Mittwoch, 8. Dezember 2010

Was gute Bücher für Jungs mit Politikersprache zu tun haben

Mein Ärger des Tages hüpfte mich frühmorgens beim Zeitunglesen an.

SCHRIFTSTELLER, SCHREIBT MEHR GUTE BÜCHER FÜR BUBEN!

knallte mir fett die Schlagzeile auf Seite zwei entgegen. Die Forderung kommt von der Zürcher Regierungsrätin Regina Aeppli, die ganz genau wissen sollte, dass es unendlich viele gute Bücher für Jungs gibt - ihr Kanton organisiert nämlich jedes Jahr im Dezember und Januar unter dem Titel "Literatur aus erster Hand" Autorenlesungen, die bei Kindern, Jugendlichen und Lehrkräften auf Begeisterung stossen (auch bei den männlichen Vertretern).

Es ging im erwähnten Artikel um das Leseverständnis. Um Sprache also. Und ich wage jetzt zu behaupten: Es gibt genügend gute Bücher für "Buben" / Jungs. Daran kann es nicht liegen, wenn es mit der Sprache und dem Leseverständnis manchmal etwas im Argen liegt. Ich orte hier jetzt - aufgrund meines zweiten Ärgers des Tages - ganz viel Verbesserungsbedarf in der Politik.

Wie sollen "Buben" / Jungs den  (respektvollen) Umgang mit der Sprache lernen, wenn Herr Nationalrat Roland Rino Büchel (SVP, Kanton St. Gallen) es schafft, in einem einzigen Leserbrief, die "Intellektuellen" herabsetzend in Anführungszeichen zu erwähnen und von linken Chaoten und linken Stadtbubis zu schreiben?

PS: Ich habe beide persönlich angeschrieben und auf meinen Ärger angesprochen. Auf die Antworten bin ich gespannt.

Kommentare:

Annegret hat gesagt…

Ich, als Mutter einer Tochter und eines Sohnes, stelle immer wieder fest, daß meine bereits jugendlichen Leser immer genügend Literatur finden zum Lesen. Ich glaube die Politiker, die mehr gute Bücher für Buben fordern, kennen sich mit Kinder- und Jugend-Literatur überhaupt nicht aus.

Viele Grüße

Annegret

tanine hat gesagt…

Mein Problem ist eher die verkorkste Bildungspolitik, die dafür sorgt, dass auch der letzte Schüler keine Lust mehr auf Literatur oder Bibliotheken hat.

Titus hat gesagt…

Ja, da warten wir gespannt auch drauf (auf die Antworten).

Kam die Frage bezüglich Bücher nicht wegen den aktuellen Ergebnissen der PISA-Studie auf?

Ich habe mich dazu gefragt, ob es für Deutschschweizer Jugendliche nicht ein Handicap ist, quasi in einer Fremdsprache etwas lesen zu müssen (und wir deshalb nicht so gut abschneiden im Länder-Vergleich).

Roland Rino Büchel hat gesagt…

Sehr geehrte Frau Gabathuler

So "gespannt" haben Sie auf meine Antwort offenbar nicht gewartet...

Sie schrieben mich nicht "persönlich" sondern in meinem Gästebuch öffentlich an. Meine Antwort und das Angebot, welches ich Ihnen noch aus dem Nationalratssaal machte; beides scheint Sie nicht zu interessieren.

Denn für eine Reaktion (an mich) oder eine Information der Leser dieses Blogs hat Ihre Zeit noch nicht gereicht.

Mit einem besten Gruss aus Oberriet, Roland Rino Büchel

Alice Gabathuler hat gesagt…

Lieber Herr Büchel

Ich bin auf Ihrem Gästebuch gelandet??? Nun, ich wollte Sie eigentlich persönlich anschreiben - und dachte, ich hätte das auch getan. Deshalb ist es mir nicht im Traum eingefallen, die Antwort in Ihrem Gästebuch zu suchen. Was ich gleich nachholen werde.

Was ich jetzt schon sagen kann: Danke für den Kommentar. Ich finde es nicht selbstverständlich, dass ich auf meine Anfragen Antworten bekomme.

Mia hat gesagt…

Liebe Alice, ich verstehe deinen Ärer. Dass «intellektuell» von der SVP permanent als Schimpfwort missbraucht wird, finde ich auch ziemlich bedenklich. Da möchten es gewisse Buben natürlich tunlichst vermeiden, einst womöglich als «als Intellektuell» zu gelten - also lieber keine Bücher lesen...