Freitag, 31. Dezember 2010

Rückblick / Vorschau

Rückblick Schreibjahr 2010:
153 Lesungen im Jahr 2010.
Zu wenig geschrieben.
Zu viel und zu lange gewartet.
Einiges gelernt.
1 Buch veröffentlicht (Freerunning) plus eine Geschichte in einer Anthologie (Leise scheppert die Tür).
1 neues Projekt provisorisch unter Dach und Fach gebracht.
Fleissig gebloggt.

Vorschau Schreibjahr 2011:
Ich freue mich auf meine Lesungen im Jahr 2011 (Vorsatz: maximal 150 - mehr ist zu viel).
Ich werde viel mehr schreiben. Zum Beispiel mein neues Projekt. Und meine Serie, die noch kein Verlagszuhause hat. Und mein CrazyProject, das tatsächlich etwas crazy ist. Und mein vor Jahren angefangener Krimi für Erwachsene, der sich in letzter Zeit immer wieder bei mir in Erinnerung ruft (ich suche noch ein starkes Tatmotiv ...). Und natürlich blogge ich weiterhin.
Ich werde nicht mehr warten, sondern die Zeit besser nutzen: Zum Beispiel mit schreiben (siehe oben). Und mit spannenden Projekten für Autillus und die Schreibwelt (die Schreibwelt-Büchervorschau startet Anfang 2011, hier in diesem Blog).
Wenn nichts schief geht, erscheint in der zweiten Jahreshälfte mein neues Buch.
Ich werde versuchen, weitere Projekte bei Verlagen unterzubringen.
Und ich werde weiterbloggen.

Wem dieser Rückblick / diese Vorschau zu wenig Gehalt hatte, empfehle ich
- Titus' offenen Brief ans Jahr 2010
- Juttas "sobald"-Falle

Euch allen wünsche ich einen guten Start ins neue Jahr.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

CrazyProject oder Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Bücher?

Gestern, auf dem Weg ins Dorf, dem Bach entlang, da purzelten die Erkenntnisse nur so über mich rein. Als Folge davon muss ich die häufig gestellte Frage Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Bücher? um eine Antwort erweitern.

Die kurze Erklärung: Mein Unterbewusstsein arbeitet für mich.
Die etwas längere Erklärung am Beispiel vom CrazyProject:

Vor Weihnachten habe ich mir ein neues Notizbuch gekauft. Schwarz, mit Totenkopf und der Aufschrift: I'm in Hell. Über die Festtage habe ich das Bücherregal neu geordnet. Dabei sind mir auch die Lee Child Bücher in die Hände gefallen und ich habe gedacht: Au ja, wieder einmal einen Jack Reacher Roman lesen, das wär's. Wenn ihr die Romanfigur Jack Reacher nicht kennt: Ein cooler, rastloser, harter und hartgesottener Einzelgänger, der haarsträubende Geschichten er- und überlebt, in denen er durch die Hölle und zurück geht.

Mein Unterbewusstsein hat das leere Notizbuch, die Hölle und Jack Reacher durcheinandergewirbelt. Das Resultat hat es mir als Bilder durch den Kopf gejagt. Und das Schicksal hat mir dann vor zwei Tagen den 20 Rappen Typen über den Weg geschickt (der Kerl sah aus wie eine Romanfigur - meine Romanfigur). An jenem Abend habe ich den Anfang des CrazyProjects geschrieben. Ihr dürft jetzt gerne raten, was für eine Art Geschichte mir da im Kopf herumtrudelt :-)

Mittwoch, 29. Dezember 2010

CrazyProject

Seit ein paar Tagen drängelt sich eine Geschichte durch mein Hirn, vorbei an allen anderen Geschichten. ICH, ICH, ICH, ruft sie. ICH will geschrieben werden. Dass ich an ganz anderen Projekten arbeite, ist ihr völlig egal. ICH, ICH, ICH, hämmert sie. Egoisten mag ich nicht. Aber dieser Egoist verführt mich mit einem Protagonisten, den ich unbedingt kennenlernen will, brennt mir faszinierende Bilder in meinen Kopf, lockt mich mit einem genialen Anfang.

Also sagte ich gestern: Hast gewonnen. Und öffnete einen neuen Ordner. Gespeichert habe ich ihn als CrazyProject. Denn genau das ist es. Ich habe keine Ahnung, wie es nach dem Anfang weitergeht, keinen Plan, wie mein Protagonist diese Sache (ähm und welche Sache genau? was tut er nach diesem Anfang?) überleben will und wird. Aber ich habe die ersten paar Sätze geschrieben. So, wie ich diese Geschichte kennengelernt habe, wird das was. Jetzt muss ich ihr nur noch erklären, dass da noch eine andere ist, die zuerst geschrieben werden muss. Und eine Serie, die ich einfach schreiben WILL. Ich ahne die Antwort. Mir egal, wird mein CrazyProject sagen. Mein Protagonist wird mich anlächeln wie gestern dieser 20 Rappen Typ. Ich bin geliefert.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Begegnung des Tages

Einkaufen im Winter hat etwas Expeditionsartiges, wenn man kein Auto hat. Das Fahrrad lasse ich stehen: Die Nebenstrassen sind mir zu eisig und auf Bauchlandungen aus Fahrradhöhe habe ich keine Lust. Also gehe ich zu Fuss, den Rucksack auf den Rücken geschnallt, beinahe schildkrötenartig langsam (wie schon gesagt: eisig!). Erst bin ich ziemlich alleine unterwegs, doch je näher ich dem Zentrum komme, umso mehr andere Expeditionsteilnehmer begegnen mir. Die meisten dick eingemümmelt, ebenfalls mit einem Rucksack, einige Wagemutige auf dem Fahrrad (langsam und etwas zittrig).

Ich begegne einer Bekannten (ja, auch sie eine Expeditionsteilnehmerin mit Rucksack). Wir bleiben stehen und schwatzen. Dann geht's weiter durch diverse Läden, in denen ich nur kaufe, was ich wirklich brauche, denn ich muss den Rückweg zu Fuss gehen und dummerweise hat mir das Christchind keinen Lastesel geschenkt. Bleibe also nur ich als Trägerin des aufgeladenen Frachtgutes und meine Ladekapazität ist beschränkt.

Im Musikladen brauche ich ein neues Kabel für den Verstärker. Das Warten vertreibe ich mir mit ehrfürchtigem Betrachten der vielen E-Gitarren. So viel Auswahl überfordert mich glatt. Weshalb ich beim Kabel bleibe. Das muss reichen... Nein, halt. Zeit für ein Schwätzchen an der Kasse bleibt allemal. Der Verkäufer, dem ich mein Problem mit der Auswahl erkläre, meint, ich solle nächstes Mal anrufen, bevor ich komme. Er verstecke dann alle E-Gitarren bis auf eine einzige, die er hängen lasse und die könne ich kaufen. DAS ist ein Deal!

Dann rüber ins Einkaufszentrum, wo ich mir eigentlich einen dieser Einkaufswagen kaufen will, ja, so eine überdimensionierte Einkaufstasche mit grossen Rädern, keine Ahnung, wie die heissen. Ich stehe also wieder einmal vor der Auswahl, die ich mir schon öfter angeguckt habe, und einmal mehr fühle ich mich einfach ungefähr 100 Jahre zu jung für so einen "Hackenporsche", wie er auf dem Zettel, der an dem Ding hängt, genannt wird. Ich verschiebe meine Entscheidung - nicht um 100 Jahre, sondern erst einmal auf unbestimmte Zeit. Was zur Folge hat, dass ich mit Rucksack UND Einkaufstüte nach Hause wanke.

Und da kommt er mir entgegen. Der junge, gutaussehende Kerl mit den Piercings und einem Lächeln im Gesicht.
"Sie haben nicht per Zufall 20 Rappen für mich?", fragt er.
Ich lache: "20 Rappen? Damit kann man sich ja gar nichts kaufen. Bist du sicher, dass du nicht mehr brauchst?"
Er schüttelt den Kopf. "Nein, 20 Rappen reichen."
"Was bekommt man denn noch für 20 Rappen?", frage ich.
"Muss telefonieren", antwortet er. "30 Rappen habe ich. Mir fehlen noch 20."
Während ich den Rucksack abschnalle und den Geldbeutel rausklaube, unterhalten wir uns über das Aussterben von Münztelefonkabinen und wo man noch welche findet (am Bahnhof). Am Ende unseres Gesprächs ist auch er beim Du angelangt. Ich drücke im ein paar Münzen in die Hand (für den Fall, dass das Telefonat länger dauert) und wir verabschieden uns. Ich glaube, ich mag Einkaufsexpeditionen zu Fuss.

Montag, 27. Dezember 2010

Und was tut eigentlich ihr Schriftsteller ...

... wenn es um XYZ (hier bitte beliebiges gesellschaftspolitisch "heisses" Thema einsetzen) geht?

Einfache Antwort: Wir schreiben. Gerade im - häufig unterschätzten - Jugendbuchbereich werden akutelle Themen von heute aufgegriffen. Von Mobbing im Internet bis Fremdenhass ist praktisch jedes Thema zu finden. Immer mehr ohne den wedelnden moralischen Zeigefinger, dafür mit einer Geschichte, die für sich spricht und Gedankenanstösse liefert. Forum und Inhalt finden häufig perfekt zueinander. Peter Gyr, ansteckend begeisternder Leseförderer vom Zentrum Medienbildung der pädagogischen Hochschule Luzern meinte kürzlich in einem Vortrag vor zukünftigen Lehrkräften, dass Jugenbücher heute gesellschaftspolitische Themen aufnehmen, die später auch den Einzug in die "Erwachsenenliteratur" finden. Und dennoch findet das Jugendbuch kaum Einzug in die Medien. (Man fragt halt lieber: "Und was tut ihr Schriftsteller eigentlich, wenn ...?")

An dieser Stelle möchte ich Antwort geben auf die Frage: "Was tut eigentlich ihr Schriftsteller, wenn es um Frendenhass geht - konkret den Fremdenhass, dem Menschen aus dem Balkan ausgesetzt sind?" Auch hier die Antwort. Sie schreiben. Und zwar das:

ESCAPE, Petra Ivanov:
Leo hat seine grosse Liebe gefunden. Doch sein Vater will nichts von Nicole wissen. Leo soll eine Kosovo-Albanerin heiraten. Verzweifelt kämpft Leo um Verständnis. Er stösst damit auf taube Ohren.

GRENZENLOS NAH, Gabriele Gfrerer
Sira und Karim lieben sich. Schon ewig. Seit sie damals als Kinder vor den Serben flüchten mussten. Jetzt haben sie in Österreich eine neue Heimat gefunden. Und Max, ihren besten Freund. Ein Hilfsprojekt führt die drei nach Bosnien und stellt ihre Freundschaft auf eine Zerreißprobe: Bei Karim platzen alte Wunden auf. Er steckt voller Vorurteile gegen alles, was serbisch ist. Sira erkennt ihn nicht wieder, geht auf Distanz und findet Trost bei Max. Und Max? Der ist schon lange in Sira verliebt, hat sich bis jetzt aber nicht getraut, ihr und seinem besten Freund das zu gestehen ...

Beide Bücher sind wunderbare Romane (auch für Erwachsene), die einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal finden.
    

Freitag, 24. Dezember 2010

Anders als sonst

Mir war Anfang Advent trotz Schnee nicht nach Weihnachtsdekoration. Also blieb sie auf dem Dachboden. Frau Tochter fand das total gut, Herrn Sohn interessierte das nicht und Herr Ehemann konnte auch gut ohne Deko leben. Ich wartete auf die richtige Stimmung ... sie stellte sich nicht ein. Das Haus blieb ungeschmückt. In grossen Konsumrausch gefallen ist bei uns noch nie jemand. Weder während des Jahres noch vor Weihnachten. Geschenke gibt es für die (Paten)Kinder und damit hat es sich. Unsere Vorweihnachtszeit fand deshalb abseits vom Kauftrubel und jenseits sämtlicher Christchindlimärkte statt. Wir haben weder gebacken noch gebastelt. Uns allen war wohl dabei.

Das ist, was für mich zählt. Vielleicht ist nächstes Jahr alles wieder anders. Vielleicht packt mich die Adventsstimmung nächstes Mal wieder. Vielleicht will ich nächstes Jahr sogar backen und basteln. Keine Ahnung. Ich werde es nehmen, wie es kommt. Heute Nachmittag schmücke ich das Bäumchen (das jedes Jahr etwas kleiner wird). Auch danach ist mir nicht gross. Ich könnte ohne leben. Danach kocht Herr Ehemann (ich assistiere) und wir essen die Köstlichkeiten, die er sich für uns ausgedacht hat.

Ein Geschenk hat es heute für mich doch noch gegeben. Mit der Post kamen die Rückmeldungen der Lehrkräfte zu den Innerschweizer Lesungen. Ich bin immer noch gerührt! Herzlichen Dank.

Wie immer ihr feiert oder nicht feiert: Schöne Festtage. Tragt einander Sorge.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Bücherregale oder Die Tücken des Einordnens

Gestern Abend hat es mich gepackt. Ich habe die unzähligen Buchstapel angeschaut, die sich bei uns türmen, und beschlossen, die Bücher im Regal zu versorgen. Also legte ich erst einmal gute Musik auf, drehte auf volle Lautstärke und begann .... ähm .... wollte beginnen. Was mich daran hinderte? Ein riesiger Berg Fragen.

Alphabetisch?
Viele unserer Bücher sind alphabetisch geordnet. Alle Bücher vom Stapel am richtigen Ort einordnen geht aus Platzmangel nicht. Soll ich jetzt das ganze Regal ausräumen und neu anfangen?

Sprachen?
Wir haben von nicht wenigen Autoren Bücher in Deutsch und Englisch. Bis jetzt standen die getrennt auf verschiedenen Regalen. Aber wenn ich sowieso die Regale ausräume, könnte ich doch englische und deutsche Bücher desselben Autors zusammennehmen, oder nicht?

Taschenbuchformate? / Hardcover?
In einem früheren, einfacheren Leben hatten alle Taschenbücher mehr oder weniger dasselbe Format. Weshalb mein Bruder (Schreiner) uns Bücherregale massgeschneidert hat. Die einfacheren Zeiten sind längst vorbei. Einige Taschenbücher passen nicht mehr ins Taschenbuchregal. Die stehen bei den Hardcover-Ausgaben. Womit einzelne Autoren in drei verschiedenen Bereichen auftauchen (Taschenbuch/Hardcover/Sprache).

Genre?
In unseren Regalen gibt es Themenbereiche. Ausserdem ist der Jugendbuchbereich getrennt vom Rest. Genauso, wie CH-Autoren einen speziellen Bereich haben. usw.

Während ich also Musik hörte und vor meinen Stapeln stand, türmte sich mein Fragenberg auf Mt. Everest-Höhe. Ich war versucht, die Bücher einfach IRGENDWO ins Regal zu stellen, am besten dort, wo es noch Platz hatte. Diese Idee gefiel mir aber überhaupt nicht. Ich habe deshalb das Regal geräumt. Englische und deutsche Ausgaben zusammengeführt. Hardcover und sperrige Taschenbücher vereint. Musik gehört. Und am Ende die Ich-weiss-nicht-was-ich-mit-diesem-Buch-soll-Ausgaben IRGENDWO hingestellt, wo es Platz hatte. Und den verbleibenden Stapel so versorgt, dass er mir aus den Augen ist.

Darf ich euch ganz unverschämt fragen, wie ihr dieses Problem löst?

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Heute beim Zeitunglesen ...

... sprang mir aus der Seite 3 das Bild meines Gitarrenlehrers entgegen.


Zu sagen, ich sei stolz und glücklich, ist schon fast eine Untertreibung. Also, ich würde ein Ticket kaufen - wegen der Vorband :-) Zum Zeitungsartikel geht es hier. Und das da, das sind The Beauty of Gemina:

Und dann hat es mich herumgwirbelt

Ein guter Freund hat einmal zu mir gesagt: "Du musst loslassen - damit schaffst du Raum für Neues." Das ist sehr viel schwieriger als es klingt, aber gestern war ich soweit. Ich beendete das Warten. Und dann ging es los. Das Neue wirbelte mich durch die Luft, so sehr, dass ich nicht mehr richtig wusste, was oben und was unten ist.

Ich habe ein sehr gutes Vertragsangebot erhalten und werde es unterschreiben.
Mein "Blackout" geht in die fünfte Auflage.
In der Gitarrenstunde (ausnahmsweise am Dienstag) hat es so richtig gefegt.
In meiner Mailbox liegt eine Leseanfrage aus Deutschland.

Das Leben ist schon irr. Oder, wie ein anderer Freund es formuliert: "Es kommt, wie es kommt."

Dienstag, 21. Dezember 2010

Warten

Seit ich Bücher schreibe, weiss ich, was WARTEN ist. Natürlich kann man die Wartezeit füllen. Mit Schreiben von neuen Texten. Mit Galgenhumor. Mit Gelassenheit. Mit Liebe. Mit Sudokus. Mit Putzen. Mit Bäumepflanzen. Mit Ommmmmmms. Mit Schattenboxen. Mit Kaffee trinken. Mit Schokolade essen. Mit Leben halt.

Dieses Jahr habe ich so viel und so lange gewartet, dass mir ein Bart bis zur Brust hätte wachsen können  - wenn ich ein Mann wäre. Im Moment hänge ich vor lauter Warten in den Seilen. Die Gelassenheit tanzt irgendwo in Patagonien. Der Galgenhumor röchelt vor sich her. Die Sudokus sind ausgefüllt. Der Baum ist gepflanzt. Das Schattenboxen habe ich verloren. Die Ommmmmmmms flüchten vor mir. Meine Kaffeemaschine brummt mich an, wenn ich mich ihr auf mehr als drei Schritte nähere. Die Schokovorräte der Schweiz sind aufgebraucht. Okay: Putzen kann man immer. Und Liebe, Liebe ist mehr als genug da. Das Leben brummt auch so. Trotzdem. Mir ist vor lauter Warten die Lust aufs Schreiben vergangen. Ich weiss, das ist falsch. Aber es ist so.

Vielleicht sollte ich das einfach akzeptieren. Die Schokolade Schokolade sein lassen. Die Kaffeemaschine anlächeln. Mich in die Liebe fallen und von ihr auffangen lassen. Das Schreiben Schreiben sein lassen. Das Warten aufgeben. Genau das ist es. Nicht nur davon reden, sondern es tun. Ich erkläre hiermit das Warten dieses Jahres für beendet. Vielleicht kommt dann auch die Schreiblust zurück.

Montag, 20. Dezember 2010

Was bedeuten Ihnen Ihre Bücher?

Letzte Woche hatte ich meine letzten beiden Lesungen dieses Jahres, eine am Triesenberg und eine in Chur. Sie bildeten den Schlusspunkt eines wunderbaren Lesejahres mit unzähligen spannenden, herausfordernden, witzigen, bewegenden, motivierenden Begegnungen mit Jugendlichen und ihren Lehrkräften. Ich möchte all den Klassen, den Lehrkräften und den Organisatoren dieser Anlässe recht herzlich danken.

Bevor ich jetzt (zu) sentimental werde, komme ich lieber zur Frage im Titel. Auch in meiner x-ten Lesung schaffen es Jugendliche immer wieder, mich mit neuen Fragen herauszufordern. Zum Beispiel mit dieser:

"Wenn Sie eine Reise mit einer Zeitmaschine machen könnten, wohin würden Sie reisen?"
(Ich leite die Frage an euch weiter ... Ich bin ganz schön ins Schlingern geraten, weil es so viele Zeiten gibt, die ich mir ansehen möchte.)

Oder diese hier:

"Was bedeuten Ihre Bücher für Sie?"
Die Frage hat mich verstummen lassen (etwas, das nur SEHR wenige Fragen schaffen). Ich musste nachdenken. Und habe nach ziemlich viel Bedenkzeit etwas von "nicht so wichtig, Figuren sind mir wichtiger" gestammelt. Die Frage habe ich mit nach Hause genommen und im Kopf herumgetragen. Gestern ist mir die Antwort darauf eingefallen, eine, die nicht ganz mit meinem Gestammel übereinstimmt.

Meine Bücher sind das Zuhause meiner Figuren, ihre Heimat, ihre Welt. Und weil das so ist, möchte ich, dass sie sich so präsentieren, wie es meine Figuren sich wünschen würden. Damit die Bücher zu meinen Figuren passen. Was automatisch zur nächsten (häufig gestellten) Frage führt: "Bestimmen Sie, wie die Cover Ihrer Bücher aussehen?". Die Antwort ist ein Nein. Jonas, Lili, Emma, Sepp Danuser und Balthasar, der Endzeitprophet aus Starkstrom wohnen im komplett falschen Haus. Das tut weh. Julian, Jazz, Nenad, Dennis und Janosch Marek wären beinahe im falschen Haus einquartiert worden. Dass sie jetzt im genau richtigen wohnen, liegt daran, dass ich mich sehr, sehr stark für ein anderes Zuhause für sie eingesetzt habe.

Samstag, 18. Dezember 2010

Das Jahr einer (erfolgreichen) Literaturagentin in Zahlen

Kristin Nelson vom Pub Rants Literaturblog zieht jedes Jahr Bilanz über ihr Schaffen und stellt diese Zahlen online. Immer wieder sehr spannend zu lesen!

Dienstag, 14. Dezember 2010

Led Zeppelin und ich

Also. "Whole lotta love" ist ja DER Song an Bad to the Bone Konzerten. Und "Stairway to heaven", das übe ich jetzt schon seit Wochen. Sollten mir Led Zeppelin jemals über den Weg laufen, pfeife ich die erst mal gehörig an wegen der doofen Barrégriffe am Anfang des Songs (bei Mutter Natur habe ich mich schon bitterlich über meine dicken Wurstfinger beschwert). Und dann werfe ich mich vor der Band in die Knie und danke ihnen für ihre grossartige Musik.

Wikipedia und ich

"Du weisst schon, dass du die einzige Schweizer Autorin ohne Wikipedia-Eintrag bist", sagt kürzlich Herr Sohn zu mir.
"..." (Mir fiel grad nichts dazu ein.)
"Das ist schon gschämig (CH für beschämend)."
"..." (Dazu fiel mir noch weniger ein.)

Pause.

"Also, ich finde das nicht so tragisch", antwortete ich irgendwann.
"Tragisch nicht, aber gschämig."
"Ich finde, das ist auch nicht gschämig", sagte ich trotzig.
"..." (Diesmal sagte Herr Sohn nichts.)
"Kannst je einen für mich machen", meinte ich.
"Mach doch selber", gab er zurück.
Es gibt eine Grenze. Und die ist bei mir bei Eigeneinträgen bei Wikipedia. Genau das sagte ich Herrn Sohn auch.
"Aber du kennst dich doch am besten", sagte er.

Der Rest des Dialoges franzelte dann aus und irgendwann lachten wir. Wer noch gerne ein Fazit unseres Gesprächs hätte: Weder Herr Sohn noch ich werden einen Wikipedia-Eintrag für mich schreiben. Wenn also irgendwer Lust hätte ... und wenn nicht. Auch egal.

Samstag, 11. Dezember 2010

Bad to the Bone

Einmal mehr der besten Coverband nördlich und südlich der Alpen zugehört, gestern Abend. Und einmal mehr gedacht: Kleine, feine Konzerte sind die allerbesten. Keine grosse Halle, keine grossen Gesten, sondern einfach ein sackstarkes, erdiges Konzert mit total guten Musikern. Und ein Publikum, das genau dazu passt. Das ist wie in einen Heimathafen einfahren. Jungs, macht mir bloss die angekündigte Pause nicht zu lang!!! Und Veranstalter: Bucht die Truppe, bucht die Truppe, bucht die Truppe - damit ich zu vielen weiteren Konzerten komme.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Was gute Bücher für Jungs mit Politikersprache zu tun haben

Mein Ärger des Tages hüpfte mich frühmorgens beim Zeitunglesen an.

SCHRIFTSTELLER, SCHREIBT MEHR GUTE BÜCHER FÜR BUBEN!

knallte mir fett die Schlagzeile auf Seite zwei entgegen. Die Forderung kommt von der Zürcher Regierungsrätin Regina Aeppli, die ganz genau wissen sollte, dass es unendlich viele gute Bücher für Jungs gibt - ihr Kanton organisiert nämlich jedes Jahr im Dezember und Januar unter dem Titel "Literatur aus erster Hand" Autorenlesungen, die bei Kindern, Jugendlichen und Lehrkräften auf Begeisterung stossen (auch bei den männlichen Vertretern).

Es ging im erwähnten Artikel um das Leseverständnis. Um Sprache also. Und ich wage jetzt zu behaupten: Es gibt genügend gute Bücher für "Buben" / Jungs. Daran kann es nicht liegen, wenn es mit der Sprache und dem Leseverständnis manchmal etwas im Argen liegt. Ich orte hier jetzt - aufgrund meines zweiten Ärgers des Tages - ganz viel Verbesserungsbedarf in der Politik.

Wie sollen "Buben" / Jungs den  (respektvollen) Umgang mit der Sprache lernen, wenn Herr Nationalrat Roland Rino Büchel (SVP, Kanton St. Gallen) es schafft, in einem einzigen Leserbrief, die "Intellektuellen" herabsetzend in Anführungszeichen zu erwähnen und von linken Chaoten und linken Stadtbubis zu schreiben?

PS: Ich habe beide persönlich angeschrieben und auf meinen Ärger angesprochen. Auf die Antworten bin ich gespannt.

Freitag, 3. Dezember 2010

Und Freerunning rennt nach ...

... Niederdorla zu ...


Mit dem Rest der Namenszettel macht der Verlosungshut eine kleine Schlittenfahrt. Wenn ihr diesen Monat kein Glück hattet: Nicht verzagen. Es gibt auch eine Dezemberverlosung. Wie die geht? Guckt doch einfach nach rechts in die Blogroll, dort findet ihr die Instruktionen. Viel Glück.

Dienstag, 30. November 2010

Buch-Adventskalender von Monika Felten

Meine Autorenkollegin Monika Felten hat sich für die Adventszeit etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Jedes Jahr bastelt sie für die vorweihnachtlichen Dezembertage einen virtuellen Adventskalender mit 24 Türchen, hinter denen sich Bücher verstecken, die man gewinnen kann. Eine klasse Idee, finde ich!
Hinter einem der Türchen verbirgt sich dieses Jahr mein Freerunning - und hinter den anderen 23 Türchen 23 andere SUPERPREISE. Am 1. Dezember geht es los! Viel Spass beim Rätseln und Raten und ... ich drück allen Mitmachenden die Daumen.

Montag, 29. November 2010

Schullesungen in Neuenhof

Im November war ich in Neuenhof. Wunderbar betreut, bestens aufgehoben, einmal mehr klasse Zuhörer und Zuhörerinnen. Heute habe ich eine Mail bekommen. Ich bin auf der Schulwebseite.

Ein herzliches Dankeschön nach Neuenhof :-)

Am Tag danach ...

... ist alles so, wie ich es befürchtet hatte. Das "Volch" hat abgestimmt und ich gehöre nicht zum "Volch", das gewonnen hat. Ich bin mit vielen anderen zusammen, das "Volch", das verloren hat, das es jedoch trotzdem gibt. Es liegt an uns, diese andere Schweiz zu leben. Trotz allem.

Samstag, 27. November 2010

Alles ...

... was ihr schon immer über mich wissen wolltet  (oder auch nicht), habe ich Jutta Wilke in einem Interview verraten.
PS: Ab nächster Woche gibt's auch hier im Blog wieder mehr zu lesen. 

Montag, 22. November 2010

Jetzt rede ich!

Der Boulevard (und seit kurzem auch Tamedia) liebt die Jetzt-rede-ich-Menschen. Egal ob Opfer oder Täter, naher oder entfernter Verwandter oder Bekannter von Opfern oder Tätern, es wird geredet und geredet und geredet ... und schön brav abgedruckt, was die reden, egal, was sie sagen. Immer reden diese Leute JETZT und fast immer mit Ausrufezeichen!!!. Ich nehme an, solche Geschichten werden gelesen. Sonst würde man (weiter unten mehr) sie ja nicht schreiben. In letzter Zeit dürfen ziemlich prominente Täter reden. Zum Beispiel der Bieler Kneubühl, der tagelang ganz Biel und sämtliche Medien auf Trab gehalten und dabei nebenbei einen Polizisten ins Gesicht geschossen hat. Oder ganz neu „Der Killer von Grenchen.“ Leser und Leserinnen dürfen sich danach (auflagefördernd) empören. In der gleichen Zeitung, in der vorher das Opfer geredet hat.
  
„Der Amok-Opa Peter Hans Kneubühl gab sein erstes Interview. Politiker von links bis rechts sind über seine Aussagen entsetzt.“ 

Joo, was? Ehrlich? Ist man da versucht, ganz ironisch zu fragen. Leider bleiben einem die Worte im Hals stecken. Und man fragt, sich in welcher Welt man angekommen ist. 

Womit wir beim man angelangt sind. Es ist ein Medienverlag, der sich für so eine Jetzt-rede-ich-bis-zum-Erbrechen-Strategie entscheidet, es ist eine Chefredaktion, die das nicht hinterfragt, es ist der Journalist (ähm … sind das noch Journalisten?), der seinen Job behalten will oder so abgebrüht ist, dass er auch dem Massenmörder noch sein Ohr leiht; Hauptsache es gibt Kohle und die Auflage stimmt. Und selbstverständlich weisen sie jegliche moralische Schuld von sich. Unter dem Deckmäntelchen: „Die Leute wollen das lesen" suhlen sie sich in ihren Latrinengeschichten. Und jeder Täter weiss: Wenn ich alles versucht habe, in die Medien zu kommen und nichts geklappt hat, dann begehe ich irgendeine schwere Tat. Der Boulevard wird sich dann schon bei mir melden. DAS sind die heutigen 15 Minuten Berühmtheit. Es ist zum ...

Siebte und letzte Lesewoche

So. Die letzte Lesewoche nonstop bricht an - die härteste bis jetzt, mit Lesungen an für mich ziemlich entlegenen Orten, sehr frühem Aufstehen, langen Anreisen. Trotzdem freue ich mich darauf, denn bis jetzt war der allergrösste Teil der Lesungen einfach nur gut, gut, gut. Wenn also jemand wissen möchte, was einen sieben Wochen lang "durchhalten" lässt:

Nette, aufmerksame Lehrkräfte (die mit gefüllten Kaffeetassen auf mich warten und mich auch mal zum Mittagessen einladen, manchmal sehr spontan, aber immer herzlich) und aufgeweckte, interessierte Jugendliche, für die zu lesen einfach eine Freude ist.

Eine Familie, die sich wunderbar selber organisiert, während ich weg bin. Einen Mann, der mich morgen zum dritten Mal an einem Dienstag um 5.10 Uhr 15 Kilometer zum Bahnhof in Sargans fährt, weil ich sonst den Bus um 4.50 Uhr ab Buchs nehmen müsste (der ÖV im Rheintal ist zwar besser geworden, aber irgendwie immer noch ... na ja ...).

Vorsatz für das neue Jahr: Zwischen den einzelnen Lesungen mehr Pausen einlegen. Weshalb der Januar, der März und der Mai 2011 schon ausgebucht sind.

Sonntag, 21. November 2010

Gestern Abend ...

... ging Frau Rockerin (ich) Gothic. Fantastisch! Eingehüllt in dunkle, drängende Musik, stand ich da und saugte die Musik in mich auf.

Freitag, 19. November 2010

Ich bastle mir ein NEIN

Ich habe keine Kundenkarten. Die letzte habe ich vor zwei oder drei Jahren verschrottet. Das Problem: Ich werde im Supermarkt JEDES MAL gefragt, ob ich eine Kundenkarte habe. Ich sage jedes Mal freundlich NEIN, weil ich weiss, dass die arme Frau an der Kasse diese Frage stellen MUSS. Nur: Ich habe einen Punkt erreicht, an dem ich das NEIN nicht mehr freundlich über die Lippen bringe. Es geht nicht. Die Luft ist raus, der Schnauf weg, das letzte bisschen Freundlichkeit beim letzten Mal aufgebraucht. Nun bastle ich mir eine Kundenkarte. Mit einem einzigen Wort drauf. NEIN. Die halte ich dann hin, wenn ich das nächste Mal gefragt werde.

"Haben Sie eine Supercard?"

NEIN.

"Sammeln Sie unsere Aktionspünktli?"

NEIN.

"Dürfen wir Ihnen einen Benzingutschein für unsere OK-Tankstelle geben?"

NEIN.

"Kennen Sie schon unsere Kreditkarte?"

NEIN.

Leider fragt nie jemand: "Sind Sie eine glückliche Kundin?" Denn dann wäre die Antwort:

NEIN.

Montag, 15. November 2010

Kürzlich, im Buchladen

Letzten Mittwoch, nach der Morgenlesung, verschenkte ich spontan mein Exemplar von "Freerunning" - und dann fiel mir ein, dass ich am Nachmittag nochmals eine Lesung hatte. Also suchte ich den Buchladen "Stocker" in Luzern (und fand ihn im zweiten Anlauf), weil ich wusste, dass die meine Bücher haben.

Erste Überraschung am Eingang: Die Kinder- und Jugendbuchabteilung ist weder im Keller noch im obersten Stockwerk, sondern im Erdgeschoss ... und sie ist gross und geräumig und freundlich und heimelig. Zweite Überraschung: Ich habe mein Buch auf Anhieb gefunden, denn es steckte nicht im Regal mit dem Rücken nach vorne irgendwo zwischen vielen anderen, sondern stand gut sichtbar und in vielfacher Ausgabe da und winkte mich zu sich heran.

Nun ist es ja leicht peinlich, wenn man als Autorin die eigenen Bücher kaufen geht. Deshalb schnappte ich mir verschämt ein Exemplar und huschte zur nächsten Theke. Natürlich kann Frau Autorin (ich) lesen, aber ich starrte ziemlich lange auf die Texttafel ohne wirklich etwas zu sehen. Als ich den Text dann nicht nur sah, sondern auch wahrnahm ("Information"/"keine Kasse"), war es zu spät.
"Grüezi Frau Gabathuler", sagte die nette Nicht-Verkäuferin.
Ich war enttarnt. Weil ich es peinlich fand, mit meinem eigenen Buch dazustehen, erklärte ich die ganze "Hab's in meiner Euphorie verschenkt" Geschichte. Worauf die nette Dame enteilte, wieder zurückkam und mit mir zur Kasse ging (jetzt als Verkäuferin), wo sie einen speziellen Preis für mein Buch eintippte.

Ich verzog mich dann in das Buch-Café, wo ich wunderbar lecker gegessen und einen herrlichen Cappuccino getrunken habe ... um danach auf dem Weg nach draussen nochmals "meiner" netten Buchhändlerin zu begegnen. Danke an die junge Frau. Es hat sehr viel Spass gemacht! Und vor allem: Grosses Kompliment für diesen wunderschönen Buchladen!

Donnerstag, 11. November 2010

Für die Bastler / Puzzler unter euch

Viel Spass :-)
(Herzlichen Dank an Jutta Wilke)

Aufsteller des Tages ...

... der Woche, des Monats, des Jahres ... ähm ... Bild nicht ganz deutlich, sorry. Es geht um den Verkaufstrend ... und da ist Freerunning auf dem Maximum. yabadabadoooooo ... und der Blackout im 4. Jahr nach Erscheinen immer (oder wieder) sehr gut im Rennen.

Montag, 8. November 2010

Nach dem Buch ist vor dem Buch

Heute Morgen ist meine neue Geschichte an den Verlag gegangen, eine Woche nach der Deadline. Es ärgert mich, dass ich sie verpasst habe, aber ich wollte einfach nicht zu Ende schludern.

Und nun? Habe ich erst einmal Zeit zum Lesen all der Bücher, die ich gekauft und noch nicht gelesen habe. Mache ich den Haushalt. Gehe ich total entspannt auf Lesetour. Wusle im Garten herum - sobald das Wetter etwas besser wird. Überlege ich mir, wie es weitergehen soll. Im Gegensatz zu früher, habe ich noch keinen Vertrag für ein neues Buch. Ich habe zwar zwei Projekte beim Verlag liegen, jedoch keine verbindliche Zusage und schon gar keinen Vertrag. Noch vor einer Weile hat mir das Angst gemacht. Jetzt nicht mehr. Um es mit Kris Kristofferson / Janis Joplin zu sagen: Freedom's just another word for nothing left to lose. Ich kann wirklich nichts verlieren. Nur gewinnen. Was genau, weiss ich noch nicht. Aber ich bin gespannt darauf, was es sein wird. Und was immer es sein wird - es wird gut sein, so wie es ist.

Und dann? Nach dieser Woche Pause mache ich mich an eines der oben erwähnten Projekte. Weil ich das Buch sowieso schreiben will und werde. Lasse meinen Gedanken Lauf für weitere Projekte. Lerne (Roman)Figuren kennen und beschäftige mich mit ihnen. Irgendwann kommt dann die Überarbeitung des eingereichten Textes. Auf jeden Fall wird mein Leben auch 2011 Schreiben sein.

Ist grad ein verdammt gutes Gefühl, das ich habe. Trotz tiefer Schneefallgrenze und einem ziemlichen Berg Wäsche, den es abzubügeln gibt.

Donnerstag, 4. November 2010

Herzlichen Glückwunsch!

Die Glücksfee hat einen Namenszettel aus dem Hut gezogen. Herzlichen Glückwunsch an Eva Tagwercher aus Rankweil :-) Ein signiertes Freerunning macht sich dieser Tage auf den Weg ins Vorarlberg.

Wenn du auch einmal gewinnen möchtest, guck doch in die Blogroll auf der rechten Seite. Dort erfährst du, wie du bei der Novemberverlosung mitmachen kannst.

Mittwoch, 3. November 2010

paul sails for rome

Auf dem Heimweg die Band paul sails for rome gehört und gedacht: Ich will ein Buch schreiben, das den titel paul sails for rome hat. Unbedingt und auf jeden Fall. Da die Jungs bei mir um die Ecke wohnen (und einer von ihnen Frau Tochter unterrichtet hat), kann ich sie persönlich fragen, ob ich das darf.
Keine Ahnung, was in dem Buch für eine Geschichte stehen wird. Ich höre die Musik und habe Bilder im Kopf. Noch ist alles verschwommen. Aber ich fühle, dass das was wird.

PS: Das Open Air war um die Ecke unseres Hauses in den Bergen. Durch den Tunnel, den die Jungs fahren, muss ich jedesmal :-) ... wieder so ein "Zufall", der keiner sein kann.



Dienstag, 2. November 2010

Hirnlose Henne

Dass ich schon um 5.45 Uhr aus dem Haus musste, ist keine Entschuldigung. Das muss ich meistens, wenn ich auf Lesetour bin. Es liegt einzig und allein an fehlenden oder abgeschalteten Hirnzellen, wenn ich mein Handy liegen lasse (für Lesetouren nötig, falls mal was schief geht mit den Zuganschlüssen) und das Handtaschenmaschinchen mit 10 Stunden Akku genau noch für zwei Minuten Energie hat. Falls mich in nächster Zeit jemand gackernd durch Gegend laufen sieht: Schonend anhalten und mir ebenso schonend beibringen, dass ich kein Huhn, sondern eine kopflose Autorin bin.

PS: Die drei Lesungen heute in Zug waren total gut :-) Herzlichen Dank an alle Beteiligten!
PPS: Die Deadline hat gewonnen. Ich hab's knapp nicht geschafft. Morgen könnte ich fertig sein, aber meine Lektorin meint, nächsten Montag reiche auch. Das ist noch besser ...
PPPS: Fast vergessen. Sohn und ich haben Tickets für The Beauty of Gemina (das ist eine der Bands, in der mein Gitarrenlehrer mitspielt)

Samstag, 30. Oktober 2010

Endspurtstimmung

Boah. Ich glaube, ich weiss jetzt, wie sich ein Marathonläufer zwei Kilometer vor dem Ziel fühlt :-) Ich blick mal kurz vom Manuskript auf guck, ob ihr noch da seid. Falls ja: Hallo! Ich hoffe, es geht euch gut.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Zwischenmeldung

Ich lese in der Postkartenschweiz (Zugersee, Aegerisee) vor total liebenswürdigen Jugendlichen. Was für ein Aufsteller. Digicam habe ich dabei. Photos gibt's nach dem Abgabetermin des neuen Buches.

Montag, 25. Oktober 2010

Ab in ...

... den Kanton Zug. Am Dienstagmorgen um 06.03 Uhr mit der Bahn los. Ich freue mich - nicht aufs frühe Aufstehen, sondern auf all die Klassen. Jetzt schon ein Kompliment an Dagmar Stärkle für die perfekte Organisation (ich muss mich buchstäblich nur darum kümmern, rechtzeitig ins richtige Verkehrsmittel einzusteigen). Die Digicam habe ich eingpackt ... ;-)

Sonntag, 24. Oktober 2010

Gestern Abend, auf dem Schloss Werdenberg

Preisverleihung des Schreibwettbewerbs "Wortsturm im Lebeland"
Natürlich hat Frau Jurymitglied (ich) die Digicam zuhause vergessen. Deshalb müsst ihr mir einfach glauben, wenn ich schreibe, dass der total feierliche Rittersaal mit Leuten mehr als bis auf den letzten Platz gefüllt war. Auf Stühlen sassen sie, die Kinder auf dem Boden vor der Bühne, auf einem flauscheligen Teppich mit Sitzkissen, einige der Besucher und die Jury auf Bänken entlang der Wand. Jurypräsident Robert Schneider überreichte die Preise, Jury-Mitglied Armando Bianco führte durch den Anlass, ich las die Siegertexte (die Gewinner konnten auswählen, ob sie den Text lesen wollten oder ob ich sollte). Die Peisträger waren alle anwesend, bis auf eine junge Frau, die zurzeit in Australien ist. Es war einfach nur wunderschön. Und zwischendurch spielte die Band paul sails for rome, eine Band aus unserer Ecke des Landes, aus dem Werdenberg, das - wie man auch im zweiten Teil dieses Blogeintrag sehen wird - ein richtig guter Nährboden für Kreative ist. Zuerst aber pauls sails for rome (mit einem Zusammenschnitt einiger ihrer Songs - bitte alles hören, die Jungs sind genial).



Nach der Preisverleihung reihte ich mich in die Besucher ein, die den Anlass "erLeuchtet" auf dem Schloss miterleben wollten, eine visuelle und akustische Reise auf die dunkle Seite des Mondes, mit Songs von Pink Floyd (gespielt und gesungen von Musiklehrern der Musikschule Buchs - darunter mein Gitarrenlehrer Dennis), von Hack und Nick, dem Schafberg Chörli und der menschlichen Soundbox Almendin Jasari (der WAHNSINN - wusste gar nicht, dass so was geht!)  und zwei Schauspielerinnen, die dem Anlass mit herausfordernden Texten (unter anderem übersetzten Pink Floyd Texten) einen Rahmen gaben und die die Zuschauer durch das ganze Schloss lotsten, bis hin unters am Ende erleuchtete Dachgebälk. Ehemann und ich waren hell begeistert!

Und jetzt erwähne ich noch einmal laut und deutlich, dass die Mitwirkenden aus unserer Region waren, dem oberen Rheintal und Umgebung, das auf der Schweizer (Kultur)Landkarte oft gar nicht auftaucht - oder erst dann auftaucht, wenn unsere Leute in die Stadt oder ins Ausland ziehen. Wir sind kein weisser Fleck auf einer Karte. Bei uns brummt das Leben, vibriert die Kreativität. Das muss einfach einmal gesagt sein!

Freitag, 22. Oktober 2010

Numbers

Heute - zwischen zwei Lesungen - in der Schulbibliothek angelesen: Numbers. Muss ich haben. Unbedingt.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Weil Frau Autorin ...

... (ich) ja überhaupt nichts anderes zu tun hat (HAHA), hat sie einen neuen Service im Blog installiert. Ab sofort sind meine neusten Twitter-Einträge in der Blogroll zu finden. Sprich: Nochmals drei Dinge (weil immer die letzten drei Tweets), die es im Leben nicht braucht. Wenn ich die Deadline geschlagen habe, unterhalte ich mich mal ganz lange mit meiner Katze über mein unsinniges Verhalten (Katzen sind geduldige Zuhörer, vor allem, wenn sie zusammengerollt neben einem schlafen).

Montag, 18. Oktober 2010

Für die Ungeduldigen ...

... unter euch (Hallo, Jutta) ein Bericht von meinen Lesungen in Hörbranz. Ohne Petra Ivanov. Dafür mit wunderbaren Jugendlichen :-)

Nachtrag: Ich habe mich soeben durch die Bilder des Beitrags geklickt .. Ich glaube, ich bewerbe mich irgendwo als Pausenclown ... 

Lesung zu zweit

Am Samstag haben Petra Ivanov und ich gemeinsam aus unseren Büchern gelesen und über uns, unsere Figuren und unser Schreiben gesprochen und diskutiert. Vor einem vollen Haus! Es gäbe so viel dazu zu erzählen, aber meine Deadline guckt immer noch grimmig, das Haus schreit nach einer mindestens oberflächlichen Reinigung, das Unterrichten beginnt heute wieder, grosse Lesetrouren stehen an (mit der dazugehörigen Administration)  ... Ich sage deshalb vorläufig nur: Selten habe ich eine Lesung als so lebendig erlebt, selten war das Publikum so begeistert. Ich bin mit einem wunderbar leichten, beflügelten Gefühl nach Hause gegangen. Am liebsten ginge ich mit Petra zusammen auf Tournee ... (Ein zweiter, ausführlicher Bericht folgt - im November *hüstel*)

Dienstag, 12. Oktober 2010

Fleissig :-)

Die erste Wochenhälfte lese ich an den Vormittagen in Vorarlberg. Gestern war ich in Dornbirn und Lustenau, heute in Hohenems und morgen fahre ich nach Hörbranz. Weil meine Deadline vom 1. November mich immer noch grimmig anschaut, schreibe / überarbeite ich die andere Hälfte des Tages (und stecke mal wieder in der Phase, in der ich mein neues Buch Schrott finde). Und weil ich ja sonst nichts zu tun habe - HA - habe ich mir bei Lovelybooks und auf Amazon Autorenportraits angelegt. Jetzt noch schnell Wäsche waschen (das Bügeln hebe ich mir für heute Abend auf) - und dann ran an den Buchtext.

Montag, 11. Oktober 2010

Leise scheppert die Tür

Im März habe ich eine Weihnachtsgeschichte geschrieben (vielleicht erinnern sich ein paar von euch daran). Letzte Woche hat mich mein Belegsexemplar erreicht, nach einer mehr als zweiwöchigen Reise. Würde mich echt interessieren, ob der Postbote die Strecke zu Fuss abklappert und jeweils gleich auch noch den Inhalt des Pakets liest. Das Buch kam nämlich nicht aus Hintertimbuktu, sondern aus Deutschland ... In dieser Zeit könnte ich mit dem Fahrrad zum Verlag fahren, mit allen Leuten plaudern, ein paar Tage Ferien machen und dann über Umwege ganz gemütlich nach Hause radeln. Oder gar eine Wegstrecke zu Fuss gehen. Aber eben: Die Post ...

Na ja, nun ist es also da, das reisefreudige Buch, es sieht klasse aus und hat einen herrlichen Slogan: "Wer Weihnachtsgedudel hasst, wird dieses Buch lieben." Acht Autoren haben Geschichten um Weihnachthits herum geschrieben: persönliche Katastrophenerlebnisse, spektakuläre Geheimnisse und herzzerreisende Liebesgeschichten.

In meiner Geschichte dreht sich alles um John Lennon's Happy X-mas (War is over), einen Möchtegern-Gangsta, der Vinylscheiben klaut und Weihnachtsbäume killt, und um Sanja Yoko Breitenmoser, die mitten in den Privatkrieg dieses Gangstas hineingezogen wird, der in der Grundschule noch ihr zukünftiger Ehemann, bester Freund und grösster Held gewesen war.

Muss ich noch sagen, dass es unheimlich Spass gemacht hat, diese Geschichte zu schreiben :-) ?

So sieht das Buch aus. Bestellen kann man es übrigens im lokalen Buchladen oder hier.

Freitag, 8. Oktober 2010

Wir brauchen euch

Wir Autorinnen und Autoren brauchen euch. Ohne euch gäbe es uns nicht. Ihr lest das, was wir geschrieben haben. Geht in einen Buchladen und kauft unsere Bücher, verschenkt sie, lasst sie euch schenken oder gewinnt mit etwas Glück ab und zu das eine oder andere Exemplar. Ihr erzählt weiter, ob euch die Geschichten gefallen haben oder nicht. Empfehlt uns oder ratet auch mal ganz heftig von einem unserer Bücher ab.

Nun habe ich eine Bitte an euch: Da Buchbesprechungen in Zeitungen mittlerweile mit der Lupe gesucht werden müssen (und wenn, wird häufig in der gleichen Woche in allen Zeitungen der gleiche zukünftige Bestseller gelobt oder verrissen), sind wir auf euch angewiesen. Gebt unseren Büchern eine Stimme, indem ihr sie besprecht. In euren Blogs, auf Buchseiten, auf Online-Shops, bei denen ihr registriert seid, kurz, wo immer man Bücher besprechen kann. Seid dabei offen und ehrlich, schreibt, was euch gefällt und was euch weniger gefällt. Betreibt nicht einfach Lobhudelei oder zerreisst mal kurz aus Spass an der Freude ein Buch in der Luft, sondern beschreibt, wie das Buch auf euch wirkt, was es mit euch macht. Ich und meine Kolleginnen und Kollegen sind euch sehr dankbar dafür.

Ein Loch in der Seele

Ich habe Steve Lee nicht persönlich gekannt. Und irgendwie doch. Der Typ wirkte einfach immer echt. Total begeistert, von dem, was er tat. Auf der Bühne war er präsent, gab jedem einzelnen der Zuhörer das Gefühl, ihn zu sehen und zu spüren. Er hatte Witz, einen unglaublichen Witz. War auf liebevolle Art selbstironisch. Unverhüllt sentimental (auf die Gefahr hin, sich bei jenen, die Gotthard nie als "richtige" Rockband sahen, lächerlich zu machen). Er hatte ein inneres Feuer, das bei seinen Auftritten ganz hell leuchtete. Er war ein Star, der seine Mitmusiker nie erdrückt, sondern immer und immer wieder ins Rampenlicht gerückt hat. Einer, von dem du gedacht hast, dass er ein prima Kumpel ist, für Menschen, die ihn kennen. Einer, der dich mitreissen konnte. Dir ein Konzert lang das Gefühl gab, jung zu sein, das ganze Leben mit all seinen Möglichkeiten leben zu können.  So einen muss man nicht persönlich kennen um ihn zu mögen. So einen trägt man in sich - und wenn so einer für immer geht, dann reisst das ein Loch in die Seele.

Es tut auch heute noch weh. Und so lasse ich es zu, dass ich um jemanden traure, den ich nicht gekannt habe und bei dem es sich trotzdem anfühlt, als hätte ich einen Freund verloren.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Und dann wischt eine Schlagzeile alles Gute weg

Du steigst in den Zug. Gerade noch erwischt. 30 Sekunden vor der Abfahrt. Die Lesung, die hinter dir liegt, war fantastisch. Und dann siehst du das Bild. Es springt dich an, von unzähligen Abendausgaben einer Zeitung. Denkst: Ah, schon wieder ein neues Album. Eine neue Tour. Dann liest du den Text. Und alles Gute ist einfach weg.

Steve Lee ist tot. Der Mann, der mir mit seiner Band einige der besten Momente meines Lebens geschenkt hat. Der mich zum Singen, Lachen, Tanzen gebracht hat. Der mir den Kick gegeben hat, E-Gitarrenunterricht zu nehmen.

Du hoffst, dass sie sich irren. Die Zeitung zu früh gedruckt haben. Weil so einer nicht sterben kann. Weil so einer nicht sterben darf. Und du weisst, dass diese Hoffnung völlig sinnlos ist. Sitzt mitten in einem total überfüllten Bahnwagen und bist so allein wie schon lange nicht mehr.

Lebenszeichen

Bin zurück aus den Bergen.
Die Katze lebt noch.
Meine Familie ist nicht verhungert.
Ich habe mich als erstes durch einen Riesenberg Wäsche gebügelt.
Nein, stimmt nicht. Als zweites. Erst habe ich Mails gelesen.
Die detaillierten Lesedaten für den Rest des Jahres stehen fest.
Die Poster für das Buch Freerunning sind gedruckt (und können mit auf Lesereise)
Fahre heute nach Luzern, wo ich an der Pädagogischen Hochschule lese (noch ohne Poster, weil mein Mann die erste heute Abend abholt).
Die Buchverlosung findet morgen statt.
Das neue Buch wird. Es wird. Es wird. Aber es ist noch nicht ganz fertig. (Man kann sich das Ende noch wünschen ;-) )
Der Brief von den Sozialpsychiatrischen Diensten, der gestern für mich auf dem Wohnzimmertisch lag, war kein Einlieferungsbefehl (wie meine Familie einhellig vermutet hatte), sondern eine Einladung zu einem wunderbaren Anlass.
Mir geht es gut. Danke. Und euch?

Mittwoch, 29. September 2010

Autorin im stillen Kämmerlein

Hier im Blog ist es dieser Tage ziemlich ruhig. Das liegt daran, dass ich mich in das Haus in den Bergen verkrochen habe und schreibe, schreibe, schreibe, schreibe. Und überarbeite, überarbeite, überarbeite, überarbeite. Weil. Der Abgabetermin für mein neustes Projekt ist der 31. Oktober. Und der guckt mir fadengerade ins Auge.

Ich wohne also zurzeit wie eine Eremitin in den Bergen, ganz alleine, ohne Internet, ohne Zeitungen, ohne Telefon (wenn man mal vom Handy absieht, dessen Nummer nur die engste Familie kennt). Einen Fernseher habe ich zwar, aber der ist nur für den Tatort, den schwedischen Krimi am Sonntag um 22 Uhr und für Dr. House reserviert. Gestern bin ich kurz ins Tal gekommen (20. Hochzeitstag feiern und heute Morgen Jurysitzung vom Schreibwettbewerb), heute fahre ich wieder zurück und bleibe wahrscheinlich bis nächsten Dienstag dort.

Das bedeutet:
Ziemliche Leere hier drin (ich empfehle die Blogs aus der Blogroll)
Eine etwas spätere Verlosung von "Freerunning" (SORRY)
DASS ICH MEINEN ABGABETERMIN EINHALTEN KANN (hätte ich vor einem Monat noch nicht gedacht)

PS: Um die Katze müsst ihr euch nicht sorgen. Die im Tal zurückgebliebene Familie füttert und hätschelt sie.
PPS: Hermann geht es blendend.
PPPS: Ich habe zum ersten Mal im Leben selber Konfitüre gemacht - aus Früchten und Obst aus dem Berggarten. Ich sag's ja: Ich wäre die geborene Bergbäuerin :-)

Freitag, 24. September 2010

Die Schreibwelt startet durch

Die letzten paar Tage explodierte in unserem Schreibforum die Kreativität. Hirnwindungen gerieten ins Glühen. Ideen tanzten. Anregungen machten Purzelbäume. Die Motivation schlug Saltos. Wir brechen auf. Starten durch. Gemeinsam. Bestens gelaunt greifen wir nach den Sternen.

Antwort, neu aufgelegt

"Lesen Sie Ihre Bücher, nachdem sie veröffentlicht sind?"
Das ist eine häufig gestellte Frage an Lesungen. Die Antwort war bis vor zwei Tagen: "Nein."
Die Anschlussfrage ist logisch: "Warum?"
"Weil ich Angst habe, dass ich Fehler finde. Weil ich Angst habe, das Buch ist nicht gut genug."
Natürlich lese ich Teile des Buches, weil ich ja die spannenden Stellen in Lesungen vortrage. Aber das ganze Buch? Nein.

Ab Mitte Oktober geht's bei mir mit den Lesetouren wieder los. Erst ein paar Tage im Vorarlberg, Österreich, dann eine Woche im Kanton Zug, gleich anschliessend drei Wochen im Kanton Luzern. Mit im Gepäck eine neue Antwort auf die Frage: "Lesen Sie Ihre Bücher, nachdem sie veröffentlicht sind?". Denn: Am Mittwoch schnappte ich mir eines meiner Freerunning-Belegsexemplare und setzte mich an die Sonne. Eigentlich wollte ich nur die Vorlesestellen für die Lesetour heraussuchen. Aber dann blieb ich hängen. Als Sohnemann mit dem Fahrrad vorfuhr, war ich bei Seite 59 angekommen.
"Was liest du?", fragte er.
"Mein Buch", antwortete ich.
"Aha", sagte er. "Weil du es noch nicht kennst ..."
Wir lachten.
"Und, wie findest du sie denn so, die Autorin?", wollte er wissen.
"Klasse", antwortete ich.
Sohnemanns Grinsen reichte von einem Ohr zum anderen. Und ich fühlte mich richtig gut. Denn ja, ich mag das Buch. Weil das so ist, habe ich es am gleichen Tag zu Ende gelesen. Okay, vielleicht ist es etwas arg kompliziert für einen Jugendkrimi, vor allem gegen das Ende. Trotzdem. Es ist von wunderbaren Figuren bevölkert, es ist spannend und wer es zulässt (oder wer ähnlich sentimental veranlagt ist wie ich), dem berührt es sogar das Herz (ich bin froh, liest Sohnemann meinen Blog nicht; der würde jetzt laut lachen, denn mit Herzberührungen hat er es überhaupt nicht).
Zurück zum Thema und der Frage mit der neu aufgelegten Antwort. Ja, ich lese meine Bücher, nachdem sie veröffentlicht sind.

Donnerstag, 23. September 2010

Aus dem Nähkästchen geplaudert, Teil 2

Bevor ich über die Jurysitzung berichte: Das Klischée vom weltfremden Jurymitglied, das seine Nase lieber in Büchern als in der grossen, kalten Weite des WorldWideWeb hat, stimmt nicht so ganz. Weshalb wir die aus dem Internet kopierten und als Eigenbeiträge eingesandten Texte einiger gewitzter Jugendlichen schnell entlarvt und ausgesiebt hatten. So viel dazu.

Nun aber zur Jurysitzung: Neugierig waren wir. Wie hat mein Kollege, meine Kollegin die Texte bewertet? Ähnlich wie ich? Total anders? Liege ich irgendwo weit daneben mit meinen Ansichten oder finden wir einen gemeinsamen Nenner? Beim Übertragen unserer Bewertungen in eine Tabelle wurde schnell klar: es ist etwas von Beidem. Einige Zeilen sahen aus wie Bingozeilen beim Spielautomaten. Gleiche Punktzahl durchs Band. Bei anderen war die Übereinstimmung weniger klar, die Abweichung grösser. Bei mir kamen schräge, irrwitzige Texte durchwegs besser weg als bei den Kollegen, ja, einer meiner Favoriten musste sogar bös untendurch. Ich war die Einzige, die den Text als aberwitzigen Wortsturm sah und ihre helle Freude daran hatte (ich hab's gerne furchtbar schräg!). Und da gab es auch noch den Text, der in unser aller Augen richtig literarisch und richtig gut anfing und dann total auseinanderfiel. Wie bewertet man so etwas? Belohnt man das riesige Talent, das da durchscheint, oder schaut man sich das Gesamtbild an? Wir entschieden uns mit viel Bedauern für das Gesamtbild. Nein, einfach war es nicht. Aber spannend. Anregend. Interessant. Denn: Wir übertrugen nicht einfach nur Punkte, sondern diskutierten bei gröberen Abweichungen das Warum. Selten wird Literatur so lebendig wie in solchen Diskussionen, in denen das Feuer, die Begeisterung oder auch der totale Frust so heftig ausbrechen kann. Es war ein lebendiger Morgen, von dem ich jede einzelne Minute genossen habe und mich privilegiert fühlte, in so einer Runde mitmachen zu dürfen.

Am Ende hatten wir uns auf die besten der drei Kategorien geeinigt. Nun geht es in eine nächste Runde: Innerhalb der Besten eine Rangliste erstellen. Die Aufgabe jagt mir Respekt ein. Zum Glück muss ich nicht alleine entscheiden, sondern bin Teil einer Jury, in deren Gesamturteil ich vertaue. Mehr in einem dritten Teil nach der nächsten Jurysitzung.

Mittwoch, 22. September 2010

Schamhaare sind so was von out

Und mit ihnen ich. Aber das nur am Rande, jedoch mit verstörenden Folgen (siehe Ende Beitrag).

Zum Thema: Wir diskutieren in unserem Schreibforum mal wieder darüber, wie man zum Verkaufsschlager wird. Dabei ist alles ganz, ganz einfach. Man muss jung sein, ein Buch mit dem Titel Generation Geil schreiben, ein paar wirklich kluge Sätze von sich geben, zum Beispiel den hier ...

Ihre Generation stehe unter Leistungsdruck, sagte sie, habe hohe Erwartungen und sei ehrgeizig. Vor allem aber lasse sie sich nicht über einen Leisten schlagen – ausser vielleicht was Schamhaare betrifft. Die seien bei allen, aber auch wirklich allen so was von out!

... und der Rest ergibt sich von allein, weil die Presse solche Darlings liebt. Auch meine Tageszeitung. Nach dieser Erkenntnis habe ich beschlossen, mich eine Woche lang in eine Klinik zu begeben und mich vom Wahn heilen zu lassen, dass es auch anders geht. Es sei denn ... ich rasiere mir die Schamhaare und stürze mich nackt vom Eifelturm.

Dienstag, 21. September 2010

Von Rot auf Grün

Als eine der letzten Ampeln hat die von Amazon umgeschaltet. Ihr könnt die realen und virtuellen Buchläden stürmen. Freerunning ist im Handel. :-)))

La,la,la, ich hör nicht hin

Die amerikanische Literaturagentin Kirstin (den Nachnamen behält sie für sich) erzählt in ihrem neusten Blogeintrag von ihren Workshops für Autoren auf der Suche nach einer Agentur. Sie beschreibt, wie sie dabei jeweils ihre entmutigenden Statistiken vorlegt - wie viele Anfragen bei ihrer Agentur eingehen, wie viele davon es überhaupt in eine nächste Runde schaffen und wie viele Autoren die Agentur pro Jahr neu aufnimmt. Und dann sagt sie den Workshopteilnehmern sie sollen die Ohren zuhalten und sagen:


"La, la, la, ich hör nicht hin."


Weil ein Autor die Statistiken nur kennen soll, damit er den Literaturbetrieb versteht. ABER: Das soll ihn nicht davon abhalten, es zu versuchen. Denn wenn ein Autor gerne schreibt, wenn er leidenschaftlich den Traum vom Schreiben verfolgt, dann wird er schreiben - egal, was auch passiert. Veröffentlicht zu werden ist dann eine mögliche Folge, aber ob sie eintreten wird oder nicht, davon soll der Antrieb zum Schreiben nicht abhängen.


"Du schreibst, weil du schreiben musst. Es ist wie Atmen.
Absolut notwendig."


Ausserdem weiss ein Autor nie, ob und wann sich seine Hartnäckigkeit auszahlt. Ein gutes Beispiel ist John Grisham. In der NZZ am Sonntag erzählte er, wie er jeden Morgen um fünf Uhr aufstand und an seinem ersten Buch schrieb, wie es von 20 Verlagen abgelehnt wurde, wie er bei einer Agentur unterkam und sein erstes Buch dann trotzdem weiterhin abgelehnt wurde, wie es - als es endlich in einer Auflage von 5000 gedruckt wurde - total floppte. Und wie sein zweites Buch "Die Firma" einschlug. In zwei Monaten verdiente er 2 Millionen Dollar. Er hängte den Anwaltsberuf an den Nagel und wurde hauptberuflicher Autor. Dieses Glück haben die wenigsten Autoren. Viele von uns brauchen weiterhin einen "Brotberuf" (das ist die Tätigkeit, die uns die Miete bezahlt und den Kühlschrank füllt). Aber wir geben nicht auf. Auch wenn die Vorzeichen schlecht sind. Wir hören einfach nicht hin. La,la,la.

Montag, 20. September 2010

Aus dem Nähkästchen geplaudert, Teil 1

Oder anders gesagt: Ein Einblick in meine Tätigkeit als Jurymitglied eines Schreibwettbewerbs.

Wortsturm im Lebeland, so heisst der regionale Schreibwettbewerb, bei dem ich als Mitglied in der Jury sitze. Erst einmal war der Sturm ein laues Lüftchen: Texter und Geschichtenerzählerinnen, Schreiberinnen und Wortentertainer hielten sich vornehm zurück. Die Bewerbungen tröpfelten wie ein sanfter Regen herein - um dann kurz vor Einsendeschluss zu einem wahren Sturm anzuwachsen. Am letzten Tag stürmte es besonders heftig, weshalb ich mich die letzten paar Tage durch sehr, sehr viele Geschichten gelesen habe.

Wie ich dabei vorgehe? Ich lese erst einmal alle Geschichten einer Kategorie an (wir verteilen Preise in drei Kategorien), damit ich einen Überblick habe. Dann lese ich die Geschichten gründlich, mache Notizen, überlege mir, wo ich den Text ungefähr einordnen könnte und gebe ihm eine provisorische Punktzahl. Danach lege ich die Texte beiseite, lasse sie nachwirken. Dabei ergibt sich die eine oder andere Verschiebung in der Gewichtung. Erst in einem dritten Anlauf lege ich eine Punktzahl fest.

Was für mich ein guter Text ist? Einer, der dem Titel der Ausschreibung gerecht wird. Da kann ich jetzt schon sagen, dass es mir zum Teil wahre Wortstürme ins Gesicht geblasen hat (ich bin begeistert!). Dann muss mir der Text eine Geschichte erzählen, die in sich stimmig ist, am liebsten eine originelle, kreative Geschichte. Rund geschrieben sollte der Beitrag sein, d.h. der Text sollte einen Rhythmus haben. Texte, die all diese Bedingungen erfüllen, stehen am Ende ganz oben auf meiner persönlichen Bestenliste.

Diesen Mittwoch treffe ich mich mit den anderen Jurymitgliedern; wir werden unsere Bewertungen austauschen und dabei über die einzelnen Texte diskutieren. Darauf freue ich mich ganz besonders, denn diese Diskussion kann nochmals neue Blickwinkel öffnen, zu einer anderen Bewertung führen.

Teil 2 der kleinen Nähkästchenserie folgt nach dem Jurytreffen vom Mittwoch.

UPDATE: Dank einer aufmerksamen Blogleserin habe ich auch den Katastrophensatz über meine persönliche Bestenliste flicken können (falscher ging gar nicht ... SORRY!)

Donnerstag, 16. September 2010

Drängelei am Verlosungshut

"Was ist denn hier los?", grummelte der Verlosungshut gestern Abend.

(Zwischenbemerkung an Neuleser hier: Mein Verlosungshut ist ein ziemlich miesepetriger Kerl, der ab und zu die Namenszettel anknabbert und / oder zerknüllt. Aber es ist so: Ich mag den Typen, ähm, Hut. Bild am Ende des Beitrags.)

"hä ...?", fragte ich, schon etwas müde und nicht zum Streiten mit Hut aufgelegt.
"Wollen alle reinhüpfen", brummte der Hut.
"Alle?"
"Na, guck doch mal."
Also guckte ich. Tatsächlich. Da stand eine Warteschlange, aus der "ICH WILL" Rufe klangen. Während ich noch guckte, murrte Hut: "Wo kommen die denn alle her? Um diese Uhrzeit?"
Ich zuckte mit den Schultern. Schlechte Idee.
"Find's raus!", knurrte Hut.
Ich wollte in Ruhe schlafen, ohne Grummelhut am Bett, der mich die ganze Nacht vorwurfsvoll anstarrt, und ging auf Spurensuche. Die führte mich dorthin. Ich zeigte Hut das Resultat meiner Nachforschungen.
"Coole Sache", meinte er. "Hast du dich schon bedankt?"
Wie auch. Hatte es gerade erst herausgefunden. Holte das Danken aber sofort nach. Per Mail. Und dann ging ich schlafen.




Mittwoch, 15. September 2010

Gestern, in meiner Buchwelt

Die erste Mail des heutigen Tages kommt von einer Freundin als Antwort auf die Dinge, die gestern passiert sind: "So schliessen sich alle Kreise."

Rückblende:

Gestern holte ich die bestellten Bücher ab. Wie immer gab's dazu einen ausgedehnten Schwatz mit den Verkäuferinnen und einen Ausflug zur Jugendbuchecke. Zu meiner grossen Freude entdeckte ich unter den Buchstapeln einen Störfaktor.

"Die kenne ich!", rief ich. "Das ist meine Kollegin aus Wien". Begleiterin durch Schreibzeiten, Mit-Administratorin in unserem Schreibforum. Ich tanzte innerlich ein kleines Freudentänzchen. Und noch während ich so tanzte, fiel mein Blick auf eine wunderschön gemachte Buchauslage für eine Buchserie für Mädchen. "Und die Frau, die das nächste Buch dieser Serie schreibt, die kenne ich auch!", doppelte ich nach. Auch sie: Begleiterin durch Schreib- und andere Zeiten, Chef-Administratorin in unserem Schreibforum (wir teilen uns neuerdings den Job zu dritt).

Dass ich viel zu spät nach Hause kam, das Mittagessen nicht wirklich eins war, verziehen mir meine beiden Männer glücklicherweise. Will heissen, sie legten es unter "so ist sie halt" ab. Mit einem leisen Seufzer.

Am Abend las ich in Widnau, zum zweiten Mal nach 2008. Es war ein bisschen wie Heimkommen. Die Veranstalterin, die Lehrkräfte, alle waren dieselben. Nur die Schüler, die waren neu. Wunderbare, lebendige, aufgeweckte, zum Lachen aufgelegte Jugendliche. Nach der Lesung kam ein Mann auf mich zu. Er sei Matthias und wegen der Jutta hier. Weil, die kenne er. Er sei den ganzen Weg von Stans zu dieser Lesung gefahren (Anmerkung: Das ist eine GEWALTIGE Wegstrecke für eine Lesung!). Zu sagen, ich war gerührt, ist eine Untertreibung.

Nach der Lesung fuhr ich mit meinem Mann nach Hause. Er war mitgekommen (was mich unendlich gefreut hat). Zufrieden. Glücklich.

Dass meine Tochter sich und ihre Freunde gestern zur Oktober-Lesung angemeldet hat (darunter Joschi, den eindrucksvollen Zweimetermann mit momentan pinker Haartolle) und mit mir am 23. September zum Poetry Slam kommen will, rundet den Tag perfekt ab.

Ja, so schliessen sich die Kreise. Einmal mehr zweifle ich daran, dass Zufälle nur Zufälle sind. Es musste so sein. Ich bin gut aufgehoben. Bei Menschen, die mir viel bedeuten.

Dienstag, 14. September 2010

Vom Schreiben an anderen Orten

Wie Kollegin Jutta Wilke bin ich begeisterte Bahnscheiberin. Noch besser aber schreibt es sich im Haus in den Bergen. Was der Grund ist, weshalb ich die Buchmesse in Frankfurt sausen lasse: statt Bahnfahren und Messehektik gibt's die totale Ruhe in den Bergen.

Letzes Wochenende war Überarbeitungswochenende. Erst im Schatten unter den Bäumen, dann auf dem Sitzplatz. Und irgendwann sind da noch diese Wahnsinnswolken dazugekommen.
PS: Hermann geht es ausgezeichnet :-)


Montag, 13. September 2010

Live dabei

Krimis lesen war gestern. Heute ist man live dabei. Rund um die Uhr. Man lässt sich die Nerven kitzeln, ist der Experte, der mehr weiss und kann als die Polizei, der Psychologe, der das Innenleben des Täters selbstverständlich kennt, der (neu)gierige Beobachter, der darauf wartet, dass endlich die tödlichen Schüsse fallen. Wer aktiv eingreifen will, geht gleich an Ort und Stelle gaffen und / oder  gründet eine Gruppe auf Facebook. Für oder gegen den Täter. Hetzen ausdrücklich erlaubt, Anfeuern des Täters übrigens auch. Die Realität überholt die Fiktion. Wir sind Medienmonster.

Freitag, 10. September 2010

Die Hölle

So sieht die Hölle aus. Mindestens für Literaturagenten. Für mich wird das in Zukunft die erste Lektüre des Morgens. Definitiv. Geht gleich in die Blogroll.
PS: Ein Blick in die Blogroll lohnt sich - ich habe heute ein paar neue Links gesetzt.

Buchbestellung

Ha. Bin in Leselaune. Und habe der Bestellung von "Tote Mädchen lügen nicht", gleich noch eine weitere hinterhergejagt:

1. Crank, Ellen Hopkins
2. Das Tal, Season 1, 1. Spiel, Krystyna Kuhn
3. Black*out, Andreas Eschbach
4. Little Brother, Corry Doctorow
 
 

Der Schriftsteller: Dein Feind und Subventionsjäger

Wir Schweizer sind schon ein seltsames Völklein. Wenn Schriftsteller und andere Kulturschaffende sich NICHT zum Zeitgeschehen äussern, sind sie Feiglinge, die den Kopf einziehen, Drückeberger, die gefälligst aus dem Busch kommen und ihre Meinung stolz und aufrecht verteidigen sollen, denn schliesslich habe das in unserem Land Tradition, man denke nur an die (Vor)denker Frisch und Dürrenmatt. Wenn dann aber einer mal etwas sagt  - oder auch häufiger, wie der Muschg -, dann muss er damit rechnen, verbal gevierteilt, aufgehängt und anschliessend ersäuft zu werden - siehe auch wieder Muschg. Aufgrund von Muschgs Erfahrungen hat so mancher Schriftsteller beschlossen, seinen Mund zu halten und zu schreiben. Frei nach "Shut up and sing" ein "Shut up and write" sozusagen.

Kürzlich hat sich jedoch wieder einmal einer aus der Deckung getraut, einer, von dem ich bis jetzt - im Gegensatz zu Muschg, Hürlimann und ein paar anderen - noch keine öffentliche Aussage gehört oder gelesen habe. Guy Krneta heisst der Wagemutige. Wagemutig im wahrsten Sinn, denn er hat ein paar Dinge gesagt, die für viele Bewohner dieses Landes im höchsten Mass provozierend sind. Und so sitzt der Gute jetzt da. Gestempelt zum Intellektuellen (Schimpfwort des Jahres), Sozialschmarotzer (denn nicht wahr, so einer MUSS ja von staatlichen Subventionen leben), Linken (von denen weiss man ja, dass sie das Vaterland nicht lieben), Feind aller senkrechten Schweizer Bürger (die noch wissen, was Recht und Unrecht ist).

Mir hat es ob der Kommentare zum Artikel die Haare noch senkrechter aufgestellt als sonst. Während ich also noch darüber nachdachte, wie ich das Thema im Blog aufgreifen soll, ging die Schlacht in eine zweite Runde, eine, die von "Schriftstellern" zu ganz allgemein "Intellektuellen" erweitert wurde, und die nun noch wütender tobt. In über 200 Kommentaren wütet ein Krieg, in dem keine Gefangenen gemacht werden.

Ich stelle (nicht überrascht, aber immer wieder aufs Neue erschüttert) fest, dass ich unter Leuten lebe, die wunderbar damit leben können, dass unser Staat pro Kuh und Jahr mehr Geld ausgibt als für ein Kind, dass jedes Schaf in der Schweiz im Durchschnitt pro Jahr mit 100 Franken subventioniert wird, dass ... ach lassen wir das.

Nein, ich bin mit Guy Krneta in vielen Punkten nicht einig. Die Ansichten von Muschg nerven mich manchmal gewaltig. Schweizer Schriftsteller, die finden, man könne nur im Ausland gut schreiben oder mindestens müsse man viel im Ausland sein, finde ich - nett gesagt - etwas skuril. Ich bin nicht beim AdS (Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz), weil ich mich in vielen Punkten in der gegen aussen getragenen Meinung nicht vertreten fühlen würde. ABER: Auch in der Schweiz herrscht (noch) Meinungsfreiheit. Wenn einer eine Meinung hat, soll er sie verkünden können,ohne gleich zum Freiwild zu werden. So, wie es jetzt aussieht, muss man sich tatsächlich überlegen, ob es nicht besser wäre, sich dem "Shut up and write" hinzugeben.

UPDATE: Spannend, die Antwort von Muschg.

Donnerstag, 9. September 2010

Erfolgsmenschen

Erfolgreiche Menschen sind kreativ, flexibel und leben in Städten.
So stand es gestern in einem Onlineartikel meiner Tageszeitung.
Aha, habe ich gedacht, ein bisschen gelacht und dann weitergeklickt. Hängen geblieben ist der Satz trotzdem. Nicht wegen des Wohneigentums, um das es in dem Artikel ging, auch nicht wegen der Stadt (ich bin bekennendes Landei), nicht einmal wegen des schon fast schmerzhaften Snobismus', der in diesem Satz mitschwingt, nein, das Wort Erfolg hallte in mir nach. Ich bin dem Echo gefolgt und fand in der gedruckten Ausgabe derselben Tageszeitung die Geschichte eines Bergsteigers, der den Erfolg um alles Verrecken wollte, so sehr, dass er beschissen hat. Er hat behauptet, den Gipfel des K2 bezwungen zu haben, hat das auch mit einem Foto belegt (wie übrigens auch die angeblich erste Frau, die alles Achttausender bestiegen hat). Bestiegen hat der "Skyrunner" den Berg als "Tagesausflug", denn heute zählt ja nur noch die Superlative. Blöd nur, dass man ihm nun nachweisen konnte, dass er gar nie auf dem Gipfel des K2 gestanden hat. Und was meint der Mann dazu? Er berichtet von
der extrem schlechten Stimmung im Basislager, von Neid, Drohungen und Erpressungsversuchen
und kommt zum Fazit
der Alpinismus sei halt ein Spiegelbild der Gesellschaft.
Wer will, kann es sich so einfach machen. Man kann sich aber auch ausklinken, auf sich selbst zurückbesinnen und sich überlegen, was denn Erfolg ist. Ja, vielleicht ist in der heutigen Zeit Erfolg nur das, was man sieht, der Schein, das glitzernde Gewand, das man anzieht (notfalls mit Bescheissen), oder das einen von den Medien für einen kurzfristigen Hype angezogen wird. Für mich ist Erfolg etwas anderes.

Nein, hier kommt nichts mehr. Ausser vielleicht: Nimm den Ball auf. Was ist Erfolg für dich? Einen guten Denkanstoss findest du hier.

Mittwoch, 8. September 2010

knuddelschwarzweiss

Ich hätte andere Namen für das Bild gefunden. The Beauty of Life. Punk Love. Geborgenheit. Urvertrauen. Meine Tochter hat es unter knuddelschwarzweiss gespeichert. Passt.

Bild: Fab / Bearbeitung: Kay

Dienstag, 7. September 2010

Der Anruf des Tages

Ich surfe so ein bisschen rum, nach dem Abwasch, vor der Gitarrenstunde. Da klingelt das Telefon. Unterdrückte Nummer. Ich nehme den Anruf mit einem fröhlichen "Gabathuler, guten Abend" entgegen (weil das mit dem Aufhören zu jammern prima funktioniert und es mir so gut geht wie seit Wochen nicht mehr.) Also:

Ich (gut gelaunt): "Gabathuler, Guten Abend."
Er (gehetzt): "Ich möchte Sie bitten, nicht mehr in Internetforen zu schreiben."
Ich: "Sie sind ja ein ganz Herziger. Warum denn?"
Er: "Weil 60 Prozent aller Einträge nicht von Menschen geschrieben werden."
Ich (denke sofort an Ausseridische): "Von wem denn?"
Er: "Von Computern."
Ich: "ähm ... und warum sagen Sie das ausgerechnet mir? Wie kommen Sie auf mich?"
Er (gehetzt): "Ich habe es Ihnen jetzt gesagt, nun liegt es an Ihnen. Ich habe Sie gewarnt."
 Damit ist unsere Konversation beendet.

Anmerkung 1 der Verfasserin: Ich bin's. Selber getippt. Glaub ich.
Anmerkung 2: Kurz vor dem Anruf habe ich die Mail einer Kollegin gelesen. Sie hat unser Autorenforum eiligst bei einem anderen Provider geparkt - weil unserer in den letzten Zügen liegt. ähm ...

Oh, wow!

Da wollte ich heute einen Blogeintrag schreiben von wegen: Fertig gejammert, fertig geelendet, fertig hängengelassen, fertig, fertig, fertig mit der miesen Stimmung. Vorher aber, da las ich noch bei Ilka Bukowski vorbei ... tauchte in ihren Blogeitrag, atemlos bis zum Ende und dachte "Oh, wow!"  Weil. Sie hat all das gesagt. Genauso, wie es zu sagen ist. Was mir die Arbeit erspart, weil ich einfach einen Link zu Ilka setzen kann. Mit einem grossen Dankeschön.

Montag, 6. September 2010

Schreibst du wieder ...

... fragte mein Sohn, als er heute Mittag nach Hause kam und Laptop, Notizheft, Schreibtagebuch und Stifte herumliegen sah.
"Ja", sagte ich.
Endlich wieder, dachte ich.
Und weil ich die letzten Sommertage geniessen will, schreibe ich draussen, unter dem motivierenden Blick von dem da:

Samstag, 4. September 2010

"Nur" Jugendbücher

Gestern las ich eine Buchbesprechung in meiner Tageszeitung, bei der ich am Ende ratlos und etwas konsterniert zurückblieb. Martin Ebel schrieb über den Roman Cowboysommer von Hansjörg Schertenleib, dass er als Jugendbuchroman allenfalls funktionieren würde, wenn die Musik nicht von gestern wäre. Den genauen Wortlaut kann ich leider nicht wiedergeben, da a) mein Mann die Zeitung mitgenommen hat, um sie während einer längeren Bahnfahrt zu lesen und b) die Besprechung nicht auf der Online-Ausgabe zu finden ist. Es kann also sein, dass ich Herrn Ebel falsch verstanden habe, ich weiss es nicht. Auf jeden Fall bin ich über den Satz gestolpert und er hat so sehr in mir nachgeklungen, dass ich im Internet die Leseprobe zum besprochenen Buch gesucht habe - was mir auch nicht geholfen hat.

Gleichzeitig ist mir das Interview eingefallen, das ich kürzlich auf Jugendbuchtipps.de gelesen habe. Da sagte eine Übersetzerin von Jugendbüchern unter anderem:

"Ich werde tatsächlich immer wieder gefragt, ob ich „nur“ Jugendbücher übersetze – und eigentlich freue ich mich immer diebisch über diese Frage, weil sie mir Gelegenheit gibt, zu einem längeren Plädoyer für gute Kinder- und Jugendliteratur auszuholen. Zuerst einmal verbessere ich das „nur“ in „ausschließlich“, damit gleich klar ist, dass es zwischen Büchern für Kinder oder Jugendliche und solchen für Erwachsene keinen grundsätzlichen Rangunterschied gibt. Es ärgert mich auch, dass selbst Verlage zwischen ihrer „Belletristik“, also der sogenannten „schönen Literatur“, und ihren Büchern für ein jüngeres Publikum unterscheiden. Ich bin überzeugt, dass Bücher, die keine in irgendeinem Sinne lohnende Lektüre für Erwachsene darstellen, auch für junge Leser nicht wirklich empfehlenswert sind. Beide Gruppen lesen natürlich mit anderen Augen, weil sie unterschiedliches Lebenswissen haben, aber gute Bücher haben eben diese Eigenschaft: dass man auch mit ihnen wachsen kann und man mit zunehmendem Alter immer wieder andere Dinge darin entdeckt."
Birgitt Kollmann, Übersetzerin. Das ganze, sehr lesenswerte Interview findet ihr HIER.

Es gibt viele Leute, die denken, ein Kinderbuch, könne man so schnell mal zwischendurch schreiben (weil Kinderbücher ja weniger Seiten haben). Jugendbücher seien einfacher zu schreiben als Bücher für Erwachsene (muss ja nur Jugendlichen gefallen). Und deshalb ist jeder Kinder- und Jugendbuchautor immer wieder mit der Frage konfrontiert: "Ach, Sie schreiben nur Kinder- / Jugendbücher? Wollen Sie auch mal ein richtiges Buch schreiben?"

Ich antworte jeweils genau wie Birgitt Kollmann. "Ja, ich schreibe nur Jugendbücher. Im Sinn von ausschliesslich." Zwar plane ich seit Jahren einen Roman für Erwachsene - aber mir fällt immer wieder Stoff für einen Jugendroman ein und ich merke, wie mich das mehr interessiert als mein Stoff für den Krimi für Erwachsene. Ich bin Jugendbuchautorin. Aus Überzeugung. Mit viel Freude. Nicht, weil es "nur" zur Jugendbuchautorin gereicht hat.

Freitag, 3. September 2010

FREERUNNING - Buchverlosung

Die Wartezeit ist zu Ende. September ist FREERUNNING-Monat. Offiziell erscheint das Buch am 15. September, bis es in den Buchläden ist, könnte es - vor allem in der Schweiz - noch ein paar Tage länger daueren. Bis Ende September sollte es dann aber überall erhältlich sein.

Wir können also mit der grossen FREERUNNING-Verlosung anfangen! Gross, weil einige von euch schon seit dem Frühjahr im Verlosungshut sind. Sämtliche Namenszettel der Mai-, Juni-, Juli- und August-Monatsverlosungen sind schon im Rennen. Wer das Vergnügen noch nicht hatte, in Form eines Namenszettels in den Verlosungshut zu hüpfen, kann das jetzt nachholen. Wie es geht, erfährt ihr in der Blogroll (bitte rechts rüberschielen, danke).

Anfang Oktober zieht entweder eine Glücksfee oder ein Glücksritter fünf Zettel aus dem Hut. Die fünf GewinnerInnen erhalten je ein signiertes Exemplar von FREERUNNING.

Viel Glück.

Donnerstag, 2. September 2010

Wenn sich ein Thrillerautor so was ausgedacht hätte ...

Sie (die Tea Party) verlangt die vollkommene freie Marktwirtschaft, möchte die amerikanische Notenbank und das Bildungsministerium abschaffen, lehnt Auflagen bei Ölbohrungen, die US-Gesundheitsreform und die UNO-Konvention über die Rechte von Kindern ab. (Quelle Online-TagesAnzeiger)
... dann würde man sagen: Hey, Mann, bleib mal einigermassen auf dem Teppich und denk dir was aus, das nachvollziehbar ist.

And the book goes to ...


Herzliche Gratulation :-) 

PS: Morgen beginnt die grosse September-Verlosungsrunde. Zu gewinnen gibt es fünf signierte Exemplare von FREERUNNING. Wer nicht bis morgen warten möchte, gucke in die Blogroll.

Mittwoch, 1. September 2010

Der September ist ...

... FREERUNNING-Monat
... Neubeginn-Monat
... Sohn-wird-Erwachsen-Monat (18. Geburtstag!)
... Schreib-Monat
... Lesungen-fangen-wieder-an-Monat
... Schreibwettbwerbjurymitglied-Monat
... Gelassenheitstraining-Monat (Ich glaube, kein Mensch der Welt scheitert so häufig an Gelassenheitsvorsätzen wie ich - wenn also jemand sehr viel davon hat, Gelassenheit, meine ich, packe er sie bitte in eine Schachtel und schicke sie mir.)

Und eine ganze Menge mehr.

Dienstag, 31. August 2010

Overkill

Sarrazin hustet und die Medien verfolgen es live mit.
Hinterletzt jedes axolotlte Roadkill-Zitat gipfelte in einer neuen, aufgeregten Hegemann-Schlagzeile.
Jeder mögliche, unmögliche, potentielle oder geht-überhaupt-nicht Bundesratskandiat bekommt beste Hauptsendezeit.

Nachrichtengehalt: Irgendwo bei Null.
Hypefaktor: Maximal.
Kurzfristiger Empörungsfaktor: Sabbergeiferkreischverflucht.
Langfristige Ermüdungserscheinungen beim Publikum: Vorhersehbar.
Lernfaktor der Medien: Tiefgaragentief.

Um es mit den Worten von Marc Balsigers Bürokollegen zu sagen:
Bürokollege Suppino findet, dass die Medien viel zu stark aus Schlagzeilen, Instant-News und Hypes bestehen.

Letzter Augusttag

Der letzte Tag eines Monats, der in allem extrem war. Wettermässig. Gefühlsmässig. Schreibmässig. Es gab von absolut wunderbaren bis zu absolut grässlichen Tagen alles. Ich halte mich an die wunderbaren Tage und hoffe, aus den grässlichen Tagen zu lernen.

"Halt endlich die Klappe!"

Ich glaube, das ist mein Verlosungshut, der so völlig unsentimental aus einer Ecke ruft. Was er damit wohl sagen will: Hör auf herumzuleiern und rede Klartext. Der da wäre: Heute ist die letzte Gelegenheit, für die Augustverlosung in den Hut zu hüpfen. Die Anleitung findet ihr in der Blogroll.

Was der September für mich bereithält, weiss ich noch nicht. Na ja, ein paar Dinge schon. Ich muss endlich in die Gänge kommen und mein Buch fertigschreiben. Und ich bin Jurymitglied eines Schreibwettbewerbs, dessen Einsendeschluss heute ist. Ab morgen kann und darf ich in die Texte reinlesen. Darauf freue ich mich ganz besonders.

GANZ frisch, erst letzte Stunde hereingekommen: Die Mail von Richi Küttel, der die Ostschweizer Lesungen organisiert. Ich bin eingeladen, im Mai 2011 wieder mitzumachen. Meine Zusage ist schon weg. In den nächsten Tagen muss ich nun noch den nötigen Papierkram dazu erledigen.

Montag, 30. August 2010

Mit Hermann und Radio Grischa durch die Berge

Da fuhren wir also durch die Landschaft. In strömendem Regen. Es war kein Tag für das Haus in den Bergen, aber die Gärtnerei hatte angerufen. Hermann war da, bereit zum eingepflanzt werden. Mein Mann holte ihn am Freitag auf dem Weg nach Hause ab und es stellte sich heraus, dass Hermann für ein frisches Bäumchen eine stattliche Grösse hat. Am Samstagmorgen verluden wir ihn in unser Auto. Er musste ganz hinten einsteigen. Trotzdem kitzelten mich seine Blätter im Gesicht, denn seine längsten Äste reichten fast bis zur Windschutzscheibe.

Während wir durch den Regen fuhren, hörten wir Radio Grischa, das Bündner Lokalradio. Eine Moderatorin unterhielt sich mit einem Autor - mitten am Samstagvormittag, in aller Seelenruhe, ohne Eile, ohne Blick auf "zu lange Redezeit für einen Samstagvormittag". Er sprach über seine beiden Bücher über das Mittelalter, für die er fünf Jahre recherchiert hat, darüber, dass er den Verfolgten und Hingerichteten im Kanton Graubünden aus jener Zeit eine Stimme geben will, von Gerichtsakten, die zeigen, wie viel Kraft diese Menschen an ihrem Lebensende zeigten. Vom Rosenhügel, auf dem man Menschen aufhängte und im Wind hängen liess, als Abschreckung. In einem zweiten Teil stellte er sein neues Buch vor, Menschendämmerung, über einen Churer Anwalt, der im Jahr 2012 den Weltuntergang (oder den Beginn davon) erlebt und dabei auf sich selbst zurückgeworfen wird. Der Autor sprach von unserer schnelllebigen Zeit, in der viele gar nicht mehr wissen, wer sie sind, die Frage nach Sinn und Sein nicht stellen, weil sie nicht wissen wie, sich nicht trauen oder sie schlicht und einfach verdrängen. Ich hörte diesem Autor zu, den ich vorher nicht gekannt hatte, und wollte unbedingt seine Bücher lesen. Er heisst Philipp Gurt. Mehr über ihn erfahrt ihr HIER

(Zwischenbemerkung: Zürcher, ihr könnt den Schawinski behalten. Ich will Radio Grischa.)

In den Bergen hingen dicke Wolken. Wir fuhren mitten hinein, dort, wo sie am dichtesten sind, luden Hermann aus und trugen ihn hinunter in den Steilhang, in dem er sein Plätzchen haben wird. Noch vor ein paar Monaten war dieser Steilhang ein undurchdringlicher Dschungel an Brombeersträuchern und Bärenklau, ein wunderschönes aber gefährliches Gewächs. Wir drangen nur langsam vor, mussten uns den Weg freischneiden, kleine Pfade selber anlegen. Die Brombeeren habe ich gerodet, den Bärenklau kamen Männer vom Kanton Graubünden in Schutzkleidung ausgraben (durch den Bärenklau fliesst eine stark verätzende Flüssigkeit), da er auf der schwarzen Liste der schweizerischen Kommission für die Erhaltung von Wildpflanzen steht. Während rund um den Hang die pralle Vegetation gedeiht, ist er nach der Rodung ein ödes Stück Dreck- und Geröllwüste. Wir wollen ihm nach und nach sein Leben zurückgeben - ohne Bärenklau, der leider nach dem Kauf des Hauses schon zu gross war, um ihm selber zu Leibe zu rücken. Zwei Sträucher haben wir schon vor einer Woche gepflanzt, nun kam Hermann hinzu (Bilder am Ende des Eintrags).

Am Sonntag brach die Sonne durch die Wolken. Wir brachen zu einer Wanderung nach Vals auf - es wurde zu einer der schönsten des ganzen Jahres. In dieser wuchtigen Natur erledigt sich die Sinnfrage von selbst. Die innere Ruhe kehrt ein, Geschehnisse rücken an ihren Platz. Ich habe nicht geschrieben, dieses Wochenende. Ich werde schreiben, diese Woche und die Wochen, die da kommen. Für mich und meine Leserschaft.

Und dann auf dem Nachhauseweg die Nachrichten: Der Schweizer Luftwaffenchef wünscht sich ein Raketenabwehrsystem. Ich hätte umkehren und in die Berge zurückfahren sollen ...

Hier kommt (steht) Hermann: