Montag, 23. Februar 2026

KÜCHE


Ja, ich weiss. Küche ist ein seltsames Wort der Woche. Aber es ist so: Die Küche ist einer meiner Lieblingsorte im Haus, und ich finde, es ist Zeit für eine kleine Liebeserklärung. 

Seit wir vor ungefähr zwei Jahren ein kleines Sofa zum Küchentisch gekauft haben, ist meine Beziehung zu unserer Küche noch intensiver geworden. Ich sitze ich jeden Morgen auf diesem Sofa, schreibe meine Morgenmail, lese mich durch Mails und Online-Zeitungen, trinke Kaffee, plane, lasse Gedanken schweifen, gucke einfach. Immer wieder kehre ich an diesen Tisch zurück, mehrmals pro Tag. Am Abend und am Wochenende kocht einer von uns beiden und der andere sitzt häufig auf dem Küchensofa. Unsere Küche ist eine Wohnküche, ein Wohfühlort, ein Begegnungsort. 

So war das immer. Ich bin als Kind in einem Haus mit einer Wohnküche aufgewachsen, in der wir viel Zeit verbrachten. Vom Elternhaus meines Vaters - eine Familie mit fünfzehn Kindern - kann ich mich vor allem an die riesige Küche erinnern, in der ein riesiger Tisch stand, an dem immer viele Menschen sassen und sich angeregt unterhielten. Als wir damals unser Haus kauften, ab Plan, war mein einziger Änderungswunsch, die Wand zum Wohnzimmer zu verschieben, damit Platz für eine Wohnküche war, in der man gemeinsam sitzen und essen konnte. Irgendwann werden wir aus diesem Haus ausziehen und dann brauche ich vor allem eins: eine Wohnung mit Wohnküche.  

Wenn ich über unsere Küche schreibe, muss ich auch übers Kochen schreiben. Ich würde gerne sagen, dass ich gerne koche, aber das wäre nicht wirklich die Wahrheit. Über viele Jahre war das Kochen für mich ein Muss. Ich war diejenige, die von zuhause aus gearbeitet hat, und deshalb war ich auch diejenige, die - nebst vielem anderen, das im Haushalt so anfiel - jeden Mittag dafür zuständig war, dass das Essen auf dem Tisch stand. Für die Kinder, die von der Schule kamen, für den Mann, der von der Arbeit kam. Ich musste mir tagein-tagaus überlegen, was ich kochen sollte. Lustlos, unter Stress. Meine Familie könnte ein Lied davon singen, wie oft es sehr seltsame Mittagessen gab, weil ich das Kochen schlicht verlauert habe. Es ist nicht so, dass sich Herr Ehemann vor dem Kochen gedrückt hat: Er hat manchmal das Abendessen gekocht und war meistens am Wochenende für das Kochen zuständig. Er kocht phantastisch, besser als ich, und er hat sich, im Gegensatz zu mir, immer die Zeit für aufwändige Rezepte genommen. 

Seit die Kinder erwachsen sind und ich auch beruflich nicht mehr mit der Geschwindigkeit eines Hochgeschwindigkeitzugs unterwegs bin, hätte ich ganz viel Zeit zum Kochen. Völlig stressfrei. Das, so fand und finde ich, wäre die Gelegenheit, so richtig ins Kochen einzutauchen, vor allem, weil ich ja auch sehr gerne sehr gut esse. Ich versuche mich immer wieder daran. Habe mittlerweile auch Phasen, in denen ich nicht nur gerne auf dem Küchensofa sitze, sondern auch gerne koche. Mein Sohn hat mir fantastische Kochbücher empfohlen, aus denen ich Rezepte ausprobiere. Sogar das ganz normale Alltagskochen macht zwischendurch immer mal wieder Spass. 

Aber ganz ehrlich: Am liebsten sitze ich auf dem Küchensofa. Allein oder in guter Gesellschaft. Trinke Kaffee oder ein Glas Wein, tausche mich aus. Fülle meine Notizbücher. Schreibe jetzt gerade diesen Blogpost. Oder träume einfach vor mich hin.

Was ist euer Lieblingsraum? Und warum?  

2 Kommentare:

Jutta Wilke hat gesagt…

Mein Lieblingsraum ist defnitiv die Küche. Und das schreibe ich mit Bauchschmerzen, denn wie du weißt, wil ich mich räumlich verkleinern und fast keine Wohnung, die ich mir bisher angeschaut habe, hat eine "richtige" Küche. Da muss ich mir etwas einfallen lassen.
Bei mir war und ist die Küche der Ort, an dem das Leben stattfindet. Und anders als du habe ich es geliebt, dort zu werkeln, der Küchentisch war und ist mein SChreibtisch, als meine Kinder noch klein waren, saßen sie an einem Ende, ich am anderen, ich habe geschrieben, sie haben ihre Hausis gemacht. Ich koche leidenschaftlich gerne und ich koche nicht aufwendig, also eher einfache Gerichte. Ich habe es - ebenfalls anders als du - geliebt, den "Clan" mit Aufläufen und Eintöpfen zu verwöhnen. Aber ich hatte ja auch die meiste Zeit meines Familienlebens keinen Mann an der Seite, der das übernommen hätte. Von daher hätte ich ja ebenfalls hungern müssen, wenn ich nicht gekocht hätte. Aber viel wichtiger als das Kochen ist das Leben in der Küche. Da ich 5 Kinder habe, waren wir oft 7, 8 oder gar 10 Personen zum Essen am Tisch. Ich habe es geliebt und liebe es noch immer! Leider werden die Überfälle in der Küche seltener, seit immer mehr Kinder das Haus verlassen haben. Ich weiß noch so gut, wie ich oft am Morgen die Turnschuhe zählte, die bei uns im Flur kreuz und quer lagen, um zu wissen, mit wie vielen Frühstücksgästen ich rechnen muss. Und dann habe ich am Küchentisch meine Bücher geschrieben, währen so nach und nach sich alle am Tisch einfanden. Dieser (alte) Tisch wird auf jeden Fall mit umziehen. Egal wohin, denn er erzählt mir so viele Geschichten. Andere suchen eine Wohnung für ihre Schränke oder Regale. Ich suche eine Wohnung mit Platz für meinen Küchentisch. Denn das ist definitiv mein Lieblingsplatz.
Liebe Grüße vom Küchentisch. Jutta

Alice Gabathuler hat gesagt…

Ja, das mit den Wohnungen mit einer richtig guten Küche ist schwierig. Entweder sind sie winzig klein oder sie sind Teil des Wohnzimmers, oft auf Hochglanz getrimmt, ohne Griffe, seelenlos und abweisend kalt.