Mittwoch, 18. Februar 2015

Kommunikationsidiotin oder warum man die Dinge besser auf den Punkt bringen sollte

Beim Schreiben ist es enorm wichtig, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Selbst etwas, das man zwischen den Zeilen andeuten will, braucht eine klare Formulierung. Das gelingt mir nicht immer auf Anhieb, weshalb ich meine Texte stets genau auf verschwommene Formulierungen untersuche. Nun kann es natürlich immer noch passieren, dass nicht alle beim Lesen verstehen, was ich beim Schreiben gemeint habe, aber das ist eine andere Geschichte.

Wer mich jemals als Lehrerin hatte, weiss, dass meine Anweisungen so ziemlich die ungenausten dieses Planeten sind. Obwohl ich mir dessen bewusst bin, schaffe ich es doch meistens, die Aufgabe so zu formulieren, dass meine Schüler/Kursteilnehmer nicht wissen, welche Übung auf der Kursbuchseite wir gerade besprechen (falls sie überhaupt auf der richtigen Seite sind). Weil mich alle kennen, lachen wir häufig darüber und finden uns relativ schnell am richtigen Ort auf der richtigen Seite.

Nun habe ich seit Dezember eine neue Friseuse, weil meine langjährige Friseuse im Mutterschaftsurlaub ist. Beim ersten Mal ist alles gut gegangen. Gestern nun bat ich die nette Frau, 2 1/2 cm meiner langen Haare zu schneiden (meine Zöpfe wurden zu lang). Dass ich von den kurzen nur einen guten Zentimeter weg haben wollte, konnte sie nicht ahnen, denn Gedankenlesen gehört nun einmal nicht ins Anforderungsprofil von Friseusen (auch nicht in das der meisten anderen Berufe). Irgendwie kam es mir schon komisch vor, wie viel da plötzlich von meinem Kopf verschwand. Aber bis mir dämmerte, dass auch oben 2 1/2 cem weg sein würden, war es zu spät.

Nun sollte ich eigentlich eine Mütze tragen. Nur: Mützen stehen mir noch weniger als das, was jetzt als Frisur auf meinem Kopf sitzt. Zum Glück sind meine nächsten Lesungen erst in zwei Wochen. Das gibt immerhin bis dann einen halben Zentimeter mehr.

Fazit: Bringt die Dinge auf den Punkt. Beim Schreiben und auch sonst.

Kommentare:

Jutta Wilke hat gesagt…

Liebe Alice,

vielleicht tröstet dich die Geschichte meines Großen. Er ging vor vier Wochen (auf meinen heißen Tipp hin!) zu unserem neuen türkischen Friseur. Superfreundlich, superschnell und sehr preiswert. Jan erklärte ihm, was er wollte. Rundum kurz, vorne ein bisschen länger. Tja. "Kurz" bedeutet offensichtlich bei türkischen Haarschnitten etwas anderes als bei deutschen. Bis Jan realisierte, was da geschah, hatte er am Hinterkopf gar keine Haare mehr. Da das so nicht bleiben konnte, ergab er sich seinem Schicksal und trug danach vier Wochen lang eine Mütze. Zum Glück sind diesen Winter ja Mützen, vor allem selbst gehäkelt, absolut in und sogar innerhalb geschlossener Räume salonfähig. Trotzdem war es uns allen eine Lehre! Wir gehen weiter zu dem netten türkischen Barbier, aber nur noch mit sehr genauen Anweisungen und ich bevorzugt mit einem Foto von mir aus früheren Tagen. Dann kann ich sagen: So wie die will ich aussehen :-)

*drück*

Jutta

Hausfrau Hanna hat gesagt…

Du hast doch vor einem Jahr (wie ich mich zu erinnern meine...),
liebe Alice,
eine grünes Prachtsmütze gestrickt.
Hervorholen oder -suchen! Sofort!
Und da etwas Trost sein muss:
Haare wachsen schnell nach...;)

Deine Gedanken zu verschwommenen Formulierungen bzw. etwas auf den Punkt bringen, haben mir soeben sehr eingeleuchtet und geholfen.

Herzlich Hausfrau Hanna

Alice Gabathuler hat gesagt…

Verschenkt, Hausfrau Hanna, verschenkt (eine hängt in einem Radiostudio in Zürich und die andere bei einer Wettbewerbsgewinnerin zu Hause).

@Jutt: Ganz so kurz sind meine zum Glück nicht!