Mittwoch, 8. Januar 2014

Ungeschönt - knallharte Autorenrealität

Und wieder eins weniger ....


Manchmal denke ich, dass ich gar nicht so schnell schreiben kann, wie die Bücher wieder verschwinden. Gut, Bestsellerautoren passiert das weniger. Aber Autoren im Mittelfeld und unteren Ende der Verkaufszahlen kennen diese Realität bis zum Abwinken.

Bücher werden verramscht oder nicht mehr neu aufgelegt, wenn die Verkaufszahlen für den Verlag nicht mehr stimmen. Ich habe das gute alte Früher nicht erlebt, wo Bücher noch länger auf Lager gehalten wurden, wo sie noch nicht den Buchmarkt in einer Vielzahl fluteten, die dieser Buchmarkt gar nicht schlucken kann. Ich lebe im heute, wo die Situation ist, wie sie ist. Ob wir Autoren das gut finden oder nicht.

Wir haben vier Möglichkeiten:
1. Mitschwimmen und auf die Welle hoffen, die uns den Bestseller anspült statt das neue Buch aus den Regalen, bevor es dort überhaupt richtig angekommen ist.
2. Auf Teufel komm raus mehr produzieren (und die Schwemme damit anheizen) bis wir ausgelaugt sind.
3. Kapitulieren und einen anderen Beruf suchen.
4. Das Hadern sein lassen und andere Wege gehen.

Für mich hat sich über den Jahreswechsel Möglichkeit Nummer vier wieder einmal bekräftigt. Ich will meine Bücher erhalten. Nicht, weil ich sie für die absolut unverzichtbaren Klassiker halte, nicht, weil ich in die Nachwelt eingehen will, sondern weil sie ein Teil von mir sind. Drei oder vier Jahre auf dem Markt sind mir zu wenig. Wollte ich meine nicht mehr lieferbaren Bücher letztes Jahr einfach neu herausgeben, sind inzwischen neue Ideen dazugekommen. So viele, dass ich ein Gesuch für längere Tage einreichen müsste. Weil das nicht geht, setze ich einen Fuss vor den anderen. Aber ich habe klare Ziele.

Warum ich nicht einfach dem Verlag einen Stapel meiner Bücher abkaufe, habe ich hier erklärt. Ich will neu durchstarten mit den Büchern. So professionell wie möglich. Ohne die Erwartung, hohe Verkaufszahlen zu erzielen. Aber mit dem Gefühl, meine Bücher lieferbar zu halten.

Kommentare:

Tina Zang hat gesagt…

Liebe Alice,
da sprichst du mir aus der Seele. Letztes Jahr wurden 16 meiner Bücher verramscht. Viele Jahre Arbeit stecken da drin.
Ich wünsche dir viel Erfolg beim Durchstarten :)
Liebe Grüße
Tina

Christa S. Lotz hat gesagt…

Liebe Alice,

das sind Fragen, mit denen ich mich just im Moment ebenfalls beschäftige. Für mein allererstes Buch habe ich problemlos die Rechte zurückerhalten (nach Verramschung). Und habe es dann
selbst noch mal als Ebook aufgelegt. Im letzten August bekam ich Post vom Verlag wegen der "Pilgerin von Montserrat", dass es sich nicht mehr lohnen würde und dass ich bis Oktober Bücher mit Autorenrabatt bestellen könne. Das habe ich nicht getan, und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob und wann die Rechte wieder bei mir liegen. Irgendwie habe ich die Vision, dass in ein paar Jahren alle meine Bücher weg sind. Ob ich sie noch mal selbst herausgeben will, weiß ich noch nicht. Auf jeden Fall ist das Ganze nicht gerade motivierend, da stimme ich dir vollkommen zu.

Herzlichst
Christa

Alice Gabathuler hat gesagt…

Tina, ich finde es toll, dass du dich davon nicht unterkriegen lässt. Genau das will ich auch (nicht mehr). Ich will mich nicht demotivieren lassen, Christa, ich will lernen, das nicht zu nah an mich rankommen lassen, es sogar als Chance zu sehen, neue Dinge auszuprobieren.

Anonym hat gesagt…

Zu Christas Kommentar: Damit die Rechte wieder bei dir liegen, musst du sie schriftlich beim Verlag zurückrufen. Unbedingt machen! Ich habe es mittlerweile schon zweimal erlebt, dass Verlage Interessenten für Lizenzen hatten, obwohl die Bücher bei ihnen gar nicht mehr lieferbar waren. Wenn die Rechte dann wieder bei dir liegen, hast du natürlich mehr davon.
Viel Glück euch allen
Luise

Alice Gabathuler hat gesagt…

Ich finde das (hartnäckige) Zurückfordern der Rechte auch wichtig. Ich mache das immer recht früh (früher als es mein Vertrag vorsieht) und hake dann alle paar Monate einmal nach. Bis ich die Rechte habe.

@Luise: Das ist ja spannend! Und dann? Haben sich die Verlage bei dir gemeldet? Und wenn ja welche? Die, bei denen die Anfrage eingegangen ist, oder die, die angefragt haben?

Herzliche Morgengrüsse

Alice

Christa S. Lotz hat gesagt…

@Luise: danke für den Hinweis! Beim ersten ging das auch problemlos. Später hatte ich es über die Agentur versucht, aber die meinten, solange sich das Buch noch verkaufe, ginge das nicht. Jetzt sehe ich, dass das "verramschte" Buch noch bei Amazon und im Verlag vorgehalten wird. Ich habe mir aber auf jeden Fall die Adresse der Lizenz-und Rechtsabteilung aufgeschrieben und werde sie anschreiben (per Post, vermute ich).

@Alice: Nein, niedermachen tut mich das ebenfalls nicht, es blinkt nur ab und zu auf wie das Piratenproblem. :-) Das Buch gibt es ja bisher nicht als E-Book, so könnte diese Option vielleicht einmal interessant werden.
LG
Christa