Dienstag, 30. August 2011

Von jenen, die man nicht sieht

Oder nicht sehen will. Heute Morgen bin ich einem von ihnen begegnet. Ohne Arbeit, ohne Perspekive. Zu alt für einen neuen Job. Zu jung für die Pension. Zu stolz fürs Sozialamt. Zu viel Alkohol, weil das Leben sonst nicht zu ertragen ist.  Es bleibt der Sprung vor den Zug, aber dazu fehlt der Mut. Wir haben ziemlich lange geredet. Irgendwann bin ich weitergegangen, er ist geblieben, mit seiner Plastiktüte voller Bierbüchsen (die er spottbillig kaufen konnte, so billig, wie man sonst gar nichts bekommt).

Sie sind überall. Wer sie sehen will, sieht sie. Wer sie nicht sehen will, sieht sie nicht. Und jede(r) von ihnen hat eine Geschichte. Ich bin wütend. Nicht auf den Typen, den habe ich total gemocht. Ich bin wütend darauf, dass unsere Gesellschaft Menschen aussortiert wie Abfall. Wer nicht mitkommt, bleibt liegen.

Kommentare:

Peter hat gesagt…

Du hast es auf den Punkt gebracht. Mann/Frau ist nur dann ein Bürger dieses Landes oder ein "braverGastarbeiter" solange er/sie arbeiten geht, brav Steuern bezahlt und dem Staat nicht auf der Tasche liegst.

Das "Wir" ändert sich aber rasch, wenn du beginnst die Sozialwerke in Anspruch zu nehmen. Gelernte Schweizer meiden diesen Weg oder verzichten überhaupt darauf. Sie werden zu Menschen im Schatten der Gesellschaft und sind als solche nicht mehr wahrnehmbar. Nur wenn dem ein oder anderen seine Problem über den Kopf wachsen findet er den Weg in die Medien . Leider eben nicht zu erfreulichen Anlässen.

Diese Menschen haben jahrelang ihre Beiträge bezahlt und werden im Notfall zu Bittstellern degradiert. In unserer Egogesellschaft ist für solche Mitmenschen kein Platz mehr. Traurig, dass sie auch über keinen Lobby verfügen. So tragisch auch die Ereignisse in Afrika sein mögen. Armut gibt es auch in der Schweiz. Vielleicht ist auch der Nachbar betroffen. Wollen wir das überhaupt wissen ?

Anni Bürkl hat gesagt…

Danke!

PS: Kein Schweiz-Phänomen!