Samstag, 10. März 2012

Der Zeigefinger des Schicksals ...

... zeigt immer noch auf mich, meine Beziehung zum Gott aller öffentlichen Verkehrsmittel scheint massiv unter einer Störung zu leiden.

Dabei begann alles so gut. Meine letzten beiden Reisen durch die halbe Schweiz verliefen problemlos. Ich schöpfte Hoffnung. Und auch der gestrige Tag begann bestens: Bis nach Zürich waren wir (die SBB und ich) genau im Plan. In Zürich stieg ich in den Zug in Richtung Basel um. Kurz nach der Abfahrt eine erste Durchsage:

"... bitte nach vorne kommen, mit der Lok stimmt etwas nicht."

Wir rottelten über die Schienen und Weichen und blieben danach konstant langsam. Die zweite Durchsage bestätigte die Ahnung, dass diese Reise nicht so laufen würde, wie sie sollte:

"Unsere Lokomotive ist defekt. Wir können deshalb nur langsam fahren."

Das taten wir dann. Weshalb die dritte Durchsage lautete:

"Wir treffen mit sieben Minuten Verspätung in Baden ein."

Es war Zeit, nach dem Ausdruck zu suchen, auf dem ich die Mobiltelefonnummer meines Kontaktlehrers; Herrn Lachat, notiert hatte. Nur, was sollte ich ihm sagen? Ich wusste bloss, dass wir bis zur ersten Station schon mal sieben Minuten Rückstand hatten. Also wartete ich, in der Hoffnung, bald etwas mehr zu erfahren. Erfahren tat ich nichts, statt dessen fuhren wir. Bei der nächsten Station hielt der Zug ohne einen Hinweis auf irgendeine Verspätung an und fuhr auch so wieder ab. Ich entschied, Herrn Lachat anzurufen und ihn vorzuwarnen, dass ich meinen Anschluss in Rheinfelden wohl verpassen würde, aber leider nicht mehr sagen könne, da ich nicht mehr Infos hätte. Wir entschieden, dass mich Herr Lachat in Stein am Bahnhof abholen würde.

Ich wartete. Überlegte, ob ich irgendwo bei der SBB anrufen und um mehr Infos bitten solle. Dachte zum ersten Mal in meinem Leben darüber nach, ob ein Smartphone vielleicht halt doch die beste Lösung für mich wäre. Einfach so, aus Notfallgründen, damit ich wenigstens virtuell mit der Welt verbunden wäre und allenfalls etwas erfahren könnte. Der Gedanke machte mich nicht unbedingt glücklich (ich will kein Smartphone!).

Dann kam die Rettung in Form von zwei (sehr netten!!!) Zugbegleitern. Sie bestätigten mir, was ich wusste: Nämlich, dass ich meine Anschlüsse mit ziemlicher Sicherheit verpassen würde. Dass die Verspätung zwischen sieben und elf Minuten betragen würde und ich - vorausgesetzt, die Lokomotive würde nicht irgendwo unterwegs ihren Geist aufgeben - mit ca. zehn Minuten Verspätung in Stein eintreffen würde.

Ich brachte dann noch mein Anliegen vor, dass sie doch bitte über Lautsprecher über den Stand der Dinge informieren sollten und traf damit einen Nerv. Der zuständige Begleiter erklärte mir, er sei seit der Abfahrt in Zürich mehr oder weniger nur am Telefonieren. Das verstand sogar ich. Nur: Es hilft mir als Reisende nicht wirklich weiter.

Fazit: Herr Lachat, der mich abholte, war nicht nur wunderbar flexibel, sondern auch wunderbar nett. Die Zugbegleiter ebenfalls. Die Lesung begann pünktlich. Und Herr Gartmann vom Kundendienst Region Graubünden-Walensee der SBB bekommt von mir (nette) Post, die er wohl lieber nicht bekommen würde.

Kommentare:

PvC hat gesagt…

Hhihi, mein erster Gedanke war auch: Warum Schicksal? Vielleicht ist einfach nur die SBB nicht mehr das, was sie einmal war?
Für die nächste Fahrt mehr Glück - wünscht Petra (dank Bahn überzeugte Autofahrerin...)

Anonym hat gesagt…

Den Ärger über die mangelnde Information verstehe ich sehr gut. Aber zehn Minuten Verspätung gleich für einen Zeigefinger des Schicksals und eine massive Störung zu halten, ich weiß nicht ... Bei anderen Verkehrsmitteln (Flugzeug, Auto) würde man eine um zehn Minuten verspätete Ankunft völlig normal finden. Ich bin jedenfalls trotz manchen Ärgers über unsere DB noch nicht zur überzeugten Autofahrerin geworden - zu viele Baustellen, Staus und Raser, die mich mehr Nerven (und Verspätungen) kosten als jeder verspätete Zug.

LG Luise

Alice Gabathuler hat gesagt…

10 Minuten sind nicht schlimm, wenn man zur Enddestination muss. 10 Minuten sind eine Ewigkeit, wenn man den Anschlusszug verpasst (weitere 30 und mehr Minuten zu den 10 dazu) und damit auch den Bus an den Zielort. Damit wäre ich zu spät zur Lesung gekommen. Und das macht sich schlicht und einfach nicht gut, wenn 40 Schüler auf einen warten müssen.

Trotzdem geht es mir wie dir, Louise. Ich fahre längere Strecken fast immer mit der Bahn. Fast immer, weil ich manchmal keine Chance habe, mit dem ÖV rechtzeitig am Leseort zu sein. Für kurze Strecken steige ich vorläufig zurück aufs Auto um.