Dienstag, 6. Februar 2018

Wildwuchs auf Eis

Mein Schreiben liegt derzeit auf Eis. Ab und zu hole ich es in die Wärme, überarbeite, was ich habe, schreibe neu, plotte, lerne meine Figuren besser kennen. Es sind verschiedene Geschichten, die ich mit mir herumtrage. Dass ich heute Lust auf diese und morgen auf jene habe, zeigt mir, dass ich zwar auf dem richtigen Weg bin, aber noch Zeit brauche, mich im wuchernden Wildwuchs meiner Ideen zu orientieren und eine Route festzulegen.

Hier drin tummelt sich mittlerweile eine herrlich verrückt-liebenswerte Kinderschar. Sie hauchen dem Plot, den ich mir schon vor Urzeiten ausgeheckt habe, jeden Tag ein bisschen mehr Leben ein. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise haben meine Geschichten ihren Ursprung in den Figuren. Auf sie baue ich auf, für sie schneidere ich eine passende Geschichte zurecht. Bei dieser Geschichte ist es anders: Ich hatte zwar eine zündende Grundidee, aber abgesehen von den zwei Hauptprotagonisten noch keine konkreten Figuren. Weil ein Kinderbuchverlag anfragte, ob ich für sie etwas schreiben würde, habe ich in relativ kurzer Zeit die ganze Geschichte durchgeplottet. Mein Exposé stiess auf Interesse, ein Angebot lag vor. Allerdings sollte ich eine Leseprobe einreichen. Ich hatte jedoch kurz vorher entschieden, dass ich nie wieder eine Leseprobe schreiben würde. (Anmerkung in Klammer: Ich kann Texte nicht einfach aus dem Nichts hinknallen, ich muss hineintauchen, und dazu muss ich meine Figuren kennen. Sprich, Leseproben aus dem Stand kann ich nicht; ich brauche recht lange dazu, eigentlich ist es wie das Schreiben des Buches selber. Zudem: Mittlerweile gibt es von mir so viele Bücher - da kann jeder interessierte Verlag sehen, wie ich schreibe.) Also schrieb ich auch für den anfragenden Verlag keine Leseprobe. Wir brachen die Verhandlungen ab. Im Nachhinein bin ich froh darum. So bleibt mir alle Zeit der Erde, meine Figuren zu entwickeln und kennenzulernen. Und es bleibt Zeit, den Grundplot mit Leben zu füllen.

In diesem Notizbuch wohnen drei herrliche Protas für einen Erwachsenenkrimi, den ich zu einer Reihe machen möchte. Dazu habe ich mir eher kurze Geschichten zwischen 180 und 220 Seiten vorgestellt, aber mittlerweile hat der Plot der Einstiegsgeschichte den geplanten Rahmen längst gesprengt. Es hilft auch nicht, dass ich gerade ziemlich heftig Harlan Coben lese, der mich dazu inspiriert, völlig unvorsehbare Wendungen einzubauen, die es beinahe unmöglich machen, das Ende der Geschichte schon auf Seite 98 oder so zu erraten.


Das ist meine Knacknuss. Mein Jugendbuch, in dem Jonny und sein Lion Cave eine zentrale Rolle spielen. Ich hirne immer noch an der Erzählsprache und den Erzählperspektiven herum, wechsle alle paar Wochen meine Meinung, beginne zu schreiben und merke: Nein, das ist es noch nicht. Zum Glück ist der reale Jonny erfolgreicher. Er hat kürzlich den Wartauer Kulturpreis gewonnen für sein Engagement, ein Preis, den Jonny mehr als verdient hat. Seit unzähligen Jahren organisiert er mitten in der Provinz in seinem Pub Rockkonzerte und hat dabei richtige Grössen in seinem kleinen Club. Im Moment ruht dieses Projekt, und das hat seinen Grund: Ich warte auf das neue Buch Stechmückensommer meiner Kollegin Jutta Wilke. Weil ich weiss, was drin steht und weil ich weiss, dass sie mit diesem Buch einen neuen Weg in Sachen Erzählsprache geht, erhoffe ich mir davon jede Menge Inspiration (Buchvorstellung von Stechmückensommer folgt in Kürze in diesem Blog).

Ja, auch dieses Projekt ist noch aktuell. Das hier gibt eine neue Lost Souls Ltd. Geschichte. Da die Lost Souls eine Reihe sind, habe ich das Grundpersonal und freue mich auf ein Wiedersehen. Ich habe auch zwei weitere wunderbare Protas erfunden, um die es im grünen Band geht. ABER: Auch hier fehlt mir - noch - das richtige Konzept. Lege ich den Schwerpunkt auf die ursprünglichen Figuren? Dann wird es kein Jugendbuch, sondern ein Buch für junge Erwachsene. Lege ich den Schwerpunkt auf die beiden neuen Figuren? Dann bleibt es ein Jugendbuch. Da ich zudem diese Geschichte definitiv im Self Publishing machen möchte, habe ich auch hier verschiedene Optionen: Ich kann sie als ein einziges Buch herausgeben. Oder ich mache eine kleine Staffel mit vier Folgen daraus. Ihr seht: Viele Fragen, keine Antworten. Ich nehme gerne unten in den Kommentaren Anregungen entgegen.

Dann ist da auch noch das Projekt, das ich letzten Sommer fürs Radio entwickelt habe. Damals bin ich knapp am ersten Platz der Ausschreibung vorbeigeschrammt, habe jedoch eine Anfrage, ob ich die Geschichte trotzdem machen würde, einfach nicht als Serie, sondern als Einzelgeschichte. Diese Anfrage hängt seit Monaten in der Luft, und so, wie die Diskussionen um unsere Medienlandschaft in der Schweiz zurzeit laufen, sieht es ziemlich danach aus, als würde daraus nichts, denn alle Zeichen stehen auf sparen, sparen, sparen. Ich hätte grosse Lust, die Serie in Buchform zu machen, da es mir aber nicht eilt, warte ich noch ein wenig länger auf einen Bescheid.

Ganz auf Eis liegt das Projekt mit meinem Autorenkollegen Michael Hamannt. Der hat gerade den ersten Teil einer Fantasygeschichte für Erwachsene geschrieben und macht sich nun an Teil zwei (Buchvorstellung folgt in Kürze in diesem Blog). Da bleibt keine Zeit für unsere gemeinsame Geschichte. Geblieben ist die Lust auf ein gemeinsames Buchprojekt, denn das gegenseitige Anspornen hat Spass gemacht und war extrem produktiv. In diesem Sinne: Ich bin Single und auf Partnersuche ;-)

Montag, 5. Februar 2018

Seelennahrung

Der Kühlschrank war leer. Gähnend leer. Also musste Frau Einkaufsmuffel (ich) für Nachschub sorgen. Ich begab mich nicht direkt in den Supermarkt, sondern holte im dazugehörigen DIY Anlauf.

Die kleinen Stempelkissen sind für die tollen Buchstaben, die ich vor einer Weile gekauft habe. Die Wäscheklammern für den neu eingerichteten Stall in den Bergen. Der Bilderrahmen und das Schild für die Galerie im Haus in den Bergen, die ich zurzeit frisch streiche. Und das Magazin einfach so, für den Seelenfrieden und die innere Ruhe.

Lebensmittel habe ich dann auch noch gekauft. Sie haben weniger gekostet als die Dinge im Bild. 
 

Mittwoch, 24. Januar 2018

Buchstabenspass

Auf der Suche nach einem alten Text, in dem ich ganz bewusst so ziemlich alle Regeln der Kurzgeschichte gebrochen habe, bin ich auf einen alten Alliterationstext gestossen. Habe mich beim Lesen köstlich amüsiert und gefunden, ich könnte auch mal wieder was Witziges in den Blog schreiben. Voilà - ein Kneipenbesuch der besonderen Art.

„Ay, alle abgehalfterten Affen anwesend“, alberte Alberta Apfelbaum.
„B..B... Biiiiiitte“, blöckte Ben betroffen, „bitte beleidige bloss keine Besoffenen.“
„Cool, Cowboy, cool“, kalauerte Carl, „Caffe latte? Cappucino? Canabis? Crack?“
„Du da!“, donnerte Doris drohend, „Du dämlicher Dussel, du drischt dumme Doofkopfsprüche!“
Das Drama drohte.
Engelsgleich erbarmte sich Erika, eine einmalig esoterische Endvierzigerin und entnahm einem Einhundertlitereimer eine Einheit einheimisches Edelsgebräu.
„Fuck! Fast vollkommener Fussel“, faselte Freddy freudig.
„Genau! Gehörig getestetes, geprüftes Gesöff, gehaltvolle Gütesiegelqualität!“, griente Gregor.
„Ha, Halbwahrheiten, höllische Halbwahrheiten!“, intervenierte irgendein idiotischer Ignorant. Jemand johlte, jeder jammerte.
„Keine Kultur! Keine klitzekleine Kultur. Kackladen!“
„Lass lieber!“, lallte Lars, „lauter latente Lahmärsche!“
„Musik macht muffelige Miesepeter munter!“, murmelte Martin, medidativer Meister mit multikultureller Mediationserfahrung. Netterweise negierte niemand dieses nicht nichtige Naturgesetz. Obwohl ohne ohrenbetäubende Originalmusikbox, organisierte Oberkellner Olaf ordentlichen Originalsound. Die Quastelruter Quaker quietschten qualvolle Quassellieder (Quelle qualité!*).
„Ruhe!“, röhrte Robert, rundlicher Radiomoderator. „Sowas soll sauguter Sound sein?“
Tiefbetroffenes Totalschweigen! Unendliche Unfassbarkeit umhüllte unsere universelle Unterhaltungsbar! Verdammter Verräter! Wagt Widerspruch! X-faches, x-larges XXXYYYY… (zwingenderweise zensuriert). Zappenduster wird’s. Zahlen! Zumachen!! Zende... äähhhm Ende.

PS: Sollte ich diese Kurzgeschichte, in der nichts stimmt, irgendwann doch noch finden, werde ich sie euch um die Ohren resp. Augen hauen :-)

Sonntag, 21. Januar 2018

Empfindsame Seele - Harter Hund

Kürzlich hat mir jemand gesagt: "Meine Tochter schreibt so gerne. Sie sitzt stundenlang am Tisch und bringt wunderbare Sätze zu Papier." Das fand ich total schön. Aber dann wurde es kompliziert, weil die Frau meinte, ihre Tochter überlege sich, Autorin zu werden. Samt dazugehörigem Studium. Wie ich denn darüber denke.

Zum Studium habe ich eine klare Meinung. Ich bin überzeugt, dass man das Schreibhandwerk lernen kann, dass es dazu jedoch kein Studium braucht. Möglich, dass ich einer Reihe von Vorurteilen und Denkfehlern unterliege, aber für mich ist das der falsche Weg. Mal ganz abgesehen davon, dass man einen absolut brotlosen Job lernt, wird mir schon beim Gedanken elend, dass man den Studiengang mit einem Bachelor in literarischem Schreiben abschliesst. Nennt mich altmodisch, aber Schreiben hat für mich mit Herz, Gefühl, Intuition, Gespür für die Sprache und Talent zu tun. Ja, natürlich auch mit Handwerk, Arbeit und Durchhaltewillen. Aber dazu brauche ich kein Diplom. Das kann man ich auch in Kursen, Workshops, Internetforen und im Austausch mit anderen Schreibenden aneignen.

Wenn eins meiner Kinder schreiben wollte, würde ich sagen: Lerne einen Brotberuf. Lerne etwas, mit dem du Geld verdienen kannst. Schreibe nebenher. Tausch dich aus, lerne dazu und werde mit jedem Text besser. Vielleicht kannst du irgendwann mit deinen Texten etwas Geld verdienen. Dann kannst du den Brotberuf herunterfahren, vielleicht sogar ganz aufgeben.

Und jetzt kommt das ABER. Bedenke, dass Schreiben die eine Sache ist. Sobald du aus deiner Schreibstube hinaus gehst, wird es knochenhart. Womit ich beim Titel dieses Posts angelangt bin:

Als AutorIn muss man so etwas wie eine zweigeteilte Seele sein. Beim Schreiben tief empfindsam, mit der Gabe sich in die Charaktere hineinzuversetzen. Sobald man das Manuskript abgibt, mutiert man am besten auf der Stelle zum harten, abgebrühten Hund, denn die Branche und das Berufsleben des Autors hat so gar nichts Romantisches an sich. Ein breiter Buckel und ein gesundes Selbstbewusstsein ist von Vorteil. Einstecken können ist Pflicht. Gelassenheit kauft man sich am besten gleich tonnenweise ein. Eine Portion Fatalismus ist auch nicht schlecht. Ohne Durchhaltevermögen geht es nicht. Und am besten trinkt man zum Frühstück jeweils ein Glas ungeschüttelten resp. unerschütterlichen Optimismus.

An all das habe ich gedacht bei der Frage um Rat. Am Tisch zu sitzen und zu schreiben, ist etwas Wunderbares. Als Hobby oder Teilzeitberuf. Nur wer die Kraft und den Mut hat, sich in einen rauen Wind zu stellen und öfters mal so richtig nassgeregnet zu werden, sollte sich auf den Berufsweg AutorIn machen.

Dienstag, 2. Januar 2018

So still hier

Hier war es ziemlich still. Das liegt daran, dass ich in die Stille umgezogen bin, sprich, mich in die Berge zurückgezogen habe. Dort habe ich mein GaPriWriMo durchgezogen. Nein, es sind nicht 35'000 Wörter oder so geworden, aber eine ganze Menge. Mein Kinderbuch kommt voran, ich bin im letzten Drittel. Wobei das ja höchstens eine rohe Rohversion ist, weil mir dieses schnelle Schreiben nicht wirklich entspricht. Und trotzdem war es zu etwas gut. Ich habe die Freude am Schreiben wieder gefunden. Und ich war jeden Tag draussen, bei jedem Wetter, zum Teil stundenlang, zum Teil mit Herrn Eheman, zum Teil allein. Stets zu Fuss. In einer verschneiten Winterlandschaft, bei verschiedensten Wetterstimmungen. Gelebt habe ich von sehr wenig. Was ich brauchte, habe ich mir unterwegs in kleinen Hofläden gekauft.

Was dieses Jahr anders ist als sonst: Ich habe mich stets aufs neue Jahr gefreut. Darauf, dass ich es betreten konnte wie eine verschneite Wiese ohne Spuren. Das fehlt mir dieses Jahr (obwohl ich ganz real an unzähligen verschneiten Wiesen vorbeigekommen bin). Ich weiss nicht, warum es so ist. Vielleicht, weil ich schon letztes Jahr so viele wunderbare neue Dinge angefangen habe, dass da halt schon Spuren im Schnee waren, bevor das neue Jahr angefangen hat.

Montag, 11. Dezember 2017

Der wichtigste Satz in "Die Mutprobe"

Jede Klasse, bei der ich lese, ist anders, jede Klasse ist anders vorbereitet, jede Klasse reagiert anders. Bei manchen Klassen bin ich die Wundertüte - das sind jene, die keine Ahnung haben, wer da vor ihnen steht. Bevor jetzt jemand missbilligend den Kopf schüttelt: Das geht für mich total in Ordnung. Andere Klassen haben sich bis in die Tiefen meiner Webseite und Social Media Kanäle eingelesen und wissen ab und zu mehr über mich als ich. Dann gibt es noch die Klassen, die ein Buch von mir gelesen haben und mir dazu Fragen stellen. Und dann gibt es die Klassen, die mich damit überraschen, dass sie mir eine oder mehrere Szenen meiner Bücher vorspielen, Zeichnungen meiner Protas gemacht haben oder ...

... oder sie haben "Die Mutprobe" gelesen und sich dabei den für sie wichtigsten Satz herausgeschrieben. Ein paar der Sätze kamen übrigens mehrere Male vor und etwa zwei oder drei habe ich Banausin so fotografiert, dass sie nicht videotauglich waren (was mir sehr leid tut!). Ich danke den Jugendlichen aus dem Schulhaus Gelbhausgarten in Schaffhausen ganz herzlich für die Sätze.


Samstag, 9. Dezember 2017

Seid Weltverbesserer!

Gestern hatte ich die letzte Lesung dieses Jahres. Sie war gleichzeitig etwas Besonderes: Ich las an der ehemaligen Oberstufenschule unserer Kinder. Das ist für mich jedes Mal eine riesige Freude, denn dieser Oberstufenschule verdankt unsere Familie sehr viel.

Unsere Kinder, die beide ziemlich jenseits der gängigen Normen sind und schon damals waren, hatten beide einen Klassenlehrer resp. eine Klassenlehrerin, die sie genau so genommen, akzeptiert und gemocht haben, wie sie sind. Beide Kinder hätten damals aufgrund ihrer Art auch auf Ablehnung und Unverständnis stossen können. Das Gegenteil passierte. Beide durften sein und bleiben, wer sie waren. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit. Der Klassenlehrer von Herrn Sohnemann ist mittlerweile in Pension, die Klassenlehrerin treffe ich jeweils bei den Lesungen, und auch heute geht noch im grottigsten, nebligsten und kältesten Wetter eine Sonne auf, wenn ich ihr begegne.

Im Verlauf der Lesung fragte ein Mädchen, wie ich mit schlechten Kritiken umgehe. Ich antworte dann jeweils, dass es zum Leben einer Autorin gehört, damit klarzukommen, weil Meinungen verschieden sind, weil nicht jedem gefällt, was man schreibt. Dass es eigentlich nur ein Buch gibt, bei dem schlechte Kritiken wehtun, meinem Herzblutbuch #no_way_out, weil es für mich das persönlichste ist, weil ich damit dem richtigen Leben zu nah gekommen bin, weil es um Personen geht, die mir sehr viel bedeuten und weil ich in #no_way_out alles gesagt habe, was mir wichtig ist. Kritik an diesem Buch empfinde ich als Kritik an Menschen, die ich liebe, und an meiner Lebensphilosophie. Natürlich ist das in den meisten Fällen nicht so, aber ich kann das schlecht trennen.

Manchmal nervt Kritik auch. Gewaltig sogar. Zum Beispiel jene, in der meine jugendlichen Widerstandskämpfer in Hundert Lügen als wohlmeinende Weltverbesserer bezeichnet werden. Ich habe mich bei diesem Begriff vor Zorn beinahe verschluckt beim Lesen. Weil Weltverbesserer mittlerweile in etwa gleich gebraucht wird wie Gutmensch (was mich genauso wütend macht). Weltverbesserer und Gutmensch sind fiese Wörter, eine ignorante, bösartige Verniedlichung, mit der man Menschen, die etwas ändern wollen, eins ins Gesicht knallt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, ihnen die Legitimation ihres Tuns verbal abspricht. Es sind Wörter, mit denen man Normen zementieren kann und dabei alles, was von der Norm abweicht, kleinmachen, ausgrenzen und abwerten kann.

Mich stört, mit welcher Gedankenlosigkeit manche Menschen mit Wörtern wie Weltverbesserer umgehen, sie von jenen übernehmen, die sehr wohl wissen, was sie mit solchen Wörtern erreichen. Mir tut weh, dass es Menschen gibt, die sich davon den Mut nehmen lassen, für sich und seine Ideale einzustehen. Mich macht wütend, wie die Sprache zur Waffe gegen alles wird, das unsere Gesellschaft hinterfragt (Fake News ist übrigens eins der krassesten Beispiele).

Als der Lehrer am Ende der Lesung fragte, ob ich den Jugendlichen etwas mit auf den Weg geben wolle, habe ich gesagt: Seid Weltverbesserer. Im besten Sinne des Wortes. Setzt euch für euch und andere ein, wenn ihr findet, etwas sei ungerecht oder könnte besser sein. Versucht zu ändern, was ihr nicht gut findet. Nicht mit Gewalt, denn Gewalt ist nie gut, sondern kreativ und hartnäckig. Ich habe vom Jugendpark in der Nachbargemeinde erzählt, den Jugendliche realisieren wollen und auch tun. Ich habe an die Klassenlehrer gedacht, die unsere Kinder ermutigt haben, genau so zu sein, wie sie sind. Und ich habe an mich gedacht. Wie ich als Jugendliche mit Indianerzöpfen und Schlabberpullis für eine bessere Welt demonstriert habe. Nicht zuletzt mit Worten, die ich an Anschlagsbretter gehängt habe. Heute schreibe ich sie in Bücher.

PS: Das Ende von Hundert Lügen (der allerletzte Text im Buch) ist das, was unsere Tochter tun würde, wenn sie jemals viel Geld hätte. Ich möchte an ihrer Seite stehen, wenn sie diese Vision umsetzt. Und dann sehen, was passiert.

PPS: Ich wünsche mir zu Weihnachten ein T-Shirt mit der Aufschrift punk at heart. (Es darf auch eine Tasse sein.). Guckt euch an, was auf der Wandtafelt steht - irgendwie war an diesem Morgen alles rund und gut.

Sonntag, 3. Dezember 2017

Texte am Sonntag

Ich habe am Freitag mit dem GaPriWriMo begonnen. Um in die Geschichte und vor allem die Erzählsprache wieder reinzukommen, habe ich erst einmal überarbeitet, was ich schon hatte. Seit gestern schreibe ich an der Geschichte weiter. Langsam, entspannt - und weg von meinem Arbeitscomputer, damit ich nicht zwischendurch ins Internet flüchten kann, wenn ich grad mal durchhänge. Trotzdem komme ich nur langsam voran. Was a) mit gelegentlichen Abstechern an den Arbeitscomputer zu tun hat (nicht um zu arbeiten *hüstel* - soviel zu meiner Konsequenz und Disziplin) und b) mit meiner Arbeit als Verlegerin.

Der erste Text für da bux ist (weit vor der Deadline) eingegangen. Eine tolle Geschichte, die bestens ins Programm passt und gleichzeitig eine neue Facette reinbringt. Diesen Text lektoriere ich nun - nachdem ich ihn als Ganzes gelesen habe - etappenweise. Ich fahre das Tempo ganz bewusst runter, um nichts zu verpassen, und ich lektoriere immer nur 10 Manuskriptseiten aufs Mal, erst von Hand auf dem ausgedruckten Manuskript, dann am Arbeitscomputer. Damit banne ich die Gefahr, in die Oberflächlichkeit abzugleiten. Parallel dazu schreibe ich den Lektoratsbrief. Auch dafür lasse ich mir Zeit.

Ich schreibe und lektoriere aber nicht nur, ich lese auch. Am Sonntag kaufen wir immer die NZZ am Sonntag und lesen uns durch die verschiedenen Bünde und beigelegten Magazine. Am witzigsten fand ich heute den Bericht über zwei Frauen, die Reisen in Gegenden anbieten, wo man smartphonefrei Ferien machen kann. Scheint ein tolles Geschäft zu sein. Ich fahre dazu einfach ins Haus in den Bergen. Vielleicht müssten Herr Ehemann und ich diesem Haus irgendein cooles Label geben und unsere Zimmer für ein Schweinegeld vermieten :-)

Leute: Internet- und smartphonefrei geht auch Zuhause. Zum Beispiel im Gästezimmer. (Man muss nur den Nerv haben, für sich zu definieren, mit welchen Geräten man wann nicht ins Netz geht - auch wenn man könnte. Und die Disziplin, das auch durchzuziehen.)


Montag, 27. November 2017

Wie viel von Ihnen steckt in Ihren Büchern?

Diese Frage wird mir bei Lesungen häufig gestellt. Im Laufe der Jahre habe ich bemerkt: Wahrscheinlich viel mehr, als mir bewusst ist. Manchmal aber schreibe ich Eigenschaften von mir auch bewusst in meine Geschichten. Zum Beispiel diese Szene in Hundert Lügen, in der Kris zum ersten Mal mit seinem Therapeuten redet, nachdem er sich wochenlang davor gedrückt hatte.

Da wir schon mal mit dem Sprechen angefangen hatten, redete Murphy weiter und erzählte mir von der Band. Er hatte sie mehr als dreissig Mal live gesehen.
"Sie sind verrückt", sagte ich.
"Sind wir das nicht alle?"
Nun, zumindest wir beide waren es definitiv.

Nein, dreissig Mal habe ich The Beauty of Gemina noch nicht gesehen. Aber ein Dutzend Mal oder vielleicht auch etwas häufiger. Ja, ein bisschen verrückt ist das schon. Aber eben, wie Elliot Murphy in Hundert Lügen so treffend sagt: Sind wir das nicht alle?

Letzten Samstag setzte sich Michael Sele ans Klavier und stimmte Into Black an. Es wurde zur besten Version dieses Liedes, die ich je gehört habe. Sie nahm mich mit zu den Lost Souls, brachte mich wieder ganz nah an Nathan. Da der Sound von The Beauty of Gemina auch Nathans Sound ist, schenkte mir Michael Sele für Black Rain (Band zwei der Serie) den Song Into Black. Ich durfte die Lyrics frei verwenden, und das habe ich auch getan.


Eigentlich hatte ich ziemlich fixe Schreibpläne für die nächsten paar Wochen und Monate, doch Into Black hat in mir tiefes Heimweh nach den Lost Souls geweckt. Zum Glück steht bei meiner Planung auch irgendwo die Notiz: Lost Souls – no schedule – whenever I feel like it. (Womit auch die Frage beantwortet ist, in welcher Sprache ich die Lost Souls denke.)

The Beauty of Gemina hat mich einmal mehr wieder ganz gemacht. Mir Bilder in den Kopf und Gefühle ins Herz gesungen und Ideen wie Blumen aus dem Eis spriessen lassen. Schön wars. Wunderschön.

Die Songtexte von 2007 bis 2014 kann man übrigens kaufen. Darunter sind auch die aus dem Album Ghost Prayers, auf dem sich Dragon befindet, der Song, der mich zu Hundert Lügen inspiriert hat.


Und hier noch einmal der Link zum Song Into Black. Zum Mithören.



Samstag, 25. November 2017

24'318 und ein paar andere Dinge


Bei 24‘318 Wörtern musste ich es mir definitiv eingestehen: Ich hatte mich in den Schilf geschrieben und zwar so richtig. Da halfen auch die Korrektureinträge im Notizbuch für spätere Überarbeitungsrunden nicht mehr; es waren zu viele geworden. Ich hätte trotzig weiter im Schilf herumgeistern können, sprich, einfach irgendwas schreiben können, bis hin zu den 50‘000 Wörtern, die es braucht, um NaNoWriMo erfolgreich zu beenden. Ich entschied mich anders. Ich begann, den Text von vorne her zu überarbeiten. Das bringt mich dem NaNoWriMo Ziel keinen Schritt näher, im Gegenteil. Ich kürze grad gnadenlos zusammen. Und trotzdem bringt es mich weiter, nämlich in Richtung einer guten Geschichte.

Vielleicht hätte ich es mir anders überlegt und mich volle Pulle reingehängt, wenn ich diesen Monat nichts anderes zu tun gehabt hätte, als zu schreiben. Aber ich war beinahe zweieinhalb Wochen auf Lesetour und habe es genossen, zum ersten Mal seit Jahren nicht mit einer Deadline im Nacken unterwegs zu sein. Ich hatte endlich Zeit, mit AutorenkollegInnen abzumachen, mich mit ihnen auszutauschen und in gemütlichen Runden zusammenzusitzen.

Im Dezember werde ich mich trotz dieser Novembererfahrung begeistert in den GaPriWriMo (Gabathuler's Private Writing Month) stürzen, denn erstens brauche ich dafür höchstens 40‘000 Wörter, habe ein fertiges Konzept und vor allem auch eine Erzählstimme, an der ich wochenlang herumexperimentiert habe – und ein erstes Kapitel. Kommt dazu, dass ich im Dezember nur noch sehr wenige Lesungen habe. Das sollte also zu packen sein.

Bei da bux stehen nach einer kurzen Verschnaufspause im Dezember wieder erste Arbeiten für unseren Verlag an. Ich freue mich darauf, das erste Manuskript lektorieren zu dürfen.

Ebenfalls auf meiner To-Do-Liste für den Dezember steht die Weiterarbeit an meinem nächsten Self Publishing Projekt: Ich bereite meinen vergriffenen Titel „Starkstrom“ neu auf. Dabei überarbeite und kürze ich die Geschichte, suche einen neuen Titel und mache mir schon mal erste Gedanken zur Covergestaltung. Das Gute daran ist, dass es nicht eilt. Ich kann mir damit so viel Zeit lassen, wie ich möchte.

Zeitlich ziemlich durchgetaktet ist dafür die Autillus-Agenda. Da steht am 6. Dezember eine Vorstandssitzung an, in der wir auf das Vereinsjahr zurückblicken und die Jahresversammlung vorbereiten, die am 10. Januar 2018 stattfindet. Ich freue mich auf beide Anlässe, denn die Schweizer Kinder- und Jugendbuchszene lebt, wir haben tolle Mitglieder, die tolle Bücher schaffen und mit viel Kreativität, Motivation, Energie und Tatendrang Neues ausprobieren. Lest doch einfach mal in unseren Blog rein und lasst euch anstecken, zum Beispiel, indem ihr als Weihnachtsgeschenk zu einem Buch eines unserer Mitglieder greift (es muss ja nicht immer Heidi oder der Schellenursli sein).

Last but not least habe ich mir vorgenommen, meinen youtube Kanal wieder etwas weniger stiefmütterlich zu behandeln und mehr zu bloggen. Auch für Instagram habe ich so meinen Ideen. Und vielleicht mache ich ja doch noch einen Trailer zu „Hundert Lügen“. (Es gibt einen Grund, weshalb es keinen Trailer gibt, aber das ist eine andere, extrem frustrierende Geschichte, über die ich vielleicht mal was schreibe, wenn ich genügend Abstand habe, um darüber lachen zu können.)

Erst einmal freue ich mich, wieder zuhause zu sein. Und auf das The Beauty of Gemina Konzert heute abend!!!


Samstag, 18. November 2017

Into deep - intensiv leben

Ich war ein paar Tage offline in den Bergen. Am Autillus-Projekt weiterarbeiten. Schreiben. Wandern.

Zum Autillus-Projekt: Es ist noch nicht spruchreif, denn noch immer können mir bürokratische Hindernisse in den Weg kommen. Ich arbeite trotzdem mit viel Freude daran, denn wenn das, was ich vorhabe, nicht klappt, habe ich einfach einen genial schönen Privatraum im Stall in den Bergen. Die letzten paar Tage bin ich einen grossen Rutsch vorangekommen. Was ich schon mal verraten kann: All die Bücher in den Bildern am Ende des Beitrags stammen von Schweizer Kinder- und Jugendbuchschaffenden (AutorInnen und IllustratorInnen).

Zum Schreiben: Ich bin nicht sicher, ob ich die 50'000 NaNoWriMo Wörter schaffe. Mein Krimiplot wird immer dichter, und eigentlich müsste ich jetzt im Text zurückgehen und einige Textstellen ändern / anpassen. Weil das bei NaNoWriMo zeitlich schlicht nicht drinliegt, notiere ich mir laufend Dinge, die ich beim Überarbeiten ändern will. Gestern habe ich kurz überlegt abzubrechen, mich aber umentschieden. Ich will diesen Flow nützen und den Rohentwurf fertig machen. Ein grosser Problempunkt im Augenblick: Mein Krimi ist zu statisch, das muss ich dringend ändern.

Zum Wandern: Über dem Nebel. Bei strahlend blauem Himmel. Zuckerweissen Bergspitzen. Buntem Herbstwald. Im Kopf wachsen die Ideen.

Generell: Ganz viel Zeit und Musse. Mir wird immer bewusster, wie viel Zeit ich hier im Tal unten mit Social Media verbrate. Ich fahre deshalb einen Teil davon runter. Einen ersten Schritt habe ich gestern getan: Ich habe meine private Chronik auf FB auf Eis gelegt und werde fortan nur noch auf meiner Facebook-Autorenseite aktiv sein. Meine Social Media Schwerpunkte lege ich neu auf Instagram, youtube und vor allem zurück in diesen Blog.

Instagram mag ich, weil ich Bilder mag. Ich mag es, weil dort auch die Jugendlichen sind, die meine Bücher lesen und besprechen. youtube begeistert und fasziniert mich, weil ich auch bewegte Bilder sehr mag. Ich möchte wieder mehr Videos machen.

Am persönlichsten waren die ganzen Jahre immer die Beiträge hier im Blog. Hier geht alles tiefer als auf allen anderen Medien. Das Private, also das Familienleben bleibt jedoch auch hier - mit seltenen Ausnahmen - aussen vor.

So, und jetzt zu den Bildern von meinem Projekt in den Bergen:






Sonntag, 12. November 2017

Die Sinnfrage hat sich geklärt

Monatelang habe ich wenig bis nichts geschrieben. Es ging nicht mehr. Nicht, weil ich eine Schreibblockade hatte (ich glaube nicht an Schreibblockaden), sondern weil mich die Branche, in der und für die ich arbeite, schlicht zermürbt hat. Ich sah nicht mehr ein, weshalb ich für extrem wenig Geld monatelang an einem Buch arbeite, das dann im Meer der Neuerscheinungen gnadenlos absäuft, u.a. weil mein Titel einfach ein Katalogfüller ist, den man mehr oder weniger sich selbst überlässt. Ich brachte keine Motivation mehr auf, mich für einen bescheidenen Vorschuss auf eine Deadline hin abzuhetzen. Da arbeitete ich lieber für den eigenen Verlag, wo das mit dem Geld zwar auch (noch) nicht wirklich stimmt, dafür die Chemie zwischen uns drei Verlegern und unseren AutorInnen. Ich war lieber im Garten, in den Bergen oder mit einem Pinsel in der Hand unterwegs. 2017 war das erste Jahr, in dem ich vertragslos blieb. Ich hatte zwar tolle Ideen für Geschichten, sah aber keinen Sinn mehr darin, sie aufzuschreiben. Es gibt für alles eine Schmerzgrenze, und die hatte ich mehr als erreicht.

Dann fuhr ich nach Laichingen. Die Autorenbetreuung hätte nicht besser sein können, die Organisation auch nicht, die Lesungen schon gar nicht. Ich schaute in die Gesichter meiner jugendlichen ZuhörerInnen und wusste wieder, warum ich schreibe. Voller Übermut meldete ich mich bei NaNoWriMo an, das ich im Augenblick voll durchziehe. Dann kamen die Zentralschweizer Lesungen (was das "Volldurchziehen" von NaNoWriMo etwas schwierig macht). Am Donnerstagabend kam ich von der ersten Lesewoche zurück, voller Eindrücke und Erinnerungen. Herr Ehemann und ich haben beim gemeinsamen Nachtessen über meinen Beruf geredet. "Blende die Branche aus", hat er gesagt. "Für die tust du das nicht. Du tust das für die Jugendlichen, für deine LeserInnen." Er hat recht. Und wisst ihr was? Ich tu es auch für mich.

Am Dienstag bin ich für Lesungen in Feldkirch, nächste Woche kehre ich für eine weitere Lesewoche nach Luzern zurück. Ich werde tolle Begegnungen haben, in den lesefreien Zeiten meinen NaNoWriMo-Text in die Tasten hauen - und im Dezember mein Kinderbuch in Angriff nehmen. Dabei werde ich mein ureigenes GaPriWriMo-Dezemberschreiben veranstalten (Gabathuler's Private Writing Month). Ohne Vertrag, ohne Deadline. Anfang nächstes Jahr werde ich beide Projekte - meine NaNoWriMo Geschichte und meine Kindergeschichte - überarbeiten und dann schauen, was ich damit mache.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Getting ready for the tour

Draussen zeigt das Wetter, was es an Garstigkeiten so drauf hat. Da bleib ich lieber drinnen und bereite mich auf die grosse Lesetour im November vor: Mails mit Lehrpersonen. Auf GoogleMap gucken, wo die Schulhäuser sind. Nächste Busstation / nächsten Bahnhof finden. Fahrpläne heraussuchen. Für jeden Tag ein kleines Dossier für mich erstellen, damit ich mich unterwegs nicht mit logistischem Kram beschäftigen muss usw. Es reicht mir, wenn ich mich dann auf der Tour mit Ticketautomaten herumschlagen darf, die mir nur Zonen anzeigen und nicht Orte, als ob ich sämtliche Zonennetze in der Schweiz kennen würde.

Freitag, 27. Oktober 2017

Was man so alles tun kann, wenn keine Deadline drückt, Teil 2

Man kann sich zum Beispiel Hals über Kopf bei #NaNoWriMo anmelden und sich vornehmen, im November 50'000 Wörter zu schreiben, auch wenn man genau dann zwei Wochen auf Lesetour ist. Da bei diesem Novemberschreiben alles möglich ist (na ja, ausser Romantasy; schliesslich will Frau Spass haben an ihren Figuren und ihrem Plot), wage ich mich in neue Gefielde und schreibe einen witzigen Krimi für Erwachsene, der zu einer Serie ausarten könnte. Ich habe tolle Figuren erfunden, ein Setting, in dem ich mich ausgesprochen wohl fühle und einen Grundidee, mit der sich herrlich spielen lässt. Das Notizbuch füllt sich, die Schreiblust wächst. Und weil noch nicht November ist, ich aber mittlerweile meine Auszeit genutzt und beinahe alle to-do-Listen abgearbeitet habe, habe ich in diesen Tagen doch tatsächlich Zeit für die Kindergeschichte, die schon lange in meinem Kopf herumschwirrt. Irgendwie ziemlich produktiv, dieser Herbst ohne Deadline.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Was man alles so tun kann, wenn keine Deadline drückt, Teil 1

Keine Deadline diesen Dezember. Folge: Ich bin seit Jahren nicht mehr so entspannt durch den Herbst gegangen wie dieses Jahr. Ich war viel in den Bergen unterwegs, entweder zum Wandern oder Arbeiten. Wobei "arbeiten" für einmal nicht für "schreiben" steht, sondern für ein neues Projekt. Anfang 2018 will ich damit starten. Im Augenblick laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Ich streiche, bastle und "restauriere" (na ja, grosses Wort für da, was ich tue *hüstel*) Möbel, packe kistenweise Bücher aus, erfasse sie auf dem Laptop und träume dabei vor mich hin. So viel sei schon mal verraten: Es geht um Autillus, den Verein der Schweizer Kinder- und Jugendbuchschaffenden. Das hier sind sozusagen die "fast-vorher"-Bilder (ein wenig habe ich da schon gearbeitet). Mehr später.





Montag, 9. Oktober 2017

Heute, unterwegs - oder wenn das Chaos Rock'n'Roll tanzt

Ich bin sehr gerne zu Fuss unterwegs. Wahrscheinlich ist Wandern für mich das, was für andere Leute Yoga ist. Ich kann dabei meine Gedanken schweifen lassen. Manchmal kommt dabei Ordnung ins Chaos, und manchmal tanzt das Chaos Rock'n'Roll. Ich mag beides. Heute, auf dem Weg von St. Moritz nach Sils war Rock'n'Roll angesagt. Ich hab das Chaos tanzen lassen. Die Ideen sind in meinem Kopf herumgewirbelt und ich habe ihnen einfach zugehört, ohne sie einfangen zu wollen.

Während die Gedanken tanzten und ich ihnen zuhörte, setzte ich einen Fuss vor den anderen und tauchte ein in die Schönheit der Natur. Irgendwie irre: So wilde, freie Gedanken und gleichzeitig eine ungeheure Ruhe in mir drin. 




Freitag, 6. Oktober 2017

Kürzlich, beim Zugfahren

Ich sass im Morgenzug nach Zürich, unterwegs zu Workshops in Luzern. Vor mir auf dem Tischchen lagen mein Notizbuch und die Schreibschachtel. Ich wollte den in Gedanken vorbereiteten Workshopablauf noch einmal durchgehen und Stichworte zu den einzelnen Bereichen notieren. Während ich das tat, begannen die beiden Männer auf der anderen Seite des Ganges ein Gespräch. Es ging um Arbeitsbedingungen in einer Branche, die mit meiner auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam hat. Ich kam mit meinen Notizen gut voran und zog danach meine Reiselektüre aus dem Rucksack. Zum Lesen kam ich nicht, denn ich bemerkte, dass die Branche, die auf den ersten Blick nichts mit meiner gemeinsam hat, sehr wohl sehr vieles mit ihr gemeinsam hat.

Es ging um harten Konkurrenzkampf, um Preiskämpfe, um die Grossen und Kleinen der Branche, um Kreativität und darum, wie schwierig die Bedingungen sind. Dabei redete vor allem einer der beiden Männer. Ruhig, besonnen, unaufgeregt. Er sprach über Fakten. Über Dinge, die er nicht ändern kann. Über Gegebenheiten, um die es kein Drumherum gibt. Über die Schwierigkeit, sich zu behaupten. Über Kreativität. Über Qualität. Darüber dass diese beiden Dinge ihren Preis haben, den leider viele Leute nicht zu zahlen bereit sind.

Ich bemerkte: Ich bekomme gerade kostenlos einen echt brauchbaren Lebensworkshop. Also zog ich mein Tagebuch aus dem Rucksack und begann mitzuschreiben.

Am Ende der Fahrt wollte ich mich bedanken, aber die beiden Männer waren zu sehr in ihr Gespräch vertieft. Ich wollte nicht stören. Aber ich habe den Mann, dem ich ganz viel Motivation verdanke, heute im Internet gesucht und gefunden und ihm eine Dankesmail geschickt.

So ist es, das Leben. Immer wieder gut.

Dienstag, 26. September 2017

Und sonst so?

(in Random Order und bestimmt nicht vollständig)

- Habe ich letzte Woche die erste Trockenmauer meines Lebens selber gebaut - ganz allein (und bin verdammt stolz drauf).

- Habe ich letzte Woche dank einem jungen Buchblogger Buchpremiere von Hundert Lügen gefeiert.

- Bin ich zum ersten Mal seit vielen Jahren vertragslos.

- Liegen ziemliche Ausnahmewochen hinter mir (zu privat, um gebloggt zu werden).

- Hat unsere Buchband da bux die zweite Edition veröffentlicht und gefeiert.

- Macht mich die Arbeit für da bux sehr glücklich.

- Sind die Rahmenbedingungen für Kinder- und JugendbuchautorInnen mittlerweile derart schlecht, dass die Sinnfrage zu mächtig wurde und ich mir eine Auszeit vom Schreiben gönne. (Ausnahme: Schreiben für da bux)

- Bin ich dieses Jahr viel gereist, weil auch Herr Ehemann eine Auszeit vom Beruf nimmt.

- Merke ich einmal mehr, wie sehr ich meine Familie liebe und wie wichtig sie mir ist.

- Bin ich bei der Ausschreibung einer Hörserie fürs Radio Zweite geworden - und darf wahrscheinlich die Idee trotzdem umsetzen, einfach kürzer.

- Liegt bei mir beim Nähen von Vorhängen und Kissen noch Luft nach oben drin.

- Sollte ich endlich wissen, wie das Tattoo aussehen wird, das ich mir dieses Jahr stechen werde (ein Versprechen an Herrn Freund von Frau Tochter)

- Träume ich von neuen Projekten abseits vom Schreiben.

- Habe ich Hausfrau Hanna getroffen, eine wunderbare Frau, die mir unendlich guttut.

- Habe ich mir vorgenommen, wieder mehr zu bloggen.

- Könnte ich mal wieder Mützen stricken. (Will jemand eine?)

Montag, 25. September 2017

Buchpremieren sind so was von gestern - Eventitis ist in

Einen Tag vor der Schweizer Buchpremiere von "Hundert Lügen" guckte ich auf der FB-Seite des Verlags nach, ob da ein Veranstaltungshinweis zu finden ist. Es war einer da. Aber nicht auf die Buchpremiere, sondern auf einen Live-Event bei Facebook. 30 Minuten lang konnte man zuschauen, wie ein Buch auftaut. "Aha", sagte ich mir. "Frau Autorin, Premierenlesungen sind für Leute von gestern. Du musst was bieten. Etwas Neues. Etwas Besonderes. Etwas Krasses. Etwas Ultimatives."

Ultimativ, dachte ich. Das klingt gut. Ultimativ ist das neue Ding. Also habe ich mich ultimativ wegrationalisiert (wer braucht schon so altertümliche Autorinnen wie mich) und das Buch die Lesung selber machen lassen. Ja, genau. Bei mir hat das Buch selber gelesen. Mittels Gedankenübertragung. Hat funktioniert (das Video beweist es). Die Leute haben sich bestens unterhalten. Auch ohne mich.

Blöderweise hatte ich die Folgen nicht bedacht: Das Buch wollte das ganze Honorar für sich. Es hat sich damit ein Bahnticket nach Italien gekauft und ist gleich nach der Lesung losgefahren. Gestern lag eine Postkarte in meinem Briefkasten: "Habe da so ein schnuckeliges rosa Buch kennengelernt. Bleibe länger. Schick mehr Geld."

Ich habe heute als Putzkraft in einer Bäckerei angeheuert.

PS: Der Hinweis auf die Lesung wurde dann doch noch aufgeschaltet, weil Frau Autorin ... ach, lassen wir das und gucken lieber Eventitis.



Sonntag, 27. August 2017

Ich habe Post bekommen!

Gleich zwei tolle Pakete an einem Tag! Der Zytglogge Verlag hat mir ein Belegsexemplar der "Villa Wahnsinn" geschickt, und Kinderthur hat sich für meine Teilnahme an ihrem Lesesommer bedankt.

"Villa Wahnsinn" habe ich fürs Zambo von Radio srf geschrieben, Elena Rutmann hat es toll vertont, und zu meiner grossen Freude bringt es der Zytglogge Verlag jetzt mit einem wunderschönen Umschlag als CD raus.

Bei Kinderthur durfte ich dieses Jahr mit Lesetipps am Lesesommer teilnehmen - und habe dafür auch noch ein im wahrsten Sinne des Wortes süss verpacktes Danke erhalten.


Dienstag, 22. August 2017

Darf ich vorstellen: Unsere Vorgartenbibliothek

Was endlos lange währt ...
 
Woran eigentlich nur noch ich geglaubt habe: Unsere Vorgartenbibliothek ist tatsächlich fertig geworden. Wir haben uns zudem in letzter Sekunde entschieden, die Bibliothek dort aufzustellen, wo bis jetzt unser (potthässlicher) Briefkasten an die Stallwand geschraubt war. Und deshalb ist das Knuffelhäuschen jetzt Bibliothek und Briefkasten gleichzeitig. Es fehlt nur noch ein wenig Deko unter dem neckischen Dach.

Ein paar Fakten: Es hat Platz für 20 Bücher. Man kann sie ausleihen oder auch behalten. Die Lücken werden laufend aufgefüllt und die Bücher generell immer mal wieder ausgetauscht. Beim Einräumen habe ich gemerkt, dass das Angebot doch sehr krimi- und thrillerlastig ist und Fantasy gänzlich fehlt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

PS: Ja, wir hätten das Dach weiter runterziehen müssen. Zu spät. Und: Nobody is perfect.
 

Samstag, 19. August 2017

Schweizer Buchpremiere von "Hundert Lügen"

Am 19. September lese ich in der Bibliothek zum Chutz in Muttenz aus "Hundert Lügen." Organisiert hat die Schweizer Buchpremiere Josia Jourdan, der jüngste Buchblogger der Schweiz. Er wird die Lesung auch moderieren.




Mittwoch, 9. August 2017

Auszeit

Ich sass da, vor dem Ferienhaus auf meiner Lieblingsinsel, plottete an einem Konzept herum, schaute über die Bucht und hing meinen Gedanken nach. Es war friedlich, es war ruhig in mir, es war wunderschön. Die Tage auf der Insel taten mir gut. Ich stellte das Konzept fertig und kam zu einem Entschluss: Ich nehme, was das Schreiben angeht, eine Auszeit, konzentriere mich auf unseren da bux Verlag, setze in aller Ruhe den Text meines nächsten SP Projekts (eine Neuauflage eines vergriffenen Titels) und mache erst einmal ganz viele andere Dinge. Keine Bange, Lesestoff von mir gibt es trotzdem genug: Während ich in den Ferien war, ist "Hundert Lügen" erschienen, und im September kommt "Voll Risiko" heraus.