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Mittwoch, 2. September 2026

HERZBLUT


Hinter mir liegt ein wunderbarer Workshop-Sonntag. Wir waren eine kleine Runde, aber einmal mehr eine Herzblutrunde. Unser Atelier Farb&Stift scheint genau solche Menschen anzuziehen; Menschen, die aus ihrem tiefsten Inneren heraus kreativ sind. 

Das Thema dieses ganztägigen Inputworkshops: Von der Idee zum Buch. Bei einer ersten Standortbestimmung wurde schnell klar: Die Teilnehmerinnen kamen mit konkreten Idee und ersten Textproben, sie wissen, was sie schreiben möchten, sie waren sich auch einig, dass der Weg das Ziel ist. Eine Veröffentlichung hat nicht erste Priorität, aber es wäre schön, den Text (und auch die dazugehörigen Illustrationen) in Buchform in den Händen halten zu können. Zum Glück ist das heute problemlos - aber nicht ohne ernsthafte Arbeit - möglich.

Was mich beeindruckt und gefreut hat: Es ging weder um Ruhm noch Ehre noch Verdienstmöglichkeiten, sondern um die Lust am Schreiben, das Bedürfnis nach Schreiben, das Brennen für das Schreiben. Das Ziel ist zwar klar gesetzt, aber der Prozess und das Wachsen sind den Schreibenden viel wichtiger. So erstaunt es auch nicht, dass keine Zeitrahmen gesetzt wurden. 

Für den Workshop hatte ich ein Arbeitsbuch zusammengestellt, aber noch nicht drucken lassen. Zusammen mit den Kursteilnehmerinnen wollte ich herausfinden, was funktionert, was ich noch verbessern kann und was noch fehlt. Zu meiner Freude (und Erleichterung) funktioniert so ziemlich alles; gefehlt hat auch nicht mehr viel. Wichtig ist mir, keine fixen Anleitungen zu geben, denn es gibt fast so viele Wege zum fertigen Buch wie es Schreibende gibt. Wir haben geschaut, wie wir arbeiten, ob wir eher die Planungstypen oder die spontan Schreibenden sind, ob wir lieber digital oder analog arbeiten oder beides und wenn beides, was wir wo gerne einsetzen. Ganz wichtig auch: Ob wir von den Figuren ausgehen oder ob wir die Handlung genau planen und uns dann die Figuren dazu erfinden. 

Natürlich ging es auch ums Handwerk. Nachdem wir uns Tricks und Kniffe angeschaut hatten, tauchten die Teilnehmerinnen in ein Writing Prompt ein und ich nutzte die Zeit, ihre mitgebrachten Texte anzuschauen. Welch wunderbaren Texte, passend zu den Menschen. Sie haben jetzt schon eine eigene Erzählsprache. Herzmenschen halt, habe ich gedacht. Menschen, die so schreiben, wie sie sind. Texte, die sie spiegeln. 

Beim Schreiben ist so vieles möglich, gibt es so viele Wege zum fertigen Text. Meine Kursteilnehmerinnen haben sich für ihren Herzweg entschieden, auf dem sie ihr Schreibhandwerk verbessern und verfeinern, nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. 

Naiv? Idealisierend? In einer Zeit, in der es online um Wordcounts und Content geht, in der Schreiben ein Klapperhandwerk ist, in dem sich alles um Klicks, Views und Likes dreht, wo man auch oft das Gefühl hat, in einem Schönheitswettbewerb gelandet zu sein, bei dem man nicht nur schreiben können muss, sondern auch super oder zumindest ausgefallen aussehen sollte. In einer Zeit, in der einem empfohlen wird, sich eine Nische suchen, in der man noch Kohle machen kann (oder glaubt, sie machen zu können). In einer Zeit, in der Menschen mit hingerotzten KI-Büchern mehr Exemplare verkaufen als viele andere, die viel Zeit und Arbeit in ihre Geschichte gesteckt haben. 

Also: Naiv? Idealisierend? Mag sein. Aber ich bin immer noch der tiefen Überzeugung, dass man das schreiben sollte, was in einem steckt, das, wofür man brennt. Es gibt sie noch, diese Herzblutmenschen, und es sind gar nicht so wenige. Im Workshop vom Sonntag durfte ich einmal mehr solche Menschen kennenlernen. Das sind Begegnungen, die bleibende Erinnerungen hinterlassen, die den inneren Speicher auffüllen, Ruhe einkehren lassen und ungemein motivieren. 

Was immer du diese Woche tust, finde Beschäftigungen, die du mit Herzblut ausführen kannst. Ich wünsche dir schöne Stunden dabei.