Sonntag, 17. März 2013

Ostschweiz am Sonntag

EDIT: Man sollte keine Blogeinträge schreiben, wenn man sich zu sehr ärgert. Ich habe den nachfolgenden Text überarbeitet - damit man ihn besser versteht. Ärgern tue ich mich immer noch ...

Ich habe seit drei Wochen eine neue Sonntagszeitung. Gewollt habe ich sie nicht, bestellt sowieso nicht. Sie wurde mir von meiner Lokalzeitung aufgedrückt. Ich bin also sozusagen Zwangsabonnentin. Über dieses Vorgehen habe ich mich bei meiner Lokalzeitung vor Wochen beschwert.

Das ging so: Via Lokalzeitung (nicht persönlich) wurden wir Abonnenten informiert, dass wir Ostschweizer jetzt endlich auch eine Sonntagszeitung bekommen. Aha, dachte ich. Noch eine. Brauche ich nicht. Und las weiter. Die Ostschweiz am Sonntag ist kein Produkt meiner Lokalzeitung, sondern eines ganzen Verbundes von regionalen Zeitungen aus den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Appenzell.

Mir schwante etwas. Als Randregion einer Randregion würde meine Region von dieser Zeitung nicht allzuviel abbekommen - und ganz ehrlich, was am anderen Ende des Thurgaus regional passiert, interessiert eine Werdenbergerin nicht unbedingt brennend. Sogar unsere Kantonshauptstadt St. Gallen ist für jemanden aus meiner Region eine halbe Weltreise entfernt (u.a. weil die Verbindungen des öffentlichen Verkehrs dorthin schlicht bescheiden sind). Nein, brauche ich nicht, dachte ich.

Aber dann kam der Hammer. Man wurde nicht gefragt, ob man die Zeitung wollte. Fröhlich verkündete die Lokalzeitung, dass wir alle diese Zeitung bekommen. Die meisten davon sogar am Sonntag im Briefkasten. Probenummer? Fehlanzeige. Vielleicht ein Gratismuster für Abonnenten, als Anreiz? Fehlanzeige. Es war ein "take it or leave it."

"Take", also nehmen, wollte ich das Ding nicht unbedingt. Aber das mit dem "leave" war auch nicht so einfach, denn mit der neuen Sonntagsausgabe geht - logischerweise - eine ziemliche Preissteigerung des Abos einher. Wollte man die Sonntagsausgabe nicht (will heissen, bestellte man sie ab), verteuerte sich das normale Abo massiv, einfach so, päng, weil jetzt eine Sonntagszeitung zum Paket gehört. (Ich glaube, so etwas nennt man Quersubvention). Egal, wie man es drehte und wendete, es war Frustration pur..

Nun gut, Frust über das sehr befremdende Vorgehen in Sachen Lesergewinnung und den Preis ist das eine. Vielleicht würde sich der Frust ja legen, wenn die Zeitung zum ersten Mal im Briefkasten lag. Tat er nicht. Bei der ersten Ausgabe konnte man noch darüber hinwegsehen, dass sie etwas beliebig schien, mit vielen auf Halde vorbereiteten Artikeln, u.a.über lokale Begebenheiten, die den Rest der Ostschweiz nicht wirklich interessiert. In der zweiten Woche schluckte ich leer über den praktisch inexistenten Kulturteil, heute hat es mir den Hutdeckel gehoben.

EINE Seite Kultur (zwei Seiten "Reisen", sechs Seiten "Sport", fast eine ganze Seite für einen Mann, der mit der Zunge einen Knopf in Spaghetti machen kann ... und EINE EINZIGE Seite Kultur.) Diese eine Seite Kultur besteht zu ungefähr einem Viertel aus Bildli (=Bildchen) von schönen Promis, die an irgendeiner Filmpremiere in St. Gallen waren. Das ist keine Kulturseite, das ist eine Bankrotterklärung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es in der Ostschweiz nur so brummt an kulturellem Leben (nein, das ist kein Witz, das ist so ... nur erfährt das nie jemand, weil praktisch nie jemand darüber schreibt).

Zum Rest der Zeitung ist zu sagen, dass mir die wirklich spannenden aktuellen Themen fehlen, dass der erste Bund immer noch ein Sammelsurium an beliebig zusammengestellten Artikeln ist (bis hin zum Bagatellverkehrsunfall). Ach ja, vielleicht das noch: Wahrscheinlich müsste ich Sportfreak sein, um die Zeitung zu mögen. Der Sportteil ist nämlich sehr umfangreich. Blöd, dass der mich nicht interessiert.

Und jetzt habe ich ein Problem. Ich mag meine Lokalzeitung. Es ist die einzige Zeitung, die ich noch abonniert habe - alle anderen Abos habe ich im Lauf der Jahre gekündigt. Aber ich bin den Verantwortlichen böse. Darüber, dass sie mir ungefragt eine Zeitung aufgedrückt haben, die ich nicht will. Und noch viel mehr darüber, dass ich für das Abo ohne diese aufgedrückte Zeitung einfach so - ohne irgendeinen Mehrwert - eine ziemliche Menge mehr bezahlen muss.

PS: Ich habe keine Ahnung, wie das rechtlich ist. Wahrscheinlich habe die Anwälte das geprüft. Aber als bezahlende Abonnentin hätte ich zumindest ein Schreiben erwartet, das mir die Möglichkeiten aufzeigt. So wurde mein Abo einfach automatisch geändert ...

Kommentare:

bugsierer hat gesagt…

wie jetzt? ohne sonntagszeitung kostet dein lokalblatt mehr als mit sonntagszeitung? zahlen bitte.

Alice Gabathuler hat gesagt…

Ich habe die Zahlen verzweifelt gesucht, als ich den Eintrag verfasst habe. Blöderweise habe ich den Brief weggeworfen und finde den Artikel der Lokalzeitung online nicht *grmpf*

Ich mach's mal aus der Erinnerung und ohne Gewähr:

Jahresabo Lokalzeitung früher (ohne Sonntagszeitung dazu): 320 CHF (behafte mich nicht auf die genaue Zahl)
Jahresabo mit Sonntagzeitung dazu; CHF 370.00 (diese Zahl sollte stimmen)
Jahresabo Lokalzeitung neu (ohne Sonntagszeitung). 345 CHF.
25 Franken teurer. Einfach so. Ohne dass sich auch nur irgendwas geändert hat.

Probelesen konnte man das Ding nicht gratis. Wer die Zeitung nicht von vornherein abbestellte, hatte sie automatisch im Briefkasten.

Geschah nicht nur mit den Abonnenten der Lokalzeitung so, sondern auch anderen Abonnenten, zum Beispiel jenen des St. Galler Tagblatts (bei denen liegen einfach die Zahlen höher) und noch anderen.

PS: Muss den Blogeintrag noch einmal lesen. Da muss irgendwas unklar formuliert sein. Meine Lokalzeitung ist ohne Sonntagszeitung nicht teurer als mit, aber doch recht viel teurer als vorher.

PPS: Hast du Lust auf eine Ausgabe? Ich schick sie dir. Samt St. Galler Promibildli und Gemeindestreit in Hintertupfinghausen.

Alice Gabathuler hat gesagt…

Oh, ich vergass zu erwähnen, dass das Werdenberg (also meine Region) glaub ich nicht zur Ostschweiz gehört. Die hört in St. Margrethen (mit seinem Problem, die Posten für die irdischen katholischen Vertreter auf Erden nicht mehr besetzen zu können) auf. Aber die Zeitung wollen sie mir trotzdem verkaufen.

Am meisten ärgert mich, dass mich das ärgert. Wie immer. Gelassenheit, wo bist du?

Alice Gabathuler hat gesagt…

Oha. Das Ganze scheint mir tatsächlich an die Nieren zu gehen: Es gab ja gar keinen Brief ... Stand einfach eines Tages in der Zeitung. Und eben diesen Artikel habe ich nicht gefunden.

bugsierer hat gesagt…

tja, alles sicher nur bedingt charmant, aber wenn schon ausrufen, dann mit bitte mit fakten. z.b. auch der titel deiner lokalzeitung wäre intessant zu wissen.

nein bitte nix schicken, diese lokaldinger sehen überall gleich (schlecht) aus.

Alice Gabathuler hat gesagt…

Was? Du willst dir echt keine schlechte Lokalsonntagszeitung ansehen? (hihi).

An den Zahlen arbeite ich. Und ich kenne jemanden, der jetzt mal abklärt, ob das ganze rechtlich "verhebt". Wobei es das wahrscheinlich tut, denn für irgendwas haben die Firmen ja Anwälte. Muss also im Kleingedruckten stehen.

Meine Lokalzeitung ist, wie schon öfters hier erwähnt, der Werdenberger&Obertoggenburger. Du würdest ihn wahrscheinlich nicht mögen: Sehr lokal und die Online Ausgabe mit voller Paywall :-)

Bobsmile hat gesagt…

Ich bin Abonnent der Zeitung "Der Bund", und da gabs seit Herbst 2012 jeweis die Sonntagszeitung plötzlich gratis dazu. Ich hatte also von da an regelmässig einen dicken Stapel Papier im Briefkasten, den ich so eigentlich gar nicht wollte. Ok, es wurde gross und breit auf der ersten Seite kommuniziert, dass dafür ab 2013 20.- fürs erste Jahr zum normalen Abopreis dazukommen. Ärgerlich, dass man die Zeitung abbestellen muss und nicht umgekehrt. So schrieb ich kurz vor Eintreffen der neuen Aborechnung eine EMail, sie möchten mir bitte keine Sonntagszeitung mehr zusenden. Und siehe da, ab sofort war Sonntags mein Briefkasten leer und die Rechnung belief sich dann auch auf die 449.- (2012: 434.-)Jahresbeitrag für das "normale" Zeitungsabo. Damit hatte sich das Abo also um 3.3% verteuert.

Trotzdem möchte ich vorerst nicht auf die Printausgabe verzichten, die nach dem Lesen auch noch gute Dienste für die weiterhin benötigten Winterschuhe leistet.
:-)

Anonym hat gesagt…

Die rechtliche Seite ist laut eines Artikels des SRF vom 4. April dieses Jahres klar:


"Konsumentenschützer kritisieren dies. Ihr Argument: Wer nichts ausdrücklich bestellt habe, müsse auch nicht dafür zahlen. Unterstützung erhalten sie von juristischer Seite. Ein eigentlicher Vertrag sei unter den vorliegenden Umständen nicht gegeben, sagt Gabriela Baumgartner, Juristin beim Schweizer Radio und Fernsehen."
http://www.srf.ch/news/regional/ostschweiz/abonnement-politik-der-tagblatt-medien-in-der-kritik

Alice Gabathuler hat gesagt…

Herzlichen Dank für die Info. Ich habe seit rund zwei Wochen ein paar Hintergrundinfos, die mir zum Teil die Haare aufgestellt haben. Ich darf nicht alle verraten, aber so viel: Ich weiss, dass die Abo-Abteilung meiner Lokalzeitung ist jetzt in Schlieren bei der NZZ-Gruppe ist ... und dort meldet man sich mit "Tagblatt" statt mit "W&O" und erzählt einem auch anderen Müll, was meine Lokalzeitung nun ausbaden darf.

Anonym hat gesagt…

Hallo

mir ergeht es genau gleich mit der neuen Zeitung "Ostschweiz am Sonntag". Wie sieht den die Rechtliche Sicht aus, wen man die eigentliche Sonntags-Zeitung erst am Montag im Briefkasten hat und zugleich nicht sehr regelmässig, weil der Pöstler wahrscheinlich denkt, der braucht das alte Papier eh nicht mehr am Montag.

Muss ich dann die Abogebühren auch bezahlen obwohl die Zeitung immer erst einen Tag später zugestellt wird?

Gruss

Alice Gabathuler hat gesagt…

Ich fürchte ja - denn auch das ist im Voraus in den Medien so kommuniziert worden. Und genau darauf reden sie sich heraus. Dass alle Informationen vorhanden waren.

Rechtlich mag das zwar knapp "verheben", aber moralisch finde ich das total verwerflich. Und ich denke, es wird dem Medienkonzern zumindest kurzfristig schaden, denn unzufriedene Kunden machen irgendwann nicht mehr die Faust im Sack, sondern kündigen einfach das Abo.

Mein Rat: Die Aboabteilung anrufen und sich beschweren (und dabei bitte freundlich bleiben, die Dame / der Herr am Telefon kann ja nichts dafür, dass die Dinge sind, wie sie sind).