Mittwoch, 9. September 2026

UMBRUCH

 
Nach acht Monaten mit Knieschmerzen musste ich diesen Montag nach einem Arztbesuch einsehen, was ich nicht einsehen wollte: Das mit dem Wandern ist zumindest auf längere Zeit eher mehr als weniger vorbei. Die Schmerzen sind zu gross, es geht nicht, vor allem abwärts, aber auch geradeaus - und es gibt kein Gelände, in dem es immer nur aufwärts geht. Operieren bringt (jetzt noch) nichts, die Cortisonspritze wirkt zu höchstens 30 Prozent, und ich kann und will nicht jeden Tag hammerharte Schmerzmedikamente zu mir nehmen. 

Den Wochenbeginn habe ich mit Trauerarbeit verbracht, zum Glück unterstützt von meinem verständnisvollen Ehemann, mithilfe eines kleinen Menschen, der mir so unendlich viel gibt. Ich trauerte um all die schönen Wanderungen, die ich nicht machen kann, um die einsame Natur, in der ich mich auf diesen Wanderungen bewege, die Energie und die Kraft, die mir diese Wanderungen geben, um Landschaften, in die ich eingetaucht bin und nie wieder daraus auftauchen wollte, um Erlebnisse, die sich so nicht wiederholen werden. Ich trauerte um das, was mich ausmacht, was mich zutiefst erfüllt. Und ich trauerte um das, was ich mit Herrn Ehemann all diese Jahrzehnte geteilt habe, denn mit dem Wandern verlieren wir auch eine unserer grossen Gemeinsamkeiten und geteilten Glücksmomente. 

Trauerarbeit braucht es, finde ich. Was ich nicht will: In der Trauer ersaufen. Es ist, wie es ist. Die Natur ist immer noch da, es gibt andere Wege zu ihr hin. Nicht mehr an all diese einsamen Orte, weitab von Strassen und Bergbahnen, aber immer noch wunderschön. Ich habe mir überlegt, was ich alles noch kann, und daran halte ich mich fest. Als der Optimistin, die ich bin, sage ich: Es ist, wie es ist - aber es muss ja nicht so bleiben. Also kein Ende, sondern ein Umbruch! Es liegt an mir zu ändern, was ich ändern kann. Und genau daran werde ich arbeiten.

In diese Gedanken und das Suchen nach Lösungen hat sich ein weiterer Gedanke gemischt: Was ist eine walkig writer ohne walking? Es war für mich immer klar, dass ich ohne das Writing leben kann aber nicht ohne das Walking. Will ich überhaupt noch schreiben, wenn ich nicht mehr wandern kann? Oder jetzt erst recht? Und wenn ja, wozu? Will ich wirklich Romane fürs Self Publishing schreiben, wo ich doch genau weiss, dass ich mit jedem Buch hohe Verluste einfahren werde, weil ich als Self Publisherin professionell arbeiten will, mit allen anfallenden Kosten? Will ich mir das Social Media Gedöns antun, das zum Self Publishing gehört und dennoch fast nichts bringt? Will ich mich wirklich noch einmal bei Verlagen bewerben, wo ich mich dort so oft verbrannt und verloren habe? Auf diese Fragen habe ich keine abschliessende Antwort gefunden. Was ich weiss: Ich werde weiterschreiben. Etwas anderes ist das Veröffentlichen. Da bin ich mir nicht sicher. Ich lasse das für mich mal offen. 

Das Schöne und Positive ist, dass ich so viele andere kreative Arbeiten noch ausführen kann: Wohnräume gestalten, im Garten herumwuseln und verweilen, zeichnen, stricken, Musik machen ... Und so mischt sich in meine Trauer immer mehr Buntes, Fröhliches. Umbrüche sind immer auch Anfänge. Ist das nicht schön und ermutigend? Und hey, ich habe einen harten Grind! Ich werde wieder wandern. Den Traum lasse ich mir nicht nehmen.

PS: Die wunderschöne Karte ist von Theres Willi

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