Donnerstag, 25. Juli 2019

Sommerblues

Sommerhitze ist für mich wie für andere Leute Novembernebel oder anhaltende Winterstürme. Meine gute Laune macht sich von dannen und nimmt dabei gleich auch Motivation und Kreativität mit. Sie verwandelt mich in ein träges, frustessendes, unerträgliches Monster. Es gibt Tage, da empfehle ich meinen Lieben, einen weiten Bogen um mich zu machen, weil ich mich selber nicht aushalte und andere mich schon gar nicht aushalten würden.

Dabei wäre der Sommer genau die Zeit, in der ich Zeit zum Schreiben hätte. Mit Betonung auf hätte. Es gab Sommer, in denen ich wochenlang in den Seilen hing und einfach nur versuchte, nicht durchzudrehen. Jeden Sommer nehme ich mir vor, mich NICHT von der Hitze unterkriegen zu lassen, jeden Sommer scheitere ich schon bei der ersten Hitzewelle daran.

Dieses Jahr habe ich die erste Welle zum Glück verpasst: Ich war im herrlich kühlen England, als bei uns die Temperaturen zum ersten Mal über 30 Grad stiegen. Die ausklingende Hitzewelle traf mich nur kurz, und während andere anschliessend über die viel zu kühlen Temperaturen klagten, fühlte ich mich rundum wohl und sprühte vor Arbeitseifer und Kreativität.

Nun rollen sie wieder, die Hitzewellen. Am Dienstag ass ich mich durch den Nachmittag, haderte mit mir, mit dem Schicksal, mit dem Leben und mit dieser vermaledeiten Hitze. Ich schrieb keine Zeile, hasste mich dafür, ass weiter und tat mir furchtbar leid.

Wenn ich eins mehr hasse als die Sommerhitze, dann ist das Selbstmitleid. Oh nein, dachte ich. Nicht schon wieder. Fertig Sommerblues! Ich erinnerte mich an das Kinderschwimmbecken auf dem Dachboden. Und dass die Luftpumpe seit Jahren defekt ist. Also ging ich am Mittwochmorgen als erstes eine Pumpe kaufen. Nach dem Mittag pumpte ich damit jede Menge Luft in das Becken, füllte es ganz langam mit Wasser (damit es schon während des Einlaufens aufwärmen konnte), zügelte mein Büro nach draussen unter den Baum, wobei ich den Bürostuhl durch einen Liegestuhl ersetzte, und ging mein Badekleid ausgraben.

Ich arbeite jetzt so: Im kühlen Wasser lesen, auf dem Liegestuhl schreiben / Mails beantworten, im kühlen Wasser lesen, auf dem Liegestuhl schreiben ... So geht es. So hielt ich sogar die Nacht aus, weil ich nicht schon tagsüber schlapp und matt herumhing. Der erste Tag verlief also vielversprechend. Mal gucken, wie es heute so geht.

Frau Katze, die sonst auf dem Schreibtisch neben mir schläft, ist übrigens mit mir umgezogen. Die Arbeitsteilung bleibt dieselbe: Sie schläft, ich arbeite. Das Foto stammt von heute Morgen. Noch liegt alles im Schatten, noch ist es kühl, noch halte ich es im Büro unterm Dach aus. Ab Mittag, wenn unterm Dach die Temperaturen auf über 30 Grad klettern, wechsle ich ins Aussenbüro.


PS: Jetzt brauche ich nur noch einen neuen Laptop. Meiner braucht nämlich rund drei Minuten zum Hochfahren und noch einmal rund drei Minuten, bis er das Wordprogramm geöffnet hat.

Kommentare:

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Danke,
liebe Alice,
für diesen deinen Beitrag: Er hat mir geholfen


Sei ganz herzlich gegrüsst und bis im Herbst :)
Hausfrau Hanna

Alice Gabathuler hat gesagt…

Liebe Hausfrau Hanna, bedeutet das, dass du dir ein Planschbecken gekauft hast ;-) Herzliche Grüsse. Alice

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Hi hi,
liebe Alice,
nein, ich habe kein Planschbecken gekauft - ich habe ja das kühle, plaudernde Bächlein ;)
Es waren deine Worte, die mir einfach gut taten und in denen ich mich aufgehoben und gesehen fühlte.

Ganz herzliche Grüsse aus der Stadt
Hausfrau Hanna