Sonntag, 13. Februar 2011

Sturmgewehr im Kleiderschrank

Mein letzter Blogeintrag endete mit Zeilen von Elsbeth Maag:

manchmal verlässt dich
das eigene land
es sucht neue wege

Heute ist so ein Tag, an dem ich mich von meinem Land total verlassen fühle. Eine Mehrheit meiner - abstimmenden - Landsleute findet, es sei schon okay, sein Sturmgewehr zu Hause im Kleiderschrank oder unter dem Wohnzimmersofa zu lagern. Der Abstimmungskampf war gehässig, so wie viele Abstimmungskämpfe in der Schweiz gehässig geworden sind, mit lauten Marktschreiern und vor allem mit vielen Leuten, die genau wissen, wie ein senkrechter Schweizer und eine senkrechte Schweizerin zu denken haben. Dass geht so weit, dass sich unsere "Volkspartei" zum Wahlslogan Schweizer wählen SVP hinreissen lassen.
Um auf den Abstimmungskampf zurückzukommen: Wer für die Waffenschutzinitiative war, wurde verbal niedergemäht, schlecht geschrieben, im Notfall zum armeeabschaffen wollenden Staatsfeind. Bei so viel Gift frage ich mich, was aus unserer Demokratie geworden ist.

PS: Der Tag, an dem ich SVP wählen werde, wird nie kommen. Nie. Trotzdem bin ich Schweizerin. Eine ziemlich senkrechte. Nämlich eine chiibig aufrechte. Das gedenke ich zu bleiben.

Kommentare:

Rabenblut hat gesagt…

Habe das auch heute in den Nachrichten gehört und dabei gedacht, dass die Befürworter wahrscheinlich nicht zur Wahlurne getigert sind. Dass dem eine giftige Verbalattacke vorrausgegangen ist, wusste ich natürlich nicht.
Ein holländischer Showmaster hätte wohl dazu gesagt: "Das wäre Ihr Preis gewesen!"
:(

Alice Gabathuler hat gesagt…

Doch, doch ... wir sind schon hingegangen. Es hat einfach nicht gereicht. Manche Abstimmungsresultate tun richtig weh. Dieses ist eins.

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Der moosgrüne Schlafzimmerspannteppich zur Lagerung der Gewehre kommt mir noch in den Sinn,
liebe Alice,
weil ich es genauso gesehen habe.
Vor dreissig Jahren allerdings...

Dein PS. Wort für Wort unterschreibend,
grüsst herzlich Hausfrau Hanna

Anonym hat gesagt…

Die Abstimmung wurde mit 56,4% verworfen. Akzeptiert den Volkeswillen endlich und schweigt!

Alice Gabathuler hat gesagt…

@anonym:
Volkswillen akzeptieren: Ja.
Schweigen: Nein.
Wir haben in der Schweiz immer noch Meinungs- und Äusserungsfreiheit.

Anonym hat gesagt…

Ja, man spürt's! Es wird munter am Waffengesetz weitergewerkelt. BR Sommaruga hat ja selbst am Abstimmungs Abend gesagt, man will alles unternehmen, um das Waffenrecht weiter zu verschärfen.

In der Tat war "schweigt" der falsche Ausdruck. Ich entschuldige mich dafür! Übrigens, es waren bloss 56,3%.

Ich möchte jetzt die Diskussion nicht weiter anheizen. Aber lasst uns doch realistisch bleiben. Es ist doch ein Hobby wie es ein anderes auch ist. Mich persönlich begeistern Waffen schon seit ich 14 Jahre alt war. Ich gebe zu ich bin Waffenfreak, denn ich bin jetzt 41 Jahre alt. Mich persönlich reizten einfach die verschieden Systeme die es gibt. Ich bin in mehreren Schützenvereinen und schiesse Pistolen und Gewehre und auch Sturmgewehre. Jeder hat faktisch das Recht, Schusswaffen zu besitzen, auch Gelegenheitsschützen. Sofern sie aus legalen Quellen stammen! Man kann nicht einfach in ein Waffengeschäft spazieren und eine Waffe kaufen! Es wird immer ein Waffenerwerbsschein verlangt und dieser wird nur von der Polizei ausgestellt. Die ganzen illegalen Waffen welche es in diesem Land gibt sollte man bekämpfen. Aber die sind in den Händen von kriminellen und Mördern! Es sind mehr Waffen aus illegalen Quellen vorhanden als Sie meinen und es wird immer Waffen geben. Die Frage ist nur welcher der beiden Gruppierungen man sie wegnehmen will. Dem treuen Bürger oder den Verbrechern. Ich meine, der Grossteil unserer Politiker gehen den Weg des geringsten Wiederstandes, die dem mündigen Bürger den Zugang zu Waffen verbieten will! mfg. Daniel Lenzin

Alice Gabathuler hat gesagt…

Lieber Daniel

Danke für diesen ausführlichen Kommentar. Sie haben mich mit dem "schweigt" nämlich ganz schön vor den Kopf gestossen!
Jetzt verstehe ich Sie besser - und bin trotzdem anderer Meinung. Aber zum Glück darf man das bei uns auch noch sein.
Wo ich Sie sehr gut verstehe: In Ihrer Frustration darüber, dass an Abstimmungsresultaten heutzutage schon kurz nach der Abstimmung herumgebastelt wird.
Was mir zu denken gibt: Wie sehr unser Land gespalten ist. Viele wichtige Resultate enden beinahe in einem Patt, will heissen, die Resultate sind nicht klar, sondern sehr, sehr knapp. Da bleiben jeweils beide Hälften der Abstimmenden unglücklich zurück.

Herzliche Grüsse und nochmals danke für Ihren erklärenden Kommentar.