Sonntag, 12. November 2017

Die Sinnfrage hat sich geklärt

Monatelang habe ich wenig bis nichts geschrieben. Es ging nicht mehr. Nicht, weil ich eine Schreibblockade hatte (ich glaube nicht an Schreibblockaden), sondern weil mich die Branche, in der und für die ich arbeite, schlicht zermürbt hat. Ich sah nicht mehr ein, weshalb ich für extrem wenig Geld monatelang an einem Buch arbeite, das dann im Meer der Neuerscheinungen gnadenlos absäuft, u.a. weil mein Titel einfach ein Katalogfüller ist, den man mehr oder weniger sich selbst überlässt. Ich brachte keine Motivation mehr auf, mich für einen bescheidenen Vorschuss auf eine Deadline hin abzuhetzen. Da arbeitete ich lieber für den eigenen Verlag, wo das mit dem Geld zwar auch (noch) nicht wirklich stimmt, dafür die Chemie zwischen uns drei Verlegern und unseren AutorInnen. Ich war lieber im Garten, in den Bergen oder mit einem Pinsel in der Hand unterwegs. 2017 war das erste Jahr, in dem ich vertragslos blieb. Ich hatte zwar tolle Ideen für Geschichten, sah aber keinen Sinn mehr darin, sie aufzuschreiben. Es gibt für alles eine Schmerzgrenze, und die hatte ich mehr als erreicht.

Dann fuhr ich nach Laichingen. Die Autorenbetreuung hätte nicht besser sein können, die Organisation auch nicht, die Lesungen schon gar nicht. Ich schaute in die Gesichter meiner jugendlichen ZuhörerInnen und wusste wieder, warum ich schreibe. Voller Übermut meldete ich mich bei NaNoWriMo an, das ich im Augenblick voll durchziehe. Dann kamen die Zentralschweizer Lesungen (was das "Volldurchziehen" von NaNoWriMo etwas schwierig macht). Am Donnerstagabend kam ich von der ersten Lesewoche zurück, voller Eindrücke und Erinnerungen. Herr Ehemann und ich haben beim gemeinsamen Nachtessen über meinen Beruf geredet. "Blende die Branche aus", hat er gesagt. "Für die tust du das nicht. Du tust das für die Jugendlichen, für deine LeserInnen." Er hat recht. Und wisst ihr was? Ich tu es auch für mich.

Am Dienstag bin ich für Lesungen in Feldkirch, nächste Woche kehre ich für eine weitere Lesewoche nach Luzern zurück. Ich werde tolle Begegnungen haben, in den lesefreien Zeiten meinen NaNoWriMo-Text in die Tasten hauen - und im Dezember mein Kinderbuch in Angriff nehmen. Dabei werde ich mein ureigenes GaPriWriMo-Dezemberschreiben veranstalten (Gabathuler's Private Writing Month). Ohne Vertrag, ohne Deadline. Anfang nächstes Jahr werde ich beide Projekte - meine NaNoWriMo Geschichte und meine Kindergeschichte - überarbeiten und dann schauen, was ich damit mache.

1 Kommentar:

Jutta Wilke hat gesagt…

Liebe Alice,
ich kann das so gut nachfühlen, weil es mir ganz genauso geht. Aber trotz Lesewochen schreibe ich. Und zwar für mich, für die Geschichten, die aus mir raus wollen und für die Jugendlichen, denen ich diese Geschichten erzählen will.
Die eine liegt mit Leseprobe bereits seit einem halben Jahr beim Verlag, der sich nicht entscheiden kann. Mir ist es inzwischen wurscht. Ich warte nicht länger. Ich mach einfach. Und es geht mir gut damit.
Viel Spaß bei deinen Lesungen und weiter fröhliches Schreiben!

*drück*
Jutta