Das ist Dirk Jacobs. Er hat das Buch "Blackout" für die Hörbuchversion eingelesen.
Montag, 22. Mai 2023
Gross träumen - das Blackout Hörbuch ist da
Samstag, 13. Mai 2023
Persönliche Einblicke und eine Wanderung
Ich habe das Thema des vorletzten Blogposts aufgenommen (wasichwirklichwill) und bin für mein neues Video auf YouTube den Fragen nachgegangen: Was möchte ich? Was ist mir wichtig? Wohin will ich?
Auf YouTube gibt es Shorts, kleine Kurzfilme. In ihnen lebe ich meine Leidenschaft für Naturfotografie (auf totalem Amateurstatus) aus, filme auch ab und zu, und schneide dann Fotos und/oder kurze Filmsequenzen zu kleinen Filmclips, die meisten 15 Sekunden lang. In einem der allerersten Shorts, an denen ich mich versucht habe, habe ich meinen Spaziergang zum Schloss Werdenberg gefilmt und während ich so vor mich hinfilmte, schoss mir die Frage durch den Kopf: Was bin ich denn jetzt? Eine wandernde Autorin oder eine schreibende Wanderin? Seither ist diese Frage eine häufige Begleiterin auf meinen Wanderungen.
Der Bücherwelt bleibe ich auf jeden Fall treu. Vor allem als Verlegerin bei da bux, wo ich meine Leidenschaft für Texte ausleben kann; wo ich im Team mit zwei tollen Verlagskollegen arbeiten darf, tolle Kontakte mit Autorinnen und Autoren habe und den ganzen Prozess vom Manuskript zum Buch begleiten kann. Ich mache auch weiterhin Lesungen und ich stelle in meinen Social Media spannende Lese- und Schreibprojekte vor. Im Sommer werde ich das Manuskript meines neuen Buches überarbeiten, dass dann Anfang nächstes Jahr erscheinen soll. So viel kann ich schon mal verraten: Die Geschichte spielt in den Bergen, also dort, wo ich viel Zeit verbringe.
Wenn ihr ins Video reingucken möchtet (das tolle Foto hat Jutta Wilke bei ihrem Besuch bei mir in den Bergen gemacht):
Dienstag, 18. April 2023
Auszeit in Ligurien
Molegnia, ein kleiner Ort zwischen zwei Tunnels. Beschaulich, beinahe leer in der Vorsaison. Der lange Sandstrand ist noch nicht von Walzen geglättet, die Bagni sind noch zu, die Liegestühle und die Sonnenschirme fehlen. Es kommt mir vor, als würden wir irgendwann in der Hälfte des letzten Jahrhunderts Ferien machen. Traumhaft für menschenscheue Leute wie Herrn Ehemann und mich. Die einzigen Menschenmassen bestehen aus Wandergruppen, ansonsten sind nur wenige Leute unterwegs.
Seit Jahren fahren wir im Frühling nach Ligurien ans Meer. Die Ortschaften wechseln; nur in besonders schönen machen wir mehr als einmal Ferien. Dieses Jahr hat Herr Ehemann Molegnia für uns entdeckt. Weil es so schön sei. Fand ich zwar aufgrund der Bilder im Internet nicht wirklich, aber Herr Ehemann war so begeistert, dass ich dachte, mir würde es dann schon irgendwie gefallen. Es gefällt mir nicht irgendwie. Ich habe mich Hals über Kopf verliebt. In den Ort, in die ruhige Umgebung, in die nur wenig verbaute Natur. So unberührt habe ich Ligurien bis jetzt noch nicht gesehen.
Wir beginnen jeden Tag mit einem Kaffee in der Wohnung und spazieren dann so gegen viertel nach acht die wenigen Meter ins Dorf und trinken dort in einer Bar einen viel besseren Kaffee und essen dazu immer dasselbe: Brioche con Cremà. Was so niedlich klingt, sind mit viel Vanillecrème gefüllte Croissants, von den jedes bestimmt eine halbe Milliarde Kalorien hat. Was irrelevant ist, denn sie schmecken köstlich.
Derart gut genährt brechen wir danach zu unseren Wanderungen auf. Da die ligurische Küste über tolle Zugverbindungen verfügt (Stundentakt; oft auf die Minute pünktlich), kommen zu den gewohnten Rundwanderungen auch Wanderungen von A nach B vor. Davon machen wir ausführlich Gebrauch. Mir kommt es vor, als seien diese Wanderungen nie so schön gewesen wie jetzt, die Landschaft um uns herum ist ein Traum in schönsten Farben. Die Wanderwege sind wie immer: oft höllisch steil, oft brutal steinig, oft mit endlos langen Treppen. Aber hey, das ist Ligurien. Ich hatte ein wenig Angst und ziemlich viel Respekt davor, weil ich meinem Knie und generell meinen Gelenken nicht zu viel zumuten wollte. Zu meiner Überraschung ist es zwar anstrengend, aber es geht sehr viel besser als ich befürchtet hatte.
Zum ersten Mal seit Jahren habe ich den Laptop nicht zum Schreiben dabei. Mein fertiges Manuskript liegt beim Verlag im Lektorat. Die Lektorate, die ich für den da bux Verlag gemacht habe, sind längst fertig. Ich atme durch. Und ich gönne mir eine richtige Auszeit. Wenn wir in der Ferienwohnung sind, lese ich. Oder ich mache kurze Filme (Shorts - eins davon am Ende des Posts) von meinen Wanderungen für YouTube. Vor allem erstelle ich keine To-Do-Listen. Das Einzige, das ich tue: Ich bin für meine da bux Arbeitskollegen erreichbar. Das alles fühlt sich richtig an. Und gut.
Morgen ist unser letzter Tag hier. Ich werde ihn geniessen und dann leichten Herzens nach Hause fahren. Es gibt Orte, von denen ich mit viel Schwermut losfahre (Schottland zum Beispiel), weil ich am liebsten sehr lange bleiben würde, wo ich sämtliche Immobilienaushänge genau anschaue und mir vorstelle, wie es wäre, darin zu leben. Italien gehört für mich trotz aller Schönheit nicht zu diesen Orten. Ich bin sehr gerne hier, es sind wunderbare Momente. Ferien halt. Auszeit. Immer und immer wieder schön.
Dienstag, 11. April 2023
wasichwirklichwill
Die Tage über Ostern habe ich im Haus in den Bergen verbracht. Ich habe einen Text fertig überarbeitet, bin mit Herrn Ehemann auf längere Spaziergänge, habe gegessen und geschlafen. Mehr nicht, denn gestern, also am 10. April, war der Abgabetermin für den Text in seiner neuen Form. Ich empfand es als grosses Glück und Privileg, mich in das vertiefen zu können und zu dürfen, was gerade wichtig ist.
Im Text, den ich überarbeitet habe, gibt es eine Schlüsselstelle. wasichwirklichwill. Genau so geschrieben. Ein Wort. Es ist das Wort, das nicht nur meinen Prota, sondern auch mich schon eine Weile beschäftigt. Und wie mein Prota wusste ich erst einmal, was ich NICHT will. Das, so finde ich, ist ein guter Anfang. Mittlerweile bin ich unterwegs zum wasichwirklichwill: Ich will in dieser schwierigen Branche, in der ich arbeite, meine Integrität und Würde behalten. Das klingt logisch und einfach, ist es jedoch nicht. Ich suche für mich immer noch und immer wieder, den Weg den ich gehen kann.
Antworten finde ich im Gehen, in meinem #walkingmayway. Ich finde sie in der Natur, in der Stille, in der Abgeschiedenheit. Manchmal so sehr, dass mir die Rückkehr in den Alltag schwerfällt. Ich merke, wie sich mein Schwerpunkt verlagert, wie ich längere Auszeiten brauche.
Letztes Jahr wollte ich zur Schreibnomadin werden, aber dann hat mir mein Knie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dieses Jahr wollen es Herr Ehemann und ich noch einmal versuchen. Wir haben uns wunderbar entlegene Orte ausgesucht, die wir erwandern möchten. Es zeichnet sich ab, dass ich mich auf die Nomadin reduzieren möchte, ohne das Schreib davor. Ich glaube, 2023 ist das Jahr, in dem ich mir diese Auszeit beim Schreiben schenke. Das, so finde ich, ist eine gute Fortsetzung ...
Dienstag, 4. April 2023
Du musst deine Einstellung ändern
Gestern war nicht mein Tag. Es war einer dieser Tage, an dem die Welt und das Leben einen auffressen, nur um einen am Abend gelangweilt wieder auszuspucken und einem fies lächelnd zu erklären: "Morgen ist ein neuer Tag."
Schon am Mittag gingen Herr Ehemann und ich die Länder durch, in man auswandern könnte. Am Ende blieb nur Neuseeland, und das vielleicht auch nur, weil wir uns mit der Politk dort nicht ganz so gut auskennen wie mit der Politik in Europa. Finnland hatte sich gerade nach rechts gewählt, in den Nachrichten muss ich mir wieder das Gesicht von T**** angucken, in der Schweiz ist die soziale Kälte auf dem Vormarsch, während wir gleichzeitig Banken retten ... die Liste war endlos, das Loch, das sich in mir auftat, glich immer mehr einem einem Vulkankrater. Es half auch nicht unbedingt, dass ich völlig unerwartet zu einer der organisierten Lesetouren eingeladen wurde, von denen ich mich längst verabschiedet hatte. Es gibt gute Honorare, es gibt okay-Honorare und es gibt die würdelosen Honorare. Ein solches stand auf der Einladung, zusammen mit der Frage, ob ich Lust auf vier Wochen Lesetour oder alternativ 20 einzelne Lesungstage hätte. Ja, Lust hätte ich, wenn auch nicht auf so viele Tage. Ich lehnte trotzdem ab mit der Begründung, dass ich mir ein solches Honorar weder leisten kann noch will. Blöderweise hat mich das alles aber doch mehr genervt als es sollte.
Ich mache immer noch gerne Lesungen. Ich werde auch immer noch für Lesungen gebucht. Und nein, ich will nicht bezahlt werden wie eine Diva, aber ich finde, ich habe ein Honorar verdient, das meine Arbeit und meine Leistung widerspiegelt. "Das war eine der tollsten Lesungen, die wir je hatten" höre ich genauso oft wie "Das war die coolste Lesung, die wir je hatten." Und das, so finde ich, soll auch finanziell gewürdigt werden.
Um zurück zum Thema zu kommen: Am Abend nach den Nachrichten sassen Herr Ehemann und ich auf dem Sofa. Ich hatte immer noch eine dicke, dunkle Zorneswolke über meinem Kopf schweben. Da grinste er und meinte: "Du kannst das alles ganz einfach ändern." Ich: "Wie?". Er: "Du musst deine Einstellung ändern und einfach lernen, konservativ zu denken."
Das mit dem konservativen Denken werde ich in diesem Leben nicht mehr packen und hinbekommen. Aber den Rest schon. Auf meine Weise. Ich werde berichten ... Hier und auf YouTube, wo ich mich gerade neu einrichte und orientiere und wenigstens schon mal die optische Einstellung änderte, in Form eines neuen Banners (siehe Bild). Ich werde in den nächsten Monaten herausfinden, ob ich eine walking Writer oder eine writing Walker bin. Und wo es denn so hingehen soll in diesem Leben als Writer/Walker.
Donnerstag, 23. März 2023
Good News - Blackout ist wieder erhältlich
In den letzten Wochen habe ich jeden Tag ein wenig am Buchsatz von Blackout gearbeitet und zum ersten Mal im Leben mithilfe von Shutterstock (Bilddatei), Canva (Kreativwebseite mit Vorlagen für fast alles) und dem BoD Vorlagendesigner ein Buchcover selber gestaltet. Zusätzlich motiviert und angetrieben hat mich die Bestellung einer Schule, die das Buch ab Mitte April als Klassenleküre einsetzen will. So bin ich in meinem ziemlich eng gesetzten Ablaufplan noch schneller vorangekommen. Letzte Woche habe ich das Buch bei BoD hochgeladen, gestern kam der Bescheid, dass die Printausgabe ab sofort wieder erhältlich ist. Das eBook wird noch eine oder zwei Wochen brauchen. Und es wird ein Hörbuch geben. So viele Jahre lang haben sich das unzählige Jugendliche und Lehrpersonen gewünscht, nun kann ich mit Hilfe von Josia Jourdan diesen Wunsch bald erfüllen.
Ich habe beim Setzen des Texts so wenig wie möglich ins Original eingegriffen. Die meisten Änderungen sind dem Buchsatz geschuldet, der seine eigenen Regeln hat. Nur ab und zu habe ich Stellen ein wenig entrümpelt oder aufpoliert. Wichtig war mir, dass die Seitenzahlen mit jenen des Vorläuferbuches übereinstimmen, damit Schulen problemlos Bücher aus bestehenden Klassensätzen ersetzen können.
Was mich besonders berührt hat: Im Februar hatte ich ziemlich viele Lesungen. Fast in jeder Schule hat man mich - leicht entsetzt - mit den Worten begrüsst: "Alice, dein Blackout ist vergriffen. Warum?" Ich habe mich darüber gefreut, dass das Buch so sehr in den Schulen verankert ist. Gleich in zwei Oberstufenschulen haben ich zudem Lehrerinnen getroffen, die mir erzählt haben, dass sie das Buch als Schülerinnen in der Oberstufe gelesen haben und es jetzt mit ihren Klassen lesen. Schönere Rückmeldungen kann man gar nicht bekommen.
Nun ist das Buch wieder da - und es ist gekommen, um zu bleiben. Das ist der Vorteil am Self Publishing: Die Bücher bleiben im Handel.
Freitag, 3. März 2023
Story-Tausch: Schreiben mit Jugendlichen
Am 22. Oktober 2022 erhielt ich eine Mail von vier Frauen, die den Zertifikatskurs zur Bibliothekarin besuchen und für ihre Facharbeit, die sich mit der Leseförderung von Jugendlichen befasst, Autorinnen und Autoren suchten. Ob ich Lust hätte, abwechselnd mit Schülerinnen und Schülern einer Oberstufenklasse eine Geschichte zu schreiben. Und wie ich Lust hatte! Ich schrieb sofort zurück und freute mich sehr, als ich Bescheid bekam, dass das Projekt zustande kommt und ich dabei sein durfte.
Dieses abwechselnde Schreiben nennt sich Story-Tausch geht so: Die Jugendlichen entwickeln in Gruppen Ideen und Figuren für eine Grundidee zu einer Geschichte. Das Genre können sie frei wählen. Ihre Aufgabe ist es dann, auf einer A4-Seite ihre Figuren auf die Geschichtenreise zu schicken. Danach bekommt der Autor/die Autorin den Auftrag, Seite 2 zu schreiben (ohne weitere Informationen; wir haben nur diese eine erste Seite). So geht das fünf Seiten lang hin und her: Die Jugendlichen schreiben die Seiten 1, 3 und 5, die Autorin/der Autor die Seiten 2 und 4. Für jede Seite haben die Schreibenden eine Woche Zeit.
Die Vorgaben sind strikt: Nebst einem klaren Zeitplan sind Schriftgrösse, Schriftart, Zeilenabstand und Umfang genau definiert. Keine Änderungen an den schon geschriebenen Seiten. Dafür sind wir beim Schreiben frei.
Was mir an diesem Projekt besonders gefällt: Die Jugendlichen haben die Hohheit über die Geschichte - es sind ihre Figuren, ihr Setting, ihre Ausgangslage, ihr Ende, und die Erzählsprache richtet sich nach dem Genre, für das sie sich entschieden haben. "Meine" Gruppe entschied sich für ein sehr junges Paar gegen den Rest der Welt. Ich habe die Bonnie & Clyde Idee gerne aufgenommen, mich in der Sprache ganz der ersten Seite angepasst und auch die Geschichte vorangetrieben. Dabei habe ich darauf geachtet, dass ich genau an jenem Punkt am Ende der Seite bin, an dem sich die beiden entschieden müssen, was sie jetzt tun.
Das war ein Banküberfall, mit allem, was dazu gehört. Ich habe begeistert die dritte Seite gelesen und bin noch viel begeisterter in den Überfall eingestiegen. Dabei hatte ich eine derart gute Vorlage, dass ich aus dem Vollen schöpfen konnte. Das Ende der Geschichte schrieben dann die Jugendlichen.
Vier Gruppen haben eine Geschichte geschrieben. Eine Gruppe mit mir, eine mit Franco Supino und zwei mit Sunil Mann. Auch sie haben Genre und Erzählsprache aufgenommen; jede Geschichte kommt aus einem Guss daher; da gibt es keine Brüche in der Art des Erzählens.
Am 18. Januar 2023 fand die Vernissage statt. Ein wunderbarer Anlass, in dem die Texte einen würdigen Rahmen erhielten. Die Jungautoren haben ALLE eine Passage vorgelesen. Ich durfte die Texte der Autoren lesen. Im Publikum sassen Lehrpersonen, Eltern, Mitschüler*innen, die vier Bibliothekarinnen, und die Lehrerin der Schüler*innen.
Nun ist die Facharbeit der Bibliothekarinnen beinahe fertig. Teil davon ist eine Webseite, in der das Projekt vorgestellt ist. Ich empfehle auf jeden Fall ein Reingucken und auch sehr gerne ein Ausprobieren der Idee. Ich stelle zudem das Projekt in einem YouTube Video ausführlich vor. Wenn ihr also Lust und Zeit habt, lade ich euch ein auf eine Reise durch die Webseite und meinen Clip (Link unter dem Post). Viel Spass.
Für mich war es definitiv ein Vergnügen. Von A bis Z. Das liegt an den schreibenden Jugendlichen, die für uns Autoren herrliche Steilvorlagen geliefert haben, und an den vier Bibliothekarinnen Gabriela Frick, Annika Görden, Esther Jufer und Daniela Studach, welche das ganze Projekt sehr gut vorbereitet, organisiert und begleitet haben.
Sonntag, 19. Februar 2023
Wenn Lesungen beflügeln
Hinter mir liegen zwei anstrengende, aber auch wunderbare Wochen mit Lesungen an verschiedenen Oberstufenschulen. Auf jede einzelne habe ich mich gefreut, denn schon die Kontaktaufnahme und der Mailaustausch verliefen unkompliziert und herzlich. Wir einigten uns auf ein Datum - manchmal weit im Voraus, manchmal eher kurzfristig - und klärten dann spätestens eine Woche vor den Lesungen noch die letzten Details. Überall waren die Jugendlichen auf die Lesung vorbereitet, zum Teil wurde ich mit wunderschönen Plakaten empfangen, letzten Freitag in Marthalen holte mich eine ganze Schulklasse vom Bahnhof ab. Das sind Momente, in denen ich Begeisterung und Wertschätzung spüre und ich gestehe: Beides tut mir unendlich gut.
Lesungen mit gut vorbereiteten Klassen bereiten besonders viel Freude. Oft gibt es für mich schon vor der Lesung ganz viel zu sehen. An Stellwänden und Wandtafeln hängen kleine Plakate mit Portraits von mir oder verschiedenen Arbeiten zu meinen Büchern und dieses Mal auch Fotostorys zum Blackout.
Sind sie nicht toll?
Zu den Fotostorys und Autorenportraits geht es hier:
Mittwoch, 1. Februar 2023
Mit Zuversicht voran - Blackout wird zurückkommen
Foto: 2009 / Fotografin: Kay
Die Melancholie über die vergriffenen Bücher ist verflogen, die Zuversicht ist wieder da und mit ihr auch ganz viel Motivation und Energie. Ich habe die Rechte für beide Bücher - no_way_out und Blackout zurück und schon mit dem Buchsatz vom Blackout angefangen.
Normalerweise lasse ich mir Zeit mit vergriffenen Büchern; es kann schon mal eins, zwei oder gar drei Jahre gehen, bis ich ein vergriffenes Buch noch einmal im Self Publishing herausgebe. Aber bei Blackout pressiert es mir. Ich habe bis Ende Juni gut 30 Lesungen, die allermeisten bei Klassen, die Blackout gerade gelesen haben oder am Lesen sind oder das Buch nach der Lesung lesen werden. Die meinsten Schulen haben das Buch im Klassensatz schon an Lager und oft schon mit mehreren Klassen gelesen, andere bestellen es sich bei der Medienzentrale in Solothurn. Aber Bücher gehen beim vielen Lesen schon mal kaputt und müssen ersetzt werden. Deshalb möchte ich, dass das Buch so schnell wie möglich wieder erhältlich ist. Ich achte auch beim Buchsatz darauf, dass er mit der Originalversion übereinstimmt, sprich, dass die Seitenzahlen aufeinander abgestimmt sind.
Weil ich als Autorin und Verlegerin nicht einfach alles beiseite legen und mich nur dem Buchsatz für ein vergriffenes Buch widmen kann, muss ich mir die Arbeit einteilen. Ich möchte jedoch so schnell wie möglich vorankommen und spätestens Anfang April mit allen Arbeiten (Buchsatz, Covergestaltung, Klappentext schreiben, das Buch bei BoD hochladen ...) fertig sein. Haltet mir bitte die Daumen.
Und hier für alle, die sich das gerne ausführlicher anhören (oder anschauen) möchten:
Montag, 23. Januar 2023
Literaturkalender - Fehlkauf mit Happy End
Noch im alten Jahr stöberte ich mich durch die lokale Papeterie und stiess auf einen Literaturkalender. Ein tolles Cover, wunderschöne Musterbilder auf der Rückseite, 52 Seiten, für jede Woche eine. Ich kaufte ihn und freute mich aufs Auspacken und Aufhängen. Beim ersten Durchblättern dann die Ernüchterung: Bis auf zwei Volksweisheiten war jedes einzelne Zitat von einem Mann. Die eine Hälfte völlig ausgelutscht, weil schon umpfzig Mal gelesen, die andere Hälfte steifer als ein Brett. Bis auf extrem wenige Ausnahmen nichts , das das Herz berührte, nichts, das inspirierte, nichts, über das ich mich freuen könnte, wenn es an der Wand hing.
Ich setzte mich hin und schrieb einen Brief an den Verlag. Wie enttäuscht ich sei und wie man es im Jahr 2022 schaffen könne, einen Literaturkalender mit Zitaten nur von Männern herauszugeben. Die Antwort kam keine zwei Stunden später, aus Unachtsamkeit so verfasst, dass ich den vorherigen, internen Mailverkehr im Verlag mitlesen konnte. Ihr ahnt, was da drin stand. Am Ende bot man mir an, mir als kleine Entschädigung einen anderen Kalender zu schicken. Ich lehnte ab, weil ich von Kalendern erst einmal genug hatte.
Der Literaturkalender lag auf dem Wohnzimmertisch. Bereit, um zum Laden zurückgebracht zu werden. Aber dann fiel mir unsere Schreibrunde ein. Seit November treffen sich schreibende Menschen in der Bibliothek Buchs/SG zum gemeinsamen Schreiben und vor allem auch zum Austausch über das Schreiben. Den Abend beginnen wir jeweils mit einem sogenannten Writing Promt, also einer kleinen Schreibaufgabe. Und wie ich so an die Schreibrunde dachte und auf den Kalender schaute, war alles klar. Wir würden unsere eigenen Zitate schreiben.
Die Aufgabe dazu:
1. Schaut euch die Kalenderbilder des Januars an.
2. Notiert zusammengesetzte Nomen, die euch zu den Bildern einfallen.
3. Teilt die Wörter in der Mitte und setzt sie neu zusammen.
4. Schreibt ein kurzes Gedicht, in dem diese Wörter vorkommen.
Herausgekommen sind wunderschöne Texte, die ich abgeschrieben und über die bestehenden Zitate geklebt habe.
Und so habe ich jetzt einen Literaturkalender mit schönen Bildern und Zitaten, die mir viel bedeuten. Herzlichen Dank an die Schreibgruppe!
PS: Im Februar klebe ich mir jede Woche ein Zitat aus dem Buch Kreativität von Melanie Raabe über die Zitate. Und das wäre dann auch gleich mein Buchtipp für Januar:Melanie Raabe: Kreativität - Wie sie uns mutiger, glücklicher und stärker macht.
Donnerstag, 19. Januar 2023
Abschiedsmelancholie
Kürzlich musste ich mich von no way out verabschieden. Ohne Benachrichtigung des Verlags, der das Buch einfach aus dem Programm nahm. Ich fand selber heraus, dass es vergriffen ist. Gestern Morgen guckte ich ins Autorenportal des Verlags - und Blackout war weg. Ich wusste aus Erfahrung, dass das kein gutes Zeichen ist. Also hin zum Buchkatalog.de., der in Sachen vergriffene Bücher meine Informationsquelle geworden ist.
"Vergriffen", stand da hinter dem roten Punkt.
(Anmerkung am Rande: Man schafft es also, das Buch offiziell als vergriffen zu melden, aber man schafft es nicht, die Autorin zu benachrichtigen.)
Ich sass da und versuchte, das zu verdauen. Gerade hatte ich wieder eine Lesung abgemacht mit einer Schule, an der das Buch gelesen wird. Auf meinem YouTube Kanal guckten sich alleine in den letzten 48 Stunden rund 50 Leute den Blackout Buchtrailer und die Blackout Kurzlesung an. Und jetzt ist das Buch weg. Wieder ohne vorherige Information durch den Verlag. Mein Lager zuhause: fünf Stück. Wenn mich also Schulen anfragen, ob ich noch Exemplare habe, kann ich nicht wirklich helfen.
Zum Glück hatte ich keine Zeit, mich wirklich darüber aufzuregen, denn ich war auf dem Sprung zu einer tollen Veranstaltung (dazu mehr in einem anderen Post). Die Freude und die Begeisterung die ich daraus mitnehmen durfte, trug mich durch den Nachmittag. Am Abend schlich sich dann die Melancholie ein.
Ich muss in kurzer Zeit Abschied nehmen von zwei Büchern, die mein Autorinnenleben geprägt haben. Blackout war mein erstes Buch, es hat mich all die Jahre begleitet, ist an vielen Schweizer Oberstufen zu einer ziemlich verankerten Klassenlektüre geworden. Das Buch hat mich zur Autorin gemacht, ich verdanke ihm unzählige Lesungen, auch heute noch. Mit seinem Verschwinden verschwindet ein Stückweit auch etwas von mir. no way out war mein zehntes Buch, das Buch, nach dem ich dachte, ich könnte jetzt eigentlich aufhören zu schreiben, weil alles gesagt ist, was ich sagen wollte. Es war mir unendlich wichtig und es war mir eine tiefe Freude, als es den Preis als bester deutschsprachiger Jugendkrimi bekam.
Heute Morgen habe ich entschieden, dass ich diesen Abschied für mich würdig feiern möchte. Den Büchern noch einmal zuwinken. Ihnen sagen, wie viel sie mir bedeuten. Ihren wunderbaren Protas danken, dass sie mich gefunden haben. Mich vor den Leserinnen und Lesern verneigen, die die Geschichten gelesen haben. Für alle Feedbacks danken. Wissen, dass diese Bücher nicht nur mir etwas bedeuten. Mich an all die Jugendlichen erinnern, die mir gesagt haben, wie gerne sie das Buch gelesen haben. Ich wusste noch nicht, wie ich das anstellen sollte. Entstanden ist dieser Post (ein Glas Wein an einem Donnerstagmorgen fand ich dann doch etwas zu viel). Es bleibt die Melancholie.
Dienstag, 27. Dezember 2022
Autorinnenleben pur
Ein Jahresrückblick der anderen Art. Momente aus meinem Autorinnenleben.
Unbedingt den Ton anmachen, bevor ihr reinguckt.
Mit Musik fegt es nämlich (noch) mehr.
Freitag, 23. Dezember 2022
Jahresrückblick
Ich bin mit Mut und Zuversicht ins neue Jahr gestartet. Und der Hoffnung, dass wir Corona loswerden und wieder in ein normales Leben zurückkehren können. Dann kam der Krieg. Die Tulpenfrau in der Ukraine, diese Frau, die ich hätte sein können. Die Sprachlosig- und die Hilflosigkeit. Diese Stärke der Menschen mitten im Krieg, die sagen: "Das Leben geht weiter." Und es ging weiter. Für uns normal, für viele andere Menschen nicht.
Im Herbst begann der Iran, seine eigenen Kinder und Jugendlichen zu töten. Ich sah Bilder von jungen Frauen, die meine Töchter sein könnten. Ich traute mich nicht, mir den Schmerz ihrer Eltern vorzustellen. Ich zog meinen Schutzwall hoch, weil ich das Gefühl hatte, nichts ändern zu können. Rein gar nichts. Viele meiner deutschen Autorenkolleg*innen haben sich zusammengetan, Aktionen gestartet, haben auf den Social Media auf die Geschehnisse aufmerksam gemacht. Ich habe mich zurückgezogen. Weil es zu viel ist: Ukraine, Iran, Afghanistan, Pakistan, Afrika ... die Liste ist unendlich. An dem Tag, an dem die offizielle Schweiz einen finanziellen Unterstützungsbeitrag an die Ukraine nicht jetzt beschliessen wollte (sorry, genauer geht es nicht, weil ich die Zeitungsartikel dazu nicht verstanden habe), habe ich mich unendlich geschämt, privat gespendet und ganz fest gehofft, dass die Tulpenfrau noch lebt.
Seit Jahren sagen wir: "War das ein beschissenes Jahr, das nächste wird besser" - und dann wird es immer noch schlimmer. Denn es sind ja nicht nur die Kriege und die Gräueltaten. Wir verraten gerade auch die Zukunft unserer Kinder, indem wir zwar (fast) alle von Klimaschutz sprechen, aber halt bitte nicht bei uns und nicht gerade das, was uns wehtäte und dann ist da noch die Wirschaft und das Geld und der Konsum und das Wachstum und die Skipiste, die beschneit werden muss usw.
In all diesem Irrsinn ist der Rückzug in die eigene kleine Welt so unendlich wichtig. Es ist (oder wäre) auch wichtig, diese Welt so zu gestalten, dass wir an ihr wachsen können. Dass unsere kleine Welt mit vielen kleinen Welten verschmilzt und viele kleine gute Welten eine bessere grössere hervorbringen.
In meiner eigenen kleinen Welt war das Jahr ein gutes. Meiner Familie geht es gut, sie ist der sichere Hafen, in dem ich mich geborgen fühle. Auch beruflich war es ein gutes Jahr. Ich habe mir sowohl den Mut als auch die Zuversicht erhalten können. Ich habe eine grosse innere Ruhe gewonnen, auch eine wunderbare Gelassenheit. Ich bin neue Wege resp. Trampelpfade gegangen. Mein Körper hat mir Grenzen gezeigt, ich habe aber auch gelernt, dass man diese Grenzen mit Geduld und - schon wieder dieses Wort - Zuversicht schieben kann.
Und jetzt, am Ende des Jahres, bin ich dankbar für das, was ich erleben und fühlen durfte. Ich behalte mein Motto bei: Mut und Zuversicht. Und Liebe. Das ist das, was ich habe und weitergeben kann.
Wer gerne mehr wissen möchte:
Dienstag, 13. Dezember 2022
Ich habe es satt
Nein, nicht meinen Beruf. Der hat mir heute einmal mehr ein Highlight beschert.
Ich habe mein Land satt, resp. die offizielle Schweiz. Drüben auf Instagram hat unsere Regierung einen Account, der eine Unmenge Geld kostet. Und was sehe ich? Schöne Fötteli von glücklichen Bundesräten und Bundesrätinnen. Noch mehr Fötteli von stolzen Bundesräten und Bundesrätinnen. Schöne, heile Bundesratssschweiz.
Liebe Bundesräte und Bundesrätinnen, die Welt brennt. Im Iran sterben Menschen, werden junge Menschen hingerichtet, die das getan haben, was bei uns ein Grundrecht ist: demonstrieren. Und wir so: Gute Dienste, Diplomatie, blablabla. Als ob die iranischen Herrscher sich auch nur mit einem Quadratmillimeter ihres Hintern für unsere guten Dienste interessieren würden. Die lachen und aus.
Wo ist unsere Humanität hin? Hatten wir sie jemals? Ich meine, so als Nation. Im Einzelnen und Kleinen: Ja. Und wenn es im Einzelnen und Kleinen geht, warum nicht im Grossen Ganzen?
Ein wenig Hoffnung habe ich doch noch. Es scheint nämlich langsam auch einem Teil unseres Parlaments zu "gschämig", was der Bundesrat (nicht) leistet. Mehr dazu hier im Artikel von Watson.ch
Freitag, 25. November 2022
Good News, no News, sad News
Der Dienstag war ein irrer und auch ein wenig ein irrwitziger Tag. Kollegin Jutta Wilke und ich steckten in unserer Story fest und suchten einen Ausweg. Das ist zwar harzig, aber immer auch gut, weil mit Jutta zu arbeiten Freude macht.
Am Nachmittag habe ich dann mein neustes Video aufgenommen, in dem es um Lesungen für Jugendliche geht. Ich hatte mir eine Liste gemacht, worüber ich reden wollte, habe wie immer eine Weile lang den Text "trocken" geübt, will heissen, ich habe beim Kaffee machen, beim Haushalten usw. laut geredet und dabei hat sich das, was ich sagen will und wie ich es sagen will herauskristallisiert.
Zwischen zwei Arbeitsschritten hat der Postbote geklingelt und mir die Belegsexemplare der Neuauflage von Hundert Lügen gebracht. Ich hatte ja ziemlich heftig gefiebert und gebibbert, weil ich diesmal nicht sicher war, ob die Druckqualtität genügen würde. Zu meiner Erleichterung ist der Druck gut, bei den Rückblenden könnte er jedoch noch ein wenig besser sein (ich hatte eine sehr feine Schrift gewählt und hatte damit gerechnet).
Ich tanzte also glücklich zwischen Filmauslegeordnung und sonstigem Chaos eine Runde Rock'n'Roll und freute mich. --- Bis ich in die Mailbox guckte.Da war nämlich die Antwort vom Thienemann-Verlag eingetrudelt. Ich hatte - wieder einmal - festgestellt, dass ein Buch von mir von der Liste in meinem Autorenportal verschwunden ist. Päng. Weg. Das bedeutet nie etwas Gutes. Also hatte ich nachgefragt. Die Antwort: "Ja, das Lager ist tatsächlich leer." Es ist nicht das erste Mal, dass Bücher von mir vergriffen sind oder geramscht werden, ohne mich vorher zu informieren. Meistens finde ich das selber irgendwann heraus und muss dann nachfragen, was los ist. Früher hat mich so was genervt. Heute zucke ich mit den Schultern und erlaube mir einen Lacher.
no way out hatte ein gutes, langes Leben. Acht Jahre war der Titel auf der Backlist, sehr viel länger als viele andere Bücher. Ich hätte dem Buch und mir ein würdevolleres Ende gewünscht, will heissen, ich hätte mir gewünscht, man hätte mich vorgängig informiert, wie das eigentlich üblich sein sollte.
Der Dienstag war also der Tag, an dem ein Buch offiziell zurück in das Licht der Welt trat und ein anderes inoffiziell und leise von der Backlist verschwand. So ist es, das Autorinnenleben. Ich bin froh und dankbar, dass ich den Weg ins Self Publishing gefunden habe, das es mir erlaubt, vergriffene Titel wieder neu herauszugeben und damit auch wieder lieferbar zu machen.
PS: Zu vergriffenen Titeln und deren Neuauflagen habe ich vor ungefähr einem Jahr ein Video gemacht: Vergriffen - und jetzt? Darin erzähle ich, was aus all meinen Jugendbüchern geworden ist. Funfact am Rande: Ich habe in dem Video die Prognose gewagt, dass no way out das nächste Buch sein wird, das aus dem Verlagsprogramm fallen wird ...
Mittwoch, 9. November 2022
Leidenschaft
Ich habe vieles im Leben mit Leidenschaft gemacht und tue das heute noch. Ich folge lieber dem Herzen als der Vernunft oder dem "was man machen sollte". Gerade bei den Berufen hatte und habe ich die Gabe, genau solche spannend zu finden, mit denen ich kaum Geld verdienen konnte und kann. Je mehr sie mir Freude bereiteten, desto weniger verdiente ich. Das wurde irgendwann zum Running Gag bei uns in der Familie, und an Tagen, an denen ich weniger gut drauf war, auch zu einem wunden Punkt. Ich reagiere je nach Tagesform sehr empfindlich auf Witze über mein (zuweilen unwürdiges) Einkommen, kann jedoch selber wunderbar Witze darüber reissen, an guten Tagen ausgelassene, an schlechten Tage solche mit sehr viel schwarzem Humor.
Ich erinnere mich, wie ich einmal im Kino, mitten in der Vorführung in einen Lachanfall ausgebrochen bin, weil ich ausgerechnet hatte, wie viel resp. sauwenig Sundenlohn meine Arbeit als Radiofrau hergab (den Namen des Films habe ich vergessen, doch ich denke, so gut kann der nicht gewesen sein, wenn ich mich zum Berechnen eines hundelausigen Stundenlohns ausgeklickt habe). ABER: Ich habe kaum etwas so gerne getan wie Radio machen.
Das gilt auch fürs Schreiben, das gilt auch für meine Arbeit als Verlegerin. Auch hier das ABER: Beides ist unschlagbar befriedigend und schön. Für die Verlagsarbeit gilt das für fast alle Bereiche, beim Autorenleben trifft das für mich eigentlich ausschliesslich auf das Schreiben und richtig gute Lesungen zu. Den Rest kann ich mittlerweile meistens ziemlich gut ausblenden.
Seit elf Jahren habe ich einen Youtube-Kanal. Gestartet habe ich ihn für meine Buchtrailer, später habe ich Fragen von Jugendlichen beantwortet und seit einer Weile gebe ich Einblicke in meinen Beruf. Auch das ist reine Leidenschaft. Bringen tut es mir - ausser Spass und Freude und jeder Menge Dinge, die ich neu dazulerne - nicht wirklich etwas. Es halt ist das, worauf ich Lust habe, sozusagen so was wie Stricken und Wände streichen und im Garten rumkriechen. Im neusten Video beantworte ich übrigens die Frage, ob Autorin ein Traumberuf ist.
Ab Mitte Dezember wird sich mein beruflicher Schwerpunkt vom Schreiben wieder zurück auf den als Verlegerin schieben. Am 15. Dezember ist für unsere Autorinnen und Autoren Abgabetermin und meine Arbeit als Lektorin startet. Bis ungefähr Ende Mai/Juni 2023 bin ich hauptsächlich Verlegerin und Autorin nur im Nebenberuf. In der zweiten Jahreshälfte kehrt es dann wieder: Dann bin ich hauptsächlich Autorin und Verlegerin im Nebenberuf. Sprich, bis Mitte Dezember, also einen guten Monat noch, kann ich mein Autorinnenleben voll auskosten und leben.
Eigentlich (hahaha) wollte ich mit 60 kürzertreten. Ende Monat werde ich 61 und merke, mit wie viel Leidenschaft ich Autorin und Verlegerin bin. Über mein Einkommen reden wir an dieser Stelle lieber nicht. Nur so viel: Ich habe ein Leben lang gearbeitet und werde, wie so viele andere Wenigverdienerinnen, nicht auf eine volle AHV (für die Mitleser*innen aus Deutschland: Rente) kommen. Das, liebe Leute, ist etwas, das mich wütend macht und wo ich auch keine Witze darüber reissen kann. Other than that, I'm perfectly fine, wie es die Engländer so treffend formulieren.
Was immer ihr tut, verliert die Leidenschaft nicht aus den Augen. Werdet nicht wie die mir unbekannte Mitreisende kürzlich im Zug nach St. Gallen, deren Kinder ausgeflogen sind und die ihrer Bekannten erklärte, jetzt sei das Leben vorbei, jetzt gehe es nur noch abwärts, da komme nichts mehr. Oh, doch! Da kommt noch eine ganze Menge! Man muss es nur sehen (wollen).
Freitag, 4. November 2022
Übers Schreiben und Schubladen
Sandkasten-Alice, irgendwann in den Sechzigern
Mein Leben lang habe ich aus mir hinausgeschrieben, was mich beschäftigte, was mir gefiel, was ich selber gerne lesen würde. Ich war ein obdachloser Aussenseiter (in no way out), ich war eine ziemlich zickige junge Frau (in Matchbox Boy), ich war ein zwölfjähriger Junge, der gerne mutig, wild und frei wäre (in Ich, Onkel Mike und Plan A), ich war eine junge Frau, die auf der Suche nach sich selbst ihre Seele verlor (Kata in Lost Souls), ich war ein verzweifelter Jugendlicher, der sich hinter viel Rebellentum versteckte (in Blackout) ...
Diese Auflistung könnte ich endlos weiterführen. Die Kurzfassung: Ich war sehr viele, die ich nicht bin. Ich tat in meinen Büchern sehr vieles, das ich nie im Leben tun würde. Ich war mutiger, wilder, frecher, freier und oft sehr viel brutaler und düsterer als mein wahres Ich. Und trotzdem war in all diesen Figuren doch etwas von mir drin.
Nie, nicht eine Sekunde, habe ich darüber nachgedacht, ob es mir zusteht, in meinen Büchern sehr viel jünger und oft auch noch männlich zu sein und Leben zu schreiben, die ich nicht führe. Schreiben bedeutet nämlich andere Leben leben. Ich schreibe deshalb Fiktion, weil ich nicht über eine ältere Frau mit Kniebeschwerden, gelegentlich heftiger Schlaflosigkeit, einer komischen Frisur und wunderbar normalen Hobbys (also mich) schreiben will.
Ich war noch keine zwanzig Jahre alt, als ich meiner Psychologielehrerin erklärte, ich hasse Schubladendenken. Und heute? Hüpfen die Menschen freiwillig in Schubladen, schreiben sie gross an und tippen dann aus ihren Schubladen hinaus vornehmlich virtuell und leider auch oft laut und schrill und anklagend, wie beschissen es sich anfühlt, in dieser Schublade zu leben. Sie zeigen mit dem Finger auf andere, die nicht in Schubladen wollen, ja, denen sie vorwerfen, sich in ihren Schubladen zu bedienen und dann in freier Bahn zu grasen. Der Vorwurf der Aneignung ist nur einen Grashalm entfernt. Keine OWN-Voice, heisst es. Schreib über das, was du selber erfahren hast, über das was du bist und lebst.
Denken wir doch den Gedanken der Own-Voice mal zu Ende. Ich schreibe Krimis und Thriller. Muss ich jetzt erst mal ein paar Menschen einschüchtern, überfallen, umbringen? So von wegen OWN-Voice? Oder dürfen nur noch Kriminelle Krimis schreiben? Und selbst wenn wir nicht so weit denken: Muss ich jetzt für den Rest des Lebens Bücher über alte, schlaflose Frauen mit Kniebeschwerden und langweiligen Hobbys schreiben? Ja, und dürfte sich denn diese Prota überhaupt verlieben, oder wäre das schon Betrug an meinem Ehemann? Und selbst wenn ich all das richtig machen und in meiner VERY-OWN-VOICE schreiben würde - dann wäre es auch wieder nicht recht, denn dann wäre ich eine dieser typisch egoistischen alten, weissen Frauen, die man getrost auch noch Boomer nennen und pauschal für sämtliches Elend der Welt verantwortlich machen darf. (Ja, ihr lest richtig zwischen den Zeilen: Mich gurkt das völlig Übertriebene einer ursprünglich guten Bewegung mittlerweile nur noch an).
Abseits vom Schreiben befindet sich Harry Styles in einem Shitstorm, weil er es wagt, sich anzuziehen, wie er sich anzieht (ich habe in diesem Zusammenhang ein neues Wort in einer langen Reihe neuer Wörter gelernt: Queerbaiting). Und ein achtzehnjähriger Schauspieler fühlte sich nach monatelangen Hassangriffen gezwungen, sich auf Twitter zu outen, obwohl er das eigentlich gar nicht wollte, gejagt von super-woken Menschen, die für sich die Toleranz zentnerweise beanspruchen und selber ungefähr so viel haben, wie sie in einen halben Fingerhut passt. Ich glaube, das ist es, was mich am meisten stört an der Sache. Wenn jemand in eine Schublade gedrängt wird, tut mir das unendlich leid. Wenn jemand Dinge nicht tun kann, weil er oder sie in eine Schublade gesteckt wird, dann ist das ungerecht und schmerzt. Wenn jemand freiwillig in eine Schublade hüpfen will, von mir aus. Wenn jemand dafür toleriert und akzeptiert werden will. Auch sehr gerne. Wenn jemand nur diesen Weg sieht, auf sein Anliegen, sein Wesen und sein Leben aufmerksam zu machen: Ich verstehe es, und es tut mir weh. Aber es ist so: Toleranz und Respekt sind keine Einbahnstrasse.
Ich möchte im Leben und Schreiben das, was ich ein Leben lang gewollt habe: Als Mensch gesehen werden, mit allen Unzulänglichkeiten, Fehlern und guten Seiten. Ich bin weit mehr als eine alte, weisse, abgehalfterte Boomerin, ich bin ein Mensch mit unzähligen Facetten. In meinen sechzig Lebensjahren habe ich einiges falsch gemacht, aber auch für vieles gekämpft, das heute eine Selbstverständlichkeit ist. Ich weigere mich nach wie vor, mich in einer Schublade einsperren zu lassen. Für meine Herkunft, die mich geprägt hat, kann ich nichts; ich bin dankbar dafür, aber sie ist weder meine Schuld noch mein Verdienst. Meine Eltern haben mir Toleranz, Liebe und Wertschätzung mit auf den Weg gegeben. Und die Zuversicht, dass ich alles sein kann. Deshalb schreibe ich weiterhin aus genau den Perspektiven, die mich interessieren. Und zwar wie seit eh und je: Mit sehr viel Respekt vor dieser Perspektive.
Freitag, 28. Oktober 2022
Just for Fun
Just for Fun. Diese drei Wörter haben bei mir im September ordentlich was ausgelöst. Nicht so, wie der Mensch, der sie ausgesprochen hat, sie wohl beabsichtigt hatte. Was bei mir sehr negativ ankam, hat zu einer meiner Häutungen geführt. So nenne ich das jeweils, wenn ich mich und damit meistens auch meinen Beruf in Frage stelle. Die Häutung hat für einmal gar nicht so lange gedauert, es war auch nicht wirklich eine vollständige Häutung, sondern eher ein Wiederentdecken und Bestätigen meiner Werte.
Was war passiert? Ich war für eine Lesung angefragt worden, sagte zu und erfuhr Wochen später, wie hoch resp. tief das Honorar sein sollte. Ob das so in Ordnung gehe, stand da am Ende der Mail. Ganz ehrlich: Ich war geplättet. Ungläubig schaute ich auf den Betrag, rief Herrn Ehemann dazu, der genauso ungläubig schaute und schrieb dann erst einmal ... nichts. Ich wusste, wenn ich jetzt antworten würde, würde das eine dermassen gepfefferte Antwort, dass ich damit den Menschen, der sie lesen würde, tief verletzen würde, und das wollte ich nicht. Vor allem aber ärgerte ich mich, nicht wie üblich gleich nach dem Honorar gefragt zu haben - ich war davon ausgegangen, dass es in diesem Fall schon stimmen würde.
Nach ein paar Tagen, an denen mir immer noch keine Antwort eingefallen war, gab ich auf und entschied, dass ich es darauf ankommen lassen wollte. Anders gesagt, ich spielte Roulette. Entweder wurde meine fehlende Antwort als ein Nein oder ein Ja interpretiert und ich würde die Lesung machen oder eben nicht.
Es stellte sich heraus, dass mein Schweigen als Zusage gewertet wurde und ich merkte, wie es in mir zu rumoren begann. Ich ärgerte mich darüber, nicht klar und deutlich (und höflich) Nein gesagt zu haben. Irgendwann fand ich dann, dass sich das Ärgern nicht lohnte und beschloss, mich einfach auf diese Lesung zu freuen. Ich beschloss aber auch, dass ich nie mehr so reagieren würde, wie ich reagiert hatte.
Die Lesung war dann wunderbar.
Nach der Lesung wollte ich eine Rechnung schreiben und nahm mir vor, in der Begleitmail zu erwähnen, dass alles ausser dem Honorar toll und wunderbar gewesen sei. Ein Telefonat kam mir zuvor und so kam es, dass ich meine Gefühle am Telefon direkt schildern konnte. Ich stellte mich auf den Punkt, dass Autorinnen und Autoren ein angemessenes Honorar für eine Lesung bekommen sollten. Dass wir uns selber das Wasser abgraben, wenn wir zu tiefen Honoraren lesen. Oder anders: Dass wir eine Abwärtsspirale in Gang setzen würden. Irgendwann im Laufe dieses Gesprächs fiel der Satz: "Für mich lesen die Leute auch just for fun."
Dieser Satz hatte auf mich die Wirkung einer Dampfwalze. Er setzte ausser Kraft, wofür ich mich bisher immer eingesetzt hatte: angemessene Honorare. Denn: Autorin ist ein Beruf. Ich lebe davon resp. möchte gerne davon leben. Das geht nur, wenn ich für berufliche Leistungen angemessen bezahlt werde. Um den armen Bäcker zu bemühen, der immer wieder für Beispiele herhalten muss in meinem Beruf: Ich kann ja auch nicht in eine Bäckerei gehen und fragen, ob ich die Brötchen just for fun bekomme. Ich kann auch nicht ans Steueramt schreiben und erklären, ich fände, es sei jetzt mal Zeit für ein Just for Fun, weshalb ich dieses Jahr aus Spass an der Freude (und weil ich vor lauter Just for Fun Arbeitseinsätzen kein Geld mehr habe) keine Steuern bezahle.
Natürlich habe ich an diesem Anlass nicht Just for Fun gelesen, auch wenn ich viel Freude und Spass hatte. Natürlich habe ich ein Honorar erhalten; es war einfach eins, für das für mich nicht stimmte. Und ja, ich weiss, ich bin selber schuld. Meine gute Autorenkollegin Jutta Wilke hat mir dazu ein paar sehr gute und unangenehme Fragen nach meinen Beweggründen gestellt, die ich ehrlich beantwortet habe und dabei sehr viel über mich und die Art, wie ich ticke, gelernt habe. Danke, Jutta!
Mir ist bei all dem eine Menge klar geworden. Ich kann nur für mich sprechen und handeln. Ich muss das tun, was für mich stimmt. Andere Menschen entscheiden aus vielen (auch guten und sehr nachvollziehbaren) Gründen anders.
Was ich im obigen Abschnitt so kurz und knapp zusammengefasst habe, war ein zuweilen schmerzhafter Denk- und Lernprozess, an dessen Ende ich für mich die Konsequenzen zog:
Ich werde meinen eingeschlagenen Weg weitergehen und weiterhin meinen Beruf so leben, wie er für mich stimmt. Und ich werde tatsächlich ab und zu etwas Just for Fun machen. Nur: Was das ist, möchte ich entscheiden. Im Oktober war es das Ausschreiben einer Schreibrunde in der lokalen Bibliothek. Und es war das Eintauchen in YouTube,wo ich entschieden habe, meinen Autorinnenkanal aus- und aufzubauen. Beides bringt mir kein Geld. Aber dafür jede Menge Spass und Freude. Beides tue ich für mich. Oder in einem Satz zusammengefasst: Ich gehe meine Trampelpfade weiter, auf meine Weise.
Mittwoch, 19. Oktober 2022
NaNoWriMo - Ein Buch in einem Monat?
Jedes Jahr im November hauen weltweit unzählige Menschen Buchstaben und Wörter in die Tasten, die sie am Ende des Tages zählen und auf die Webseite von NaNoWriMo (National Novel Writing Month) hochladen. Ziel ist es, am Abend des 30. November 50'000 Wörter geschrieben zu haben.
Angefangen hat alles 1999 in den USA. Natürlich war dem Gründer von NaNoWriMo klar, dass man in 30 Tagen keinen druckreifen Roman schreiben kann, das war auch gar nicht Ziel und Zweck der Sache. Es ging um etwas ganz anderes: den inneren Kritiker ausschalten, der in schreibenden Menschen sitzt, diesen Kritiker, der uns ausbremst, weil wir andauernd das schon Geschriebene besser machen möchten. Dieser Kritiker hindert uns (zu) oft daran, in einen guten Schreibfluss zu kommen. Wenn man in 30 Tagen 50'000 Wörter schreiben will, hat man keine Zeit, sich ausbremsen zu lassen.
Ich habe bei meiner ersten Teilnahme tatsächlich 50'000 Wörter geschafft. Was daraus geworden ist, erzähle ich in meinem Mittwochsvideo (siehe unten). Später sind alle Versuche an Zeitmangel, an einem krachend zusammenstürzenden Plot oder unerwarteten Wendungen im Leben gescheitert. Ich habe nie wieder die Ziellinie überschritten resp. überschrieben. Dieses Jahr will ich das ändern. Ich bin dabei!
Das Video zum Thema habe ich in meinem Schreibretreat gedreht, praktisch in Echtzeit, weil ich ja zum Schreiben (und Wandern und Gärtnern) in den Bergen war, und nicht, um stundenlang zu filmen. Und deshalb habe ich glatt vergessen zu erzählen, warum ich dieses Jahr dabei bin und vor allem, wie. Nachdrehen zu Hause wollte ich nicht.
Aber ich kann es hier im Blog erzählen: Wer mitliest weiss, dass ich zurzeit parallel an drei Buchprojekten schreibe. Ich komme voran, aber nicht ganz so zackig, wie ich es geplant hatte. Also nutze ich NaNoWriMo sozusagen als Booster resp. Ansporn. Eigentlich brauche ich auch nicht mehr 50'000 Wörter; ich denke, bis es am 1. November losgeht, bin ich in meiner Arbeit so weit fortgeschritten, dass es eher 30'000 als 50'000 Wörter sind, aber das macht nichts. Dann hat NaNo seinen Zweck auch erfüllt. Und ich kann ja früher mit dem beginnen, was NaNoWriMo gerade NICHT auf dem Radar hat: dem gründlichen Überarbeiten.
Auf jeden Fall werde ich Ende November / Anfang Dezember ein Fazit ziehen. Hier im Blog und drüben auf YouTube.
Mittwoch, 5. Oktober 2022
Bookstar Shortlist 2022
Für einmal wenig Text und viel Bild hier im Blog. Ich bin nämlich seit Montagnachmittag unterwegs in Sachen Bookstar.ch 2022 Shortlist, und zwar filmenderweise. Am Montagmorgen habe ich die fünf Finaltitel online gefunden, am Montagnachmittag ging's in die Bibliothek Buchs, weil ich finde, dass das genau der richtige Ort ist, um die Titel der Shortlist vorzustellen. Am Dienstag habe ich den Rest gedreht und dabei eine ganze Menge in Sachen Voiceover, Einfügen von Bildern ins Video und Schneiden gelernt. Am Abend habe ich das Video hochgeladen, die Links und Tags gesetzt und erst einmal alles auf "privat" gestellt, weil das Video in meine neue Rubrik "News am Mittwoch" fällt. Heute Morgen - Mittwoch! - habe ich die Einstellung in "öffentlich" geändert. Hier ist er, der YouTube Clip, in dem ich die fünf Geschichten der Shortlist zum bookstar.ch 2022 vorstelle.
Sonntag, 2. Oktober 2022
Lesen und Schreiben im Herbst
Schreibrunde Bibliothek Buchs / Workshop für Lehrpersonen / Lesungen / Schreibworkshops
Gestern habe ich auf meiner Webseite die Rubrik "Aktuelles" um den Oktobereintrag ergänzt. Im Fokus stehen die vielen verschiedenen Begegnungen diesen Herbst und Winter. Bei allen geht es ums Schreiben und ums Lesen. Auf alle freue ich mich sehr. Deshalb habe ich mir gedacht, ich stelle sie euch auch hier im Blog vor.
Schreibrunde in der Bibliothek Buchs/SG
Ich gebe zu: Diese Idee ist geklaut, und zwar von meiner Autorenfreundin Jutta Wilke, die schon seit ein paar Jahren einmal im Monat zu sich nach Hause an ihren grossen Tisch einlädt. Schreibtisch nennt sie diesen Anlass, an dem sich Schreibende zum Austausch treffen. Wenn du also näher bei Hanau lebst als bei mir im Werdenberg und Lust auf gemeinsames Schreiben hast: Hier ist der Link zum Schreibtisch von Jutta Wilke. In unserer Schreibrunde in der Bibliothek in Buchs/SG treffen sich Menschen, die gerne schreiben, einmal pro Monat zu einer lockeren Runde, in der wir gemeinsam an unseren Texten arbeiten, sie uns gegenseitig vorlesen, uns darüber austauschen und einander konstruktive Rückmeldungen geben.
Willkommen in dieser Runde sind Menschen, die gerne schreiben, egal, wie alt, egal, welche Art Texte. Seien es Gedichte, Songtexte, Briefe, Kurzgeschichten, Romane, Biografien usw. Auf Papier oder dital. Mit Bleistift, Füller, Kugelschreiber oder Tastatur. Schwungvoll oder suchend. Mit oder ohne Hemmungen. Wir beginnen den Abend mit einer lockeren Schreibübung und arbeiten dann gemeinsam an unseren Texten. Wir lesen vor, tauschen und aus und geben einander konstruktive Rückmeldungen. Immer am ersten Donnerstagabend des Monats. Start ist am 3. November
Workshops für Lehrpersonen
Im Verlaufe der Jahre
sind zu meinen Schreibworkshops auch Workshops für Lehrpersonen
dazugekommen, in denen ich entweder allein oder gemeinsam mit Stephan
Sigg Tipps und Anregegungen gebe, wie man Klassenlektüre im Unterricht
einsetzen kann. Diese Workshops leben nicht zuletzt vom gegenseitigen
(Erfahrungs)Austausch.
Lesungen
Natürlich mache ich auch immer noch
leidenschaftlich gerne Lesungen, entweder zu einem bestimmten Buch oder
(Wunsch)Thema, meistens jedoch wählen die Schülerinnen und Schüler ganz
spontan an der Lesung das Buch, zu dem ich mehr erzähle und aus dem ich
vorlese.
Schreibworkshops für Jugendliche
Meine
Begeisterung fürs Schreiben gebe ich gerne in Schreibworkshops weiter.
Meistens gebe ich dabei Schreibtipps, die die Jugendlichen dann in
verschiedenen Übungen umsetzen. Manchmal sind es jedoch auch ganz
konkrete Themenworkshops, zum Beispiel jener in Alpnach, in dem die
Schülerinnen und Schüler zuerst die beiden Krawallnacht-Bücher lesen und
dann selber Geschichten aus zwei Perspektiven schreiben (im Bild drei
der Geschichten, die letztes Jahr entstanden sind).
Mittwoch, 28. September 2022
News am Mittwoch
Kürzlich sass ich mit Christian Imhof von Qultur in einem Aufnahmestudio. Wir unterhielten uns über mein neues Buch Marla rockt und über das Schreiben und die damit verbundenen Erwartungen.
Gestern habe ich das Video mit dem Interview auf meinem YouTube Kanal geteilt und festgestellt, dass ich schon wieder viel zu lange nichts auf den Kanal hochgeladen habe. Das liegt nicht an Desinteresse oder Lustlosigkeit, sondern an der Zeit und meinen Ansprüchen. Ich würde gerne sehr schöne, professionell daherkommende Videos machen, aber an so etwas kann man schon mal zwei Tage arbeiten - und diese Zeit habe ich weder jetzt noch in den kommenden Monaten.
Also habe ich gestern ein Video gedreht, das einfacher nicht daherkommen könnte: Ein Take, nur am Anfang und Ende geschnitten, ansonsten belassen,wie es ist. Kein Intro, kein Sound, keine Einspieler. Nur ich. Den einzigen Fehler habe ich mit einer Texteinblendung korrigiert. Trotzdem hat sogar dieses kleine Filmchen Zeit gefressen. Weil erst die Beleuchtung nicht wollte, dann meine Augen zu irritierend geschminkt wirkten und dann schlich sich auch noch ein unerklärliches Brummen in den Ton. Was habe ich experimentiert und gepröbelt, bis das Brummen raus war! So quasi als Kirsche auf dem Sahnehäubchen, hat es eine Glühbirne der Deckenbeleuchtung ins Jenseits katapultiert. So heftig, dass die Sicherung für das ganze mittlere Stockwerk rausknallte (und das Bild des Takes suboptimal ist, aber immer noch besser als die irritierenden Augen). Über die Gestaltung des Thumbnails reden wir jetzt nicht. Für Reklamationen wendet euch bitte ans Jenseits, in dem auch die Glühbirne schwebt.
Hier sind sie, meine News zum Mittwoch. Zumindest diesem heutigen Mittwoch. Wann die nächste Folge online geht, weiss - falls überhaupt - nur die Glühbirne. Ich kann nur sagen: Meine Absichten sind gut (my intentions are good).
Montag, 26. September 2022
Ernten
Samstag, 17. September 2022
Ein ganz besonderer Lesungsort
Eigentlich hätte ich im Schopf lesen sollen. Aber dann kündigte sich der Wetterumschwung an. Zuerst blieb der Veranstalter der Rahmenhandlung noch ziemlich gelassen und schrieb mir: Alice, das wird kalt. Zieh dich warm an und bringe eine Decke und einen Teppich mit. Ich lachte und schrieb zurück, dass ich erst mal einen Eisbär schiessen ginge und dann mit seinem Fell antraben würde. Zusätzlich überlegte ich mir, wie absolut cool es wäre, auf einem Teppich zur Lesung einzufliegen.
Die Entwarnung kam einen Tag später: Du liest im Fotomuseum. Der Eisbär war gerettet, aber leider bedeutete das auch eine ganz profane Anreise per Bahn. Und eine Umdisponierung der Lesung. Denn: Fotomuseum klang nach Josephs Laden aus der Lost Souls Reihe. Ich änderte also meinen Plan und entschied, vor der Kurzgeschichte zwei Seiten aus Blue Blue Eyes zu lesen.
Als ich das Fotomuseum Fetzer betrat, stockte mir der Atem. Ich WAR in Josephs Fotoladen. Alte Fotoapparate und Kameras, Bilder an den Wänden, sogar der Postkartenständer, den Joseph jeden Tag vor seinen Laden stellt, war da. Ich war überwältigt. Glücklich. Und mitten drin in Lost Souls.Statt in die geplante Kurzstory einzutauchen, erzählte ich von Josephs Laden und von Ayden und las erst einmal die Stelle mit der Kundin, die zwanzigtausend Pfund für Aydens Bild bot.
Vier Gruppen besuchten mich an jenem Abend. Sie wandelten auf einem Leseparcours von Lesungsort zu Lesungsort, und mit jeder Gruppe wurde die Lesung persönlicher. Am Ende las ich aus Blue Blue Eyes und Hundert Lügen, verband alles mit der Musik von The Beauty of Gemina und erzählte von Petra Ivanov und Mitra Devi, die die Antologie Mord in Switzerland herausgegeben haben, aus der ich den ersten beiden Gruppen die Regenbogenwolken vorgelesen habe. Mitra Devi wiederum war der Verbindungslink zu The Beauty of Gemina; sie hatte die Band für ihren Dokumentarfilm Gothic begleitet und interviewt. Und so schloss sich der Kreis.
Mir wurde einmal mehr bewusst, dass all mein Schreiben, all meine Geschichten, stark miteinander verwoben sind. Wie sehr sie sich um Musik und Menschen drehen, die mir wichtig sind. Und als Höhepunkt sassen wir gemeinsam in einem Fotoladen in der Altstadt von Plymouth resp. im Fotomuseum Fetzer in Bad Ragaz
Schön war's. Wunderschön.
Freitag, 9. September 2022
Meine Schreibprojekte
Dieses Jahr mache ich das, wovon alle abraten - ich schreibe an drei Projekten gleichzeitig und bis jetzt läuft es so richtig gut. Ich denke, das liegt daran, dass es drei völlig unterschiedliche Projekte sind.
Lost Souls Ltd.
Weil ich im letzten Post versprochen habe, über die Lost Souls zu berichten, fange ich mit ihnen an. Ich habe den Showdown eingeitet, bin aber noch etwa 80 Seiten vom Ende entfernt, weil ich mir vorgenommen habe, das Finale gut aufzugleisen und nicht zu schnell zu erzählen. Zudem haben alle Lost Souls Bücher einen Epilog. Den kenne ich schon und freue mich sehr darauf, ihn zu schreiben.
Kürzlich habe ich in einem Anfall von Übermut den Klappentext in einem ersten Entwurf geschrieben. Es ist erst ein Entwurf und vor allem ist er zu lang, aber ich möchte ihn trotzdem mit euch teilen:
LOST SOULS LTD. – Als Jugendliche haben sie die Leben unzähliger anderer Jugendlichen gerettet, bis sie selber ins Visier eines Psychopathen gerieten und um ihr eigenes Leben kämpfen mussten. Dem Tod nur knapp entronnen, beschlossen sie, sich nie wieder einer solchen Gefahr auszusetzen. Doch nun holt sie ihre Vergangenheit ein.
In einem Wald in den Vogesen liegen drei Tote. In Strassburg verschwindet eine Journalistin. In Cornwall taucht eine schwer verletzte Jugendliche auf. Und ein Anrufer erinnert Kata Steel an eine alte Schuld. Ihr Freund Ayden findet, dass man keine Schulden begleichen muss, für die man im Voraus bezahlt hat, aber Kata erkennt sich in der Verletzten wieder und will helfen. Zu einem Preis, der viel zu hoch sein könnte.
Diese Woche stehe ich in Kontakt mit der Agentur bürosüd, weil sie mir das Cover für die Neuauflage von Hundert Lügen fürs Self Publishing aufarbeiten. Heute habe ich mich erkundigt, wie es mit der Coverplanung aussieht, wenn ich Lost Souls 5 Anfang 2023 veröffentlichen möchte. Als Folge davon konnte ich den Jahresplan für die Lost Souls weiter konkretisieren. Bis nach der Frankfurter Buchmesse braucht die Agentur das Briefing, damit sie mir Covervorschläge entwerfen können. Das passt für mich perfekt.
Das Jugendbuchprojekt
Darüber darf ich noch nicht allzu viel erzählen, aber ich verrate schon mal, dass meine Deadline Ende Januar 2023 ist und ich bei diesem Projekt bis auf wenige Seiten mit dem Schreiben im Plan bin. Und ich kann auch verraten, dass dieses Buch ganz anders wird als alle meine bisherigen.
Ein gemeinsames Projekt mit Jutta Wilke
Es ist das erste Mal, dass ich mit jemandem zusammen ein Buch schreibe. Das macht Spass und beflügelt. Da es sich um ein ungewohntes Format handelt, hatten wir vor allem am Anfang Mühe, den richtigen Ton, die richtige Dramaturgie und die richtige Form zu finden. Wir mussten mehr als einmal wieder zurück auf Feld eins und heftig überarbeiten, aber wir sind zuversichtlich, die Deadline Ende Dezember 2022 zu schaffen. Mehr zu diesem Projekt findet ihr im Blogpost Bloggen reloaded von Jutta Wilke.
Um uns abzusprechen, zoomen wir meistens, doch wir treffen uns auch ganz real, letztes Mal in Basel, wo sich Hausfrau Hanna zu uns gesellt hat. Schön war's, richtig schön.
Hausfrau Hanna hilft mir übrigens auch bei den Lost Souls. Sie berät mich in Sachen schwedische Aussprache und sie hat einen tollen Namen für die Wochenzeitung gefunden, für die meine Journalistin schreibt. Nur das mit dem Namen meiner Protagonistin hat sie mir verhagelt, wobei sie da nichts dafür kann, weil ja nicht Hausfrau Hanna für die Diskrepanz zwischen geschriebener und gesprochener Sprache zuständig ist. Danke, Hausfrau Hanna.


































