Dienstag, 21. September 2010

La,la,la, ich hör nicht hin

Die amerikanische Literaturagentin Kirstin (den Nachnamen behält sie für sich) erzählt in ihrem neusten Blogeintrag von ihren Workshops für Autoren auf der Suche nach einer Agentur. Sie beschreibt, wie sie dabei jeweils ihre entmutigenden Statistiken vorlegt - wie viele Anfragen bei ihrer Agentur eingehen, wie viele davon es überhaupt in eine nächste Runde schaffen und wie viele Autoren die Agentur pro Jahr neu aufnimmt. Und dann sagt sie den Workshopteilnehmern sie sollen die Ohren zuhalten und sagen:


"La, la, la, ich hör nicht hin."


Weil ein Autor die Statistiken nur kennen soll, damit er den Literaturbetrieb versteht. ABER: Das soll ihn nicht davon abhalten, es zu versuchen. Denn wenn ein Autor gerne schreibt, wenn er leidenschaftlich den Traum vom Schreiben verfolgt, dann wird er schreiben - egal, was auch passiert. Veröffentlicht zu werden ist dann eine mögliche Folge, aber ob sie eintreten wird oder nicht, davon soll der Antrieb zum Schreiben nicht abhängen.


"Du schreibst, weil du schreiben musst. Es ist wie Atmen.
Absolut notwendig."


Ausserdem weiss ein Autor nie, ob und wann sich seine Hartnäckigkeit auszahlt. Ein gutes Beispiel ist John Grisham. In der NZZ am Sonntag erzählte er, wie er jeden Morgen um fünf Uhr aufstand und an seinem ersten Buch schrieb, wie es von 20 Verlagen abgelehnt wurde, wie er bei einer Agentur unterkam und sein erstes Buch dann trotzdem weiterhin abgelehnt wurde, wie es - als es endlich in einer Auflage von 5000 gedruckt wurde - total floppte. Und wie sein zweites Buch "Die Firma" einschlug. In zwei Monaten verdiente er 2 Millionen Dollar. Er hängte den Anwaltsberuf an den Nagel und wurde hauptberuflicher Autor. Dieses Glück haben die wenigsten Autoren. Viele von uns brauchen weiterhin einen "Brotberuf" (das ist die Tätigkeit, die uns die Miete bezahlt und den Kühlschrank füllt). Aber wir geben nicht auf. Auch wenn die Vorzeichen schlecht sind. Wir hören einfach nicht hin. La,la,la.

1 Kommentar:

Jutta Wilke hat gesagt…

Liebe Alice,

auf meiner (zugegebenermaßen nicht sehr spannenden) Homepage findest du ein altes Interview mit mir, dort wurde ich gefragt, warum ich eigentlich schreibe. Meine Antwort lautete in etwa: Schreiben ist wie Atmen.
Heute lese ich das in deinem Blog wieder und kann nur zustimmend mit dem Kopf nicken. Wir Schreiberlinge wissen das. Wir können gar nicht anders. Und deshalb ist der Rat, sich zwar zu informieren, aber ansonsten gar nicht erst hinzuhören, Gold wert. Nicht soviel drüber nachdenken, sondern einfach machen. Das war schon immer meine Devise. Nicht dauernd nach rechts und links gucken, sondern einfach loslaufen.
Soll ich aufhören zu schreiben, nur weil irgendeine Zeitung gerade meint, sie müsse mir erklären, dass ich ohnehin keine Chance habe? Never.
Da stecke ich dann tatsächlich meine Finger in die Ohren und singe: lalala - ich höre gar nicht hin.

Liebe Grüße
Jutta