Ein Morgen ohne Morgenmail ist ein seltsam verschobener Morgen. So sehr habe ich mich daran gewöhnt, mich an den Tisch zu setzen (wo immer der gerade steht, zur Not tut es auch ein Tischchen im Zug) und eine Morgenmail an Jutta zu schreiben. Ich weiss gar nicht mehr, wann wir mit diesem Ritual begonnen haben; es ist auf jeden Fall Jahre her. Mittlerweile ist dieses Morgenmailschreiben so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir einander kurz informieren, wenn unsere Zeit nicht für eine Morgenmail reicht, aber bestimmt noch eine kommen werde, entweder am Nachmittag oder am Abend.
In diesen Mails hat alles Platz. Alltag, Beruf, Wünsche, Träume, immer ungeschminkt und offen. Oft schreiben wir über das Schreiben. Früher über das Schreiben nebst Kindern, Haushalt und Beruf. Darüber, was wir uns für unsere Bücher wünschen, auch darüber, was aus unseren Büchern geworden oder eben nicht geworden ist. Frust, Schmerz, Leid haben wir genauso geteilt wie Hoffnung, Freude und absolute Hochgefühle. Wir haben uns darüber ausgetauscht, warum wir gerade nicht schreiben, warum wir trotzdem gerne schreiben (würden), was uns davon abhält und ausbremst, was uns motiviert und antreibt, wie wir zurück ins Schreiben finden. Wir sind gemeinsam auf Glückswellen gesurft und haben die jeweils andere getröstet, wenn mal wieder eine von uns gnadenlos an einen Strand geschleudert wurde und sandspuckend am Ufer sass. Schreiben ist Surfen auf Wellen, samt grässlichen Tauchern, war es und wird es immer sein.
Mit dem Alter sind wir gelassener geworden, wir wissen um die stürmische Schreibsee. Manchmal, wenn es mit dem Schreiben so gar nicht klappen will, sagen wir uns, dass wir wohl einmal zu oft zu heftig an den Strand geschleudert wurden. Andere haben aufgegeben. Wir sind jedes Mal wieder auf dieses Surfboard gestiegen. Nicht immer gleich mutig, nicht immer gleich zuversichtlich. Wir wissen beide, was wir wollen. Es sind nicht dieselben Wellen, die wir reiten, aber es sind definitiv Schreibwellen.
Begonnen habe ich diesen Post mit den Morgenmails. Und eigentlich wollte ich damit nur eine Einleitung zum geplanten Thema schreiben. Nur, mich hat eine Schreibwelle anderswohin getragen. «Jo nu so dänn halt«, wie wir bei uns sagen. Ich mache eine Kehre und komme zum Punkt.
Ich arbeite an meinem ersten Newsletter. Weil ich ihn datenschutzkonform verschicken will (also niemandem ungefragt einfach ins Postfach schleudern), habe ich die letzten drei (!!!) Jahre Anmeldungen gesammelt. Eine harzige Sache in einer Zeit, in der wir alle sowieso zu viele Mails erhalten. Mein Ziel war es, mindestens fünfzehn Anmeldungen zu haben, bevor ich mich ins Abenteuer Newsletter stürze. Kürzlich bin ich bei 20 angekommen. Es gilt also ernst jetzt.
Meinen Newsletter möchte ich gestalten wie die Morgenmails. Persönlich. Mit Einblicken ins Schreiben, ohne dass es eine Nabelschau wird, in der ich auch noch grinsend Bücher in die Kamera halte. Geplant sind Schreibtipps, Empfehlungen, Hinweise auf Anlässe usw. Vier Mal im Jahr.
Schön wäre es, wenn ich den ersten Newsletter an mindestens 25 Personen schicken könnte. Also: Wenn du bis hierhin gelesen hast und denkst: «Momoll, das könnte was sein», würde mich eine Anmeldung freuen.
Jetzt, wo der Blogpost steht (wenn auch etwas chaotisch), packe ich mein Schreibsurfboard und gleite auf den Wellen der Lost Souls durch den Nachmittag.
Wo immer du hinsurfst, alles Gute.








