Samstag, 4. September 2010

"Nur" Jugendbücher

Gestern las ich eine Buchbesprechung in meiner Tageszeitung, bei der ich am Ende ratlos und etwas konsterniert zurückblieb. Martin Ebel schrieb über den Roman Cowboysommer von Hansjörg Schertenleib, dass er als Jugendbuchroman allenfalls funktionieren würde, wenn die Musik nicht von gestern wäre. Den genauen Wortlaut kann ich leider nicht wiedergeben, da a) mein Mann die Zeitung mitgenommen hat, um sie während einer längeren Bahnfahrt zu lesen und b) die Besprechung nicht auf der Online-Ausgabe zu finden ist. Es kann also sein, dass ich Herrn Ebel falsch verstanden habe, ich weiss es nicht. Auf jeden Fall bin ich über den Satz gestolpert und er hat so sehr in mir nachgeklungen, dass ich im Internet die Leseprobe zum besprochenen Buch gesucht habe - was mir auch nicht geholfen hat.

Gleichzeitig ist mir das Interview eingefallen, das ich kürzlich auf Jugendbuchtipps.de gelesen habe. Da sagte eine Übersetzerin von Jugendbüchern unter anderem:

"Ich werde tatsächlich immer wieder gefragt, ob ich „nur“ Jugendbücher übersetze – und eigentlich freue ich mich immer diebisch über diese Frage, weil sie mir Gelegenheit gibt, zu einem längeren Plädoyer für gute Kinder- und Jugendliteratur auszuholen. Zuerst einmal verbessere ich das „nur“ in „ausschließlich“, damit gleich klar ist, dass es zwischen Büchern für Kinder oder Jugendliche und solchen für Erwachsene keinen grundsätzlichen Rangunterschied gibt. Es ärgert mich auch, dass selbst Verlage zwischen ihrer „Belletristik“, also der sogenannten „schönen Literatur“, und ihren Büchern für ein jüngeres Publikum unterscheiden. Ich bin überzeugt, dass Bücher, die keine in irgendeinem Sinne lohnende Lektüre für Erwachsene darstellen, auch für junge Leser nicht wirklich empfehlenswert sind. Beide Gruppen lesen natürlich mit anderen Augen, weil sie unterschiedliches Lebenswissen haben, aber gute Bücher haben eben diese Eigenschaft: dass man auch mit ihnen wachsen kann und man mit zunehmendem Alter immer wieder andere Dinge darin entdeckt."
Birgitt Kollmann, Übersetzerin. Das ganze, sehr lesenswerte Interview findet ihr HIER.

Es gibt viele Leute, die denken, ein Kinderbuch, könne man so schnell mal zwischendurch schreiben (weil Kinderbücher ja weniger Seiten haben). Jugendbücher seien einfacher zu schreiben als Bücher für Erwachsene (muss ja nur Jugendlichen gefallen). Und deshalb ist jeder Kinder- und Jugendbuchautor immer wieder mit der Frage konfrontiert: "Ach, Sie schreiben nur Kinder- / Jugendbücher? Wollen Sie auch mal ein richtiges Buch schreiben?"

Ich antworte jeweils genau wie Birgitt Kollmann. "Ja, ich schreibe nur Jugendbücher. Im Sinn von ausschliesslich." Zwar plane ich seit Jahren einen Roman für Erwachsene - aber mir fällt immer wieder Stoff für einen Jugendroman ein und ich merke, wie mich das mehr interessiert als mein Stoff für den Krimi für Erwachsene. Ich bin Jugendbuchautorin. Aus Überzeugung. Mit viel Freude. Nicht, weil es "nur" zur Jugendbuchautorin gereicht hat.

1 Kommentar:

tanine hat gesagt…

Wer sagt's denn.
Ein Roman, der als Jugendroman fungieren soll, mir aber als entwachsene Jugendliche schon deutlich nicht mehr gefällt, funktioniert eben nicht. Ebenso andersrum "normale" Romane, die ich damals als Jugendliche nicht mochte.

Jugendbuchroman heißt eben nicht nur Mary-Sue-Story und geradlinig. Auch wenn das viele denken. Leider.

Mfg