Irgendwann Anfang Jahr sass ich zwischen Morgen- und Nachmittaglesungen in einem Café. Vor mir lag Briefpapier, das ich beim Ausmisten gefunden hatte. Rosa Blumen auf wunderschönen Papier. Das einzige Briefpapier, das ich noch hatte. Rosa Blumen! Ich! Mir war es ein Rätsel, wieso ich mich für dieses Papier entschieden hatte, vor Ewigkeiten, in einem Leben, in dem analog weder Trend noch Flucht aus dem Digitalen sondern einfach Realität gewesen war. Auf eine ganz besondere Art gefiel mir das Briefpapier, das so gar nicht zu mir passte - und vielleicht eben doch?
Ich fuhr mit der Hand über das Papier, nahm meinen Stift und begann zu schreiben. Meinen ersten handgeschriebenen Brief seit langem. Die Zeit verging im Flug, meine Mittagspause lief aus, ich musste etwas überstürzt zu einem Ende kommen. Hastig steckte ich den Brief in ein Couvert, auch dieses mit rosa Blumen und einer schönen Marke, die ich schon am Vortag sorgfältig gewählt und ausgedruckt hatte. Auf dem Weg zurück zum Schulhaus, in dem meine Lesungen stattfanden, warf ich den Umschlag in einen öffentlichen Briefkasten. Dann stand ich eine Weile einfach da und freute mich. Stellte mir vor, wie am Tag danach oder auch zwei Tage danach die Empfängerin den Brief in den Händen hielt, die Blumen anschaute, vielleicht kurz lachte (weil sie mich kennt und wahrscheinlich nicht mit rosa Blumen in Verbindung bringt) und sich vielleicht auch genauso freute wie ich.
Seit einer Weile schicke ich dem kleinen Menschen in Winterthur Postkarten. Er hebt sie in seiner Schatzkiste auf und manchmal schauen wir sie gemeinsam an. Den Säntis mit dem hohen Mast, die zwei glücklichen Lamas, den kleine Drachen ...
Schneckenpost nennt man diese Art Post, die im realen Briefkasten landet, die man anfassen, aufbewahren und immer mal wieder anschauen kann. Genau solche Post hatte ich am Samstag im Briefkasten. Schneckenpost von Theres. Ich durfte im Atelier miterleben, wie sie das Konzept dazu entworfen hat, wie der Brief entstanden ist, von der ersten Idee bis zum Absenden. Ich sah, mit wie viel Liebe zum Detail Theres den Brief plante, wie sie sich überlegte, was sie dem Brief beilegen möchte, was das Logo dieser Schneckenpost sein sollte. Sie schrieb den Brief, schliff und feilte daran. Am Freitag hatte sie alles parat (für die Menschen in Deutschland: das ist ein wunderbares Schweizer Wort für etwas, das nach viel Vorarbeit bereit ist) und konnte die Briefe einwerfen.
Es war eine Freude, den Umschlag mit der besonderen Briefmarke zu öffnen, das Papier in den Händen zu halten, den Brief zu lesen, der mich an einen Bach mitnahm, wo Theres sich den Platz, an dem sie zeichnete, mit Schnecken teilte. Ich sah, hörte und roch den Ort, war mit Theres dort - und als Goodie lag dem Brief das Bild, das an diesem Tag entstanden ist, als Karte bei. Auch die anderen kleinen Beilagen sind wunderschön. Und wer genau hinschaut, findet sogar eine kleine Aufgabe, etwas versteckt, von Hand geschrieben, die man mit durch die Tage nehmen, sich dazu Gedanken machen und / oder sogar selber kreativ werden kann.
Die Schneckenpost von Theres kann man abonnieren. Entweder jeden Monat neu oder im Jahresabo. Infos dazu findet ihr hier. Für mich ist das handschriftliche Schreiben von Briefen und Postkarten Teil meines analogen Jahres. Wobei ich fest vorhabe, aus dem Jahr ein immer zu machen. Und ich bin jetzt schon gespannt auf die nächste Schneckenpost von Theres.

