Montag, 14. November 2011

Illegale

Als Autorin hinterfrage ich Dinge. Als Rheintalerin bin ich mit einem sturen Grind (harten Schädel) ausgerüstet. Als Bahnfahrerin fahre ich mit Zügen, die es offiziell nicht gibt und steige an Haltestationen aus, an denen der Zug zwar anhält, aber nur real, nicht gemäss Fahrplan. Was mich nebst Autorin und Rheintalerin zur Illegalen macht, denn gemäss irgendwem darf ich das aus irgendwelchen Gründen nicht  - das "irgendwem" und das "irgendwelche Gründe" kenne ich leider noch nicht, aber der Reihe nach:

Weil ich zwar gerne Autorin und meistens auch gerne Rheintalerin bin, aber nicht unbedingt eine Illegale, bin ich der Sache nachgegangen und gestehe: Der zweite Zwischenstand meiner Nachforschungen ist noch weniger erhellend als der erste:

Vom lokalen SBB Schalter erfuhr ich:
Die Oebb bestimmt, welche Personenbeförderungsbestimmungen in ihrem Euronight Nachtzug gelten.

Der Oebb Kundenservice schrieb mir:
Die Euronight (EN) Züge von und nach Zürich werden, ebenso wie alle anderen Fernverkehrszüge auf dieser Strecke, zwischen Buchs und Zürich nicht mehr von der ÖBB-Personenverkehr AG geführt, sondern von der SBB. Die SBB hat entschieden, dass bei EN von Zürich nach Österreich in Sargans und Buchs kein Ausstieg zugelassen ist. 

Und über allem hängt immer noch die Frage, WO geschrieben steht, dass ich in Sargans und Buchs nicht aussteigen darf.

Aber vielleicht ist das die falsche Frage: Vielleicht gibt es weder diesen Zug noch mich, noch irgendwelche Zuständigkeiten - nur die Matrix, diesen grandiosen Tummelplatz der Illusionen.

Kommentare:

Titus hat gesagt…

Du stellst die Frage falsch: Wo steht geschrieben, dass irgendwo geschrieben stehen muss, dass man in Sargans nur zu- aber nicht aussteigen darf? ;-)

Aber Du hast Recht: Es steht wirklich nirgends geschrieben, dass man dort nicht aussteigen darf, obschon vermutlich im HB Zürich sehr wohl "Sargans" und "Buchs" angezeigt wird...

Übrigens, wie wär's damit: http://youtu.be/NFNtPyvvXBI

;-)

Alice Gabathuler hat gesagt…

Ach Titus, es ist noch viel komplizierter:

- Man darf in Sargans und Buchs nicht aussteigen
- Man darf in Zürich, Sargans und Buchs nur einsteigen, wenn man nach Österreich oder Kroatien fährt.

Also: Reisende nach Buchs und Sargans sind auf dem Zug nicht erwünscht. Solche nach Feldkirch (nächster Halt nach Buchs, gleich hinter der Grenze, schon).

Das ist schon bei den EN Zügen am Morgen so. In Feldkirch könnte man einsteigen, in Buchs und Sargans nicht, aber dort ist es wenigstens angschrieben, dass man nicht einsteigen darf.

Zu Zürich: Ich weiss es nicht, weil ich seit drei Wochen an drei Abenden in Sargans arbeite und dort zusteige, denke aber, dass Sargans und Buchs nicht auf der Tafel aufleuchten (das ist der einzige Hinweis, den man als Reisende hat). Ich wusste nicht einmal, dass ich nicht mitfahren darf, bis mich jemand darauf aufmerksam gemacht hat. Theoretisch können sie einen entweder bei der nächsten Station rauswerfen, oder in Buchs nicht aussteigen lassen.

Dieser Railjet / EN Timeslot ist die EINZIGE DIREKTE VERBINDUNG zwischen Buchs und Zürich. Ganz witzig auch: In den Zug um 22.40 ab Zürich (ebenfalls der EN) dürfen wir einsteigen. Nur in den um 20.40 nicht.

Und so rottert er dann von Zürich bis nach Buchs für uns Rheintaler als Geisterzug durch die Gegend. Es ist allerdings nicht verboten, ihm mit einem Taschentuch zuzuwinken :-)

Es ist so: So etwas hält man nur mit Galgenhumor aus. Frau Tochter und ich fuhren am Freitagmorgen gemeinsam nach Chur und amüsierten uns bestens über den "hohen SBB Standard" (den man uns unter anderem als Grund angibt, weshalb wir nicht in den Morgenzug nach Zürich einsteigen kann), der da wäre: Eine Tür, die kaum aufgeht, Uraltwagen mit Fenstern, die man öffnen kann, um den Fahrtwind hereinzulassen, aber nicht öffnen muss, denn der Wind kommt (beim Fensterplatz) auch so rein, völlig ausgeleierte, schmutzige Sitze und quietschende Bremsen. Dafür wollte auf der ganzen Fahrt kein Schaffner das Ticket sehen ... (40 Minuten lang).