Mittwoch, 23. Februar 2011

Spamfilter für Telefon

Ich brauche einen Spamfilter für mein Telefon. Dringend. Heute. Jetzt. Gleich.

Als Autorin arbeite ich zu Hause. Wenn das Telefon klingelt, könnte es also nicht nur ein privater, sondern auch ein geschäftlicher Anruf sein. Sprich: Ich muss den Anruf entgegennehmen. Dann geht's los. Rentenversicherungen, Fusscreme, Zeitschriftenabos, Deutsche Klassenlotterie und und und und und und und und und ...alle wollen mir etwas verkaufen.

Gestern hat zum zweiten Mal in zwei Tagen irgendeiner angerufen, der sich um meine Rentenvorsorge sorgt. Beim ersten Mal habe ich ihn seinen gaaaaaaaanzen laaaaaaangen Einleitungstext heruntermümmeln lassen und dann gesagt: "Schön haben Sie das vorgelesen, junger Mann." Und dann aufgehängt. Beim zweiten Mal habe ich den Hörer auf den Tisch gelegt.

"Was machst du da?", fragte mein Herr Ehemann.
"Jemanden reden lassen", anwortete ich.
"Das kannst du doch nicht machen!"
"Doch, kann ich."
"Aber ..."
"Der redet jetzt erst mal zwei Minuten. Lass ihn nur."
"Leg doch wenigstens auf", bat mein Mann.
"Nein! Der soll sein Textchen brösmeln und sich dann fragen, wo ich abgeblieben bin."
 Herr Ehemann guckte fast ein wenig mitleidig auf das Telefon. Irgendwann sagte er: "Ich glaube, der hat aufgelegt."
"Gut", antwortete ich und legte auch auf.

Ich habe mir schon überlegt:
- mit einer Trillerpfeife die Ohren des Anrufers zu quälen
- dem Anrufer etwas vorzusingen (was fast noch schlimmer ist als die Trillerpfeife)
- Sinnloses Zeug zu brabbeln
- den Anrufer reden zu lassen und ihn dann bei der ersten Pause zu bekehren versuchen (Sie müssen an die Kirche des achten Telefonats glauben, sonst wird das nix mit Ihrem Anruf ...)
- den Spiess umzudrehen und dem Anrufer meine Bücher aufschwatzen.

Im Moment wäre mir aber der Spamfilter am liebsten. Weil mein Bedarf an unerwünschten Anrufen für heute gedeckt ist. Darf ich eine Frage in die Runde werfen: Kennt ihr jemanden, der sich NICHT nervt ob solchen Anrufern?

PS: Meine Kollegin Jutta Wilke hat kürzlich etwas zu abtauchenden Autoren geschrieben. Genau das werde ich morgen früh tun. Ins Haus in den Bergen abtauchen. Dort habe ich Zeit zum Schreiben - und ausser meiner Familie kennt NIEMAND meine Telefonnummer. Ufff!!!!

Montag, 21. Februar 2011

Literarischer Staffellauf

Rabenblut hat mir ein Staffellauf-Stöckchen in Form von spannenden Fragen zum Thema Literatur zugeworfen. Ich habe mich an Antworten versucht.

Gebunden oder Taschenbuch?
Taschenbuch. Weil es handlicher ist. Manchmal, wenn ich nicht warten kann, kaufe ich aber auch die gebundene Ausgabe.

Amazon oder Buchhandel?
Buchhandel, Buchhandel, Buchhandel. Am liebsten der lokale.

Lesezeichen oder Eselsohr?
Oha! Puristen bitte Antwort überhüpfen: Eselsohr. Oder ich lege es aufgeklappt auf den Nachttisch. 

Ordnen nach Autor, Titel oder ungeordnet?
Ungelöste Frage. Im Moment: Nach Autoren und Sparten. So stehen zum Beispiel die Jugendbücher in einem eigenen Bereich. Meistens aber stehen sie nicht im Regal, sondern stehen in Stapeln herum, in allen Zimmern, überall.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?
Die, die mir viel bedeuten, behalte ich. Die anderen bleiben eine Weile bei mir und wenn die Regale wieder voll sind, gebe ich sie weg.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?
Bleibt am Buch.

Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?
Mit. Und mich darüber ärgern, dass da was rutscht. Taschenbücher sind halt doch die besseren (nicht schöneren) Bücher.

Kurzgeschichte oder Roman?
Roman.

Aufhören, wenn man müde ist oder wenn das Kapitel zu Ende ist?
Wenn das Buch fertig ist - oder ich einschlafe.

„Die Nacht war dunkel und stürmisch“ oder „Es war einmal“?
Die stürmische Nacht.

Kaufen oder leihen?
Kaufen.

Neu oder gebraucht?
Neu.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?
Bücher von KollegInnen stehen ganz oben. Dann neue Bücher von LieblingsautorInnen.  Dann stöbern. Bestsellerlisten lassen mich eiskalt.

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?
Geschlossen und offen - ich mag beides. Wobei das offene Ende kein Cliffhanger sein darf (ausser das Buch wird als Serie verkauft).

Morgens, mittags oder nachts lesen?
Immer.

Einzelband oder Serie?
Beides.

Lieblingsserie?
Mallory-Romane von Carol O'Connell. (Und zwar schon bevor diese doofen "Wer Stieg Larson mag, mag auch Carol O'Connell"-Sticker auf den Büchern drauf waren). In der englischen Originalversion. Dazu kommt Harry Bosch von Michael Connelly (aber nur der frühe Bosch; der spätere hat stark nachgelassen). Petra Ivanovs lose Serie von Jugendbüchern (Reset, Escape, Delete).

Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?
"The flight of the stone angel" von Carol O'Connell.

Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?
"Killing God" von Kevin Brooks. Auch ganz weit oben auf meiner Bestenliste vom letzten Jahr: "Crank" von Ellen Hopkins und "Ihr mich auch" von Michael Borlik.

Welches Buch liest du gegenwärtig?
"Das Serienmörder-Prinzip" (Sachbuch zwecks Recherche) und "Infinity" von Gabriele Gfrerer

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?
Ist wie beim Lieblingssong - das wechselt. Ausserdem habe ich mehr als eins (siehe nächste Frage).

Lieblingsautoren?
Kevin Brooks. Carol O'Connell. Dennis Lehane. Weil die Sätze schreiben, die sich in die Haut ritzen. Dann gibt es noch AutorInnen, die das mit einzelnen Büchern schaffen. Zum Beispiel Frank Reifenberg mit "Landeplatz der Engel". Oder von früher Susan E. Hinton mit "Outsiders" und "Rumble Fish". Ich mache hier mal einen Stopp - bevor ich nicht mehr anhalten kann.

Mein Stöckchen resp. Staffelholz werfe ich Hausfrau Hanna und Li+Belle zu und hoffe, sie fangen es gerne auf.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Eine Schuhnummer zu gross

Besser als Bloggerkollege Manfred Messmer kann man es nicht auf den Punkt bringen. Ich ziehe meinen Hut und empfehle diesen Beitrag. (Beim Lesen bitte etwas Geduld haben; in den ersten paar Absätzen holt Herr Messmer Anlauf ...)

flight of the stone angel

Auf meinem Buchregal steht ein total abgegriffenes, zerfleddertes Buch. Es heisst "flight of the stone angel" und ist einer der Gründe, weshalb ich schreibe. Ich habe dieses Buch vor Jahren per Zufall gefunden, in der englischen Ausgabe, verliebte mich auf Anhieb in den Titel, um dann beim Lesen total in den Bann der Hauptfigur Kathy Mallory zu fallen - und in den Bann von O'Connells Schreibstil (und beschloss, dass ich SO schreiben können wollte). Ich merkte ziemlich schnell, dass ich mit "flight of the stone angel" nicht den ersten Teil der Mallory-Reihe erwischt hatte, sondern jenen, in dem man erfährt, weshalb Kathy Mallory eine durch und durch kaputte (seelenlose) Person ist, und habe mir in kurzer Zeit die vorhergehenden Bände reingezogen.

Warum ich das erzähle?

Bei mir liegen die angefangenen Antworten zu Rabenbluts Staffellauf-Fragen. Eine davon lautet: "Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand etwas gehört hat." Mir fiel dazu sofort "flight of the stone angel ein". Doch dann war ich in der Buchhandlung und entdeckte .... die Kathy Mallory Romane. Mit einem Sticker drauf. "Wer Stieg Larssons Lisbeth Salander mag, mag auch O'Connells Kathy Mallory." (oder so ähnlich). Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand etwas gehört hat ... das könnte also schon bald nicht mehr stimmen. Bevor ihr jetzt losrennt und die grandiosen Mallory-Bücher kauft, zwei wichtige Tipps:

NICHT, NICHT, NICHT den deutschen Klappentext von "Der steinerene Engel" lesen. Er enthält einen grässlichen Spoiler. Mir ist beinahe die Luft weggeblieben, als ich diesen Klappentext das erste Mal sah (zum Glück erst, nachdem ich das Buch in der Originalversion gelesen hatte). Er verrät den Höhepunkt, auf den alles im Buch hinausläuft und bei dem man das Lesen kaum noch erträgt. Ich finde auch den deutschen Titel mehr als schwach, denn der Flug des steinernen Engels hat  ... ach nein, selber lesen ...

Generell: Wenn das Englisch reicht, die Mallory-Romane in der Originalversion lesen. Und vielleicht nicht unbedingt mit "Flight of the stone angel" anfangen ... sondern am Anfang.

Originalklappentext zu flight of a stone angel
The young stranger came to town just past twelve noon. Within an hour, the idiot had been assaulted, hands bloodied and broken; Deputy Travis suffered a major stroke at the wheel of his patrol car; and Babe Laurie was found murdered. The young stranger who had preceded all of these events was sitting in a jail cell...That stranger is Kathy Mallory. Having left her detective's badge back in New York, she has made her way to Dayborn, a small town in the wetlands of Louisiana. There, seventeen years earlier, an unspeakably brutal act had changed her life forever. Now she is back to take a very personal revenge...

Montag, 14. Februar 2011

schweiz, schweizer am schweizerischsten

Den Tatort vom 17. April 2011 können wir (noch) nicht gucken. Er wurde zurück ins Überarbeitungscamp geschickt. Eine der Begründungen: zu viele Schweizer Klischees. Aha.

Vielleicht sollte man unter diesem Aspekt auch unsere Parteien zurück ins Überarbeitungscamp schicken:

SVP: "Schweizer wählen SVP."
FDP: "Aus Liebe zur Schweiz."
CVP: "Keine Schweiz ohne uns."
BDP: "Wir finden Schweizer Frauen einzigartig."

Das macht mich dann
- im Fall der SVP zur Nichtschweizerin
- im Fall der FDP zur Lieblosen
- im Fall der CVP zur Landesabschafferin
- im Fall der BDP uneinzigartig (denn ich bin ja keine Schweizerin).

Und falls jemand fragen wollte: Nein, bei den anderen Parteien sieht es nicht besser aus.

Grünliberale: Jetzt. Aber auch morgen. (Was passiert jetzt? Und was vielleicht morgen? Und was ist mit übermorgen?)
Grüne: Echt grün. Echt stark. (Echt?)
SP: Ja. (Ja, was ...?)

PS: Im Herbst sind Wahlen. Ich bin ratlos wie nie zuvor.