Sonntag, 21. Juni 2020

Vom Küchentisch, Blicken ins Grüne und Aufbrüchen

Meine Freundin Jutta Wilke hat ihren Blog umgestellt. Weg vom reinen Autorenblog hin zu dem, worum es eigentlich immer ging und immer geht: zum Leben mit allem, was dazu gehört. Jetzt sitzt und bloggt sie von dort, wo sie (fast) immer sitzt, wenn sie schreibt: ihrem Küchentisch. Mit Blick ins Grüne. Und mit Blick ins Bunte. Hier der Link zu ihrem neuen Küchentischblog. Mir gefällt das total gut. Gerade wenn sich das Weltgeschehen sehr düster zeigt, ist es wichtig, dass wir unserer kleinen privaten Welt Farbe geben. Viele winzig kleine Farbkleckse können nämlich zu grossen Farbteppichen zusammenwachsen.

Ich schreibe zwar nicht am Küchentisch, aber ich sitze sehr oft dort. Seit ich die Küchenmöbel gestrichen habe noch viel öfters. Es ist erstaunlich, was selbst kleine Veränderungen vermögen. Ein bisschen Farbe, ein neuer Anstrich, die Deko aufgefrischt – und schon hast du das Gefühl, ganz neu zu wohnen. Ich auf jeden Fall kann mich nicht sattsehen; ich weiss gar nicht, wie oft ich seit dem kleinen Upcycling in der Küche gestanden oder gesessen bin, voller Glück, und mir dachte: Boah hast du es schön.

Wenn ich meinen Kopf nach links drehe, schaue auch ich direkt ins Grüne, hinaus in unseren Garten, der mit jedem Jahr schöner wird. Auch an diesem satten Grün mit seinen Farbtupfern kann ich mich kaum sattsehen. Es ist, als öffne sich in mir etwas, als nähmen Ruhe und Zufriedenheit in mir nebeneinander Platz.

Allen, die jetzt denken: Ja, ja, die hat gut reden, die mit ihrem Haus, möchte ich von der Wohnung meiner Tochter erzählen. Sie liegt im Industrieviertel von Winterthur, in einem dieser alten Wohnblocks, eher untere Preisklasse, von aussen dieses hässliche gelb-grau. Weil das Viertel schon älter ist, liegen die Blocks etwas weiter auseinander, dazwischen stehen hohe Bäume. Wenn meine Tochter aus der Küche schaut, sieht sie grün. Wenn sie auf den Balkon geht auch. Vor dem Balkon und auf dem Balkon, weil er voller Pflanzen ist und ihr Freund dort auch Gemüse züchtet. Betritt man die Wohnung, betritt man einen Kokon voller Geborgenheit. Früher waren alle Möbel alt in der Wohnung der beiden, heute stehen ein paar neue da, sorgfältig ausgesucht und mit viel Liebe und einem Auge für das Schöne. Dank kreativer Ideen, die sich sehr kostengünstig umsetzen liessen, ist diese Wohnung ein einzigartiger Ort geworden. Meine Mutter, die die Wohnung zum ersten Mal gesehen hat, war begeistert. Ich bin’s jedes Mal aufs Neue. Und jedes Mal, wenn ich diese Wohnung sehe, bedaure ich es unendlich, dass man bei uns in der Schweiz nur noch einen einzigen Wohnungstyp baut: den mit den grossen Räumen, den glänzenden Küchen, den riesigen Fenstern, den grausam kalten Badezimmern und den ewig gleichen Grundrissen– Wohnungen ohne Seele. Zum Glück kann man fast jeder Wohnung eine einhauchen.

Jutta ist mit ihrem Blog dorthin gezogen, wo sie schon immer geschrieben hat: an ihren Küchentisch. Ich finde Ruhe und Ausgleich im Garten und beim Neugestalten der Räume. Dabei arbeite ich wann immer möglich mit dem, was schon da ist. Mit etwas Fantasie kann man bestehendes Mobiliar in andere Formen und Farben bringen, Bestehendes aufbrechen, ohne es zu zerstören und dabei etwas ganz Neues schaffen, das im Kern dennoch vertraut ist.

Jutta, ich schick dir Grüsse an deinen Küchentisch, wo du wieder schreibst. Auch bei mir ist das Schreiben zurückgekommen, so heftig und intensiv, dass es mich an den unbezähmbaren Dschungel im Haus in den Bergen erinnert. Und genau deshalb macht mir dieses Unbezähmbare nichts aus, ich liebe es sogar, weil ich gelernt habe, wie befriedigend das Arbeiten in dieser Ungezähmtheit sein kann. Obwohl ich – egal wie oft und wie hart ich arbeite – nie fertig werde, wächst und wuchert immer wieder Neues. Ich schaue es staunend an, geniesse den Moment und weiss, wenn ich das nächste Mal komme, ist alles wieder anders. Aber auch schön (siehe Beweisfoto).

Und so geniesse ich das Gefühl, von Ideen geradezu überwuchert zu werden, ohne auch nur die leiseste Ahnung, wo ich anfangen soll, weil ich überall anfangen will. Ich habe für all die vielen Ideen ein separates Bulletjournal angefangen und damit auch einen Kreis geschlossen: Das Bullet Journal mit dem Titel «Meine Ideenschmiede» habe ich nämlich vor ziemlich langer Zeit von Jutta erhalten und nie angefangen, weil ich immer auf den passenden Moment gewartet habe. Jetzt ist er da. Das Irre an der ganzen Sache: Ich schrieb an einer Mail an Jutta, als ich mitten im Schreiben das sprichwörtliche Licht sah, das alles klar machte. Ich weiss nicht nur, was ich alles noch schreiben möchte, sondern auch als wer und wie. Nur noch nicht, in welcher Reihenfolge. Dazu aber mehr in einem anderen Post.


Donnerstag, 18. Juni 2020

Hundert Lügen und Blackout und warum es von mir nie einen Schreibratgeber geben wird

Soeben online gegangen: Mein neustes "Ihr fragt - Ich antworte" Video, in dem es um Blackout und Hundert Lügen geht und in dem es ziemlich persönlich wird. Das Video ist Teil einer Serie von Antworten auf Fragen von SchülerInnen der Kantonsschule Chur. Ich rede darin über die Entstehungsgeschichten der beiden Bücher, meine - zugegebenermassen etwas chaotische - Art zu schreiben, darüber ob darin eine Botschaft steckt und wenn ja, welche, und welches meine Lieblingsstellen im Blackout sind.

Wenn ihr den Clip gesehen habt, werdet ihr wissen, dass es von mir nie einen Schreibratgeber geben wird. Ich finde, jeder Autor und jede Autorin muss seinen / ihren ureigenen Zugang zum Schreiben finden. Genau so vermittle ich es auch in meinen Schreibworkshops.Was für mich passt, passt für andere überhaupt nicht und umgekehrt. Also: Nehmt mich nicht als Massstab und "aha, so schreibt man Bücher", sondern nehmt mich als "aha, so kann es auch funktionieren."

Montag, 15. Juni 2020

In the Shadows


Ich bin keine Sommerperson. Hitze macht mir zu schaffen. Andere Menschen haben den Novemberblues, ich den Juliblues. Das kann so weit gehen, dass sich bei mir in den heissen Sommermonaten meine gute Laune Hand in Hand mit meiner Kreativität von mir verabschiedet. Jeden Sommer nehme ich mir deshalb vor, mich NICHT von der Hitze überrollen zu lassen, ich versuche, Strategien zu entwickeln, die mir das Hitzeleben erträglicher machen. Ein Resultat davon sind die Schattenplätze ums Haus. Die sahen früher so richtig öd aus. Pflanzen- und seelenlos, keine Orte zum Verweilen. Das hat sich im Laufe der Jahre geändert.

Im Augenblick geniesse ich den kühlen Juni. Ich werde mich gleich motiviert an meine Arbeit machen und an meiner To-Do-Liste arbeiten. Mehr dazu in einem der nächsten Posts.





Mittwoch, 10. Juni 2020

Eintauchen in die Welt der Lost Souls

Eine Klasse der Kanti Chur hat mir Fragen zum Buch Blue Blue Eyes gestellt: Zur Entstehungsgeschichte, zu den Figuren, zum Inhalt. Mir ist beim Beantworten so richtig bewusst geworden, wie tief die Lost Souls in meinem Leben wurzeln, wie lange ich sie schon kenne und wie sehr sie mein Schreiben beeinflusst haben. Eine wunderschöne Erfahrung.

Was mich auch freut: So langsam bin ich in Sachen YouTube Clips dort, wo ich hinwollte :-)


Freitag, 5. Juni 2020

Heute ist ...


Tragen wir unserer Natur und Umwelt Sorge. Nicht nur heute, sondern jeden Tag.

Donnerstag, 4. Juni 2020

Einblicke in mein Leben als Autorin

Diesen Mai hätte ich eine Lesung an einer Kantonsschule gehabt. Die Jugendlichen haben sich intensiv darauf vorbereitet - und dann musste die Lesung abgesagt werden. Ich habe ihre Fragen per Video beantwortet - in fünf Teilen. Hier der erste davon. Es geht um mein Leben als Autorin. Um die Fragen, was mir am Schreiben am meisten Spass macht, wo ich die Inspiration für die Geschichten herhole, ob meine Figuren von meinem persönlichen Leben beeinflusst sind/werden, ob ich Vorbilder habe, was das Schönste an meinem Beruf ist und wie zufrieden ich mit meinen Büchern bin.


Mittwoch, 27. Mai 2020

Schweizer Vorlesetag und meine erste virtuelle Lesung

Heute ist Schweizer Vorlesetag. In Zeiten von Corona nicht ganz so, wie er geplant war, aber trotzdem toll. Auf der Webseite vom Schweizer Vorlesetag finden sich ganz viele virtuelle Kurzlesungen, zum Teil von den AutorInnen selber, zum Teil werden die Texte von Schweizer Promis gelesen. Meine drei Kurzlesungen finden sich auf meinem YouTube-Kanal (nicht, weil ich nicht auf die Schweizer Vorlestag YouTube Webseite durfte, sondern weil ich nicht wollte, #ausgründen).

Mehr Zufall als geplant: Ich hatte heute, an diesem speziellen Tag, meine allererste virtuelle Lesung. Wobei Lesung das falsche Wort ist. Ich traf mich online mit Schulklassen der Oberstufe Bugalu und beantwortete Fragen zum Buch Hühnerställe schwimmen nicht. Die Klasse und ihre Lehrpersonen waren top vorbereitet, die Technik hatten wir zum Glück schon weit im Voraus getestet. Die Fragen waren spannend, die paar wenigen technischen Holperer haben wir bestens überstanden. Vor allem aber hat es Spass gemacht und die Rückmeldungen nach der Lesung waren herzerwärmend. DANKE.

Die Frage, die sich nun stellt: Virtuelle Lesungen ja oder nein? Ich bin definitiv für ein Ja, mit einem grossen ABER:
  • Nichts kann eine reale Autorenlesung ersetzen.
  • Deshalb soll eine virtuelle Lesung nicht eine Lesung im klassischen Sinn sein, sondern eher eine interaktive Fragerunde.
  • Daraus folgt für mich: Ich mache das nur mit Klassen, die gut vorbereitet sind und sich mit einem oder mehreren meiner Texte auseinandergesetzt haben (Wer sich jetzt erstaunt fragt: "Ja, sind denn das nicht alle => nein, leider nicht.). 
  • Die Lehrpersonen müssen die Technik im Griff haben und bereit sein, sie trotzdem im Voraus noch kurz zu testen.
  • Vorlesen - so finde ich - bringt virtuell nicht allzu viel und sollte allerhöchstens einen kleinen Teil der Lesung ausmachen. 
  • Wenn sich jetzt jemand freut, weil das bestimmt VIEL billiger ist als die Autorin ganz real einzuladen: Nein, ist es nicht :-) 
Meine Frage an mitlesende AutorInnen oder VeranstalterInnen: Was sind eure Erfahrungen mit dem virtuellen Vorlesetag? Was haltet ihr von virtuellen Lesungen?

Donnerstag, 14. Mai 2020

Wie das ganz konkret mit dem Honorarausfall aussieht

Für alle, die sich fragen, wie das denn bei Kulturschaffenden so mit den Ausfällen ist:

Hier meine Lesungen 2020. Alle abgehakten haben stattgefunden, die 42 durchgestrichenen sind ausgefallen oder werden noch ausfallen.

Etwas detaillierter (anhand eines Bildes aus meinem Bullet Journal):
  • 100 Lesungen wollte ich dieses Jahr machen, weniger als sonst (da waren es auch schon mal 150).  Deshalb habe ich mir im Bullet Journal ein Raster mit 100 leeren Kästchen angelegt.
  • Von oben links nach unten habe ich Lesungen von Lesetouren eingetragen.
  • Von unten rechts nach oben habe ich Lesungen eingetragen, die an einzelnen Tagen stattfinden.
  • Die leeren Felder in der Mitte sind zum grossen Teil schon reserviert für Lesungen im Herbst, aber weil ich die genaue Anzahl noch nicht kenne, lasse ich sie leer.
  • Es hat sich früh abgezeichnet, dass es doch mehr als 100 Lesungen werden würden. Deshalb habe ich auf der nächsten Seite provisorisch mit Bleistift noch 25 weitere Kästchen vorgezeichnet.
  • Nach 33 Lesungen Anfang Jahr war Mitte März fertig. Sämtliche Lesungen bis und mit Ende Juni wurden nach und nach abgesagt. Damit fallen mir von Mitte März bis Ende Juni 42 Lesungen aus. Das entspricht knapp einem Viertel meiner gesamten Jahreseinnahmen.
Für mich war klar: Das wird einkommensmässig ein garstiges Jahr, denn normalerweise fallen wir Kulturschaffenden entweder zwischen Stuhl und Bank oder ganz unter den Tisch. Aber dann kam es anders: Schon an seiner ersten Pressekonferenz verkündete der Bundesrat, dass die Kulturschaffenden ihren Honorarausfall geltend machen können. Gar alles wird diese Entschädigung des Bundes nicht wettmachen, aber doch einen schönen Teil.

Anfangs herrschte ein wenig Chaos. Man wusste nicht so recht, wo man seinen Ausfall melden sollte. Mittlerweile ist das jedoch zumindest bei uns im Kanton St. Gallen klar. Was ebenfalls etwas verunsicherte: Ich meldete meinen Honorarausfall und bekam ein Erwerbsausfalltaggeld. Wie hoch das ist, hängt von der letzten Steuererklärung ab. Da die Ausfälle jedoch auf den Frühling und Frühsommer fallen, liegt das Taggeld tiefer als der eigentliche Honorarausfall. So, wie ich das verstehe, sollte das aber noch ausgeglichen werden.

Eine erste Tranche wurde schon ausbezahlt. Eine weitere soll auch noch kommen. Ich nehme das, wie es kommt. Wenn ich daran denke, wie viele Dossiers bei den entsprechenden Stellen liegen, dann bin ich beeindruckt, wie gut und verhältnismässig schnell das alles geht. Noch mehr beeindruckt mich, wie freundlich und schnell man bei Fragen Antworten bekommt. Und für all das möchte ich mich an dieser Stelle einmal herzlich bedanken.

Dienstag, 5. Mai 2020

E-Mail für dich - Wenn die Worte und der Fokus fehlen

Liebe Jutta

Vielen lieben Dank für deine Antwort auf meine E-Mail an dich.

Wie gut ich das mit den fehlenden Worten verstehe. Ich habe zwar Worte für und in Mails und Social Media gefunden, auch Worte ganz privat mit meinen Liebsten. Ja, sogar für virtuelle Kurzlesungen haben sie gereicht (mehr dazu weiter unten). Mir fehlten die Worte in anderen Bereichen des Lebens.

Beim Schreiben meiner Geschichten: Ich schreibe immer noch nicht. Weil ich immer noch nicht weiss, wie. Meine Geschichten spielen im realen Leben, das seit Wochen surreal ist. Nichts, was ich schreiben würde, wäre von Bestand. Was heute gilt, gilt morgen nicht mehr. Wir Autoren nennen das "Setting" - und zurzeit wandelt sich das Setting täglich. Es ist mir ein Rätsel, wie ich dieses Problem angehen oder gar lösen könnte, mal abgesehen davon, dass ich meine Geschichten einfach zurückdatieren könnte. Vielleicht werde ich das irgendwann machen müssen, aber im Augenblick liegen meine Projekte erst einmal auf Eis.

Beim Lesen: Ich habe letzten Monat ein halbes Buch gelesen. Mehr nicht. Ich verstehe nicht, warum das so ist. Keine Ahnung. Gut, die ersten zwei Drittel des April hatte ich keine Zeit. Die hätte ich aber mittlerweile. Doch es hakt.

Was mich am meisten erstaunt: Ich vermisse weder das Schreiben noch das Lesen. Beides will ich nicht hinterfragen, sondern einfach mal so hinnehmen. Spätestens Mitte Mai werde ich wieder schreiben müssen, weil es dann mit dem Radioprojekt weitergehen soll. Und ich bin sicher, dass ich früher oder später wieder begeistert in Bücher eintauchen werde.

Meine freie Zeit nutze ich im Moment für den Garten, den Hausputz, das Entrümpeln. Du siehst, da haben wir vieles gemeinsam. Das Entrümpeln geht nur langsam vor sich, weil ich im Estrich begonnen habe und da ziemlich schnell auf die Zeichnungen der Kinder gestossen bin. Da ich sie nicht einfach wegwerfen wollte, habe ich beide Kinder gefragt, ob sie sich die Zeichnungen noch anschauen wollen. Beide haben geantwortet, ich solle ihnen doch einfach ein paar fotografieren.

Und so blieb ich an den Zeichnungen hängen. Frau Tochter hatte noch Witze darüber gemacht, dass ich mir jetzt jede Menge Bauchnäbel anschauen könne. Was sie meinte, wurde mir ziemlich schnell klar. Beim ersten Bauchnabel hatte ich einen Lachflash. Bei den weiteren kam ich ins Staunen. Ich habe Frau Tochter ein paar Bauchnabelzeichnungen geschickt, sie hat mir eine Bauchnabelerklärung gegeben, und danach haben wir stundenlang gemeinsam Bilder angeschaut. Am Ende habe ich ganz viele Zeichnungen weggeworfen, aber auch viele behalten. Ich brachte es nicht übers Herz, alle wegzuwerfen. Das müssen unsere Kinder dann mal tun, wenn ich nicht mehr da bin.

Von den Zeichnungen ging es zu den Fotos. All jenen, die es nicht in ein Fotoalbum geschafft haben. Ich sass vor den Schachteln und dachte: So, Frau, jetzt machst du für beide Kinder ein Album über ihre Kindheit. Tja ... und dann habe ich damit begonnen. Du ahnst es, Jutta, diese Estrichentrümpelung wird JAHRE dauern.

Auch beim Hausputz wurde ich ausgebremst. Weil ich eine alte Leiter gefunden habe.  Die doch perfekt in ein Zimmer passte. Noch perfekter mit Zimmerpflanzen drauf ... Und dann habe ich mich entschieden, endlich dieses Möbel anzustreichen, das schon lange ... Ich habe mit Farben experimentiert und gerade vorhin die passende Farbe im Fachgeschäft bestellt.


Dabei hatte ich mir noch vor Kurzem vorgenommen, das mit dem FOKUSSIEREN endlich hinzubekommen. Aber ganz ehrlich: Ich liebe meine Art, das Leben chaotisch zu leben. Es gibt Zeiten und Tätigkeiten, wo der Fokus wichtig ist (für mich ist das vor allem die Arbeit), und dann gibt es Zeiten und Tätigkeiten, wo ich es fliessen lassen will.

Gestern war ich sehr lange zu Fuss unterwegs. Unter anderem im Wald. Ich wanderte vor mich hin, liess die Gedanken schweifen. In mir war die totale Ruhe und Gelassenheit und ich war zutiefst glücklich. Ich bin bei und mir dir im Gedanken, dass es nicht so weitergehen kann. Immer höher, immer schneller, immer mehr, Wachstum über alles blablabla. Am Anfang der Krise hatte ich die Hoffnung, dass sie uns als Gesellschaft verändern würde. Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher. Bei uns tagt seit gestern das Parlament, und alles deutet darauf hin, dass sich gar nichts ändern wird. Nicht im grossen. Aber das soll mich und uns nicht davon abhalten, die Dinge im kleinen zu verändern. Wenn das genug Menschen tun, ändert sich vielleicht ja doch noch was.

Ganz viele Menschen suchen die Antworten im Moment in Zahlen und Daten: Wann dürfen wir das wieder? Und wann das? Und wann das andere? Und fangen an zu motzen, wenn die Antwort nicht klar ist. Aber wie soll sie denn klar sein in diesen Zeiten, wo nichts sicher ist? Warum können wir nicht einfach damit leben, dass es keine Antworten gibt. Dass sie sich dann ergeben, wenn die Zeit da ist? Ein Grund ist sicher die Sorge um das Abgesichertsein. Zu wissen, wann man wieder arbeiten kann, damit man planen oder zumindest hoffen kann. Das verstehe ich. Und dennoch mussten und müssen wir lernen, auf Antworten zu warten.

Wir arbeiten beide in einem Beruf, in dem das besonders schwierig ist. Uns fallen Lesungen und Workshops aus, die Zahl der Buchverkäufe ist aufgrund der geschlossenen Buchhandlungen gefallen. Zum Glück wurde bei uns in der Schweiz früh klar gemacht, dass die Kulturschaffenden nicht leer ausgehen sollen. Die Rede war von einer Honorarausfallentschädigung, im Augenblick erhalte ich jedoch eine Erwerbsausfallentschädigung, obwohl ich mein ausgefallenes Honorar gemeldet hatte. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe, und im Augenblick ist nicht ganz klar, wie das weitergehen soll, aber ich habe Geld überwiesen bekommen, etwas, woran ich nicht wirklich geglaubt habe. Es macht im Augenblick noch lange nicht alle ausgefallenen Einnahmen wett, aber es ist ein guter Anfang. Ich wünschte mir, es wäre in Deutschland ähnlich. Anerkennung ist wichtig. In Form von Wahrgenommen werden, von Geschätztwerden, aber halt auch in finanzieller Form (weil wir die Miete nur vom Geschätztwerden nicht bezahlen können).

Womit ich bei den AutorInnen und ihren Aktivitäten im Netz angekommen bin. Auch ich habe anfangs etwas befremdet eine Hyperaktivität festgestellt. Aber ich habe sie verstanden. Wenn dir plötzlich so ziemlich alles wegbricht, suchst du nach Wegen, beachtet zu werden, nicht vergessen zu gehen, IRGENDWAS zu tun. Vieles hatte etwas Verzweifeltes. Mittlerweile denke ich: Jeder so, wie es für ihn / sie passt.

Bei uns in der Schweiz wird grad sehr viel online gelesen. Das hängt unter anderem mit dem Vorlesetag zusammen, der dieses Jahr eher privat und in Kleinstgruppen stattfinden wird. Nicht wenige AutorInnen stellen dafür Kurzlesungen ins Netz. Ich stelle Kurzlesungen ins Netz, weil ich weiss, dass sich viele Schulen auf meine Lesungen vorbereitet haben; so bekommen sie wenigstens eine kleine "Entschädigung" dafür, besonders jene Klassen, die ein Buch von mir als Klassenlektüre gelesen haben.

Nicht zuletzt macht das auch Spass. Ich werde diesen oder nächsten Monat voraussichtlich meine erste Skype-Lesung machen. Das war nicht meine Idee, sondern der Wunsch einer Schule. Und für eine andere Schule, die sich intensiv mit meinen Büchern auseinandergesetzt hat, werde ich Fragen virtuell beantworten und den Clip dann auch online stellen.

Natürlich ersetzt beides keine Lesung. Nie und nimmer. Weil Lesungen interaktiv sind, weil wir direkt auf unsere ZuhörerInnen reagieren und eingehen können. Weil wir sie miteinbeziehen können. Das ist von unschätzbarem Wert und kann nur in der direkten Begegnung geschehen.

Ich könnte noch endlos lang weiterschreiben, aber ich mache hier jetzt mal einen Punk und fasse die Zeit bis jetzt für mich so zusammen: Ich bin unfassbar glücklich und zufrieden (das mag irr klingen, ist aber so), ich bekomme grad unendlich viel von all dem, was wichtig ist und das man NICHT kaufen kann, allem voran Liebe. Wie dich macht mich das sehr dankbar.

Donnerstag, 30. April 2020

Kurzlesungen aus meinen Büchern

Seit März fallen mir sämtliche Lesungen aus. Inzwischen sind es über 30 Lesungen, die vor den Sommerferien NICHT stattfinden werden. Was danach kommt, weiss ich nicht. Wegfallende Lesungen schmerzen, nicht nur wegen der Finanzen; an einigen Lesungsstationen wäre ich zum wiederholten Male gewesen, auf sie habe ich mich besonders gefreut. Eine dieser Stationen ist die Kinder- und Jugendbuchmesse "Buch am Bach" in Götzis. Dort bin ich so etwas wie Stammgast, darf Jahr für Jahr lesen und freue mich Jahr für Jahr schon Wochen im Voraus darauf.

Auch die "Buch am Bach" fällt Corona zum Opfer. Die Veranstalter haben mich jedoch gefragt, ob ich zu den zwei Büchern, aus denen ich gelesen hätte, virtuelle Kurzlesungen machen könne. Klar kann ich. Und so sind heute zwei Kurzlesungen virtuell auf die Reise nach Götzis gegangen: eine aus "Ich, Onkel Mike und Plan A", die andere zum Buch "Blackout".

Die erste Lesung habe ich in meinem Blog schon verlinkt (HIER), "Blackout" ist sozusagen ofenfrisch.

Als nächstes mache ich mich an die längstens versprochene Kurzlesung zu "Blue Blue Eyes".

Donnerstag, 23. April 2020

Ich schenk euch was

Heute ist Welttag des Buches. Mein Geschenk: Eine Kurzlesung aus "Ich, Onkel Mike und Plan A." Viel Spass!


Mittwoch, 22. April 2020

Ich bin nicht nett

Auf jeden Fall nicht zu meinem Körper. Mit diesem Gedanken bin ich heute Morgen sehr früh erwacht und habe mir die Zeit genommen, etwas länger darüber nachzudenken.

Ich war immer ein "Ruech" (so sagt man bei uns zu Leuten, die ohne Rücksicht auf ihren Körper rackern), habe meinen robusten Körper für garantiert genommen, habe ihm viel zugemutet. Habe ihn Garten- und Handwerksarbeit erbarmungslos ausgesetzt, oft in Körperhaltungen bei denen Warnsignale heftig geblinkt haben. Früher habe ich das mit Sport kombiniert, seit ein paar Jahren bin ich leidenschaftliche Wanderin. Feinheiten wie Stretching und Beweglichkeitsübungen fand - und finde - ich steinlangweilig, weshalb ich sie mir zwar regelmässig vornehme, das dann aber nie wirklich durchziehe.

Essen tue ich eigentlich sehr gesund. Das Gemüse kommt per Schachtel vom Biohof, Eier und Hühnerfleisch auch. Herr Ehemann und ich kochen selber, Fertigprodukte gibt es so gut wie nie. Und trotzdem esse ich falsch. Weil zu viel. Das macht die ganze Sache dann eben trotz eigentlich gesunder Ernährung ungesund.

In letzter Zeit klemmts und zirpts an zwei Stellen schmerzhaft, an einer chronisch, ich bin mittlerweile so unbeweglich wie eine Zaunlatte. Ich mache Witze darüber, schiebe es auf mein Alter, ärgere mich zwischendurch, unternehme halbherzige Anläufe in Sachen Beweglichkeit und Essen - und lasse beides wieder sausen.

Und heute Morgen, im Bett, als ich nachdachte, da wurde mir klar, wie sehr NICHT nett ich zu meinem Körper bin. Ich pflege den Garten, verschönere die Räume im Haus, schaue mir stundenlang Videos und Magazine über Gestaltungsideen an, aber den Raum, den ich wirklich bewohne, meinen Körper, den behandle ich schon fast sträflich fahrlässig. Kein Wunder, rebelliert er.

Mein Vorsatz nicht nur für heute und morgen: Ich will netter zu meinem Körper sein. Ich muss netter zu meinem Körper sein. Denn ich gedenke, noch eine ganze Weile in ihm zu leben. Da sollte ich es  - gopf noch mal - doch schaffen, ihn mit der gleichen Sorgfalt zu behandeln wie den Garten und das Haus.

Dienstag, 21. April 2020

Was ich beruflich grad so mache in Zeiten wie diesen

Was ich beruflich so mache in Zeiten wie diesen, wo grad alle Lesungen abgesagt werden:
  • da bux Geschichten lektorieren
  • und dann satzparat machen (den Satz macht dann Tom Zai)
  • ein Briefing für die Grafikerin schreiben 
  • Autorenbios und Klappentexte verfassen
  • diverse Verträge anpassen und neu aufsetzen
  • erstes Herantasten an Lizenzverträge
  • Finanzierungsgesuche schreiben
  • mich mit den AutorInnen der Edition 6 (2021) über Setting und Themen in Corona-Zeiten austauschen
  • zusammen mit Stephan Sigg und Tom Zai an weiteren Verlagskonzepten feilen
  • Blue Blue Eyes Hörbuchvertrag unterschreiben
  • an der Veröffentlichung der nächsten Self Publishing Publikationen arbeiten
  • mir vornehmen, weitere Kurzlesungen für YouTube zu machen (und die Zeit dafür nicht finden)
  • auf die nächste Überarbeitungsrunde der Radiohörgeschichte warten
Nichtberuflich hätte ich gefühlte 1000 Ideen, was ich in Haus und Garten alles machen möchte - wenn ich denn die Zeit dazu finden würde.

Und dann auf Facebook bei Kollege Frank Maria Reifenberg einen Post lesen, in dem er berichtet, wie ihm nun als Autor empfohlen wird, sich "neu zu erfinden". ähm .... wann? und warum?

Dienstag, 7. April 2020

"Krawallnacht" für den bookstar 2020 nominiert

Ich bin seit Wochen hauptsächlich da bux Verlegerin, mit Schwerpunkt Lektorat und Gesuche für Projektbeiträge. Ersteres macht viel Freude und ist extrem spannend, zweiteres macht wesentlich weniger Freude und ist extrem zeit- und arbeitsaufwändig. Ersteres zahlt sich in jedem Fall aus, in der Form eines guten Textes, zweiteres ist überlebenswichtig für den Verlag.

Gestern Morgen habe ich die erste fertig lektorierte Geschichte satzbereit gemacht. Das ist Konzentrationsarbeit, weil jede Zeilenschaltung, jeder Absatz, jeder kursiv- oder fettgedruckte Teil mit einem Code versehen werden muss. Aus Gründen, die sich mir nicht so ganz erschliessen, liebe ich diese Arbeit. Vielleicht, weil sie ein untrügliches Zeichen dafür sind, dass ein Text in die Zielgerade geht, vielleicht auch einfach, weil diese Arbeit so anders ist als alles andere, was ich als Autorin und Verlegerin so mache.

Wie auch immer: Ich war so vertieft in meine Arbeit, dass ich die Zeit und vor allem die Social Media total vergessen habe. Kurz vor dem Mittag habe ich in Twitter reingeguckt - und grosse Augen gemacht: "Krawallnacht" aus unserem da bux Verlag ist für den bookstar 2020 nominiert. Der war noch gar nicht auf meinem Radar, weil das Voting erst am 1. Mai offiziell losgeht, aber ganz ehrlich: Man nimmt die guten Nachrichten dann, wenn sie kommen. Und das ist eine gute. Ich habe mich wahnsinnig und gleich doppelt gefreut, als Verlegerin und als Autorin.

Mit dem Lesen der nominierten bookstar.ch Bücher könnt ihr sofort anfangen. Voten könnt ihr ab dem 1. Mai 2020. Meine Verlagskollegen und ich arbeiten derweil weiter an unserem Programm 2020.

Donnerstag, 2. April 2020

Zwischen Pose und Nervenzusammenbruch

Heute Nachmittag habe ich meine neue Selfmade-Frisur aufgepimpt, mir das Gesicht schön gemacht (na ja, ich hab's versucht, ehrlich, ich schwör's), mich vor das wunderbare Möbel von Räume 99 vor der roten Wand (Überbleibsel aus den Tagen als Frau Tochter noch hier wohnte) in Pose geworfen und gefilmt. Fast perfekt. Und dann, als alles fertig war, fiel mein Adlerblick auf die tote Pflanze auf dem Regal. Ich konnte wählen zwischen Nervenzusammenbruch und Ach-was-solls. Ratet mal, wofür ich mich entschieden habe.

Dienstag, 31. März 2020

E-Mail für dich - Das Leben, wie es jetzt ist

Liebe Jutta

Das letzte Mal getroffen haben wir uns auf der Zürcher Lesetour - wir waren in der letzten Woche vor dem Schliessen unserer Schulen unterwegs, du hauptsächlich mit deinen Schreibworkshops, ich mit meinen Lesungen. Eine davon hast du besucht, und ich war mehr als nur froh darum, denn ohne dich hätte ich mich an jenem Tag sehr einsam und niedergeschlagen gefühlt.

Es waren seltsame Tage: Wir hatten uns beide in den vergangenen Monaten intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie es beruflich weitergehen sollte. Beide hatten wir schon mal aussortiert, was wir nicht mehr wollten, was wir ändern wollten und worauf wir bauen wollten. Wir waren voller Ideen und Pläne und du von einer Zuversicht, die ich so lange so schmerzlich in dir vermisst hatte. Aber bereits damals hing das Virus in der Luft, dämpfte Hoffnungen, warf bange Fragen auf. Wir haben uns im Wissen getrennt, dass beim nächsten Treffen vieles anders sein würde.

Das war vorher.
Jetzt ist nachher.
Mittendrin.
Noch lange nicht vorbei.

Ich möchte dir erzählen, wie es mir geht. Und ich möchte dich fragen, wie es dir geht und was du machst.

Was in diesen Zeiten das Schlimmste für mich ist: das Getrennstein von meinen Lieben. Mir fehlen die Umarmungen, die direkten Gespräche, die Wärme, die da ist, wenn ich mit ihnen zusammen bin. Mit meinen Kindern kann ich das ein bisschen wettmachen, indem wir viel kurze Nachrichten per Handy hin- und herschicken und wir telefonieren seit zwei Wochen mit Kamera. Mein Herz quillt beinahe über, wenn ich Herrn Sohn und Frau Tochter mit ihren LebenspartnerInnen sehe. Anders ist das bei meiner Mutter. Sie hat weder einen Computer noch ein Handy. Kürzlich haben wir so eine Art Romeo und Julia Balkongespräch geführt. Mehr geht im Augenblick nicht. Sie ist stark risikogefährdet und seit einem halben Jahr Witwe, es ist also alles andere als einfach für sie. Aber sie macht das gut, extrem gut. Sie gibt ihrem Tag Struktur und Inhalt, sie sucht und findet das Positive - und das andere, so meint sie, das müssten wir alle aushalten. Das Telefon ist ihr Draht zur Welt. Ab und zu Besuche mit viel Distanz: sie weit drin in der Wohnung, ihr Besuch draussen, so weit wie möglich weg von der Tür.

Was mich in diesen Zeiten umtreibt: dass ich mich - immer noch, verflixt nochmal - von Geschehnissen aus der Bahn werfen lasse, die mir längst am Hutrand vorbeigehen sollten. Zum Beispiel Sonntagseditorials in Bücherbeilagen, die nicht mehr sind als leere Lippenbekenntnisse. Wieso geht mir das überhaupt so nah? Ich weiss doch, wie es ist. Aber vielleicht haben solche kurzzeitigen Rückfälle auch ihr Gutes. Sie klären, was man sowieso schon weiss und lösen gleichzeitig weitere Denkprozesse aus. Manche Entscheide, die ich im Laufe der letzten Monate getroffen habe, werden bestätigt, andere formen sich neu und noch radikaler in meinem Kopf denn je zuvor. Ich denke in bisher ungegangene Richtungen, gehe noch tiefer in die Tiefe. Im Augenblick ziemlich wild und chaotisch, mit Hüpfern und Sprüngen, heute dies, morgen das, übermorgen ganz anders. Und wenn sich das Drehen dann anfühlt wie in einem Wäschetumbler, halte ich den Tumbler an und führe mir vor Augen, in welchen Zeiten wir leben.

Was mir in diesen Tagen Kraft und Mut gibt: Die Liebe. Zu meinem Mann, zur Familie, zu lieben Menschen. Die Wärme, die diese Liebe gibt. Und die Natur. Ich habe nie an einen Gott geglaubt, aber immer an die Liebe und daran, dass da etwas ist, was viel grösser ist als wir - für mich ist das die Natur.

Was mich in diesen Tagen freut: meine Arbeit als Verlegerin. Ich stecke in den letzten Lektoratsarbeiten von vier völlig verschiedenen Texten, jeder einzigartig in seiner Erzählsprache. Ich darf einmal mehr mit vier wunderbaren AutorInnen zusammenarbeiten, darf sie begleiten, mit ihnen in Texte eintauchen, mit ihnen über ihre Geschichten reden. Und da ist dieses wahnsinnig tolle Verlagsteam, unsere Buchband. Stark, kreativ, ruhig, besonnen, mit guten Ideen und Vorhaben.

Was mich in diesen Tagen ängstigt: dass das Virus immer näher kommt. Bei Menschen, die mir viel bedeuten. Dass es stimmt, was ich kürzlich auf Twitter gelesen habe, nämlich dass wir bald alle Menschen kennen, die Menschen verloren haben - und dass die Wahrscheinlichkeit grösser wird, dass wir uns nahestehende Menschen verlieren. Aber ich will mich von dieser Angst nicht unterkriegen lassen. Ich möchte zuversichtlich und optimistisch bleiben, ohne den Draht zur Realität zu verlieren.

Was mir in diesen Tagen oft einfällt: meine ehemalige Geschäftspartnerin. Sie ist Engländerin und einer ihrer Liebelingssprüche war: "We'll cross that bridge when we get to it."

Welche Wege gehst du, Jutta? Vor welchen Brücken stehst du? Was gibt dir Hoffnung, was macht dir Angst. Wie geht es dir?

Herzlich
Alice

Sonntag, 29. März 2020

In diesen Zeiten

Schweizer Fernsehen und Radio plus Lokalradios spielen CH-MusikerInnen rauf und runter, es gibt CH-Spezialtage und CH-Spezialsendungen, besonders in diesen Tagen. Ganz anders sieht es bei den Kinder- und Jugendbüchern aus: Im Fernsehen kommen wir sowieso kaum vor. Dafür gibt es eine neue Kinderseite in den Tagblatt-Medien: Vorgestellt wurden 3 Kinderbücher, alle 3 von ausländischen AutorInnen in ausländischen Verlagen. Heute lag der NZZ am Sonntag die Beilage "Bücher am Sonntag" bei. Vorgestellt wurden 4 Kinder- und Jugendbücher, alles ausländische Verlage und ausländische Autoren. (Dafür war das Editorial sehr nett; es ging darum, Schweizer Verlage, AutorInnen und Buchhandlungen zu unterstützen - wer die Ironie darin findet, darf sie behalten und das Lippenbekenntnis gleich auch mitnehmen.)

Resultat: Seit Radio und TV die Schweizer Musikszene mehr in den Fokus rücken, ist sie quantitativ und qualitativ gewachsen, dass es eine Freude ist. Während das Schweizer Kinder- und Jugendbuch seit Jahren gegen gläserne Decken und Windmühlen anrennt und ankämpft und kaum von der Stelle kommt.

Es ist so: Wir Kinder- und JugendbuchautorInnen sind Herzblutschreiberinnen (Geld liegt bei uns nämlich nicht viel drin) - aber glaubt uns, es gibt Zeiten, da sind sogar wir müde, traurig, frustriert, ausgelaugt, dünnhäutig und auf der Kante zur Resignation. In diesen Zeiten sowieso.

Sonntag, 22. März 2020

Alltagsleben in Zeiten wie diesen - Haare schneiden

Sonntagmorgen

Besondere Zeiten, besondere Massnahmen. Mein Friseurtermin war an dem Tag, als die Friseursalone geschlossen wurden. Nun führt kein Weg mehr am Schneiden vorbei, weder bei mir noch bei Herrn Ehemann. Ich habe mir jetzt ein paar Tutorials übers Haareschneiden angeschaut. Heute Nachmittag werde ich zur Privatfriseuse von Herrn Ehemann. Und er zum Privatfriseur von mir. Danach sehen wir beide dann aus wie geschorene Schafe oder gerupfte Enten. Und wahrscheinlich wird der eine die andere und die andere den einen feuern. Ich bin mir aber sicher, dass unsere Liebe weiterleben wird.

Sonntagnachmittag

Heute nach dem Mittag wurde unser Badezimmer umfunktioniert zum Haarsalon. Ausrüstung: ein Rasierer, 4 schlecht schneidende Scheren, 2 Nagelscheren, 1 Kamm.
Leider ist Herr Ehemann nicht für Social Media zu haben, auch in diesen Zeiten nicht. Ich kann euch aber versichern, dass er und seine Frisur (bis auf einen kleinen Schnitzer über den Ohren) sehr gut aussehen. Was er aus mir gemacht hat? Guckt selber. Vorher und nachher.


Freitag, 20. März 2020

An die Doofdödel dieser Welt - #stayverdammtnochmalathome

Mit Frau Tochter telefoniert. Ihr erster freier Tag nach sechs Tagen Dienst in einer sozialen Einrichtung. Sie geht den langen Weg zu Fuss zur Arbeit, damit sie sich nicht in einen Bus setzen muss. Ihre Hände sind wund vom Waschen und Desinfizieren. Ihre Klienten können nicht alle verstehen, was da grad mit der Welt passiert. Ihr Aufruf in der Waschküche ihres Wohnblocks, dass sie mehr Zeit zum Waschen braucht, weil sie ihre Kleider häufiger wechseln muss als sie sie waschen kann, wurde von vielen Seiten sofort warmherzig beantwortet - die Waschmaschinenfrage ist somit gelöst. Es gibt sie also, die Solidarität im Kleinen.

Und für alle, die das Wort Solidarität weder buchstabieren noch aussprechen können geschweige denn leben wollen:

Liebe Doofdödel, die ihr denkt, es sei alles nicht so schlimm und ihr hättet ein Menschenrecht darauf, euch in Gruppen zu treffen. Ihr gefährdet Leute wie meine Tochter. Ihr gefährdet die KlientInnen meiner Tochter. Ihr gefährdet die Grosseltern meiner Tochter. Ihr gefährdet Leben. Und ihr verhöhnt mit eurem Verhalten Menschen wie meine Tochter. Ihr gefährdet und verhöhnt das Leben der Menschen, die jetzt noch arbeiten - und zwar mehr denn je in ihrem Leben, weil es sie braucht (unter anderem, damit ihr Klopapier horten könnt - oder damit sie euch dann pflegen können, wenn es eucht trifft).

#stayathome

Dienstag, 17. März 2020

Schlechtes Timing - oder - Blogtour Blue Blue Eyes

Es gibt schlechtes Timing und es gibt sehr schlechtes Timing. In diesem Fall war es sehr schlechtes Timing, und bin ich schuld daran! Als mich Josia fragte, ob mir die Woche vom 9. März für eine Blogtour passe, meinte ich locker-flockig: "Ja, klar." Ich wusste zwar, dass ich auf Lesetour sein würde, aber genau deswegen war ich überzeugt, dass es die richtige Woche für eine Blogtour sei.

Irren ist menschlich, und manchmal ist Irren auch ein Synonym für Gabathuler. Es war nämlich so: Noch nie hat mich eine Lesetour so gefordert wie diese - und noch nie waren die Umstände schlechter. Auf dem Weg zu den Lesungen las ich alles, was ich übers Virus erfahren konnte, und nach den Lesungen schlief ich immer ziemlich schnell ein. Einmal habe ich deswegen sogar beinahe das Aussteigen verpasst.

Und so habe ich viel zu wenig auf die Blogtour verlinkt, viel zu wenig darauf aufmerksam gemacht und mich viel zu wenig bedankt. All das hole ich jetzt in diesem Post nach.

HERZICHEN DANK AN DIE BUCHBLOGGERINNEN

Franziska - Lesemädchen (@lesemaedchen auf Insta)
Gina - Zeilenfluch (@about.ginalouise auf Insta)
Daniel - Lesemagier (@lesemagier auf Insta)
Andrea - EasyPeasyBooks @easypeasybooks auf Insta)
Josia (@josiajourdan auf Insta)

Sie alle haben das Buch gelesen und sich dann für ein Thema entschieden, dass sie vertiefen wollten:

Franziska hat über die Organisation "Lost Souls" geschrieben
Gina hat sich mit dem Thema "Mental Health" auseinandergesetzt
Daniel hat die Schauplätze vorgestellt.
Andrea hat ein Interview mit mir gemacht.
Josia hat sich gefragt, was wir verbergen und warum.

Und natürlich habe ich auch das Lesen der Blogposts nachgeholt und mich riesig über die einzelnen Posts gefreut - auch über die Rezensionen. Leute, ihr seid einfach klasse.

Montag, 16. März 2020

Ankommen in einem Leben, wie man es nicht kennt

Das ist mein erster Post seit langem. Hier und generell in den Social Media. Weil ich einfach nicht wusste, was ich schreiben sollte. Weitermachen, als sei nichts? - Ging nicht. Etwas zum Virus schreiben? - Das tun genügend andere.

Ich war letzte Woche auf einer organisierten Lesetour. Schon am ersten Mittag sass ich in einem Café und notierte in mein Tagebuch den Satz: "Genau das, was ich nicht mehr will." Gelassen, ruhig, ohne Frust oder Zorn. So rein berufsmässig hatte ich mich also schon für einen neuen Lebensabschnitt entschieden.

Aber das war nichts im Vergleich zu dem, was in dieser Woche sonst noch passieren würde. Obwohl die Informationen drängender wurden, das Virus näher kam, die Gefahr, die mit ihm einherging ebenfalls, fühlte sich alles ziemlich normal an. Gut: Beim Zugfahren hatte ich etwas mehr Platz, begrüsst wurde nicht mehr mit Handschlag. Häufiges Händewaschen gehörte dazu. Und dennoch verlief das Leben mehr oder weniger seinen gewohnten Gang. Dabei wussten alle, dass wir uns längst weit weg von gewohnten Gängen bewegten.

Am Freitag, vor meiner letzten Lesungen in Hettlingen, spazierte ich in wunderschönem Wetter durch eine heile Welt vom Bahnhof zur Schule, setzte mich unterwegs auf eine Bank, schloss die Augen, genoss die Sonne auf meiner Haut und war mir glasklar bewusst, dass dies einer der letzten Augenblicke in einem Leben war, wie ich es kannte. Dass ich schon sehr schnell zusammen mit allen anderen aus diesem Leben fallen würde. Dass es schon sehr bald völlig egal war, ob ich noch organisierte Schullesungen machen wollte oder nicht - weil es eh keine Lesungen mehr geben würde.

Und jetzt ist Montag. In einem Leben, wie wir es nicht kennen. Wir können es gemeinsam schaffen. Wie, das wird sich zeigen.

Lasst euch und uns nicht entmutigen.
Lasst euch nicht von geifernden Giftzwergen aufhetzen, sondern schliesst euch jenen an, die mitfühlen und Verantwortung übernehmen.
Tragt euch und uns Sorge.

Mittwoch, 4. März 2020

Fiese Leute

Kürzlich sass ich vor dem Fernseher und schaute mir den ersten Teil der Miniserie "Bad Banks" an. Nach zehn Minuten war ich leicht genervt, nach 15 sagte ich zu meinem Mann, er müsse alleine weiterschauen. Ich hielt all diese fiesen Leute mit ihren Machtspielen nicht mehr aus. Da war null Menschlichkeit. Nirgends. Nur Gier, Profitstreben, Rachegedanken, Fiesheit um Fiesheit. Und ich merkte: So was will ich mir nicht antun. Das reale Leben ist hart genug. Da muss ich mir nicht auch noch Filme mit menschlichen Monstern angucken. Als gestern Herr Ehemann fragte, ob ich den Michael Moore Film über die amerikanischen Wahlen sehen möchte, winkte ich ab. Gleicher Grund. Ich hatte das Gefühl, ich würde den Film wohl keine zwei Minuten lang aushalten.

Ich werde mir deswegen jetzt keine Weichspülerfilme anschauen. Im Gegenteil. Ich finde kritische Filme immer noch sehr wichtig und nötig. Just Mercy zum Beispiel, den ich letzte Woche im Kino gesehen habe, war grandios. Wegen seiner Menschlichkeit in all der grausamen Unmenschlichkeit.

Genau das ist es, was wir in Zeiten wie unseren brauchen: Menschlichkeit. Empathie. Den Mut und den Willen, die Dinge nicht hinzunehmen, wie sie sind. Im Kleinen wie im Grossen. Halten wir dagegen. Gegen das Fiese, Ungerechte und Unmenschliche. Jeder und jede Einzelne von uns.

Freitag, 28. Februar 2020

Ja, kannst du dir denn eine Absage leisten?

Kürzlich kam eine Anfrage. Toller Anlass, tolles Thema. Ich sollte dazu gleich zwei Mal professionell auftreten. Honorar: Leider kein Budget, aber die Anreise würde bezahlt. Und es sei doch auch Werbung für mich. Dieser Fall war klar. Ja, ich kann und will mir die Absage leisten (ich verliere ja nichts - hihi).

Schwieriger wird es bei Schullesungen. Es gibt zwei Arten von Schullesungen:
  • Touren, zu denen ich eingeladen werde, zu einem Honorar, bei dem gilt "take it or leave it." 
  • Private Anfragen, bei denen ich das Honorar selber festlege.
Die Honorare bei offiziell organisierten Schullesetouren, zu denen ich eingeladen werde, sind zwar oft so tief, dass jeder vernünftige Mensch "LEAVE IT" schreien würde, aber ich bin auf Schullesungen angewiesen, und so ist es ein Abwägen. Nur: Dieses Abwägen fällt mir von Jahr zu Jahr schwerer. Das liegt an mehreren Faktoren:
  • Das Honorar für diese offiziellen Schullesetouren weicht von den offiziellen Honorarempfehlungen von Autorenverbänden und Organisationen nicht nur um Meilen, sondern um Lichtjahre ab.
  • Was Schulen dem Tourveranstalter bezahlen, ist (sehr) viel mehr, als wir AutorInnen dann erhalten. Im extremsten Fall bekomme ich etwas weniger als zwei Drittel (63%) des von der Schule bezahlten Preises.
  • Das Honorar ist ein Bruttohonorar. Ziehe ich alles ab (Sozialabgaben, administrativer und logistischer Aufwand, Infrastruktur) bleibt als effektives Honorar ein - je nach Betrachtungsweise - schmerzhaft / lachhaft tiefer Stundenlohn (und da ist der Zeitauwand für Anfahrt und Rückfahrt noch nicht einmal inbegriffen)
Der Verein der Schweizer Kinder- und Jugendbuchautoren AUTILLUS hat in einem Brief an jene Lesungsveranstalter mit den niedrigsten Honoraren um eine Erhöhung gebeten. 50 % der Angeschriebenen haben darauf das Honorar leicht erhöht. => Die Situation ist unbefriedigend bis frustrierend. "Take it or leave it" halt.

Als AutorIn stecke ich in der Klemme: Ich brauche die Einnahmen aus den Lesungen, ich lese sehr gerne, ich mag die Jugendlichen, für die ich lese, ich brenne für meine Sache, bin sozusagen auf einer "Mission Jugendbuch". Aber muss ich mich deswegen auf solch niedrige Honorare einlassen? Oder anders gefragt: Kann ich mir eine Absage leisten, wenn die Einladung zur Tour kommt?

Vor ein paar Wochen musste ich für einen Lesungsveranstalter einen Lebenslauf einschicken. Ich guckte mir so an, was da alles drauf stand - und dann schluckte ich leer. In der Privatwirtschaft würde man jemandem mit dieser Erfahrung, diesem Werk und diesen Auszeichnungen einen Top-Crack nennen. Und ihm oder ihr ein Top-Honorar bezahlen. Bei AutorInnen ist das anders. Bei Kinder- und JugendbuchautorInnen sowieso. Da kann es im schlimmsten Fall schon mal heissen: Ist doch Werbung für dich. (Ein Manager, dem man so was sagen würde, würde an einem Lachanfall sterben.)

Nach der eingangs erwähnten Anfrage von kürzlich hat es in mir einmal mehr gerumpelt und rumort. Ich merke, wie sich die Frage verschiebt von "Kannst du dir eine Absage leisten?" hin zu "Willst du dir die Zusage leisten?" Und die Antwort auf die zweite Frage tendiert je länger je mehr zu einem NEIN. Aus vielen Gründen. Nicht der letzte davon ist Selbstachtung.

Das bedeutet nicht, dass ich keine Lesungen mehr machen möchte. Im Gegenteil. Ich liebe Lesungen. Aber ich will dafür ein anständiges Honorar. Bei Schulen, die direkt bei mir anfragen, ist das so (und die bezahlen unter dem Strich dann gar nicht so viel mehr). Bei Schullesetouren gibt es solche und andere. Das hat nichts mit den OrganisatorInnen selber zu tun (die machen einen guten Job), sondern mit den Geldgebern (oft der Kanton).

Nächstes Jahr werde ich 60. Und ich habe - nicht zuletzt als Spontanreaktion auf die eingangs erwähnte Anfrage - einen Entschluss gefasst: Ich werde an keinen Lesetouren mehr teilnehmen, bei denen ich nicht mindestens ein ansatzweise faires Honorar bekomme. Sollte ich also ab 2021 nicht mehr auf den Listen der Veranstalter auftauchen: Man kann mich direkt buchen.

Donnerstag, 27. Februar 2020

Workshop "Easy" und ein paar Beobachtungen in Sachen Kinder- und Jugendliteratur

Gestern durften Stephan Sigg und ich an einer Tagung für Lehrpersonen einen Workshop zu leseleichter Lektüre leiten. Wir begannen mit einem Überblick über Easy Reader-Angebote aus Deutschland und der Schweiz und zeigten danach eine Vielfalt von Ideen für eine kreative Arbeit mit Büchern im Unterricht auf. Gleichzeitig boten die engagierten KursteilnehmerInnen Einblicke in ihre abwechslungsreiche Unterrichtstätigkeit. Ein inspirierender Nachmittag für alle.

Am Anfang dieses Nachmittag stand die Eröffnungsrunde, die in mehrfacher Hinsicht interessant war:

Erkenntnisse, die für Verlage interessant sein könnten und müssten: Es wurde sehr deutlich klar, dass Bücher, zu denen es Unterrichtsmaterialien gibt, eine sehr viel höhere Chance haben, als Klassenlektüre eingesetzt zu werden als Bücher ohne. Ebenfalls hilfreich sind Hörbücher.

Als Verlegerin, deren Verlag kostenlose Unterrichtsmaterialien anbietet, hat mich das sehr gefreut und mir gezeigt, dass wir mit unserem Verlag da bux auf dem richtigen Weg sind. Als Autorin, die für Verlage geschrieben hat, die für meine Bücher weder Unterrichtsmaterialien (mit einer Ausnahme) noch Hörbücher zur Verfügung gestellt haben, schaue ich mit leisem Bedauern auf diese Zeit zurück. Als Self Publisherin versuche ich gerade, den 48-Stunden-Tag zu finden, der es mir erlaubt, für meine selbst wieder aufgelegte Backlist Unterrichtsmaterialien zu erstellen.

Leider gab es (einmal mehr) auch noch die - frustierende - Erkenntnis, dass wir CH-AutorInnen im eigenen Land doch etwas arg verloren sind: Bücher von uns musste man mit der Lupe suchen in dieser Auswahl. Ich gestehe: Manchmal lässt mich das schier verzweifeln. Manchmal macht es mich wütend. Manchmal macht es mich grimmig. Machmal habe ich ob solcher Tatsachen Rückzugsgedanken. Und manchmal alles zusammen. Wenn ich trotzdem weitermache, dann nur, weil es auch die anderen gibt, jene, die sehen, was wir tun, jene, die uns zu Lesungen einladen, die mit ihren Klassen unsere Bücher lesen, jene, die uns rückmelden, wie sehr es das braucht. Gestern durften Stephan und ich das erleben. So etwas motiviert.