Montag, 28. Oktober 2013

Gedanken sortieren - eine Baustelle

Ich sortiere Gedanken. Oder sagen wir es so: Ich versuche, Gedanken zu sortieren. Im Moment flirren sie noch ziemlich unsortiert in mir herum.

Ich mag im Moment nicht schreiben. Trotz höllischem Deadlinedruck.
Ich verschiebe sogar das Überarbeiten. Trotz höllischem Deadlinedruck.
Ich hab mein Ziel nicht erreicht: Eigentlich wollte ich zumindest eins, wenn nicht zwei meiner vergriffenen Bücher selber publizieren. Davon bin ich weit entfernt.
Ich lecke Wunden. Während die Schullesungen mehr als gut laufen, läuft es mit den öffentlichen Lesungen überhaupt nicht. Wenige Zuhörerinnen bei der Lesung in der Thalia; die Veranstaltung für "Zürich liest" haben die Organisatorin und ich nach einem total schlechten Vorverkauf in gegenseitigem Einverständnis abgesagt. Es ist das alte Problem: Jugendliche mögen zwar die Lesungen, wenn sie erst mal da sind, aber freiwillig gehen sie (kaum) hin, Erwachsene kommen nicht an Veranstaltungen für Jugendliche (für Kinder schon, weil sie da mit ihren Kindern hingehen). Und Hand aufs Herz: Bei dem Stellenwert, den die Jugendliteratur in der Schweiz hat, wundert das auch nicht.
Und gestern habe ich erfahren, dass es nun auch meinen Verlag erwischt hat. Thienemann fusioniert mit Esslinger, an der Spitze ändert sich alles und das kann bedeuten, dass sich auch sonst eine Menge ändert. Zum Glück belastet mich das nicht besonders, denn ganz ehrlich, die Buchwelt ist eine hektische, unberechenbare und unsichere Welt geworden und man kann sich an so ziemlich jeden (Zukunfts)Gedanken gewöhnen.

Zum Glück gibt's nicht nur ein Berufsleben, sondern auch ein Privatleben. Dort herrscht eine stille, zufriedene Ruhe in der Gedankenwelt. Einzige Ausnahme: Heute Morgen muss ich Frau Tochter ganz doll die Daumen drücken!

Kommentare:

Christa S. Lotz hat gesagt…

Ich drücke dir die Daumen, Alice, fürs Schreiben, für den Verlag, für die Lesungen und für deine Tochter!

Herzlichst
Christa

Alice Gabathuler hat gesagt…

Danke. Bei der Frau Tochter hat's in einem ersten Schritt geholfen. Bei mir ist heute grad alles ziemlich hoffnungslos. Ich beschäftige mich ernsthaft mit Stelleninseraten ...

christinebiernath hat gesagt…

Das mit den Stelleninseraten kann durchaus befriedigend sein, liebe Alice!

Ich drücke dir die Daumen, dass du das Richtige für dich findest - wie immer es auch aussehen mag.

Aufmunternde Grüße über die Grenze!
Christine

Christa S. Lotz hat gesagt…

Ja, vergleich doch mal die Stellen
mit dem, was dir das Schreiben bisher gegeben hat ...aber ich kanns nachfühlen, habe heute auch das Gefühl, als hätte ich zehn Jahre umsonst geschrieben.

LG
Christa

Alice Gabathuler hat gesagt…

Guten Morgen

Nein, meine Gedanken sind noch nicht sortiert, aber ich hatte gestern gute Gespräche - und einen Herrn Ehemann, der einen Sensor für schlechte Tage hat: Er hat mir Blumen mitgebracht am Abend. Zudem hatte ich ein gutes Gespräch mit einer sehr lieben Autorenkollegin. Rat wissen wir beide nicht, aber wir haben mal zusammen die Gedanken herumgeschoben und von allen Seiten angeschaut. Das hat sehr geholfen.

Das mit den Stelleninseraten ist so: Ich guck sie mir an und denke dann immer: Aber das Schreiben ist halt schon ein toller Beruf ... Man muss es nur aushalten können. In einem Buch, das ich kürzlich gelesen habe, geht es um eine Autor. Der bekommt von einem älteren Autorenkollegen jeweils am Anfang jedes Kapitels einen Rat. Der schönste (ich kann ihn nicht wörtlich) ist gleichzeitig auch der brutalste: Dass wir weiterschreiben, gegen all den Zweifel, die Enttäuschungen, gegen das Dunkel in uns, das uns ab und zu einhüllt. Ich werde das Buch irgendwann in nächster Zeit vorstellen, dann suche ich die Stelle raus.

Also schreibe ich weiter. Versuche, meine Gedanken zu ordnen, ertrage die Wirklichkeit, wie sie ist, ertrage mich, so, wie ich bin.

Christa: Wir haben nicht umsonst geschrieben! Nie. Aber das weisst du ja :-)