Montag, 27. Juli 2026

PAPIER


Ich könnte nicht in einem Tiny House leben, obwohl ich diese kleinen Häuser liebe und insgeheim immer wieder davon träume, irgendwann in einem zu wohnen. Aber ich hätte keinen Platz. Also ich schon, meine Kleider locker auch, meine Schuhe sowieso, aber mein vieles Papier nicht. Bullet Journal, Notizbücher, Tagebücher, Reisebücher, Projektbücher, Hefte in allen Formaten, schöne Karten, neu auch Sketchbücher für meine Zeichnungen, Sticker, gesammeltes schönes Papier, das man irgendwann für irgendwas gebrauchen könnte ... Dazu kommen die dazugehörigen Stifte (viele) und alles andere, was man so für das Arbeiten auf dem Papier braucht. Wenn ihr in dieser Aufzählung die Bücher vermisst: Von denen kann ich mich, mit wenigen Ausnahmen, recht gut trennen, nachdem ich sie gelesen habe. Auf Papier natürlich, so, wie ich auch Zeitungen am liebsten in Papierform lese.

Eine elektronische Agenda habe ich nicht; ich führe ein Bullet Journal, also eine Agenda, die ich mir jedes Jahr in einem leeren Buch selber gestalte. Ich mag daran das Langsame, das Überlegen, welche Schwerpunkte ich in den jeweiligen Monaten und Wochen setze, das Bunte, das Gestalten, das Verweilen. Notizbücher führe ich für die verschiedensten Projekte, Konzepte, Arbeiten, Ideensammlungen usw. Auch das Tagebuch schreibe ich von Hand.

Früher habe ich auf jeder Reise in jedem Touristenbüro schöne Prospekte mitgenommen. Zur Info, für den Fall, dass ich wieder kommen möchte, für mein Bullet Journal und meine Reisetagebücher. Vieles davon ist verschwunden, hat QR-Codes Platz gemacht. Als mein Mann und ich Grosseltern wurden und den kleinen Menschen im Kinderwagen durch die verschiedenen Teile Winterthurs schieben wollten, versuchten wir, zu einem Stadtplan zu kommen. Gibt's auf Papier nicht mehr. Jetzt spazieren wir wie alle anderen auch mithilfe einer Online-App, und ganz ehrlich, das gurkt mich an. Boomer halt, werdet ihr jetzt denken oder sagen. Von mir aus. Ich hasse das Wort Boomer, aber wenn Boomer sein bedeutet, leicht sentimental und voller Wehmut an die Papierzeiten zurückzudenken: Jo nu so dänn halt.

Noch schlimmer hat es die Generation vor mir erwischt. "Die müssen halt mit der Zeit gehen", heisst es überall. Ich kenne Menschen, die nicht mit dieser Zeit gehen wollten und ganz bewusst die Konsequenzen tragen, ich kenne aber mindestens genau so viele, die mit der Zeit gegangen sind, sich richtig gut zurechtfanden in dieser papierlosen, digitalen (App)Welt, bis ihnen ihr Augenlicht, zittrige Hände, ein Kopf, in dem nicht mehr alles Platz hat oder sonst etwas, das einem das Alter gnadenlos vor die Füsse wirft, in den Weg gekommen ist.

So weit bin ich noch lange nicht. Ich kann digital. Aber ich habe Sehnsucht nach dem Haptischen, dem Analogen, dem ganz Realen. Dazu gehört für mich das Papier. Ich bin froh und dankbar, dass man in Schulen in nordischen Ländern vom papierlosen Klassenzimmer wieder wegkommt, dass man erkannt hat, wie wichtig das Schreiben von Hand und Schulbücher aus Papier sind. Wir müssen deswegen ja nicht gleich zurück in die Steinzeit oder ins Mittelalter. Auch ich schreibe meine Texte meistens digital, ich gestalte Dinge online (Stichwort Canva oder Edit) und schätze die unendlich vielen Möglichkeiten, die mir dieses Digitale bietet. 

Jetzt aber, jetzt gehe ich eine Collage zu diesem Post basteln. Von Hand, aus Papier, und heute Nachmittag arbeite ich an meinem Bujo-Juli weiter. Danach fotografiere ich die Collage und lade diesen Post mit Photo auf meinen Blogger-Account. 

Und ihr? Wie geht es euch? Führt ihr Tagebücher, Notizbücher, zeichnet ihr auf Papier, klebt und leimt ihr fröhlich Dinge zusammen, schreibt ihr Einkaufszettel, Briefe, Postkarten, Tagebücher?

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