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Dienstag, 9. Juni 2026

SCHREIBEN


Schreiben kann eine einsame Angelegenheit sein. Manchmal ist das gut, weil man genau diese Ruhe braucht. Aber manchmal wünscht man sich Gleichgesinnte, mit denen man sich austauschen kann. Deshalb liebe ich das Schreiben im Atelier, vor allem das Schreiben in den Schreibrunden. Bei diesem gemeinsamen Schreiben und den Gesprächen über unser Schreiben entstehen aberwitzige Texte, wachsen der Fantasie Flügel, die Lust auf das eigene Schreibprojekt lässt die Finger über die Tastatur tanzen. Und wenn ich dann feststecke oder Fragen habe oder ganz einfach eine Passage vorlesen möchte, über die ich mich gerade riesig freue, falle ich damit nicht in einen luftleeren Raum, sondern stosse auf offene Ohren. 

Sehr viel Spass hat letzte Woche auch das Schreiben mit Oberstufenjugendlichen in Unterägeri gemacht. Mit ihnen Schreibtipps erarbeiten, ihnen Tricks zeigen, sie bei den Schreibaufgaben begleiten, mit ihnen disktuieren, ihnen Feedback geben, sich über ihre tollen Texte freuen, das war ein ungeheuer gutes Gefühl. Ähnlich ist es mir im Schreibworkshop Wortflügelschläge im Atelier ergangen. Da sind wunderbare Texte entstanden und gewachsen. Und nicht zuletzt war da letzten Samstag das Werkstattgespräch mit Schreibenden aus dem literarischen Schreiblehrgang von Schreibwerk Ost. Ein Austausch mit Gleichgesinnten. Eine Möglichkeit, andere mit meiner Begeisterung fürs Schreiben anzustecken. 

Ich merke, wie wichtig für mich dieses gemeinsame Schreiben und die Gespräche ums Schreiben geworden sind, wie gut sie mir tun, wie sehr sie mich inspirieren, aber auch, wie viel Mut und Energie sie mir für mein aktuelles und meine zukünftigen Projekte geben. 

Aktuell schreibe ich am Finale von Lost Souls 5. Ich habe mir den 15. Juli als Deadline gesetzt und bin einigermassen zuversichtlich, dass ich diesen Termin einhalten kann (an dieser Stelle hüstle ich mal diskret). Ich werde das Buch im Self Publishing herausgeben, eine Premiere, denn bisher waren alle Titel, die ich im Self Publishing herausgegeben habe, vergriffene Backlistentitel, die ich neu aufgelegt habe.

Am Werkstattgespräch fragte mich jemand, warum ich die Lost Souls nicht einfach bei da bux herausgebe. Dafür gibt es mehrere Gründe: Lost Souls 5 passt mit seinen geschätzten 300 Seiten nicht ins Programm, zudem wird es mein erstes Buch im Erwachsenenbuchbereich sein und last but not least veröffentlicht kein Verlag  einen fünften Band zu einer Serie, deren letzter Band vor Jahren erschienen ist. 

Ich habe mir auch lange überlegt, nach den ersten vier Bänden eine ganze Staffel mit vier weiteren Bänden anzukündigen, vor allem weil ich den Plot von Band 6 schon im Kopf habe, aber ich ahne, dass ich für eine Staffel viel zu langsam unterwegs bin. Also wird es einfach weitere Einzelbände der Lost Souls geben. Und nicht zuletzt spuken in meinem Kopf unzählige andere Geschichten herum, die erzählt werden wollen.

Das Schönste ist, dass ich in Sachen Schreiben wieder dort bin, wo ich angefangen habe. Es ist ein Zurück zu den Wurzeln. Ein Schreiben ohne Druck und Zwang, weder von aussen, noch von innen. Ich bin nicht auf Verlagssuche, mal abgesehen von der Juli-Deadline gibt es keine fixen Termine oder Fristen; ich schreibe nach dem absoluten Lustprinzip genau die Geschichten, die ich gerne lesen würde, genau in der Zeit, die sie eben benötigen, um zu Geschichten zu wachsen. 

Ich habe zu einer herrlichen Gelassenheit gefunden, wage mich an Experimente wie Krawallnacht (ein Ereignis, zwei Bücher aus zwei Perspektiven), Mittelstreifenblues (eine Erzählpersektive in prosa, die andere in Gedicht- und Songtextform), oder Dunkelwind (wo Geschichte, Figuren und Setting von einer Schulklasse stammen). Mein nächstes Experiment wird der Ausflug in die Erwachsenenbelletristik, und ich liebäugle mit einem Pseudonym für meine Geschichten, die in Grossbritannien spielen. 

In meinen Schreibworkshops ermutige ich die Teilnehmenden, nicht nach dem Markt zu schielen, sondern genau das zu schreiben, was tief aus ihnen herauskommt, das, was sie selber gerne lesen würden. Vielleicht entsteht so kein Bestseller, vielleicht ergibt sich nicht einmal ein Verlagsvertrag, aber es entstehen Geschichten mit Herz und Seele, nicht wenige davon abseits vom Mainstream. Ich für meinen Teil möchte genau solche Geschichten nicht nur schreiben, sondern auch lesen.

Wenn ihr gerne schreibt: schreibt. Und beherzigt dabei den wunderbaren Spruch 

Folge deinem Herzen, es kennt den Weg. 

Und ganz wichtig: Findet einen Ort, an dem ihr euch über euer Schreiben austauschen könnt. Findet Gleichgesinnte. Redet gemeinsam über das Schreiben, eure Erfahrungen, eure Texte. Wenn ihr die richtigen Menschen trefft, werden sich euch neue (Schreib)Welten öffnen. 

Montag, 5. Januar 2026

SCHREIBRUNDE

Es gab Zeiten, in denen mir meine Schreiblust abhanden gekommen war. Zeiten, in denen ich aufgeben und meinen Beruf als Autorin an einen verdammten Nagel möglichst weit weg von mir hängen wollte und mir wünschte, ich wäre Landschaftsgärtnerin geworden. Oder sonst irgendwas, aber einfach nicht Autorin. Das Schreiben wurde zum Krampf und Kampf, die Freude am Beruf machte Ferien auf einem anderen Planeten. Stets war es die Familie, die mich aufgefangen hat, dieser sichere Hafen, in dem ich alles sein konnte und durfte, auch eine verzweifelte, traurige, wütende, hadernde Autorin. Ich erinnere mich an meine erste Krise, in der ich mich verlor und am Ende das Selbstbewusstsein eines kleinen Regenwurms hatte (vielleicht tue ich den Regenwürmern dieser Welt mit diesem Vergleich Unrecht). Sie führte dazu, dass ich sämtliche Verbindungen kappte, die mir nicht guttaten, und in einem langen Prozess wieder zu einer Autorin mit Selbstachtung wurde. 

Meine Arbeit für den da bux Verlag hat mir die Freude an meinem Beruf zurückgebracht. Ich bin dort nicht nur Verlegerin, sondern auch Autorin, bestens aufgehoben in einem wunderbaren Team, das mir ideale Arbeitsbedingungen ermöglicht. Der Verlag ist mein zweiter sicherer Hafen geworden.

Und dann kam die Schreibrunde. Geboren aus reinem Trotz. Ein Lesungsveranstalter sagte zu mir: "Für mich lesen die Leute auch gratis." Und ich dachte mir: "Was ich gratis mache, entscheide ganz alleine ich." Also habe ich entschieden - und die Bibliothek Buchs gefragt, ob ich bei ihnen eine Schreibrunde starten kann. Dass jemand auftauchen würde, hatte ich gehofft, aber nicht damit gerechnet. Es spielte keine Rolle. Notfalls würde ich allein am Tisch in der Bibliothek sitzen und einfach für mich schreiben.

Es kam anders. Eingetrudelt ist schon am ersten Abend eine wild gemischte Gruppe von Menschen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Und trotzdem hat alles gepasst. Ich ging mit einer ungeheuren Leichtigkeit nach Hause, motiviert, mit einer Schreiblust wie ganz am Anfang meines Autorinnenlebens. Alles war möglich. Nichts war Müssen, alles war Dürfen. Und Wollen. Ich wollte schreiben. Schreiben, schreiben, schreiben. Neue Ideen ausprobieren. Experimentieren. Mit Buchstaben und Wörtern jonglieren und tanzen. Die Schreibrunde wurde zur Spielwiese, zum Begegnungsort, zur Motivations- und Inspirationsquelle. 

Diese Woche findet die erste Schreibrunde 2026 statt. Wir sind jetzt im vierten Jahr, immer noch der gleiche wunderbar kreative, schreibfreudige, esslustige, wild experimentierende, Ideen und Erfahrungen austauschende Haufen. Wir unterstützen uns gegenseitig, feuern uns an, freuen uns füreinander und stecken auch mal Negatives gemeinsam weg - was meistens in Lachen endet, weil ärgern nichts bringt, und weil wir wissen, dass es weitergehen wird, dass Scheitern dazugehört und neue Türen öffnet. Teil dieser Gruppe zu sein ist ein grosses Geschenk. 

Im Laufe der drei Jahre, in denen wir uns jeden ersten Donnerstag im Monat treffen, habe ich meinen Platz als Autorin gefunden, weiss ich ganz genau, dass ich schreiben will und werde. Mehr noch: Aus dieser Gruppe ist ein Atelier erwachsen, der Ort, wo ich zum Schreiben hingehe. 

Irgendwo da draussen steckt in irgendeiner Wand der Nagel, an den ich meinen Beruf hängen wollte. Wer ihn findet, hänge bitte irgendwas Schönes dran, ich brauche ihn nicht mehr. 

Mittwoch, 10. Januar 2024

Einblicke in unsere Schreibrunde

Gemeinsam schreiben motiviert und beflügelt. Manche Gruppen treffen sich online, andere im realen Leben. Ich erzähle euch in diesem Post, wie unsere Schreibrunde entstanden ist, wer wir sind und was wir an unseren Schreibabenden jeweils so tun.

Wie unsere Schreibgruppe entstanden ist:
Wer schon gut vernetzt ist mit anderen Schreibenden, kann einfach konkrete Vorschläge machen, wann und wo man sich zum Schreiben treffen könnte. In unserem Fall wurde die Runde in der lokalen Bibliothek ausgeschrieben, die auch kleine Flyer auflegte, und ich habe in meinen Social Media darauf aufmerksam gemacht. Zu unserer grossen Freude trudelten die Anmeldungen dann sehr schnell ein.  

Ort:
Für Schreibrunden im realen Leben eignet sich jeder Ort, der sich heizen lässt (Winter grüsst) und Platz bietet für einen grossen Tisch, um den man sich setzen kann. Von Vorteil ist es auch, wenn der Ort mit dem ÖV gut erreichbar ist. Unser Treffpunkt ist der ausziehbare Tisch im ersten Stock der Bibliothek, mitten zwischen Büchern und direkt neben der Kaffeemaschine :-). Es kann aber auch ein Küchen- oder Wohnzimmertisch in einer privaten Wohnung sein. Mittlerweile sind wir zehn Schreibende, die sich jeden ersten Donnerstag im Monat treffen.

Wer wir sind:
Menschen vom Teenageralter bis hinauf zu den Menschen auf der anderen Seite von sechzig.

Warum wir in der Gruppe sind:
Alle von uns wollen schreiben und sich über das Schreiben austauschen. 

Woran wir arbeiten:
Alle arbeiten an eigenen Projekten, von Fantasy über Krimi und Gartenbuch bis zu Kolumnen und Drehbüchern. Wir bringen diese Arbeiten mit, besprechen Knackpunkte, helfen einander, wenn wir feststecken, hirnen zusammen an Möglichkeiten, wie wir aus Kniffelstellen und Plotlöchern wieder rauskommen.

Vor der Runde:
Wir ziehen den Tisch aus, damit wir auch alle Platz haben, breiten darauf mitgebrachte Köstlichkeiten aus, füllen zwei Krüge mit Wasser, haben Kaffeetassen parat.

Zu Beginn der Runde:
Wir begrüssen uns, erzählen, was während des Monats Gutes passiert ist. Wenn in diesem Monat drängende Fragen zum Projekt aufgetaucht sind, erwähnen wir sie gleich am Anfang und versuchen, die Knoten zu lösen.

Writing Prompt:
Nach einem ersten Austausch machen wir uns an ein Writing Prompt, also eine kurze, spontane Schreibaufgabe. Je irrer, desto besser. Das Coole: Dabei entstehen jedes Mal, aber wirklich jedes Mal, unendlich witzige, spannende, unterhaltsame Geschichten. Für mich ist das Vorlesen der Writing Prompts immer ein Höhepunkt.

Schreibzeit:
Nach dem Vorlesen unserer Writing Prompt Texte schreibt jede und jeder eine halbe Stunde für sich an seinem eigenen Projekt. In dieser Zeit hört man nur das Klappern von Tastaturen.

Austausch:
Wer Lust hat, liest einen Auszug aus dem soeben entstandenen Text vor. Oft diskutieren wir auch über ein beim Schreiben aufgetauchtes Problem. Und/oder wir sprechen übers Schreiben generell.

Dauer der Runde:
Wir beginnen um sieben Uhr abends und hören meistens zwischen halb zehn und viertel vor zehn auf.

Was mir die Schreibrunde bedeutet:
Sie macht Freude und Spass. Sie zeigt mir, welch tolle Texte praktisch aus dem Nichts in rund zehn Minuten wachsen können (Writing Prompt). Sie motiviert mich. Am Ende gehe ich voller Schreiblust und Tatendrang nach Hause. Und: Wir haben in der letzten Runde ein Fazit zu 2023 gezogen und alle festgestellt, wie unendlich weit wir mit dem Schreiben gekommen sind, wie toll sich unsere Projekte und wir uns mit ihnen entwickelt haben.

Mein Fazit:
Ich möchte diese Runde auf keinen Fall missen. Sie ist eins der besten Projekte, an denen ich je teilnehmen durfte. 

Mein Rat:
Wenn in eurer Gegend eine Schreibrunde ausgeschrieben ist: Meldet euch an. Wenn nicht: Startet eure eigene Runde. Denn gemeinsam macht es mehr Spass, kommt man weiter.