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Donnerstag, 29. Januar 2026

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Ich bin verloren gegangen. In so vielem. Unter anderem in der Suche nach meinem Wort der Woche. Das WEF in Davos hat mich viel mehr gebeutelt, als ich es zulassen wollte. Kaputte Schutzmembran. Wahrscheinlich nicht stark genug für den Rüpel aus Amerika und all die Tech- und andere Rich-Bros (und ein paar Sis), die die Welt schamlos und jegliche Moral unter sich aufteilen und dann dafür auch noch eine Bühne bekommen. Die Schweiz hat sich wie erwartet geduckt, und ja, auch auf das war ich vorbereitet, aber dann zu erleben, wie der Rüpel als Gast verbal in unser Wohnzimmer kackt und danach verbal auf den gedeckten Tisch kotzt, und Landesregierung das einfach hinnimmt, das war dann doch ein harter Brocken, den es zu schlucken galt. Vor allem wenn man den kanadischen Premierminister gehört hat, einen der wenigen Lichtblicke.

Aber ich verliere mich schon wieder ... 

Wörter, die mir einfielen: Ohnmacht, Wut, Verzweiflung, alles negative Wörter und die wollte ich nicht als Wörter der Woche. Dann kam Minneapolis, und alle Wörter, die mir einfielen waren noch negativer. Ich landete schliesslich bei "Riss". Weil durch mich - wie durch viele von uns - ein Riss geht. Da ist auf der einen Seite das Privatleben, in dem es mir sehr gut geht, auf der anderen Seite die Welt, die total aus den Fugen gerät. Ich hatte schon eine schöne Collage gebastelt, war am Sonntag parat für das Wort der Woche ... aber ich brachte es nicht über mich, am Montag mit dem Wort "Riss" in die Woche zu gehen. Kurzzeitig fiel mir das Wort Mut ein, aber das schien mir in meiner Situation unangebracht, denn mutig empfinde ich die Menschen im Iran, in Minneapolis, in der Ukraine ... 

Am Montagmorgen lief ich am Werdenberger See vorbei. Und da poppte es auf, das Wort. JETZT. Jetzt, dachte ich. Jetzt ist es Zeit, mich zu fragen, wer ich bin, welche Haltung ich habe, was ich tun werde. Jetzt ist die Zeit, der Mensch zu sein oder zu werden, der ich sein will. Mir fielen so viele Jetzt-Sätze ein, die ich in den Blog, in mein Bullet Journal, in mein Buch des Lebens schreiben wollte. Aber da war zu viel los am Montag, am Dienstag auch, also am Mittwoch, dachte ich. In den Bergen, dort, wo ich mich zurückgezogen habe, um in Ruhe zu lektorieren. 

Ich lektorierte. Bastelte nach dem Nachtessen eine JETZT-Collage. Und wieder passte es nicht. Diesmal, weil mir die Collage nicht gelingen wollte. JETZT ist ein gutes Wort. Immer. In jedem Moment des Lebens. Denn JETZT ist gleichzeitig auch immer. JETZT bietet uns in jeder Sekunde des Lebens die Chance, innezuhalten und sich zu fragen, wer man ist oder gerne wäre. 

Und während ich so am Stubentisch sass, näherte sich leise ein Wort. Es flüsterte: "Ich bin es. Ich bin das Wort, das du suchst." Ich schaute es an und sagte: "Danke. Schön, dass du den Weg zu mir gefunden hast."

Heute Morgen, genau jetzt, sitze ich am Stubentisch. Schaue aus dem Fenster. Denke an all die Dinge, die ich gesucht habe und immer noch suche. Eines davon war Schnee. Auch er hat den Weg zu mir gefunden.