Mittwoch, 18. Juni 2008

Enttäuscht

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Kürzlich habe ich mir Bücher von Schweizer Autoren gekauft, die ich endlich einmal lesen wollte.

Den Alex Capus, auf den ich zwar sehr neugierig war, aber an den ich keine Erwartungen hatte, habe ich verschlungen und auf die Liste der "mehr davon" Autoren gesetzt. Unbedingt und auf jeden Fall "mehr davon"!

Und da war jener Schweizer Autor, von dem ich mir nach all den Buchbesprechungen so eine Art Offenbarung erwartet habe. Das mit den Erwartungen ist so eine Sache. Leider. Ich gestehe: Ich lese mich im Moment mehr und mehr frustriert durch das Buch, das ich schlicht und einfach als langweilig empfinde. Am meisten weh tut mir, dass ich mit der Erzählsprache des Autors absolut nichts anfangen kann; ja, mittlerweile nerven mich die vielen indirekten Reden, die vielen "sagte".

Jedes andere Buch würde ich weglegen. Dieses kann ich nicht weglegen. Ich will, dass es besser wird. Ich "mag" den Autor - so weit man das von jemandem sagen kann, den man nur aus Buchbesprechungen, Interviews und Reportagen kennt. Und selbst wenn ich an diesem Buch nichts Gutes finde, werde ich ein zweites kaufen. Und darauf hoffen, dass mir das zweite besser gefällt als das erste; dass ich das finde, was allen anderen offensichtlich ist und mir verborgen bleibt bei diesem Buch.

Als Autorin weiss ich, dass man nie für alle schreiben kann, dass es immer Leser und Leserinnen gibt, die mit den Büchern, die ich schreibe, nichts anfangen können. Das ist weder tragisch noch das Ende der Welt (es gibt ja viele Bücher). Aber noch bei niemandem habe ich mir so sehr gewünscht, dass mir seine Bücher gefallen, wie bei diesem Autor. Ich gebe nicht auf!

Kommentare:

Esther hat gesagt…

Liebe Alice,
es beisst und juckt mich am ganzen Körper vor Gwunder, wer dieser Autor ist und wie das Buch heisst...
Bevor ich mich wund gekratzt habe und eine Nacht lang wach im Bett liege, weil sich das Gedankenkarussell nicht abstellen lässt, bitte ich dich um einen winzig kleinen Tipp!
Mit erwartungsvollen Grüssen
Esther

Alice hat gesagt…

Liebe Esther

Du musst dich weiterhin kratzen, wenn es dich juckt.

Ich lobe sehr gerne Kollegen, wenn ich ihre Bücher toll finde (wie den Alex Capus oder andere, über die ich mich im Forum schon begeistert geäussert habe), aber ich will keinen Kollegen "zerreissen", vor allem nicht nach einem halben Buch (ich habe vielleicht wirklich einfach das falsche erwischt).

Und dann ist es eben wirklich so: Schreibstile sind verschieden. Wir sprechen nicht auf jeden an. Bei einem meiner absoluten Lieblingsbücher bin ich die Einzige im ganzen Bekanntenkreis, die das Buch gut, ja gar genial findet. Alle anderen können damit nichts anfangen. Ich fürchte, so geht es mir gerade mit dem Buch, das ich am Lesen bin - ich denke aber auch, dass dies in diesem Fall nicht am Autor liegt, sondern an mir.

Esther hat gesagt…

Liebe Alice,
Zu Recht wehrst du dich, hier einen Verriss zu schreiben über ein Buch, das dich offensichtlich nicht packt sondern langweilt. Darum ist es mir auch nicht gegangen. Es ist doch völlig normal, dass dir und mir und andern Lesenden nicht alle Bücher gefallen, auch wenn sie vielleicht von Kritikern hoch gelobt werden. Die machen das ja auch beruflich, haben ihre Kriterien und sehen vieles mit andern Augen. Ich lege hin und wieder ein Buch schon nach wenigen Seiten weg, weil es mich emotional nicht erreicht, weil seine Geschichte mich nicht fasziniert oder weil ein verschachtelter Satzbau mich im Lesefluss hemmt. Das ist für mich nur vergeudete Zeit. Das letzte Buch, bei dem mir das passiert ist, ist 'Am Hang' von Markus Werner. Da es mir von einer netten Nachbarin zum Geburtstag geschenkt worden ist, tut es mir wirklich auch leid.
Zum Schluss noch dies: Ich finde wohl, dass es - zumindest zur Hälfte - am Autor/an der Autorin liegt, wenn mir ein Buch nicht gefällt. Für die andere Hälfte halte ich gern meinen Kopf hin... Und natürlich ist es schöner und mir als Vielleserin lieber, wenn mich ein Buch beim Lesen glücklich macht. So wie im Moment das wunderbare Buch von Mariolina Venezia 'Tausend Jahre, die ich hier bin'.

Alice hat gesagt…

Liebe Esther

Der Zufall (es gibt Menschen, die nicht an Zufälle glauben; und in diesem Fall ist mir die Sache auch unheimlich) wollte es, dass mich genau dieses Thema heute Morgen mit voller Wucht getroffen und seither fest in den Klauen hat.

Ich habe deshalb einen neuen Eintrag dazu verfasst, in dem ich genauer zu erklären versuche, warum ich vorsichtig bin mit negativen Äusserungen.

Grüsse von einer ziemlich erschlagenen

Alice