Mittwoch, 18. Juni 2008

Enttäuscht

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Kürzlich habe ich mir Bücher von Schweizer Autoren gekauft, die ich endlich einmal lesen wollte.

Den Alex Capus, auf den ich zwar sehr neugierig war, aber an den ich keine Erwartungen hatte, habe ich verschlungen und auf die Liste der "mehr davon" Autoren gesetzt. Unbedingt und auf jeden Fall "mehr davon"!

Und da war jener Schweizer Autor, von dem ich mir nach all den Buchbesprechungen so eine Art Offenbarung erwartet habe. Das mit den Erwartungen ist so eine Sache. Leider. Ich gestehe: Ich lese mich im Moment mehr und mehr frustriert durch das Buch, das ich schlicht und einfach als langweilig empfinde. Am meisten weh tut mir, dass ich mit der Erzählsprache des Autors absolut nichts anfangen kann; ja, mittlerweile nerven mich die vielen indirekten Reden, die vielen "sagte".

Jedes andere Buch würde ich weglegen. Dieses kann ich nicht weglegen. Ich will, dass es besser wird. Ich "mag" den Autor - so weit man das von jemandem sagen kann, den man nur aus Buchbesprechungen, Interviews und Reportagen kennt. Und selbst wenn ich an diesem Buch nichts Gutes finde, werde ich ein zweites kaufen. Und darauf hoffen, dass mir das zweite besser gefällt als das erste; dass ich das finde, was allen anderen offensichtlich ist und mir verborgen bleibt bei diesem Buch.

Als Autorin weiss ich, dass man nie für alle schreiben kann, dass es immer Leser und Leserinnen gibt, die mit den Büchern, die ich schreibe, nichts anfangen können. Das ist weder tragisch noch das Ende der Welt (es gibt ja viele Bücher). Aber noch bei niemandem habe ich mir so sehr gewünscht, dass mir seine Bücher gefallen, wie bei diesem Autor. Ich gebe nicht auf!

Montag, 16. Juni 2008

Es ist da! Und schon wieder weg :-)

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In den Wochen vor dem Erscheinen eines neuen Buches steigt die Spannung. Ich kann es kaum erwarten, das erste Exemplar in meinen Händen zu halten. Und so wird der Postbote plötzlich zu einer sehr wichtigen Person in meinem Leben. Zwei Chancen habe ich jeden Tag: Eine kleine am Morgen (da dreht der Postbote seine normale Runde) und eine am Nachmittag (da kommt die Paketpost).

Letzten Freitag erlöste mich der Postbote von meinem Warten, für einmal weder am Morgen noch am Nachmittag, sondern zur Mittagszeit - in dem Paket, das er ablieferte, befand sich eine Ausgabe von "Das Projekt".

Erster Gedanke: WOW! Schön, ist es geworden. Es sieht real noch viel besser aus als auf den Photos.

Zweiter Gedanke: Huch, ist das dick! Natürlich nichts im Vergleich zu den Fantasyschinken, die Sohnemann liest (zwischen 800 und 1000 Seiten sind da normal), aber doch wesentlich dicker als die Labyrinthe-Krimis.

Dann streiche ich über den Umschlag, öffne das Buch, finde das Zitat, das mir so wichtig ist, die Widmung, die mir sehr viel bedeutet. Ich komme zu den ersten Seiten, und obwohl ich sie von den Druckfahnen her kenne, bin ich erneut begeistert über die Gestaltung. Was ich mit viel Herzblut geschrieben habe, hat der Verlag mit viel Liebe und Sorgfalt umgesetzt. Alles passt. Ich streiche auch über die Seiten, das Herz drückt heftig gegen den Brustkorb und tut vor Freude weh.

Die Familie, die um diese Zeit zuhause ist, will auch gucken. Bei allen die gleiche Reaktion. Oh, ist das schön geworden! Mann, ist das dick! Ich lache. Und rufe meine Mutter an.

"Ich komme zum Kaffee vorbei."

Nein, ich sage ihr nicht, was ich gleich mitbringen werde. Ich packe das Buch ein, und meine Tochter, die frei hat, fährt mit. Ausgelassen und fröhlich dudeln wir über die Landstrasse und geniessen den Augenblick.

Zuhause schenke ich das Buch meinen Eltern. Es ist "ihr" Buch. Ein Dankeschön für alles. Meine Mutter streicht über den Umschlag, mein Vater sagt wie immer nicht viel. Es ist nicht nötig. Ich sehe an seinem Gesicht, dass er sich freut.

Wir trinken Kaffee und essen Guetsli (Kekse). Es ist einer dieser Momente im Leben, der unbezahlbar ist.

Mittwoch, 11. Juni 2008

Glaubst du, dass es Liebe war?

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Die gestrige Lesung hat mich nach Tafers geführt. Drei Stunden hin, drei Stunden zurück. Bevor ich zu den sechs Stunden auf dem Zug komme:

Einmal mehr haben Lesungen sehr viel Spass gemacht! Herzlichen Dank nach Tafers. Tatjana, wir lesen uns im schreibsdoch ;-)

Jetzt zu den sechs Stunden Zugfahren:

Drei Stunden hin

Begeistert mein Notizbuch mit Anmerkungen zum neuen Romanprojekt gefüllt, Figuren zum Leben erweckt, mich für die Schreibperspektiven entschieden. Noch ein paar Recherchen auf dem Internet, dann kann ich mit dem Schreiben beginnen. Parallel dazu Recherchen vor Ort - und ich muss noch eine Anfrage starten für einen "Schnupper-/Recherchebesuch".

Drei Stunden zurück

Der Stauffacher-Buchladen im Bahnhof Freiburg war eine Fundgrube. Ich habe mich gleich mit drei Büchern von Schweizer Autoren eingedeckt.

Peter Stamm: An einem Tag wie diesem
Ruth Schweikert: Ohio
Alex Capus: Glaubst du, dass es Liebe war?

Im Zug in einem Zug verschlungen: "Glaubst du, dass es Liebe war?"
Alex Capus, ich ziehe meinen Hut vor so viel Erzähltalent und Erzählfreude. Was für eine Geschichte! Mein Tip: Unbedingt lesen!