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Montag, 15. Juni 2026

WALKING

Walking Writer. So nenne ich mich in meinen diversen Social Media Accounts. Eine lange Zeit war ich nicht mehr sicher ob ich nicht eher eine writing Walker bin, aber diese Frage hat sich im Lauf der letzten zwei Jahre geklärt. Zumindest fast. Ich bin eine walking Writer, eine wandernde Autorin. Das zumindest fast ist meinem Knie geschuldet, dieses Mal das rechte und nicht wie vor ein paar Jahren das linke. Es zickt seit letzten Dezember. Zuerst habe ich an eine Entzündung gedacht, aber der Schmerz ging nicht weg. Dann habe ich mich mit vielen vorgeschobenen Ausreden vor dem nötigen Arztbesuch gedrückt. Bis ich schlicht nicht mehr ignorieren konnte, dass es mehr als eine Entzündung sein muss. Mittlerweile war ich beim MRI und danach beim Hausarzt. Die Kurzversion: Es klingt kompliziert. Den Besuch beim Spezialisten habe ich bis nach meinen Ferien hinausgezögert, denn solange ich keine ärztliche Anordnung habe, kann ich weiterlaufen und  weiterwandern. Genau das tue ich im Moment. Ich wandere mal wieder schottischen Küsten entlang.  


Heute zum Beispiel, da sind wir von Maidens zum Culzean Castle gewandert, einen Teil davon am Strand entlang, den Rest über herrliche Pfade im riesigen Anwesen des Schlosses. Mein Knie ist nett zu mir, es lässt mich nicht im Stich. Es motzt höchstens, wenn ich zu lange über geteerte Wege gehe, aber denen kann ich hier bestens ausweichen. 

Ich mag das Wandern, weil es langsam ist, weil es mir alle Zeit der Erde gibt, mich umzusehen, innezuhalten, die Schönheit einer Landschaft einzuatmen oder an einem Detail hängen zu bleiben. In Momenten wie diesen wünsche ich mir, ich hätte das Fotografieren erlernt, so richtig, nicht nur mit dem Handy. Natürlich bietet mir die Handykamera viele Möglichkeiten, aber eine richtige Kamera, richtig eingesetzt, das ist schon eine ganz andere Hausnummer.

Mein Vater konnte das: Fotografieren. Er konnte endlos lange irgendwo in den Bergen auf dem Bauch liegen und seine Kamera auf eine Blume richten. Manchmal, wenn auch ich mich zum Fotografieren hinlege, weil ich dann den perfekten Winkel fürs Foto habe, denke ich an ihn, gucke in den Himmel und rufe laut "Hoi Tata". Der Gedanke, dass er irgendwo da oben auf einer Wolke sitzt und laut lacht, weil ich flach am Boden liege und genau das tue, was er immer getan hat, gefällt mir. 

Mein Bruder fotografiert auch. In seine Bilder möchte man eintauchen und ganz lange darin verweilen. Ich war nie in Island, aber wenn ich seine riesigen Bilder sehe, die bei ihm zuhause an der Wand hängen, dann bin ich tatsächlich für eine Weile auch dort.

Ich stamme aus einer Familie von Naturmenschen. Wandern (und im Falle der männlichen Mitglieder der Familie das Bergsteigen) gehört zu unserer DNA. Es hat uns geprägt und prägt uns immer wieder aufs Neue. Wandern kann ein gottvergessener Krampf sein und gleichzeitig wunderschön. Wandern erdet und lässt einem gleichzeitig Flügel wachsen. Wer weit genug von den Massen entfernt wandert, findet wunderschöne einsame, fast unberührte Orte. Ich erinnere mich an eine Wanderung in Schottland, bei der wir gefühlt eine Ewigkeit durch Buschland wanderten, zum Teil sumpfig, zum Teil fast zugewachsen. Und dann lichtete sich das Dickicht und wir standen vor einem der schönsten Strände, an denen ich je gewesen bin. Weisser Sand, schwarze Steine, glasklares Wasser am Strand, unzählige Blautöne weiter aussen, schroffe Klippen. Ausser uns war kein Mensch dort. Auch heute hatten wir mindestens drei Traumbuchten für uns allein. Morgen soll das Wetter nicht so gut sein, schottisch halt. Aber eine Wanderung, die haben wir und schon rausgesucht.


Am Donnerstag fahren wir weiter, nach England, in die Yorkshire Dales. Davon berichte ich dann aber nächste Woche, denn ich wandere ja nicht nur, ich schreibe auch. An den Lost Souls 5. Und dreimal dürft ihr raten, wo Ayden sich in Band fünf aufhält ... genau, in den Yorkshire Dales.