Warum zur Hölle hatte ich kein Notizbuch und keinen Stift dabei? Buchtitel, Settings, Plotideen, Kurzdialoge - all das ploppte in meinem Kopf auf, tanzte darin herum, löste Kettenreaktionen aus und ich wusste genau, dass ich diese wunderbaren Geistesblitze nicht ansatzweise alle in meiner Erinnerung festhalten konnte. Also, warum zur Hölle hatte ich kein Notizbuch und keinen Stift dabei? Zu allem Elend hatte ich auch das Handy im Auto gelassen, weil ich mich voll und ganz auf das Konzert konzentrieren und jede Sekunde auskosten wollte.
Ort des Geschehens: Altes Kino Mels
Band auf der Bühne: The Beauty of Gemina
Die Band, zu deren Musik ich seit unzähligen Jahren meine Bücher schreibe, meine Inspiration, meine Muse. Längst hat sie auch Eingang in die Bücher gefunden:
In #no_way_out hängt das Poster zum Album At the end of the sea über Edys Bett.
Stattdessen richtete ich meinen Blick auf ein Poster über Edys Bett. Nicht auf Edy, denn das hätte mein Herz zerrissen. Die ganze Zeit, in der Jake weiterredete, schaute ich auf das Poster. Es war, als hätte Edy es genau für diesen einen Moment aufgehängt. ... Auf der Mole standen verschwommene graue Gestalten. Smiley, Edy und ich. Ich verstand nicht wieso, aber von dem Bild ging eine unendliche Ruhe aus. Sie gab mir die Kraft, Jakes Worte zu ertragen.
In der Lost Souls Reihe ist Nathan McArran eine junge und kaputte Version (reine Fiktion) von Michael Sele, dem Sänger von The Beauty of Gemina. Was gleich ist: Die Musik und die Stimme, in die man sich fallen lassen kann wie in eine endlose, warme Umarmung. In Band eins erzähle ich, wie Kata zum ersten Mal ein Konzert der Band Black Rain von Nathan besucht - es ist exakt das, was ich an meinem ersten Konzert von The Beauty of Gemina gefühlt habe. In Band zwei der Reihe steht Nathan mit seiner Band im Zentrum, und The Beauty of Gemina hat mir dazu einen Song zur Verfügung gestellt, den ich im Buch kostenlos zitieren und auch dem Buchtrailer unterlegen durfte (Link am Ende des Posts).
Hundert Lügen ist das Buch, zu dem mich der Song Dragon inspiriert hat, und in den dann das ganze dazugehörige Album Ghost Prayers eingeflossen ist.
Ich habe keine Ahnung, wie oft ich schon an Konzerten der Band war. Es sind viele, sehr viele. Das Konzert im Alten Kino Mels war nur eine weitere Station auf einem langen, gemeinsamen Weg. Wenige Wochen zuvor hatte ich The Beauty of Gemina im Theater am Kirchplatz in Schaan gesehen, wo sie zusammen mit Katharina Thalbach aufgetreten sind. Damals hatte ich mir geschworen, nur noch mit einem Notizbuch und einem Stift zu den nächsten Konzerten zu gehen. Tja. Und dann sass ich am Samstagabend im Alten Kino und liess mich von der Musik, dieser unvergleichlichen Stimme und den wunderschönen Songtexten davontragen, während in meinem Kopf ein Ideengewitter tobte und ich mich fragte, warum zur Hölle ich kein Notizbuch und keinen Stift dabei hatte.
In der Pause habe ich den Lichttechniker gefragt, ob er ein Stück Papier und einen Stift hätte. Vier Wörter sind mir noch eingefallen. Vier! Die habe ich aufgeschrieben. Das ist ein Anfang. Bruchstücke meiner Erinnerung werden zurückkehren. Darauf hoffe ich. Am Ende bleibt nur eins: Beim nächsten Konzert ... ja genau ... Notizbuch und Stift mitzunehmen. Vielleicht schreibe ich bis dahin ein Diary of a Lost, auch das ein Albumtitel der Band. Würde hervorragend passen.
Nächstes Jahr, so hat Michael Sele am Konzert erzählt, feiert die Band ihren 20. Geburtstag. Mein Herz hat einen kleinen Salto geschlagen, denn nächstes Jahr feiert auch mein erstes Buch Blackout seinen 20. Geburtstag. Es gibt Zufälle, die keine sind.
Musen, so sagt man, inspirieren Künstler und Künstlerinnen in ihrem Schaffen. Und so ist Muse kein zu grosses Wort für die Band, zu deren Musik ich seit Jahren meine Bücher schreibe. Muse, das war auch so ein Geistesblitz am letzten Samstagabend. Einer, der mir im Gedächtnis haften geblieben ist. Es gibt für mich kein anderes Wort der Woche als dieses. Ich habe Michael Sele mal gesagt, so lange er Musik mache, würde ich auch schreiben. Es ist eine Art Versprechen. An mich.
Hier noch der Buchtrailer zum Buch Black Rain mit der Musik von The Beauty of Gemina:
PS: Wenn The Beauty of Gemina bei euch in der Nähe auftreten, geht hin. Mir bleibt, Danke zu sagen. Danke an meine Muse. Danke für eure Musik.





