Sonntag, 24. Juli 2011

Wieder da ... und irgendwie ausgeklickt

Ein paar Stunden nachdem sich mein Internet in Richtung Timbuktu auf den Weg gemacht hatte, brachen auch Herr Ehemann und ich auf. Nicht nach Timbuktu, sondern nach Schottland. Um genau zu sein, Nordschottland. Wir suchten das unendliche Nichts und fanden es. So ab unter 10 Einwohnern pro Quadratkilometer wurde es richtig gut, dort, wo drei Häuser ein Dorf sind, wo die Haupstrasse nur eine Spur hat (für beide Richtungen), wo die Strände leer sind (ausser Kühe haben sich dort niedergelassen), wo man beginnt, mit den Schafen zu reden, weil sonst niemand da ist, mit dem man reden könnte. Es war fantastisch. So fantastisch, dass wir uns vor Edinburgh gedrückt haben (viel zu viele Leute).

Das Internet wartete schon auf mich, als wir zurückkamen (ich schreibe bewusst "mich", weil Herr Ehemann und das Internet nie zusammengefunden haben). Ich habe dann auch ein bisschen geguckt, was so läuft. Habe ein paar Mails beantwortet und mich bei Facebook durch die neuen Nachrichten gelesen. Einen Tag lang. Dann liess ich das Internet sein und verzog mich in die Berge, wo ich geschrieben, gegärtnert und gemalt habe (keine Kunst, sondern einen Raum - na ja, für mich war schon das Kunst, es war nämlich nicht eine ganze Wand sondern nur bestimmte Teile).

So, und jetzt bin ich wieder da. Lese irgendwo, dass Google + the next big thing ist. Gucke mir Tweets bei Twitter an, die mich kalt lassen. Klicke mich durch FB und habe nichts zu sagen. Mag auch keine FB-Einträge von anderen lesen. Ich merke, dass ich mich gar nicht so richtig wieder ins virtuelle Leben einklinken will. Es interessiert mich nicht. Ich habe keine Lust darauf. Es ist zu viel. Und doch nichts Wirkliches.

Manchmal diskutieren wir Autoren darüber, ob es ohne Internetpräsenz überhaupt noch geht (wahrscheinlich nicht), was man alles noch tun könnte, sollte, müsste. Im Moment will ich gar nichts tun. Ich weiss, dass dieser Moment vorbeigehen wird. Aber jetzt, heute, denke ich: Doch, es geht auch ohne. Man stirbt nicht ohne Internet. Es ist nicht mal langweilig ohne Internet. Am Mittwoch fahre ich wieder in die Berge. Mein Internet wird sich ohne mich beschäftigen müssen. Vielleicht dreht es ja ein paar Runden im Cyberspace.

Kommentare:

Luci hat gesagt…

Das klingt nach einem beneidenswerten Urlaub und einem extrem entspannten Bewusstseinszustand. Ich hoffe, du kannst den noch eine Weile beibehalten.

Viele liebe Grüße
Carolin

bugsierer hat gesagt…

solche posts gefallen mir nicht. man liest sie seit jahren und v.a. von frauen. die allerauserwählteste in dieser disziplin ist frau professorin dings aus st. gallen, die ihre overdose in ein buch gepackt hat, dann kollabiert ist und dann gleich weitrmachte wie vorher.

ich finde es gut, wenn jemand offline geht im sommer für ein paar wochen. jeder nach seinem gusto. ich finde es aber langweilig, seit jahren die immer gleichen offlinehuldigungen zu lesen, die dann im herbst wieder in mehr oder weniger unkontrolliertes onlinen mündet.

etwas schnippisch gesagt... ;-)

Andrea hat gesagt…

... und mir gefallen solche Beiträge wiederum gut ;-) Ich merke bei mir auch eine Art Social-Media-Müdigkeit. Eigentlich setzte sie just da ein, als ich nicht nur bloggte, twitterte und mein Xing-Profil hatte, sondern auch eine Präsenz bei Facebook aufbaute. Ich glaube, mir tut zu viel Virtualität nicht gut. Sie frisst meine Energie. Sie ist mir unwirklich.

Alice Gabathuler hat gesagt…

Ja, ich glaube, bei mir war es auch Facebook. Mich dort nach langem Sträuben anzumelden, war ein Vernunftsentscheid, der mir nicht unbedingt gut getan hat. Wenn ich mir vorstelle, dass nun die ganze Sache mit Google + noch tiefer in die Tiefen des Netzes führt, macht mich das nicht unbedingt zuversichtlich.

Das Einzige, das mich an der virtuellen Welt wirklich reizt und interessiert, ist das Bloggen und das Schreibforum.