Donnerstag, 1. Oktober 2020

Wenn Lehrer morden

Ihr ahnt ja gar nicht, welch tiefe Abgründe in Lehrer*innen schlummern! Da wird ruchlos gemobbt, erbgeschlichen, gemordet und Nationalheld Wilhelm Tell kurzerhand zum Terroristen erklärt. Drei Vertreter dieser nur auf den ersten Blick harmlosen Berufsgattung waren gestern in der Liechtensteinischen Landesbibliothek anwesend und lasen aus der Anthologie Mord zur grossen Pause vor, deren 21 Geschichten rund um die Schule allesamt von schreibenden Lehrer*innen oder lehrenden Schreiber*innen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und dem Liechtenstein erdacht und in die Tastatur gehauen wurden. Organisiert, orchestriert, dirigiert oder auf gut Schweizerdeutsch "tätschmeischteret" hat das Ganze Daniel Badraun.

Gestern Abend anwesend (v.l.n.r.): Armin Öhri, Daniel Badraun und Tom Zai.

Armin Öhris Lehrer hat den perfekten Mord begangen (ich sage nur: Fitnesstracker!), geht danach unterrichten und schafft sich nun mit dem perfekten Kniff das perfekte Alibi, um danach das Erbe der verstorbenen alten Dame einsacken zu können. Ihr ahnt es: Diese perfekte Sache hat einen sehr perfekten Haken ...

Daniel Badraun schickt das Lehrpersonal eines ganzen Schulhauses in ein Gruselschloss zu einem teambildenden Workshop. Da wird kein Lehrerklischee ausgelassen, aber gar keins, sondern richtiggegend darin geschwelgt, mit einem herrlichen Wortwitz. Weniger witzig sind die Toten, die da plötzlich rumhängen und rumliegen. Dafür schon fast aberwitzig die Lehrerin, die vor all dem einfach buchstäblich die Augen verschliesst. Dass das Diktiergerät der Schulleiterin (oder war's die Schuldirektorin?) mitläuft, versteht sich in dieser Geschichte fast schon von selbst.

Und dann sind da noch der Wilhelm Tell und der Herr Lehrer Odermatter von Tom Zai. Ersterer war kein Held, sondern ein Terrorist, was Zweiterer locker und problemlos an einem Elternabend begründen kann, worauf eine moderne Hetzjagd in typischer Shitstormmanier durch die Social Media rauscht (von Dritterem akribisch protokolliert), bis dem Lehrer Odermatter seine kleinen Witze am Rande wegdröseln und er zur Armbrust greift. Ein typisch grossartiger textlicher Höllenritt von Tom Zai, inspiriert von Mani Matter (Sie hei dr Wilhelm Tell ufgfüert) und dem Song Go, tell it on the mountains, was bei Tom Zai dann zu Go, Tell is on the mountain mutiert.

Sprache als Spiel. Sprache als Experiementierfeld. Sprache als Lawine, die mitreisst. Ich habe mich prächtig amüsiert. Solltet ihr irgendwann die Chance haben, eine Lesung aus dem Buch Mord zur grossen Pause in der Nähe zu haben: Geht hin. Es lohnt sich.

Mord zur grossen Pause
Herausgeber: Daniel Badraun
Gmeiner Verlag

Viel Spass!

Mittwoch, 30. September 2020

Hallo Frau Autorin, da sind Sie ja wieder

Im Laufe der letzten Jahre hat sich mein beruflicher Fokus verschoben, weg vom Schreiben hin zum Verlegen. In der ersten Jahreshälfte arbeite ich bei unserem da bux Verlag als Lektorin und bereite danach die fertigen Texte für den Satz vor (definitiv setzen tut sie dann mein Verlagskollege Tom Zai). Gleichzeitig müssen im März und April die Gesuche um einen Projektbeitrag geschrieben werden. Nach einer kurzen Verschnaufpause im Frühsommer stehen im Hochsommer die kostenlosen Unterrichtsmaterialien auf dem Programm, und ab dem September gilt die Hauptaufmerksamkeit dem offiziellen Start der neuen Edition. Zwischen die Verlagsarbeiten schiebe ich Lesungstermine, einzeln oder ganze Wochen. Das geht an die Substanz; zum Schreiben bleibt kaum Zeit.

Ab Ende September wird es für mich ruhiger. Die Autor*innen der nächsten Edition schreiben an ihren Geschichten, Verlagskollege Stephan Sigg macht weiterhin fleissig PR und pflegt Kontakte, und Tom Zai und seine Frau sind auf Hochtouren mit dem Versand beschäftigt, denn der Release einer neuen Edition führt stets zu einem regelrechten Ansturm auf unsere Bücher. Während also meine Verlagskollegen immer noch sehr eingespannt sind, habe ich endlich die Ruhe und die Zeit zum Schreiben.  

Noch selten habe ich diese Schreibzeit so genossen wie dieses Jahr. So sehr, dass ich gestern Morgen in meiner Morgenmail an Jutta Wilke geschrieben habe, dass ich mich endlich wieder als Autorin fühle. Das möchte ich auskosten und dabei gleich auch versuchen, disziplinierter zu schreiben. Dabei greife ich zum selben Trick wie Jutta: Ich schreibe am Morgen. Administrative Arbeiten lege ich auf den Nachmittag, das Einkaufen und die Gartenarbeiten auch. Ich will mich voll auf das Schreiben konzentrieren, in den Fluss kommen. Wie früher, als ich stundenlang geschrieben habe. Dabei bin ich sogar irr genug, Grüntee zu trinken, obwohl ich ihn grässlich finde (na ja, und dazwischen meinen Kaffee, denn ohne geht es einfach nicht). Und wenn’s draussen garstiges Wetter ist, zünde ich auch mal die Kerzen an. Das Dilemma, an welcher Geschichte ich zuerst schreiben will, habe ich umgangen, indem ich an zwei – völlig verschiedenen – Texten parallel arbeite und bei Spaziergängen immer mal wieder die schon vorhandenen Ideen für die nächsten Geschichten weiterspinne und sortiere. 


Ganz ohne Unterbrechungen geht das natürlich nicht. Der Herbst ist auch immer Lesungszeit. Und neu zudem Workshopzeit (dazu mehr in einem der nächsten Blogposts). Diesen Herbst halten sich die Termine im Rahmen. Ich bin einer Einladung aus dem Kanton Aargau gefolgt und werde zum ersten Mal bei den Stadtbasler Lesungen dabei sein. Deshalb habe ich 2020 die Einladung zu den Zentralschweizer Lesungen nicht annehmen können. Drei Lesetouren sind einfach zu intensiv. Dafür reicht es jetzt auch für die eine oder andere private Anfrage, die ich früher öfters schweren Herzens abgelehnt habe, weil der Terminkalender einfach zu voll war. Und: zum Schreiben (ich glaube, das sagte ich schon ...)

Bis Ende Jahr möchte ich das Schreiben in den Vordergrund stellen. Für nächstes Jahr habe ich die Weichen so gestellt, dass ich nebst der Verlagsarbeit, die Anfang Januar wieder mit den Lektoraten beginnt, Zeit zum Schreiben haben werde. Dazu gehört, dass ich in der ersten Jahreshälfte nur zwei Lesetouren machen werde: eine im Kanton Aargau und eine in der Ostschweiz. Der Fokus wird auf einzelnen Lesungen liegen, die ich besser einteilen kann. Es ist ein riesiger Unterschied, ob ich einmal in der Woche einen Tag in Sachen Lesung oder Workshop unterwegs bin oder ob ich eine Woche intensiv auf Lesetour bin.

Mein nächster Anlass wird eine Schreibwerkstatt am 13. Oktober sein. Bis dahin bin ich Autorin. Einfach nur Autorin. Ich freue mich auf jeden einzelnen Tag dieser Schreibzeit.

Samstag, 26. September 2020

Was bei mir los war - ein Update in Kurzform

Wenn ich längere Zeit nichts poste, liegt es meistens daran, dass einfach zu viel los ist. Diesmal war es eine ganze Menge. Ein Update in Kurzform:

Nachdem mein Computer schon in den Sommerferien schlapp gemacht hat, ist er Anfang September, kurz vor unseren Ferien, endgültig ins Cybernirvana hinübergeglitten. Die Zeit, ihn zu ersetzen, fanden wir vorerst nicht denn:

Wir fuhren nach Ligurien, wo wir normalerweise im Frühling hinfahren. Schön war es. Und heiss. Und mit Maskenpflicht fast überall. Die ersten drei Tage verbrachten wir in Camogli, die zweiten vier in Lerici. Für einmal ohne Wandern (zu heiss / Maskenpflicht). Zum Glück hatten wir an beiden Orten wunderbare Terrassen mit Aussicht.


Wieder zu Hause, bestellten wir einen Laptop. Im Büro dient er nur als eine Art Server. Ich arbeite mit Tastatur und Grossbildschirm. Wenn ich in die Berge fahre, hänge ich den Laptop vom System und habe sämtliche Daten dabei. Vor allem aber kann ich in kommenden heissen Sommermonaten mein Büro problemlos in ein kühleres Zimmer oder nach draussen legen.

Am 17. September durfte ich eine Online-Lesung mit einer Schweizer Schule in Brasilien machen. Was für eine Erfahrung! Ich glaube, ich hatte danach den ganzen Tag einen Smile im Gesicht.

Am 18. und 19. September feierten wir gleich zwei da bux Vernissagen: Am 18. in Bern mit Daniele Meocci und seinem Buch "Aktion Klimaschock", am 19. in St. Margrethen mit Maxima Hampel und ihrem Buch "Hochdruck" und Stephan Sigg mit "Null Empfang."


Am 21. September verbrachte ich einen Tag an der Oberstufe in Arbon. Die ersten Lesungen seit langem! 

Am 23. erschien meine dritte Qultur.ch Kolumne. Aus aktuellen Geschehnissen zu einem ganz anderen Thema als geplant.

Ebenfalls am 23. September hätte die Vernissage für Romana Ganzonis Buch "Die Torte" stattfinden sollen. In einer Bäckerei-Konditorei. Wie hatte ich mich darauf gefreut!!! Doch dann kam es anders. In Zeiten von Corona haben wir beschlossen, dass man sich für die Vernissagen anmelden musste. Als eine halbe Woche vorher erst zwei Anmeldungen bei uns eingegangen waren, verschoben wir die Veranstaltung schweren Herzens auf später. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es mehrere Leute gegeben hat, die spontan gekommen wären oder die sich noch am Tag der Veranstaltung anmelden wollten. 

Die letzten beiden Wochen trug ich zudem einen riesigen administrativen Berg ab. Noch ist er nicht ganz weg, aber ich hoffe nun, dass ich in nächster Zeit auch wieder einmal zum Schreiben komme.

Eigentlich wollte ich all die tollen Anlässe einzeln verbloggen, aber Tage danach macht das nicht mehr wirklich Sinn. Deshalb das Kurzupdate. Nun wird es wieder etwas ruhiger bei mir. Der nächste Anlass ist ein Workshop in Lenzburg und gegen Ende Monat bin ich - so Corona es zulässt - dann auf meiner ersten Herbstlesetour.

Mittwoch, 16. September 2020

Zu Gast beim Qultur-Talk

Ich durfte bei Qultur.ch gemeinsam mit Christian Imhof am Tisch Platz nehmen und mit ihm über das Schreiben, Jugendbücher, Lesungen, Musik und vieles mehr unterhalten. Das Resultat ist jetzt online.

Hier der Link zum Qultur-Talk


Montag, 7. September 2020

Wenn der Endspurt am Montag stattfindet

Letzte Woche ist es ruhig geworden im  Blog. Das hat seinen Grund: Ich kämpfte gegen einen Arbeitsberg im Büro und gegen Wildwuchs im Haus in den Bergen. Und dazwischen hängte sich - zum völlig falschen Zeitpunkt - mein Computer auf, schon zum zweiten Mal in kurzer Zeit. Ich fürchte, da hilft nur eine Neuanschaffung, denn ich will nicht tagtäglich auf einem Schleudersitz Platz nehmen, von dem ich jeden Augenblick in den leeren Raum katapultiert werden könnte.

Heute Montag sieht mein Bullet Journal Eintrag so aus. ENDSPURT.

(Anmerkung in Klammer: Ich habe eine neue Spalte eingefügt, in die ich jeden Morgen mein Tagesmotto schreibe.)

Gleich daneben sind mehr Arbeiten aufgelistet als es Platz hat, viele davon administrativer Kleinkram. Dazu gehören zum Beispiel jede Menge Mails: Abklärungen mit da bux Autor*innen, Organisatorisches, Beantworten von Anfragen, Infos usw. Aber auch grössere Arbeiten wie die YA!-Kolumne von Mittwoch. Da hatte ich zum  Glück schon vorgearbeitet. Und die Unterrichtsmaterialen zu zwei da bux Büchern sind auch gestern fertig geworden

Gespurtet bin ich, weil ich mir ab morgen ein paar Tage Auszeit gönne. Richtige Auszeit. Bevor es dann mit voller Geschwindigkeit an Vernissagen und Lesungen geht.

So sah es heute bei mir ziemlich chaotisch aus. Und wie das so ist, an Tagen, an denen sowieso genügend Arbeit auf der Liste steht, kamen noch jede Menge Fragen rein, die ich grad auch noch beantwortete. Jetzt bin ich parat. Also, beinahe. Ich muss nur noch ... ähm, nein, ich muss jetzt nichts mehr.