Montag, 22. Juni 2026

ORTE


Vor ein paar Tagen erkundeten wir einen uns noch nicht bekannten Teil von Schottland. Wir fuhren quer durch eine Halbinsel, einem kleinen Hafenort am Meer entgegen. Ich hatte ihn vorher weder online angeschaut noch etwas über ihn gelesen. Schon die Sicht von oben nahm mir den Atem, und als wir am Hafen parkten, wusste ich - noch bevor ich auch nur aus dem Auto ausgestiegen war - dass hier eine meiner Geschichten spielen würde. 

 
Ich habe meine Gefühle zu diesem Ort in den Social Media geschildert und einen Kommentar dazu erhalten, der in mir nicht nur ein Licht sondern gleich eine ganze Lichterkette anzündete. 

"Spannend, dass es oft Orte sind, die dich inspirieren."

Was Mirjam Wicki (mehr zu ihr am Ende des Posts - unter dem letzten Foto) mir da in den Kommentar schrieb, war so logisch, so offensichtlich, so klar - nur hatte es dieses Wissen nie aus meinem Unterbewusstsein an die Oberfläche geschafft. Wann immer ich gefragt werde, was mich beim Schreiben inspiriert, antworte ich: "Musik, aktuelle Themen, die mich beschäftigen, meine Buchfiguren." Nie, noch gar nie habe ich geantwortet: "Orte".  Und das, obwohl Mittelstreifenblues eine Liebeserklärung an die Berge (und die Menschen) ist. Obwohl in den Lost Souls Büchern ganz viele meiner Sehnsuchtsorte vorkommen. Obwohl ich in mindestens vier Büchern Kieswerke als Handlungsorte habe ...

Diese Blog-Zeilen schreibe ich in einem Hotelzimmer in den Yorkshire Dales. Dort, wo Ayden Morgan am Anfang von Band 5 der Lost Souls zum Fotografieren unterwegs ist. Ich habe ihm meine Liebe zu den Dales geschenkt und freue mich, dass ich nach dieser langen Zeit, in der ich schon am Band 5 schreibe, endlich wieder einmal eine Weile an diesem Sehnsuchtsort verbringen darf.  

Wenn ich das nächste Mal gefragt werde, was mich inspiriert, werde ich Orte als erstes nennen. Von den Orten und den Stimmungen, die über ihnen liegen, komme ich auf Figuren, die dort leben und von diesen Orten geprägt wurden/werden, oder Figuren, die dort hinziehen und die dafür ihre Gründe haben. Und wenn ich das einmal habe, ist es zur Geschichte nicht mehr weit. 

Und hier - aus aktuellem Anlass - noch ein kurzer Textauszug aus Band 5 der Lost Souls:

Der Wind wurde stärker, dunkle Wolken schoben sich ineinander und löschten das letzte Blau des Himmels, erste Regentropfen peitschten in Aydens Gesicht. Die einzigartige Landschaft der Dales wurde zum Drama mit unzähligen Möglichkeiten für spektakuläre Fotos, doch sein sonst so gutes Auge für das perfekte Bild war heute blind. Sein Blick richtete sich gegen innen; er sah nur Kata, die Frau, die er über alles liebte. Sie war stark, mutig, entschlossen, aber das, was dieser Mann ihr aufbürdete, könnte sie in eine Welt schleudern, die sie hinter sich gelassen hatten. 

 

Und nun - wie versprochen - zurück zu Mirjam Wicki. Mirjam Wicki ist Autorin. Seit ein paar Tagen schreibt sie in Schweden, an einem wunderbaren Ort, in einem total schönen Astrid-Lindgren-Haus. Was sie dabei erlebt, was ihr durch den Kopf geht, was ihr Herz berührt, erzählt sie ungeschminkt und ungeschönt ihn ihrem Blog. Mein Lesetipp für euch! Hier geht's lang: Schwedentagebuch von Mirjam Wicki. 

PS: Was mir beim Schreiben des Blogtitels aufgefallen ist: Um den Buchstaben W ergänzt, ergeben sich aus ORTE ... WORTE. Wie passend!  

Keine Kommentare: