Montag, 11. Februar 2013

Wie viel Internet muss, kann, soll, darf es sein?

Was hat man uns Autoren nicht alles einreden wollen!

Dass man weg ist vom Fenster, wenn man nicht online ist. Dass man präsent sein muss. Greifbar für den Leser und die Leserin. Zum eigenen Aushängeschild werden. Interaktiv sein. Kommunizieren. Alles andere habe keine Zukunft. Denn das neue Leben ist online. Vernetzt. Verknüpft. Verklinkt. Mag sein. Aber in meinem Umfeld häufen sich die Menschen, die genug haben. "Mir wird das alles zu viel", hat mir kürzlich ein Kollege verraten. "Ganz ehrlich, manchmal langweilt mich das", sagte ein anderer. Ich selber ziehe mich ab und zu total zurück. Lebe internetlos in den Bergen und merke, dass ich überhaupt nichts vermisse. Nur wenn ich wieder im Tal unten bin, eingeloggt in die virtuelle Welt, angehängt an den überwältigenden Datenstrom, meldet sich die innere Stimme, die sagt, dass ich da dabei sein muss. Denn: Entweder ist man dabei, oder man geht unter.

Privat würde ich diesen Irrsinn nie mitmachen. Dann würde ich genau das tun, was ich immer gerne getan habe: Bloggen. Ausschliesslich. Aber die Autorin, die ich auch bin, findet immer wieder Gründe, warum sie sich nicht einfach aus dem Strom verabschieden kann.

Gestern hat sich meine Autorenkollegin und Freundin ausgeklinkt. Mir fehlt der Mut. Noch.

Kommentare:

Tom Zai hat gesagt…

Ich habe Juttas Blog gelesen - und natürlich deinen. Mir hat kürzlich jemand die Augen geöffnet zu diesem Thema. Ich denke, man sollte als Autorin oder als Autor das machen, wozu man sich berufen fühlt: sich mitteilen, texten, Geschichten erzählen, die Meinung nicht hinter dem Berg halten.
Deswegen bloggen wir. Wir halten uns - aus welchen Gründen auch immer - für wichtig genug, Geschriebenes zu veröffentlichen. Und das machen wir sehr oft nicht schlecht.

Was dabei entsteht ist eine digitale Spur, die letztendlich der Vermarktung unserer Bücher nützen kann.

Wie auch immer, die Chance, dass wir wahrgenommen werden, steigt, wenn wir konsequent "meaningful content" veröffentlichen. Es entsteht ein Netz, dass im Untergrund des Webs sehr wohl registriert wird.

Was wir vermutlich nicht leisten können, ist der permanente Dialog mit der Welt. Das überfordert uns. Ich sehe, wie viele einen Scheindialog aufrechterhalten über "Maschinen", die das für einen erledigen.

Wenn man sich einmal losgesagt hat von der Abhängigkeit von "Likes" und "a fond perdu" publiziert und auf das reagiert, was einen unter den Nägeln brennt, dann ist das vermutlich die adäquate Lösung für uns.

Wir wollen wahrgenommen werden. Basta! Und das werden wir dann, wenn wir authentisch bleiben.

Wer ist authentischer als du Alice?

Ich lese grad zum ersten Mal (Schande über mich) in einem deiner Bücher (Starkstrom) und bin absolut und total begeistert.

Keep on rockin, Alice! Und man wird dir zuhören.

Herzliche Grüsse
Tom

Alice Gabathuler hat gesagt…

Social Media hat viel mit Dialog zu tun. Früher bekam ich das in den Blogs. Ich erinnere mich an veritable Kommentarschlachten und vermisse sie ohne Ende. Heute setzt man auf Likes und Retweets. Das ist nicht meine Welt und mit "meaningful content" hat das für mich auch nicht unbedingt etwas zu tun.

Ich habe heute viel nachgedacht und bin für mich zu einer Lösung gekommen. Ich gehe zurück zum Bloggen. Dann haue ich die Links auf FB, Twitter und Google Plus. Einfach so. Aber die Basis wird das sein, was ich immer am meisten geliebt habe: Das Bloggen. Plus allenfalls in den spannenden Diskussionen bei Google Plus mitmachen, die einzige Plattform, die mich einigermassen überzeugt.

Ich bleibe ich. Oder besser: Ich werde wieder ich. Darauf freue ich mich.

Erst einmal klinke ich mich jetzt aber aus und gehe zurück in die Berge. Ich will ungestört schreiben :-) Über die überwältigend grossen Gefühle meines Protas.

Jutta Wilke hat gesagt…

Liebe Alice,
das mit dem Verlinken des Blogs bei FB und Twitter hatte ich seit ein paar Monaten auf meiner Autorenseite so probiert.
Sprich: Ich habe stumpf meine Blogbeiträge auf FB gepostet, ohne Diskussion, ohne Kommentar, habe von dort aus auf Twitter verlinkt. Fertig.
Was war das (mein) Ergebnis?
Dass meine "Fans" auf FB zwar "gefällt mir" klickten, aber weder kommentierten, nicht auf FB, schon gar nicht im Blog.
Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass mein Blogbeitrag eigentlich nicht mal mehr gelesen wird, sondern einfach nur geliked. Probier es aus. Für mich war die Lösung keine befriedigende.
Heute hatte ich zum ersten Mal wieder einen "lebendigen" Blog. Und bin so so glücklich damit.
Liebe Grüße
Jutta

Nikola Hotel hat gesagt…

Da muss ich Jutta (leider) Recht geben. Seit einiger Zeit schon verlinke ich meine Blogartikel auf fb und Twitter. Sie werden aber dann nur noch dort geliked und manchmal auch kommentiert. Google Analytics sagt mir zwar, dass auf den Blog vermehrt zugegriffen wurde, soweit geht das in Ordnung, aber die Kommentare auf dem Blog bleiben leider aus. Ok, das muss auch nicht jedesmal sein, aber schade ist es doch, weil auf fb alles irgendwann ins Nirwana verschwindet. Trotzdem halte ich Deine Idee für sinnvoll. Weil man sich den Bedürfnissen seiner Leser manchmal auch anpassen muss. Und wenn die eben gerne über FB informiert werden wollen, dann sollen sie das gerne haben.:)

Ich wünsche Dir jedenfalls ein paar schöne, reine Schreibtage in den Bergen!

Alles Liebe
Nikola

Alice Gabathuler hat gesagt…

@Jutta und Nikola
Ich weiss. Am wenigsten Rückmeldungen kommen bei FB und Twitter auf verlinktee Postbeiträge. Meine Erfehrung: Foto ist immer gut. Persönlich ist immer gut. Und wenn man auf FB nicht untergehen will, muss man bei anderen "liken" oder kommentieren. Auch wenn es nur ein Smiley ist. So funktioniert FB nun mal. Interaktion, Kaffeeklatsch und ein bisschen Netzwerken.

Ich kann ohne "likes" gut leben. Der Link auf den Blog ist ein Angebot. Man kann es nutzen oder nicht. Man findet mich auf FB, wenn man möchte, man kann meinen Spuren folgen. Man muss aber nicht. DAs geht in Ordnung so und verursacht nicht viel Aufwand.

Bei Twitter koche ich sowieso auf Sparflamme. Da bin ich mehr, um den letzten paar unabhängigen, guten Journalisten zu folgen.

Google Plus finde ich am spannensten, weil dort verlinkte Beiträge gelesen werden und wenn sie Substanz haben, auch kommentiert werden. Es ist bei Google Plus schwieriger, sich seine Kreise aufzubauen, aber das ganze Ding hat mehr Qualität.


Christa S. Lotz hat gesagt…

Dass verlinkte Blogbeiträge nicht gelesen werden, habe ich schon sehr bald bei FB bemerkt, ebenso
damals bei Twitter. Ich weiß noch, wie ein junger Heißspund ständig in seinem Blog gemeckert hat, warum mal wieder kein Schwein seine Beiträge lese! :-) Ein paarmal war ich schon versucht, mich bei FB abzumelden, weil mich die ewigen Sprüche und Tierbilder genervt haben. Ich tue es (noch) nicht, weil ich einiges daran auch mag und mich ein paar Leuten schon verbunden fühle.

LG
Christa