Freitag, 9. August 2013

Die Geschichte vor der Geschichte

Ich liebe das, was in Büchern vor der Geschichte steht, denn es erzählt oft in wenigen Worten ganze Geschichten. Die Widmungen zum Beispiel. Oder der Geschichte vorangestellte Texte. Im Moment lese ich ein Buch, bei dem ich mich bei beidem - Widmung und vorangestelltem Text - sehr lange aufgehalten habe und den Geschichten darin nachgehorcht habe.

Das Buch heisst. "Die Nacht der Verfolgung". Ein selten dämlicher Titel für ein Buch, das im Original schlicht "Dakota" heisst, was  sowohl die Stimmung im Buch als auch den Inhalt viel präziser trifft. Geschrieben hat die Geschichte Martha Grimes. Sie hat dem Buch folgende Widmung vorangestellt:

Dem Leser gewidmet, der sich bei einer Signierstunde in Coral Gables mit der Bitte zu Wort meldete: "Schreiben Sie wieder ein Buch über Andi Oliver." Danke. Hier ist sie.

Der Text, der der Geschichte vorangeht ist ein Gedicht von A.E. Housman.

(Ich verzichte darauf, das Gedicht hier hineinzustellen; so langsam fürchte ich mich vor den Konsequenzen beim Zitieren von was auch immer - aber man kann es in der Leseprobe nachlesen, auf die ich am Ende des Textes verlinke)

Das Gedicht löste Bilder in mir aus, führte zu Gedankenketten, die in Szenen endeten. In mir meldeten sich Figuren für eine Geschichte ... Kurz: Ich wurde schon vor der eigentlichen Geschichte fortgetragen, in meine eigenen, noch ungeschriebenen.

Das Buch selber hat einen ganz eigenen Klang, eine ganz eigene Erzählstimme, eine ganz eigene Geschichte, eine ganz eigene Ruhe. Hier kann man reinlesen.

Eine Anmerkung am Rande: Auf der Suche nach der Leseprobe bin ich über die - sehr schlechten - Rezensionen gestolpert. Sie wundern mich nicht. Wie oben geschrieben: Das Buch heisst im Original "Dakota" und nein, es ist tatsächlich absolut und total kein Krimi und kein Thriller, wie das Cover (sogar der seit einiger Zeit scheinbar obligatorische Schmetterling auf Thrillercovern fehlt nicht) und der Titel der deutschen Ausgabe suggerieren. (Die Verkaufsstrategien der Verlage gehen in der Tat unergründliche Wege ...)

Donnerstag, 8. August 2013

Wie überzeugt man die Jury eines Schreibwettbewerbs - und wie nicht?

Karin Bachmann war eines der Jurymitglieder des Schreibwettbewerbs "Baarer Rabe". In zwei Blogeinträgen gibt sie Einblick in die Kriterien, nach denen die Geschichten bewertet wurden.

Wie man mit einem Text eine Jury überzeugt, könnt ihr hier nachlesen. Und warum eine Jury einen Text weglegt und nicht in die engere Wahl nimmt, findet ihr hier.

"Eine Kindergeschichte schreibt man nicht aus Langeweile an einem regnerischen Nachmittag. Kinder und Jugendliteratur ist keine Abkürzung. Man schreibt sie aus Leidenschaft und auch, weil man (ein bisschen) verrückt ist. Und nicht, weil das Können für Erwachsenenliteratur nicht reicht."

Freitag, 2. August 2013

Momentaufnahme

Ich war in Bozen. Das ist einfach immer und immer und immer wieder schön. Die Lesung war toll, das Hotel der Hammer, das Wetter sensationell.

Während den Bahnfahrten ( 2 mal 5 Stunden) habe ich meiner Weihnachtshörserie den letzten Schliff gegeben, bevor ich die 10 Episoden ans Radio geschickt habe. Eine ziemlich grenzwertige Erfahrung, bei über 30 Grad Aussentemperatur Weihnachtsgeschichten zu überarbeiten :-)

Andreas Fritz und ich arbeiten am Trailer zu #no_way_out. Langsam und gemütlich. Ohne Stress. Wobei vor allem Andy viel arbeitet, ich ab und zu gucke und Feedback gebe und bei der Bilderauswahl helfe. Die Zwischenresultate, die ich zu sehen bekomme, sind mehr als beeindruckend.

Morgen fahre ich in die Berge. Heiss ist es auch dort oben. August ist Intensivschreibmonat. Noch zwei Monate bis zur Deadline. Diesmal nicht für ein Buch, sondern gleich für zwei.

Ich muss verrückt sein.

Montag, 29. Juli 2013

Dieses Buch kann den Leser verändern

Sagt hanami von LizzyNet zu #no_way_you

"Ich kann das Buch jedem empfehlen. Den Fans von spannenden Thrillern. Den Verfechtern einer gerechten Gesellschaft. Den Interessierten, die sich Gedanken über die Gesellschaft machen. Den als Spinnern verschrienen Menschen, die für eine gerechte Gesellschaft eintreten. Den Außenseitern, die Trost erfahren, weil unsere Gesellschaft nicht verloren ist. Den Insidern, denen klar werden kann, dass jeder etwas ändern kann. Den Kritikern. Den Andersdenkenden. Und einfach begeisterten Lesern. Dieses Buch hat das Potenzial, den Leser zu verändern – wenn er es will."

Donnerstag, 25. Juli 2013

Vorfreude

Heute Morgen gehe ich mir das Bahnticket für Bozen kaufen! Denn nächsten Dienstag lese ich hier:


Donnerstag, 18. Juli 2013

Brandaktuell

Mein Buch #no_way_out beginnt mit einem Prolog, in dem ich erzähle, was am 26. Februar 2012  geschehen ist .

An diesem Tag kaufte sich in Florida ein siebzehnjähriger Jugendlicher an einem Tankstellenshop eine Tüte Süssigkeiten und eine Dose Eistee und machte sich damit auf den Weg nach Hause. Unterwegs fiel er einem Mann auf, dem er verdächtig vorkam, unter anderen, weil er einen Kapuzenpullover trug. Der Mann erschoss den Jungen. Der Staatsanwalt stellte keinen Haftbefehl gegen den Täter aus. Erst auf Druck der Medien und von Demonstranten wurde der Täter angeklagt.

Dieser Täter wurde wenige Tage vor Erscheinen meines Buches freigesprochen.

#no_way_out beschäftigt sich mit der Frage, ob das auch bei uns möglich wäre.

Dienstag, 9. Juli 2013

Risse - oder - Einer dieser Tage

Gestern war so einer dieser Tage, an denen das Leben voll zuschlägt. Mitten ins Gesicht. Nun bin ich mir ja ziemlich viel gewohnt von meiner Branche und ich kann auch ziemlich gut damit umgehen, aber gestern verabschiedeten sich für eine Weile sowohl meine Gelassenheit als auch mein Galgenhumor. Ich war wütend. Verdammt wütend.

Zum Glück kamen am Mittag Herr Ehemann und Herr Sohn zum Essen und ich konnte Dampf ablassen, statt wie ein Dampfkochtopf kurz vor der Explosion alleine vor mich hinzupfeifen. Herr Sohn brachte mich mit seinen schwarzhumorigen Bemerkungen zum Lachen und Herr Ehemann mit seiner Besonnenheit und Vernunft zurück auf den Teppich. Damit war das Leben wieder im Lot. Aber die Risse bleiben. Jedes Mal, wenn ich die ganze negative Breitseite der Branche ins Gesicht bekomme, entsteht ein neuer Riss und alte vergrössern sich. Und jedes Mal hänge ich danach weniger fest an diesem ganzen Apparat.

Das ist gut. Denn ich stehe selten so motiviert und voller Energie auf wie nach solchen Tiefschlägen. Sie machen mich freier in meinen Entscheidungen. Sie geben mir Luft zum Atmen. Sie lassen mich neue Wege denken. Heute Morgen so viele und so verlockende, dass es mir wieder total gut geht.

Meine Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse habe ich gestrichen.
Habe anderes zu tun :-)


Mittwoch, 3. Juli 2013

Intensivschreibzeit

Die nächsten drei Monate werden eine sehr intensive Schreibzeit sein. Deshalb verziehe ich mich immer mal wieder für mehrere Tage in mein Schreibexil in den Bergen. Am 1. Oktober muss ich zwei Manuskripte abgeben; gleichzeitig arbeite ich an einer weiteren Hörgeschichte fürs Radio.

Am 15. Juli erscheint mein neues Buch. Es ist das Crazy Project, von dem ich immer wieder berichtet habe. Ein Herzblutprojekt. Gewidmet ist es Menschen, die nicht der heute so furchtbar geschliffenen Norm entsprechen. Jeder einzelne dieser Menschen bedeutet mir sehr viel. Nein, sie sind nicht im Buch zu finden (weil ich nicht über real existierende Personen schreibe), und trotzdem sind sie auf jeder Seite dabei. Es ist die Geschichte von zwei gesellschaftlichen Aussenseitern, von Mick und Smiley. Sie heisst #no_way_out. Der Alternativtitel, der mir auch gefallen hätte, war #toteHelden. Wir (der Verlag und ich) haben uns dann für den englischen Titel entschieden, weil schon meine letzten Bücher englische Titel hatten.

Die Leseprobe ist online. Guckt euch doch auch die Cover an. Mein Verlag hat sich für das eBook etwas total Schönes einfallen lassen.

Bis bald. Ich gehe jetzt schreiben.


Samstag, 29. Juni 2013

Vom Angepasstsein und Gehorchen

Philippe Wampfler hat einen Blogeintrag geschrieben, der mich seit zwei Tagen verfolgt. Er nimmt darin ein Thema auf, das mich tief beschäftigt, und das den Ausschlag zu meinem neusten Buch gegeben hat, das im Juli erscheint. Ich wollte hier im Blog etwas dazu schreiben, habe mich dann aber entschlossen, meinen Kommentar direkt bei Philippe abzugeben. Ich leite euch heute also direkt weiter zu Philippes Blogeintrag "Obey. Über die Jugend der 2010er Jahre". Er ist mein Lesetipp der Woche.

Freitag, 28. Juni 2013

Ein Rückblick auf die "Buch am Bach"

Die drei schönsten Junitage sind vorbei. Zurück bleiben auch dieses Jahr gute Erinnerungen - und die Vorfreude auf die "Buch am Bach 2014" :-)

Neun Lesungen waren's, vor jeweils bis zu 80 Jugendlichen. Unzählige Begegnungen mit Jugendlichen, Organisatoren, Helfern und Autorenkollegen, alle herzlich, interessant, spannend und nicht selten lustig und unterhaltsam. Die "Buch am Bach" hat mir, wie schon letztes Jahr, ungeheuer gut getan und einen ungeheuren Motivationsschub ausgelöst. Wenn ihr reingucken wollt: bitte hier entlang.

Autorenkollegin Beatrix Mannel hat mich beim Signieren fotografiert:


Donnerstag, 27. Juni 2013

Kommunikation

Um es heute ein wenig netter zu sagen als gestern: Ich wundere mich schlicht darüber, wie unsensibel die Änderungen der Medienlandschaft im Rheintal kommuniziert werden.

Die Ostschweiz am Sonntag wurde uns einfach aufgedrückt. Kein Brief an die Abonnenten, keine Probenummern. Wer die Zeitung nicht wollte, musste sie abbestellen. Wer sie abbestellte, wählte die Telefonnumer der Lokalzeitung und wurde mit "Tagblatt Abonnentenabteilung" begrüsst. Die Preisangaben der Abo-Auskunft stimmten oft nicht, sondern entsprachen jenen des Tagblatts. Es schien, als sei unser W&O von den Tagblatt-Medien geschluckt, bevor er wirklich geschluckt wird.

Dieses Schlucken wurde gestern im Namen des neuen Tagblatt-Werbemarkts kommuniziert. Der Leser? Nun, der scheint in Zukunft vor allem eins zu müssen: Inserate lesen. Der Inhalt? Vom Tagblatt übernommen, ausser dem Lokalteil (was im Artikel eine halbe Zeile wert war). Aber ich nehme an, bei all den optimierten Werbepaketen für die Wirtschaft wird die Zeitung hauptsächlich aus Werbung bestehen.

Nein, ich bin nicht naiv. Ich weiss, wie hart es in der Branche zu und her geht. Ich weiss, wie wichtig Werbung für eine Zeitung ist. Jeder weiss das. Aber es ist eine Sache, dies zu wissen, und eine ganz andere Sache, dem Leser in aller Deutlichkeit um die Ohren zu schlagen, worum es geht: Um Geld. Um Werbung.

Aber der Leser will Inhalt. Er will als Leser wahrgenommen werden. Er wäre - eigentlich - der Kunde. Schon zum zweiten Mal nach der Sache mit der Ostschweiz am Sonntag ging das bei den Verantwortlichen bei der Kommunikation vergessen. Vor lauter Markt (Wald) den Kunden nicht sehen, nennt man das. Noch ist er da, der Kunde, aber er könnte auch im Markt (Wald) verloren gehen, wenn man sich nicht um ihn kümmert.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Ich bin der Fliegenschiss im Werbemarkt - oder - warum soll ich für so was bezahlen?

"In eigener Sache",
so die Überschrift auf der Frontseite meiner Lokalzeitung.

Was es da in eigener Sache zu sagen gibt, ist das da:
"Tagblatt-Werbeverbund neu mit 300'000 Lesern".

Im ersten Absatz des Artikels erfahre ich, dass das Verlagshaus, zu dem meine Lokalzeitung gehört, ab 2014 mit drei anderen Medien- und Verlagshäusern mit der St. Galler Tagblatt AG im Werbemarkt zusammenarbeitet.

Im zweiten Absatz teilt man mir mit, dass die neue Kooperation neu aus 10 Tageszeitungen besteht, die im Inseratebereich 300'000 Leser erreicht und dass die Werbemarktauflage der Gesamtausgabe des St. Galler Tagblatts dadurch um 20 % steigt.

Im dritten Absatz werde ich darüber informiert, dass die Ausweitung durch diesen Verbund in einer "der am stärksten wachsenden Wirtschaftsregionen der Schweiz" erfolgt (haha - persönliche Anmerkung; das steht nicht im Artikel).

Im vierten Absatz steht ein Mal "überdurchschnittliche Kaufkraft", ein Mal "nationaler Werbemarkt" und ein Mal "modulare Inseratekombination". (Muss ich jetzt beeindruckt sein oder was? - persönliche Anmerkung meinerseits).

Im fünften Absatz , in der letzten Zeile, steht dann lapidar: "... und die lokalen Inhalte nach wie vor selbst verantworten." (Vielleicht erhalten die Lokalredaktionen dafür einen Hundekuchen. - persönliche Anmerkung von mir, der Artikel schweigt sich darüber aus, ob die Lokalredaktionen demnächst im Hundezwinger nächtigen und von Werbeverantwortlichen aus der Werbeabteilung von St. Gallen aus dressiert werden).

Der kurze Rest des Artikels widmet sich den Besitzverhältnissen, dem Druckzentrum und der "Südostschweiz", der die Verlagshäuser die Treue gekündigt haben, um zum grossen, neuen Werbemarkt der tollen neuen Werbewelt einer wahnsinnig aufstrebenden Wirtschaftsregion zu werden.

So, Leute. Und jetzt habe ich drei Fragen:
- Wo bleibe ich als Leserin?
- Was überlegt ihr euch, wenn ihr mich in eurer Information über die zukünftige Ausrichtung eures Medienhauses schlicht als Fliegenschiss im Werbemarkt anseht?
- Und vor allem: Warum soll ich für so was bezahlen?

PS: Eine vierte Frage, als kostenlose Zugabe: Schreibt ihr eure Zeitungen jetzt direkt für eure Werbepartner?

Montag, 24. Juni 2013

Junge Talente - Özkan Tok

Letzten Donnerstag besuchte ich die Premiere des Theaters "Der Klang der Freiheit". Seither gehen mir unendlich viele Dinge durch den Kopf, schlagen die Gefühle in mir drin Purzelbäme. Alles unsortiert, chaotisch und viel zu gross und gewaltig für einen Blogeintrag. Ich war zutiefst berührt, beeindruckt, begeistert. Darüber, was junge Leute auf die Beine stellen können. Über die jungen Darsteller, denen die Rollen schon fast auf den Leib geschrieben waren. Über das Stück, das mir tief eingefahren ist. Über die Musik, die die Jugendlichen selber geschrieben und im zweiten Teil des Stücks auch selber gespielt haben. Über Peter Sutter, einen alten Theaterhasen, der die Jugendlichen im Hintergrund begleitet hat. Und vor allem über den 18-jährigen Özkan Tok, der das Stück geschrieben hat, eine der Hauptrollen spielt und auch Regie geführt hat.

Heute Morgen traf ich mich zu einem meiner regelmässigen Gespräche mit Armando Bianco vom W&O, unserer Lokalzeitung, der Özkan portraitiert hat. Er hat mir die Erlaubnis gegeben, das Interview in meinem Blog zu veröffentlichen. Herzlichen Dank.

Und Özkan, wir werden noch viel von dir hören. Bestimmt!


Donnerstag, 20. Juni 2013

Schreibblockade

Gestern, an der Lesung in Grabs, kam einmal mehr die Frage zur Schreibblockade. Ich behaupte ja, dass es die nicht gibt. Tage, an denen es weniger gut läuft mit dem Schreiben: Ja. Tage, an denen man überhaupt keine Lust zum Schreiben hat: Ja. Tage, an denen sich sämtliche Ideen aus dem Staub gemacht haben: Ja. Tage, an denen es an allen Ecken klemmt: Ja. Aber das gehört alles dazu.

Was ich an solchen Tagen mache, hängt vom Abgabetermin ab. Liegt er in weiter Ferne, schreibe ich einfach nicht und denke mir: Neuer Tag, neues Glück. Meistens lacht mir aber der Abgabetermin ziemlich fies entgegen. Dann höre ich den Song, der zum jeweiligen Buch gehört. Auf der Wiederholtaste. Das wirkt meistens. Manchmal aber, da schwelge ich beim Musikhören in Szenen, die ich schon geschrieben habe, was zwar schön ist, aber mich nicht wirklich weiterbringt. Dann überarbeite ich den bestehenden Text, weil Überarbeiten immer geht.

Diese Woche habe ich das Schreiben auf Eis gelegt. Es geht nicht. Mir ist zu heiss. Ich habe es mehrere Male versucht und bin nach 10 Minuten eingeschlafen, was hoffentlich wirklich nur an der Hitze und nicht an der Geschichte liegt. Na ja, zugegeben, es klemmt grad auch ein bisschen in der Geschichte, und die Temperaturen zusammen mit dem Föhn (unserem heissen Südwind), der einem das Gefühl gibt, in einem Umluftbackofen auf 200 Grad gebacken zu werden, machen mein Hirn matsch. Ich warte auf den Regen und auf kühlere Temperaturen. Alles über 30 Grad macht mich total fertig. Ich glaube, ich bin innen drin eine Schottin aus dem hohen Norden. Bestimmt jedoch keine Südländerin. Weichei, ich.

Dienstag, 18. Juni 2013

Der ganz normal wahnsinnige Nichtalltag

Gestern, als ich den Blog zurück zu seiner Ursprungsfunktion entrümpelte, suchte ich einen neuen Untertitel zu Kreuz und Quer. Dabei fiel mir eine Frage ein, die bei Lesungen häufig gestellt wird. "Wie sieht denn Ihr typischer Alltag aus?"

Ich habe keinen typischen Alltag. Jeder Tag ist anders. Genaugenommen habe ich also einen Nichtalltag. Ich stehe zwar meistens ungefähr zur gleichen Zeit auf. Früh. Weil ich den frühen Morgen total gerne habe. Wenn ich Lesungen habe, kann es auch sehr früh sein (sogar mir zu früh). Aber damit hat es sich dann schon. Je nachdem nehmen meine Tage dann einen ganz anderen Verlauf, denn ich habe es nie geschafft, mir fixe Schreibzeiten einzurichten. Selbst wenn ich die hätte: Ich könnte sie oft nicht einhalten. An Lesetagen zum Beispiel. Oder an Tagen, an denen ich sehr viel Administration zu erledigen habe (ich bin gleichzeitig meine Sekretärin). Oder an Tagen, an denen es im Haushalt rund geht (ich bin gleichzeitig Hausfrau). Oder an Tagen, an denen ich für Autillus arbeite, den Verein der Kinder- und Jugendbuchschaffenden der Schweiz (ich bin leidenschaftliche Ehrenamtliche dort). Oder an Tagen, an denen ich andere Termine habe (aus den verschiedensten Gründen). Und dann gibt es noch die Tage in den Bergen, wo sowieso alles ganz anders läuft als hier im Tal unten.

Bleibt der im Titel erwähnte Wahnsinn. Ich habe einige Berufe ausgeübt, als Angestellte oder selbständig Erwerbende, aber in keinem habe ich solchen Wahnsinn erlebt wie im Leben als Autorin. Wenn ihr zum Beispiel denkt, zwei Wochen auf eine Antwort zu warten sei lang, versucht es mal in meinem Beruf. Da kann es auch mal ein Jahr und länger dauern. Zudem bekommt man den Umbruch der Branche sehr stark zu spüren und erlebt hautnah mit, was der Druck auf die Branche und das Suchen nach neuen Wegen für die Verlage und einen selber für Folgen haben kann. Kurz: Als Autor fährt man irgendwie das ganze Jahr Achterbahn. Ich wage jetzt einmal zu behaupten, dass man seine geistige Gesundheit in diesem Beruf nur behält, wenn man sich ganz viel Gelassenheit und (Galgen)humor zulegt. Das Gute an der Sache: Man gewöhnt sich daran. Meistens. Und empfindet Dinge als nomal, bei denen normale Menschen aus dem persönlichen Umfeld nur den Kopf schütteln. Trotzdem möchte ich keinen anderen Beruf. Meistens.

Montag, 17. Juni 2013

Back to the roots

Kreuz und Quer. So hiess dieser Blog, als ich 2006 damit online ging. Irgendwann funktionierte ich den Blog zu einer Webseite um und änderte den Blognamen auf meinen Autorennamen. Gleichzeitig lief auch meine alte Webseite weiter. Diese Zeiten sind vorbei. Ich habe eine neue Webseite, auf der alle Infos zu finden sind, die ich im Laufe der Zeit in den Blog aufgenommen habe. Der Blog ist darin integriert, läuft aber weiterhin über den Anbieter blogger (also auch eigenständig).

Weil der Blog jetzt wieder einfach Blog sein darf, habe ich ihn heute entrümpelt und zu seinen Wurzeln zurückgeführt. Er heisst nun wieder so, wie er damals hiess. Kreuz und Quer.

Danke für die Rückmeldungen zur Webseite, vor allem der Hinweis, dass der Menupunkt "Blog" irgendwie doppelt beschriftet ist. Das hängt damit zusammen, dass ich entschieden habe, den Blog auf der Webseite nicht in einem eigenen Fenster öffnen zu lassen, sondern direkt in die Seite zu integrieren. Mit dem neuen alten Blognamen und der entrümpelten Menuleiste sollte die Verwirrung kleiner sein.

Allerdings sieht man auf der Webseite den Blog nicht in seiner vollen Grösse, sondern nur die Einträge (ausser man macht sich die Mühe, wild im Gemüse herumzuscrollen). Auch das ist Absicht. Für den Moment lasse ich das mal so stehen und schaue, was an Rückmeldungen noch so kommt.

Viel Spass im neuen alten Blog!

Meine neue Webseite ist online

Da sage ich doch gar nicht viel dazu, ausser: DANKE, Michael. Und: Guckt sie euch an. www.alicegabathuler.ch

Montag, 10. Juni 2013

Ich bin viel mehr Social Media als ich dachte

Die Arbeit an der neuen Webseite ging trotz meinem fünftägigen Offlinen zünftig voran. Ich delegierte den Hintergrund, der mich total überforderte, an Frau Tochter und meinen Webdesigner Michael Borlik. Zusammen haben sie einen für mich gefunden, der mir gut gefällt (auch wenn ich den Ziegelsteinen der Mauer immer noch ein wenig nachtraure, aber sie waren einfach zu unruhig).

Am meisten erstaunt beim Zusammentragen der Informationen für die Webseite hat mich der Umfang meiner Social Media Präsenz. Als es darum ging, die Symbole einzubauen, fiel mir plötzlich ein, dass ich ja auch einen youtube Kanal habe. Dass ich jedes Mal beim Hochladen eines Buchtrailers mindestens eine Viertelstunde brauche, bis ich wieder weiss, wie es geht, ist eine andere Geschichte ...

Ich guckte also auf all diese Symbole und dachte: Oh! Und dann Aha! Und dann habe ich gelacht. Das bin also ich, dachte ich. Die überzeugte Teilzeit-Offlinerin. Die kritische Medienfrau. Dann kam die Erkenntnis über mich: Ich sträube mich nicht mehr gegen diese Kanäle, sondern habe einen eigenen Weg gefunden, damit umzugehen. Ich muss nicht immer überall sein. Ich kann tagelang offlinen, ohne etwas zu vermissen. Ich kann auch tagelang online sein und nichts auf die diversen Kanäle einstellen, einfach, weil ich nichts zu sagen habe oder gerade nichts Interessantes für die Allgemeinheit zu sagen finde ... oder weil ich schlicht keine Lust dazu habe. Aber wenn ich Lust und Zeit habe, dann bin ich aktiv, mittlerweile total ohne das Gefühl, das tun zu müssen, weil man es eben tun muss.

Denn: Ich tue es sowieso falsch. Es gibt unzählige Anleitungen, wie man richtig twittert, richtig facebooked, richtig Google plust, oder - am allerschlimmsten - wie ein richtiger Blogeintrag aufgebaut sein sollte. Ich stelle mir dann vor, dass wir uns alle an diese Anleitungen halten und plötzlich alle gleich bloggen, gleich twittern, gleich facebooken, gleich googleplussen. Immer schön marktgerecht, effizient und zielgruppenorientiert. Total langweilig. Womit ich nicht sagen will, meine Beiträge seien spannend(er). Sie sind einfach ich. Mir geht es gut damit. Ob es für mich als Autorin etwas bringt? Diese Frage stelle ich mir immer weniger. Ich tendiere jedoch immer noch zu einem "Nein, nicht wirklich". Aber für mich als Person stimmt es jetzt.

PS: Ich bin heute und morgen online. Danach geht's wieder - offline -  in die Berge. Wenn ich mich richtig reinhänge und die Hausaufgaben, die mir Michael Borlik gegeben hat, heute und morgen fleissig erledige, geht die neue Seite diese Woche online.

Sonntag, 9. Juni 2013

Und was, bitte sehr, hat das mit dem Schreiben zu tun? (Teil 1)

Ich war in den Bergen. Fünf Tage. Dabei habe ich viel geschrieben, aber auch viele andere Dinge gemacht. Hier eine erste kleine Auswahl:

Ankunft: Erst einmal eine halbe Stunde auf dem Balkon gestanden und einfach nur darüber gestaunt, wie schön die Welt ist.

Berge und in der Mitte der Steilhang unterm Haus - mit Hermann, unserem hart geplagten, aber tapferen Zwetschgenbaum.


Dann ein Rundgang ums Haus. Was auf Mauern alles wachsen kann ...

 
... wie schön ein Bergdschungel ist ...


.... und wie anders jedesmal der Wasserfall.


Zum Einkaufen habe ich den etwas längeren Weg überm Dorf genommen.


Und was, bitte sehr, hat das mit dem Schreiben zu tun? Alles. Denn in dieser Umgebung finde ich die Ruhe, die Kraft und die Konzentration, die mich durch das Schreiben tragen. Es gibt noch mehr, da oben, in den Bergen, das mich zu mir bringt und damit zum Schreiben. Dazu dann mehr in einem zweiten Teil. Demnächst hier in diesem Blog :-)

Dienstag, 4. Juni 2013

Kinder- und Jugendbuchmesse "Buch am Bach"

Vom 25. - 27. Juni bin ich an der Kinder- und Jugendbuchmesse "Buch am Bach" in Götzis (Vorarlberg). Diese Messe fand 2012 zum ersten Mal statt und ich hatte das grosse Glück und die Ehre, eingeladen zu werden. Die drei Tage waren ein unvergessliches Erlebnis. Noch nie hat mich eine Buchmesse so begeistert, noch nie erlebte ich eine Buchmesse so nah beim Publikum, vor allem beim jugendlichen Publikum. Es gab keine Messehostessen oder Verlagsvertreter an den Ständen, sondern bestens vorbereitete, aufgestellte, kontaktfreudige Jugendliche, die Auskunft gaben, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.

Die Freude war riesig, als ich auch für die Messe 2013 eine Einladung erhielt. Ich musste nicht den Bruchteil einer Sekunde nachdenken, ob ich teilnehmen möchte oder nicht; ich habe einfach begeistert zugesagt. Die Organisatoren sind bereit. 5000 Anmeldungen zu Lesungen sind bis heute eingegangen, eine Wahnsinnszahl.

Die Lesungen sind kostenlos und öffentlich. Viele davon sind schon ausgebucht, aber in einigen hat es noch Platz. Man kann online reservieren. Der Lese- und Reservationsplan ist auf dem neusten Stand. Wir sehen uns an der Messe. Bis bald.


Samstag, 1. Juni 2013

Buchtrailer als Projektarbeit in der Schule

Vor ein paar Wochen habe ich Mirco kennengelernt. Er erzählte mir, dass er im Rahmen einer Projektarbeit einen Buchtrailer zum Buch Freerunning macht. Ich habe mich riesig gefreut und war gespannt, wie der Trailer herauskommt. Vor zwei Tagen habe ich Post bekommen. Mirco, ich danke dir recht herzlich für den tollen Trailer!


Freitag, 31. Mai 2013

Die (wahrscheinlich) kleinste Galerie der Welt

Wie klein kann eine Galerie sein? Telefonkabinenklein? Geht nicht? Doch!


Die wahrscheinlich kleinste Galerie der Welt ist eine zwei Kubikmeter grosse alte Telefonkabine. Sie steht in der offenen Rennbahn Zürich-Oerlikon. Galerist ist Marc Locatelli. Seit 2004 stellt er in seiner Telefonkabinen-Galerie Comics, Cartoons, Illustrationen und Fotografien zum Thema Radrennsport aus.

Am 4. Juni öffnet die Galerie ihre Tür und ist dann während der ganzen Rennsaison bis zum 17. September jeden Dienstag bei trockenem Wetter ab 18.45 Uhr geöffnet.
Dieses Jahr zeigt die Galerie faszinierende Veloillustrationen des französischen Zeichners Jean-Jaques Sempé. Marc Locatelli: "Müsste man die Bedeutung von Sempé in die Radsportsprache übersetzen, wäre er an seinem Erfolg gemessen Eddy Merckx. Für seinen feinen, charmanten Zeichenstil könnte aber nur Hugo Kobelt stehen."

Marc Locatelli ist Illustrator. Er arbeitet für verschiedene Lehrmittel-, Buch und Zeitschriftenverlage. Ein Besuch auf seine Webseite lohnt sich. Ich empfehle ein längeres Verweilen, denn ich für meinen Teil kann mich in seinen Illustrationen glatt verlieren. (Sie sind nicht zuletzt ein herrliches Gegemittel gegen den totalen Wetterfrust).

Sonntag, 26. Mai 2013

Neue Webseite

Eigentlich wäre es längst Zeit für eine neue Webseite gewesen. Aber ich hänge aus nostalgischen und sentimentalen Gründen total an meiner ersten Webseite, die ein ehemaliger Schüler von mir gemacht hat, mit Fotos eines ehemaligen Kursteilnehmers (an diesen Fototermin werde ich mich ein Leben lang erinnern). Seit längerer Zeit jedoch finden sich auch alle Informationen der Webseite hier auf dem Blog und ich habe (fast) die ganze Arbeit doppelt gemacht: Termine auf dem neusten Stand halten, Infos auf beide Seiten aufschalten usw. Mittlerweile gibt es in meinem Blog viel mehr Informationen als auf meiner Webseite - und wie ich kürzlich beim genaueren Anschauen meiner Seite zu meinem Entsetzen bemerkt habe, fehlen dort meine letzten beiden Neuerscheinungen (meine Sekretärin - ähm ... das wäre dann ich - ist schuld).

Eine Weile habe ich darüber nachgedacht, einfach den Blog über die Webseitenadresse laufen zu lassen, aber auch das ist nicht wirklich eine gute Lösung. Also liess ich alles, wie es war. Bis mir mein Autorenkollege Michael Borlik verriet, dass er sich, um ein zweites berufliches Standbein zu haben, zum Webdesigner weitergebildet und ein eigenes Webdesign-Büro eröffnet hat. Das war die Gelegenheit, die Sache anzupacken. Ich habe meine Wünsche deponiert, Michael macht Vorschlag um Vorschlag und nun geht es ans Eingemachte. In den nächsten Tagen geht die alte Seite vom Netz und dort, wo sie mal war, ist dann eine Baustelle, bis die neue Seite steht.

Was mir besonders gefällt, ist die Zusammenarbeit mit Michael. Genau wie bei Andreas, der meine Trailer macht, bekomme ich Vorschläge und aufgrund der Entwürfe tasten wir uns gemeinsam an das Endresultat heran. Ich denke, spätestens Mitte Juni wird die neue Seite online sein. Bis dahin ist der Blog die einzige Anlaufstelle. Danach ist er in die Webseite integriert und ich kann ihn gründlich entschlacken.

Und hier ist er, der Michael

Samstag, 25. Mai 2013

Buchtrailer - was bringt's?

Kürzlich sass ich vor dem PC und schaute mir an, was Andreas Fritz aus meinem Blackout gemacht hat. Der Trailer lief, ich klebte gebannt am Bildschirm und freute mich darüber, dass Andreas einmal mehr genau den richtigen Draht zum Buch gefunden hatte.

"Was bringt das?", klang es hinter mir.
Ich fuhr erschrocken zusammen, denn ich hatte Herrn Ehemann nicht kommen hören. Zu tief war ich in Musik und Text verloren gegangen. Und damit ist eigentlich auch schon gesagt, was so ein Buchtrailer mir bringt: Freude und Begeisterung. Ich bin Filmfreak und ein Kinobesuch ohne mindestens drei oder vier Trailer in der Vorschau ist für mich kein richtiger Kinobesuch. Ich gestehe deshalb: Ich lasse die Buchtrailer eigentlich für mich machen. Weil ich Trailer total mag.

Denn: Ich weiss nicht, ob sie etwas bringen. Ich weiss, dass sie angschaut werden und ich bekomme bei Lesungen auch - meist begeisterte oder zumindest positive - Rückmeldungen. Nur: Diese Jugendlichen stossen im Zuge der Vorbereitung der Lesung auf die Trailer. Oder wenn sie einen Buchvortrag machen müssen und dabei auf meinen Webseiten landen. Ob ich wirklich neue Leser gewinne durch diese Trailer, entzieht sich meiner Kenntnis, aber ich denke jetzt mal ganz pragmatisch: eher nicht und wenn ja, dann nie so viele, dass sich die Ausgaben wirklich rechnen.

Trotzdem ist der Trailer zu meinem neuen Buch schon in Auftrag gegeben. Weil ich diese kleinen Filme selber bezahle, kann ich auch auswählen, wer den neuen Trailer macht. Es ist wie immer Andreas. Eigentlich würde ich gerne noch viel weiter gehen mit den Trailern: Animation, Sprechstimme, andere Musik (zum neuen Buch wäre das "Drive" von R.E.M), aber dann explodieren mir die Kosten und ich gebe die ganzen Bucheinnahmen für den Trailer aus - und da würde Herr Ehemann dann berechtigt fragen: "Was bringt's?"

Die Zusammenarbeit mit Andreas sieht so aus: Ich liefere ihm so viele Informationen zum Buch wie möglich. Er liest sie und macht einen ersten Entwurf des Trailers. Den bekomme ich zu sehen und mache dann Vorschläge, was ich gerne anders / zusätzlich hätte. Der Rest ist ein kreativer Austausch, bis wir beide mit dem Resultat zufrieden sind.

Ich bin gespannt, was Andreas zu #no_way_out einfällt

Als Mick aufwacht, liegt neben ihm eine Leiche. Isabella Linder, die steinreiche Gattin des Industriellen Jake Linder. Mick gerät in Panik. Wer wird ihm, dem 17-jährigen Rumtreiber, schon glauben, dass er nichts damit zu tun hat? Fast verrückt vor Angst, entführt er Edy, Isabellas Tochter, und ist von nun an auf der Flucht - vor der Polizei, vor Jakes Männern und vor den Geistern seiner Vergangenheit. Nur ganz langsam und mit Hilfe seines Kumpels Smiley findet Mick heraus, dass er Teil eines perfiden Komplotts ist, der Jugendlichen wie ihm Verbrechen in die Schuhe schiebt - mit dem Ziel, ein ganzes Land in Aufruhr zu stürzen ...






Freitag, 24. Mai 2013

Freizeitkampf

Man wandert nicht mehr, man (frau) kampfwandert. Ob man die Natur dabei noch sieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber vielleicht kann man damit ja den Arbeitsstress am Wochenende in Wanderstress umsetzen. Hauptsache Stress und schnell, schneller am schnellsten. Nicht zu vergessen: weit, weiter am weitesten oder vielleicht auch hoch, höher am höchsten.

Womit wir beim Mt. Everest sind. Da waren kürzlich: Eine Beinamputierte und ein 80-jähriger. Ich frag mich, warum man als normaler Mensch überhaupt noch rauf wollen soll. Ausser man ist Kampfwanderer. Oder hat am linken Fuss acht Zehen. Dann wäre man der erste achtzehige Mensch auf dem Mt. Everest und fände Eintrag in das Buch der Weltrekorde.

Ganz schön stressig, diese Kampf-Freizeit.

Montag, 20. Mai 2013

Geerdet oder La vacca dil Giosch mira tschèc

Ich war in den Bergen. Fünf Tage ohne Internet. So was erdet. Vor allem, wenn man einen ganzen Bergdschungel durchkämmen und halbwegs zähmen will. Dass die Heizung in diesen fünf Tagen einen langsamen Tod gestorben ist, soll nur am Rand erwähnt werden. Irgendjemand wird sie irgendwann reparieren. Der Dschungel ist immer noch ein Dschungel, aber einer mit Gehwegen und Blickpunkten. Zum Beispiel dem Schmetterlingsgarten, einer Ecke voller Brennesseln mit hunderten von Raupen, die uns irgendwann als Schmetterlinge um die Ohren fliegen werden. Oder die Walderdbeerecke, die jedes Jahr ein bisschen grösser wird. Witzig finde ich, dass Wildpflanzen "wandern". Was letztes Jahr hier wuchs, guckt dieses Jahr dort aus dem Boden. Oder gar nicht mehr. Dafür guckt was Neues. Es ist wie eine einzige riesige Wundertüte und noch immer kann ich auf den Rundgängen durchs Gelände durch einen Riss in der Zeit fallen und total verloren gehen.

Ich habe auch geschrieben. Ganz viel. Und gelesen. Im Buch Sez Ner von Arno Camenisch. Es passiert nicht viel in diesem Buch, eigentlich fast nichts. Aber dieses nicht viel ist genial geschrieben! Es geht um einen Sommer auf der Alp. Am Anfang hängt der Senn (il signun) mit dem Gleitschirm kopfüber in den Bäumen und der Zusenn (il zezen), der acht Finger hat, fünf an der linken Hand und drei an der rechten Hand, denkt, der Senn komme dann schon wieder runter. Kommt er auch. Dann will der Käse nicht so recht und bläht sich, bis er die Gewichtsteine zu Boden wirft, der junge Hund ist nicht so klug wie der alte, sondern ein "clepper" (ein Lappi = Dummkopf). Ab und zu kommen die Bauern auf die Alp, um nach ihren Tieren zu sehen, und wenn der purtger (der Schweinehirt) nicht die stivlas cun stalcappa trägt und ihm genau dann ein Viech auf die Zehen tritt, dann verliert er seinen Fussnagel, obwohl er ihn aufgestochen hat. Das Vokabular hat es in sich. Der Kopf heisst in Sursilvan tgau und der Hund tgaun. Da kann man schon mal in die Irre gehen. Weil die Geschichte auf der einen Buchseite in Sursilvan und der anderen auf Deutsch erzählt wird, kenne ich jetzt ganz viele neue - für den Alltag ziemlich nutzlose - Wörter. Im Volg kann ich mir mit dem Senn (il signun), dem Zusenn (il zezen), dem Kuhirt (il paster) und dem Schweinehirt (il purtger) nicht wirklich viel kaufen. Aber Frau Tochter hat sich über die stivlas cun stalcappa gefreut. Ich übrigens auch. Nur gibt es die auch nicht im Dorfladen.

Unbedingt angucken und zuhören! Arno Camenisch über und aus seinem Buch.


Man kann das Buch auch lesen, wenn man kein Romontsch Sursilvan lernen will. Arno Camenisch hat mir übrigens beim Signieren des Buches ungefähr drei Mal gesagt "Hinterm Bahnhof" sei lustiger. Möglich. Aber ich wollte mit seinem ersten Buch anfangen. Und das gefällt mir so gut, dass ich mir als nächstes "Hinterm Bahnhof" kaufe.

PS: La vacca dil Giosch mira tschèc übersetzt sich so: Die Kuh vom Giosch hat einen Silberblick. Und da ist noch einer meiner Lieblingssätze: Il purtger stat sil crest sur la hetta e tschontscha cugl um da crap (Der Schweinehirt steht auf dem Hügel und redet mit dem Steinmann).

Dienstag, 14. Mai 2013

Darf ich vorstellen? - Buch Nummer 10

Ein absolut und totales Herzblutprojekt. Hier die Katalogseite des Verlags. Erscheinungstermin: Mitte Juli 2013.

Jetzt Live-Tickern sie wieder, die ... ähm .... Online-Schreiberlinge

"Ich bin sooooo cool. Ich lese jetzt grad den neusten Dan Brown. Kapitel für Kapitel. Jo, grad jetzt. Und ich verrate euch live, was passiert, ist ja ein Live-Ticker, deshalb heisst der auch Live-Ticker. Hähä. Cooooool, gell? Guckt mal, wie schnell ich lesen kann. Huara-schnell, gell. Ach ja, in Kapitel 16 passiert äm Fall xxx un yyy. Ui, ob ich einen Kaffee trinken soll dazwischen? Nein, dann ist der von der anderen Online-Zeitung am Änd schneller als ich. Darf nicht sein. Ich will den Schluss zuerst verraten. Gell, ich bin schon ein geiler Siech. Lese den Brown online und bespreche ihn gleichzeitig. Bin halt ein Multitasker.. Hab übrigens schon die Rowling online gelesen und getickert. Und auch alles verraten. Aber würggli alles. So cooool. Huere Siech, bin ich ein geiler Siech. Dank mir muss nachher niemand mehr das Buch kaufen. Urheberrecht? Gilt äm Fall für alle anderen, aber nicht für meine Zeitung. Nur äm Fall, falls ihr jetzt auf blöde Gedanken kommen könntet. Oh, guck, jetzt wird auf den Kerl geschossen. Mega. Und ich weiss als erster, wo die Kugel einschlägt. Hechel. Echt Leute, ich kann gleichzeitig lesen und tickern. Bin halt ein .... ah, hab ich schon gesagt? Stimmt aber. Also. Jetzt, jetzt küsst er die doch glatt. Ich will mehr. Sex. So richtig heftigen.Moment, ich muss blättern. Damit ich euch verraten kann, dass ... Ausserdem muss ich der erste sein, der den Dan Brown live getickert hat. Sooo coool."

Lieber Tagi, ihr könnt mich für die nächsten hundert Jahre als Abonnentin vergessen. Gäll, äm Fall.

PS: Wenn früher einer im Kino immer im Voraus geflüstert hat, was passiert, war er der meistgehasste Typ der Vorstellung. Heute scheinen diese Leute für die Online-Portale zu arbeiten (na ja, irgendwohin mussten die ja).