Montag, 13. Mai 2013

Rückblick auf die Solothurner Literaturtage

Ich bin mit gemischten Gefühlen und Vorurteilen nach Solothurn gefahren, nicht zuletzt in der Angst, zu sperrig für diesen Anlass zu sein. Heimgekommen bin ich mit genauso gemischten Gefühlen und der Gewissheit, tatsächlich ein wenig sperrig für den Anlass zu sein, jedoch auch total motiviert, mich in Zukunft noch mehr für das Kinder- und Jugendbuch einzusetzen. Aber der Reihe nach.


Solothurn ist eine wunderschöne Stadt. Da machte es auch nichts, dass ich das Büro der Literaturtage erst einmal geschlagene 20 Minuten lang suchen musste (Google Map, die seltsame (nicht)Beschriftung der Strassen in der Stadt und der extrem versteckte Ort des Büros sind schuld). Ich hab's als Besichtigungstour genommen und als ich dann endlich - ausgerüstet mit den nötigen Infos - über die Brücke gehen konnte, war mir so richtig wohl.

Am Donnerstag habe ich die Lesung der Schweizer Literaturpreisträger besucht, über die ich hier schon berichtet habe. Für mich ging es am Freitag mit der Lesung von Icon Poet los. Ich war begeistert vom Spiel, der Art, wie es präsentiert wurde und von den Jugendlichen, die toll mitgemacht haben. Weniger begeistert war ich darüber, dass der Saal halb leer war, aber dazu später mehr.

Pünktlich auf meine Lesung und das anschliessende Gespräch kam meine Autorenkollegin Karin Bachmann und wer wissen möchte, wie es gewesen ist, kann das hier in ihrem Blog nachlesen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen haben wir zwei weitere, leider nicht besonders gut besuchte Kinder- und Jugendveranstaltungen von Bettina Wegenast und Jürg Schubiger besucht, wo dann auch Corinne Schroff (wie Karin und ich Vorstandsmitglied von Autillus, dem Verein der Schweizer Kinder- und Jugendbuchschaffenden) zu uns stiess. Für uns drei war klar: Schuld an den schlecht besuchten Kinder- und Jugendliteratur Veranstaltungen war die schlechte Information. Die Fussnote auf dem Flyer war absolut keine Hilfe, das Programmheft auch nicht, weil die Veranstaltungen da zwar aufgeführt worden waren, aber ohne Angabe von Ort und Zeit. Und noch läuft nicht jeder mit einem Tablet oder Smartphone durch die Gegend und informiert sich online, wo die Kinder- und Jugendbuchschaffenden auftreten.

Die Podiumsveranstaltung "Neue Medien in der Kinder- und Jugendliteratur" war nicht nur extrem gut besetzt, sondern auch gut besucht - und vor allem spannend! Viel Zeit, um darüber zu diskutieren hatten wir nicht, weil wir gleich an die Think Tank Veranstaltung weiterzogen. Dieser Think Tank war eine Neuheit dieser Literaturtage. Eine fünfzehnköpfige Runde (in der leider keine Kinder- und Jugendbuchschaffenden vertreten waren) beschäftigte sich vor und während der Literaturtage intensiv mit der literarischen Zukunft der Schweiz und hat am Ende der Literaturtage einen - wie ich finde - diskussionswürdigen Forderungskatalog erstellt.

Meine Meinung zur Kinder- und Jugendbuchliteratur als Fussnote auf dem Flyer hatte ich den Organisatoren schon vor dem Festival mitgeteilt. In der Podiumsrunde des Think Tank habe ich dann die Frage nach den Kinder- und Jugendbuchautoren nochmals deponiert, mit der Bitte, uns in Zukunft auch eine Stimme zu geben. Deshalb auch das Gefühl, zu sperrig zu sein. Den Mund einfach nicht halten zu können.

Mein Fazit, zusammengefasst:

Positiv:
- Ich habe viele interessante Veranstaltungen besucht
- Ich habe mich mit weiteren Vertretern aus dem Kinder- und Jugendliteraturbereich vernetzen können
- Ich bin wunderbar unterstützend begleitet worden von Karin Bachmann und Corinne Schroff (DANKE!)
- Die Lesung der Preisträger 2012 war ein Höhepunkt und eine Freude
- Ich habe meine Lesungen und mein Gespräch sehr genossen
- Ich bin motiviert für einen weiteren, verstärkten Einsatz für das Kinder- und Jugendbuch nach Hause gekommen

Negativ:
 - Das Kinder- und Jugendprogramm hat unter der Fussnote im Flyer und den zu wenig genauen Angaben im Programmheft gelitten
- Die Kinder- und Jugendbuchschaffenden waren im Think Tank nicht vertreten, wahrscheinlich ein gedankenloses Versäumnis, das aber sehr wehtut, denn wir brauchen dringend eine Stimme.
- Die Medien haben ausführlich über die Literaturtage berichtet, wobei das Kinder- und Jugendliteraturprogram nichts weiter als eine Fussnote (falls überhaupt) ist.

Kommentare:

Titus hat gesagt…

Es ist ja schon ein ziemlicher Widerspruch in sich, einerseits in den fraglichen 14 Forderungen das "Lesen und kreative Schreiben in den Schulen" zu verankern, dann aber an diesen Literaturtagen die Kinder- und Jugendbücher so stiefmütterlich zu behandeln. Irgendwie scheint man in "Solothurn" noch nicht so ganz verstanden zu haben, dass die Lesenden von morgen die Kinder von heute sind.

Aber hey, was erwartet man von einer Truppe, welche - nach Planwirtschaft anmutend - verlangt, dass jedes siebte, von einer Bibliothek eingekaufte Buch von einem lebenden Schweizer Autor stammen müsse?

Immerhin habe ich nun dank diesem Blog-Beitrag (!) gelernt: "Solothurn" ist nicht nur etwas für Erwachsene.

Alice Gabathuler hat gesagt…

Oh, Titus! Ist das schön, wieder einmal von dir zu hören. Ich habe schon fast die Suchhunde losgeschickt!

Nein, Solothurn ist beileibe nicht nur für Erwachsene! Das Kinder- und Jugendliteraturprogramm ist wirklich gut. Ich bin auch zuversichtlich, dass es nächstes Jahr besser positioniert ist ... und das mit der Kinder- und Jugendliteratur, die zwischen alles Stühle und Bänke fällt, sind wir Kinder- und Jugendbuchautoren bis zum Abwinken gewohnt. ABER!!! Wir tun was dagegen. Und wir lassen uns nicht unterkriegen.