juni-Schneckenpost), aber das geht schlecht in diesem mattgrünen Zustand.

Ich wollte über meine Pläne für die zweite Jahreshälfte bloggen, aber die sind in meinem Sommerblues ertrunken und auf Grund gesunken.

Dabei weiss ich doch: Bürokram lässt sich locker erledigen. Hausputz war nie lustig und wird nie lustig sein, aber schwierig ist das nicht. Die Termine in der Agenda sind ja alles total coole Termine und in (fast) jeder vollen Agenda finden sich Löcher. To-Do-Listen kann man zusammenstreichen. 

Vor allem: Ich bin mir extrem bewusst, was für ein Fliegenschiss respektive First World Boomer Luxusproblem mein Sommerblues ist. Beinahe hätte ich deswegen den ganzen Post gelöscht. Nur, dieses jämmerliche Wesen hier bin eben auch ich, und glaubt mir, ich wäre es lieber nicht. Bei Gelegenheit werde ich mich mit Frau Zappadong darüber unterhalten. Sie wird mir (zurecht) ordentlich die Kappe waschen und mich dann - hoffentlich - trotzdem in die Arme schliessen.

PS: Die kleinen Bilder in der Collage sind in der Zeichnungsrunde im Atelier entstanden.

Montag, 22. Juni 2026

ORTE


Vor ein paar Tagen erkundeten wir einen uns noch nicht bekannten Teil von Schottland. Wir fuhren quer durch eine Halbinsel, einem kleinen Hafenort am Meer entgegen. Ich hatte ihn vorher weder online angeschaut noch etwas über ihn gelesen. Schon die Sicht von oben nahm mir den Atem, und als wir am Hafen parkten, wusste ich - noch bevor ich auch nur aus dem Auto ausgestiegen war - dass hier eine meiner Geschichten spielen würde. 

 
Ich habe meine Gefühle zu diesem Ort in den Social Media geschildert und einen Kommentar dazu erhalten, der in mir nicht nur ein Licht sondern gleich eine ganze Lichterkette anzündete. 

"Spannend, dass es oft Orte sind, die dich inspirieren."

Was Mirjam Wicki (mehr zu ihr am Ende des Posts - unter dem letzten Foto) mir da in den Kommentar schrieb, war so logisch, so offensichtlich, so klar - nur hatte es dieses Wissen nie aus meinem Unterbewusstsein an die Oberfläche geschafft. Wann immer ich gefragt werde, was mich beim Schreiben inspiriert, antworte ich: "Musik, aktuelle Themen, die mich beschäftigen, meine Buchfiguren." Nie, noch gar nie habe ich geantwortet: "Orte".  Und das, obwohl Mittelstreifenblues eine Liebeserklärung an die Berge (und die Menschen) ist. Obwohl in den Lost Souls Büchern ganz viele meiner Sehnsuchtsorte vorkommen. Obwohl ich in mindestens vier Büchern Kieswerke als Handlungsorte habe ...

Diese Blog-Zeilen schreibe ich in einem Hotelzimmer in den Yorkshire Dales. Dort, wo Ayden Morgan am Anfang von Band 5 der Lost Souls zum Fotografieren unterwegs ist. Ich habe ihm meine Liebe zu den Dales geschenkt und freue mich, dass ich nach dieser langen Zeit, in der ich schon am Band 5 schreibe, endlich wieder einmal eine Weile an diesem Sehnsuchtsort verbringen darf.  

Wenn ich das nächste Mal gefragt werde, was mich inspiriert, werde ich Orte als erstes nennen. Von den Orten und den Stimmungen, die über ihnen liegen, komme ich auf Figuren, die dort leben und von diesen Orten geprägt wurden/werden, oder Figuren, die dort hinziehen und die dafür ihre Gründe haben. Und wenn ich das einmal habe, ist es zur Geschichte nicht mehr weit. 

Und hier - aus aktuellem Anlass - noch ein kurzer Textauszug aus Band 5 der Lost Souls:

Der Wind wurde stärker, dunkle Wolken schoben sich ineinander und löschten das letzte Blau des Himmels, erste Regentropfen peitschten in Aydens Gesicht. Die einzigartige Landschaft der Dales wurde zum Drama mit unzähligen Möglichkeiten für spektakuläre Fotos, doch sein sonst so gutes Auge für das perfekte Bild war heute blind. Sein Blick richtete sich gegen innen; er sah nur Kata, die Frau, die er über alles liebte. Sie war stark, mutig, entschlossen, aber das, was dieser Mann ihr aufbürdete, könnte sie in eine Welt schleudern, die sie hinter sich gelassen hatten. 

 

Und nun - wie versprochen - zurück zu Mirjam Wicki. Mirjam Wicki ist Autorin. Seit ein paar Tagen schreibt sie in Schweden, an einem wunderbaren Ort, in einem total schönen Astrid-Lindgren-Haus. Was sie dabei erlebt, was ihr durch den Kopf geht, was ihr Herz berührt, erzählt sie ungeschminkt und ungeschönt ihn ihrem Blog. Mein Lesetipp für euch! Hier geht's lang: Schwedentagebuch von Mirjam Wicki. 

PS: Was mir beim Schreiben des Blogtitels aufgefallen ist: Um den Buchstaben W ergänzt, ergeben sich aus ORTE ... WORTE. Wie passend!  

Montag, 15. Juni 2026

WALKING

Walking Writer. So nenne ich mich in meinen diversen Social Media Accounts. Eine lange Zeit war ich nicht mehr sicher ob ich nicht eher eine writing Walker bin, aber diese Frage hat sich im Lauf der letzten zwei Jahre geklärt. Zumindest fast. Ich bin eine walking Writer, eine wandernde Autorin. Das zumindest fast ist meinem Knie geschuldet, dieses Mal das rechte und nicht wie vor ein paar Jahren das linke. Es zickt seit letzten Dezember. Zuerst habe ich an eine Entzündung gedacht, aber der Schmerz ging nicht weg. Dann habe ich mich mit vielen vorgeschobenen Ausreden vor dem nötigen Arztbesuch gedrückt. Bis ich schlicht nicht mehr ignorieren konnte, dass es mehr als eine Entzündung sein muss. Mittlerweile war ich beim MRI und danach beim Hausarzt. Die Kurzversion: Es klingt kompliziert. Den Besuch beim Spezialisten habe ich bis nach meinen Ferien hinausgezögert, denn solange ich keine ärztliche Anordnung habe, kann ich weiterlaufen und  weiterwandern. Genau das tue ich im Moment. Ich wandere mal wieder schottischen Küsten entlang.  


Heute zum Beispiel, da sind wir von Maidens zum Culzean Castle gewandert, einen Teil davon am Strand entlang, den Rest über herrliche Pfade im riesigen Anwesen des Schlosses. Mein Knie ist nett zu mir, es lässt mich nicht im Stich. Es motzt höchstens, wenn ich zu lange über geteerte Wege gehe, aber denen kann ich hier bestens ausweichen. 

Ich mag das Wandern, weil es langsam ist, weil es mir alle Zeit der Erde gibt, mich umzusehen, innezuhalten, die Schönheit einer Landschaft einzuatmen oder an einem Detail hängen zu bleiben. In Momenten wie diesen wünsche ich mir, ich hätte das Fotografieren erlernt, so richtig, nicht nur mit dem Handy. Natürlich bietet mir die Handykamera viele Möglichkeiten, aber eine richtige Kamera, richtig eingesetzt, das ist schon eine ganz andere Hausnummer.

Mein Vater konnte das: Fotografieren. Er konnte endlos lange irgendwo in den Bergen auf dem Bauch liegen und seine Kamera auf eine Blume richten. Manchmal, wenn auch ich mich zum Fotografieren hinlege, weil ich dann den perfekten Winkel fürs Foto habe, denke ich an ihn, gucke in den Himmel und rufe laut "Hoi Tata". Der Gedanke, dass er irgendwo da oben auf einer Wolke sitzt und laut lacht, weil ich flach am Boden liege und genau das tue, was er immer getan hat, gefällt mir. 

Mein Bruder fotografiert auch. In seine Bilder möchte man eintauchen und ganz lange darin verweilen. Ich war nie in Island, aber wenn ich seine riesigen Bilder sehe, die bei ihm zuhause an der Wand hängen, dann bin ich tatsächlich für eine Weile auch dort.

Ich stamme aus einer Familie von Naturmenschen. Wandern (und im Falle der männlichen Mitglieder der Familie das Bergsteigen) gehört zu unserer DNA. Es hat uns geprägt und prägt uns immer wieder aufs Neue. Wandern kann ein gottvergessener Krampf sein und gleichzeitig wunderschön. Wandern erdet und lässt einem gleichzeitig Flügel wachsen. Wer weit genug von den Massen entfernt wandert, findet wunderschöne einsame, fast unberührte Orte. Ich erinnere mich an eine Wanderung in Schottland, bei der wir gefühlt eine Ewigkeit durch Buschland wanderten, zum Teil sumpfig, zum Teil fast zugewachsen. Und dann lichtete sich das Dickicht und wir standen vor einem der schönsten Strände, an denen ich je gewesen bin. Weisser Sand, schwarze Steine, glasklares Wasser am Strand, unzählige Blautöne weiter aussen, schroffe Klippen. Ausser uns war kein Mensch dort. Auch heute hatten wir mindestens drei Traumbuchten für uns allein. Morgen soll das Wetter nicht so gut sein, schottisch halt. Aber eine Wanderung, die haben wir und schon rausgesucht.


Am Donnerstag fahren wir weiter, nach England, in die Yorkshire Dales. Davon berichte ich dann aber nächste Woche, denn ich wandere ja nicht nur, ich schreibe auch. An den Lost Souls 5. Und dreimal dürft ihr raten, wo Ayden sich in Band fünf aufhält ... genau, in den Yorkshire Dales.


Dienstag, 9. Juni 2026

SCHREIBEN


Schreiben kann eine einsame Angelegenheit sein. Manchmal ist das gut, weil man genau diese Ruhe braucht. Aber manchmal wünscht man sich Gleichgesinnte, mit denen man sich austauschen kann. Deshalb liebe ich das Schreiben im Atelier, vor allem das Schreiben in den Schreibrunden. Bei diesem gemeinsamen Schreiben und den Gesprächen über unser Schreiben entstehen aberwitzige Texte, wachsen der Fantasie Flügel, die Lust auf das eigene Schreibprojekt lässt die Finger über die Tastatur tanzen. Und wenn ich dann feststecke oder Fragen habe oder ganz einfach eine Passage vorlesen möchte, über die ich mich gerade riesig freue, falle ich damit nicht in einen luftleeren Raum, sondern stosse auf offene Ohren. 

Sehr viel Spass hat letzte Woche auch das Schreiben mit Oberstufenjugendlichen in Unterägeri gemacht. Mit ihnen Schreibtipps erarbeiten, ihnen Tricks zeigen, sie bei den Schreibaufgaben begleiten, mit ihnen disktuieren, ihnen Feedback geben, sich über ihre tollen Texte freuen, das war ein ungeheuer gutes Gefühl. Ähnlich ist es mir im Schreibworkshop Wortflügelschläge im Atelier ergangen. Da sind wunderbare Texte entstanden und gewachsen. Und nicht zuletzt war da letzten Samstag das Werkstattgespräch mit Schreibenden aus dem literarischen Schreiblehrgang von Schreibwerk Ost. Ein Austausch mit Gleichgesinnten. Eine Möglichkeit, andere mit meiner Begeisterung fürs Schreiben anzustecken. 

Ich merke, wie wichtig für mich dieses gemeinsame Schreiben und die Gespräche ums Schreiben geworden sind, wie gut sie mir tun, wie sehr sie mich inspirieren, aber auch, wie viel Mut und Energie sie mir für mein aktuelles und meine zukünftigen Projekte geben. 

Aktuell schreibe ich am Finale von Lost Souls 5. Ich habe mir den 15. Juli als Deadline gesetzt und bin einigermassen zuversichtlich, dass ich diesen Termin einhalten kann (an dieser Stelle hüstle ich mal diskret). Ich werde das Buch im Self Publishing herausgeben, eine Premiere, denn bisher waren alle Titel, die ich im Self Publishing herausgegeben habe, vergriffene Backlistentitel, die ich neu aufgelegt habe.

Am Werkstattgespräch fragte mich jemand, warum ich die Lost Souls nicht einfach bei da bux herausgebe. Dafür gibt es mehrere Gründe: Lost Souls 5 passt mit seinen geschätzten 300 Seiten nicht ins Programm, zudem wird es mein erstes Buch im Erwachsenenbuchbereich sein und last but not least veröffentlicht kein Verlag  einen fünften Band zu einer Serie, deren letzter Band vor Jahren erschienen ist. 

Ich habe mir auch lange überlegt, nach den ersten vier Bänden eine ganze Staffel mit vier weiteren Bänden anzukündigen, vor allem weil ich den Plot von Band 6 schon im Kopf habe, aber ich ahne, dass ich für eine Staffel viel zu langsam unterwegs bin. Also wird es einfach weitere Einzelbände der Lost Souls geben. Und nicht zuletzt spuken in meinem Kopf unzählige andere Geschichten herum, die erzählt werden wollen.

Das Schönste ist, dass ich in Sachen Schreiben wieder dort bin, wo ich angefangen habe. Es ist ein Zurück zu den Wurzeln. Ein Schreiben ohne Druck und Zwang, weder von aussen, noch von innen. Ich bin nicht auf Verlagssuche, mal abgesehen von der Juli-Deadline gibt es keine fixen Termine oder Fristen; ich schreibe nach dem absoluten Lustprinzip genau die Geschichten, die ich gerne lesen würde, genau in der Zeit, die sie eben benötigen, um zu Geschichten zu wachsen. 

Ich habe zu einer herrlichen Gelassenheit gefunden, wage mich an Experimente wie Krawallnacht (ein Ereignis, zwei Bücher aus zwei Perspektiven), Mittelstreifenblues (eine Erzählpersektive in prosa, die andere in Gedicht- und Songtextform), oder Dunkelwind (wo Geschichte, Figuren und Setting von einer Schulklasse stammen). Mein nächstes Experiment wird der Ausflug in die Erwachsenenbelletristik, und ich liebäugle mit einem Pseudonym für meine Geschichten, die in Grossbritannien spielen. 

In meinen Schreibworkshops ermutige ich die Teilnehmenden, nicht nach dem Markt zu schielen, sondern genau das zu schreiben, was tief aus ihnen herauskommt, das, was sie selber gerne lesen würden. Vielleicht entsteht so kein Bestseller, vielleicht ergibt sich nicht einmal ein Verlagsvertrag, aber es entstehen Geschichten mit Herz und Seele, nicht wenige davon abseits vom Mainstream. Ich für meinen Teil möchte genau solche Geschichten nicht nur schreiben, sondern auch lesen.

Wenn ihr gerne schreibt: schreibt. Und beherzigt dabei den wunderbaren Spruch 

Folge deinem Herzen, es kennt den Weg. 

Und ganz wichtig: Findet einen Ort, an dem ihr euch über euer Schreiben austauschen könnt. Findet Gleichgesinnte. Redet gemeinsam über das Schreiben, eure Erfahrungen, eure Texte. Wenn ihr die richtigen Menschen trefft, werden sich euch neue (Schreib)Welten öffnen.