Samstag, 26. September 2020

Was bei mir los war - ein Update in Kurzform

Wenn ich längere Zeit nichts poste, liegt es meistens daran, dass einfach zu viel los ist. Diesmal war es eine ganze Menge. Ein Update in Kurzform:

Nachdem mein Computer schon in den Sommerferien schlapp gemacht hat, ist er Anfang September, kurz vor unseren Ferien, endgültig ins Cybernirvana hinübergeglitten. Die Zeit, ihn zu ersetzen, fanden wir vorerst nicht denn:

Wir fuhren nach Ligurien, wo wir normalerweise im Frühling hinfahren. Schön war es. Und heiss. Und mit Maskenpflicht fast überall. Die ersten drei Tage verbrachten wir in Camogli, die zweiten vier in Lerici. Für einmal ohne Wandern (zu heiss / Maskenpflicht). Zum Glück hatten wir an beiden Orten wunderbare Terrassen mit Aussicht.


Wieder zu Hause, bestellten wir einen Laptop. Im Büro dient er nur als eine Art Server. Ich arbeite mit Tastatur und Grossbildschirm. Wenn ich in die Berge fahre, hänge ich den Laptop vom System und habe sämtliche Daten dabei. Vor allem aber kann ich in kommenden heissen Sommermonaten mein Büro problemlos in ein kühleres Zimmer oder nach draussen legen.

Am 17. September durfte ich eine Online-Lesung mit einer Schweizer Schule in Brasilien machen. Was für eine Erfahrung! Ich glaube, ich hatte danach den ganzen Tag einen Smile im Gesicht.

Am 18. und 19. September feierten wir gleich zwei da bux Vernissagen: Am 18. in Bern mit Daniele Meocci und seinem Buch "Aktion Klimaschock", am 19. in St. Margrethen mit Maxima Hampel und ihrem Buch "Hochdruck" und Stephan Sigg mit "Null Empfang."


Am 21. September verbrachte ich einen Tag an der Oberstufe in Arbon. Die ersten Lesungen seit langem! 

Am 23. erschien meine dritte Qultur.ch Kolumne. Aus aktuellen Geschehnissen zu einem ganz anderen Thema als geplant.

Ebenfalls am 23. September hätte die Vernissage für Romana Ganzonis Buch "Die Torte" stattfinden sollen. In einer Bäckerei-Konditorei. Wie hatte ich mich darauf gefreut!!! Doch dann kam es anders. In Zeiten von Corona haben wir beschlossen, dass man sich für die Vernissagen anmelden musste. Als eine halbe Woche vorher erst zwei Anmeldungen bei uns eingegangen waren, verschoben wir die Veranstaltung schweren Herzens auf später. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es mehrere Leute gegeben hat, die spontan gekommen wären oder die sich noch am Tag der Veranstaltung anmelden wollten. 

Die letzten beiden Wochen trug ich zudem einen riesigen administrativen Berg ab. Noch ist er nicht ganz weg, aber ich hoffe nun, dass ich in nächster Zeit auch wieder einmal zum Schreiben komme.

Eigentlich wollte ich all die tollen Anlässe einzeln verbloggen, aber Tage danach macht das nicht mehr wirklich Sinn. Deshalb das Kurzupdate. Nun wird es wieder etwas ruhiger bei mir. Der nächste Anlass ist ein Workshop in Lenzburg und gegen Ende Monat bin ich - so Corona es zulässt - dann auf meiner ersten Herbstlesetour.

Mittwoch, 16. September 2020

Zu Gast beim Qultur-Talk

Ich durfte bei Qultur.ch gemeinsam mit Christian Imhof am Tisch Platz nehmen und mit ihm über das Schreiben, Jugendbücher, Lesungen, Musik und vieles mehr unterhalten. Das Resultat ist jetzt online.

Hier der Link zum Qultur-Talk


Montag, 7. September 2020

Wenn der Endspurt am Montag stattfindet

Letzte Woche ist es ruhig geworden im  Blog. Das hat seinen Grund: Ich kämpfte gegen einen Arbeitsberg im Büro und gegen Wildwuchs im Haus in den Bergen. Und dazwischen hängte sich - zum völlig falschen Zeitpunkt - mein Computer auf, schon zum zweiten Mal in kurzer Zeit. Ich fürchte, da hilft nur eine Neuanschaffung, denn ich will nicht tagtäglich auf einem Schleudersitz Platz nehmen, von dem ich jeden Augenblick in den leeren Raum katapultiert werden könnte.

Heute Montag sieht mein Bullet Journal Eintrag so aus. ENDSPURT.

(Anmerkung in Klammer: Ich habe eine neue Spalte eingefügt, in die ich jeden Morgen mein Tagesmotto schreibe.)

Gleich daneben sind mehr Arbeiten aufgelistet als es Platz hat, viele davon administrativer Kleinkram. Dazu gehören zum Beispiel jede Menge Mails: Abklärungen mit da bux Autor*innen, Organisatorisches, Beantworten von Anfragen, Infos usw. Aber auch grössere Arbeiten wie die YA!-Kolumne von Mittwoch. Da hatte ich zum  Glück schon vorgearbeitet. Und die Unterrichtsmaterialen zu zwei da bux Büchern sind auch gestern fertig geworden

Gespurtet bin ich, weil ich mir ab morgen ein paar Tage Auszeit gönne. Richtige Auszeit. Bevor es dann mit voller Geschwindigkeit an Vernissagen und Lesungen geht.

So sah es heute bei mir ziemlich chaotisch aus. Und wie das so ist, an Tagen, an denen sowieso genügend Arbeit auf der Liste steht, kamen noch jede Menge Fragen rein, die ich grad auch noch beantwortete. Jetzt bin ich parat. Also, beinahe. Ich muss nur noch ... ähm, nein, ich muss jetzt nichts mehr.

Dienstag, 1. September 2020

Von Lesungsabsagen und Honorarausfällen - oder - die Sache mit der Planungssicherheit

Die Ski-Destinationen hätten sie gerne. Die Sportclubs hätten sie gerne. Die Wirtschaft generell hätte sie gerne. Die Planungssicherheit. Doch die gibt es in Zeiten von Corona nicht. Und eigentlich hat es sie nie gegeben. Nur so etwas Ähnliches, nämlich die Gewissheit, dass normalerweise im Winter irgendwann irgendeine Schneemenge liegt, auf der man den Wintersport ausüben kann. Dass Fussball und Eishockey und andere Sportanlässe üblicherweise stattfinden usw. Ganz verlassen konnte man sich darauf nie, man dachte und handelte aufgrund von Erfahrungswerten und verliess sich auf einen gefühlten Normalfall.

So etwas wie Planungssicherheit gibt es in einem Autorenleben eigentlich nicht. Auf jeden Fall weniger als anderswo. Du weisst nie, wann und ob du für dein nächstes Buch einen Vertrag bekommst, ob und wie viele Lesungen du haben wirst, ob unerwartet nicht doch noch Einnahmen auftauchen, mit denen du nicht gerechnet hast. Die Planungssicherheit bei Autoren stand also schon immer auf wackligen Beinen.

Dann kam Corona, und Planungssicherheit wurde für sehr viele zu etwas, das es nicht mehr gab. Versicherungen zahlten mit Hinweis auf das Kleinstgedruckte nicht. 

Zum Glück schnürte unsere Landesregierung gleich zu Beginn des Lockdowns ein finanzielles Hilfspaket, in dem zu meiner Überraschung ausdrücklich auch die Kulturschaffenden enthalten waren. Zu meinem privaten Glück hatte ich in den Vorjahren genügend verdient und versteuert, um den Honorarausfall für meine 42 abgesagten Lesungen erstattet zu bekommen, von der SVA in Form von Erwerbsersatz. Plötzlich war ich Autorin auf dem Hochseil MIT Netz und doppeltem Boden. Im Gegensatz zu ganz vielen Berufskolleg*innen im In- und Ausland, die vom Teilausfall bis zum totalen Ausfall alles hatten und von denen nicht wenige finanziell am Abgrund stehen.

Die Meldefirst für das Hilfsprogramm endet am 20. September. Damit bin ich wieder ungesichert auf dem Hochseil unterwegs. Lesungsanfragen für die zweite Jahreshälfte habe ich. Bestätigte Termine auch. Mein Workshop morgen findet trotz krankheitsbedingten Abmeldungen von Kursteilnehmenden statt. Die weitere Zukunft hängt von den Corona-Fallzahlen und den damit verbundenen Massnahmen ab. Der Rest steht planungsunsicher in der Zukunft.

Und die sieht so aus: Vor mir liegt eine Vereinbarung für eine Lesungswoche, die ich unterschreiben soll. Mit einer Klausel am Ende.

xyz (Veranstalter) übernimmt die Kosten nicht, falls die Lesungen coronabedingt nicht stattfinden könnten.

Ich verstehe den Veranstalter voll und ganz. Aus seiner Sicht. Er hätte Ausgaben, ohne etwas davon zu haben. Es gibt aber auch die Sicht von mir Autorin. Und die sieht so aus: Ich weiss nicht, ob die Lesewoche stattfinden wird und ob ich in dieser Woche Geld verdienen kann und werde. Trotzdem muss ich mir diese Woche beruflich und privat freihalten. Dafür trage ich, wenn die Lesungen ausfallen, das ganze finanzielle Risiko alleine, falls die Corona Hilfsmassnahmen nicht verlängert werden.

Dieser Veranstalter informiert wenigstens über das Risiko, das ich eingehe. Viele Lesungen im Frühjahr wurden einfach abgesagt, ohne ein Wort über einen Honorarausfall. Ein einziger Veranstalter hat gefragt, wie er mich entschädigen kann, ein oder zwei haben die Lesungen auf den Herbst geschoben, ein Lesungsveranstalter hat sich massiv für "seine" Autor*innen eingesetzt (danke, Richi, ich weiss das extrem zu schätzen!). Ich gehe davon aus, dass ich im schlimmsten Fall auch im Herbst einfach Absagen bekommen werde, vielleicht sogar kurzfristige, und dass die meisten Veranstalter automatisch und selbstverständlich davon ausgehen, dass sie das Honorar dann auch nicht bezahlen müssen, auch nicht wenigstens einen Teil davon.

Nein, ich will mich nicht beklagen. Ich habe immer gewusst, worauf ich mich einlasse, ich weiss es auch jetzt. Mein Verständnis für Veranstalter, die selber finanziell zu kämpfen und zu beissen haben, ist sehr gross. Trotzdem müssen für die Zukunft Lösungen gefunden werden, die beiden Seiten gerecht werden. Zum Beispiel Lesungsverträge mit klaren Vereinbarungen, die die beiden Parteien miteinander aushandeln. Dabei müssen wir einander die Luft zum Leben lassen. Es nützt ja nichts, wenn Veranstalter keine Lesungen mehr organisieren, weil sie nicht für etwas bezahlen wollen, dass dann nicht stattfindet. Es hilft aber leider den Autor*innen genauso wenig, wenn sie das ganze finanzielle Risiko alleine tragen müssen. Ideen sind gefragt. Vielleicht habt ihr ja Lösungsvorschläge. Dann schreibt sie doch unten in die Kommentare.

Samstag, 29. August 2020

Heute in der Bibliothek - oder - vom Suchen und Finden

Heute ging ich mit einer Mission in die Bibliothek. Ich suchte ein ganz bestimmtes Fotosujet für meine nächste YA!-Kolumne. Es war wie so oft im Leben: Was ich suchte, fand ich nicht. Dafür fand ich, was ich nicht gesucht hatte. Und das war so viel mehr.

Gemeindebibliothek Buchs/SG

Freitag, 28. August 2020

Schreiben ist nichts Romantisches

Die wahrhaft kreative Reise ist jene, in der wir Tag für Tag von neuem aufwachen und uns eine Menge Arbeit bevorsteht.

Das Zitat ist von Austin Kleon, einem Autor, den ich bis gestern - leider - nicht kannte. Gestern kam er aus dem Nichts in mein Leben geflogen, also nicht er, sondern ein Paket. Dieses Paket hätte ein normales, unscheinbares Paket sein können, wenn da nicht die eine Adresszeile gewesen wäre. Ich hörte sie, bevor ich sie sah, denn Herr Ehemann hatte das Paket aus dem Briefkasten gefischt und las sie mir vor, kaum stand er im Flur. 

An die allerbeste Schweizer Autorin

Wir haben beide gelacht - gleichzeitig wurde mir warm ums Herz, denn mir war klar, wer mir dieses Paket geschickt hatte.

Im Paket war ein "Päggli", wunderschön verpackt. Ich öffnete es und heraus schlüpfte ein Buch mit einem sehr schreierischen Cover und einem einigermassen bescheuerten Titel. 

Weil Jutta nichts ohne Grund tut, dachte ich mir, ich lese mal kurz rein. Das Inhaltsverzeichnis packte mich, der Prolog las sich gut, die erste Seite im ersten Kapitel zog mich rein. 

Wann immer jemand anfängt, von einer kreativen Reise zu sprechen, muss ich leider die Augen verdrehen. In meinen Ohren klingt das viel zu hochtrabend, viel zu heldenhaft. Die einzig kreative Reise, auf die ich mich je begeben habe, sind die zehn Schritte von unserer Haustür in mein Atelier in der Garage.

Ich war begeistert. Einer, der meinen Beruf nicht romantisiert! Einer, der die Realität meines Lebens mit einem Augenzwinkern auf den Punkt bringt.

Leider musste ich direkt nach dem Mittagessen weg, so schnell, dass ich sogar das Geschirr auf dem Küchentisch stehen liess. Nachdem ich wieder zu Hause war, begab ich mich zwar nicht in die Garage, aber in mein Büro und dann ins Schreibzimmer (das ehemalige Kinderzimmer von Sohnemann), natürlich erst, nachdem ich den Küchentisch abgeräumt hatte. Beim Arbeiten dachte ich immer wieder an das, was der Autor den obigen Zeilen hinzugefügt hatte: 

Dann setze ich mich an meinen Schreibtisch, starre ein weisses Blatt Papier an und denke mir: Hast du das Gleiche nicht gestern schon gemacht?

Der einzige Unterschied zu mir: Ich sass vor einem beschriebenen Blatt, das ich noch einmal überarbeiten wollte und musste. Und ich fühlte mich genau wie der Autor: Nämlich wie Phil Connors aus dem Film Und täglich grüsst das Murmeltier.

Am Abend setzte ich mich dann in eine sehr ruhige Ecke und las. Was heisst da lesen? Ich verschlang Buchstaben. Viel zu schnell. Nickte. Lachte. Nickte. Wusste schon beim Lesen, dass ich das alles noch einmal lesen muss, weil es gespickt ist mit Sätzen, die ich mir aufschreiben will.

Später, nachdem ich mich bei Jutta bedankt hatte, schrieb sie mir, dass in dem Buch eigentlich nichts Neues stehe. Das stimmt. Sie und ich reden und schreiben seit Monaten genau über das, was Austin Kleon in seinem Buch schreibt. Wir nehmen einen Tag nach dem anderen. Romantisieren unsere Arbeit nicht, wollen sie uns aber auch nicht nehmen lassen. Vielleicht tut das Buch deswegen so gut. Weil da einer ist, der die Sache mit dem Leben als Künstler/Autor nicht romantisiert, sondern sie beschreibt, wie wir sie erleben. Und der trotzdem findet, dass er einen tollen Beruf hat. Genau das finden wir auch.

Ich habe nicht das ganze Buch verschlungen. Es gab da nämlich ein paar Zeilen, an denen ich hängengeblieben bin:

Alles, was du brauchst, um aussergewöhnliche Kunst zu schaffen, findest du in deinem Alltag.

 Kleon zitiert dazu Sally Mann:

Meine Philosophie war immer schon, Kunst aus dem Alltäglichen, Normalen entstehen zu lassen ... Es ist mir nie in den Sinn gekommen, von zu Hause fortzugehen, um Kunst zu schaffen.

Mir fiel eine Begegnung ein, die vor ein paar Jahren stattgefunden hatte. Ich erinnerte mich, wie ich bei den Ostschweizer Lesungen am Eröffnungsanlass war und mich zufällig neben der für Kultur zuständigen Regierungsrätin sitzend fand. In den Pausen versuchte sie es mit Kommunikation.

Sie: „Sie sind Autorin?“
Ich: „Ja.“
Sie: „Ah … haben Sie schon einen Werkbeitrag von uns bekommen?“
Ich: „Nein.“
Sie: „Aber dann kamen Sie bestimmt schon in den Genuss unseres Aufenthaltsstipendiums in Rom.“
Ich: „Nein. Ich habe Kinder. Ich kann nicht einfach ein halbes Jahr weg.“

Darauf sagte sie nichts mehr. Ich auch nicht. Ich dachte darüber nach, wie sehr mich ein Werkbeitrag gefreut hätte, aber so einen bekamen halt fast nur Leute, die nach Berlin gezogen waren. Oder in eine andere Weltstadt. Oder zumindest teilweise im Ausland gelebt hatten. Da konnte ich Landei aus der Pampa, das seinen Erzählstoff nicht auf weiten Reisen und in spannenden Schmelztigeln fand, nicht mithalten. Ich redete mir ein, dass ich sowieso nie für ein halbes Jahr nach Rom wollte. Aber halt auch, dass ich das auch nie gekonnt hätte. Ich begann mein Leben als Autorin mit jungen Kindern. Ich klaute mir die Zeit fürs Schreiben zuammen, in Nachtstunden, die nicht zu lange dauern durften, weil ich für meine Kinder, die zur Schule mussten, am Morgen früh aufstehen musste. Dazu kam ein Brotjob. Geschrieben habe ich in gestohlenen Stunden am Abend, am Wochenende, in Ferien. Die so beiläufig hingeworfenen Fragen der Frau trafen mich tief in meiner Seele, dort, wo ich sehr verwundbar war. Natürlich konnte die Frau das nicht wissen, natürlich meinte sie es nett, natürlich wollte sie mich nicht verletzen, und eigentlich fand ich sie auch eine gute Politikerin, aber an jenem Abend standen mir die Tränen zuvorderst. (Ich bin sonst nicht so einsilbig in Gesprächen.)

An jene Begegnung habe ich gestern gedacht, und ich wünschte mir, dieses Buch hätte es damals schon gegeben. Ich glaube, ich hätte glatt Austin Kleon zitiert und dabei die Kraft aufgebracht, über Werkbeiträge zu diskutieren.

Und jetzt gehe ich arbeiten. Sprich: Ich bleibe erst einmal an meinem Bürotisch sitzen. Erledige wie jeden Tag Mails und danach schleife ich das Projekt von gestern, an dem ich endlos lange gearbeitet habe, ein letztes Mal und schicke es dann ab. Es ist ein wahrlich aussergewöhnliches Projekt, das sich mittlerweile seit mehr als drei Jahren hinzieht. Eigentlich wollte ich es im Frühsommer schmeissen, habe aber noch einmal einen Anlauf genommen. Haltet mir die Daumen. 

Danach verziehe ich mich für die weitere Arbeit in Sohnemanns ehemaliges Kinderzimmer, den ich mir - noch mehr - zu meinem Heiligen Ort machen möchte.

PS: Seid vorgewarnt Ich habe so eine Ahnung, dass ich noch öfters aus Gib nicht auf zitiere

Mittwoch, 26. August 2020

Wenn Träume wahr werden

Alter schützt vor Träumen nicht. Einer meiner Träume war eine Kolumne. Ja, WAR. Denn ab heute ist es ein erfüllter Traum. Und das kam so:

Damals, als ich mit dem Schreiben begann, begann ich auch zu bloggen. Für mich war das eine Fingerübung in Sachen Kurztext und gleichzeitig ein Ventil. Ich war Frau Zappadong und schrieb über das, was mich beschäftigte. Mir zur Seite stand Mr. Doorman, ein Russe mit Hang zum Pragmatismus. Wir wohnten in einem riesigen Blockgebilde ohne Lift, dafür mit einer Reception und einer Drehtür, das man bei Bedarf im Boden versenken konnte. Über die Jahre entstand eine eigene Zappadongwelt, in der ich mich gerne bewegte. Die Themen, über die ich schrieb, wären auch Kolumnen wert gewesen, aber es ergab sich keine Gelegenheit, sprich, es kam keine Anfrage von einem Magazin oder einer Zeitung und ich bewarb mich auch nicht.

Dann passierten zwei Dinge, beide nicht über Nacht. Ich war als Autorin erfolgreich genug, um mein Schreiben zu meinem Beruf zu machen, und ich begann einen zweiten Blog - diesen hier - in dem es um das Schreiben gehen sollte. Parallel dazu wurde es in der Schweiz mit dem Aufstieg der SVP politisch im Umgangston gehässiger und kälter. Geld spielte eine immer grössere Rolle. Der Neoliberalismus nahm volle Fahrt auf, vor der Tagesschau konnte man nun jeden Tag die Börsenkurse verfolgen. Im Leben von Frau Zappadong wurde es sehr düster, so düster, dass es ihr an Negativem zu viel wurde und sie erst vorübergehend, dann für immer ihren Wohnblock in den Boden versenkte und abtauchte. Der Blog Zappadong blieb online bis zur DSGVO, nicht aktiv gepflegt, aber sozusagen als Archiv. Als im Rahmen der DSGVO die Online-Regeln stark geändert wurden, entschied ich mich, den Blog offline zu nehmen. 

Mir blieb mein Kreuz und Quer Blog, in dem es hauptsächlich ums Schreiben ging. Aber mir fehlte etwas. Also öffnete ich diesen Blog wieder für alle Themen, die mich interessieren. Der Traum von einer Kolumne blieb.

Vor einer guten Woche fuhr ich nach Chur zu einem Interview mit Christian Imhof vom Online-Magazin Qultur. Beim Vorgespräch fragte er mehr beiläufig, ob ich nicht per Zufall Lust hätte, eine Kolumne für das Magazin zu schreiben. Ich antwortete überhaupt nicht beiläufig, dass ich das sehr gerne tun würde, am liebsten eine Kolumne, in der es um das Jugendbuch geht.

Ich fuhr nach Hause und beschloss noch am gleichen Tag, dass ich aus dem beiläufig Besprochenen Nägel mit Köpfen machen wollte. Ich fragte bei Christian nach, wie oft, wie viele Zeichen, mit oder ohne Bild usw., sprich, alles, was ich an Informationen brauchte, um loszulassen. Letzten Samstag legte ich los. Eigentlich mit einem ganz anderen Thema als dem, das es jetzt geworden ist. Das andere Thema hat Zeit. Der passende Titel zur Kolumne fiel mir mehr oder weniger vom Himmel auf die Schreibtischplatte (ich bin nämlich sonst ganz schlecht im Titel finden). Am Sonntag schliff und feilte ich. Schoss ein passendes Foto. Dann schickte ich das Ganze an Christian. 

Et voilà: Heute könnt ihr meinen ersten Text lesen. Für euch ist es eine Kolumne, für mich ein Traum, der sich erfüllt hat. Hier ist der Link. 

Sonntag, 23. August 2020

Einblicke in meine Planung

Kürzlich hat Jutta Wilke in ihrem Blog Einblicke in die Gestaltung ihres Bullet Journals gegeben und dabei unter anderem geschrieben, dass sie nie mehr als einen Monat vorausgestaltet. Einzige Ausnahme: Das Future-Log, also die Jahresagenda. Sie hat dieses Log am Anfang ihres Bujos, ich am Ende, ihres umfasst das aktuelle Jahr plus vier Monate, meins das aktuelle Jahr plus sechs Monate. Hier trage ich alle Termine ein und verliere so nie den Überblick auf kommende Lesungen, Workshops usw. Weil damit die langfristige Planung abgedeckt ist, kann ich die einzelnen Monate kurfristig den momentanen Lebens- und Arbeitsumständen anpassen und mir dabei in Ruhe überlegen, wo für mich die Schwerpunkte liegen und mir dementsprechend Blätter dazu einrichten und gestalten. Im Frühjahr ist das zum Beispiel die Lektoratsarbeit für den da bux Verlag, später dann der Garten, oft sind es auch Projekte im Haus, die ich umsetzen will.

Es gibt noch etwas, das mein Bujo mit dem von Jutta gemeinsam hat. Früher war es bunter, vielfältiger und verspielter, heute ist es sehr viel praktischer geworden, etwas, das ich manchmal bedauere. Umso wichtiger ist es für mich, schöne Monatsübersichtsblätter zu gestalten.

Für den September habe ich mir etwas Neues einfallen lassen: Ich habe eine Textpassage aus meinem aktuellen Romanprojekt eingefügt. Sie soll mich daran erinnern, regelmässig an der Geschichte weiterzuschreiben. Dann sind da nach langen Monaten ohne berufliche Termine erstmals auch wieder Termine für Workshops und Lesungen zu finden. Und dann natürlich die Daten der Vernissagen für die neuen da bux Bücher. Nun hoffe ich, dass uns Corona nicht wieder einen dicken Strich durch die Rechnung macht.

Nach der Monatsübersicht folgt eine To-Do-Seite, die ich in vier Bereiche gliedere: Generell / Schreiben / da bux / Vorsätze. Bei der Wochenübersicht habe ich im August mit einer neuen Vorlage experimentiert, die ich zumindest im September beibehalten und dann im Oktober wahrscheinlich leicht vereinfachen, anpassen und umgestalten werde. Schwerpunkt sind die täglichen To-Do-Listen, darin integriert sind kleine Tracker, weil ich zum Teil sehr schlecht schlafe und herausfinden möchte, ob bestimmte Faktoren darauf einen Einfluss haben. Bis jetzt erkenne ich noch kein Muster, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Früher gestaltete ich jeden Monat mindestens 6 Spezialseiten, momentan sind es noch zwei, wenn es hochkommt vier, und auch die wirken oft ziemlich praktisch. Das möchte ich ändern.

Zum Schluss noch eine Vergrösserung des Texts auf der Monatsüberblickseite. Es ist ein Ausschnitt aus dem fünften Band der Lost Souls.


Freitag, 21. August 2020

Leben in Zeiten von Corona - Welche Folgen eine stornierte Reise für die Menschen vor Ort haben kann. Teil 3.

EIN GASTBEITRAG VON DONATELLA RASI GANTENBEIN VON GANRAS TRAVEL

Wer Teil 1und Teil 2 nachlesen möchte: Hier sind die Links:
Teil 1 / Teil 2 

Tag 7   Unterwegs in Namibia


Bevor es zurück nach Windhoek ging, wollte die Familie mehr über die Urbevölkerung Namibias, den San (Bushmen) erfahren. Dazu wollte sie das Unesco Weltkultur-Erbe mit den Felsritzungen besuchen. Die Führer dort leben schon seit Monaten von der Hand in den Mund. Trinkgelder der Touristen fehlen- nur mit diesen Zusatz-Einnahmen werden ihre Familien satt.

Die letzte Logde vor Windhoek ist auch seit Monaten praktisch leer- die Buchung für drei Zimmer inkl. Verpflegung wäre immerhin etwas gewesen. Die Küchenhilfen haben alle unbezahlten Urlaub und fehlen dem Koch, der trotz wenigen Gästen viel Arbeit hat.

Der Mountainbike-Guide und die Betreiber und Helfer der Zip-Line haben wohl an diesem Nachmittag auch frei. Denn die Familien Mitglieder hatten einige Aktivitäten vor Ort buchen wollen.

Tag 8   Letzte Etappe zurück nach Windhoek

Die letzte Etappe führt zurück nach Windhoek. Und da haben wir ja schon sämtliche Leistungen für den Abschluss im gleichen Schritt annulliert, wie bei Ankunft.

Die Reservierung im berühmten Restaurant Joe’s  Beerhouse müssen wir nicht abbestellen. Die wollte die Familie vor Ort tätigen. Es ist allerdings nicht sicher, ob sich das grosse und trotzdem sehr originelle Lokal mit seinen rund 110  Angestellten bis Oktober über Wasser halten kann. Man munkelt, dass es Corona-halber schliessen muss.

Und da war doch noch dies….

Übrigens der Taxifahrer, der die Familie vom Hotel zum Restaurant und zurück fahren sollte, wird sich an diesem Abend mühevoll andere Klienten suchen müssen.

I work from 06h00 to 22h00. A reasonable figure would be between N$350 to N$450 per day. The figures are not fixed as it depends per day of the week and month. Mondays and Fridays are good days. Month ends and the first week after month end are normally the best times to make money. However, one has to improvise or live with what comes. August to December can be business months and so is the rainy season. During summer time, there is a lot of movement and thus people take taxis.

Quelle: The Namibian

Anmerkung: 450 NAD = ca. 25 CHF   //   Benzinpreis/ Liter ca. 11 NAD

Und da gibt es noch so viele Menschen und Tiere, dessen Wohl direkt oder auch indirekt vom Tourismus abhängig sind, welche nicht genannt wurden.

Alle aufzuzählen ist einfach nur ein Ding der Unmöglichkeit.

So viele Hoffnungen sind an dieses „Reise-Tourismus-Geschäft“ geknüpft.

Es geht nicht immer nur um CO2 oder Corona!!

Uns mag es ja um vieles gehen,

bei den Einheimischen vor Ort geht es aber um alles,

um das nackte Überleben.

Darum ist es wichtig, dass auch wir Reiseanbieter weiter existieren können, damit wir den Menschen vor Ort  ein wenig der Hoffnung auf ein besseres Leben vor Ort weitergeben können.

Mittwoch, 19. August 2020

Leben in Zeiten von Corona - Welche Folgen eine stornierte Reise für die Menschen vor Ort haben kann. Teil 2.

EIN GASTBEITRAG VON DONATELLA RASI GANTENBEIN VON GANRAS TRAVEL

Wer Teil 1 nachlesen möchte: Hier ist der LINK.

Tag 3   Unterwegs in Namibia

Im Gebiet der Lodge waren diverse Aktivitäten geplant. Die Stornierung bringt wiederum einen Rattenschwanz an Folgen mit sich, die das Überleben ganzer Familien und die Fortführung der diversen Projekte für nachhaltigen Tourismus und Naturschutz gefährden.

Ein wichtiges, von der Lodge unterstütztes Projekt ist der Schutz der Geparde. Schon seit längerer Zeit werden diese von den Farmern als Problemtiere wahrgenommen und deshalb oft abgeschossen, falls sie sich den Farmtieren nähern.

Die Cheetah Conservation Fund hat sich dieser Probleme angenommen.

Dazu gehören Projekte zum Herdenschutz und Aufnahme von verletzten Tieren oder sogenannten „Problem-Tieren“. 


Da die Bevölkerung unbedingt miteinbezogen werden soll, arbeiten gut geschulte Lehrkräfte mit Schulkindern und es werden Fachkräfte losgeschickt, die die Bauern rund um das Schutzgebiet aufklärt und ihnen gratis Herdenschutzhunde zur Verfügung stellt und ihnen den Umgang mit diesen Hunden beibringt.

Die Familie wollte sich das Projekt anschauen und hatte eine Info-Veranstaltung dazu gebucht. Diese Veranstaltungen für Lodge Gäste sind sehr wichtig, um das Projekt zu finanzieren.

Im Moment wurden viele der Projekte Corona bedingt auf „Minimum-Betrieb“ zurückgestuft, da einfach das Geld fehlt, um die Fachleute in die Dörfer zu schicken. Die Volontäre, die mithelfen das Projekt zu finanzieren, fehlen. Da auch die Schulen geschlossen sind, werden auch die ausgebildeten Helfer zur Aufklärung der Bevölkerung arbeitslos. Dass dies wiederum eine ganze Reihe von negativen Auswirkungen hat, muss ich wohl nicht näher erläutern. 

Tag 4   Unterwegs in Namibia

Beim nächsten Aufenthalt unterstützen wir ein privates Projekt, welches sich u.a. dem Schutz der Nashörner widmet. Ebenso bezieht die Organisation (mit mehreren Lodges) ihr sämtliches Gemüse von den umliegenden Farmern und beschäftigt diese auch wo immer möglich in den verschiedenen Lodges. 

Leider ist auch diese Zusammenarbeit durch das Ausbleiben der Gäste gefährdet, denn das angebaute Gemüse kann nicht verwertet werden. Ausserdem grenzt das private Wildschutz-Gebiet an den Etosha National Park und dient so als Pufferzone, welche besonders im Kampf gegen die Wilderei eine grosse Rolle spielt. Die privaten Ranger spielen hierbei eine äusserst wichtige Rolle. 

Tag 5   Unterwegs in Namibia

Die nächste Unterkunft dient vor allem der Entspannung der Gäste. Im Spa sollen diese die natürlichen Einheimischen Produkte kennen und schätzen lernen.

Die Wüste Namibias hat da so einiges zu bieten. Die Lodge bezieht ihre Produkte von einheimischen Farmern und lässt sie von einheimischen Fachleuten weiter verarbeiten. Die Mitarbeitenden des Spas verwenden diese dann für die Behandlung der Gäste.

Nach einem anstrengenden Tag auf den holprigen Pisten des Etoscha Nationalparks hatte sich die Familie eine Massage gönnen wollen.

Die Mitarbeiterin des Spas – ebenso wie die restlichen Mitarbeiter der Lodge gehen wieder einmal leer aus. Die Betreiber der Lodge werden wohl dieses Jahr einige der Mitarbeiter nicht beschäftigen können.

Tag 6   Unterwegs in Namibia

Die 6. Unterkunft wird von einer Community geführt und ist auch in deren Besitz.

Es ist der Community ein Anliegen, den meist ausländischen Gästen ihren Lebensstil und ihre Kultur näher zu bringen.

Die Familie wollte sich voll auf dieses Erlebnis einlassen und buchte deshalb eine private Tour mit den Gastgebern. Diese  Tour bietet einen guten Einblick in die Arbeit der Mitglieder der

Conservancy –Community. Diese hat mit den Farmern im Gebiet ein Konzept für naturnahes Farmen erarbeitet und stellt dieses nun den Besuchern vor. Ebenso unterstützt die Community die umliegenden Schulen und unterhält Einrichtungen zur Erhaltung der eigenen Kultur.

Die Gäste können an kleinen Workshops teilnehmen und Schulen besuchen.

Einmal mehr wirkt sich die Stornierung auf ganze Gemeinden aus. Ihnen fehlen wichtige Einnahmen um ihre Ideen für nachhaltige Landwirtschaft und den Erhalt ihrer Traditionen zu verwirklichen.

Denn auch hier geht es vor allem ums Überleben. 

(Fortsetzung folgt)