81 Fragen an ...

Ein Kollege von mir hat einmal gesagt, er antworte auf diese Frage mit "Ich klaue sie." :-) Natürlich meint er das nicht ernst, aber er umschifft damit elegant und vor allem witzig eine lange Antwort. Ich versuche mich mal an einer (Antwort). Ideen finden sich

- in Songtexten
- in Filmen
- in Büchern
- in Zeitungsartikeln
- in Bildern
- in Themen, die einen interessieren
- beim Beobachten von Menschen
(Die Liste ist unvollständig ...aber es ist das, was mir grad so auf die Schnelle einfällt.)

Die besten Ideen hat man, wenn man sie nicht sucht. Sie hüpfen einen an, treffen einen wie ein Blitz oder schleichen sich langsam von hinten an einen heran. Sie fallen vom Himmel, liegen auf der Strasse, sitzen einen beim Bahnfahren gegenüber. Sie können einen in ihren Würgegriff nehmen oder einen zwischen Schlaf und Erwachen kitzeln, nur um sich dann zu verflüchtigen, bevor man sich an sie erinnert. Ideen sind unberechenbar, sie können an einem haften wie Magnete oder weiterfliegen wie Schmetterlinge. Ich denke, wenn es etwas gibt, das einen Autor ausmacht, dann  sein Auge und sein Ohr und sein Gespür für Ideen.



Die Liste der Menschen, die mich beim Schreiben unterstützt, ist sehr lang:

- meine Familie, indem sie mich nimmt, wie ich bin ... und mir die Zeit zum Schreiben lässt, den Haushalt auch mal ohne mich schmeisst, mich versteht, wenn ich ziemlich weggetreten am Tisch sitze, weil ich in Gedanken anderswo bin usw.
- gute (Schreib)Freunde, die mich motivieren, anspornen und für mich da sind
- Menschen, die mir bei der Recherche helfen (Fachpersonen, Betroffene usw.)
- meine Testleserin, die als Allererste meine Texte zu lesen bekommt (DANKE, Karin!)
- Leute aus dem Schreibforum "Schreibwelt", die immer ein offenes Ohr für meine Freuden und Leiden haben und mir mit Rat und Tat und vor allem auch Humor über Hürden helfen oder bei Freudensprüngen mithüpfen
- all die vielen Jugendlichen bei Lesungen, die mir ihre Namen für die Bücher leihen, mir Rückmeldungen geben, mir sagen "Schreiben Sie doch mal über ..."
- später, wenn ich den Text fertig habe, das Verlagslektorat, das den Text mit mir noch einmal gründlich durchgeht

Auch diese Liste ist - wie die Liste in Frage 1 - nicht vollständig. Es ist das, was mir spontan einfällt.

Und dennoch: Schreiben tue ich ganz alleine. Ich bin eine "Stille-Kammer-Schreiberin". Solange ich an einem Text arbeite, bekommt ihn niemand zu sehen. Meine Kinder haben es aufgegeben, mir beim Schreiben über die Schulter auf den Bildschirm zu schauen, denn sie wissen, wie sehr ich das NICHT mag. Beim Bahnfahren schreibe ich nur, wenn niemand neben mir sitzt. Der Gedanke, dass mein Sitznachbar mitliest, blockiert mich total. Die grosse Ausnahme ist meine Testleserin Karin Grüning (das ist die Frau, der ich in "Schlechte Karten" danke). Sie darf als Einzige meinen Text lesen und kommentieren, bevor er an den Verlag geht. Mein Vertrauen in sie ist grenzenlos. Ich schicke meine Texte erst an den Verlag, wenn sie für mich stimmen. Erst ab dem Moment sind sie nicht mehr privat.



So. Da ist sie ja schon, die Frage, bei der ich anstehe und jeweils bei Lesungen sage, dass es die einzige Frage ist, die ich nicht beantworten kann. Denn die ganz ehrliche Antwort lautet: Ich weiss es schlicht und einfach nicht (warum ich es nicht weiss, beantwortet Frage 4 ... also, die nächste auf der Liste ..).

Hier ein paar Antworten, mit denen Jugendliche, die die Antworten auf die Fragen aufschreiben dürfen / müssen / sollen, rein gar nichts anfangen können:

- ich weiss es nicht
- kommt drauf an
- so lange, wie es halt dauert
- bis es fertig ist.

Und für jene, die für ihre Lehrkraft eine etwas genauere Antwort brauchen:

- Bei mir dauert das zwischen 12 und 15 Monaten (was so nicht ganz stimmt, aber immerhin ist es eine Antwort, mit der man etwas anfangen kann / könnte).

Uff. Jetzt habe ich sie hinter mir, die unbeantwortbare Frage :-)


Frage 4 ist gleich ein Bündelchen an Fragen ;-) Aber sie gehören alle zusammen. Vor allem sind sie eng verknüpft mit Frage 3. Wieso, werdet ihr gleich herausfinden.

Ja. Ich kann mir die Arbeitszeit einteilen. Das ist einer der grossen Pluspunkte im Autorinnenleben. Leider hat die Sache ein paar Haken: Erstens bin ich Chaotin und zweitens mangelt es mir häufiger an Disziplin. Ich kann - auch nach all den Jahren beruflicher Selbständigkeit - immer noch nicht wirklich gut mit der Arbeitszeiteinteilung umgehen. Verstaubte Zeitmanagement-Ratgeber und ungefähr eine Zillion gebrochener Vorsätze zeugen davon.

Zur Tageszeit: Früher, als ich nebst selbständiger Geschäftsfrau (mir gehörte zusammen mit einer Partnerin eine Englischschule), Hausfrau und Mutter Autorin war, war es der Abend, häufig auch die Nacht, plus Wochenenden und Schulferien. Da musste ich mich mit Fragen der Arbeitsteinteilung nicht herumschlagen. Ich habe einfach immer geschrieben, wenn ich ein Fötzelchen Zeit dazu hatte. Heute, als freiberufliche Autorin mit nur noch sehr wenig Unterrichtszeit, versuche ich, tagsüber zu schreiben. Am Anfang ging das sehr schlecht, denn ich laufe vor allem am Abend und in der Nacht zu Höchstform auf. Nur: Ich habe ja unter anderem die Schule aufgegeben, um am Abend, an den Wochenenden und in den Ferien ein Familienleben zu haben! Mittlerweile klappt das recht gut. Ich kann eigentlich immer schreiben. Die einzige Zeit, in der ich generell durchhänge ist am frühen Nachmittag. Da kann man mich nicht wirklich gebrauchen.

Schreibschwerpunkte sind jeweils die drei Monate vor den Abgabeterminen der Bücher. Natürlich schreibe ich das ganze Jahr über. Aber aufgrund meines Chaotentums und meiner etwas lockeren Einstellung zur Disziplin, muss ich dann jeweils vor dem Abgabetermin ziemlich Gas geben. Abgabetermine sind meistens Anfang November (für mich) und ab und zu der Juni.

Die Kreativität hängt weniger von der Jahreszeit ab, sondern vor allem davon, wie es mir gerade geht. 

Ich habe übrigens noch nicht aufgegeben: Ich arbeite an meiner Disziplin. Das Ziel ist, jeden Tag vier Stunden zu schreiben und dann noch administrative Aufgaben erledigen (Lesungen absprechen, Kontakte zum Verlag und der Agentur, Schülerfragen beantworten ...).

So, und ich glaube, damit ist zum grossen Teil erklärt, warum ich Frage 3 nicht wirklich beantworten kann, auf jeden Fall nicht in Stunden, Wochen und Tagen. Was ich jedoch sagen kann: Ohne Deadlines (Abgabetermine) würde es endlos dauern.



Früher manchmal schon, damals, als ich noch die Schule hatte. Jetzt ist der einzige Stress, den ich habe, der selbstverursachte, zum Beispiel wenn ich vor dem Abgabetermin zu sehr Gas geben muss. Aber daran arbeite ich frohgemut - und bin zurzeit sogar auf guten Wegen!



Ganz viele Dinge (deshalb ist das Bücherschreiben ja so toll):

- Ich kann und darf das tun, was ich immer gerne getan habe: Schreiben
- Ich kann meine Fantasie ausleben (und dabei Dinge tun, die ich im richtigen Leben nie tun würde)
- Ich kann Figuren erschaffen und ihnen ein Leben geben
- Ich kann diese Figuren eine Geschichte schenken (wobei einige meiner Figuren sich wahrscheinlich eine andere Geschichte gewünscht hätten ;-)
- Ich kann meine Arbeitszeit einteilen (na ja, ich wünschte mir, ich wäre darin etwas besser als ich es bin)
- Ich lerne extrem spannende Menschen kennen (andere Autoren, Jugendliche und ihre Lehrkräfte bei den Lesungen, Menschen aus der Buch- und Medienwelt usw.)
- Ich reise an Orte, an die ich sonst nie gereist wäre und vielleicht nie reisen würde, und lerne Menschen kennen, die ich sonst nie kennengelernt hätte.

Beim eigentlichen Schreibvorgang ist es das Schleifen und Feilen am Text. Die erste Version meiner Texte ist nie besonders gut (manchmal ist sie sogar garstig schlecht) und ich tue mich die meiste Zeit auch ziemlich schwer im Schreiben dieser ersten Version. Ich kenne mich und weiss das - und kann damit gut leben; es ist meine Art zu schreiben. Die richtig spannende Arbeit setzt für mich erst ab der zweiten Runde ein, dem Feilen und dem Schleifen, dem Herumwerken am Ursprungstext.


Ich las mehr oder weniger alles, was mir in die Finger kam. Bücher aus der Schulbibliothek, Bücher vom Regal meiner Eltern, die Wildwestromane meines Nini (Grossvater). Brave Mädchenbücher interessierten mich dabei wenig. Ich las lieber Abenteuergeschichten. Besonders in Erinnerung sind mir dabei die Bücher von Susan E. Hinton (DAS waren Bücher, wie sie mir gefielen) und ... nicht lachen ... die Wildwestromane meines Grossvaters. Wie habe ich sie geliebt, die einsamen Helden in ihren auswegslosen Situationen! Am liebsten waren sie mir, wenn sie am Ende noch lebten (ich las immer zuerst das Ende und wenn der Held starb, habe ich das Heft gar nicht erst angefangen) und als verlorene Desperados in den Sonnenuntergang ritten!


Ich bin in der glücklichen Lage, mein Schreiben zum Beruf gemacht zu haben. Das heisst, ich kann meine Bücher ganz offiziell in meiner Arbeitszeit schreiben :-). In meiner Freizeit lese ich gerne, gucke mir gerne (GUTE) Filme an, blogge, wandere, und wusle durch unseren Wildnisgarten in den Bergen.



In der Primarschule: Ja. Ab der Sekundarschulstufe zeichnete sich ab, dass ich es eher mit den Sprachen habe als mit den Zahlen. Spätestens in meiner Ausbildung zur Lehrerin war dann klar, dass ich von Physik, Chemie und höherer Mathe nicht wirklich viel verstand. Leider. Denn ich finde gerade Chemie und Physik total spannend - UND WÜRDE BEIDES GERNE AUCH BEGREIFEN!!!



Ich gehöre nicht zu jenen Autoren, die ihre Lebensgeschichte(n) schreibend verarbeiten. Ich schreibe, weil ich Geschichten, vor allem die darin vorkommenden Figuren, erfinden will. Es gibt nur eine einzige Figur in meinen Büchern, die dem Leben eins zu eins entnommen ist: Freddy, das potthässliche Irgendwasstoffwesen aus "Starkstrom". Er gehörte im richtigen Leben meiner Tochter, sah genauso aus, wie im Buch beschrieben, hiess genauso und kam genauso in den Besitz meiner Tochter, wie er im Buch in den Besitz von Emma kam. Leider, leider, leider haben wir den Freddy nicht mehr :-(

Natürlich fliessen zum Teil Charakterzüge von Menschen, die ich kenne, in meine Bücher. Aber nie die ganze Person. Wenn irgendeine Figur in einem der Bücher autobiographische Züge hat, dann die Tina aus Starkstrom (aber auch sie ist nicht ich).

Die Figuren in meinen Büchern sind mir sehr wichtig. Ich habe immer zuerst die Figuren und schreibe dann für und zu diesen Figuren eine Geschichte. Mit vielen davon kann ich mich identifizieren, hineinfühlen kann ich mich in fast alle (bei Mordsangst gab es Gewalttäter, bei denen es nicht mehr ging, da musste ich mich auf das verlassen, was ich gelesen hatte).



Ich wollte gar nicht Autorin werden ;-). Gelesen habe ich immer gerne, geschrieben auch. In meiner Teenagerzeit hatte ich eine sehr intensive Schreibphase, in der Gedichte, Songtexte und Buchanfänge entstanden sind. Ich stellte es mir total cool vor, eines Tages in Irland in einem dieser weissen Häuser mit bunten Fensterrahmen und Türen auf einer Klippe in der Küche am Fenster zu sitzen, mit Blick aufs Meer, und meinen Roman zu schreiben. Aber ein Wunsch oder gar ein Traum war es nicht. Ich wusste einfach, dass ich es irgendwann tun würde. Dass man automatisch Autorin ist, wenn man ein Buch geschrieben habe, daran habe ich keine Sekunde gedacht. Mir gings ums Schreiben, nicht um den Beruf.

Eines Tages wurde dann sehr viel später. Und geplant war es auch nicht. Kurz bevor ich 40 wurde fing ich ernsthaft mit dem Schreiben an; erst mit Kurzgeschichten, aber die waren mir zu kurz. Deshalb machte ich mich an ein Buch. Vier Jahre lang schrieb ich daran - und eines Tages war es FERTIG. Mein erstes, fertiges Buch. Ich war so was von glücklich. Und ich dachte mir: Wenn du schon eine Geschichte nicht nur angefangen, sondern auch fertig geschrieben hast, dann kannst du ja einen Verlag suchen. Also suchte ich. Zunächst wie viele andere vor mir erfolglos. Ich sagte mir: Na, dann ist der Text halt noch nicht gut genug, arbeite ich weiter daran. Per Zufall (über eine Kollegin) fand ich einen Agenten, den die erste Hälfte der Geschichte begeisterte. An der zweiten Hälfte, so beschied er mir, sei noch ein ganzes Stück zu arbeiten. Er half mir mit vielen (gnadenlosen) Tipps und Anmerkungen, die Geschichte besser zu machen. Mit dem Resultat ging er auf Verlagssuche. Er wurde fündig - und ich hatte ein Buch veröffentlicht. Das war auch der Moment, in dem ich mich zum ersten Mal als Autorin empfand. Das blieb ich dann lange Zeit "nebenbei",  nebst meiner Arbeit, meinen Kindern und meinem Haushalt. Erst seit knapp zwei Jahren bin ich hauptberufliche Autorin. Ich bin also sehr langsam in diesen Beruf hineingewachsen, der mir immer wieder ein paar Schuhnummern zu gross für mich scheint.

PS: Noch keines meiner Bücher ist in der Küche eines weissen Hauses mit bunten Fensterrahmen und Türen auf einer Klippe in Irland entstanden. DAS ist immer noch ein Traum ... wobei es mittlerweile sehr gerne auch die schottische Insel Isle of Skye sein darf.



Die Frage nach dem Lieblingsbuch ist wie die Frage nach dem Lieblingsessen. Oder nach dem Lieblingssong. Oder nach dem Lieblingsfilm. Da gibt es nie nur ein ultimativ Bestes und Liebstes, sondern mehrere, verschiedene, die ich sehr, sehr mag. Kevin Brooks steht bei mir ganz oben. Dennis Lehane mag ich auch sehr. Jemand, der eigentlich "Schuld" hat, dass ich ernsthaft mit dem Schreiben angefangen habe, ist Carol O'Connell, die mit Katy Mallory eine sensationelle Romanfigur geschaffen hat. Vor allem aber hat sie die Kathy Mallory Bücher in einem Schreibstil geschrieben, der mir den Atem genommen hat. SO, genau SO wollte ich schreiben. Eines meiner Lieblingsbücher ist und bleibt deshalb "Flight of the Stone Angel" (in der englischen Version lesen; der deutsche Klappentext ist ein Verbrechen am Buch - und wenn die Übersetzung so schlecht ist wie der Klappentext, ahne ich sehr Schlimmes für den Schreibstil!). Seit ich Bücher schreibe, interessieren mich auch die deutschsprachigen AutorInnen mehr und mehr. Petra Ivanov zum Beispiel packt mich völlig mit ihren (Jugend)büchern. Frank Reifenberg hat mit Landeplatz der Engel mitten in mein Herz getroffen, genauso wie Tobias Elsässer mit Für niemand. Und ... und ... und ... Es gibt so viele (kann sie gar nicht alle aufzählen). Und das ist gut so.



Ich bin für diese Frage die hinterste Ecke meines Dachbodens gekrochen und habe die Riesenschachtel mit den Texten aus meiner Jugendzeit hervorgeholt (als Grössenvergleich steht mein erstes Buch Blackout daneben).


In dieser Schachtel befinden sich hauptsächlich Tagebücher, aber auch Gedichte, Songtexte und ein paar angefangene Romane - bis auf einen Text alles von Hand geschrieben, weil ich zu der Generation gehöre, die ohne Computer aufgewachsen ist.

eine meiner ersten - angefangenen - Geschichten  (1975)

mein allererstes Schreibmaschinenmanuskript -
von Normseiten hatte ich damals keine Ahnung :-)

Songtext von damals

mein Deutschlehrer möge mir verzeihen -
viele meiner Texte sind in seinem Unterricht entstanden

Wenn ich so in meine Geschichten von damals hineinlese, sehe ich, dass  mich schon damals die Aussenseiter fasziniert haben. Jene, die sich  ausserhalb der Norm bewegten. Jene, die man damals wie heute als  "schwierig" bezeichnete.

Angefangen hat das Schreiben aber schon früher. Ich habe es geliebt, am Abend vor dem Einschlafen für meine Lieblingsserie "Flipper" neue Folgen zu erfinden. Aufgeschrieben habe ich diese Geschichten nie. Auch heute ist das noch so: Meine Geschichten beginnen alle in meinem Kopf, als Kopfkino. Manchmal trage ich sie wochen- oder gar monatelang einfach so mit mir herum, denke mir Szenen aus (immer noch vor dem Einschlafen!), komme meinen Figuren näher. Irgendwann, später, mache ich mir dann die wichtigsten Notizen, aber der grösste Teil der Geschichte ist als Film in meinem Kopf.

schon damals hatte ich einen Notitzbüchertick ;-)

Manchmal, wenn ich bei Lesungen erzähle, dass ich schon im Alter von 13 oder 14 meine ersten Bücher begann (fertig wurde nie eins), werde ich gefragt, ob ich die nicht fertigschreiben und veröffentlichen möchte. Die Antwort ist ein klares Nein. Ich mag die Texte, aber sie halten einer (sogar ziemlich unkritischen) Prüfung nicht stand. Ihr Platz ist die Schachtel auf dem Dachboden.

Mit dem "richtigen" Schreiben von Büchern habe ich erst mit ca. 40 Jahren angefangen, nachdem ich mich in einem Internetforum anhand von Kurzgeschichten intensiv mit dem Schreibhandwerk auseinandergesetzt hatte. Ich merkte jedoch schon bald, dass ich nicht bei den Kurzgeschichten bleiben wollte. Ich brauchte für meine Figuren viel, viel Platz - und den hatte ich in den Kurzgeschichten nicht. Mein erstes Buch "Blackout" habe ich für die Figur von Nick geschrieben. Ohne Plan. Nur mit Filmen im Kopf. Ich habe vier Jahre gebraucht für das Buch, weil ich mit diesem Buch nicht nur über (den fiktiven) Nick viel erfahren habe, sondern auch eine ganze Menge übers Schreiben gelernt habe.




Ich habe mich mit meinem ersten Buch Blackout zuerst direkt bei Verlagen beworben. Wie bei vielen anderen Autoren, lagen dann erst mal Absagebriefe im Briefkasten (falls überhaupt). Nun ja, dachte ich mir, dann ist meine Geschichte halt nicht gut genug. Ich hörte also auf zu suchen, feilte weiter an der Geschichte von "Blackout" und begann andere Projekte. Eine Kollegin empfahl mir dann ihren Agenten und stellte den Kontakt zwischen uns beiden her. Ihm gefiel mein Schreibstil und die Geschichte, aber er meinte, da müsse ich noch einmal gründlich drüber. Aufgrund seiner Anmerkungen habe ich den Text nochmals überarbeitet und ihn danach in seine Hände gelegt. Er suchte. Ich schrieb an anderen Projekten, unter anderem nahm ich am NaNoWriMo teil (diesem irren Projekt, in dem jedes Jahr zig-tausende Schreibbegeisterte im November versuchen, 50'000 Wörter zu schreiben und zu so etwas wie einer Geschichte zusammenzufügen). Mitten in dieses fiebrige Projekt hinein (ich hatte Kinder, eine eigene Firma und schrieb vorwiegend nachts, um auf die 50'000 Wörter zu kommen) kam die Nachricht, dass der Thienemann Verlag den "Blackout" herausgeben würde. Ich denke, ich hatte nicht zuletzt Glück. Thienemann suchte einen Jugendkrimi - ich bot einen an, hatte also sozusagen das richtige Buch zur richtigen Zeit.

Aus dem NaNoWriMo-Text wurde übrigens - extrem stark überarbeitet - das zweite Buch von mir (Schlechte Karten). Blackout ist zu meinem erfolgreichsten Buch geworden. 2007 erschienen, verkauft es sich nach wie vor gut, wahrscheinlich nicht zuletzt, weil es in vielen Schulklassen zur Klassenlektüre geworden ist.