Samstag, 1. Juli 2017

Bestseller-Luft schnuppern

Ich lege hier gerade ein kleines Freudentänzchen hin. Mein "Blackout" schnuppert bei Buchhaus.ch ein wenig Bestseller-Luft.


Das Buchhaus (Balmer, Lüthy und Stocker) ist in der Schweiz so ziemlich die einzige Buchladenkette, die meine Bücher gut sichtbar im Laden führt. Es gibt Ketten, die meine Bücher gar nicht in den Regalen haben und dann noch jene, auf denen irgendwo in einem Regal unter dem Buchstaben G eins oder zwei meiner Bücher praktisch unsichtbar eingequetscht sind. Ganz ehrlich: Ja, das nervt, vor allem in der Schweiz. In Deutschland verstehe ich das (die haben selber sehr viele gute deutsche AutorInnen), aber in der Schweiz erwarte ich, dass die eigenen AutorInnen ein besseres Plätzchen bekommen (oder wenigstens ein Plätzchen).

Vor ungefähr zwei Jahren habe ich deshalb eine der Ketten angeschrieben. Ich war damals auf Zürcher Lesetour und auf die Frage, wo man meine Bücher denn kaufen könne, konnte ich nicht einmal auf diese Kette verweisen, denn ich wusste, dass meine Bücher dort nur in absoluten Kleinstmengen (wobei hier Menge das total falsche Wort ist) im Laden zu kaufen waren. Meine Mail war zugegebenermassen etwas direkt, aber nicht unhöflich. Unter anderem schrieb ich, dass ich es langsam leid bin, bei allen meinen Lesungen auf die Frage "Wo bekomme ich Ihr Buch?" auf den lokalen Handel hinzweisen, wenn ich doch genau weiss, dass der lokale Handel meine Bücher höchst selten führt - und ich so langsam zur Antwort "bei Amazon" tendiere. Der einzige Grund, dies nicht zu tun, liegt an den kleinen Buchläden und Ketten wie dem Buchhaus. Also an Buchhandlungen, in denen engagierte BuchhändlerInnen nicht einfach nur die Massenware verkaufen, sondern eben auch Bücher wie meine.

PS: Die Antwort der angeschriebenen Ladenkette hat mich dazu gebracht, dort im ganzen Leben nie mehr ein Buch zu kaufen: "Empfehlen Sie doch statt Amazon unseren Online-Shop." Nö, Leute. Einfach nö. Ich empfehle immer noch die kleinen, lokalen Buchläden - und das Buchhaus :-)

Freitag, 30. Juni 2017

Voll Risiko

Die Idee verdanke ich meiner Tochter. Sie machte ein Praktikum an einer Heilpädagogischen Schule und bat mich um Lesefutter für ihre Jugendlichen. Ich gab ihr das einfachste Buch, das ich finden konnte.

Sie: Zu schwierig.
Ich: Dann schreib ich was für diese Jungs und Mädels.

Das war vor mehr als zwei Jahren. Erst einmal gründete ich zusammen mit Tom Zai und Stephan Sigg den da bux Verlag, in dem wir einfache, aber packende Geschichten für leseschwache Jugendliche veröffentlichen. Im zweiten Programm ist nun mein Buch für Heilpädagogische Schulen sowie den Deutschunterricht für jugendliche Migranten und extrem leseschwache Jugendliche dabei.

Ich wusste, dass sehr einfach schreiben sehr schwierig ist. Und so war es dann auch, vor allem, weil ich mich nicht an die Normen der "einfachen Sprache" halten wollte, sondern lebensechte Geschichten aus dem Herz und dem Bauch heraus schreiben wollte. Zum Glück hatte ich mit Tom Zai einen wunderbaren Lektor an meiner Seite (DANKE!)

Im September geht das Buch in den Praxistest, also in die Klassenzimmer zu den Jugendlichen. Ich bin gespannt! Zu weiteren Infos und zur Leseprobe geht es hier.


Sonntag, 25. Juni 2017

Wie ich fast youtube-Star wurde

Ich wollte ja youtuber-mässig auf megacool machen. Auch mal so ein "unboxing"-Video drehen, wo aufgeregte booktuber gefühlte zwei Stunden lang mit Scheren herumfuchteln, Schachteln in die Höhe halten, um sie dann wie Wundertüten zu öffnen, natürlich nicht, ohne mindestens 100 Mal zu erwähnen,von wem denn die tollen Artikel kommen, für wen sie sind, wie sehr sie sich darauf freuen, sie "gleich" zu sehen und was sie dann damit machen, falls sie es noch in diesem Leben schaffen, die Box zu knacken. Kurz: Ich wollte auch mal aus dem Öffnen einer Schachtel eine abendfüllende Show mit grenzenlosem Unterhaltungswert machen.

Und dann hat Herr Ehemann das Paket geöffnet, während ich meine Blümchen im Garten gegossen habe. Tja, das war's dann mit den 100'000 Klicks und dem grossen Ruhm.

Deshalb ohne Video, ohne Scheren, ohne Show: Hier sind sie, die Autogrammkarten zu meinem neuen Buch.


PS: Ihr könnt meinen youtube-Kanal auch boosten, indem ihr ihn abonniert. DANKE.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Mit Krönchen, aber keine Prinzessin

Stell dir vor, du bekommst einen Preis und hast keine Ahnung.

Das kam so: Herr Ehemann und ich fuhren Anfang Juni in die Ferien, und in den Ferien bin ich offline. So ziemlich, wenigstens. Natürlich gucke ich ab und zu in meine Mails, vor allem während der letzten Ferien, weil wir mit unserem Verlag da bux gerade in einer entscheidenden Vorbereitungsphase stecken. In der ersten Woche war das schwierig, weil wir in einem Bergdorf in einem Haus ohne Internet wohnten - eine sehr langsame Verbindung gab's an der 11 km entfernten Strandbar und ihr versteht sicher, dass ich nur die Verlagsmails geöffnet und beantwortet habe. So habe ich denn auch eine Mail, die sehr nach Spam aussah, gar nicht erst geöffnet (es wäre die Mail gewesen die mich wenige Tage vor der Preisverleihung über die Nomination informiert und zur Preisverleihung eingeladen hat).

Als ich mich nach zwei Wochen wieder in meine Social Media Kanäle einklinkte, guckte mir eine fröhliche Elena Rutman mit Krönchen auf dem Kopf entgegen und gratulierte mir zum Preis. Zum Glück erwähnte sie auch, was für ein Preis und wofür. Sonst hätte ich nämlich echt nur Krönchen verstanden.

Auf gut Schweizerdeutsch ist ein Krönchen: "Es Chrönli". So eins habe ich gewonnen, also, nicht einfach eins, sondern ein goldenes - "es goldigs". Für meine Hörgeschichte "Dr magisch Adventskalender". Natürlich habe ich den Preis nicht alleine gewonnen! Er ging an den Zytglogge-Verlag, der die Geschichte als CD herausgab. Er ging auch an die wunderbare Elena Rutman, die das Hörspiel für Zambo produziert hat und daraus einen akustischen Lecker- respektive Hörbissen gemacht hat. Grosses, grosses Ohrenkino!!!

Verliehen wird "sGoldig Chrönli" von der Vereinigung zur Förderung Schweizer Jugendkultur, die damit kindergerechte Schweizer Mundartproduktionen auf Tonträgern auszeichnet. "Dr magisch Adventskalender" hat den ersten Preis erhalten und das Gütesiegel BE (Besonders empfohlen).

Ich habe heute mit Elena gesprochen. Sie war an der Preisverleihung. Und sie hat dort ein paar mutige Worte gesagt. Nach all den lobenden Worten durch Redner, nach all der Betonung, wie wichtig solche Produktionen sind. Nachdem sie nicht nur das erste "Chrönli 2017" für den 1. Platz, sondern auch das zweite für den dritten Platz erhalten hat, hat sie gesagt: "Mir ist gekündigt worden."

Man könnte sagen: Das war der falsche Ort für solche Worte. Ich behaupte: Es war genau der richtige Ort für solche Worte.

Und wenn  wir grad bei offenen Worten sind: Ich bin im Augenblick an der Kinder- und Jugendbuchmesse "Buch am Bach" in Götzis. Ebenfalls dort ist Michaela Holzinger, eine liebe und vor allem wahnsinnig toll schreibende Autorenkollegin aus Österreich. Wenn sie mir erzählt, wie viel Österreich für das Kinder- und Jugendbuch tut, werde ich grün vor Neid, aber auch bitter und zornig. Ich empfinde die Schweiz in dieser Hinsicht als Wüste.

Ich war nicht an der Preisverleihung (hab ja nicht gewusst, dass es eine gibt, und schon gar nicht, dass ich nominiert war). Ich möchte aber auch gerne etwas sagen, egal wie das bei euch ankommt:

Liebes Amt für Kultur im Kanton SG, in all den Jahren, in denen ich Gesuche um einen Werkbeitrag für meine Texte eingereicht habe, war ich euch nie gut genug. Ein klärendes Gespräch Anfang Jahr hat mir klar gemacht, dass ich auch niemals gut genug sein werde für einen Werkbeitrag (warum das so ist, habe ich leider nur ansatzweise verstanden). Tja, für Preise bin ich gut genug, liebes Amt für Kultur. Das Chrönli ist mein zweiter (nach dem Preis für den besten deutschsprachigen Jugendkrimi 2014). Und deshalb setze ich es jetzt sogar für einen Augenblick auf, obwohl ich nie Prinzessin sein wollte. Einfach, weil es gottvergessen guttut. Tschacka!

PS: Wer den Beweis braucht: Hier klicken.