Dienstag, 20. Dezember 2011

Zeitlupenleben

Was habe ich früher den Winter gehasst! Garstig kalt, garstig dunkel, garstig gar alles. Ich habe den Winter so sehr gehasst, dass ich nicht einmal den Herbst geniessen konnte - weil nach dem Herbst, der eigentlich wunderschön ist, der Winter kommt. Irgendwann ist irgendwas passiert. Vielleicht war der Prozess ja auch schleichend. Keine Ahnung. Auf jeden Fall konnte ich dieses Jahr den ersten Schnee fast nicht erwarten. Zuerst fiel er in den Bergen, dann auch bei uns im Tal. Während ich diesen Text schreibe, tanzen draussen vor dem Fenster die Flocken - und ich gucke alle naselang nach, ob sie auch wirklich noch fallen.

Die letzten drei Tage verbrachten wir in den Bergen. Parken vor dem Haus war unmöglich. Die lange Strecke zur Haustür im fast knietiefen Schnee war ein Erlebnis. Dann schneeschaufeln ohne Ende. Eintauchen in das Weiss, das so still ist. Die Zeit bremst ab. Es zählt nur der Augenblick. Später dann die Spaziergänge im Schnee. Spuren folgen, zum Teil die Spuren selber ziehen. Den eigenen Herzschlag fühlen. Leben in Zeitlupe.


 

Kommentare:

Andreas Fritz hat gesagt…

Hi Alice,

da kann man hier bei dem mistigem Wetter ganz neidisch werden. Genieß es und Danke für die schönen Bilder.

Ich wünsche Dir und Deinen Lieben eine schöne Weihnachtszeit.

Liebe Grüße
Andreas

AnnetteWeber hat gesagt…

Oh, wie wunderschön!
Ganz viel Ruhe wünsche ich dir. Die hast du verdient!

Annette

Alice Gabathuler hat gesagt…

Heute hat's auch im Tal unten geschneit. Und wie!!! Ich glaube, so viel Schnee hatten wir seit Jahren nicht mehr :-)

Bobsmile hat gesagt…

Ach, ich liebe solche Bilder, hinter denen so viel Poesie steckt, welche im hektischen Alltag meistens zu kurz kommt, und assoziiere dazu immer dieses eine, für mich einfach treffendste Wort: Entschleunigung.

In diesem Sinne wünsche ich dir ganz viele Spuren, denen du folgen und danach deine eigenen in noch unberührte Gebiete ziehen kannst.

Festliche Grüsse,
Bobsmile