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Montag, 4. Mai 2026

GARTEN


Ich geniesse das grosse Privileg, zwei Gärten zu haben, einen im Tal unten und einen in den Bergen, wobei der Garten in den Bergen eher ein schier unzähmbarer Dschungel in einem mörderischen Steilhang ist, und der im Tal unten nicht wirklich als Garten durchgeht. 

Früher, als wir den Garten in den Bergen noch nicht hatten, habe ich jeweils im Frühjahr tonnenweise Pflanzen gekauft, ein- und mehrjährige. Lange ausgehalten haben es die wenigsten mit mir. Trotzdem habe ich unverdrossen jedes Jahr neue Pflanzen gekauft, habe Unkraut gezupft, bin mit der Giesskante herumgewuselt und mir meinen Garten so schön wie in den Magazinen gewünscht. Vergeblich.

Dann kam das Haus in den Bergen, und ich habe schnell gelernt, dass ich mit der Gartenmethode aus dem Tal total auflaufe. Als mein Vater das erste Mal gnadenlos alles in der Nähe des frisch angelegten Gehwegs niedermähte, ist mein Herz vor Entsetzen beinahe stehengeblieben. Was ich mühselig gepflegt und gehätschelt hatte, war ... weg! "Wie kannst du nur?", habe ich ihn gefragt und er hat gemeint: "Das wächst schneller nach als du gucken kannst." Er war es auch, der nach dem Roden das Gehölz nicht entsorgt hat, sondern mitten im Gelände einfach zu einem Haufen zusammengetragen und liegen gelassen hat. "Da werden sich eine Menge Kleintiere drin wohlfühlen." Ich habe das anfangs nicht verstanden. Mein schönes Grün war plattgemacht und im Gelände stapelten sich unansehliche Haufen. 

Es dauerte nicht lange, bis ich merkte, wie recht er in Sachen Nachwachsen hatte, und dann noch eine Weile, bis sich das mit den Stapeln herumgesprochen hatte und immer öfter so gemacht wurde. Über die Jahre habe ich gelernt, dass die Natur vieles von selbst regelt - wenn man sie lässt. Ich habe gelernt, loszulassen. Habe wachsen lassen, was wachsen wollte. Vieles davon oft im nächsten Jahr an einem anderen Ort. Ich habe aber auch gelernt, ziemlich radikal zu mähen und Bäumen unzimperlich mit der Säge zu Leibe zu rücken, Brombeerausläufer zu Dutzenden jedes Jahr aufs Neue aus dem Boden zu reissen - manchmal auch einfach abzuschneiden, weil die sowieso wieder nachwachsen. Ich habe dem Bärenklau den Kampf angesagt und reihenweise invasive Pflanzen ausgerissen oder abgeschnitten. Ich habe aus Natursteinen eine Feuerstelle errichtet, Terrassierungen und Trockenmauern gebaut, den Steilhang mit Naturtreppen aus Stein und Holz begehbar gemacht. Was wir roden (hier die wir-Form, weil die ganz grossen Arbeiten Herr Ehemann erledigt), werfen wir heute sehr selbstverständlich auf Haufen und geben damit jensten Kleintieren ein Zuhause.    

       

Ganz gezähmt ist der Bergdschungel nicht. Im Winter rutschen manchmal Teile der Terrassierung weg, im Frühling wächst er uns regelmässig über den Kopf. Aber er ist schön, unfassbar schön in seiner Wildheit. Wenn ich "schnell" eine Runde durchs Gelände drehen will, bin ich oft erst nach einer Stunde wieder zurück. Weil es so vieles anzuschauen und zu bestaunen gibt. Und ich immer neue Ideen habe, was ich noch machen könnte. Ohne den Garten in den Bergen würde mir etwas fehlen. Sehr sogar. 

Die Art, wie ich in den Bergen im Garten arbeite, habe ich mit ins Tal hinunter genommen. Es wächst, was wachsen will. Ausser ein paar einjährigen Frühlingsblumen kaufe ich nichts mehr. Im kleinen Garten gedeiht und blüht es auch so. Bunt, wild, kaum gezähmt. Und wenn es von etwas zu viel wird, arbeite ich nicht "mit der Nagelschere" wie mir früher scherzhaft gesagt wurde, sondern nehme das grosse Besteck raus und schneide zurück. Unfachmännisch resp. unfachfraulich, ohne Angst, etwas kaputtzumachen. Weil mein Vater recht hatte: "Das wächst schneller nach als du gucken kannst." Und wenn es mal nicht so ist, nun, dann wächst dort eben etwas anderes.

Gärtnern, so habe ich gelernt, ist etwas für Furchtlose. Gärtnern ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenmarsch. Gärten wachsen über Jahre, Jahrzehnte, oft Jahrhunderte. Gärtnern lehrt einen Gelassenheit. Ich nehme dankbar an, was die Natur für mich einrichtet. Sie ist sowieso die viel bessere Gärtnerin als ich. 

Das Einzige, das ich bedaure: Ich träume immer mal wieder den Traum der Selbstversorgerin. Aber ich kenne meine Grenzen. Und meine (Nicht)Fähigkeiten als Gärtnerin. Weshalb ich das mit dem Gemüsegarten bleiben lasse. Das eine Hochbeet, das ich mir eingerichtet habe, hat - um es nett auszurücken - sehr viel Luft nach oben. Ich beschränke mich also auf das, was abgesehen vom Giessen auch ohne mich wächst.

Nie ist der Garten so schön wie jetzt im Frühling. Ich komme gerade aus den Bergen zurück, wo ich mich stundenlang im Steilhang verloren habe, beim Arbeiten, beim Schauen, beim Staunen, beim Ideen jonglieren. Jetzt tippe ich diesen Blogpost mit Sicht auf das blühende Kleingartenleben um mich herum. Perfekte Gärten sehen anders aus als meine. Und noch immer überkommt mich beim Anblick schöner Gärten in Magazinen eine leise Wehmut. Aber seit ich herausgefunden habe, dass meine Gärten ein bisschen so aussehen wie ich, bin ich mit mir und der Gartenwelt versöhnt. 

Samstag, 1. Mai 2021

Warum mein Garten besser gekleidet ist als ich

Das Öffnen meines Kleiderschranks ist für mich zu einem kleinen Albtraum geworden. "Ich habe nichts anzuziehen" ist in meinem Fall keine Koketterie, sondern eine schmerzhafte Tatsache, vor allem nach meiner letzten Aus-dem-Leim-gehen-Runde. Nun passen auch die verbleibenden paar Kleidungsttücke nicht mehr. Kürzlich bin ich in einem Anfall von Verzweiflung in einen Kleiderladen marschiert, habe mir drei paar Jeans in (sehr) grossen Grössen, dafür in Kurzlänge, geschnappt und bin damit direkt zur Kasse. Ohne die Dinger anzuprobieren.

"Sie haben schon gesehen, dass eine Jeans eine Nummer grösser ist als die anderen?", hat die nette Verkäuferin gefragt.

Ja, hatte ich. Ich hätte auch gerne alle drei Paar in dieser Monstergrösse gehabt, aber alle anderen Kurzgrössen gab es nur in der Nicht-ganz-Monstergrösse. Ich wusste, dass sie zwar eng sitzen, aber passen würden. Ausserdem will ich ja wieder etwas schrumpfen (HA!)

Fazit: Die Monstergrösse eignet sich perfekt für meine langen Spaziergänge, die anderen lassen mich einigermassen gesellschaftstauglich aussehen. Hosenproblem gelöst. Vier funktionierende Paar Hosen sind für mich schon zwei mehr als vorher. Meistens trage ich sie, bis sie mir am Körper zerfallen. Zum Glück gibt es diesen Kaputte-Hose-Trend noch immer.

Oberteile habe ich noch drei oder vier passende, dazu kommen ein paar Verzweiflungskauf T-Shirts, die ich nur im Garten trage, weil ich sie so hässlich finde. Von Schuhen reden wir gar nicht. Ich trage seit nunmehr mindestens drei Jahren nur noch Turnschuhe derselben Marke und Farbe, plus Wanderschuhe, plus im Winter warme (abgelaufene) Winterschuhe.

Nein, es liegt nicht am fehlenden Geld. Mein Problem ist, dass ich Kleidershoppen hasse. Nur schon beim Gedanken daran bekomme ich schlechte Laune. Und wenn ich mich mal in einem Anfall von Jetzt-Aber in einen Kleiderladen stürze, bin ich meistens so schnell draussen wie ich vorher drin war.

Das hat verschiedene Gründe: Das meiste Zeug gefällt mir schlicht und einfach nicht. Und das, was mir gefallen würde, gibt es in meiner Grösse nicht. Ja, ich hab's online versucht, aber nach jeweils zwei bis drei Stunden Schmökern gebe ich entkräftet auf und wechsle zu den Shops, in denen ich stundenlang schwelgen kann: Deko- und Einrichtungsshops.

Es ist nicht so, dass ich generell nicht gerne einkaufe. Kein Einrichtungsladen ist vor mir sicher, keine Gärtnerei, in die ich nicht zumindest reinlinse. Am Allerliebsten sind mir die gemütlichen Läden, in denen alte, gebrauchte Möbel und Dekostände verkauft werden. Kürzlich kam ich bei meinem Spaziergang an so einem vorbei. Die Besitzerin war gerade damit beschäftigt, die Ausstellungsstücke vor ihr Geschäft zu tragen. Mein Auge fiel auf zwei Fensterläden. Zwei Augenweiden. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich hatte weder das nötige Geld noch das für den Transport nötige Auto dabei, aber ich reservierte die Läden und ging sie am Abend abholen (und bezahlen).

Während ich also für mich nichts Passendes finde - nicht zuletzt weil mir die Lust zum Suchen fehlt - werden unser Garten und unser Heim von Tag zu Tag schöner und gemütlicher.

Meinem Garten ist es egal, wie ich aussehe. Mir meistens auch. Aber jetzt stehen Lesungen vor der Tür. Meine beiden übergrossen Winterpullover, die ich während der letzten Wochen und Monate abwechselnd getragen habe, haben ausgedient. Der Kleiderschrank gibt ausser Hosen nicht wirklich was her. Ich habe eine kleine Panikattacke. Es ist Samstag, das Wetter ziemlich garstig. Der perfekte Tag, Kleidershoppen zu gehen. Theoretisch.

PS: Wenn ihr einen Online-Shop kennt, der tolle Kleider in grossen Grössen verkauft, in denen man nicht wie ein Zirkuszelt oder seine eigene Oma aussieht, vorzugsweise Kleider in Schwarz und in Cool, bitte schreibt mir den Namen des Shops unten in die Kommentare. Danke.

Montag, 15. Juni 2020

In the Shadows


Ich bin keine Sommerperson. Hitze macht mir zu schaffen. Andere Menschen haben den Novemberblues, ich den Juliblues. Das kann so weit gehen, dass sich bei mir in den heissen Sommermonaten meine gute Laune Hand in Hand mit meiner Kreativität von mir verabschiedet. Jeden Sommer nehme ich mir deshalb vor, mich NICHT von der Hitze überrollen zu lassen, ich versuche, Strategien zu entwickeln, die mir das Hitzeleben erträglicher machen. Ein Resultat davon sind die Schattenplätze ums Haus. Die sahen früher so richtig öd aus. Pflanzen- und seelenlos, keine Orte zum Verweilen. Das hat sich im Laufe der Jahre geändert.

Im Augenblick geniesse ich den kühlen Juni. Ich werde mich gleich motiviert an meine Arbeit machen und an meiner To-Do-Liste arbeiten. Mehr dazu in einem der nächsten Posts.





Sonntag, 28. April 2019

Unfolding

Jeden Frühling entrollt sich im Garten der Farn, etwas vom Schönsten, das man als Gartenliebhaberin mitverfolgen kann. Unfolding ist das Wort, das mir dazu einfällt. An dieses Unfolding denke ich jeweils auch, wenn ich gefragt werde, wie meine Texte entstehen. Sie entrollen und entfalten sich. Wachsen in ihrer eigenen Zeiteinheit heran. Es wäre sinnlos, an ihnen zu zupfen und zu zerren, um das Wachstum zu beschleunigen.

Im Augenblick wächst in mir sehr viel. Und alles extrem langsam. Ich störe mich nicht daran, sondern freue mich am Entrollen. Ähnlich geht es mir mit einem fast fertigen Text. Es fehlt nicht mehr viel; ich bin ganz nahe dran, aber halt eben noch nicht am Ziel. Das Überarbeiten geht nur langsam voran. Aber es wächst. Ich bin heute den ganzen Tag im "Schreibgarten", tauche noch einmal in den Text ein. Bin gespannt, ob er am Ende des Tages ganz entrollt ist, oder ob er noch etwas braucht.

Donnerstag, 25. April 2019

High-touch statt Hightech

In diesen Tagen beginnt mein Leben am Morgen mit einer Runde durch den Garten. Er ist nicht gross, und dennoch dauert die Runde ziemlich lang, denn so ein Garten ist nichts zum Durchhetzen, sondern ein Ort zum Verweilen. Dazu passend habe ich kürzlich ein Zitat gefunden.

Gardening is high-touch, not hightech. It's something that involves the total person.

Dasselbe gilt übrigens fürs Schreiben.









 

Montag, 22. April 2019

Kürzlich, im Frühlingsgarten

Vor Ostern habe ich Fotos im Garten gemacht. Und dann sah ich ihn, den kleinen Kerl. Ich hielt den Atem an und drückte auf den Auslöser. Er badete fröhlich weiter, also traute ich mich näher ran. Vorsichtig, mit klopfendem Herzen. Nach ein paar Bildern hielt ich inne und sah ihm einfach zu.

Kürzlich redete im Radio einer davon, was Glück ist. Wie wir es zuweilen verzweifelt suchen, wie viel Aufwand wir dafür betreiben. Dabei ist es so einfach. Glück ist in vielen kleinen Momenten zu finden. Manchmal haben wir per Zufall eine Kamera dabei. Meistens nicht. Und vielleicht ist das gut so. Denn das kleine Glück ist auch ein sehr intimes, persönliches.

Ich wünsche euch viele schöne Glücksmomente.