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Dienstag, 7. Juli 2026

SCHREIBSURFEN

Ein Morgen ohne Morgenmail ist ein seltsam verschobener Morgen. So sehr habe ich mich daran gewöhnt, mich an den Tisch zu setzen (wo immer der gerade steht, zur Not tut es auch ein Tischchen im Zug) und eine Morgenmail an Jutta zu schreiben. Ich weiss gar nicht mehr, wann wir mit diesem Ritual begonnen haben; es ist auf jeden Fall Jahre her. Mittlerweile ist dieses Morgenmailschreiben so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir einander kurz informieren, wenn unsere Zeit nicht für eine Morgenmail reicht, aber bestimmt noch eine kommen werde, entweder am Nachmittag oder am Abend.

In diesen Mails hat alles Platz. Alltag, Beruf, Wünsche, Träume, immer ungeschminkt und offen. Oft schreiben wir über das Schreiben. Früher über das Schreiben nebst Kindern, Haushalt und Beruf. Darüber, was wir uns für unsere Bücher wünschen, auch darüber, was aus unseren Büchern geworden oder eben nicht geworden ist. Frust, Schmerz, Leid haben wir genauso geteilt wie Hoffnung, Freude und absolute Hochgefühle. Wir haben uns darüber ausgetauscht, warum wir gerade nicht schreiben, warum wir trotzdem gerne schreiben (würden), was uns davon abhält und ausbremst, was uns motiviert und antreibt, wie wir zurück ins Schreiben finden. Wir sind gemeinsam auf Glückswellen gesurft und haben die jeweils andere getröstet, wenn mal wieder eine von uns gnadenlos an einen Strand geschleudert wurde und sandspuckend am Ufer sass. Schreiben ist Surfen auf Wellen, samt grässlichen Tauchern, war es und wird es immer sein.

Mit dem Alter sind wir gelassener geworden, wir wissen um die stürmische Schreibsee. Manchmal, wenn es mit dem Schreiben so gar nicht klappen will, sagen wir uns, dass wir wohl einmal zu oft zu heftig an den Strand geschleudert wurden. Andere haben aufgegeben. Wir sind jedes Mal wieder auf dieses Surfboard gestiegen. Nicht immer gleich mutig, nicht immer gleich zuversichtlich. Wir wissen beide, was wir wollen. Es sind nicht dieselben Wellen, die wir reiten, aber es sind definitiv Schreibwellen.

Begonnen habe ich diesen Post mit den Morgenmails. Und eigentlich wollte ich damit nur eine Einleitung zum geplanten Thema schreiben. Nur, mich hat eine Schreibwelle anderswohin getragen. «Jo nu so dänn halt«, wie wir bei uns sagen. Ich mache eine Kehre und komme zum Punkt.

Ich arbeite an meinem ersten Newsletter. Weil ich ihn datenschutzkonform verschicken will (also niemandem ungefragt einfach ins Postfach schleudern), habe ich die letzten drei (!!!) Jahre Anmeldungen gesammelt. Eine harzige Sache in einer Zeit, in der wir alle sowieso zu viele Mails erhalten. Mein Ziel war es, mindestens fünfzehn Anmeldungen zu haben, bevor ich mich ins Abenteuer Newsletter stürze. Kürzlich bin ich bei 20 angekommen. Es gilt also ernst jetzt.

Meinen Newsletter möchte ich gestalten wie die Morgenmails. Persönlich. Mit Einblicken ins Schreiben, ohne dass es eine Nabelschau wird, in der ich auch noch grinsend Bücher in die Kamera halte. Geplant sind Schreibtipps, Empfehlungen, Hinweise auf Anlässe usw. Vier Mal im Jahr.

Schön wäre es, wenn ich den ersten Newsletter an mindestens 25 Personen schicken könnte. Also: Wenn du bis hierhin gelesen hast und denkst: «Momoll, das könnte was sein», würde mich eine Anmeldung freuen.

Jetzt, wo der Blogpost steht (wenn auch etwas chaotisch), packe ich mein Schreibsurfboard und gleite auf den Wellen der Lost Souls durch den Nachmittag.

Wo immer du hinsurfst, alles Gute.   

Dienstag, 9. Juni 2026

SCHREIBEN


Schreiben kann eine einsame Angelegenheit sein. Manchmal ist das gut, weil man genau diese Ruhe braucht. Aber manchmal wünscht man sich Gleichgesinnte, mit denen man sich austauschen kann. Deshalb liebe ich das Schreiben im Atelier, vor allem das Schreiben in den Schreibrunden. Bei diesem gemeinsamen Schreiben und den Gesprächen über unser Schreiben entstehen aberwitzige Texte, wachsen der Fantasie Flügel, die Lust auf das eigene Schreibprojekt lässt die Finger über die Tastatur tanzen. Und wenn ich dann feststecke oder Fragen habe oder ganz einfach eine Passage vorlesen möchte, über die ich mich gerade riesig freue, falle ich damit nicht in einen luftleeren Raum, sondern stosse auf offene Ohren. 

Sehr viel Spass hat letzte Woche auch das Schreiben mit Oberstufenjugendlichen in Unterägeri gemacht. Mit ihnen Schreibtipps erarbeiten, ihnen Tricks zeigen, sie bei den Schreibaufgaben begleiten, mit ihnen disktuieren, ihnen Feedback geben, sich über ihre tollen Texte freuen, das war ein ungeheuer gutes Gefühl. Ähnlich ist es mir im Schreibworkshop Wortflügelschläge im Atelier ergangen. Da sind wunderbare Texte entstanden und gewachsen. Und nicht zuletzt war da letzten Samstag das Werkstattgespräch mit Schreibenden aus dem literarischen Schreiblehrgang von Schreibwerk Ost. Ein Austausch mit Gleichgesinnten. Eine Möglichkeit, andere mit meiner Begeisterung fürs Schreiben anzustecken. 

Ich merke, wie wichtig für mich dieses gemeinsame Schreiben und die Gespräche ums Schreiben geworden sind, wie gut sie mir tun, wie sehr sie mich inspirieren, aber auch, wie viel Mut und Energie sie mir für mein aktuelles und meine zukünftigen Projekte geben. 

Aktuell schreibe ich am Finale von Lost Souls 5. Ich habe mir den 15. Juli als Deadline gesetzt und bin einigermassen zuversichtlich, dass ich diesen Termin einhalten kann (an dieser Stelle hüstle ich mal diskret). Ich werde das Buch im Self Publishing herausgeben, eine Premiere, denn bisher waren alle Titel, die ich im Self Publishing herausgegeben habe, vergriffene Backlistentitel, die ich neu aufgelegt habe.

Am Werkstattgespräch fragte mich jemand, warum ich die Lost Souls nicht einfach bei da bux herausgebe. Dafür gibt es mehrere Gründe: Lost Souls 5 passt mit seinen geschätzten 300 Seiten nicht ins Programm, zudem wird es mein erstes Buch im Erwachsenenbuchbereich sein und last but not least veröffentlicht kein Verlag  einen fünften Band zu einer Serie, deren letzter Band vor Jahren erschienen ist. 

Ich habe mir auch lange überlegt, nach den ersten vier Bänden eine ganze Staffel mit vier weiteren Bänden anzukündigen, vor allem weil ich den Plot von Band 6 schon im Kopf habe, aber ich ahne, dass ich für eine Staffel viel zu langsam unterwegs bin. Also wird es einfach weitere Einzelbände der Lost Souls geben. Und nicht zuletzt spuken in meinem Kopf unzählige andere Geschichten herum, die erzählt werden wollen.

Das Schönste ist, dass ich in Sachen Schreiben wieder dort bin, wo ich angefangen habe. Es ist ein Zurück zu den Wurzeln. Ein Schreiben ohne Druck und Zwang, weder von aussen, noch von innen. Ich bin nicht auf Verlagssuche, mal abgesehen von der Juli-Deadline gibt es keine fixen Termine oder Fristen; ich schreibe nach dem absoluten Lustprinzip genau die Geschichten, die ich gerne lesen würde, genau in der Zeit, die sie eben benötigen, um zu Geschichten zu wachsen. 

Ich habe zu einer herrlichen Gelassenheit gefunden, wage mich an Experimente wie Krawallnacht (ein Ereignis, zwei Bücher aus zwei Perspektiven), Mittelstreifenblues (eine Erzählpersektive in prosa, die andere in Gedicht- und Songtextform), oder Dunkelwind (wo Geschichte, Figuren und Setting von einer Schulklasse stammen). Mein nächstes Experiment wird der Ausflug in die Erwachsenenbelletristik, und ich liebäugle mit einem Pseudonym für meine Geschichten, die in Grossbritannien spielen. 

In meinen Schreibworkshops ermutige ich die Teilnehmenden, nicht nach dem Markt zu schielen, sondern genau das zu schreiben, was tief aus ihnen herauskommt, das, was sie selber gerne lesen würden. Vielleicht entsteht so kein Bestseller, vielleicht ergibt sich nicht einmal ein Verlagsvertrag, aber es entstehen Geschichten mit Herz und Seele, nicht wenige davon abseits vom Mainstream. Ich für meinen Teil möchte genau solche Geschichten nicht nur schreiben, sondern auch lesen.

Wenn ihr gerne schreibt: schreibt. Und beherzigt dabei den wunderbaren Spruch 

Folge deinem Herzen, es kennt den Weg. 

Und ganz wichtig: Findet einen Ort, an dem ihr euch über euer Schreiben austauschen könnt. Findet Gleichgesinnte. Redet gemeinsam über das Schreiben, eure Erfahrungen, eure Texte. Wenn ihr die richtigen Menschen trefft, werden sich euch neue (Schreib)Welten öffnen. 

Montag, 20. April 2026

MUSE


Warum zur Hölle hatte ich kein Notizbuch und keinen Stift dabei? Buchtitel, Settings, Plotideen, Kurzdialoge - all das ploppte in meinem Kopf auf, tanzte darin herum, löste Kettenreaktionen aus und ich wusste genau, dass ich diese wunderbaren Geistesblitze nicht ansatzweise alle in meiner Erinnerung festhalten konnte. Also, warum zur Hölle hatte ich kein Notizbuch und keinen Stift dabei? Zu allem Elend hatte ich auch das Handy im Auto gelassen, weil ich mich voll und ganz auf das Konzert konzentrieren und jede Sekunde auskosten wollte.

Ort des Geschehens: Altes Kino Mels
Band auf der Bühne: The Beauty of Gemina

Die Band, zu deren Musik ich seit unzähligen Jahren meine Bücher schreibe, meine Inspiration, meine Muse. Längst hat sie auch Eingang in die Bücher gefunden: 

In #no_way_out hängt das Poster zum Album At the end of the sea über Edys Bett. 

Stattdessen richtete ich meinen Blick auf ein Poster über Edys Bett. Nicht auf Edy, denn das hätte mein Herz zerrissen. Die ganze Zeit, in der Jake weiterredete, schaute ich auf das Poster. Es war, als hätte Edy es genau für diesen einen Moment aufgehängt. ... Auf der Mole standen verschwommene graue Gestalten. Smiley, Edy und ich. Ich verstand nicht wieso, aber von dem Bild ging eine unendliche Ruhe aus. Sie gab mir die Kraft, Jakes Worte zu ertragen.

In der Lost Souls Reihe ist Nathan McArran eine junge und kaputte Version (reine Fiktion) von Michael Sele, dem Sänger von The Beauty of Gemina. Was gleich ist: Die Musik und die Stimme, in die man sich fallen lassen kann wie in eine endlose, warme Umarmung. In Band eins erzähle ich, wie Kata zum ersten Mal ein Konzert der Band Black Rain von Nathan besucht - es ist exakt das, was ich an meinem ersten Konzert von The Beauty of Gemina gefühlt habe. In Band zwei der Reihe steht Nathan mit seiner Band im Zentrum, und The Beauty of Gemina hat mir dazu einen Song zur Verfügung gestellt, den ich im Buch kostenlos zitieren und auch dem Buchtrailer unterlegen durfte (Link am Ende des Posts).

Hundert Lügen ist das Buch, zu dem mich der Song Dragon inspiriert hat, und in den dann das ganze dazugehörige Album Ghost Prayers eingeflossen ist.

Ich habe keine Ahnung, wie oft ich schon an Konzerten der Band war. Es sind viele, sehr viele. Das Konzert im Alten Kino Mels war nur eine weitere Station auf einem langen, gemeinsamen Weg. Wenige Wochen zuvor hatte ich The Beauty of Gemina im Theater am Kirchplatz in Schaan gesehen, wo sie zusammen mit Katharina Thalbach aufgetreten sind. Damals hatte ich mir geschworen, nur noch mit einem Notizbuch und einem Stift zu den nächsten Konzerten zu gehen. Tja. Und dann sass ich am Samstagabend im Alten Kino und liess mich von der Musik, dieser unvergleichlichen Stimme und den wunderschönen Songtexten davontragen, während in meinem Kopf ein Ideengewitter tobte und ich mich fragte, warum zur Hölle ich kein Notizbuch und keinen Stift dabei hatte.

In der Pause habe ich den Lichttechniker gefragt, ob er ein Stück Papier und einen Stift hätte. Vier Wörter sind mir noch eingefallen. Vier! Die habe ich aufgeschrieben. Das ist ein Anfang. Bruchstücke meiner Erinnerung werden zurückkehren. Darauf hoffe ich. Am Ende bleibt nur eins: Beim nächsten Konzert ... ja genau ... Notizbuch und Stift mitzunehmen. Vielleicht schreibe ich bis dahin ein Diary of a Lost, auch das ein Albumtitel der Band. Würde hervorragend passen. 

Nächstes Jahr, so hat Michael Sele am Konzert erzählt, feiert die Band ihren 20. Geburtstag. Mein Herz hat einen kleinen Salto geschlagen, denn nächstes Jahr feiert auch mein erstes Buch Blackout seinen 20. Geburtstag. Es gibt Zufälle, die keine sind.

Musen, so sagt man, inspirieren Künstler und Künstlerinnen in ihrem Schaffen. Und so ist Muse kein zu grosses Wort für die Band, zu deren Musik ich seit Jahren meine Bücher schreibe. Muse, das war auch so ein Geistesblitz am letzten Samstagabend. Einer, der mir im Gedächtnis haften geblieben ist. Es gibt für mich kein anderes Wort der Woche als dieses. Ich habe Michael Sele mal gesagt, so lange er Musik mache, würde ich auch schreiben. Es ist eine Art Versprechen. An mich. 

Hier noch der Buchtrailer zum Buch Black Rain mit der Musik von The Beauty of Gemina


PS: Wenn The Beauty of Gemina bei euch in der Nähe auftreten, geht hin. Mir bleibt, Danke zu sagen. Danke an meine Muse. Danke für eure Musik. 

Montag, 13. April 2026

SCHNECKENPOST

 

Irgendwann Anfang Jahr sass ich zwischen Morgen- und Nachmittaglesungen in einem Café. Vor mir lag Briefpapier, das ich beim Ausmisten gefunden hatte. Rosa Blumen auf wunderschönen Papier. Das einzige Briefpapier, das ich noch hatte. Rosa Blumen! Ich! Mir war es ein Rätsel, wieso ich mich für dieses Papier entschieden hatte, vor Ewigkeiten, in einem Leben, in dem analog weder Trend noch Flucht aus dem Digitalen sondern einfach Realität gewesen war. Auf eine ganz besondere Art gefiel mir das Briefpapier, das so gar nicht zu mir passte - und vielleicht eben doch?

Ich fuhr mit der Hand über das Papier, nahm meinen Stift und begann zu schreiben. Meinen ersten handgeschriebenen Brief seit langem. Die Zeit verging im Flug, meine Mittagspause lief aus, ich musste etwas überstürzt zu einem Ende kommen. Hastig steckte ich den Brief in ein Couvert, auch dieses mit rosa Blumen und einer schönen Marke, die ich schon am Vortag sorgfältig gewählt und ausgedruckt hatte. Auf dem Weg zurück zum Schulhaus, in dem meine Lesungen stattfanden, warf ich den Umschlag in einen öffentlichen Briefkasten. Dann stand ich eine Weile einfach da und freute mich. Stellte mir vor, wie am Tag danach oder auch zwei Tage danach die Empfängerin den Brief in den Händen hielt, die Blumen anschaute, vielleicht kurz lachte (weil sie mich kennt und wahrscheinlich nicht mit rosa Blumen in Verbindung bringt) und sich vielleicht auch genauso freute wie ich.

Seit einer Weile schicke ich dem kleinen Menschen in Winterthur Postkarten. Er hebt sie in seiner Schatzkiste auf und manchmal schauen wir sie gemeinsam an. Den Säntis mit dem hohen Mast, die zwei glücklichen Lamas, den kleine Drachen ...

Schneckenpost nennt man diese Art Post, die im realen Briefkasten landet, die man anfassen, aufbewahren und immer mal wieder anschauen kann. Genau solche Post hatte ich am Samstag im Briefkasten. Schneckenpost von Theres. Ich durfte im Atelier miterleben, wie sie das Konzept dazu entworfen hat, wie der Brief entstanden ist, von der ersten Idee bis zum Absenden. Ich sah, mit wie viel Liebe zum Detail Theres den Brief plante, wie sie sich überlegte, was sie dem Brief beilegen möchte, was das Logo dieser Schneckenpost sein sollte. Sie schrieb den Brief, schliff und feilte daran. Am Freitag hatte sie alles parat (für die Menschen in Deutschland: das ist ein wunderbares Schweizer Wort für etwas, das nach viel Vorarbeit bereit ist) und konnte die Briefe einwerfen.

Es war eine Freude, den Umschlag mit der besonderen Briefmarke zu öffnen, das Papier in den Händen zu halten, den Brief zu lesen, der mich an einen Bach mitnahm, wo Theres sich den Platz, an dem sie zeichnete, mit Schnecken teilte. Ich sah, hörte und roch den Ort, war mit Theres dort - und als Goodie lag dem Brief das Bild, das an diesem Tag entstanden ist, als Karte bei. Auch die anderen kleinen Beilagen sind wunderschön. Und wer genau hinschaut, findet sogar eine kleine Aufgabe, etwas versteckt, von Hand geschrieben, die man mit durch die Tage nehmen, sich dazu Gedanken machen und / oder sogar selber kreativ werden kann.

Die Schneckenpost von Theres kann man abonnieren. Entweder jeden Monat neu oder im Jahresabo. Infos dazu findet ihr hier. Für mich ist das handschriftliche Schreiben von Briefen und Postkarten Teil meines analogen Jahres. Wobei ich fest vorhabe, aus dem Jahr ein immer zu machen. Und ich bin jetzt schon gespannt auf die nächste Schneckenpost von Theres.

Montag, 16. März 2026

ATELIER

Die Schnecke Yolanda ist von Theres Willi

Vor etwas mehr als einem halben Jahr haben wir unseren Ateliervertrag unterschrieben. Voller Vorfreude, glücklich und aufgeregt, aber auch mit dem Gefühl, angekommen zu sein. Am letzten Freitag unternahmen wir drei Atelierfrauen unseren ersten gemeinsamen Atelierausflug. Es ging hoch hinaus, auf den Säntis, auf 2501,9 Meter über Meer, genau der richtige Ort für unsere hochfliegenden Pläne und Träume. Der Himmel war strahlend blau, auf dem Gipfel blies ein eisiger Wind, die Aussicht war fantastisch.

Wir genossen das Panorama und das Essen, legten auf dem Rückweg auf der Schwägalp eine Kaffee- und Zeichnungsrunde ein und feierten unser Atelier. 

Ins Atelier eintreten ist ein Eintreten in eine Welt der Kreativität, des Austausches, der Ideen, der gegenseitigen Unterstützung. Stilles, konzentriertes Arbeiten und Gespräche wechseln sich ab. Wir entwickeln gemeinsam Ideen, öffnen unsere Türen mit verschiedenen Kreativrunden (Schreiben, Zeichnen, Weltenbasteln, Nature Journalig) und einem offenen Ateliernachmittag auch anderen Kreativen. Nichts ist Müssen, alles ist Dürfen. Vor allem das neugierige Ausprobieren von Neuem. 

Was in den letzten Monaten alles entstanden ist? Wir haben einen Namen für das Atelier gesucht und gefunden, Theres hat ein Logo entworfen und eine eigene Atelier Webseite und Social Media Accounts erstellt. Was noch? Witzige Texte in unseren Writing-Promt-Übungen in den Schreibrunden, überraschende und wunderbare Zeichnungen im offenen Atelier und in den Zeichnungsrunden, Konzepte für Bücher und Kolumnen, Workshopangebote, unzählige Malereien in Experimenten mit Farben und Techniken. Wir haben Plotknoten gelöst und Blockaden überwunden und Theres hat mit ihren Bildern und Gemälden Markterfahrungen gesammelt. Wir haben endlos viel gelacht und viel gelernt. Wahrscheinlich habe ich jetzt nur die Hälfte aufgezählt - und trotzdem ist es nie hektisch im Atelier. Es ist ein ruhiger Hafen, in den man einfährt. Ein Safe Space inmitten einer ziemlich verrückten Welt. Ein Ort auch, an dem so vieles Möglich geworden ist. Ein positiver Ort, ein Ort, an den ich sehr gerne hingehe.

Ein gutes halbes Jahr Atelier - und es fühlt sich ein wenig an, als wäre es immer da gewesen. 

Montag, 9. Februar 2026

UNTERWEGS


Es ist Sonntagnachmittag, ich sitze am Wohnzimmertisch in Werdenberg, schaue in den Garten hinaus, in dem es heute schon ein bisschen nach Frühling aussieht, und hänge meinen Gedanken nach. Sie mäandern in verschiedenste Richtungen, ich lasse sie gewähren, folge ihnen, wechsle mit ihnen die Richtung und vertraue darauf, dass sie irgendwann an irgendeinem Ufer das Wort der Woche finden. Und tatsächlich, da liegt es, auf einer Sandbank wie ein Stück Schwemmholz. Ich erkenne die Sandbank, sie liegt in der Rheinschlucht, durch die ich ins Haus in die Berge fahre. Und weil sie so schön ist, fotografiere ich sie jedes Mal, und manchmal stelle ich sie online in eine Insta-Story und schreibe dazu: unterwegs. Und genau das ist das Wort, das jetzt neben dem Schwemmholz liegt, mein Wort der Woche. Ich hebe es auf, meine Gedanken breiten ihre Flügel aus und tragen mich in einen weissen Märchenwald, eingehüllt in Nebel, dann weiter zur Nebelwand von letzter Woche, so dicht, dass ich aus dem Zugfenster nur Weiss gesehen habe, von dort nach Winterthur, wo der kleine Mensch wohnt, von dort weiter durch unberührte Natur, bis ich sanft lande, mein Wort vor mir ausbreite und überlege, was unterwegs sein für mich bedeutet.

Ich war fast immer gerne unterwegs. Als Kind in den Bergen, im Wald, am Wasser, draussen, "verjuss", wie wir sagen. Als junge Frau oft auf Reisen, kurzen, langen und sehr langen. In verschiedenen Berufen, oft auch zwischen Berufen. In einem Leben ohne Kinder, dann mit Kindern, neu mit einem Enkelkind. Zu Fuss, mit dem Auto, mit der Bahn, im Bus, immer seltener mit dem Flugzeug, kaum je mit dem Fahrrad, einmal sogar auf einem Flussschiff und immer wieder auch einfach in Gedanken. 

Ich denke, das Unterwegssein ist auch ein Grund, weshalb ich schreibe: Ich kann mich jederzeit nach Schottland schreiben, nach Wales oder in die Yorkshire Dales, in den Frühling, wenn es Winter ist, in den Winter, wenn die Sommersonne zu heiss brennt. Wenn es mir hier auf diesem Planeten zu heftig wird, kann ich mich in eine Fantasiewelt schreiben oder mich in ein anderes Sonnensystem beamen. Dasselbe gilt fürs Lesen. Und so, wie man beim Schreiben und Lesen unterwegs sein kann, ohne irgendwohin zu reisen, kann man als Mensch unterwegs sein, zu sich selbst, von sich selbst weg, zu einem anderen selbst hin. Das kann sich wie eine Flucht anfühlen, wie ein Nachhausekommen, zuweilen wie Fliegen. Oder es kann ein Schweben zwischen Entscheidungen sein, bis man sicher ist, die richtige zu treffen. Kaum etwas ist so spannend, wie unterwegs zu sein. 

Diese Woche pendle ich zwischen Werdenberg (meinem Zuhause), Turbenthal (Lesungsort), Winterthur (zum kleinen Menschen und seiner Familie), zurück nach Werdenberg und am Ende der Woche hoffentlich wieder nach Cumbel (meinem zweiten Zuhause) - und natürlich dürfen auch die Gedankenreisen nicht fehlen. Diese Woche sind das unter anderem Ausflüge in die Gefilde der Titelsuche für da bux Bücher, nach Strassburg zu den Lost Souls und in die wundersame Ideensammelkiste im Atelier, wo wir Träume für die Zukunft weben.

Wo und wie immer ihr diese Woche unterwegs seid: Ich wünsche euch wunderbare Ausflüge und Reisen.

PS: Das Bild hat Theres Willi gemalt. Man kann solche kleinen Bildkärtchen - geometrisch oder so toll ausgerissen wie auf der Karte - übrigens bei ihr kaufen (verschiedenste Sujets) und damit wunderschöne, persönliche (Post)karten gestalten.