Sonntag, 1. Januar 2012

Eine frisch verschneite Wiese

Ein neues Jahr ist für mich eine frisch verschneite Wiese: wie eine Verheissung liegt es noch unberührt vor mir. Ich freue mich jedes Jahr auf die neuen Schritte und die ersten Spuren. Der Zufall wollte es, dass für mich der Jahresanfang schon auf den letzten Tag des vergangenen Jahres fiel. Wie es dazu kam, ist nicht wichtig (hat was mit meiner Schusseligkeit zu tun). Wichtig ist: Ich fuhr gestern, am letzten Tag des alten Jahres, alleine in die Berge.

Schon die Fahrt durch die tief verschneite Rheinschlucht war ein einmaliges Erlebnis. Die Rheinschlucht ist ein Stück wildes, unberührtes Land in unserer überbauten Schweiz. Wenn man in sie hineinwandert, bleibt alles andere zurück. Es gibt keine Strasse durch die Schlucht, nur eine Bahnlinie, jene der rätischen Bahn, so etwas Ähnlichem wie einer roten Miniatureisenbahn. Ich habe jede Sekunde dieser Fahrt in mich aufgesogen und ihr einen Logenplatz in meiner Erinnerung geschaffen.

In Ilanz wechselte ich aufs Postauto und fuhr damit ins Val Lumnezia. Beim Altersheim stieg ich aus und lief die Strecke zum Haus hoch. Schon in der Einfahrt versank ich weit über die Knie im fluffigen Neuschnee. Wie ein kleiner Schneepflug schlug ich mich zur Haustür durch. Lange blieb ich nicht. Es reichte, einen Kaffee zu trinken, den Vogelfuttervorrat aufzufüllen, eine Weile lang den Vögeln zuzusehen, ein paar Fotos zu schiessen und mich als glücklichsten Menschen auf diesem Planeten zu fühlen. Danach ging's zurück.

Ich wartete im grössten Schneetreiben eine kleine Ewigkeit auf das Postauto. Als es endlich kam, reichte es nur noch für einen Stehplatz und obwohl wir viel zu spät waren, um den einmal pro Stunde fahrenden Zug noch zu erreichen, ärgerte sich niemand. Niemand war gereizt. Niemand wurde laut. Es war tiefster Winter und der tiefste Winter macht sich seine eigenen Gesetze. Es war, als würde die Zeit anhalten und uns am Ende des Jahres bewusst machen, wie wenig wichtig sie doch ist.

Zuhause dann, da explodierten kurz vor Mitternacht in unserem Wohnviertel ungefähr eine Zillion Munitionsdepots (so zumindest klang es). Jeder Hüüslibesitzer wollte sein eigenes Feuerwerk für sich. Jeder das grössere, bessere, coolere und längere. Den Rekord hält ein Nachbar, der mit seinem Feuerwerk im Alleingang jede Kleinstadt-Neujahresfeier mit links überboten hat. Der Begriff "sich die Birne zuzuknallen" erhielt eine neue Bedeutung. Da war kein Raum für Stille mehr. Vielleicht wurde mit diesem Geballer das Jahr 2011 erschossen. Oder die Hoffnung auf ein besser 2012 laut in den Himmel geschrieen. Vielleicht ist das einfach die ganz neue Art, den Jahreswechsel zu feiern. Keine Ahnung. Mir ist die verschneite Wiese lieber.

Wasserfall hinter dem Haus

Blick ins Tobel (Jutta, der kleine Vorwitzige ist Hermann)

Weg zum Haus

Warten an der Bushaltestelle

Freitag, 30. Dezember 2011

Bunter Jahresausklang

Bin ich froh, liest Frau Tochter, was sie liest (gestern ihre Punkzeitschrift, deren Schrift so klein ist, dass man mit Vorteil 17 ist oder eine gute Brille hat)... und mir dann davon erzählt (ich bin nicht mehr 17 und meine Brille habe ich im Haus in den Bergen vergessen). Dank Frau Tochter und ihrer Lektüre weiss ich seit gestern, dass es Urban Knitting und Guerilla Gardening gibt. Ich mache es kurz: Ich bin begeistert! Guckt doch mal hier und hier.

Weder Urban Knitting noch Guerilla Gardening sind neue Phänomene. Ich staune immer wieder, was ich im Leben so alles verpasse. Ein guter Grund, noch weniger Alltagsgefangene und noch mehr Perlentaucherin zu werden. Denn es gibt sie, die Perlen und die bunten Steine im Leben. Man übersieht sie nur häufig im Grau des Nachrichtenalltags mit all seinen Schreckensmeldungen. In diesem Sinne: Augen auf im neuen Jahr!

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Social Media. Der Saft ist raus.

Mich langweilt das ganze Social Media Zeugs. Facebook, Twitter, Google +, alles. Den Twitter Account habe ich gelöscht. Mein Google + Account ruht friedlich vor sich hin. Facebook interessiert mich nicht, hat mich privat ehrlich gesagt noch nie interessiert. Es ist so, wie Manfred Messmer in seinem Blog schreibt: "ES TUT SICH NIE ETWAS INTERESSANTES AUF FACEBOOK!" (Die Grossbuchstaben sind von ihm, nicht von mir - es muss ihn also gewaltig langweilen.) Es ist Smalltalk. Es ist Werbung für sich oder das Produkt, das man anpreist. Wobei mir scheint, dass das manchmal genau dasselbe ist. Ich bin keinen Deut besser. Privates werde ich NIE auf Facebook stellen. Wenn andere es tun, zieht sich in mir alles zusammen, weil ich mir vorstelle, wer da alles mitliest. Bleibt das Berufliche. Was dann wohl Werbung ist. Damit gehöre ich, fürchte ich, für Herrn Messmer zu jenen von seinen Freunden, von denen er nur Schrott liest. Ich kann ihm nicht einmal widersprechen, denn was ich auf FB von mir oder meiner Arbeit preisgebe, ist nicht das wirklich Interessante. Das wirklich Interessante tausche ich privat aus.

Es wäre also konsequent, wenn ich meinen FB Account löschen würde. Aus persönlichen Gründen, aber auch aus jenen Gründen, weshalb ich mit FB nie richtig warm geworden bin: FB sammelt mir zu viele Daten. Viel zu viele Daten. Wer mehr darüber wissen will, folge doch bitte dem Link im Blogeintrag von Herrn Messmer (siehe Link weiter oben).

Warum ich es nicht tue: Weil ich ein Feigling bin. Weil ich mir einrede, ich müsse von Berufswegen einen FB Account haben. Weil die Leute da draussen doch irgendwie erfahren müssen, was es von mir Neues gibt. Weil ich zu einigen Leuten nur per FB Kontakt habe. Aber immerhin gibt es mittlerweile immer häufiger Tage, an dem ich mir das mit dem Löschen ernsthaft überlege.

UPDATE: Ich habe mich entschieden, meinen FB Account stehen zu lassen, aber nicht mehr zu nutzen - ausser für gelegentliche Meldungen auf meiner Autorinnenseite. So ganz zufrieden bin ich mit dieser Lösung nicht, aber es ist die, mit der ich im Moment leben kann.

Samstag, 24. Dezember 2011

Power of words



(danke an Jonny Gauer für den Link)

Für die Festtage eingedeckt ... und Frage 15 von 81

Ich habe mich für die Festtage eingedeckt. Mit Büchern :-) Was mich direkt zu Frage 15 bringt:


Nein.

Weil Herr Sohn sehr viel mehr liest als ich (ich kenne niemanden, der mehr liest als er). Leider sind unsere Lesegeschmäcker nicht kompatibel. Wären sie es, müsste ich wohl nie wieder ein Buch kaufen. Bei Orks, Zwergen, sprechenden Bäumen und kämpfenden Stämmen muss ich jedoch passen.

Weil Frau Tochter von langjähriger (Fastnicht)Leserin zu einer der spannendsten Leserinnen geworden ist, die ich kenne. Sie liest Dinge, die sonst niemand liest, den ich kenne. Im Gegensatz zu den Büchern von Herrn Sohn greife ich sehr gerne nach ihren Büchern, die von abgedrehten amerikanischen Kurzgeschichten bis hin zu Fachliteratur über die Geschichte des Punks reichen.Mittlerweile liest Frau Tochter also mindestens gleich viel wie ich, in Phasen, in denen ich schreibe, ganz bestimmt mehr als ich.

Nach der Lesegewohnheit von Herrn Ehemann wurde zwar nicht gefragt. Es sei jedoch verraten, dass auch er ein überzeugter Leser ist. Womit ich in einem Haus mit lauter Lesefreaks wohne. Ich bin nicht einmal die Einzige, die in unserer Familie schreibt. Ich bin also bestens aufgehoben :-)

Nun freue ich mich auf die Festtage - mit all den Büchern, die  ich mir gekauft habe. Unter anderem dem ersten Erwachsenenroman von Kevin Brooks.